AC Biblio: Lyrik auf dem Vormarsch

Treffen zwischen Athen und Köln

Das deutsch-griechische Literaturtreffen AC Biblio bringt im Januar 2019 Dichterinnen, Verlegerinnen und Zeitschriftenmacherinnen aus Köln und Athen zusammen. Zum Thema Bibliodiversität treffen die Verlage Antipodes und parasitenpresse sowie die Literaturzeitschriften FRMK und KLiteratur zu einem internen Workshop zusammen, in dem folgende Fragen im Vordergrund stehen: Wie können kleine Verlage, Literaturzeitschriften und Autoreninitiativen in einem sich rasant entwickelnden Buchmarkt bestehen? Und wie können diese vier Akteure zusammenarbeiten, um einen stetigen deutsch-griechischen Literaturaustausch zu ermöglichen?

Der zweite Teil von AC Biblio ist die öffentliche Performance am Samstag, 26. Januar, um 19 Uhr, in der Buchhandlung Little Tree Books & Coffee in Athen, zu der alle eingeladen sind. Dort kommen die Dichterinnen aus Köln und Athen zusammen und lesen zweisprachig. Gäste des Abends sind Katerina Iliopoulou, Adrian Kasnitz, Kostas Spatharakis, Jonas Linnebank, Pavlina Marvin und Danae Sioziou. Musikalisch begleitet werden sie von der Gruppe Tria Kitra und Guido De Flaviis (Saxophon).

Das Literaturtreffen wird geleitet von Danae Sioziou und Adrian Kasnitz. Ermöglicht wird der Besuch in Athen durch Fördermittel aus dem Programm Transfer international des NRW KULTURsekretariats Wuppertal und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf. Ein Gegenbesuch in Köln ist geplant.

drei Frauen in Schwarz vor Stadt

©Jorje Μυκονιάτης

DAS UNKRAUT

Ich hätte nicht das ganze Unkraut herausrupfen sollen –
jetzt steht kein Halm.
Schau, was in der entbehrungsreichen Zeit
übrig ist:
Unser leeres Feld
und in der Mitte ich, ein gescheiterter
Ölgötze,
todeshungrige Vögel
in Blut gebadetes Ungeziefer
und überall herum die Erinnerung an Früchte.

Pavlina Marvin (Übersetzung Adrian Kasnitz/Vasiliki Knathaki)

Büchertisch

Bücher aus dem Athener Verlag Antipodes

DIE WÄCHTER

Wir konnten nicht schlafen
unsere Hunde bellten die ganze Nacht.
Wir dachten keine Sekunde
es sei ihre Stimme
die Todesboten
warnten uns wie umsichtige Wächter
vor einem Einbruch
der bald in unserem Haus geschehen würde.
Wir blieben wach
in der Abgeschiedenheit unseres kleinen Zimmers
stur, wimmernd
wie unfair behandelte Kinder
die ohne Abendessen darauf warten
auf einen Schlag erwachsen zu werden
in einer Nacht
und schließlich die Erklärung erhalten
für ihre ungerechte Bestrafung
und die der Welt.

Danae Sioziou (Übersetzung: Adrian Kasnitz und Wassiliki Knathaki)

Frau, die vor Mikrofon liest

Danae Sioziou, ©Struga Poetry Festival

ATHEN

Wie immer steht die Hitze im Geröll
bis auch der Kies zu glitzern beginnt.

Bestimmt eine Verheißung, eine Botschaft für dich.
Du bückst dich und es ist nichts

als ein hingeworfenes Etwas, ein Kronkorken
den irgendein durstiger Mann hierhin beförderte.

Die Frau, die du suchst, ist nicht hier.
Keine Göttin, die dich errettet

vor dem Abend in den belebten Straßen.
Du steigst hinab bis zum Hafen.

Dort warten die Fähren und dümpeln im Trübsinn
bevor sie sich ins Offene schleppen.

Adrian Kasnitz (aus: Schrumpfende Städte, Luxbooks 2011)

Büchertisch

Publikationen der parasitenpresse, Köln

KAP TENARO

Hier lösen sich die Tage nicht in Luft auf
Sie fallen ins Wasser
Bilden ihre ganz eigene Schicht
Eine trennende Oberfläche
Ein Habicht fliegt über den Sommerkörper
Er taucht wieder und wieder ab
Frisst und wird trunken vom Fallen
Da ist nichts
Außer verrücktem Wind und Steinen
Und Meer
Ein unvorhersehbares Versprechen
Schärft unsere Lust mit der Mondsichel
Als ich das erste Mal in dieser Endlandschaft ankam
Fuhr mir der Wind so wild in den Mund
Als sei ich seine einzige Empfängerin
Bis all meine Wörter verschwanden
Jeder Baum begegnet dem Wind anders
Manche leiden, andere widerstehen
(Ich traf eine Palme, die den Wind gebar und ihn in
jede Richtung verstreute)
Wieder andere zittern und wechseln die Farbe
Ich bin natürlich kein Baum
Ich setzte mich und trug den Wind als Mantel
Ich senkte meinen Kopf und schaute zu Boden
Aus den Felsspalten kämpften sich Thymianwurzeln
Mit ihren Hieroglyphen bis zum Licht vor
Dann kamen die Wörter wieder

Katerina Iliopoulou (Übersetzung: Adrian Kasnitz und Wassiliki Knithaki)

Frauenporträt

Katerina Iliopoulou

Die Texte wurden entnommen aus der Anthologie: Kleine Tiere zum Schlachten. Neue Gedichte aus Griechenland, herausgegeben und übersetzt von Adrian Kasnitz und Wassiliki Knithaki. Köln, parasitenpresse 2018.

Lesen Sie auch unser diablog-Interview mit Pavlina Marvin.

Links: https://www.facebook.com/events/217268779184078/
http://www.antipodes.gr/
www.parasitenpresse.de
https://frmk.gr/
www.kliteratur.de
https://danaesioziou.wordpress.com/
https://pavlinamarvin.wordpress.com/

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