Das Projekt HipHop4Hope in Athen und seine transformative Kraft

Von Ina Kuhn

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Hip-Hop, eine kleine Subkultur der 1970er Jahre aus New York, wurde weltweit zu einer Bewegung. Ina Kuhn erläutert, wie ein Verein in Athen damit zur Entfaltung und Verständigung von jugendlichen Einheimischen und Migranten beiträgt.

Das Projekt HipHop4Hope in Athen ist nicht nur eine Initiative, die Jugendlichen durch Hip-Hop-Kultur hilft, ihr Selbstwertgefühl und ihre persönliche Entwicklung zu stärken. Es ist auch ein lebendiges Beispiel für die transformative Kraft des Hip-Hop. Als Kultur und Bewegung entfaltet es sich auf individueller, sozialer und globaler Ebene, indem es Identitäten formt, Gemeinschaften stärkt und einen gesellschaftlichen Wandel anregt. Dieser Prozess setzt sich in neuen hybriden Formen fort. Gegründet im Jahr 2020 hat dieses Projekt in Athen bereits zahlreiche junge Menschen erreicht und positiv beeinflusst.
HipHop4Hope richtet sich hauptsächlich an minderjährige Geflüchtete und bietet den Teilnehmern weit mehr als nur Tanz- und Musikunterricht. Es ist ein Ort der Begegnung und des Austauschs, an dem Jugendliche verschiedener Herkunft und Kultur zusammenkommen, um gemeinsam ihrer Leidenschaft für Hip-Hop nachzugehen. Durch regelmäßige Kurse, Community-Events und Mentoring-Programme wird sowohl die künstlerische Entwicklung gefördert, als auch ein starkes Gemeinschaftsgefühl aufgebaut.
::: Die HipHop4Hope-Projekte, website hier (auf EN)

Die Geschichte des Hip-Hop reicht zurück bis in die 1970er Jahre, als diese Bewegung in den marginalisierten Vierteln der Bronx und Brooklyn entstand. Inmitten von sozialen Ungerechtigkeiten und wirtschaftlichen Herausforderungen fanden afroamerikanische Gemeinschaften im Hip-Hop eine Möglichkeit, sich auszudrücken und ihre Stimme zu erheben.
::: Zur Geschichte des Hip-Hop hier und hier

Die vier Elemente im Hip-Hop – Breakdance, Rap Music, DJing und Graffiti – wurden zu Instrumenten des Protests und der Selbstermächtigung. Breakdance, entstanden auf den Straßen und in den Clubs von New York, war mehr als nur ein Tanzstil; es war eine Form körperlicher Freiheit und des Selbstausdrucks. Rap Music, auch bekannt als MCing, wurde zu einer Plattform, um über Themen wie Polizeigewalt und soziale Ungerechtigkeit zu sprechen. Songs wie „The Message“ von The Grandmasters Flash & The Furious Five wurden zu Hymnen der Bewegung. DJing, das Zusammenführen verschiedener Musikstile und das Schaffen neuer Rhythmen, sowie Graffiti, als visuelle Form des Protests und der Identitätsbildung, komplettierten das Bild des Hip-Hop als kulturelle Revolution.

Heute, mehr als vier Jahrzehnte später, hat Hip-Hop seine transformative Kraft nicht verloren. Projekte wie HipHop4Hope in Athen zeigen, wie Hip-Hop als Werkzeug zur Selbstentfaltung und sozialen Veränderung genutzt werden kann. Durch Musik, Tanz und Gemeinschaft bietet HipHop4Hope Jugendlichen aus prekären Lebensverhältnissen eine Plattform und fördert diesen explorativen Charakter.
Die Geschichte des Hip-Hop und die Mission von HipHop4Hope zeigen, dass Hip-Hop mehr ist als nur eine Musikrichtung oder ein Tanzstil – es ist eine Bewegung, die Menschen zusammenbringt und Veränderungen bewirkt.

Es ist wichtig, den Kontext von Geflüchteten genauer zu verstehen, um sensibel und angemessen mit dieser vulnerablen Population umgehen zu können. Den eigenen Wohnort aufgrund von katastrophalen wirtschaftlichen oder politischen Gründen zu wechseln, stellt eine extreme Belastung für die mentale Gesundheit dar und geht fast immer mit traumatischen Erfahrungen vor, während und nach der Flucht einher. Diese Umstände lösen häufig Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen oder Angststörungen aus, die sich auf verschiedenen Ebenen beobachten lassen. Besonders unbegleitete Jugendliche sind einem enorm hohen Stress und Vulnerabilität ausgesetzt, die beispielsweise soziale Isolation, Diskriminierung, Zerreißen von Familien und unsichere Asylverfahren mit sich bringen.

In Athen konzentriert sich das Projekt auf drei Hauptbereiche. Im Street-Dance-Programm werden regelmäßig Kurse im Bereich urbaner Tanzrichtungen angeboten, welche auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Um Jugendliche für diese Kurse zu gewinnen und für die Hip-Hop-Kultur zu begeistern, gehen regelmäßig Mentoren in Unterkünfte, wo minderjährige Geflüchtete leben und versuchen, eine Verbindung zu den jungen Menschen aufzubauen und ihnen das Projekt vorzustellen. Im Hip-Hop-Rap-Musik-Programm steht ein Raum eines Platten-Labels zur freien Verfügung und ermöglicht Beat-Produktion und die Aufnahme eigener Lieder. In erster Linie ist dies auch ein regelmäßiger Treffpunkt für Menschen, die ihre Emotionen durch Musik verbalisieren. Trotz unterschiedlicher Sprachen vereint hier das gemeinsame Gehör für Rhythmus und Musik.

HipHop4Hope organisiert auch Community-Events, die internationale Künstlerinnen und Künstler nach Athen bringen und häufig die verschiedenen Elemente des Hip-Hop zusammenführen, wie beispielsweise eine freie Wand für Graffiti, Musik und Rap-Konzerte, Tanzaufführungen und Workshops. Hierbei sollen schlichtweg positive Erfahrungen gemacht werden und ein offener Ort für internationale Vernetzung entstehen.

Ich bin selbst Hip-Hop Tänzerin und Psychologiestudentin. HipHop4Hope interessiert mich als Projekt, weil ich die Schnittstelle zwischen Hip-Hop als Tanz und Kultur und mentaler Gesundheit sehe. Mich haben die anrührenden Geschichten der einzelnen Teilnehmenden angesprochen und ich bin immer wieder davon fasziniert, wie Hip-Hop als Kultur Menschen aus aller Welt zusammenbringt und diesen Raum der Vernetzung schafft. Ich habe mich anfangs auf die Verbindung zwischen mentaler Gesundheit und Hip-Hop konzentriert und bin mit diesem Vorhaben nach Athen gegangen. Nach kurzer Zeit habe ich jedoch bemerkt, dass diese „Brille“ und das allgemeine Verständnis von mentaler Gesundheit mir bei einer holistischen Exploration dieses Projekts im Wege stehen könnten. Es zeigte sich, dass es um mehr geht als die mentale Gesundheit – die natürlich unter anderem durch positive Erfahrungen mit beeinflusst wird –, denn es gab daneben auch noch andere Themen. Hierzu zählt zum Beispiel: Wie lässt sich Vertrauen aufbauen? Wie schaffe ich es, Menschen, die eine ganz andere Sprache sprechen, von einer Kultur zu begeistern, mit der sie bisher noch nicht in Kontakt waren? Welche religiösen und kulturellen Barrieren gibt es im Kontakt und in Workshops?
Beispielsweise hat eine Teilnehmerin aus dem Iran ihre Dankbarkeit für eine Tanzstunde ausgesprochen, da es für sie das erste Mal im Leben war, dass sie ohne Kopftuch und an einem anderen Ort als zuhause mit anderen Menschen zusammen getanzt hat. Andere berichten davon, dass Hip-Hop eine nicht mehr wegzudenkende Konstante in ihrem Leben geworden ist und eine große Bereicherung darstellt.

Es ist festzuhalten, dass dieses Projekt ein großes Potenzial birgt, traumatisierten Menschen auf verschiedenen Ebenen durch Hip-Hop-Kultur eine Form von Zuhause zu bieten. Das gesamte Team zeigt ein enorm hohes Engagement, weiterhin von den Erfahrungen zu lernen, interne Konflikte gezielt zu adressieren und durch konstante Weiterbildung eine Sensibilisierung in der Arbeit mit Geflüchteten aufrechtzuerhalten. Um dieses Angebot weiterhin zu gewährleisten, ist das Projekt auf die Unterstützung von Institutionen und Stiftungen angewiesen. Weitere Informationen und Neuigkeiten über das Projekt in Athen lassen sich auf der Webseite nachlesen. Jede Spende von Privatpersonen ist herzlichst willkommen und kann über das Fundraising der Webseite getätigt werden.


HipHop4Hope Freiburg i.Br. hier (auf EN)
HipHop4Hope e.V. ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein mit Sitz in Freiburg im Breisgau. Das Projekt wurde 2013 von Stefan Müller ins Leben gerufen. Ziel des Vereins ist es, Jugendlichen aus schwierigen Lebensverhältnissen über Hip-Hop-Kultur positive Impulse zur Persönlichkeitsentwicklung und Integration zu geben. HipHop4Hope organisiert regelmäßig Workshops, Tanzkurse und Events an Schulen sowie in Jugendzentren und arbeitet dabei eng mit lokalen und internationalen Organisationen zusammen.
Aktivitäten
– Regelmäßige Hip-Hop-Workshops in Schulen und Jugendzentren.
– Veranstaltungen zur Stärkung der lokalen Hip-Hop-Kultur.
– Arbeit mit geflüchteten Jugendlichen, z.B. zweijähriges Projekt mit syrischen Geflüchteten

HipHop4Hope Athen hier (auf EN)
Das Projekt HipHop4Hope Athens wurde im Juni 2020 von Christian Drewicke gegründet. Es richtet sich besonders an Jugendliche mit Migrations- und Fluchthintergrund in der multikulturellen Stadt Athen. Ziel ist es, durch Hip-Hop-Kultur einen sicheren Raum für Selbstentfaltung, Integration und persönliche Entwicklung zu schaffen. Das Projekt arbeitet mit lokalen und internationalen Organisationen, Jugendzentren und Hip-Hop-Crews zusammen.
Aktivitäten
– Regelmäßige, kostenlose Hip-Hop-Kurse für alle, unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht oder Religion
– Monatliche Community-Events wie Movie Nights, Workshops, Graffiti-, Rap- und Dance-Jams
– Spezielle Projekte wie „Juicy Cruise Music Creations“ zur Förderung musikalischer Talente
– Förderung durch Stiftungen, z.B. Stiftung :do mit 1.800 Euro für monatliche Events

Das HipHop4Hope-Projekt auf den Philippinen existiert seit 2013.

Ina Kuhn hat in Berlin Psychologie studiert und in Paris eine professionelle Hip-Hop-Tanzausbildung absolviert. Um die Hip-Hop-Kultur in ihrer Vielfältigkeit zu erleben, reist sie oft in verschiedene Länder.
An dem Projekt HipHop4Hope in Athen faszinierte sie der positive Einfluss von Hip-Hop im Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen. Das Thema ihrer Masterarbeit war „The Rhythm of Hope: How Hip Hop creates community“. Heute lebt sie in Paris, geht ihrer Leidenschaft als Tänzerin nach und verbindet sie mit ihren psychologischen Kenntnissen.


Text und Fotos: Ina Kuhn. Redaktion: A. Tsingas. Fanny Papoulia sei Dank für Hinweis und Kontakt.

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