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Seit September 1916 befand sich das gesamte 4. Griechische Armeekorps im deutschen Kriegsgefangenenlager Görlitz-Moys. Musik und Sprache der Soldaten wurden Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen der Humboldt-Universität zu Berlin.
In den Jahren 1915-1918 besuchten Vertreter der Königlich Preußischen Phonographischen Kommission deutsche Kriegsgefangenenlager und nahmen Fremdsprachen, Dialekte und Musik auf, um ein „Stimmenmuseum der Völker“ einzurichten.
Projektleiter waren Georg Schünemann und Karl Stumpf. Insgesamt wurden 1.022 Aufnahmen auf Tonwalzen gebannt. Zur gleichen Zeit nahm Wilhelm Doegen mit der damals neuesten Aufnahmetechnik der Carl Lindström AG 1.650 Grammophonplatten mit 250 Sprachen und Dialekten auf. Im Kriegsgefangenenlager Görlitz-Moys leitete der Byzantinist August Heisenberg die Tonaufnahmen.
In der ersten Julihälfte 1917, genauer gesagt vom 12. bis zum 17. Juli, nahm er mit kriegsgefangenen Soldaten, Unteroffizieren und Offizieren des griechischen 4. Armeekorps in der Baracke 1 des „Griechenlagers Görlitz“, 70 Tonwalzen auf (Kennziffern 653 bis 722) und 72 Grammophonplatten mit 78 U/min (Kennziffern PK 933 bis PK 1004).

Aber wie kam damals das griechische 4. Armeekorps überhaupt nach Görlitz?
Griechenland, das während der Balkankriege 1912-1913 sein Staatsgebiet stark vergrößert hatte, befand sich aufgrund innenpolitischer Rivalitäten in einer misslichen Lage, die sich auch in der außenpolitischen Ausrichtung des Landes widerspiegelte.
Im griechischen Parlament besaß die Liberale Partei des Premierministers Eleftherios Venizelos die Mehrheit. Ihr Bestreben war, auf Seite der Briten und Franzosen in den ersten Weltkrieg einzutreten. Die monarchistischen und pro-deutschen Kräfte um König Konstantin I. befürworteten dagegen die Neutralität des Landes. Dieses Ringen war auch in den Reihen der griechischen Armee allgegenwärtig.
Die Niederlage Serbiens, der Vormarsch Bulgariens, die Stationierung alliierter Streitkräfte in Thessaloniki und Bulgariens Ambitionen auf die Regionen Makedonien und Thrakien machen die Neutralität Griechenlands unhaltbar. Die Stärkung Bulgariens entsprach natürlich nicht den griechischen Interessen. So stimmten im Herbst 1915 die Liberalen im Parlament für den Eintritt Griechenlands in den Krieg an der Seite Serbiens.
Die Monarchisten waren dagegen und unterstützten Konstantins Position, das Abstimmungsergebnis zu ignoriert und Venizelos zum Rücktritt zu drängen. Konstantin beharrte auf Neutralität, obwohl die Alliierten Teile Griechenlands besetzt hielten, und immer noch, als bulgarisches Militär im Mai 1916 in griechisches Territorium eindrang. Konstantins Befehl auf die bulgarische Invasion nicht zu reagieren, machte vielen Offizieren den Gehorsam unmöglich. Es bestand die Gefahr, in bulgarische Gefangenschaft zu geraten. Zahlreiche Offiziere des 4. Armeekorps blieben jedoch dem Könighaus treu und erklärten sich bereit, stattdessen in ein deutsches Militärlager überführt zu werden – unter einem eigenwilligen Gefangenenstatus, nämlich als „Gäste“. So wurde in der zweiten Septemberhälfte 1916 die Verlegung des griechischen Korps per Bahn nach Deutschland eingeleitet.

Die Wahl von Görlitz als Zielort der 6.100 Soldaten, 430 Offiziere, 93 Frauen und 5 Kindern wurde wahrscheinlich aus praktischen Gründen und wegen der Verfügbarkeit des Lagers getroffen. Das Görlitzer Lager war für 12.000 Gefangene ausgerichtet, musste aber zeitweise bis zu 15.000 Personen gleichzeitig beherbergen. Vor den Griechen waren dort Russen untergebracht. Die Deutschen modernisierten das Lager sehr schnell und verbesserten dabei erheblich die Unterbringung, so dass die Griechen nicht unter ähnlichen Bedingungen leben mussten wie die Gefangenen vor ihnen. Höhere Dienstgrade und Unteroffiziere sowie Frauen und Kinder wurden in Zivilhäusern untergebracht, die ihnen die Stadt zuwies.
Die Geschichte der Griechen in Görlitz hat mich vom ersten Moment an aus mehreren Gründen fasziniert. Vor allem wegen des enormen musikwissenschaftlichen und volkskundlichen Wertes der vorhandenen Tonaufnahmen, aber auch wegen der bisher weitgehend unbekannten geschichtlichen Ereignisse.
Nach einem Hinweis in einem musikalischen Online-Forum (rembetiko.gr, hier, auf EL) nahm ich Ende 2003 Kontakt zu Frau Dr. Susanne Ziegler vom Ethnologischen Museum Berlin auf, die mich über die Existenz zweier unterschiedlichen Träger, Tonwalzen und Grammophonplatten, informierte. Die Walzen mit ausschließlich Musikaufnahmen werden im Ethnologischen Museum aufbewahrt, die Platten mit hauptsächlich Sprachaufnahmen im Lautarchiv der benachbarten Humboldt-Universität.
Da die Aufnahmen der Tonwalzen zu der Zeit noch nicht digitalisiert waren, hatte sie mich an das Lautarchiv verwiesen, wo der Digitalisierung bereits begonnen hatte.

Ich beantragte einen Katalog der Aufnahmen und bekam 19 Tonkopien von Liedern und Sprache aus 72 Schallplatten.
An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass Frau Dr. Ziegler persönlich bereits 1997 bei einem Fachkongress in Dion/GR die zuständigen griechischen Institutionen über die Existenz dieser Aufnahmen informiert hatte. Überraschenderweise reagierte die griechischer Seite nicht darauf.
Einzige Folge war ein Artikel von Markos Dragoumis in der Athener Tageszeitung Eleftherotypia (22.11.1998) mit dem Titel „Die erste Bouzouki-Aufnahme“. In derselben Zeitung folgte ein Artikel von Ilias Voliotis-Kaptanakis (08.02.1999), der sich einem der Sänger dieser Aufnahmen, Apostolos Papadiamantis, widmete, einem Neffen des Autors Alexandros Papadiamantis. Der keineswegs wissenschaftliche, jedoch Interesse erweckende Titel lautete sinngemäß „Papadiamantis, der erste Rembetiko-Sänger“.
Seitdem ich nun diese Stimmen aus der Vergangenheit höre, füllt sich mein Kopf mit tausend Bildern und Emotionen. Mir wird klar, dass wir es nicht nur mit der ersten Bouzouki-Aufnahme und dem Rembetiko-Sänger Papadiamantis zu tun haben, sondern mit einem musikalischen und sprachlichen Schatz!
Auch wenn bei der Verschriftlichung der Liedtexte und das Studium der Tonaufnahmen manche wichtige Antworten auf persönliche, historische, volkskundliche und musikwissenschaftliche Fragen gelöst werden, ergeben sich gleichzeitig auch Dutzende neue Fragen.
Diese Tonaufnahmen sind eine wahre Zeitkapsel – angefüllt mit von Getrandeten hinterlassenen Emotionen und Informationen – die durch Zeit und Raum reist. Botschaften wie (Alb-)Träume von Entbehrungen (der Heimat, der Gewohnheiten, des mitfühlenden Partners, des Friedens, der Wahrheit, der Gerechtigkeit …) oder wie prophetische Träume, die sich in paradoxer und unwirklicher Rasanz erfüllen.
Aber die wichtigste Botschaft, die uns diese Aufnahmen überbringen (und die uns sicher noch viel weiter voranbringen wird), ist es die Hoffnung, die alles überlebt und die Menschen antreibt, auch wenn sie die dunkelsten Pfade des Krieges, des Todes, der Einsamkeit und der Ungerechtigkeit beschreiten müssen.
Ich betrachte die Ereignisse um Görlitz nicht als eine Geschichte von guten oder schlechten Staaten, Nationen, politischen Fraktionen usw., sondern als eine Einheit, bestehend aus abertausenden menschlichen Geschichten. Mit diesem Leitgedanken forsche ich bis heute immer weiter, um ihnen auf der Spur zu bleiben.

Die erste Veröffentlichung auf meiner Website machte ich bereits 2004 unter dem Titel „Ein Blick in die Vergangenheit, ein Rat für die Zukunft“ (Μια ματιά στο παρελθόν, μια συμβουλή για το μέλλον; hier, auf EL, und hier, auf DE)
Auf der Suche nach den Familien und Nachkommen, zunächst der Soldaten, die an den Aufnahmen beteiligt waren, entstand die Idee, diese Recherchen in einem Dokumentarfilm festzuhalten, den ich dann initiierte und organisierte (Status der Doku hier). Der Film „Το θαύμα του Γκέρλιτς“ (Das Wunder von Görlitz, internationale Fassung) oder „Görlitz, die Griechen und die geheime Kommission“ (DE-Fassung), der auf Ideen und Recherchen von mir beruht und den ich koproduziert habe, wurde am 2. Oktober 2006 im vollbesetzten Goethe Institut Athen präsentiert. Bei deiesr Veranstaltung traf ich noch mehr Nachfahren von Görlitzer Soldaten. In den folgenden Jahren sammlte ich weitere wichtige Zeugnisse und Belege zu dieser Zeit. Eines der wichtigsten und historisch wertvollsten Dokumente ist das „Tagebuch Margaritoulis“, das ich, angereichert durch eigene Recherchen mit Fotos, Informationen sowie weiteren Zeitzeugnissen und Unterlagen, 2007 veröffentlichte (hier auf EL).
Meine Anstrengung, alle Tonaufnahmen zusammenzutragen, stößt jedoch auf größere Schwierigkeiten. Bestimmte Archive sind geschlossen oder über längere Zeiträume unterbesetzt. Das Fehlen akademischer Titel in meinem Lebenslauf erschwert meine Bemühungen zusätzlich. Aber ich blieb dran, investierte Zeit und Geld und setze meine Nachforschungen auf zahlreichen Reisen in Griechenland und Deutschland fort.
Im Juni 2007 suchte ich Herrn Jürgen-K. Mahrenholz vom Lautarchiv des Musikwissenschaftlichen Seminars an der HU Berlin auf, mit dem ich seit 2003 in telefonischem und elektronischem Kontakt stand, um Kopien der existierenden Schallplattenaufnahmen und der dazugehörigen Unterlagen zu erhalten.
Das Material beantragte ich vor Ort. Die Aushändigung wurde jedoch immer wieder verschoben, bis Herr Mahrenholz aus dem Lautarchiv schied, das seitdem für mich verstummte.
2014 bat eine neue Mitarbeiterin des Lautarchivs, Frau Sarah Grossert, um meine Unterschrift, um meinen Dokumentarfilms bei einer Universitätsveranstaltung vorführen zu können. Ich nutze die Gelegenheit, um an meinen Antrag zu erinnern, der wohl in einer Schublade schlummert.
So gelang es mir, digitalisierte Kopien aller erhaltenen Schallplatten und der dazugehörigen Protokolle zu bekommen.

Die für mich und meine Anstrengungen günstigen Umstände setzten sich fort: Das Ethnologische Museum Berlin bat mich, einige Fotos aus meinem Archiv für die Ausstellung „Phonographierte Klänge – Photographierte Momente, Ton- und Bilddokumente aus Kriegsgefangenenlagern im Ersten Weltkrieg“ zur Verfügung zu stellen. Das tat ich auch und informiere die Verantwortlichen gleichzeitig, dass mein Musikensemble Paradoxon einige der historischen Tonaufnahmen und die dazugehörigen musikgeschichtlichen Informationen im Repertoire hat. So fand am 1. November 2014 im Ethnologischen Museum Berlin eine Aufführung als Lecture Demonstration statt. Diese Präsentation ist bei Publikum und Organisatoren gut angekommen, wurde aufgezeichnet und archiviert.
Daraufhin bekam ich umgehen die mittlerweile digitalisierten Tonwalzenaufnahmen zusammen mit den Begleitdokumenten ausgehändigt. Meine Freude ließ sich kaum beschreiben!
Die „griechischen“ Tonwalzenaufnahmen mussten katalogisiert, kategorisiert und einer grundlegenden musikwissenschaftlichen Analyse unterzogen werden. Ich wurde mit dieser Aufgabe betraut und führte sie zwar unter Zeitdruck – um den vorgegebenen zeitlichen Rahmen der Veranstaltungsreihe von Ende November 2014 bis Mitte Januar 2015 einzuhalten –, aber auch mit großer Freude aus. Es entstand die Arbeit „Griechische Tonaufnahmen auf Zylinderwalzen 1917“. (1)
Das Museum bat mich dann, ihm die Aufnahme eines Auftritts meines Ensembles (auf der Bühne begleitet vom Regisseur Kostas Ferris; zu ihm s. weiter unten) im Theater Oberhausen am 13. April 2013 zur Verfügung zu stellen. Aufgeführt wurde dabei das Lied „Wenig Sonne“ oder „Die Distichen des Deutschen“ (Τα δίστιχα του Γερμανού; ein Distichon, plural Distichen, ist ein Verspaar bzw. eine zweizeilige Strophenform). Die Besonderheit dieses Liedes liegt in der Verknüpfung der Melodie (eines nicht überlieferten Verfassers) des populären Rembetiko-Liedes „Die Distichen des mangas“ (Τα δίστιχα του μάγκα; Komposition im Rahmen der griechisch-urbanen Musiktradition) mit einem deutschen Text. Diese Kombination hatte das volkskundliche Interesse der Verantwortlichen geweckt (hier).
Die Aufnahmen von Görlitz gelten als die älteste und umfangreichste Sammlung an traditioneller griechischer Musik, Sprachaufnahmen (Volkssagen, Märchen, Rezitationen) und byzantinischen Kirchenpsalmen.
Das Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat zwar einen Artikel veröffentlicht, der sich auf drei Aufnahmen bezieht, die 1901 von Paul Kretschmer auf Lesbos gemacht worden waren, doch handelt es sich dabei um Kunst- und nicht um Volksmusik (hier).
Die „griechischen“ Görlitzer Aufnahmen aus dem Jahr 1917 öffnen ein Fenster in die Vergangenheit. Diese Tonaufzeichnung bewahren und ermöglichen uns einerseits einen umfangreichen Einblick in mündliche und musikalische Tradition, markieren andererseits aber auch deren Ende, denn die mündliche Weitergabe der Lieder wird bald darauf durch Tonträger ersetzt. Tonträger, die den Liedern zeitliche Beschränkungen auferlegen, zunächst wegen der begrenzten Zeitkapazität des Mediums und später wegen des wirtschaftlichen Werts von Radio- und Fernsehzeit.
Die 70 Wachswalzen enthalten Aufnahmen von Liedern und byzantinischen Kirchengesängen und sind vollzählich erhalten geblieben. Bei den 72 Grammophonplatten handelt es sich hauptsächlich um Sprachaufnahmen, es gibt aber auch einige Lieder und byzantinische Kirchenpsalmen. Manche davon sind verloren gegangen.
In Studien und Artikeln zu den „griechischen“ Tonaufnahmen war bis vor kurzem noch die Rede von 69 Walzen und 71 Platten.

Im Protokollheft des Byzantinisten August Heisenberg ist mir auf der letzten Seite aufgefallen, dass er von der letzten Walzenkennzahl 722 die ersten 653 subtrahiert und fälschlicherweise die Anzahl von 69 statt der richtigen 70 notiert. Aufgrund eines ähnlichen Rechenfehlers notiert er für die Schallplatten die Zahl 71 statt der richtigen 72. Diese Fehler sind in den Museumskatalogen und in den darauf fußenden Studien übernommen worden und erscheinen somit auch in zahlreichen Artikeln und Referenzen.
Bei den Aufnahmen der Tonwalzen waren 36 Soldaten beteiligt, 77 bei den Schallplatten. Einige von ihnen beteiligten sich mit unterschiedlichen oder (im selteneren Fall) identischen Aufnahmen an beiden Aufzeichnungsmedien, wie aus den Notizen der erhaltenen Begleitdokumente hervorgeht.

Die Lieder werden hauptsächlich a cappella vorgetragen. Aber es gibt auch Lieder mit Begleitung von Bouzouki, Flöte und kretischer Lyra. Es sind Lieder der ländlichen und urbanen Tradition, Amanedes (Klagegesänge), Kleftika (Widerstandslieder des 18. Jh.) und Mantinades (gesungene Gedichte in Reimform). Bei urbanen und auch volkstümlichen Liedern gibt es auch einige Choraufnahmen.
Besonders erwähnenswert sind Moirologia (Klagelieder) von der Mani-Halbinsel/Peloponnes, byzantinische Kirchengesänge, der unbekannte pontische Volkstanz Tik Tromahton und die wunderbaren Sprachaufnahmen mit lokalen Idiomen. Stark vertreten sind Regiolekte zahlreicher griechischer Inseln. (2)
Ausführlich schreibe ich seit 2003 anhand von gesammelten einzigartigen Zeugnissen und audiovisuellem Material zur Geschichte des 4. Armeekorps wie auch zu den Tonaufnahmen auf meinen Plattformen Website, YouTube-Kanal und Facebook-Gruppe.
Parallel zur Untersuchung der Aufnahmen und der damit verbundenen Recherchen, dem Verfassen von Artikeln, der informativen, audiovisuellen Präsentation – begleitet von Live-Musik – bei vielen Veranstaltungen, wie beispielsweise der im Kunstmuseum Bochum (in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Mittelmeerstudien der Universität Bochum) und im Ethnologischen Museum Berlin, stellte ich in Eigeninitiative vier CDs als wissenschaftliche GEMA-Produktionen zusammen. Sie tragen den Titel „Μουσικός Χρονοχώρος“ (Musikalischer Zeitraum) 1917–2021/2022/2023/2024 (hier und hier). Die ersten beiden wurden durch Zuschüsse des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert, die zwei weiteren ausschließlich aus Eigenmitteln. (auf YouTube hier, hier, hier und hier). Jede CD enthält sieben historische Aufnahmen und sieben Neueinspielungen mit namhafter Musiker und Interpreten. (3)
Wegen der hohen Produktionskosten und der wenig ergiebigen Suche nach Sponsoren ist die Fortführung dieser Produktionen auf Spenden an die Initiative Paradoxon angewiesen. Spenderinnen und Spender bekommen alle vier produzierten CDs postalisch zugeschickt. Ziel des Projekts ist, mindestens drei weitere CDs zu finanzieren, damit dieses deutsch-griechische Kulturgut zum Allgemeingut werden kann.
Seit Ende 2004 veröffentliche ich auf meinem YouTube-Kanal Videobeiträge zu bedeutenden Akteuren der Aufnahmen und deren persönliche Geschichte. (4)
Seit 2013 habe ich auf Anregung des befreundeten Regisseurs Kostas Ferris (u.a. ausgezeichnet mit einen Silbernen Bären auf der Berlinale 1984) ein Drehbuch entworfen, das sich auf die Geschichte der Tonaufnahmen von 1917 konzentriert. Es verdeutlicht die historischen und sozial-kulturell beispiellosen deutsch-griechische Verflechtungen dieser Zeit und steht Film- und Theaterschaffenden auf Anfrage zur Verfügung. Darin wechseln sich Dramatik und Heiterkeit, Liebe und Tod ab. Protagonisten sind die griechischen Soldaten, ihre persönlichen Schicksale und die Tonaufnahmen. Soundtrack sind ihre Lieder und Erzählungen. Nebenbei tauchen bedeutende Ereignisse der Zeit auf wie die Spanische Grippe, die Oktoberrevolution, die Gründung des einzigen griechischen Sowjets, die Ausgabe der Görlitzer Nachrichten auf Griechisch, die erste Übersetzung von Alexandros Papadiamantis ins Deutsche sowie Zeitgenossen und Persönlichkeiten wie der Autor und Übersetzer Leon Koukoulas und das schriftstellerische Multitalent Vassilis Rotas.
(1) Griechische Tonaufnahmen auf Zylinderwalzen 1917
Sprachliche– und musikalische Bearbeitung der griechischen Tonaufnahmen und ihrer Textprotokolle, die von der Preußischen Phonographischen Kommission im Kriegsgefangenenlager Moys in Görlitz, im Sommer 1917 auf Zylinderwalzen aufgenommen wurden. Eine Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum zu Berlin, im Rahmen des Projektes „Phonographierte Klänge – Photographierte Momente, Ton- und Bilddokumente aus Kriegsgefangenenlagern im Ersten Weltkrieg“.
(2) Sprachaufnahmen von den Inseln
Kreta, Mykonos, Folegandros, Kimolos, Samos, Kea, Serifos, Syros, Kythnos, Paros, Ägina, Ios, Zakynthos, Lesbos, Euböa, Skyros, Amorgos, Thera, Lefkas, Naxos, Kefalonia, Tinos, Chios, Zypern, Samothraki, Limnos, Alonnisos und Thassos
(3) Die Teilnehmenden
Panagiotis Lalezas, Marianthi Lioudaki, Yannis Niarchos, Theologos Papanikolaou, Elpiniki Zervou, Nikolaos Konstantelias, Panagiota Ameridou, Christos Ioannidis, Dionysia Papouli, Konstantina Hantzi, Andreas Niarchos, Nikos Milas, Eleni Papaprokopiou, Christina Kouki, Nikolas Angelopoulos, Vassilios Mavromoustakidis, Fotis Vergopoulos, Ioannis Graikos, Christos Danakis, Konstantinos Papaioannou, Panos Dimakis, Kyriakos Chryssikos, Michalis Polychronakis und wir von „Paradoxon“, Antonios, Danae und Konstantinos Andrikopoulos
(4) Videobeiträge
Tonaufnahmen mit Apostolos Kontoulis, Görlitz 1917 hier (Kommentare auf EL) // Klagelieder aus Mani mit Michail Douvas, Görlitz 1917 hier (Kommentare auf EL) // Tonaufnahmen mit Michail Polychronakis, Görlitz 1917 hier (Kommentare auf EL)
Quellen
Humboldt-Universität zu Berlin, Musikwissenschaftliches Seminar, Lautarchiv // Ethonogisches Museum Berlin // Archiv Konstantinos Andrikopoulos, www.paradoxon-klangorchester.de // Ratsarchiv Görlitz // Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung, Ausgabe März 2011 // Generalstab des Griechischen Heeres, Direktion Militärgeschichte // Rede des Generalleutnants Christos Chalkidis am 22.06.2014, Neuer Friedhof Görlitz, an der Grabanlage der Griechen // Familienarchive von Panagiotis Karamertzanis, Nikolaos Tsapas und Nikolaos Margaritoulis
Links
Georg Schünemann hier // Karl Stumpf hier // Wilhelm Doegen hier // August Heisenberg hier // Das griechische 4. Armeekorps im Kriegsgefangenenlager Görlitz hier und hier // Venizelismus hier // Griechenland im 1. Weltkrieg hier // Kostas Ferris hier // Alexandros Papadiamantis hier // Vassilis Rotas hier (auf EN)

Der Autor
Konstantinos Andrikopoulos wurde 1963 in Patras geboren und hat in Athen BWL studiert. Seit 1993 lebt er in Deutschland. Der Musikbegeisterte hat 1998 das Projekt Paradoxon-Klangorchester gegründet. Seit 2000 unterrichtet er Perkussion und organisiert entsprechende Seminare mit Schwerpunkt die Rhythmen der traditionellen griechischen Musik im Rahmen von Sozialprogrammen für Jugendliche und Erwachsene, wobei er mit zahlreichen Institutionen und Stiftungen zusammenarbeitet. Nach seiner Auszeichnung durch die Robert Bosch Stiftung und einer dreijährigen Weiterbildung an der Landesmusikakademie NRW baut er seit 2012 mit der Initiative Paradoxon seine Aktivitäten in ganz Nordrhein-Westfalen aus. Er ist intensiv in der Musikforschung tätig und komponiert Lieder auf Deutsch und Griechisch.
Text: Konstantinos Andrikopoulos. Übersetzung und Redaktion: A. Tsingas. Fotos: Archiv Konstantinos Andrikopoulos.
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Dankeschön für diesen großartigen Beitrag.
Das werden nun schöne Stunden, alles anklicken und sich weiter bilden. Ich hatte bereits im erwähnten Forum die Beiträge verfolgt und war baff. Ich bin gespannt, was nun medial noch folgt, das Material und die Quellen und Kenntnisse und hier der Text, das ist alles tief, ich wünsche weiterhin viel Erfolg. Dieser „Film“ muss weiter gehen.
Ich danke dir sehr, lieber Herr Steiner!
Ein wunderbarer Artikel, alle wichtigen Informationen zu den ersten griechischen Tonaufnahmen von 1917 in Görlitz und der jahrelangen Arbeit von Kostas.
Ich durfte ihn in dieser Zeit begleiten und weiß um seinen unermüdlichen Fleiß, auch um die Schwierigkeiten und die vielen Steine, die auf seinem Weg lagen, die mich noch stolzer werden lassen in Anbetracht seiner Leistung.
super !!!
Lieber Kostas,
ich habe soeben den Artikel „Griechische Musik – in Görlitz seit 1916“ gelesen und bin davon begeistert. Eine sehr gute Arbeit mit sehr viel Aufwand, aber auch sehr interessant. Vielen Dank für diese großartige Leistung und die Einblicke in diese Zeit.
Liebe Irmgard, ich danke dir. Einige dieser Lieder haben wir zusammen gespielt, im Rahmen des Projektes BIOklang NRW 2021-2025.