Epirus: Streiflichter einer Wanderung

Durch das Gebirge des griechischen Norwestens

Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: Ελληνικά (Griechisch)

Doris Wieler hat uns auf diablog.eu bereits drei Mal auf ihre Wanderreisen mitgenommen. Diesmal schildert sie die rauhe Landschaft der epirotischen Berge.

Ein Stein bringt alles ins Rollen
Im vergangenen Herbst schenkten uns Freunde ein kleines Steinchen, verbunden mit dem Wunsch, den Ort seiner Herkunft bald zusammen zu besuchen: die Vikos-Schlucht im nordwestlichen Griechenland.
Entsprechende Wanderbücher hatten sie für uns zum Schmökern bereitgelegt.[1] Wir recherchierten, lasen, schauten Filme, studierten geografische Karten. Und entschieden uns dafür, den Zagoria-Trek im Pindosgebirge zu gehen.
Ein mutiges Vorhaben. Die Wegbeschreibungen klangen ziemlich anspruchsvoll. Kann ich meiner eigenen Courage trauen? Schaff ich das? Bin ich trittsicher genug? Machen das meine Knie mit? Immer wieder keimten leichte Zweifel in mir auf.
Wie gut, dass der Flug schon gebucht war und die Verabredung mit unseren Freunden stand. Es gab kein Zurück mehr. Und meine Sehnsucht nach der griechischen Bergwelt war allemal groß.

Bezirkshaupstadt Ioannina. Pittoresk und osmanisch
Anfang Juni treffen wir uns zu viert in Ioannina, Hauptstadt der Provinz Epirus. Ich bin  gespannt auf die Wiederbegegnung mit der Stadt nach 35 Jahren. Wie exotisch war sie mir damals erschienen, mit ihren Architekturen aus osmanischer Zeit. Und den unzähligen Handwerksbetrieben, vor allem Gold- und Silberschmieden. Viele arbeiteten draußen, nutzten das Tageslicht. Die schummrigen Innenräume blieben im geheimnisvollen Dunkel verborgen. Attraktiv die Lage am See, doch bei näherem Hinsehen entpuppte sich das stehende Gewässer zumindest im Herbst als Algenkloake.

Ioannina, an der Seepromenade
Ioannina, in der Fußgängerzone
Graffiti in der Fußgängerzone

Jetzt, Anfang Juni 2024, ist das Wasser recht klar. Trotzdem sehe ich niemand darin baden, auch wenn die Temperaturen dazu eingeladen hätten. Die Handwerker sind aus dem Stadtbild verschwunden. Die Häuser kommen, zumindest im Erdgeschoss, in einem hell-freundlichen Anstrich daher. Die Straßen sind neu gepflastert, die Autos aus vielen Straßen verbannt. Cafés, Tavernen, Geschäfte prägen das Bild. Flaneure und Touristen. Moscheen und osmanische Paläste erstrahlen in renoviertem Glanz.

Warum ist das osmanische Erbe hier so auffallend gut gepflegt? Liegt es an Ali Pascha, der sein erkämpftes Territorium, unabhängig vom osmanischen Reich, Anfang des 19. Jahrhunderts von Ioannina aus regierte und der Stadt zu wirtschaftlicher Blüte verhalf? Und zudem mit den griechischen Freiheitskämpfern paktierte? Bis dies der Führung von Konstantinopel missfiel und sie ihn umbringen ließ. Auch wenn Ali Pascha seine Karriere als Anführer einer Diebesbande begann und mit Menschen nicht zimperlich umging, hält Ioannina sein Erbe hoch. Auf der kleinen Insel im See lassen sich Leben und Wirken in einem kleinen Museum nachvollziehen.

Ioannina, Burgareal
Burgareal, das Grab von Ali Pascha

Im Burgareal bewundere ich eine wunderschöne Schmiedearbeit, einem übergroßen Vogelkäfig gleichend. Es ist das Grab von Ali Pascha.

Dieser älteste Teil der Stadt wird noch immer von einer Festungsmauer samt Stadttoren umschlossen; ragt als Halbinsel in den See. Wir spazieren durch die menschenleeren Gassen wie durch ein Freilichtmuseum. Nur ein paar kleine Boutique-Hotels haben geöffnet. Fast alle Fensterläden der renovierten Behausungen sind zugeklappt; warten vermutlich auf die Auslands- und Großstadtgriechen, die im Juli und August hier ihre Ferien verbringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bergwelt: urige, unbekannte Tzoumerka
Bevor wir zu unserer Mehrtagestour – dem Zagoria-Trek – aufbrechen, verbringen wir drei Tage zum Einwandern in der Tzoumerka, einer Bergregion südöstlich von Ioannina.

In unzähligen Kehren schraubt sich die Straße nach oben und zwingt uns, langsam zu fahren. Zum Glück. So bleibt mir Übelkeit erspart. Und es ist nicht so wie einst, als wir im VW-Käfer zu den Großeltern unterwegs waren, durch das Schwarzwälder Höllental. Nomen est omen. Es war die Hölle für mich. Mein Vater musste regelmäßig stoppen, damit ich meinen Mageninhalt nicht dem Auto, sondern dem Straßenrand übergeben konnte.

Kalarites: eine Oase der Ruhe
Für uns endet die Fahrt nach Kalarites auf einem Parkplatz am Ortsrand; wie die meisten Bergdörfer der Region autofrei. Treppen führen auf und ab. Alternativ müht man sich auf unebenen, steinigen Wegen. Wer hier wohnt, muss gut zu Fuß sein. Die Älteren nehmen einen Gehstock zur Hilfe, mit kunstvoll geformtem Knauf.

Drei Nächte logieren wir hier, auf 1150 Metern Höhe, in Napoleons Gästehaus. Unsere Freunde fühlten sich hier im letzten Jahr so wohl, dass sie unbedingt mit uns zusammen nochmal hierher wollten. In die einfachen Zimmer zum Wohlfühlen. Holzbetten, Holzböden, Holzdecken. Lochstickerei-Vorhänge. Zierleisten vor den Fenstern. Bunt gewebte Teppiche neben den Betten, die in Kürze mottensicher verstaut werden.

Die Platia[2] von Kalarites verteilt sich auf mehrere Ebenen am Hang. Wir sitzen wie in einem Theater, auf verschiedenen Rängen, und überblicken die Bühne, auf der nicht viel los ist.
Dieser Tage ist nur Napoleons Lokal geöffnet. Eine segensreiche Stille liegt über dem Ort. Selbst dann noch, als am Wochenende ein paar mehr Menschen da sind. Auch Lambrini, Napoleons Frau, die zur Unterstützung aus Ioannina anreist.
Im Winterhalbjahr bringt es Kalarites noch auf 12 Einwohner. Das einzige Kind des Dorfes muss, wie alle Kinder der Tzoumerka, einen weiten Weg auf sich nehmen. Nach Pramanta. 20 Kilometer und 40 Fahrminuten entfernt. Die Hälfte der Einwohner unterstützen Napoleon. Kochen, servieren, halten die Pensionszimmer sauber, verkaufen im Krämerladen, der in die Taverne integriert ist. In türkis angestrichenen, deckenhohen Regalen lagert ein buntes Sammelsurium von Dingen für den täglichen Bedarf. Taschentücher. Kaffee. Nudeln. Reis. Zucker. Mehl. Streichhölzer. Zahnstocher. Rasiercreme. Seife. Putzmittel. Dazwischen ein paar Schwarzweißfotos von den Ahnen. Die Preise werden spontan festgelegt.

Kalarites, in Napoleons Gastraum und Laden

Setzt die Abenddämmerung ein, beginnt an der Platia, versteckt im dichten Laub der Bäume, eine Zwergohreule zu rufen. Mit der präzisen Regelmäßigkeit eines Metronoms erklingt der immer gleiche, warme Ton, wie auf einer Holzflöte geblasen. Napoleon hat das passende griechische Märchen parat: einst tötete ein junger Mann seinen Bruder, weil dieser durch missliche Umstände zwei Schafe eingebüßt hatte. Der Mörder bereute seine Tat bitterlich und flehte Gott an, ihn in eine Eule zu verwandeln. So geschah es und seither ruft er als Zwergohreule nach seinem Bruder. Vergeblich.[3]

Unsere erste Wanderung, zum „Warmlaufen“, hat es in sich. Es ist schwülheiß. Wir sind sieben Stunden unterwegs, auf einem Rundweg um das Nachbardorf Sirako. 640 Meter steil runter und auch wieder rauf; teils über hohe Stufen. Völlig erschöpft liege ich am Spätnachmittag auf dem Bett und lausche den Donnerschlägen und dem wohltuend abkühlenden Regen.

Wie bergig-zerklüftet diese Region ist, zeigt folgende Tatsache: zu Fuß liegen 3 Kilometer zwischen den Dörfern Kalarites und Sirako. Mit dem Auto dehnt sich die Strecke auf 22 lange Kilometer. Ähnlich ist das Verhältnis von Fußweg und Autostraße am zweiten Tag, auf unserer Wanderung von Kalarites nach Matsouki: 5 zu 20 Kilometer. Heute führt uns ein etwas abenteuerlicher Pfad steil den Hang hinunter. Ob dieser Weg wirklich zum Ziel führt? Steineichen und andere Gewächse stehen im Weg und pieksen. Wir gehen trotzdem weiter, wollen aber auf keinen Fall auf demselben Weg zurück. Und setzen darauf, dass uns aus Matsouki jemand nach Kalarites zurückfährt.

Immer wieder rauschende Bäche

Die Natur ist ein Traum. Bemooster Zauberwald. Über den Bach in der Schlucht führt eine schmale, von Grün überwucherte Steinbrücke. Blumenteppiche säumen unseren Weg. Das aufgegebene Kloster Viliza strahlt Magie aus. Ein riesiger Maulbeerbaum spendet Schatten für einen Steintisch, übersät von gärenden, überreifen Früchten. Hinter die Klostermauern gelangen wir erst, nachdem wir das Rätsel um einen raffinierten Holzsteckverschluss gelöst haben.

Kloster Viliza

Die Innenräume bleiben uns dennoch verborgen. Dazu wäre ein Schlüssel vonnöten, den es im Kafenion von Matsouki gibt. Doch da kommen wir erst später hin. Es ist trotzdem schön, hier ein bisschen umherzustreifen und sich das Leben früherer Jahrhunderte vorzustellen.

Auf dem Weg nach Matsouki

Kurze Zeit später stehen wir vor einem architektonischen Wunder. Wie eine Schlange windet sich eine unendlich wirkende Treppe, gesäumt von Mäuerchen, die Felshänge entlang. Ein handwerkliches Meisterwerk der Steinbaukunst, das diese wilde Landschaft für uns Fußgänger zähmt. In erster Linie aber für die Klosterpilger, die damit einigermaßen bequem zum Ort ihrer Einkehr gelangen.

Treppenweg, ein Meisterwerk der Steinbaukunst

Einige Bergwindungen weiter erspähen wir unser Ziel, das Dorf Matsouki. Es hat ein völlig anderes Gesicht als Kalarites. Statt der steinsichtigen Häuser und grauen Schiefer-Dachdeckungen blicken wir hier auf rote Ziegeldächer und verputzte Fassaden. Zudem wird das Dorf durch eine geteerte Straße erschlossen; wohl der Grund dafür, dass hier im Winterhalbjahr immerhin noch 50 Menschen leben. Und im Sommer um die 500.
Im Café, aus dem schon von weitem laut wummernde Bässe zu uns herüberwehen, werden wir herzlich bewirtet. Netterweise tönt aus den Boxen nun herrlich schräger Epirus-Klarinetten-Sound. Vor vielen Jahren hörte ich solche Klänge zum ersten Mal, live, in der Nähe der Prespa-Seen bei einem Konzert in einer Taverne. Der kleine Junge der Wirtsleute machte auch schon mit, fiepte auf seiner Blockflöte. Inzwischen beherrscht sicher auch er, wie sein Vater, das virtuose Klarinettenspiel, oder das der floghéra, der traditionellen Holzflöte.
Wir genießen unsere kühlen Getränke, schauen vom Balkon aus in das vor uns liegende Tal und erspähen plötzlich über uns einen besonders großen Vogel. Das Teleobjektiv der Kamera bestätigt unsere Vermutung. Es ist ein Adler, der sich von der Thermik nach oben tragen lässt und allmählich in den Wolken verschwindet. Wir sind ganz ergriffen von diesem seltenen Naturschauspiel. Beseelt steigen wir in das Auto des Kellners, der uns nach Kalarites zurückfährt.

Katerina Musafiri in ihrem lebendigen Museum

Schon nach diesen wenigen Tagen fällt es uns enorm schwer, Kalarites und seine liebenswert-gastfreundlichen Bewohner zu verlassen. Als wir gerade los wollen, lädt uns noch die ehemalige Dorflehrerin ein, ihr Haus zu besichtigen. Ihr lebendiges Wohn-Familien-Museum. Als ihr Mann noch lebte, schrieb sie mit ihm ein Buch über die Geschichte von Kalarites. Mit etwas Zeit würde ich gerne darin schmökern. Wie schön wäre das, in nicht allzu ferner Zukunft nach Kalarites zurückzukehren und dort eine entspannte Auszeit zu nehmen.

Bergwelt: Zagorochoria, Unesco-Weltkulturerbe seit 2023

Wiederbegegnung mit der Vikos-Schlucht und dem Dorf Mikro Papigo
Mikro Papigo haben wir seit unserem ersten Besuch 1989 nicht vergessen. In der Touristen-Information von Ioannina hatte man uns damals die Wanderung durch die „sensationelle“ Vikos-Schlucht ans Herz gelegt. Wir dürften es nicht verpassen, durch die „tiefste Schlucht der Welt“[4] zu gehen. Also ließen wir unser Zelt auf dem Campingplatz zurück und fuhren mit dem Bus frühmorgens ins Zagori-Dorf Monodendri. Von dort stiegen wir über viele Treppenstufen und 450 Höhenmeter in die Schlucht ab. Orientierungshilfen hatten wir keine. Weder Wanderkarte noch gps-Gerät. Nur eine schlechte Schwarzweiß-Kopie einer militärischen Karte, auf der wenig zu erkennen war. Immerhin, der Wegverlauf war farbig markiert.

Unten im Flussbett angekommen, begannen wir über die dort liegenden Steine zu steigen, die immer gewaltiger wurden. Das sollte der Weg sein? Wie können wir die vielen Kilometer auf diese Weise an einem Tag bewältigen? Nach längerer Suche fanden wir doch noch eine Markierung, die uns oberhalb der Schlucht am Hang entlang führte, immer wieder über rutschig-steile Geröllhalden. Unsere Füße waren dankbar, dass sie in knöchelhohen Wanderschuhen unterwegs sein durften, die die Strapazen etwas abmilderten! Den Plan, die Tagesetappe im Dorf Vikos enden zu lassen, ließen wir sausen. Zwar wäre das erst mal kürzer gewesen, doch hätten wir so an Tag 2 wieder 300 Höhenmeter in die Schlucht hinunter und auf der anderen Seite 500 Höhenmeter hinauf nach Papigo gemusst. Nur von dort fuhr der Bus zurück nach Ioannina. Auch wenn wir schon mächtig erschöpft waren: lieber wollten wir das Abenteuer an einem Tag zu Ende bringen. Zum Glück wussten wir noch nicht, welch schweißtreibender Aufstieg bevorstand.

Die Sonne brannte auch am späten Nachmittag auf uns nieder, während wir aus dem Flusstal aufstiegen. Das Wasser war uns ausgegangen. Wir hatten Durst wie noch nie in unserem Leben. Frappé[5], kühles Bier, Cola, Wasser. Ich sah die kondensierenden Wasserperlen außen am Glas hinunterrinnen. Still fantasierten wir vor uns hin, bis endlich der Ort vor uns auftauchte. Was waren wir erleichtert! Um gleich danach völlig fassungslos festzustellen, dass es hier weder ein Kafenion[6] noch einen Kiosk gab. Ein Herr erkannte die Gunst der Stunde, bot uns ein Zimmer samt Verpflegung an. Uns war alles recht, Hauptsache, wir bekamen etwas zu trinken. Erst später wurde uns klar, dass wir in Mikro Papigo gelandet waren. Der größere Ortsteil Papigo, mit touristischer Infrastruktur, war 1,5 Kilometer entfernt. Für uns in dem Moment zu weit.
Dann das Abendessen. Ein schummriger Raum. Wir hockten auf der Bettkante, vor uns ein Tisch mit gefüllten Tellern. Zwei ernste Augenpaare starrten uns an. Die der Eltern, die uns gegenüber auf einer Bank saßen. Kein Wort kam über ihre Lippen. Auch nicht, als ich versuchte, auf Griechisch mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Wir hatten wohl ihr Essen serviert bekommen und die Beiden mussten mit knurrendem Magen zu Bett gehen.[7]

Abstieg in die Vikos-Schlucht

Inzwischen ist der Weg durch die Vikos-Schlucht perfekt markiert. Er wird häufig begangen. Und überraschend viele Bäume spenden Schatten. Uns ist es recht, auch wenn wir weniger Blicke in die Schlucht haben. Spielt uns hier unser Erinnerungsvermögen einen Streich oder ist es wirklich waldiger geworden?

Vikos-Schlucht, Blick nach oben

Wir denken schon und vermuten die Ursache in der zurückgehenden Beweidung der Flächen. Schaf- und Ziegenherden sind selten geworden; wir treffen auf keine. Die Landschaft wird nicht mehr frei gehalten. Der Wald erobert sich die Schlucht allmählich zurück; für die tierischen Bewohner der Region wie Bären, Wölfe und Luchse auf jeden Fall günstige Bedingungen.

Vikos-Schlucht, Fußkühlung

Vor dem letzten Aufstieg, nach Mikro Papigo, halte ich meine heiß gelaufenen Füße in den rauschenden Fluss. Eine Ganzkörperabkühlung scheue ich. Und beobachte trotzdem ein bisschen neidisch die Frauen, die mit Genuss im frischen Gebirgswasser baden.

Das mir aus der Erinnerung noch bekannte bevorstehende Wegstück gestaltet sich letztendlich vergleichsweise harmlos. Dank genügend Trinkwasser, viel Schatten und einer kürzeren Streckenführung.

Mikro Papigo

Durch unsere Vorabrecherche wissen wir, dass es in Mikro Papigo inzwischen einige Unterkünfte und Lokale gibt. Wir steuern unsere favorisierte Bleibe für diese Nacht an. Ein nüchtern gehaltener Steinplattenweg führt von der Hauptgasse abwärts zum Haus. Kein Blumentopf, keine Pflanze. Drei Menschen starren uns fast ein wenig verwundert an. „Sie wollen hier ein Zimmer!?“ Dem zuständigen Herrn geben sie dann doch Bescheid. Die Zimmer sind in Ordnung. Frühstück soll es allerdings erst ab acht Uhr geben. Für uns zu spät am Morgen, angesichts der 1000 Meter Aufstieg und den angekündigten hohen Temperaturen.
Also schauen wir uns lieber noch weiter um, auch wenn uns der Hotelier versichert, dass es in dem anderen Laden gar kein Frühstück gäbe. Welchen meint er? Wir hatten zuvor auf dem Gang durch den malerischen, weinumrankten Ort in einen einladenden, begrünten Innenhof geblickt.

Unser gemütliches Zimmer

Dort, in Dias’ Gästehaus, beziehen wir zwei gemütliche Zimmer und bekommen am nächsten Morgen, früh um sieben, zusammen mit anderen Wanderern, ein fürstliches Frühstück serviert; sogar mit selbstgemachter Butter.
Die Holzdecken der Zimmer sind farbig gestrichen; erinnern mich an Schweden. Zwischen den beiden großen Betten – vor dem Kamin – ist der Holzboden durch ein Podest erhöht. Wie herrlich muss das sein, dort im Winter auf einem Sitzkissen gemütliche Stunden am Feuer zu verbringen!
Doch zurück in den jetzigen Sommer. Schweiß und Staub sind abgeduscht, ein  Schläfchen hat uns wieder erfrischt. Zeit für unser Abendessen auf der Terrasse. Auf dem Tisch in bester Lage steht ein „Reserviert“-Schild. Wie schade. Gerne hätten wir uns dort niedergelassen. Die fulminante Aussicht genossen; auf der einen Seite ins Tal, hinweg über die sich allmählich im Dunst verlierenden Berggipfel in der Ferne; auf der anderen Seite auf die vom Abendlicht beschienenen Felsen des Astraka-Massivs. Doch dann die wunderbare Überraschung: der Tisch ist für uns reserviert.

Mikro Papigo, Abendstimmung

Tiefer Friede breitet sich in mir aus, angesichts der bezaubernden Abendstimmung. Kindheitserinnerungen werden wach. „Wie ist die Welt so stille, und in der Dämm’rung Hülle so traulich und so hold!“ Das Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ samt dieser Zeile sangen wir oft mit unserer Mutter und schliefen beruhigt ein.

Bären, Glühwürmchen, Drachen
Die großen Tiere zeigen sich uns nicht. Vor der Reise hatte ich mehrfach von unguten Begegnungen zwischen Bären und Wanderern gelesen. Da bin ich doch froh, ihnen nicht persönlich zu begegnen. Offensichtlich reichen die zusammenhängenden Waldgebiete hier aus, dass Bären, Luchse und Wölfe zurückgezogen leben und gleichzeitig wir Menschen auf den Wanderungen mitten durch die Natur stapfen können, ohne die Tiere zu stören.
Unsere Tierbegegnungen beschränken sich auf harmlose, kleinere Wesen. Blindschleichen. Ein paar schöne Echsen wie die Prachtkiel-Eidechse. Azurblaue Libellen. Unstet flatternde Schmetterlinge wie den gelbschwarzen Östlichen Schmetterlingshaft, das rotschwarze Fünffleck-Widderchen oder den weißschwarz getigerten Segelfalter.

Myriaden von Bläulingen, intensiv blau leuchtende Tagfalter, die sich am Dung von Mulis, Schafen & Co laben oder die letzte Feuchtigkeit aus den nahezu vertrockneten Pfützen nuckeln. Glühwürmchen, die uns beim Nachtspaziergang durch ein unbeleuchtetes Dorf den Weg weisen.

Ziegenherde mit freundlichem Hütehund

Eine Schaf-Ziegenherde samt Schäfer und ausgesprochen freundlichem Hund, der uns schwanzwedelnd begrüßt, bevor er sich wieder um seine Herde kümmert. Das Pfefferspray, von unseren Freunden speziell für die Abwehr von Hunden eingepackt, kann in der Tasche bleiben. Weitere umherziehende Schaf- oder Ziegenherden treffen wir nicht. Von weitem werden wir Zeugen eines Almauftriebes, unweit des 1900 Meter hoch gelegenen Baros-Passes. Ich sehe zum ersten Mal Schafe und Ziegen samt Hütehunde, die in zwei Lastern aus ihrem Winterquartier in die Berge gebracht werden. Nach und nach quellen hunderte von Tieren aus den Wagen. Ob auch sie Übelkeit kennen und sich von der kurvigen, wackeligen Fahrt erholen müssen?
Wird die Stille der Nacht nicht von einer Zwergohreule unterbrochen, sind es Hunde, die sich über Kilometer hinweg zusammenbellen, sich gegenseitig und auch uns wecken. Einer fängt an. Kurze Zeit später steigen die Kläffer der Nachbarschaft mit ein. Mit etwas Glück kehrt nach wenigen Minuten wieder Ruhe ein – bis zum nächsten Mal.

Und dann sind da noch die Drachen. Vorbei an einigen Wildpferden machen wir uns auf zu einem Bergsee, wo sie leben sollen. Fast ein bisschen enttäuscht erspähen wir dort dann lediglich ein paar archaisch anmutende Tierchen von etwa zehn Zentimetern Länge, die im glasklaren, flachen Seeuferbereich herumgründeln. Die aussehen wie eine Mischung aus Gecko und Riesenkaulquappe und zu den Bergmolchen gehören. Sie sind die Namensgeber für den Drachensee.

Bergmolch im Drachensee
Ein Bergmolch im Drachensee

Meine erste Hütten-Übernachtung
Der Respekt vor dem Aufstieg zur Astraka-Hütte lässt uns relativ früh starten. Die Luft kühlt angenehm, auch noch nachdem wir die Baumgrenze hinter uns gelassen haben. Zwei Quellen am Weg spenden Wasser. Ein Labsal. Wir reiben uns die Augen. Das Grün der Wiesen leuchtet so grell, als hätte sich ein Technicolor-Filter vor unsere Netzhaut gelegt.

Grell leuchtende Wiesen

Von Mikro Papigo aus gelangen wir überraschend schnell bis zur Hütte, in dreieinhalb Stunden. Im Vergleich zur schlauchenden Tour durch die Vikos-Schlucht am Tag zuvor ist diese Etappe ein Kinderspiel, trotz der zu überwindenden 1000 Höhenmeter.

Zur Astraka-Hütte

Wir erreichen die Hütte kurz vor der Maultier-Karawane, die täglich aus Papigo die Waren für die Übernachtungsgäste transportiert. Eigentlich eine unbezahlbare Heldentat, die der Maultierführer samt seiner Tiere für uns Gäste da vollbringt. An dem Tag fallen vor allem mehrere Gasflaschen schwer ins Gewicht. Das leichtgewichtige Klopapier schafft den Ausgleich.

Astraka-Hütte, Warenanlieferung

Das kulinarische Angebot überrascht mich; diese Auswahl hätte ich nicht erwartet. Die Hüttencrew ist ein wenig cool. Ich fühle mich nicht so wirklich willkommen; verwerfe meine Idee, den Nachmittag hier zu verbringen.

Ausflug zum See Drakolimni

Stattdessen geht es nach einer Pause nochmal 300 Meter runter, vorbei an einem ausgetrockneten See, und wieder 300 Meter hinauf, zum Drachensee. Einem zauberhaften Ort.

Drakolimni

Friedlich, froh und hungrig kehren wir zum Abendessen zurück zur Hütte. Ich überwinde mich und nehme eine eiskalte Dusche. Das Leben pulsiert wohlig in mir.

Draußen genießen wir die friedliche Abendstimmung. Wieder sind wir ergriffen von den voreinander geschobenen Bergsilhouetten im blaugrauen Dunst. Die Sonne verschwindet klassig kitschig als roter Ball hinter einer Bergspitze. Auf Hütten üblich, wird das Licht in den Schlafräumen um 22 Uhr ausgeknipst. Für eine Nacht im voll belegten 8-Bett-Zimmer schlafe ich gar nicht schlecht. Immerhin, es schnarcht keiner. Die Ohrstöpsel sind trotzdem hilfreich; wir bleiben vom nervigen Summen der Mücken verschont.

Der Weg nach Tsepelovo. Ein Dorf wie ein Freilichtmuseum
Das „continental breakfast“ auf der Hütte ist schnell beendet; bestens für einen frühzeitigen Aufbruch zu einer langen Etappe. Die alpine Landschaft, die wir die folgenden Stunden durchwandern, gehört mit zum Schönsten, was wir je in Griechenland gesehen haben.

Blumenübersäte Hochgebirgsmatten. Bizarre Felsformationen. Zerfurchte Steine. Krokant-Steine. Letzte Schneefelder. Friedlich weidende Kühe, weit verstreut.

Aufbruch von der Astraka-Hütte
Das Landschaftsbild verändert sich unmerklich –
wie ein Chamäleon seine Farben

Erinnert mal an Schottland, mal an Island. Hingerissen von diesem großen Kino verpassen wir einen Abzweig, gehen stattdessen weiter parallel zur Megas-Lakkos-Schlucht. Der schmale Pfad verlangt unsere volle Konzentration. Atemberaubend schön und herausfordernd zugleich. Bewusst langsames Ein- und Ausatmen hilft mir, kleine Angstschübe wegzuschieben. Ich bin froh, als wir vom Steilhang abbiegen und wieder sicheren Boden unter den Füßen spüren.

Megas-Lakkos-Schlucht
Megas-Lakkos-Schlucht

Bei der nächsten Wegkreuzung erst bemerken wir, dass wir nicht unseren eigentlichen gps-Daten gefolgt sind, sondern uns fälschlicherweise von der permanent vorhandenen, roten Markierung leiten ließen. Wir beschließen, dies weiterhin zu tun. Die Grobrichtung stimmt. Wir eilen. In der Ferne droht ein Unwetter. Es ist schwül. Wir beten, dass uns kein Gewitter einholt. Vor allem für den steilen Abstieg am Ende, hinunter nach Tsepelovo, wären nasse Steine ungünstig.

Der erste Blick auf Tsepelovo
Die Platia von Tsepelovo

Auf der Platia machen wir Station im Robin Café. Am liebsten hätte ich gleich dort Quartier bezogen, allerdings haben die Zimmer zum Platz traditionell keine Balkone. Doch die brauchen wir jetzt, zum Wäsche trocknen. Im Hotel Faraggi, bei Wirtin Voula, werden wir fündig. Beziehen das blaue und das gelbe Zimmer und schreiten gleich zur Tat, zum Wäsche waschen.
Die vier Bayern, mit denen wir schon auf der Astraka-Hütte zwar nicht das Bett, aber das Zimmer geteilt hatten, steigen im selben Haus ab. Später gesellen sich noch Motorradfahrer aus Frankreich dazu. Und schon ist das Haus ausgebucht. Ich bewundere die Wirtin; wie sie es schafft, gleichzeitig Hotel und Taverne zu betreiben.
Am ersten Abend sitzen wir zum Essen draußen, unter einem dichten Dach von Kiwi-Blättern. Die Ernte der Früchte wird noch etwas dauern, verspricht aber üppig zu werden. Am zweiten Abend ist es draußen zu nass. Ausnahmsweise sitzen wir drinnen. Unsere Wirtin sitzt am Nebentisch; überbrückt die Zeit bis zum Feierabend mit Handarbeiten. Sie häkelt wunderschöne Spitzen, die im Hotel an allen Fenstern hängen, die Regale zieren und eine heimelige Atmosphäre verbreiten. Vor allem im Winter arbeitet sie daran, während der Tourismus ruht.

Handarbeiten im Hotel Faraggi
Pausentag in Tsepelovo

In Tsepelovo freuen sich unsere müden Glieder über einen Pausentag. Immer noch herrscht Schwüle. Wir tun es den Faultieren gleich und hängen ab. Flanieren in Zeitlupe neugierig durch die Gassen. Gewinnen den Eindruck, dass es mehr Hotels und Tavernen als Wohnhäuser gibt. Stundenlang sitzen wir auf der Platia, im Robin Café, beschirmt vom Blätterdach einer riesigen Platane. Dem Gewitterregen hält es dann aber doch nicht stand. Wir flüchten unter das Vordach und überschauen den menschenleeren Platz.
Einheimische sehen wir keine. Der Ort ist Verwaltungszentrum der Zagori-Tymfi-Region. Dennoch wirkt das Rathaus verwaist. Umschläge mit älteren Stromrechnungen klemmen im Erdgeschossfenster. Die wenigen Bewohner, die uns begegnen, sind als Kellner oder Wirt tätig. Am Spätnachmittag trudeln ein paar Wanderer ein. Einer humpelt; hat eine Schürfwunde; ein Wanderstock ist gebrochen. Ein glitschiger Stein hatte ihn zu Fall gebracht.

An den Reichtum, den Tspelovo einst durch Holzhandel erlangte[8], lässt sich vielleicht nicht mehr ganz anknüpfen, doch hält der Tourismus den Ort gut am Leben. Die Gassen und Häuser sind gepflegt, die Gemüsegärten bestellt. Kartoffel- und Zwiebelgrün sprießen; die Stangenbohnen haben Blüten angesetzt.

Der Kreis schließt sich. Wieder in Kipi
Am frühen Nachmittag endet unsere mehrtägige Rundwanderung in Kipi. Abermals beziehen wir Quartier im Hotel Melina. Eine kleine Heimkehr.

Im ältesten Ortsteil von Kipi

Wir werden von der Wirtin freudig erwartet. Bei ihr war der Schlüssel für den Mietwagen deponiert, der die Woche über hier stehen konnte. Die Zimmer stehen bereit, so dass wir uns gleich ein wenig lang machen können. Entspannt drehen wir am späten Nachmittag die empfohlene, kurze Brückenrunde.

Sind von der Ingenieurskunst begeistert. Von den historischen Steinbrücken, die im Epirus so variantenreich die Flüsse überspannen. Mit bis zu drei Bögen unterschiedlicher Höhe, je nach Landschaftsform. Die Einheimischen sorgten selbst für die Finanzierung der Brücken. So wurde Handel möglich, sie hatten ein Auskommen, mussten nicht fort. Bis auch das die Landflucht in den schwer zugänglichen Berggegenden nicht mehr aufhalten konnte.

Steinbrücke, Zeichnung von Martin Schmidt

Angesteckt vom Weitwanderwege-Virus
Seit nunmehr zwölf Jahren sind wir begeisterte Weitwanderer. Den Beginn markierte 2012 der urige Kellerwaldsteig in Nordhessen. Es folgten der Corfu-Trail. Der E4 auf der Peloponnes. Die Inseln Karpathos und Andros. Der Menalon-Trail (Peloponnes). Der Hochrhöner. Und jetzt in diesem Jahr der Zagoria-Trek.

Für Wanderungen in Griechenland ist die Planung wohltuend unkompliziert. Während wir hier in Deutschland sehr genau überlegen müssen, wo wir für jeweils eine Nacht unterkommen und wo uns abends noch ein Essen serviert wird, gehen wir dort einfach los und sind gespannt, was uns am Zielort erwartet. Wir gehen etwas trinken, kommen ins Gespräch und erwähnen, dass wir für die Nacht noch ein Bett suchen. Unsere Bleibe findet sich dann, bei den Wirtsleuten, beim Nachbar, bei der Kusine. Zur Not auch im Nachbarort, in den uns jemand fährt. Wenn wir nicht schon vorab beim Gang durch den Ort eine Unterkunft für uns gefunden haben.

Ein Gefühl von Freiheit durchströmt mich, sobald ich in meine Wanderschuhe schlüpfe. Jüngst neu besohlt, sind sie seit vielen Jahren meine treuen Wegbegleiter. Nur wenige Dinge im kompakten Rucksack. Und dann – einfach nur gehen, von Ort zu Ort. Aufstehen, frühstücken, Rucksack schnüren, wandern, ankommen, Zimmer finden, duschen, ein Nickerchen, Abendessen, parea[9], schlafen. Entspanntes, entschleunigtes Leben. Der Kopf wird frei. Und die Alltagszipperlein werden von Tag zu Tag weniger. Eigentlich ein guter Grund, weiter unterwegs zu sein, immer weiter zu gehen.

[1] Den Rother Wanderführer Pindosgebirge und das Outdoor-Wanderbüchlein Zagoria-Trek. Samt zweier Wanderkarten aus dem griechischen Anavasi Verlag, Pindos/Zagori und Tzoumerka
[2] Nahezu jedes Dorf hat in Griechenland eine Platia, einen zentralen Platz, mit zumindest einem Kafenion und/oder einer Taverne und einem Laden für den täglichen Bedarf. Ein Ort zum Treffen, sitzen, schauen, diskutieren, trinken, essen
[3] Das Märchen der Zwergohreule hier
[4] Die tiefste Schlucht der Welt hier
[5] Eine griechische Spezialität, ein Kaffeegetränk mit Eiswürfeln
[6] Griechisches Kaffeehaus
[7] Als wir nach unserem Zwei-Tages-Ausflug auf den Campingplatz in Ioannina zurückkehrten, waren die Besitzer des Campingplatzes sehr froh. Sie hatten schon gedacht, uns sei etwas zugestoßen. Dort wurde uns dann, obwohl unser Zelt die ganze Zeit über stand, eine Nacht weniger berechnet. Wir waren überwältigt von so viel Gastfreundschaft
[8] Steinhagen, Diana und Lars. Outdoor. Griechenland. Zagoria-Trek. 2019. Seite 83
[9] Griechischer Ausdruck für das Gemeinschaftserlebnis in einer netten Gesellschaft, in einer Clique

Die Autorin
Doris Wieler ließ viele Jahre Leidenschaft, Neugier und Empathie in ihr Unternehmen als Vermittlerin von persönlich zugeschnittenen Reisen einfließen. Auch bei ihrer jetzigen Tätigkeit als Autorin von Privat-Biografien kommen diese Gaben bestens zum Tragen.
Eine tiefe Verbundenheit mit Land und Leuten hat sie seit 1982 unzählige Male nach Griechenland reisen lassen. Seit 10 Jahren entdeckt sie auf mehrtägigen Wanderungen die Besonderheiten der griechischen Natur.

::: Doris Wielers Wanderreisen auf diablog.eu hier (Andros, Karpathos und Peloponnes).
Doris Wielers aktuelle Website hier

Text: Doris Wieler. Redaktion: A. Tsingas. Fotos: Christiane Magiros, Martin Mitscherling, Martin Schmidt und Doris Wieler.

Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: Ελληνικά (Griechisch)

3 Kommentare zu „Epirus: Streiflichter einer Wanderung“

  1. Liebe Frau Wieler,
    mit großer Freude habe ich Ihren Wanderbericht gelesen.
    Es hat nicht lange gedauert bis all die Erinnerungen an meine Epirus-Reisen im letzten Jahr wiederkamen. Es ist eine fantastische Gegend. Nicht nur die üppige Natur, die Steindörfer, die Bergwelt und Schluchten faszinieren. Der Epirus hat auch eine sehr interessante Geschichte (leider auch eine schlimme).
    Es hat mich gefreut zu lesen, dass Napoleón in seinem Kaffee-Pantopoleion noch rüstig seiner Arbeit nachgehen kann. Er betreibt das Geschäft ja bereits in der 5. Generation.
    Und dass Sie in Kipoi bei Melina im Hotel gewohnt haben fand ich auch lustig. Kipoi war mein Ausgangspunkt für viele Ausflüge im Epirus. Melinas Vater hatte mir so manchen Tipp, und Infos gegeben, die ich für meine Vortragsarbeit gebrauchen konnte.
    Die Vikos-Schlucht bin ich nicht durchwandert. Das war mir zu anstrengend. Respekt! Es gibt aber 4 Aussichtspunkte, von denen aus man einen hervorragenden Überblick über Schlucht bekommt. Die habe ich besucht und fotografiert bis der Verschluss heiß war.
    In der Aufführung Ihrer Infos über den Epirus fehlt für mich ein ganz besonderes Buch. Es sind die Reisebeschreibungen eines Hamburger Ehepaares. Das Buch hat den Titel: Reisen im Epirus (Griechenlands unbekannte Schönheit). Unbedingt empfehlenswert! Es war auch für mich ein großer Helfer.
    Und dann erlaube ich mir auch noch das Buch von Nicolas Gage zu erwähnen: „ELENI“. In diesem Buch erfährt man sehr viel über die teilweise sehr schlimme Zeit, die die Menschen im griechischen Bürgerkrieg durchlebt haben. Aber wahrscheinlich kennen Sie das alles schon und schmunzeln über meine Tipps. Sehen Sie es mir nach. Ich bin immer daran interessiert, dass man (wo immer man ist) etwas über das Leben der Menschen erfährt (aus der Vergangenheit, wie auch in der gegenwärtigen Situation)!
    Ich wünsche Ihnen noch viele interessante Wanderungen und bleibende Eindrücke!
    Herzlichst,
    Lothar Hoppen

    Meine homepage: http://www.foto-spuren.de, (falls Sie etwas über meine fotografischen Eindrücke und meine Vorträge erfahren möchten).

    Antworten
    • Vielen Dank, lieber Herr Hoppen,
      zunächst freut es mich, dass Sie durch meinen Bericht Ihre eigenen Epirus Erinnerungen wach rufen konnten.
      Zudem danke ich Ihnen für Ihre interessanten Literatur-Ergänzungen.
      „Eleni“ las ich vor Jahrzehnten und war tief berührt und erschüttert. Es ist lange genug her, um dieses Buch nun nochmal zu lesen, dank Ihrer Erinnerung.
      Das Buch „Reisen im Epirus“ ist mir tatsächlich entgangen. In unserer wohlsortierten Bücherei ist es nicht vorhanden und wie ich sehe, scheint es vergriffen. Doch habe ich schon eine Quelle aufgetan, um mir es demnächst zu Gemüte zu führen, beste Lektüre für die düsteren Wintertage.
      Ihre tollen Fotos – nicht nur vom Epirus – wecken sofort neue Reisesehnsüchte in mir. Und die Erinnerungen an die sehr besondere Insel Karpathos wurden auch sofort wach. Herzlichen Dank für den Link.
      Ich bin schon gespannt, welchen griechischen Landstrich wir beim nächsten Mal durchwandern werden.
      Herzliche Grüße,
      Doris Wieler

      Antworten
  2. Sagenhaft schöner Bericht, vielen Dank; oft fahren wir, bevor wir die Fähre in Igoumenitsa nehmen, in Epirus herum, bleiben aber meist zu kurz.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar