Das Athener Literarische Quartett wird 20

Artikel von Hubert Eichheim

20 Jahre Literarisches Quartett in Athen: Am 29.1., 19.30 Uhr, treffen sich wieder Literaturfans im Vereinshaus des deutsch-griechischen Vereins Philadelphia, Kriezi 64, 15125 Athen-Maroussi, um vier Referenten zu lauschen, die Neuerscheinungen der deutschsprachigen Literatur und ein übersetztes Werk der griechischen oder auf Griechenland bezogenen Belletristik vorstellen.

Der trockene Satz „Mit der Veranstaltung soll zugleich versucht werden, einen Literaturkreis innerhalb von Philadelphia ins Leben zu rufen“ stand unter einer Einladung zu einem Abend mit dem Athener Literarischen Quartett für den 10. Dezember 1999 im Foyer des Goethe-Instituts Athen. Veranstalter dieses Abends war der 1837 gegründete deutsch-griechische Verein Philadelphia, der mangels eigener Räume damals Gastrecht im Goethe-Institut genoss.

Plakat Liter. Quartett

Die Idee zu dieser Reihe kam von einer Gruppe von Personen um den ehemaligen Goethe-Chef Wilhelm Siegler. Zu ihr gehörten die Publizistin und Übersetzerin Andrea Schellinger und der Sozialwissenschaftler und Politologe Gustav Auernheimer. Natürlich hatte das berühmte Literarische Quartett des Marcel Reich-Ranicki bei der Gründung Pate gestanden. Doch von Beginn an wurde etwas Anderes daraus. Nicht literarische Kritik stand im Vordergrund, sondern die Teilnehmer sollten auf Neuerscheinungen aufmerksam gemacht werden. Sie sollten herausfinden, ob es sich lohnt, die Bücher auf ihr Nachtkästchen zu legen. Drei deutsche Romane und die Übersetzung eines griechischen Krimis wurden damals von vier Referenten vorgestellt.

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Damit war eine Grundstruktur vorgegeben, die dann für alle weiteren 19 Abende galt. Mehr oder weniger: vier Autoren, drei deutsche Romane bzw. Erzählungen sowie die Übersetzung eines griechischen Buches. Nur im Jahr 2001 waren es vier Übersetzungen aus dem Griechischen, als Griechenland Gastnation auf der Frankfurter Buchmesse war. Um die Veranstaltung nicht in Routine erstarren zu lassen, wurde darauf geachtet, dass immer wieder neue Referenten eingeladen wurden. Auch verzichtete man mitunter, nur Neuerscheinungen vorzustellen. Angesichts des dauerhaften Erfolges des Athener Quartetts entschloss sich die Gründungsgruppe, eine zweite Veranstaltung pro Jahr einzuführen, mit höherem Anspruch. Dabei wurden Aspekte der deutschen Klassiker Goethe und Schiller oder auch Griechische Mythologie und deutsche Literatur behandelt.

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Damit wurde das Quartett auf ein Niveau gehoben, das weit über Unterhaltungsliteratur hinausging. Und das Publikum ging mit. Das hing auch damit zusammen, dass oft so prominente griechische Autoren wie Petros Markaris, Nikos Themelis, Michalis Ganas und Menis Koumandareas sich der Diskussion stellten, aber auch deutsche Autoren wie Patrick Hofmann, Andreas Kelletat und Eleni Torossi nahmen teil. Einmal mischte sich sogar Franz Xaver Kroetz unters Publikum und war höchst erstaunt, auf welchem Niveau im fernen Athen über deutsche Literatur diskutiert wurde.

Wackwitz

Die Moderation hatte zunächst der Publizist Gustav Auernheimer, der auch die Auswahl der zu besprechenden Bücher und der Referenten vornahm und dafür sorgte, dass die Abende zuerst im Goethe-Institut und ab 2005 im Vereinshaus von Philadelphia reibungslos funktioniert haben. Als Auernheimer Griechenland verließ, übernahm Katja Jaeckel, die Leiterin des DAAD Büros, Organisation und Moderation. Ihr folgte der DAAD Lektor Michael Weitz. Auch er hat inzwischen Griechenland verlassen.

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Wenn am 29. Januar 2016 das achtzigste Buch dieser Reihe vorgestellt wird, fungiert die Literaturhistorikerin und Komparatistin Katerina Karakassi von der germanistischen Abteilung der Athener Universität als Moderatorin. Als Thema des Abends hat sie „Aspekte des Frauenlebens“ ausgewählt.

Vorgestellt werden folgende Bücher:
Gertraud Klemm: Aberland. Graz: Literaturverlag Droschl 2015.
Monique Schwitter: Eins im Andern. Graz: Literaturverlag Droschl 2015.
Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter. Frankfurt am Main: S. Fischer 2015.
Sofka Zinofieff: Athen, Paradiesstraße. München: dtv 2013.

Text: Hubert Eichheim

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Ein Gedanke zu “Das Athener Literarische Quartett wird 20

  1. Spannend, was du da machst, unterhaltsam und lehrreich. Ich würde da gerne teilnehmen, statt nur die Berichte im Internet zu lesen. Aber auch die sind ein Genuss.

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