Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf:
Am 12. und 13. Oktober 2024 versammelten sich zum ersten Mal an einem Ort die bedeutendsten zeitgenössischen Vertreter der Wiederbelebung, Weiterführung und Erneuerung des Rembetiko-Genres.
Auf das Festival wollte ich gar nicht, weil wir auf Euböa chillten. Im Meer baden, am Strand herumliegen und Treibholz sammeln, Steinchen begutachten, Felsen und die gegenüberliegenden Inseln betrachten, die Bucht – diese Ruhe, geborgen, friedlich. Höchstens Fahrradfahren und in die Tavernen. Dass wir überhaupt nach Athen gefahren sind, hat Rebekka organisiert. Darüber bin ich unendlich dankbar. Nur drei Stunden Fahrt und schon sind wir dort. Vom Hotel in Athen war es ein Katzensprung. Ein paar Ampeln weiter, reindrängeln in die Linksabbiegerspur und schnell ein Auto überholen, fremdes Kennzeichen, der oder die weiß nicht, wie‘ s weiter geht, wir schon, biegen ein in die Iera Odos, die Heilige Straße. Das graue Band der Straße fährt, nein, es schleicht; geh runter vom Gas, egal wer da hinten hupt. Ein kleiner Park, riesige Bäume: Migranten sammeln säckeweise Johannisbrotschoten auf. Jetzt gleich müssten wir da sein.

Ja, da hängt eine riesige Fahne, das Festival leuchtet knallrot auf. Nicht viele Leute zu sehen, sind sicherlich alle schon drin, wie spät ist es denn? Da, jetzt rechts einbiegen, ja, hier können wir parken. Auch jetzt, einen Monat danach, klebe ich innerlich wieder an meinem streetfeeling und kann damit sehr gut einschlafen. Ich laufe im Herzen die Iera Odos ab. Dann hört sie irgendwann auf, das Festival leert sich und ich bin weg. Nirgendwo, tief im Schlaf. Die Iera Odos, immer geradeaus, bewegt mich noch mehr als das sensationelle Festival. Mein Straßenfieber mal wieder, das muss ich mal loswerden, ist meine Welt, die Straße. Straßen sind bekanntlich auch die Tonleitern (griech.: dromoi). Die Vorfreude, die wenigen Augenblicke, bevor wir abbiegen, um das Auto abzustellen, die Zeit knistert.
„Das wunderbare Athener Rembetiko-Festival fand am 12. und 13. Oktober 2024 im Kulturzentrum Greek Pencil, Iera Odos 154 unter der Schirmherrschaft usw. – ach, wen interessiert das noch? Steht alles auf dem Flyer. Führende griechische Musiker, Musikwissenschaftler, Schriftsteller, Journalisten, Archivare, Radio- und TV-Produzenten präsentierten ihr Können und Wissen, les ich in einer Zeitung. Ja gut, ihr Können und Wissen, wir sind erst mal erschlagen, ein wenig akademisch hier – oder?! Internetproduzenten, moderne Archivare – das hervorragende Kounadis Archiv, will ich hier noch anfügen.
George Zorbas von der George Zorbas Band auf der Außenbühne
Schnell nach vorne zur Außenbühne, da sitzen sie, George Zorbas und seine Band. Klasse Stimme. Alte Rembetika, so schön. Sag hallo, nein, sag du hallo; er freut sich, wir sind wieder da. Kennen uns doch bereits. Damals, 1. Mai, die lange Nacht vom 30. in der Taverne To Navagio ton Aggelon in Athen-Exarchia; er saß neben uns, nicht ganz, aber wir rückten ihm auf den Pelz, wollten ihn unbedingt kennenlernen. Wir ahnten es, ein großer Rembetis und jetzt sind wir Freunde. Gleich alt, gut gehalten. Ja, er muss auch haushalten, die Gesundheit, erzählte er damals. Wir werden älter. Wir lachen, George, unser Freund. „Hey, wir kommen heut Nacht noch nach Nikea in die Taverne, zu eurem Auftritt“; er: „Ich reserviere euch einen Tisch!“

Im Foyer des Kulturzentrums
Im Foyer gefühlt eine Million griechische Rembetiko-Bücher, CDs, Rembetiko-Bierdeckel oder sind das Untersetzer? Ja, Untersetzer, sehen aber aus wie CDs. Bildbände, wann die alle auch noch durchblättern? Ich kauf erst mal dieses T-Shirt. Nein, nicht das ausverkaufte Markos-Vamvakaris-Shirt, nein, ich warte nicht auf die zweite Auflage, ich will das mit dem Logo, jetzt: 1st Athens Rebetiko Festival, s/w auf einer Baglamas mit Wurzeln in das Alte, Vergangene, sinnbildlich und damit kann ich zukünftig in Stuttgart angeben: Ja, wir waren dort. Sind immer noch dort, mit dem Herzen, weißt du noch, frag ich Rebekka täglich in Stuttgart. Wie freundlich die alle waren, ruhig und hilfsbereit. Alle so rücksichtsvoll, kein Geschubse, kein Leergut, das rumliegt, nirgends Müll, halten die Tür auf, höfliche, charmante Menschen, so viele bildungshungrige, wissbegierige Leute; die Rembetiko-community ist schwer angetan, alle sind fasziniert, was kommt nun? Da steht ein Sofa, wir verschnaufen. Hinsetzen, keinen Schritt weitermachen, sitzen wie am Meer, wie in den letzten Monaten. So viele Menschen hier. Aber das Meer ist jetzt fort. Am Eingangstor bildet sich eine lange Schlange, müssen die nicht mal so langsam dicht machen? Das Fest platzt schier aus allen Nähten.
Katerina Tsiridou – Rembetiko Managerin und Rembetissa
Schau mal, die guckt immer so interessiert; frage sie, ob ich den Büchertisch fotografieren darf, sie strahlt. Katerina Tsiridou, eine unglaubliche Frau, echte Rembetissa. Tausendsassa. „Mädchen für alles“ wäre eine Beleidigung! „A full time job“, sagt sie, führt durch das Programm. Katerina verkauft gerade Tonträger und Bücher, spielt nachher live und leitet auch einen Kurs: Wie werden die Rembetika gesungen? Festival-Managerin, immer auf den Beinen, jetzt ruht sie sich aus, am Büchertisch, so gut es geht. Auch jetzt wird sie dauernd angesprochen, ist dauernd in Fahrt. Sie widmet sich den großen Frauen des Rembetiko, den Rembetisses, derzeit Marika Ninou, die sie per Buch, CD und Konzerte ehrt. Auch auf diesem Festival. Sagenhaft, starke Frau.

Aus alt mach neu! In den großen Saal rein und wieder raus
Im Saal: Alte Grammophone und Radios, vergangene Zeiten, Rembetiko-Nostalgie.
Vorträge! Ein Hin und Her auf der Zeitschaukel der Geschichte, ins vorige Jahrhundert und sogar ins Jahrhundert davor, nach Smyrni um 1900, auf den Booten der Geflüchteten nach der Kleinasiatischen Katastrophe 1922 Richtung Piräus, Volos, Thessaloniki. In die Diaspora nach Amerika, wir befinden uns auf einer langen Reise, von der Vergangenheit hierher ins Jetzt. Es wimmelt nur so: Kinderkreativwerkstatt, Schattentheater, oh, ein Verkaufsstand für Bouzoukis und so, super Teile, aber ganz schön teuer! Jugendliche Virtuosen glänzen auf Bouzoukis und Tzouras, Finger fliegen, Töne hüpfen. Die Jungen wissen genau Bescheid: Rembetiko, das Leben der einst Ausgestoßenen, Entfremdeten und Geflüchteten. Rembetiko can never die! Im Hinterhof ein Tanzkurs, zuschauen, innerlich mittanzen, den Hasapiko, den Metzgertanz. Einen Zeybekiko könnte ich, aber Paartänze – danke, lieber nicht.

Mit dem Rembetiko-Labor sealabs in die Zukunft
Makis Drymonas sitzt abends in der Rembetiko-Taverne Alargino in Nikea neben uns, sofort das Gefühl, den kenn ich; ist kein Zufall, eher eine logische Folge, denn ich surfte abertausende Stunden auf seiner Rembetiko-Plattform sealabs, die Internet-Datenbank für Rembetiko-Musik. Eine website-community, nichtkommerziell, eine Gemeinschaft, wo du selbst etwas beitragen und alle Informationen hochladen kannst.
Am nächsten Tag, Sonntag, referiert Makis auf der großen Festivalbühne – der Saal ist, naja, ganz gut gefüllt –, Theorie an einem Sonntagmittag.

Drymonas schreibt mir per Chat: „In vor-Youtube-Zeiten war die Welt draußen voller Schätze – versteckten Liedern. Wir konnten uns niemals vorstellen, dass sie einmal auftauchen und auf unserer Plattform landen würden. Stabile Beziehungen und Freundschaften zwischen Menschen in ganz Griechenland entstanden. Wir treffen uns jährlich im Sommer auf der Peloponnes, musizieren, quatschen, sind in der Natur, auf den Bergen, wo´s kühler ist. Athen im Sommer ein No-Go, nicht auszuhalten.“ Makis spricht in seinem Vortrag über die Zukunft. Er wird neue tools, neue Werkzeuge installieren. Benutzerfreundlich für Rembetiko-User. Mehr Bilder, Bücher, Quellen, Artikel, Interviews … Songs verlangsamen, um sie zu lernen. Die Suche vereinfachen.
In der Rembetiko-Taverna in Nikea
George Zorbas von der George Zorbas Band hatte uns einen Tisch reserviert. „Hoffentlich sitzt ihr nah genug bei uns Musikern, aber es war der letzte Tisch!“ Wir bestellen wieder ein Viertel Wein zu zweit und auch Soda, müssen ja noch fahren. Boujourti, Souzoukakia, vier kleine Teller mezedes, wie unter echten Rembeten, Rembetiko-Food. Nur das Tiropitari ist eher Crossover-Küche, fast eine Frühlingsrolle, nicht unser Ding. Drei Batis-Lieder hintereinander, George Zorbas singt, drei Bouzoukispieler begleiten ihn; Stelios ist auch dabei, Stelios Papadopoulos. Den kennen wir auch aus einer anderen Rembetiko-Taverne in Exarchia. Er spielt auch Heavy Metal, habe ich gehört. Guter Kerl, junger Typ, offensiv, arbeitet auch mit dem Körper, sitzt nicht so statisch herum wie die meisten Rembeten. Gyftopoula sto hamam, Zeybekiko Spaniolo, und noch eins. Schnell das Handy auf Mikro anwerfen und die Batislieder aufnehmen.
Von der Iera Odos in die Taverna in Egaleo
Der zweite Festivaltag. Wir wissen nicht, wo uns der Kopf steht. Oder sind wir schon zu alt? Andere sind doch noch älter. Wo sind die Nachfahren der echten Rembeten, der Helden, die haben doch Kinder und die wiederum auch, die Enkelkinder und Urenkel. Ein uralter Mann referiert, er hat das große Markos Vamvakaris-Buch geschrieben. Hat damals schon gelebt, ich rechne nach. Dreißiger Jahre.

Wir haben Hunger! Ein Organisator empfiehlt uns eine Taverne in Egaleo, in diesem Bezirk, schnell den Link aufs Handy, wir laufen dorthin, die Iera Odos entlang. Graffiti, Industrieviertel, Autobahnbrücke, Futterstelle für streunende Katzen, Werkstätten, Verkehrslärm. Wild, rasende Taxis, der Bus, unten die Metro. Verrammelte Läden. Oktober, immer noch heiß, komm, wir laufen hier lang, da ist Schatten. Athen glüht immer. Lebt, nicht so aufgeräumt und versteckt und leer wie Stuttgart. Ich könnte stundenlang solche Straßen entlang gehen, das Leben vibriert hier. Wir landen in einem ruhigeren Wohnviertel, die Läden haben geschlossen, es ist Sonntag. Essen köstlich, sie haben einfach den alten Namen behalten und nennen die Taverne immer noch Kafenion, modern in grau. Hier ist das letzte freie Plätzchen, rück vor, damit der Kellner vorbeikommt – aber dann sitzt du wieder in der Sonne. Athen glüht weiter. Am Himmel ein paar vereinzelte Wolken, jede lächelt anders. Jetzt steht die Zeit, wir essen Bifteki, Salat, rote Beete mit Knoblauchpaste, scharfe Käsecreme, nur ein Viertel Weißwein und Soda und ruckzuck ist es Nachmittag. Rückweg, vorbei an der Autobahnbrücke, versuchen, eine Abkürzung zu nehmen, verlaufen uns. Keine Obdachlosen unter der Brücke wie bei uns. Wir sind die einzigen Spaziergänger. Fühle mich total heimelig auf der Heiligen Straße. Genieße die Ruhe, wir versäumen nichts, lassen uns eh wieder treiben.
Zurück auf dem Festival
Kommen zurück und schon geht es weiter. Ein älterer Herr namens Niko, dem wir uns heute Vormittag an der Eintrittspforte vorstellt hatten, spricht uns nun im Foyer freundlich an, zurückhaltend: „Jetzt ein Vortrag über die Besatzungszeit.“ Wir erkennen betroffen das berühmte Lied Saltadoros (Lastwagendieb) von M. Genitsaris über die deutsche Besatzung, NS in Griechenland. Scham, aber rein in die Geschichte; fragen uns, warum nur ein geringer Teil der Reparationen bezahlt wird, warum sich Deutschland davonstiehlt?

Wir genehmigen uns einen Tsipouro mit Eis, stoßen mit Makis an, der zaubert einen brillanten Bio-Honig aus dem Ärmel. Schönes Geschenk. Können uns am Büchertisch nicht sattsehen, da, schau, ein Buch, mein Lieblingsthema, der teke, der Laden, ein Schuppen, in dem die ersten Rembeten spielten. Kaufen? Erkläre Katerina meinen Artikel in der taz, das war damals ein Muss, vor vielen Jahren, über die Rembetisses zu schreiben. Klar. War so, lange vor dem Genderwahn. Richtig! Meinen Katerina und ihre Freundin, ohne Frauen geht nix. Erkenne im Garten Evelina, spreche sie an, ich hatte zum Tod ihres Mannes Stelios Vamvakaris einen Widmungsartikel geschrieben. Stelle mich vor, ja, sie erinnert sich an mich, wir sind doch befreundet, per social media zumindest. Gehen wir noch in den Vortrag „Der Gebrauch illegaler Substanzen“? Waaas?! Lies doch auf dem Plakat, da steht´s: „Der Gebrauch illegaler Substanzen in Griechenland während der Zwischenkriegszeit und seine Darstellung im Rembetiko-Lied“ von Dimitris Yfantis. Yfantis? Kenn ich doch, ist doch der Hersteller der luftgetrockneten scharfen Salami … 🙂 Witz beiseite! Nein, ich kann nicht mehr, kein Vortrag. Wir schnappen uns zwei Stühle und setzen uns in den Schatten eines Baums. Verflixt, die Musikbuchpräsentation „Vom Teke-Mädchen“ des Kardiologen Yannis Tsiantis haben wir jetzt auch verpasst, das ist alles wahnsinnig viel! Bestell das Buch doch von zuhause, online, passt eh nicht mehr ins Auto. Kann ich dann Seite für Seite abfotografieren und per Internet übersetzen. Ja. Wie unsere Dokumente, wenn wir in Griechenland aufs Amt müssen!
Crossover mit Kompania – Rock, Folk, Samba auf der Außenbühne
Immer mehr junge Leute strömen aufs Festival. Die Rembetiko Rock Band Kompania mit der Sängerin Andriana Achitzanova, buntes Haarband, gelbe Schuhe, immer in Bewegung, tanzt. Hey, wie sie singt und flötet, auf der Ney. Kokainopotis von Panagiotis Tountas, derbe, harte Gitarrenakkorde. Hardrock-Rembetiko! Auch Samba und Folk, Crossover. Wir sind voll aus dem Häuschen! Die sind klasse, was da wohl die Rembetiko-Traditionalisten sagen? Immer wieder dringt das Alte durch, die klassischen Rembetiko-Instrumente, das Rembetiko-Feeling – unter bunten Scheinwerfern und hohen Bäumen. Die Fassade des Kulturzentrums schluckt der schwarze Abendhimmel, dicht gedrängtes Publikum, positive Vibrationen. Frontmann ist Baglamas-Spieler und Sänger Sotíris Papatragiannis, den haben wir die Tage doch nun schon zigmal gesehen; er gehört zum Organisationskomitee, Ordner, Tontechniker, zwei Tage lang immer auf den Beinen.

To Gnosto Trio
Der Höhepunkt des 1. Athener Rembetiko-Festivals am 12. und 13. Oktober 2024 war für mich To Gnosto Trio, das bekannte Trio (Tassos Giannoussis, Bouzouki, Panagiotis Katsimanis, Gitarre und Antonis Tzikas, Kontrabass). Die drei Musiker geben sich gut gelaunt, singen, lachen, das Publikum tanzt, singt mit und klatscht. Prima Stimmung. Das Derbe oder Melancholische des Rembetiko ist wie weggefegt. Stürmischer Beifall!
To Gnosto Trio tritt seit 2005 regelmäßig in der Athener Taverne Klimataria auf. Ein historisches Lokal, das 1927 entstand und in dem unter anderem auch Markos Vamvakaris Mitte der 50er Jahre gespielt hat. Das Trio ist damit eines der am längsten bestehenden Rembetiko-Formationen in Griechenland mit über 3.500 Auftritten in den letzten 20 Jahren. Die drei Musiker lieben Rembetiko, spielen aber auch Weltmusik, Folk, Rock, Blues, Jazz oder Gypsiestyle. Rembetiko spielen sie auf ihre eigene Art und Weise. Kontrabass, Phrasierung, freie Improvisation mit Session-Charakter und flinke Akkorde assoziieren sofort: Jazz! Antonis Tzikas wird später im Garten von einem Fan bequatscht, wir mischen uns ein, stellen uns vor und bedanken uns für den fröhlichen Gig. Weltmusiker, das ist sein Stichwort, lass uns mal treffen und über Weltmusik reden, sagt er schmunzelnd.

Bouzoukispieler Tasos meint: „Nun, man spielt, was man hört, nichts anderes. Ich höre Rembetiko und Jazz seit ich Kind war, das führte zur Verschmelzung dieser beiden Genres in meinem Spiel, das geschah ohne Absicht. Das Musikinstrument ist also nur das Werkzeug, das Medium, um deine Persönlichkeit auszudrücken. Bouzouki kann Jazz, Rock, Funk sein, aber im Kern ist es immer Rembetiko!“
Gitarrist Panagiotis, der früher in der griechischen Rockband Endelekheia spielte, schrieb mir aus Piräus: „Rembetiko ist mit Jazz verbunden, vor allem aber mit Gypsy-Jazz und Django Reinhardt. Das sind zwei Musikrichtungen aus der gleichen Zeit, die von Musikern aus sozialen Randgruppen geschaffen wurden. Das Gleiche gilt für den Blues in Amerika. Der ähnliche Lebensstil schuf eine Musik mit der gleichen Seele. Ich lasse viele Rockelemente in mein Spiel einfließen, besonders in den Stücken von Markos Vamvakaris. In anderen Songs spiele ich so, wie Johnny Cash seine akustische Gitarre gespielt hat. Mich interessiert immer, dass unser Spiel groovy ist.“
Schluss, aus, vorbei?
Gibt es ein Leben nach diesem Festival? Was machst du morgen, wird es dir langweilig, fällst du in ein Loch? Sonntag, Mitternacht. Rebekka und ich, Katerina, Makis und George stehen im Foyer, strahlend und doch mitgenommen. Unvorstellbar, wie der morgige Tag aussehen wird, ohne das Festival.

Ermüdet und erfüllt verabschieden wir uns von Katerina, Makis und George und fahren total erledigt nach Hause – aber halt an, hier! Dort, was? Halt an! Ein Periptero, da kaufen wir noch nen Ouzo. Für mich einen Ouzo, für dich ein Bier. Ab ins Hotel. Der Andriana noch einen joke chatten, Katerina ein Herzchen senden. Wir beide stehen vor unserem Rembetiko-Altar: Makis´ Honig, alle Festivalflyer, das neue T-Shirt, ein Lebenshöhepunkt, ach, so schön. Wir fallen ins Bett. Und träumen vom nächsten Jahr: Athen, das 2. Festival, ja!
Anmerkung
Das Festival hat einen humanitären und gemeinnützigen Charakter. Ein Teil des Erlöses geht an das Waisenhaus Christodouleio Idryma und die griechische Vereinigung der Querschnittgelähmten Panellinios Syllogos Parapligikon.
1. Rembetiko-Festival Athen: Website mit weiteren Fotos und Impressionen (auf EN) hier
Plattformen
sealabs von Makis Drymonas (auf EL) hier
Forum hier
Archiv Kounadis (auf EL und EN) hier
Archiv der griechischen Musik hier
Musik und Musiker
George Zorbas Band (fb) hier
Katerina Tsiridou (auf EL und EN) hier
Saltadoros von M. Genitsaris (YouTube) hier
Kompania hier
Kompania mit A. Achitzanova, Kokainopotis (Mitschnitt S. Steiner) hier
A. Achitzanova mit Halva (osteuropäische Musik) hier
To Gnosto Trio live auf dem Festival hier
Arap Zeybekiko von Markos Vamvakaris hier
Endelekheia (auf EN) hier
allgemein
Saltadoros, der historische Kontext (taz, 1990) hier
Die Iera Odos/Heilige Straße in der Antike hier
Die Iera Odos gestern und heute (auf EN) hier
Simon Steiner in diablog.eu hier
Schreibweise: Rembetiko (eher im deutschsprachigen Raum); Rebetiko (eher im englischsprachigen Raum)
Text: Simon Steiner. Redaktion: A.Tsingas. Fotos: Rembetiko-Festival, Archiv S. Steiner, Halvamusic, TGT, Archiv A.Tsingas. Nicht alle Aufnahmen stammen vom Festival.
Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf:
Fabelhafter Artikel, ich gratuliere. Und staune, wie sich der rembetiko in das Deutsch, das du schreibst, hineinverwandelt hat. Man ist gleich mit dabei, mit in Athen, in der heiligen Straße, kriegt etwas mit vom streetfeeling, das du hast, das dich hat und ansteckend sich auf den Leser, auf mich überträgt. Bravo Simon, du hast begriffen, worauf es ankommt, die Menschen, die man kennt und mag und mit denen man lange oder neu verbunden ist, was man isst und trinkt und fühlt. Den rechten Augenblick erwischen und dabei sein und kapieren, was da gerade passiert. Hab Dank für deine Begeisterung, sagt Melchior
Dankeschön lieber Melchior!
Großartig, der Text! Ich freu mich so über die gemeinsame Begeisterung…
Ernst
Einfach nur toll, Simon. Lass uns das Schöne im Leben feiern – solange es dies noch gibt. Diese Geschichte von dir lebt von der Kraft der Erinnerung und dem Dahinfliegen der Ereignisse und Tage, die uns etwas bedeuten im Leben. Schön beschrieben. Rembetiko will never die. So soll es sein. Grüße Zorz
Es ist schön, wenn man für ein Thema so brennen kann
Kalimera, Simon.
Vielen herzlichen Dank für den interessanten Artikel. Ein wahres Fest ist das für euch gewesen.
Ich spüre die Begeisterung und Ergriffenheit förmlich.
Auch die Abbildungen sind sehr interessant.
Gratulation!
Herzlichen Dank für Ihren Bericht über uns und Ihre lieben Worte! Wir sehen uns wieder!
Super Simon!
Sehr schön geschrieben, sehr bildlich beschrieben, man kann sich richtig reinversetzten und es miterleben!
Danke dir!
Hallo Simon, toller Beitrag! Danke.
Herzliche Grüße
Anna Ioannidou
…als wenig-Rembetiko-Hörer und Fakten-Kenner ist der Beitrag interessant und persönlich detailreich von Simon geschrieben.
Dies mlGv fabi
Hö Simon, Du bist ein Poet!
„Athen glüht weiter. Am Himmel ein paar vereinzelte Wolken, jede lächelt anders.“ = Songtext
Simos, deine Begeisterung für den Rembetiko und „dein“ Griechenland ist in jeder Zeile zu spüren. Sehr fein!
Super schön, im eigenwilligen Stil. Fühle mich als wäre ich dabei gewesen. Danke für die Reise.
Jason Seizer