Was „Sprachkurs(e)“ tatsächlich bedeutet

Eintrag ins Vokabelheft von Giorgos Pavlopoulos

Sprachunterricht. Früher oder später muss man Deutsch lernen. Nur auf diese Weise kann man in der Stadt überleben. Freunde und Bekannte empfehlen eine Schule oder ein Institut, in der sie die Sprache gelernt haben. Wenn man nicht wenigstens ein paar Worte wechseln kann, kommt man nicht weiter. Worte bewegen das Leben. Jetzt ist es an der Zeit, sich Schulbücher zu besorgen und wieder Schüler zu sein.

Man geht die Treppe zu einem aller Wahrscheinlichkeit nach grauen Gebäude hinauf und drückt wieder die Schulbank. Wenn man zu einem Bier eingeladen wird, bringt man alte Ausreden vor, so wie z.B. „Ich muss noch lernen“ oder „Ich schreibe morgen eine Arbeit“. So vergehen ein paar Monate. Bis man eines Tages zum letzten Mal die Treppe hinuntergeht. Jetzt ist es an der Zeit, dass man selbst die Schule oder das Institut empfiehlt, in der man die Sprache gelernt hat. Obwohl sich die Sprache ständig weiterentwickelt, gibt es für einen selbst nicht mehr so viele unbekannte Worte. Sehr wahrscheinlich schätzt man sich glücklich, den anderen einen Schritt voraus zu sein.

            Was

            Sprachkasse

            bedeuten könnte:

Sprachbank. Früher oder später muss man zu dieser eigenartigen Bank. Nur auf diese Weise kann man in jeder Stadt überleben. Freunde und Bekannte empfehlen die Bank, wo sie ihre liebsten Worte zinslos hinterlegen. Wenn man nicht weiß, welche Worte man mag, kann man auch keine gehaltvollen Worte hinterlegen. Die Worte bewegen diese Bank. Jetzt ist es an der Zeit, sich ein Wortbuch zu besorgen und wieder Kontoinhaber zu sein. Man geht die Treppe zu einem aller Wahrscheinlichkeit nach grauen Gebäude hinauf und sieht sich einem Angestellten gegenüber.

Wenn man von dieser Sprachkasse eingeladen wird, kann man keine alten Ausreden vorbringen, so wie z.B. „Ich weiß nicht, was das bedeutet“ oder „Ich verstehe nicht, was Sie von mir wollen“. Man verbringt sein ganzes Leben damit, die wertvollen Worte zu hüten. Bis man eines Tages zum letzten Mal die Treppe hinuntergeht. Jetzt ist es an der Zeit, sich einzugestehen, dass man alt geworden und nicht mehr in der Lage dazu ist, sich mit Dingen zu beschäftigen, die man einst sehr gemocht hat. Weil die Sprache sich ständig weiterentwickelt, gibt es für einen selbst viele unbekannte Worte. Sehr wahrscheinlich schätzt man sich überhaupt nicht glücklich, den anderen einen Schritt voraus zu sein.

Giorgos Pavlopoulos ist Schriftsteller, lebt in Berlin und Athen: www.gpavlopoulos.com. Übersetzung: Nina Bungarten. Foto: Frieder Schubert

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2 Gedanken zu “Was „Sprachkurs(e)“ tatsächlich bedeutet

  1. Echt gute Sprachtips auf deiner Website, wirklich hilfreich für mich und haben mir wirklich echt weitergeholfen!
    🙂
    Liebe Grüße
    Samantha

  2. …hallo und guten Tag,

    …bin derzeit am Lernen der griechischen Sprache –

    …bin für jede Anregung dankbar, die mir weiterhelfen könnte!!

    Bin gespannt, wer sich meldet und was ich für Informationen erhalte!!

    Liebe Grüße aus Heidelberg

    alexios

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