Der Arzt Hans Löber auf Milos

Briefe eines Marinestabsarztes aus den Jahren 1943-44

Milos, eine Insel mit einer langen Geschichte. 1943-44 diente dort der Militärarzt Hans Löber und beschrieb den Ort und seine Arbeit in Briefen an seine Familie. Von griechischer und deutscher Seite kam die Initiative, sich an diesen Mann, der den Griechen von Milos viel Gutes getan hat, zu erinnern und ihm eine Publikation zu widmen. Barbara Blume und Dimitra Didangelou stellen das Buch jeweils vor.

70 Jahre nach seinem Tod auf Milos hat die Familie des Marinestabsarztes Dr. Hans Löber 57 private Briefe zur Veröffentlichung freigegeben, die zusammen mit drei informativen Vorworten, einem einführenden Artikel des griechischen Mitherausgebers und vielen Photos in Buchform auf deutsch und griechisch vorliegen.

Der Militärarzt Dr. Hans Löber wirkte ab Juni 1943 auf der Insel Milos, wo er ein Lazarett für die deutschen Soldaten aufbauen sollte. Im Dezember 1944 starb er dort auf dem Rückweg von einem Krankenbesuch. Bis heute erfährt seine Person höchste Wertschätzung und Verehrung auf der Insel; so ist etwa ein Milote Hauptsponsor des Buches, der ehemalige Schiffskapitän Kostas Barbandonakis, der als Kind selbst Patient des „guten Doktors“  war.

Obwohl Hans Löber als deutscher Soldat im Krieg in ein besetztes Land gekommen war, wurde er von den Inselbewohnern freundlich und mit offenen Armen aufgenommen und fühlte sich von Anfang an wohl – trotz der zweifellos belastenden und sehr anstrengenden Arbeit.

Er kümmerte sich von Beginn seines Aufenthaltes an um die Verbesserung der Lebensverhältnisse auf der Insel (Malariabekämpfung) und gründete außer seinem Militärlazarett ein „griechisches Lazarett“ zur ärztliche Versorgung der Inselbewohner, wo er in den 1 1⁄2 Jahren neben seiner Arbeit als Militärarzt mehr als 200 Griechen erfolgreich operierte. Seine ärztlichen Tätigkeiten gingen weit über kriegschirurgische Eingriffe hinaus und umfassten alle Bereiche: „So komme ich immer mehr dem Ideal näher, das ich mir gleich als Student gesteckt hatte, wirklicher Arzt zu sein… Spezialist sein ist schön, aber noch schöner ist, wirklich in allen Satteln zu sitzen und sich immer mehr dem klassischen hippokratischen Arzt-Ideal zu nähern. So habe ich hier täglich neben aller Kriegsarbeit meine großen Freuden.“ (S. 80f., Brief vom 5.12.43)

Neben diesen beruflichen Freuden erwähnt er immer wieder die herrliche Natur und ihre Gaben, v.a. das üppig gedeihende Obst, das er großzügig geschenkt bekommt und gerne genießt. „Dieser Friede, diese Abgeschiedenheit… das ist eben einmalig…. Die Kriegsereignisse, die sich über unseren Köpfen und um uns ereignen… die versuche ich immer zu abstrahieren. Ich will sie hier vergessen, in meinen Briefen sind sie nicht von Interesse.“ (S. 111, Brief vom 16.4.44)

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Dass er die Kriegsereignissse ausspart, zeigt eine verständliche Verarbeitungsstrategie, ist vielleicht auch den Umständen geschuldet, die solche Berichte gar nicht zuließen.
Wir lernen durch die Briefe einen Menschen kennen, der zutiefst human und fest im christlichen Glauben verwurzelt agiert, stets besorgt um seine Patienten, aber auch um seine große Familie daheim.
Der Ton seiner Briefe ist sachlich, ohne kalt zu wirken, bescheiden und ruhig, immer klaglos, maßvoll, selbst in familiären Extremsituationen (immerhin heiratet er während eines Urlaubs in Deutschland und muss seine junge Frau gleich wieder verlassen; zwei Brüder fallen im Kriegseinsatz) moderat und ohne Schuldzuweisungen.

Neben dem Inhalt macht auch dieser Stil das Buch gut lesbar und verhindert darüber hinaus, dass es in Gefahr gerät, Beifall von der falschen Seite zu bekommen oder zur Relativierung der schrecklichen Verbrechen zu dienen, die die deutsche Wehrmacht im Verlauf des zweiten Weltkrieges auch in Griechenland verübt hat.

Der Anspruch der Herausgeber, die Erinnerung an einen bewundernswerten Menschen und begnadeten Arzt wachzuhalten, der bis heute auf Milos als der „gute Arzt“ verehrt wird, wird überzeugend erfüllt.
Die Carl-Duisberg-Stiftung für internationale Bildung und Zusammenarbeit unterstützt die Verbreitung des Buches als „einen Beitrag zur Verbesserung der menschlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Griechen“.

Weitere Infos zum Buch unter https://www.facebook.com/pages/Der-Arzt-Hans-Loeber-Briefe-aus- Milos-1943-1944/1478371095736297
Die deutsche Ausgabe kostet € 20,-, der Reinerlös kommt zu 100% dem Institut zur Unterstützung des Gesundheitszentrums der Insel Milos zugute, zu bestellen über Herrn Stelios Koufos: email: milosstel@yahoo.gr

Dr. Hanns Georg Löber, Gregory Belivanakis (Hrsg.): Der Arzt Hans Löber. Briefe aus Milos, 1943 – 1944, Athen 2014, ISBN 978-618-81175-0-1, 158 Seiten, € 20.

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Text: Barbara Blume, mit freundlicher Genehmigung der Autorin übernommen aus: Hellenika, Jahrbuch für griechische Kultur und deutsch-griechische Beziehungen, Neue Folge 10, LitVerlag Münster 2015, S. 161f und https://redenundreisen.jimdo.com/. Fotos: Hanns-Georg Löber, Henner Altevogt.

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3 Gedanken zu “Der Arzt Hans Löber auf Milos

  1. Vielen Dank für diese Empfehlung – es ist immer interessant von Zeitzeugen zu lesen und zu hören, denn erst dadurch erwacht in meinen Augen die Geschichte so richtig zum Leben.

    Kaufe mir heute Nachmittag noch das Buch!

    • Liebe Katharina, wir haben auch nur diese Adresse… Hoffe, das Buch kommt noch!

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