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	<title>Lyrik &#8211; diablog.eu</title>
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	<title>Lyrik &#8211; diablog.eu</title>
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	<item>
		<title>Griechische Lyrik im Selbstporträt_2</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2025 07:09:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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					<description><![CDATA[Poesie ist mehr als Worte – sie ist ein Blick auf die Welt, ein Rhythmus, ein Echo des Inneren, ein Motiv, das nicht loslässt. In dieser neuen Reihe auf diablog stellen sich zeitgenössische griechische Lyriker:innen ... <p class="read-more-container"><a title="Griechische Lyrik im Selbstporträt_2" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/lyrik/griechische-lyrik-im-selbstportraet_2/#more-15665" aria-label="Mehr Informationen über Griechische Lyrik im Selbstporträt_2">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Poesie ist mehr als Worte – sie ist ein Blick auf die Welt, ein Rhythmus, ein Echo des Inneren, ein Motiv, das nicht loslässt. In dieser neuen Reihe auf <em>diablog</em> stellen sich zeitgenössische griechische Lyriker:innen selbst vor: mit ihren Gedanken zur eigenen Dichtung, mit Bildern, die ihren Alltag prägen und sie inspirieren, und natürlich mit ihren Gedichten, die in deutscher Übersetzung eine zweite Stimme finden.</p>
<p class="einleitung">Unser Redaktionsmitglied Elena Pallantza wählt die Texte aus und überträgt sie gemeinsam mit anderen Übersetzerkolleg:innen ins Deutsche. So öffnet sich ein anderer Zugang zu Griechenland – durch die Worte und Augen seiner Dichter:innen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-15722 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch-450x599.jpg" alt="" width="450" height="599" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch-450x599.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch-770x1024.jpg 770w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch-768x1022.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch-500x665.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch.jpg 989w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<h5><strong>Nadi Chatzigeorgiou</strong></h5>
<p>Nadi Chatzigeorgiou wuchs in Ermoupoli (Syros) auf. Sie studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Athen und setzt sich neben ihrem dichterischen Werk mit Anthropologie, Musik und Tanz auseinander. Ihr erster Gedichtband <em>bereits vom Aussterben bedroht</em> (Thines Verlag, Athen 2022), sowie ihr Märchen <em>Ich baue einen Turm</em> (Verlag der Kolleg:innen, Athen 2024), das sie auch selbst illustrierte, wurden mit dem Preis der Zeitschrift <em>o anagnostis</em> ausgezeichnet. Texte und Zeichnungen von ihr sind in Print- wie auch Online-Magazinen erschienen.<br />
Die sieben Gedichte, die hier vorgestellt werden, sind teils bereits veröffentlicht, teils noch nicht. Sie bilden eine Einheit mit dem Titel <em>Als ich suchte</em>. Wir danken Nadi Chatzigeorgiou für die folgenden Einblicke in ihre poetische Arbeit:</p>
<p>„Ein Gedicht ist etwas, zu dem man zurückkehrt. Eine tausendfach erzählte Geschichte, neu gefasst in die Einzigartigkeit des Verses. Man verspürt das Bedürfnis, aufs Papier oder ins Gedächtnis zurückzukehren, um das Wesen dessen zu finden, was von Mund zu Mund weitergetragen wird, wie ein Lied oder ein Filmzitat. So sehr uns Inhalte auch berühren: Gedichte sind aus Worten gemacht, und die ganze poetische Arbeit besteht in der Auswahl und der Anordnung der Wörter – jenes alle Menschen so verbindenden Werkzeugs –, Wort zu Wort gefügt, in einer Weise, die offenbart, wie und warum die Dinge in uns brennen. So verfahre ich mit Gedichten und hoffe, dass auch meine eigene poetische Sprache, zumindest bei manchen Menschen, eine ebensolche Wirkung erzielt.“</p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15724 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-02_ergaleia-450x769.jpg" alt="" width="450" height="769" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-02_ergaleia-450x769.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-02_ergaleia-175x300.jpg 175w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-02_ergaleia-500x855.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-02_ergaleia.jpg 599w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>AM ANDEREN ENDE DER WELT</strong></p>
<p>In Japan gibt es jetzt<br />
ein Hotel mit Robotern<br />
Am Empfang<br />
will ich Genaueres wissen<br />
man gibt mir Punkte<br />
Ein Vögelchen<br />
bringt meine Münze zurück</p>
<p>Der ganze Weg umsonst<br />
Unbesungen falle ich<br />
auf die spacige Matratze<br />
In meiner Kapsel<br />
mit schwerem Zwitschern<br />
im Herzen</p>
<p>flackere ich</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15718 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-07_sailor-moon34-450x600.jpg" alt="" width="450" height="600" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-07_sailor-moon34-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-07_sailor-moon34-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-07_sailor-moon34-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-07_sailor-moon34.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>ICH WERDE ES ZUM LAUFEN BRINGEN</strong></p>
<p>Ich wollte es ganz aus der Nähe sehen<br />
auch wenn ich Angst hatte<br />
Etwas an seinem Galopp<br />
ließ das Tier<br />
sonderbar wirken<br />
Vom vielen Aufziehen<br />
dachte ich, ist es durchgedreht<br />
und trat noch näher</p>
<p>Sein Schaukeln riss mich mit<br />
wie eine Seerose im Teich<br />
Ein reinrassiger Irrtum<br />
und ich auf seinem Rücken<br />
war bereit, es zu bändigen<br />
Die Welt ist voll von solchen<br />
die sagen, es geht nicht<br />
Aber ich wusste<br />
das Pferd ist zu schaffen</p>
<p>Mit all meinem Rüstzeug<br />
glitt ich in eine andere Dimension<br />
weit weg von der Vulgarität<br />
des Sattels und der Hufeisen</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15725 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-03_erotideas34-450x600.jpg" alt="" width="450" height="600" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-03_erotideas34-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-03_erotideas34-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-03_erotideas34-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-03_erotideas34.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>DER IMKER</strong></p>
<p>Der Imker hat keine<br />
klar umrissene Aufgabe<br />
so nah am Stich<br />
so fern der Angst</p>
<p>Über das offene Maul<br />
der Blumen gebeugt<br />
tut er so, als sähe er<br />
die Honigdiebe nicht</p>
<p>Wenn alles satt schläft<br />
Geister Tiere Pflanzen<br />
dient er mit Hellsicht<br />
dem Beruf der Waffen</p>
<p>Der restliche Honig<br />
mündet als Problem<br />
ins Meer; niemand soll ihn spielen<br />
auf der Rennbahn, beim Karteln</p>
<p>Er weiß die fürchterlichen<br />
Zwiespalte vorherzusagen<br />
solange die Sterne ihr Öl verbrennen<br />
wird Honig vergeudet</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15717 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-06_nekrotafeio34-450x600.jpg" alt="" width="450" height="600" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-06_nekrotafeio34-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-06_nekrotafeio34-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-06_nekrotafeio34-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-06_nekrotafeio34.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>HAUTZEICHNUNG</strong></p>
<p>Wenn ich stillhalte<br />
glaube ich, tot zu sein<br />
Die Angst sitzt mir im Nacken<br />
Meine Künste werden zunichte<br />
Ich sehe mich<br />
zu jedem Unglück fähig</p>
<p>Gesichter von Geldscheinen<br />
erscheinen auf meiner Haut<br />
wie boshafte Verwandte<br />
die ich niemals vergesse<br />
Sie strömen herbei<br />
die einen wie die anderen<br />
Und alle murmeln im Chor<br />
ich sei am Ende</p>
<p>Anstatt sie<br />
zum Teufel zu jagen<br />
kriege ich die Krätze<br />
Den Kavalieren<br />
die sie vorsichtig betasten<br />
lüge ich vor: hab ich selber gemalt<br />
Das war alles</p>
<p>Eine alte Geschichte</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15726 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-04_koukla-me-psalidi34-450x600.jpg" alt="" width="450" height="600" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-04_koukla-me-psalidi34-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-04_koukla-me-psalidi34-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-04_koukla-me-psalidi34-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-04_koukla-me-psalidi34.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>ZUDEM</strong></p>
<p>An schlechten Tagen<br />
scheint ein verdrehter Wille<br />
die leblosen Dinge<br />
zu durchdringen<br />
und eine Parallelwelt<br />
jenseits der gewohnten<br />
gräbt sich in mich ein</p>
<p>Der hartnäckige Knopf<br />
der widerspenstige Stoff<br />
das Geheimnis, das der Saum verbirgt<br />
lehnen sich an diesem Tag<br />
gegen mich auf<br />
Und ich tadle sie alle<br />
beschimpfe sie<br />
klage sie an<br />
bis sie bekehrt sind</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15716 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-05_koukla-me-kathreftes34-450x338.jpg" alt="" width="450" height="338" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-05_koukla-me-kathreftes34-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-05_koukla-me-kathreftes34-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-05_koukla-me-kathreftes34-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-05_koukla-me-kathreftes34-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-05_koukla-me-kathreftes34.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>MAGISCHER KREIS</strong></p>
<p>Wie die Würfel fallen<br />
ist Werk der Götter</p>
<p>Auf dem nächsten Level<br />
erscheint der Bösewicht<br />
ein automatischer Mechanismus<br />
der grausamste von allen<br />
die Fäden sind sichtbar<br />
die Hand ist meine</p>
<p>Hier wird aufs Spiel gesetzt:<br />
der geordnete Lauf der Jahreszeiten<br />
das Reifen der Früchte<br />
das Aufblühen des Jahres<br />
der Triumph des Guten<br />
über das Böse</p>
<p>Ich denke an all das<br />
und wie vom bösen Blick getroffen<br />
renne ich los</p>
<p>und rette die Prinzessin</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15723 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-01_goves34-450x338.jpg" alt="" width="450" height="338" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-01_goves34-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-01_goves34-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-01_goves34-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-01_goves34-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-01_goves34.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>JEDER NIMMT ETWAS MIT</strong></p>
<p>Manche fragen<br />
was in Waterloo geschah<br />
Wenn ihr wollt, sage ich<br />
zeige ich es euch auf der Karte</p>
<p>Zwei Fronten halte ich<br />
stets offen<br />
Die eine vor mir<br />
glänzt wie Zukunft<br />
Die andere hinter mir<br />
klafft auf ewig<br />
das Unwiderrufliche</p>
<p>Anstelle von Taktiken<br />
kenne ich Tricks<br />
nicht solche<br />
die hundertprozentig retten<br />
Nur solche, die mein Glück herausfordern<br />
in einem Wettlauf gegen die Zeit<br />
bei dem fraglich ist<br />
ob ich ankomme</p>
<p>So taumelnd durch die Schlacht<br />
bin ich entzweit<br />
wie ein Brautkleid mit Schleppe</p>
<p>wie ein Stern mit Schweif</p>
<hr />
<p><strong>Das Übersetzer:innen-Team</strong></p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-15719" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-08_IMG_7590-ElenaPeter2.jpg" alt="" width="280" height="210" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-08_IMG_7590-ElenaPeter2.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-08_IMG_7590-ElenaPeter2-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-08_IMG_7590-ElenaPeter2-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-08_IMG_7590-ElenaPeter2-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-08_IMG_7590-ElenaPeter2-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px" />Elena Pallantza </strong>und<strong> Peter Holland</strong> sind ein Übersetzer:innen-Duo aus dem Neugriechischen ins Deutsche. Sie übersetzten unter anderem Andreas Embirikos (<em>Signaturen</em>-Magazin) und Jenny Mastoraki (<em>metamorphosen</em>, Heft 63), den Gedichtband <em>Mögliche Landschaften</em> von Danae Sioziou (parasitenpresse, Köln 2024) sowie ausgewählte Gedichte griechischer Lyriker:innen für das Poesiefestival Berlin und das Goethe-Institut Athen. Weitere gemeinsame Übersetzungen moderner Klassiker und zeitgenössischer Autor:innen sind in Vorbereitung, darunter Werke von Nikos Gatsos und Phoebe Giannisi.</p>
<p><em>Auswahl und Präsentation</em><em>: Elena Pallantza. </em><em>Poesie und Gedanken dazu</em><em>: Nadi Chatzigeorgiou in der Übersetzung von Elena Pallantza und Peter Holland</em><em>. Redaktion: A. Tsingas. Fotos: Nadi Chatzigeorgiou. Foto Übersetzer:innen: privat.</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ohne dich, Hellas – die 63. Ausgabe der Zeitschrift metamorphosen</title>
		<link>https://diablog.eu/uebersetzung/ohne-dich-hellas-die-63-ausgabe-der-zeitschrift-metamorphosen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jul 2025 07:38:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<category><![CDATA[Übersetzung]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Fokus der 63. Ausgabe der metamorphosen stehen Griechenland und seine Literatur; die Verleger Ingo Držečnik und Roman Pliske haben Beiträge von mittlerweile zu Klassikern gewordenen sowie von zeitgenössischen griechischen Autorinnen und Autoren zusammengestellt. Die ... <p class="read-more-container"><a title="Ohne dich, Hellas – die 63. Ausgabe der Zeitschrift metamorphosen" class="read-more button" href="https://diablog.eu/uebersetzung/ohne-dich-hellas-die-63-ausgabe-der-zeitschrift-metamorphosen/#more-15434" aria-label="Mehr Informationen über Ohne dich, Hellas – die 63. Ausgabe der Zeitschrift metamorphosen">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Im Fokus der 63. Ausgabe der <em>metamorphosen</em> stehen Griechenland und seine Literatur; die Verleger Ingo Držečnik und Roman Pliske haben Beiträge von mittlerweile zu Klassikern gewordenen sowie von zeitgenössischen griechischen Autorinnen und Autoren zusammengestellt.</p>
<p><strong>Die Veranstaltung</strong><br />
<strong>Wann</strong>: Mittwoch, 6. August 2025 um 18:30 Uhr<br />
<strong>Wo</strong>: Ingeborg-Drewitz-Bibliothek („Schloss“, Grunewaldstraße 3 , 12165 Berlin-Steglitz, 3. OG)<br />
Eintritt frei; Voranmeldung erwünscht per Telefon (030) 90299 2410 oder eMail <a href="mailto:event-bibliothek@ba-sz.berlin.de">event-bibliothek@ba-sz.berlin.de</a><br />
Die Übersetzerinnen Andrea Schellinger (Athen) und Peter Holland (Berlin) stellen einige der Autorinnen und Autoren der Sammlung vor, der Lyriker Giorgos Lillis (Bielefeld) wird eigene Gedichte vortragen. Die Veranstaltung moderiert der Herausgeber Ingo Držečnik.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_15446" aria-describedby="caption-attachment-15446" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15446 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/07/odh_1-450x391.jpg" alt="" width="450" height="391" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/07/odh_1-450x391.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/07/odh_1-300x261.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/07/odh_1-768x668.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/07/odh_1-500x435.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/07/odh_1.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-15446" class="wp-caption-text">Stand des Elfenbein Verlags auf der Leipziger Buchmesse 2025</figcaption></figure>
<p><strong>Die Buchvorstellung</strong><br />
von Elena Pallantza</p>
<p>Unter dem Titel <em>Ohne dich, Hellas</em> ist die 63. Ausgabe der deutschsprachigen Literaturzeitschrift <em>metamorphosen</em> dem modernen Griechenland und seiner Literatur gewidmet. Die Herausgeber Ingo Držečnik und Roman Pliske verbergen nicht – und warum sollten sie auch? – ihren philhellenischen Hintergrund und richten den Blick auf die Vielstimmigkeit der griechischen Lyrik und Prosa der letzten hundert Jahre: eine Literatur, die weiterhin geschrieben und übersetzt wird, die bewegt und überrascht.<br />
Die Hommage versäumt es dabei nicht, dem Kanon des neugriechischen Modernismus gebührend Tribut zu zollen – mit teils weniger bekannten Texten von Kavafis, Seferis, Embirikos und Ritsos –, lenkt den Fokus jedoch vor allem auf Stimmen der jüngeren Generation: Christos Asteriou, Rea Galanaki, Phoebe Giannisi, Michalis Ganas, Katerina Gkiouleka, Thanasis Lambrou, Giorgos Lillis, Jenny Mastoraki, Maria Stefanopoulou, Ursula Foskolou und Panagiotis Chatzimoysiadis.<br />
So gelingt es dem Band nicht nur, zentrale Motive sichtbar zu machen, die sich in der griechischen Literaturproduktion im fortwährenden Dialog mit Licht, Landschaft, Menschen und Erinnerung entfalten, sondern auch, die Karten der literarischen Rezeption Griechenlands im deutschsprachigen Europa auf kreative Weise neu zu mischen.<br />
Vielmehr als eine repräsentative Gesamtschau versteht sich diese Anthologie als Lektürevorschlag, der sich seiner Grenzen bewusst ist – und Raum für Weiterführungen schafft. Ihr Ziel ist es, das Palimpsest der zeitgenössischen griechischen Literaturlandschaft exemplarisch und andeutungsreich zu skizzieren – nicht im Rückgriff auf Autoritäten, sondern durch das Aufzeigen von Wegen und Konstellationen. In diesem Sinne gleicht das Heft erfreulicherweise eher dem Notizbuch eines philhellenischen Lesers als einem „Kanon“ nationaler Literatur.<br />
Von zentraler Bedeutung für das literarische Porträt griechischer Identität, das hier entsteht, ist zudem die Rolle der Übersetzerinnen und Übersetzer – etwa Ina Berger, Günter Dietz, Peter Holland, Christiane Horstkötter, Ina und Asteris Kutulas, Elena Pallantza, Michaela Prinzinger, Andrea Schellinger, Herbert Speckner, Athanassios Tsingas und Theo Votsos. Sie agieren nicht nur als Interpreten, sondern vor allem als Vermittler der neugriechischen Literatur gegenüber dem deutschsprachigen Publikum. Mit ihren Übersetzungsentscheidungen gestalten sie Räume kultureller Begegnung mit, in denen Stimmen hörbar werden, die nicht nur untereinander, sondern auch im europäischen Kontext in Dialog treten.<br />
Die Ausgabe beschränkt sich schließlich nicht auf Übersetzungen griechischer Werke. Sie überrascht angenehm, indem sie auch Texte deutscher Autoren wie Herbert Genzmer, Tobias Herold, Andreas Holschuh und Konstantinos Kammenos einbezieht, die sich von der griechischen Natur und Gegenwartskultur inspirieren lassen – und mit neuen Mitteln die Tradition der Reisenden fortschreiben: ein fremder Blick, der nicht idealisiert, sondern horcht, beobachtet und sich reflektierend – mitunter kritisch oder humorvoll – auseinandersetzt. Illustriert wird die geschmackvoll gestaltete Ausgabe mit elf Schwarzweiß-Fotografien von Klaus Pichler.<br />
<em>Ohne dich, Hellas</em> ist eine Reise, eine Wiederverbindung, ein Versuch, den <em>genius loci</em> eines kulturellen Ursprungsortes erneut – und mit anderen Mitteln – einzufangen; einem Ort, der die Kraft bewahrt, das Verlangen nach geistiger Heimkehr immer neu zu entfachen.</p>
<p><strong>Das Heft</strong><br />
<span id="productTitle" class="a-size-large celwidget" data-csa-c-id="e4mpt-2xnb37-2jmgrs-u2b77h" data-cel-widget="productTitle">metamorphosen. Zeitschrift für Literatur: <em>Ohne dich, Hellas</em> (Nr. 63)</span><br />
<span class="a-list-item"> Elfenbein Verlag, Berlin 2025</span><br />
<span class="a-list-item"> <span class="a-text-bold">Sprache: ‎ </span> Prosa deutsch, Lyrik griechisch und </span><span class="a-list-item">deutsch </span><br />
<span class="a-list-item">128 Seiten, 10 Euro</span><br />
<span class="a-list-item"><span class="a-text-bold">ISBN-13: ‎ </span> 978-3961609017 </span></p>
<hr />
<p>Die Geschichte der Zeitschrift für Literatur <em>metamorphosen </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Metamorphosen_(Zeitschrift)">hier</a> // Archiv <a href="http://metamorphosen-zeitschrift.de/archiv/">hier</a> // Impressum <a href="http://metamorphosen-zeitschrift.de/impressum/">hier</a><br />
Die Verleger Ingo Držečnik <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ingo_Dr%C5%BEe%C4%8Dnik">hier</a> und Roman Pliske <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Roman_Pliske">hier</a><br />
Der Elfenbein Verlag <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Elfenbein_Verlag">hier</a> // der Mitteldeutsche Verlag <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mitteldeutscher_Verlag">hier</a> (Wikipedia<em>)</em><br />
Die Griechische Buch- und Kulturstiftung, Zweigstelle Berlin <a href="https://elivip.gr/annex/berlin/">hier</a> (auf EL)</p>
<p><em>Buchvorstellung: Elena Pallantza. </em><em>Erschienen zuerst bei </em>o anagnostis <a href="https://www.oanagnostis.gr/quot-choris-esena-ellada-quot-sti-leipsia-grafei-i-elena-palatza/">hier</a> <em>(auf EL); bei diablog.eu mit freundlicher Genehmigung des Verlags.</em><em> Foto: o anagnostis und Elfenbein Verlag. Redaktion: A. Tsingas.<br />
</em></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Griechische Lyrik im Selbstporträt_1</title>
		<link>https://diablog.eu/literatur/lyrik/griechische-lyrik-im-selbstportraet/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Jun 2025 08:26:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://diablog.eu/?p=15032</guid>

					<description><![CDATA[Poesie ist mehr als Worte – sie ist ein Blick auf die Welt, ein Rhythmus, ein Echo des Inneren, ein Motiv, das nicht loslässt. In dieser neuen Reihe auf diablog stellen sich zeitgenössische griechische Lyriker:innen ... <p class="read-more-container"><a title="Griechische Lyrik im Selbstporträt_1" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/lyrik/griechische-lyrik-im-selbstportraet/#more-15032" aria-label="Mehr Informationen über Griechische Lyrik im Selbstporträt_1">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Poesie ist mehr als Worte – sie ist ein Blick auf die Welt, ein Rhythmus, ein Echo des Inneren, ein Motiv, das nicht loslässt. In dieser neuen Reihe auf <em>diablog</em> stellen sich zeitgenössische griechische Lyriker:innen selbst vor: mit ihren Gedanken zur eigenen Dichtung, mit Bildern, die ihren Alltag prägen und sie inspirieren, und natürlich mit ihren Gedichten, die in deutscher Übersetzung eine zweite Stimme finden.</p>
<p class="einleitung">Unser Redaktionsmitglied Elena Pallantza wählt die Texte aus und überträgt sie gemeinsam mit anderen Übersetzerkolleg:innen ins Deutsche. So öffnet sich ein anderer Zugang zu Griechenland – durch die Worte und Augen seiner Dichter:innen.</p>
<p class="einleitung"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-15076" src="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-01a_Gkioulos.jpg" alt="" width="320" height="336" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-01a_Gkioulos.jpg 419w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-01a_Gkioulos-286x300.jpg 286w" sizes="auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px" /></p>
<h5><strong>Dimitris Gkioulos<br />
</strong></h5>
<p>Dimitris Gkioulos (*1984) ist Dichter und Übersetzer. Er hat Mathematik, Translatologie und Europäische Kultur studiert und absolviert derzeit einen Master in Public History. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Texter und Übersetzer. Seine Gedichte wurden in Literaturzeitschriften und in Anthologien in Griechenland und im Ausland veröffentlicht. Sein jüngstes Buch <em>Extremwetter </em>(Verlag thines) erschien im Mai 2023.<br />
Die sieben Gedichte, die hier vorgestellt werden, stammen aus dem Gedichtband <em>Urbane Elegien</em> (Verlag thines, Athen 2022) und wir danken ihm für die Gedanken zu seiner Poesie, die er mit uns geteilt hat:</p>
<p>„Es ist schon etwas anderes, über die eigene Poesie zu sprechen. Schließlich sind wir es gewohnt, dass die Gedichte dies für uns tun, aber manchmal brauchen auch sie jemanden, der ihnen den Rücken stärkt – und wer könnte das besser als ihr Schöpfer? Ich halte meine Wörter nicht an der kurzen Leine. Meist lasse ich sie einfach los, damit sie für sich den Raum einnehmen, den sie brauchen. Das heißt aber nicht, dass ich meine Gedichte nicht überarbeite. Ganz im Gegenteil: Ich weiß, dass gerade winzige Details den Unterschied machen können. Man möchte sagen, ich rüste meine Wörter gut aus, damit sie sich der Welt stellen können. Sie tragen eine leise Ironie in sich, dazu einen unaufdringlichen, aber scharfen Humor, spielen mit den anderen Wörtern im Gedicht und mit denen, die sie draußen treffen, im herrschenden Diskurs, brechen Bedeutungen auf, lösen Überraschungen aus. Sie sprechen politisch, doch nicht militant, sondern politisch im eigentlichen Sinne. Sie halten den kleinen Momenten des Lebens den Spiegel vor und geben ihnen das Gewicht zurück, das ihnen der Alltag raubt. Oft gelingt das Experiment – zumindest erkenne ich es an den Reaktionen, bislang vor allem in meiner eigenen Sprache, doch, ich glaube, die Botschaft ist universell, die Botschaft gehört hinaus in die Welt, und manchmal denke ich, dass es für manche Wörter genauso schwierig ist, die auferlegten Grenzen zu überschreiten wie für manche Menschen. Dennoch finden sie fast immer einen Weg. Ein Grund mehr vielleicht, diese Grenzen endlich abzuschaffen. Es gibt noch so viel zu sagen – und noch mehr zu tun.&#8220;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15043 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-02_Agora.png" alt="" width="855" height="627" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-02_Agora.png 855w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-02_Agora-300x220.png 300w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-02_Agora-768x563.png 768w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-02_Agora-450x330.png 450w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-02_Agora-500x367.png 500w" sizes="auto, (max-width: 855px) 100vw, 855px" /></p>
<hr />
<p style="text-align: right;"><strong>Der Wurf</strong></p>
<p style="text-align: right;">Es gibt gewisse Tage</p>
<p style="text-align: right;">die gewissen anderen Tagen so sehr ähneln</p>
<p style="text-align: right;">dass auch diese wiederum gewissen Tagen ähneln</p>
<p style="text-align: right;">alle einander gleich</p>
<p style="text-align: right;">als kämen sie aus dem Reagenzglas</p>
<p style="text-align: right;">Dann schaust du in den Spiegel</p>
<p style="text-align: right;">und siehst einen, der dir ähnelt</p>
<p style="text-align: right;">auf einer Schallplatte</p>
<p style="text-align: right;">rennen</p>
<p style="text-align: right;">Die Rille ist kein Graben</p>
<p style="text-align: right;">der Krieg, drinnen wie draußen, ist unsichtbar</p>
<p style="text-align: right;">Einzig sichtbarer Feind: die Nadel</p>
<p style="text-align: right;">Sie gibt dir den Takt vor</p>
<p style="text-align: right;">sie, die darauf wartet<br />
dich am Ende des Lieds zu zerquetschen</p>
<p style="text-align: right;">Und es kommt der Tag, an dem du beschließt<br />
aus der Rille zu springen</p>
<p style="text-align: right;">dich in die Mitte der Platte zu begeben</p>
<p style="text-align: right;">nicht mehr zu rennen</p>
<p style="text-align: right;">Dann schaust du dich um</p>
<p style="text-align: right;">– kein Spiegel in Sicht –</p>
<p style="text-align: right;">und siehst andere, die sind wie du</p>
<p style="text-align: right;">Die Augen geschwängert</p>
<p style="text-align: right;">von den Bildern einer anderen Schöpfung</p>
<p style="text-align: right;">bereit zum Wurf</p>
<p style="text-align: right;">Und die Zeit, die fleißige Hebamme</p>
<p style="text-align: right;">bringt gute Hoffnung ans Licht</p>
<p style="text-align: right;">Mit Tränen, Blut</p>
<p style="text-align: right;">und einem Schrei</p>
<p style="text-align: right;">So beginnt das wahre Lied</p>
<p style="text-align: right;">a cappella</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15033 alignright" src="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-03_daemm.png" alt="" width="600" height="439" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-03_daemm.png 856w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-03_daemm-300x220.png 300w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-03_daemm-768x563.png 768w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-03_daemm-450x330.png 450w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-03_daemm-500x366.png 500w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></p>
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<hr />
<p style="text-align: right;"><strong>Sonntagsbraten I</strong></p>
<p style="text-align: right;">«Ein braves Mädchen, und dazu Kommunistin»<br />
sagte der eine Opa, der Partisan</p>
<p style="text-align: right;">«Sieh zu, dass sie sich ranhält»<br />
meinte der andere, der Rechte</p>
<p style="text-align: right;">Bei uns zu Hause schwelte<br />
der Bürgerkrieg</p>
<p style="text-align: right;">beim Sonntagsbraten</p>
<p style="text-align: right;">Mühelos schlugen wir uns auf eine Seite</p>
<p style="text-align: right;">Wie auch die anderen</p>
<hr />
<p style="text-align: right;"><strong>Helden</strong></p>
<p style="text-align: right;">Eines Tages werde ich<br />
meine Lieblingsbücher öffnen</p>
<p style="text-align: right;">und alle meine Helden<br />
gewaltsam herauszerren</p>
<p style="text-align: right;">ich werde sie in eine Nussschale stecken<br />
winters in der Ägäis</p>
<p style="text-align: right;">bis auf die Knochen durchnässt<br />
am Evros</p>
<p style="text-align: right;">bei 50°C an der mexikanischen Grenze<br />
dass die Milizen sie jagen</p>
<p style="text-align: right;">dass sie verkohlenan den elektrischen<br />
Zäunen in Spanien</p>
<p style="text-align: right;">dass die italienische Küstenwache<br />
ihnen die Flöße versenkt</p>
<p style="text-align: right;">Ich werde sie suchen lassen<br />
nach eurer Zivilisation</p>
<p style="text-align: right;">Dann will ich mal sehen was sie euch sagen</p>
<p style="text-align: right;">Dann will ich mal sehen woran man Heldentum misst</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15035 alignright" src="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-04_blau.jpg" alt="" width="600" height="337" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-04_blau.jpg 635w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-04_blau-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-04_blau-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-04_blau-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></p>
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<hr />
<p style="text-align: right;"><strong>Troja</strong></p>
<p style="text-align: right;">Solltest du bei mir anklopfen</p>
<p style="text-align: right;">mit leeren Händen</p>
<p style="text-align: right;">ganz ohne deine üblichen Waffen</p>
<p style="text-align: right;">und den Beginn der Friedens-<br />
verhandlungen fordern</p>
<p style="text-align: right;">Solltest du nackt vor mir stehen<br />
wie einst</p>
<p style="text-align: right;">Und deinen Egoismus abstreifen</p>
<p style="text-align: right;">werde ich wie wild das<br />
hölzerne Pferd in dir suchen</p>
<hr />
<p style="text-align: right;"><strong>Wie es sich gehört<img loading="lazy" decoding="async" class="alignright wp-image-15037" src="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-05_bilschirm.png" alt="" width="240" height="495" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-05_bilschirm.png 304w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-05_bilschirm-145x300.png 145w" sizes="auto, (max-width: 240px) 100vw, 240px" /></strong></p>
<p style="text-align: right;">Der Therapeut meinte ich sei<br />
voller Wut und die beste Weise<br />
meine Wut kreativ zu steuern<br />
sei Gedichte zu schreiben</p>
<p style="text-align: right;">Dann sagten die Kritiker<br />
wütende Gedichte wären mittelmäßig<br />
meine Gedichte wären mittelmäßig</p>
<p style="text-align: right;">Jetzt bin ich nicht mehr wütend</p>
<p style="text-align: right;">Gehe nicht mehr zum Therapeuten</p>
<p style="text-align: right;">Allerdings gehen meine Gedichte hin</p>
<p style="text-align: right;">Jetzt ist alles wie es sein soll</p>
<p style="text-align: right;">Der Therapeut hat immer gut zu tun und<br />
die Kritiker haben recht</p>
<hr />
<p style="text-align: right;"><strong>Sonntagsbraten II</strong></p>
<p style="text-align: right;">Du hast gefragt woher ich komme, was<br />
meine Geschichte ist und wohin ich gehe.<br />
Einmal fragte ich meinen Opa, den Rechten,<br />
was es mit den Träumen auf sich hat.<br />
„Träumen darfst du, soviel dein Beutel<br />
hergibt“, sagte er. Ein anderes Mal,<br />
im selben Alter ungefähr, sprach ich<br />
mit dem anderen, dem Partisanen, über<br />
Karoutes*. „Wie ist das, wenn man<br />
Menschen tötet“, fragte ich. „Faschisten<br />
haben wir getötet, keine Menschen“. Und weil<br />
ich lernte, mit Geschichten zu antworten:<br />
Aus Widersprüchen setze ich mich zusammen. Da<br />
komme ich her, da gehe ich hin.</p>
<p><em>*Die Schlacht bei Karoutes fand am 5. August 1944</em><br />
<em>zwischen der griechischen Volksbefreiungsarmee ELAS</em><br />
<em>und den nazistischen Besatzungstruppen statt.</em></p>
<hr />
<p style="text-align: right;"><strong>Der Urknall</strong></p>
<p style="text-align: right;">Ich gehe durch die Stadt</p>
<p style="text-align: right;">Menschen, kleine Universen</p>
<p style="text-align: right;">die sich täglich weiter ausdehnen<br />
und doch</p>
<p style="text-align: right;">nicht explodieren</p>
<p style="text-align: right;">Menschen ohne Zentrum</p>
<p style="text-align: right;">Menschen, pure Masse</p>
<p style="text-align: right;">Und ich, der immer explodieren wollte<br />
um diese Zeit in Schutt zu legen</p>
<p style="text-align: right;">nur eines will ich heute Nacht:</p>
<p style="text-align: right;">zwischen all diesen</p>
<p style="text-align: right;">sich ausdehnenden Körpern</p>
<p style="text-align: right;">all diesen wandelnden Massen</p>
<p style="text-align: right;">eine Supernova werden</p>
<p style="text-align: right;">dass meine Bahn mich dazu führt<br />
in dir zu explodieren</p>
<p style="text-align: right;">Mein ganzes Universum eine Verdichtung</p>
<p style="text-align: right;">Eine Umarmung als Massenmittelpunkt</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15039 alignright" src="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-06_wasser.png" alt="" width="600" height="448" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-06_wasser.png 677w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-06_wasser-300x224.png 300w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-06_wasser-450x336.png 450w, https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-06_wasser-500x373.png 500w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /></p>
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<p><strong>Das Übersetzer:innen-Team</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-14835 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2025/03/sek-09qu-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /><strong>Elena Pallantza</strong> (*1969 in Athen) ist Gräzistin, Literaturübersetzerin und Autorin. Sie arbeitet als freie Übersetzerin vom Griechischen ins Deutsche und umgekehrt und engagiert sich vielfach für die Sichtbarkeit der griechischen Gegenwartsliteratur im deutschsprachigen Raum. 2013 gründete sie den Übersetzungskreis LEXIS an der Universität Bonn. Für die Übersetzung der Novelle „Die schwierige Kunst“ von Dimitris Eleftherakis ins Deutsche (Reinecke &amp; Voß Verlag 2017) erhielt sie zusammen mit LEXIS den griechischen Staatspreis für Literarische Übersetzung 2018. Im Oktober 2020 war sie Stipendiatin des LCB im Rahmen des Förderprogramms litrix.de des Goethe-Instituts. Als Dozentin leitet sie Übersetzungsseminare und moderiert Veranstaltungen zum Thema Lyrikübersetzung.<br />
<em>Elena Pallantza in diablog.eu</em> <a href="https://diablog.eu/?s=Elena+Pallantza">hier</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15122 size-thumbnail alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-09_Andreas-Gamst-e1746772623900-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /> <strong>Andreas Gamst</strong> wurde 1947 in Hamburg geboren. Nach einem ersten Aufenthalt in Griechenland vertiefte er neben seinem Mathematikstudium seine Kenntnisse in Neu- und später auch Altgriechisch an der Universität Hamburg. Das Studium der Mathematik schloss er dort mit Diplom und Promotion ab. Während seines Berufslebens beschäftigte er sich überwiegend mit der Planung von Mobilfunknetzen. Danach fand er endlich wieder die Zeit, sich dem Griechischen zu widmen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-15120 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2025/04/poe-10_Gassen_Rainer_Maria-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /><strong>Rainer Maria Gassen</strong> (*1946 in Koblenz) ist ein deutscher Lyriker, Übersetzer und Rezitator. Er studierte Anglistik und Germanistik in England und Deutschland und arbeitete als Lehrer in mehreren Ländern. Heute lebt er in Bonn, wo er sich vielfältig literarisch engagiert, unter anderem als Mitbegründer der Zeitschrift <em>500 GRAMM</em>. Als Dichter widmet er sich seit Jahrzehnten vor allem dem Sonett, das er formal und inhaltlich weiterentwickelt.</p>
<p>Andreas Gamst und Rainer Maria Gassen sind Mitglieder des Übersetzerkreises LEXIS.</p>
<hr />
<p><em>Auswahl und Präsentation</em><em>: Elena Pallantza. </em><em>Poesie und Gedanken dazu</em><em>: Dimitris Gkioulos in der Übersetzung von Elena Pallantza</em><em>, Andreas Gamst und Rainer Maria Gassen. Redaktion: A. Tsingas. Fotos: Dimitris Gkioulos. Portraitfotos Übersetzerkreis: Privatsammlungen.<br />
</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Nikos Kavvadias, der Seemannsdichter</title>
		<link>https://diablog.eu/literatur/nikos-kavvadias-der-seemannsdichter/</link>
					<comments>https://diablog.eu/literatur/nikos-kavvadias-der-seemannsdichter/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Aug 2023 17:21:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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					<description><![CDATA[Kavvadias (1910-1975) war Seefahrer und Dichter. Er selbst bekundete, dass er sich das eine ohne das andere nicht vorstellen könne. In seinen Werken hat er die maritime Natur der Griechen eingefangen. Nikos Kavvadias wurde 1910 ... <p class="read-more-container"><a title="Nikos Kavvadias, der Seemannsdichter" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/nikos-kavvadias-der-seemannsdichter/#more-11449" aria-label="Mehr Informationen über Nikos Kavvadias, der Seemannsdichter">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Kavvadias (1910-1975) war Seefahrer und Dichter. Er selbst bekundete, dass er sich das eine ohne das andere nicht vorstellen könne. In seinen Werken hat er die maritime Natur der Griechen eingefangen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-11465" src="https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-01-27-450x638.jpg" alt="" width="350" height="497" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-01-27-450x638.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-01-27-211x300.jpg 211w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-01-27-722x1024.jpg 722w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-01-27-768x1090.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-01-27-500x709.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-01-27.jpg 874w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" />Nikos Kavvadias wurde 1910 in Harbin/China geboren und wuchs auf der griechischen Insel Kefalonia und in Piräus auf. Erst fünfzehnjährig kam er mit der griechischen und der französischen Literatur in Kontakt. Seine Bewunderung für Charles Baudelaire ist dann auch in seinem späterem Werk unverkennbar. (*)<br />
Mit 19 entschied er sich für den Eintritt in die Handelsmarine. Auf großen Frachtern und Postschiffen, die auch für den Passagierdienst eingesetzt wurden, war er ständig auf großer Fahrt. Bis 1939 arbeitete er sich vom einfachen Jungmatrosen zum Funkoffizier hoch.<br />
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war Kavvadias Soldat an der Albanien-Front. Während der deutschen Besatzung hielt er sich in Athen auf. Ab 1944 fuhr er wieder zur See und bereiste in den folgenden 30 Jahren als Funker viele große Häfen der Welt. Ein Ruhestand war ihm nicht vergönnt. Er starb an einem Schlaganfall kurz nach seiner letzten Reise im Februar 1975 – Ironie des Schicksals – an Land, in Athen. Freunden gegenüber hatte er manchmal geäußert, er hoffe, sein Tod würde ihn auf See treffen. Auf seinem Sterbebett soll er gesagt haben: „Was ich immer befürchtet habe, wird jetzt eintreffen.“ Er meinte damit den Tod an Land und die Bestattung in einem Erdgrab.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="614">(*) <em>Kavvadias in Wikipedia</em> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nikos_Kavvadias">hier</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-11467" src="https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-02-113-450x638.jpg" alt="" width="350" height="497" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-02-113-450x638.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-02-113-211x300.jpg 211w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-02-113-722x1024.jpg 722w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-02-113-768x1090.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-02-113-500x709.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-02-113.jpg 874w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" />Kavvadias hinterließ Gedichte, die ihresgleichen suchen. An diese machte sich der Liederpoet Felix Leopold heran. Zu seinem Unterfangen meint er: „Als ich 2015 begann, mich intensiv mit dem Werk Kavvadias’ zu befassen, konnte ich zu Beginn gar nicht glauben, dass dieser bedeutende Dichter noch nicht ins Deutsche übersetzt worden war. Denn zweifelsohne gehört Nikos Kavvadias zu den wirklich bedeutenden Dichtern Griechenlands, die den Status des kulturellen Erbes erreicht haben. Als ich daraufhin in meinem Freundeskreis in Thessaloniki verkündete, ich wolle versuchen, Nikos Kavvadias’ gesammelte Gedichte ins Deutsche zu übersetzen, war die nahezu einhellige Meinung: &gt;Das schaffst du nicht. Kavvadias ist nicht übersetzbar.&lt; Auf meine Frage, warum das denn nicht machbar sei, wurde mir wiederum geantwortet: &gt;Weil selbst wir Griechen ihn nicht wirklich verstehen.&lt; Aufgrund der enormen Popularität, die dieser Dichter bis heute in der griechischen Bevölkerung genießt, erstaunte mich diese Antwort und machte mich hellhörig.“<br />
Kavvadias´ Wortschatz ist von der damals gängigen, vom Italienischen beeinflussten und für die meisten „Land-Griechen“ weitgehend oft unverständlichen Seemannssprache geprägt. Sein Leben bezeugt die Wahrhaftigkeit seines Schreibens und ist Beweis für seine Authentizität. Auch der Inhalt ist bemerkenswert: Kavvadias bewertet nicht, er erzählt. Der Sinn des Lebens bestand für ihn darin, es zu leben, wie es ist: Eine Reise, mit Ende – natürlich – aber ohne Ziel.<br />
Kavvadias gab drei Gedichtbände heraus, <em>Marabu</em> (1933), <em>Nebel</em> (1947) und <em>Traverso</em> (1975). (*) Er wandelte sich dabei von einem sich selbst suchenden, humorvollen Erzähler zu einem poetischen Alchimisten. Aus oft schon surreal anmutenden Mixturen aus Realität, Erinnerung, Menschen, Tieren, Orten und historischen Ereignissen formte er Bilder, denen man oft nur emotional folgen kann.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="614">(*) <em>Kavvadias hat wenig Prosa hinterlassen. Sein Roman „Die Wache“ (1954) wurde 2001 von Maria Zafón (vormals Petersen) ins Deutsche übersetzt, </em><a href="https://www.perlentaucher.de/buch/nikos-kavvadias/die-wache.html">hier</a>.<em> Maria Zafón in diablog.eu</em> <a href="https://diablog.eu/literatur/christos-zouraris-gastmahl-eines-gelehrten-ein-kulturphilosophisches-rezeptbuch/">hier</a></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-11469" src="https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-03-173.jpg" alt="" width="350" height="497" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-03-173.jpg 874w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-03-173-211x300.jpg 211w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-03-173-722x1024.jpg 722w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-03-173-768x1090.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-03-173-450x638.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-03-173-500x709.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" />Kavvadias wurde Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre von Musikern entdeckt und seine Gedichte von ihnen in unterschiedlicher Ausdrucksformen auf Vinyl gepresst, seine Lyrik ist für die Vertonung gut geeignet. 1979 komponierte der Musiker  Thanos Mikroutsikos den Gedichtzyklus „Kreuz des Südens“, er wurde zum Meilenstein des griechischen Liederschaffens. Seitdem wurden mehr als die Hälfte seiner Gedichte zu Liedern, die in Griechenland populär sind und bis heute gesungen werden.<br />
<strong>: :</strong> Artikel zur griechischen Vertonung der Gedichte von Kavvadias (auf EL) <a href="https://www.vakxikon.gr/%CE%BF-%CE%BC%CE%B5%CE%BB%CE%BF%CF%80%CE%BF%CE%B9%CE%B7%CE%BC%CE%AD%CE%BD%CE%BF%CF%82-%CE%BD%CE%AF%CE%BA%CE%BF%CF%82-%CE%BA%CE%B1%CE%B2%CE%B2%CE%B1%CE%B4%CE%AF%CE%B1%CF%82-%CE%BA%CF%81%CE%B9%CF%84/">hier</a></p>
<p>Offensichtlich haben Felix Leopold die Zweifel seiner Umgebung angespornt, denn er hat das vermeintlich Unmögliche tatsächlich möglich gemacht. Er ist nicht als Lyrikübersetzer an die Aufgabe herangegangen, sondern als Liedermacher und dadurch singbare Texte geschaffen, die näher an den Geist von Kavvadias herankommen als viele „philologische“ Übersetzungen. Zudem hat er gründlich recherchiert und die Übertragungen mit Erläuterungen zu geografischen und historischen Gegebenheiten versehen. Die Ausgabe enthält auch Gedichte außerhalb der Gedichtbände, auch diese sind durchgehend zweisprachig abgedruckt.</p>
<p><strong>Auszug</strong><br />
EIN SCHWARZER HEIZER AUS DSCHIBUTI  (*)<br />
<em>Für I. Pikramenos</em></p>
<p>Der Willy, unser schwarzer Heizer aus Dschibuti,<br />
kam immer nach seinen nächtlichen Schichten<br />
lauthals lachend zu mir in die Kajüte und erzählte<br />
mir dann stundenlang seltsame Geschichten.</p>
<p>Er erzählte mir, wie sie in Algerien das Haschisch rauchen<br />
und wie sie in Aden tanzend weißen Staub inhalieren,<br />
und wie sie dort, wenn der Rausch sie mit Träumen umringt,<br />
laut schreien und mit sich selber diskutieren.</p>
<p>Auch erzählte er, wie er eines Nachts nach dem Rauchen<br />
hoch zu Ross und verfolgt von geflügelten Meerjungfrauen<br />
über den Rücken des Meeres galoppiert sei.<br />
„Wenn wir mal nach Aden kommen“, rief er, „wirst du dich das auch<br />
mal trauen!“</p>
<p>Süßigkeiten schenkte ich ihm und Rasierklingen<br />
und sagte, dass der Mensch doch am Haschisch verrecke,<br />
da hörte er nicht mehr auf, unglaublich zu lachen<br />
und hob mich mit nur einer Hand hoch bis unter die Decke.</p>
<p>In seinem riesigen Körper hatte er ein so unschuldiges Herz.<br />
Eines Nachts in Marseille, in der Bar „Regina“,<br />
bekam er, um mich vor einem Spanier zu beschützen,<br />
auf seinen Kopf eine leere bottiglia.</p>
<p>Eines Tages ließen wir ihn dann irgendwo in Fernost<br />
ausgedörrt verglühen und vergehen am Fieber.<br />
Lieber Gott der Schwarzen, dem guten Willy sei verziehen<br />
und schick ihm, wo er auch sei, ein wenig weißen Staub hernieder.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="614">(*) <em>Eins der Lieblingsgedichte meiner Mutter Athena Tsingas (Jg. 1930). </em><br />
<em>Wenn</em><em> sie</em><em> es</em><em> auswendig rezitierte</em><em>, flossen</em><em> Tr</em><em>änen</em><em>.</em></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<figure id="attachment_11471" aria-describedby="caption-attachment-11471" style="width: 231px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-11471 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-05-signature.png" alt="" width="241" height="111" /><figcaption id="caption-attachment-11471" class="wp-caption-text">Kavvadias´ Unterschrift</figcaption></figure>
<p><strong>Das Taschenbuch</strong><br />
ist keine bibliophile Ausgabe, sein Inhalt jedoch vorbildlich: Am Anfang stehen ein Vorwort von Leopold und ein ausführlicher Bericht zu Kavvadias´ Lebensweg. Am Ende, nach den drei Gedichtbänden, werden die Beteiligten vorgestellt: der Übersetzer Felix Leopold, die Lektorin Sophia Georgallidis und die Historikerin Nicole Immig. Diese setzt Kavvadias´ Werk in den historischen Kontext. Ihr Text ist fließend und unaufgeregt, man bekommt ein sehr anschauliches Bild der Zeit vor, während und nach Kavvadias´ Wirken. So etwas wünscht man vielen griechischen Büchern, damit die deutschsprachige Leserschaft mit den Ereignissen der neugriechischen Geschichte nicht alleine gelassen wird.<br />
Die griechische Bibliographie rundet den Band ab. Er hat das Zeug, ein Standardwerk zu Kavvadias zu werden. Die Veröffentlichung wurde vom griechischen Ministerium für Kultur und Sport und der Griechischen Kulturstiftung im Rahmen des GreekLit-Programms unterstützt. Der Kater Literaturverlag hat zwar in seinem Programm mehrere zweisprachige Werke und eine „Griechische Reihe“, <a href="https://kater-buch.de/griechische-reihe">hier</a>. Trotzdem ist er mit diesem Lyrikband ein Wagnis eingegangen, das hoffentlich mit guten Verkaufszahlen belohnt wird!</p>
<p><strong>Der Übersetzer</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-11493 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2023/08/FL-lang.png" alt="" width="1024" height="288" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/08/FL-lang.png 1024w, https://medien.diablog.eu/2023/08/FL-lang-300x84.png 300w, https://medien.diablog.eu/2023/08/FL-lang-768x216.png 768w, https://medien.diablog.eu/2023/08/FL-lang-450x127.png 450w, https://medien.diablog.eu/2023/08/FL-lang-500x141.png 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
Der Liederpoet <strong>Felix Leopold</strong>, geboren in Berlin und aufgewachsen in Stuttgart, lebt seit 2000 mit seiner Frau Anastasia, einer Blues-Sängerin, in Thessaloniki. Kennengelernt haben sie sich Mitte der 80er Jahre in Stuttgart, wo Leopold seinen Zivildienst ableistete. Kurz darauf kam er als Student nach Thessaloniki und mit der Musik der griechischen Liedermacher in Kontakt. Er lernte Griechisch, auch, um diese Texte zu verstehen. Anfang der 90er Jahre entwickelte er ein griechisches Liederprogramm mit Rembetiko und Blues und wagte sich zum ersten Mal an die Übersetzung von Texten des Seefahrers und Dichters Nikos Kavvadias.<br />
Felix Leopold <a href="http://www.felix-leopold.com/">hier</a><br />
auf diablog.eu <a href="https://diablog.eu/?s=felix+leopold">hier</a></p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-11475" src="https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-07-cover.jpg" alt="" width="200" height="283" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-07-cover.jpg 350w, https://medien.diablog.eu/2023/08/nk-07-cover-212x300.jpg 212w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" />Die deutsche Ausgabe</strong><br />
Nikos Kavvadias | Felix Leopold<br />
<em>Die drei Gedichtbände des griechischen Seemannsdichters Nikos Kavvadias</em><br />
Zweisprachige Edition deutsch-griechisch, <a href="https://kater-buch.de/nikos-kavvadias-felix-leopold">hier</a><br />
Taschenbuch, 276 Seiten, 14,8 x 21 cm<br />
ISBN 978-3-944514-51-2<br />
Kater Literaturverlag, Viersen 07/2023, D 24 Euro</p>
<p class="textinfo"><em>Lyrik: Nikos Kavvadias, Felix Leopold, mit freundlicher Genehmigung des Kater Literaturverlags. Text: Felix Leopold, Kater Literaturverlag, A. Tsingas. Redaktion und Präsentation: A. Tsingas. Abbildungen: Kater Literaturverlag. </em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Das Mosaik der Nacht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jun 2023 20:48:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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					<description><![CDATA[Ioulita Iliopoulou ist eine der meistbeachteten zeitgenössischen Dichterinnen Griechenlands und bereits in mehrere Sprachen übersetzt. Im deutschen Sprachraum ist sie dagegen nahezu unbekannt. Ioulita Iliopoulou hat zwar vor bald zwanzig Jahren den griechischen Staatspreis für ... <p class="read-more-container"><a title="Das Mosaik der Nacht" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/das-mosaik-der-nacht/#more-10826" aria-label="Mehr Informationen über Das Mosaik der Nacht">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Ioulita Iliopoulou ist eine der meistbeachteten zeitgenössischen Dichterinnen Griechenlands und bereits in mehrere Sprachen übersetzt. Im deutschen Sprachraum ist sie dagegen nahezu unbekannt.</p>
<p>Ioulita Iliopoulou hat zwar vor bald zwanzig Jahren den griechischen<em> Staatspreis für Literatur</em> erhalten und ist auf Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch bereits mit vielfältigen Übersetzungen bekannt – in der meistgesprochenen Sprache der EU jedoch, im Deutschen, ist bisher bloß ein einziges Gedicht in der Übersetzung  von Giorgis Fotopoulos in Österreich gedruckt worden.<br />
Mit ihrem achten und zuletzt veröffentlichten Gedichtband „Mosaik der Nacht“ erscheint mit dieser zweisprachigen Ausgabe nun erstmals eine vollständige Übertragung einer ihrer Sammlungen in die deutsche Sprache.</p>
<figure id="attachment_10841" aria-describedby="caption-attachment-10841" style="width: 440px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10841 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-01_Cover-DE-einzeln-450x712.jpg" alt="" width="450" height="712" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-01_Cover-DE-einzeln-450x712.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-01_Cover-DE-einzeln-190x300.jpg 190w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-01_Cover-DE-einzeln-500x791.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-01_Cover-DE-einzeln.jpg 647w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-10841" class="wp-caption-text"><em>Die deutsche Ausgabe</em></figcaption></figure>
<p>Der Lyrikzyklus setzt sich aus achtundvierzig Gedichten zusammen, die sich um die vielfachen Bedeutungen der Nacht drehen: Die Nacht der Gefahren in einer Stadt, die Nacht der Einsamkeit in einem Haus, die Nacht der Erinnerungen und des Vergessens, die Nacht des Erwachens des Unbewussten, die Nacht des Meeres am Ende eines Sommers, die Nacht einer Sehnsucht nach Liebe, die Nacht des Wunders der heilenden Wunden, die Nacht als Inbegriff des Todes und das Ende der Nacht als Inbegriff der Auferstehung, aber auch die Nacht unserer Zeit, in der die Menschenrechte und jeder menschliche Wert auf die Probe und in Frage gestellt werden… um einige wenige Assoziationen des Zyklus‘ zu erwähnen.<br />
Durch diese einfachen Gegensätzen, die der Begriff Nacht birgt, verbinden die Gedichte dieses Bandes sich miteinander, um sich jeweils in sie zu vertiefen, um das dazwischen befindliche Dunkle, Unbekannte, Beängstigende in seiner schöpferischen Möglichkeit und Macht zu ergründen und in die dichterische Arbeit zu übertragen. So entstehen aus einer selten gewürdigten Lebenszeit und einem der anscheinend finsteren Räume unseres Lebens Worte und Bilder von der Freude am Leben, die sich letztlich auch gegen die Düsternis einer uniformierten, globalisierten Wirklichkeit wenden, die mit unerfüllbaren Träumen handelt und Menschen ausschließlich als Zahlen behandelt.<br />
Die Gedichte des Bandes wurden auf der saronischen Insel Spetses im Osten der Peloponnes geboren und größtenteils dort geschrieben. Der Ort der Entstehung ist für das Werk Ioulita Iliopoulous von großer Bedeutung. Wie auf Mosaiksteinen schimmern die unterschiedlichen Fassetten dieser Inselwelt hervor, der Strand, die Wellen, das Licht der Sonne, der Mond über dem Meer.</p>
<p>Ioulita Iliopoulou sagt dazu: „Die meisten Gedichte aus <em>Das Mosaik der Nacht</em> sind im Laufe von zwei Jahren entstanden. Jedes Mal nimmt die Nacht eine andere Dimension an, es ist die Nacht des Meeres auf Spetses, die ich besonders liebe, aber auch im metaphorischen Sinne die Ungerechtigkeit, das Ende des Jahrhunderts, die Unwegsamkeiten, die Abwesenheit und das erotische Begehren in der Abwesenheit&#8230; Ich liebe den Tag inbrünstig und nicht die Nacht, ich warte auf den Tagesanbruch, arbeite am Morgen und nicht in der Nacht.“ (Das vollständige Interview auf EL <a href="http://panagiotisandriopoulos.blogspot.com/2018/12/blog-post_9.html">hier)</a></p>
<figure id="attachment_10831" aria-describedby="caption-attachment-10831" style="width: 440px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10831 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-02_Cover-EL-450x674.jpg" alt="" width="450" height="674" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-02_Cover-EL-450x674.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-02_Cover-EL-200x300.jpg 200w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-02_Cover-EL-500x749.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-02_Cover-EL.jpg 586w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-10831" class="wp-caption-text"><em>Die griechische Ausgabe</em></figcaption></figure>
<p><strong>Kostprobe </strong></p>
<table width="971">
<tbody>
<tr>
<td width="470">ΙΧΝΟΣ<br />
Ἴχνος χρόνου κανένα<br />
Σάν ἀπάτητο τῆς μνήμης τό ἔδαφος<br />
Κάθε πού τό περνᾶ, ὅμοια νερό, τό φιλί<br />
Ἐπιστρέφει πιό νέο<br />
Βουλιάζει – βῆμα στήν ἄμμο –<br />
Σκέψεις, εἰκόνες, αἰσθήματα<br />
Κι ὕστερα δυνατά πιό πολύ<br />
Ξαναφέρνει<br />
Τή λαχτάρα πού κοίταγα<br />
Καί μέσα στό πλῆθος σέ βρῆκα<br />
«Αὔριο, αὔριο»<br />
Σάν γιά πρώτη φορά<br />
Ἴχνος χρόνου κανένα ἀφήνοντας<br />
Ὁ παλιός ἔρωτάς μας<br />
Πιό νέος<br />
«Αὔριο. Στήν ἀγκαλιά μου. Ξανά».</td>
<td width="486">SPUR<br />
Keine Spur von Zeit<br />
Scheint unberührbar des Erinnerns Grund<br />
Immer wenn wie Wasser der Kuss ihn überquert<br />
Und verjüngt dann wiederkehrt<br />
Versenkt er – Schritt im Sand –<br />
Gedanken, Bilder und Gefühle<br />
Und bringt dann stärker noch<br />
Die Sehnsucht mir zurück<br />
Die einstmals ich empfand<br />
Da in der Menge ich dich fand<br />
«Morgen, morgen»<br />
Ist unsere alte Liebe<br />
Jünger noch<br />
Als wär&#8217;s das erste Mal<br />
Und keine Spur von Zeit<br />
«Morgen. In meinen Armen. Wieder.»</td>
</tr>
<tr>
<td width="486"></td>
<td width="486"></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><strong>Das Buch</strong><br />
Ioulita Iliopoulou, <em>Das Mosaik der Nacht</em><br />
Gedichte – Griechisch und Deutsch<br />
In der Übersetzung von Giorgis Fotopoulos<br />
Verlag Razamba, Offenbach 2023<br />
Broschur, 130 Seiten, 18,00 €<br />
ISBN 978-3-941725-68-3Das Buch enthält eine <strong>besondere Zugabe</strong>: Über einen QR-Code kann man sich eine Vertonung der Gedichte anhören, die von Giorgos Kouroupos komponierte Musik zu <em>Das Mosaik der Nacht</em>.<br />
Dichtung: Ioulita Iliopoulou. Komposition: Giorgos Kouroupos. Gesang: Maira Milolidaki. Klavier: Titos Gouvelis.<br />
<strong>Zwei Hörproben</strong> auf der Verlagsseite <a href="https://www.razamba.de/mosaik-der-nacht/"><u>hier</u></a></p>
<figure id="attachment_10833" aria-describedby="caption-attachment-10833" style="width: 190px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10833" src="https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-03_Ioulita-Iliopoulou-225x300.jpg" alt="" width="200" height="267" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-03_Ioulita-Iliopoulou-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-03_Ioulita-Iliopoulou-450x601.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-03_Ioulita-Iliopoulou-500x668.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-03_Ioulita-Iliopoulou.jpg 767w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /><figcaption id="caption-attachment-10833" class="wp-caption-text">©privat</figcaption></figure>
<p><strong>Ioulita Iliopoulou</strong><br />
studierte byzantinische und neuere griechische Literatur in Athen und Theater an der Schauspielschule des „Athener Konservatoriums“. Ihr erstes Buch „Schöne Sonnenwende, Marko“ wurde 1987 veröffentlicht. Es folgten sieben weitere Bücher, unter anderem das Märchen „Was will Zenon?“, das 2005 mit dem Griechischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Sie schrieb darüber hinaus Libretti und Texte zu Liedern von Giorgos Kouroupos und arbeitete zusammen mit dem „Orchester der Farben“ von Manos Hadjidakis und der „Stiftung Melina Mercouri“. Ioulita Iliopoulou war die langjährige Lebensgefährtin des Dichters und Nobelpreisträgers für Literatur Odysseas Elytis bis er 1996 starb.</p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_10835" aria-describedby="caption-attachment-10835" style="width: 190px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10835" src="https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-04_Giorgis-Fotopoulos_c_Nelly-Tragousti-225x300.jpg" alt="" width="200" height="267" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-04_Giorgis-Fotopoulos_c_Nelly-Tragousti-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-04_Giorgis-Fotopoulos_c_Nelly-Tragousti.jpg 426w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /><figcaption id="caption-attachment-10835" class="wp-caption-text">©Nelly Tragousti</figcaption></figure>
<p><strong>Giorgis Fotopoulos</strong><br />
wurde in Ost-Berlin geboren und wuchs in Athen auf. Studium in Visueller Kommunikation an der Hochschule der Künste und Magister Artium in Philosophie, Kommunikations- und Filmwissenschaften an der FU Berlin. Autodidakt in Filmproduktion. Regieassistent und Herstellungsleiter mehrerer abendfüllender Filmproduktionen und Lehraufträge und Vorträge zu Film und Kino in Griechenland als auch zahlreiche Übersetzungen griechischer Lyrik ins Deutsche. Dokumentarfilme für Arte und andere Sender.</p>
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<figure id="attachment_10837" aria-describedby="caption-attachment-10837" style="width: 190px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10837" src="https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-05_Yorgos_Couroupos_c_Charis_Akriviadis-225x300.jpg" alt="" width="200" height="267" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-05_Yorgos_Couroupos_c_Charis_Akriviadis-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-05_Yorgos_Couroupos_c_Charis_Akriviadis-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-05_Yorgos_Couroupos_c_Charis_Akriviadis-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/06/MN-05_Yorgos_Couroupos_c_Charis_Akriviadis.jpg 717w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /><figcaption id="caption-attachment-10837" class="wp-caption-text">©Charis Akriviadis</figcaption></figure>
<p><strong>Giorgos Kouroupos</strong><br />
ist als Komponist und Musikintendant in Athen tätig. Vielfältige Vertonungen von Opern nach Libretti von Giorgos Chimonas, Ioulita Iliopoulou und Evgenios Trivizas, eines Bühnenwerks von Miguel de Cervantes, als auch von Dichtung unter anderem von Odysseas Elytis und einer Choreografie von John Neumeier. Er war Präsident der Griechischen Nationaloper, Leiter von Manos Hadjidakis&#8216; „Orchester der Farben“ und des Athener Musikpalastes „Megaro Mousikis“.</p>
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<p><strong>Das Mosaik der Nacht </strong>in Biblionet <a href="https://biblionet.gr/titleinfo/?titleid=232677&amp;return_url">hier</a> (auf EL mit Rezensionen)<br />
<strong>Ioulita Iliopoulou </strong>Interview <a href="https://itravelpoetry.com/2019/04/07/ioulita-iliopoulou/">hier</a> (auf EL); Fotos mit Seferis und die Geschichte dieser Aufnahmen <a href="http://nikosdimou.blogspot.com/2006/02/blog-post_07.html">hier</a> (auf EL)<br />
<strong>Giorgis Fotopoulos </strong>in diablog <a href="https://diablog.eu/?s=Giorgis+Fotopoulos">hier</a></p>
<p><em>Text: Ioulita Iliopoulou in der Übersetzung von Giorgis Fotopoulos mit freundlicher Genehmigung des Verlags Razamba. Redaktion: A. Tsingas. Abbildungen: Verlag Razamba, Verlag Ypsilon, privat, Nelly Tragousti, Charis Akriviadis.</em></p>
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		<title>Die Wurzeln lang ziehen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Apr 2023 16:29:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
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					<description><![CDATA[In Maria Topalis Buch geht es um die Kleinasiatische Katastrophe von 1922 und ihre Folgen sowie die Familiengeschichte der Autorin. Der Text widmet sich aber auch allgemeineren Themen wie der Rolle der Frau, Bildung und ... <p class="read-more-container"><a title="Die Wurzeln lang ziehen" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/die-wurzeln-lang-ziehen/#more-10422" aria-label="Mehr Informationen über Die Wurzeln lang ziehen">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">In Maria Topalis Buch geht es um die Kleinasiatische Katastrophe von 1922 und ihre Folgen sowie die Familiengeschichte der Autorin. Der Text widmet sich aber auch allgemeineren Themen wie der Rolle der Frau, Bildung und Tabuthemen in der griechischen Gesellschaft. Diesen Thematiken nähert sich die Autorin aber nicht nur mit einem historisch-biografischen Essay, sondern auch durch einen Lyrik-Teil.</p>
<p>Die Autorin Maria Topali nahm sich die Zeit, mehrere Fragen zu beantworten, die ihr der Neogräzist und Journalist Raphael Irmer zu ihrem Buch gestellt hat.</p>
<figure id="attachment_10449" aria-describedby="caption-attachment-10449" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10449 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2023/04/top-7-innen.jpg" alt="bedruckter Vorsatz" width="1024" height="1009" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/04/top-7-innen.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2023/04/top-7-innen-300x296.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2023/04/top-7-innen-768x757.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/04/top-7-innen-450x443.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/04/top-7-innen-500x493.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-10449" class="wp-caption-text"><em>Die Wurzeln lang ziehen:</em> bedruckter Vorsatz</figcaption></figure>
<p class="interview">Was ist genuin pontisch?</p>
<p>Typisch pontisch ist für mich als erstes natürlich die Sprache. Aber auch die Musik – davon kann ich allerdings nicht erzählen, die kann man nur erleben. Die Küche, also Gerichte, Essen und Geschmack. Und Gebirge. Auf jeden Fall auch Weiblichkeit. Denn, obwohl es sehr wichtige männliche Personen gibt, ist der Pontos für mich ein weiblicher Schoß, etwas Warmes wie eine heiße Quelle.</p>
<p class="interview">Sie sind in Thessaloniki aufgewachsen. Welche Rolle spielten Ihre pontischen Wurzeln?</p>
<p>Die Mehrheit der Pontos-Griechen zog nach Thessaloniki und nach Nordgriechenland. Sie machen dort nicht die stärkste Bevölkerungsgruppe aus, sind aber sehr dominant. Es gibt in Nordgriechenland heute ganze Dörfer, in denen ausschließlich Pontos-Griechen leben – und in Thessaloniki ganze Wohnviertel. Das bedeutete auch für mich als Kind in den 60er Jahren, dass ich nicht zu den Ausnahmen gehörte. Meine pontischen Wurzeln waren nichts Besonderes. Pontos-Griechen gab es in meiner Klasse, meiner Schule, in der Nachbarschaft, in den Geschäften, überall. Deswegen dachte ich darüber wahrscheinlich auch nie viel nach, als ich in Thessaloniki aufwuchs. Weil man sich unter diesen Umständen nicht als Randgruppe oder Fremdkörper in der Gesellschaft empfindet. Die Frage der Identität in jungen Jahren ist schwierig. Ich habe schon sehr früh gewusst, dass ich sozusagen gemischt bin, also eine doppelte Identität habe, weil ich einen „griechischen“ Vater und eine „pontische“ Mutter habe und mit ihnen aufgewachsen bin. Man weiß also schon sehr früh: Es gibt nicht nur eine Wahrheit, sondern mehrere. Für Menschen wie mich ist diese Kompliziertheit etwas Natürliches – von Anfang an.</p>
<p class="interview">Haben Sie Ihre pontische Heimat schon einmal selbst bereist?</p>
<p>Ich war noch nicht dort, aber ich denke sehr oft darüber nach, sie zu besuchen. Das ist für mich sehr gefühlsbeladen, durch die Erzählungen der Anderen und meine eigene Phantasie habe ich starke Empfindungen. Es muss aber etwas passieren, das mich dorthin „einlädt“. Ich kann die Initiative schlecht selbst ergreifen. Vielleicht, weil das für meine Familie eine Geschichte mit einem besonders harten Ende, einem riesigen Trauma ist. Vielleicht habe ich davon ein bisschen was geerbt. Aber das kann sich ändern, ich will da offenbleiben.</p>
<p class="interview">Welche Rolle spielen Tabuthemen wie die Säuglingsmorde die in der griechischen Gesellschaft?</p>
<p>Die Säuglingsmorde sind überhaupt nicht das einzige Tabuthema in der heutigen griechischen Gesellschaft. Ich denke hier zum Beispiel auch an die jüdische Vergangenheit von Städten wie Thessaloniki, die jahrzehntelang im Verborgenen blieb. Auch die Säuglingsmorde sind keine Ausnahme, wie ich bei meinen Recherchen mit Erstaunen feststellte. Das heißt, sie sind auch in der Geschichte anderer Vertriebener immer wieder zu finden. Wir erleben in Griechenland, glaube ich, zurzeit eine Phase der Aufklärung über mehrere „schwierige“ Themen, darunter z.B. den Holocaust der griechischen Juden oder die Gräueltaten der griechischen Armee in Kleinasien während des Feldzugs 1921/22. Die neue griechische Literatur, Wissenschaft und Reportagen bringen diese Themen allmählich in den öffentlichen Diskurs.</p>
<p class="interview">Welche Kritik haben Sie an den patriarchalen Strukturen der griechischen Gesellschaft?</p>
<p>Es geht mir dabei sowohl um die Frauen in der alten pontischen Gesellschaft, die in mittelalterlichen Umständen lebten, als auch um die Frauen in der heutigen griechischen Gesellschaft. Vergleicht man das zeitgenössische Griechenland mit den anderen EU-Staaten, so stellt man auch fest, dass das Land besonders schlechte Leistungen hinsichtlich der Gleichberechtigung der Frau aufweist. Es hängt wohl damit zusammen, dass unsere Tradition stark orientalisch beeinflusst ist.</p>
<p class="interview">Welche Bedeutung hat Bildung und Kultur für Sie persönlich?</p>
<p>Ich bin immer in dem Glauben aufgewachsen, dass man sich durch Bildung retten kann. Bildung war für mich immer der Weg zum Glück, zur Freiheit, zum Licht. Fast wie eine Religion.</p>
<p class="interview">Ihrer Autobiographie haben Sie einige Gedichte angefügt. Welchen Bezug haben die zu den pontischen Themen?</p>
<p>Diese Gedichte sind von 1999 bis heute entstanden – beziehungsweise veröffentlicht worden. Nicht bei allen, aber bei mehreren Gedichten, spielt die Problematik der pontischen Herkunft und Sprache, des Frauseins und des Übersommerns als Kind auf dem Berg eine große Rolle. Vielleicht sollte man sogar den autobiographischen Text als Ergänzung zu den Gedichten verstehen, nicht umgekehrt.</p>
<p class="interview">Inwiefern ist die Publikation ein Produkt mehrerer?</p>
<p>Glücklicherweise spreche ich Deutsch, so dass ich bei der Übersetzung behilflich sein konnte. Aber das war wirklich keine leichte Aufgabe für beide Übersetzerinnen, sowohl für Doris Wille als auch für Birgit Hildebrandt. Durch meine Deutschkenntnisse weiß ich ihre wunderbare Arbeit zu schätzen. Im Griechischen gab zum Beispiel Originalquellen und Dialekte. Das Buch ist eine Leistung von mehreren Personen, eine enge Zusammenarbeit, die sehr gut geklappt hat. Außerdem sind wir davon ausgegangen, dass der deutschsprachige Durchschnittsleser die historischen Hintergründe der Kleinasiatischen Katastrophe nicht (ausreichend) kennt. Deshalb sah die Verlegerin, Monika Lustig, die Notwendigkeit einer historischen Einordnung, sozusagen einer „Umarmung“ meiner Gedichte und des autobiographischen Essays. Der Journalist Mirco Heinemann, ebenfalls mit pontischen Wurzeln, hat den historischen Rahmen sehr gut bewerkstelligt.</p>
<p class="interview">Gibt es Fragen, die nach Ihren Recherchen noch unbeantwortet geblieben sind oder haben sich sogar neue Fragen ergeben?</p>
<p>Ich liebe Geschichten. Als Kind und Jugendliche habe ich immer gerne und aufmerksam zugehört. Ich habe alten Menschen gelauscht, deren Erzählungen andere langweilig fanden, weil mich diese Geschichten immer faszinierten. Wenn du denselben Menschen zu einer vergangenen Sache mehrfach befragst, kriegst du nie dieselbe Antwort, sondern immer eine andere Version, einen anderen Blickwinkel. In diesem Sinne finde ich, dass wir weniger nach Antworten suchen sollten und mehr nach neuen Fragen und Möglichkeiten, um Menschen zu Wort kommen zu lassen. Als Lyrikerin interessiert mich die Fragestellung mehr als Antworten. Ein gutes Gedicht gibt keine klaren Antworten, sondern stellt stattdessen gute und offene Fragen.</p>
<p><em>Interview: Raphael Irmer. Redaktion: A. Tsingas.<br />
</em></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10482 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2023/04/top-6a-Cover-500x449.jpg" alt="Buch aufgeklappt" width="500" height="449" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/04/top-6a-Cover-500x449.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/04/top-6a-Cover-300x269.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2023/04/top-6a-Cover-768x689.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/04/top-6a-Cover-450x404.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/04/top-6a-Cover.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></p>
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<p><strong>Das Buch</strong><br />
Die Wurzeln lang ziehen – Eine pontische Spurensuche nach der Kleinasiatischen Katastrophe<br />
Aus dem Griechischen von Doris Wille und Birgit Hildebrandt<br />
Edition CONVERSO, Karlsruhe 2023<br />
Hardcover, Fadenheftung, bedruckter Vorsatz, Lesebändchen<br />
ISBN 9783949558115<br />
Preis: € 24 [D], 24,70 € [A]</p>
<p><em> </em></p>
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<figure id="attachment_10437" aria-describedby="caption-attachment-10437" style="width: 140px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10437 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2023/04/top-1_Maria-Topali-Stafylidou-150x150.jpg" alt="top-1, Maria Topali" width="150" height="150" /><figcaption id="caption-attachment-10437" class="wp-caption-text">© Marilena Stafylidou</figcaption></figure>
<p><strong>Die Autorin</strong><br />
<strong>Maria Topali</strong> wurde in Thessaloniki geboren und lebt in Athen. Sie studierte Jura in Athen und in Frankfurt/Main. Sie schreibt Lyrik und Theaterstücke sowie Rezensionen und Literaturkritik in Zeitungen und Zeitschriften, und übersetzt Literatur aus dem Deutschen.</p>
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<figure id="attachment_10474" aria-describedby="caption-attachment-10474" style="width: 140px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10474 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2023/04/top-2a-Mirko-Heinemann-©-privat-und-diablog-150x150.jpg" alt="top-2, Mirko Heinemann" width="150" height="150" /><figcaption id="caption-attachment-10474" class="wp-caption-text">© privat/diablog</figcaption></figure>
<p><strong>Historische Einordnung</strong><br />
<strong>Mirko Heinemann</strong> wurde in Thessaloniki geboren. Er studierte Publizistik an der Freien Universität Berlin und arbeitet als freier Journalist in Berlin. 2019 erschien sein Buch „Die letzten Byzantiner“, eine Reportage auf den Spuren seiner pontosgriechischen Familie.</p>
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<figure id="attachment_10476" aria-describedby="caption-attachment-10476" style="width: 140px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10476 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2023/04/top-3a-Doris-Wille-©-privat-150x150.jpg" alt="top-3, Doris Wille" width="150" height="150" /><figcaption id="caption-attachment-10476" class="wp-caption-text">© privat</figcaption></figure>
<p><strong>Die Übersetzerinnen</strong></p>
<p><strong>Doris Wille</strong> wurde in Warburg geboren und lebt auf der griechischen Insel Kefalonia. Sie studierte Germanistik und Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. Seit 1998 arbeitet sie als selbstständige Übersetzerin und Dolmetscherin.</p>
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<figure id="attachment_10478" aria-describedby="caption-attachment-10478" style="width: 140px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10478 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2023/04/top-4a-Birgit_Hildebrand-©-Edition-Converso-150x150.jpg" alt="top-4, Birgit Hildebrand" width="150" height="150" /><figcaption id="caption-attachment-10478" class="wp-caption-text">© Edition Converso</figcaption></figure>
<p><strong>Birgit Hildebrand</strong> wurde in Regensburg geboren und lebt in Berlin. Sie studierte Philologie in Tübingen und München und lehrte viele Jahre als DAAD-Lektorin an der Deutschen Abteilung der Aristoteles-Universität in Thessaloniki. Seit 1989 übersetzt sie zeitgenössische Literatur.</p>
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<figure id="attachment_10480" aria-describedby="caption-attachment-10480" style="width: 140px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10480 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2023/04/top-5a-Monika-Lustig-©-Edition-Converso-150x150.jpg" alt="top-5, Monika Lustig" width="150" height="150" /><figcaption id="caption-attachment-10480" class="wp-caption-text">© Edition Converso</figcaption></figure>
<p><strong>Die Herausgeberin</strong><br />
<strong>Monika Lustig</strong> wurde in Karlsruhe geboren. Sie studierte Philosophie und Germanistik in Heidelberg und hat dann auf den Inseln Elba, Sardinien und Sizilien gelebt, in der Emilia-Romagna und der Toskana. 2018 gründete sie den Verlag Edition CONVERSO und lebt heute im Schwarzwald, immer das Mittelmeer vor Augen.</p>
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<figure id="attachment_10649" aria-describedby="caption-attachment-10649" style="width: 140px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10649 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2023/04/R.-Irmer-150x150.jpg" alt="Raphael Irmer" width="150" height="150" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/04/R.-Irmer-150x150.jpg 150w, https://medien.diablog.eu/2023/04/R.-Irmer-300x300.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2023/04/R.-Irmer-768x768.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/04/R.-Irmer-450x450.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/04/R.-Irmer-500x500.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/04/R.-Irmer.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px" /><figcaption id="caption-attachment-10649" class="wp-caption-text">© privat</figcaption></figure>
<p><strong>Raphael Irmer</strong> wurde in Wolfenbüttel geboren. Er studierte Neogräzistik und Byzantinistik an der Universität Hamburg. Seit 2022 lebt er in Magdeburg und absolviert dort ein Volontariat bei der Tageszeitung „Volksstimme“.</p>
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<p><strong>mehr</strong><br />
Edition Converso – Mediterrane Sprachwelten <a href="https://www.edition-converso.com/"><u>hier</u></a><br />
Mirko Heinemann <a href="http://www.mirkoheinemann.de/"><u>hier</u></a><br />
Doris Wille <a href="https://www.cemog.fu-berlin.de/wissensbasis/uebersetzerportraets/video-interviews/doris-wille/index.html"><u>hier</u></a><br />
Birgit Hildebrand <a href="https://www.cemog.fu-berlin.de/wissensbasis/uebersetzerportraets/video-interviews/birgit-hildebrand/index.html"><u>hier</u></a><br />
<strong> </strong><br />
<strong>in diablog.eu</strong><br />
Edition Converso und Doris Wille <a href="https://diablog.eu/literatur/historisches/die-nadeln-des-aufstands-eine-kulturgeschichte-des-strickens/"><u>hier</u></a> und <a href="https://diablog.eu/?s=doris+wille"><u>hier</u></a><br />
Maria Topali <a href="https://diablog.eu/?s=maria+topali"><u>hier</u></a><br />
Mirko Heinemann <a href="https://diablog.eu/literatur/auf-den-spuren-der-grossmutter-reise-nach-ordu-mirko-heinemann/"><u>hier</u></a><u></u><br />
Birgit Hildebrand <a href="https://diablog.eu/?s=birgit+hildebrand">hier</a><br />
Raphael Irmer <a href="https://diablog.eu/literatur/warum-ich-meine-beste-freundin-toetete/">hier</a></p>
<p><strong>Der Verlag</strong><br />
Erklärtes Ziel der <em>Edition Converso</em> ist es, aus sämtlichen Regionen rings ums Mittelmeer, Adria inklusive, und den dort gesprochenen Sprachen, die wie das Meeresgetier schwerlich an künstlichen Grenzen Halt machen, Belletristik, erzählendes Sachbuch, aber auch Lyrik zu bergen, zu übersetzen, zu veröffentlichen – stets in schöner, handwerklich geschliffener Gestaltung, Ästhetik conditio sine qua non.<br />
Wie das Logo der Meeresgöttin Amphitrite mit dem Dreizack in der Hand verrät, ist das Licht der <em>Edition Converso</em>, aufklärerisch gleißend, auf die Kehrseite der Dinge gerichtet, um eingefahrene, stereotypisierte Sehweisen aufzubrechen. So wie diese: Nicht etwa Poseidon, nein, Amphitrite war die Herrscherin über die Meere. Das Machtsymbol wurde ihr mit Mannesbegehren gewaltsam entwendet.</p>
<p class="textinfo"><em> Redaktion: A. Tsingas. Fotos: Marilena Stafylidou, diablog, Doris Wille, Edition Converso, A. Tsingas.</em></p>
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		<title>Denkst du, es gibt ein Paradies, Simone?</title>
		<link>https://diablog.eu/literatur/gedichte-birgit-kreipe-und-vasileia-oikonomou/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2020 10:00:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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					<description><![CDATA[Lesen Sie parallel zur Online-Edition des poesiefestivals berlin 2020 Gedichte von Birgit Kreipe und Vasileia Oikonomou in der Übertragung von Marina Agathangelidou. Am 8. Juni, 17.30 Uhr, können Sie in einer Online-Veranstaltung aus der Reihe ... <p class="read-more-container"><a title="Denkst du, es gibt ein Paradies, Simone?" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/gedichte-birgit-kreipe-und-vasileia-oikonomou/#more-496" aria-label="Mehr Informationen über Denkst du, es gibt ein Paradies, Simone?">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="einleitung">Lesen Sie parallel zur Online-Edition des poesiefestivals berlin 2020 Gedichte von Birgit Kreipe und Vasileia Oikonomou in der Übertragung von Marina Agathangelidou. Am 8. Juni, 17.30 Uhr, können Sie in einer Online-Veranstaltung aus der Reihe „<a href="https:/www.facebook.com/events/382140702689214/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Lesungen im Buchengarten</a>“ zwei Übersetzerinnen und zwei Lyrikerinnen erleben, darunter Birgit Kreipe und Marina Agathangelidou. Die Übersetzungen entstanden für die dreiteilige Lesereihe „<a href="https://diablog.eu/allgemein/greek-writersberlin-teil-i-birgit-kreipe-vasileia-oikonomou-andrea-schmidt/">Greek Writers@Berlin</a>“, die Diablog Vision e. V. im Herbst 2019 durchgeführt hat.</span></p>
<p>Zwei Lyrikerinnen aus Berlin und Athen begegnen sich in Kreuzberg. Die Athenerin fragt sich nach dem, was übrigbleibt, wenn man subtrahiert oder wenn man abstrahiert. Im Griechischen ist es dasselbe Wort. Die Berlinerin fragt sich, ob sich die Sprache der Kindheit und Jugend in Körper- oder Baummetaphern verwandeln kann. Ihr letzter Band heißt „Soma“ (das griechische Wort für: Körper).</p>
<p>Kleine Alltäglichkeiten werden bei Vasileia Oikonomou zu philosophischen Metaphern, bei Birgit Kreipe werden Pferde zu Wolken und Daphne zu einem Birkenmädchen. Ihre Tätigkeit als Psychotherapeutin hinterlässt sprachliche und gedankliche Spuren.</p>
<p>Beide destillieren die Wirklichkeit bis auf einen letzten, glasklaren Tropfen, bei beiden gerinnen Gefühle zu Gedankenbildern. Beide geben uns Rätsel auf.</p>
<figure id="attachment_1965" aria-describedby="caption-attachment-1965" style="width: 630px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1965" src="https://medien.diablog.eu/2020/06/Birgit-Kreipe_by-Renate-von-Mangoldt.jpg" alt="Portrait einer blonden Frau" width="640" height="426" srcset="https://medien.diablog.eu/2020/06/Birgit-Kreipe_by-Renate-von-Mangoldt.jpg 640w, https://medien.diablog.eu/2020/06/Birgit-Kreipe_by-Renate-von-Mangoldt-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2020/06/Birgit-Kreipe_by-Renate-von-Mangoldt-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption id="caption-attachment-1965" class="wp-caption-text">Birgit Kreipe, ©Renate von Mangoldt</figcaption></figure>
<p><strong>Birgit Kreipe</strong>, in Hildesheim geboren, studierte Psychologie und Germanistik. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Gedichte erschienen zuletzt in: „Spitzen. Fanbook. Hall of Fame.“ (Suhrkamp, 2018), „Aus Mangel an Beweisen“ (Wunderhorn, 2018) und im „Jahrbuch der Lyrik“ (2019). Ihre Gedichte wurden u.a. mit dem Irseer Pegasus 2014 ausgezeichnet. Bisher erschienen sind „wenn ich wind sage, seid ihr weg“ (fixpoetry, 2010), „schönheitsfarm“ (Verlagshaus J. Frank, Berlin 2012) und „SOMA. Gedichte“, (kookbooks, Berlin, 2016).</p>
<h3 class="Text">dafne (evolution der wegläufer)<b><i></i></b></h3>
<p class="Text"><i>                                   (mit: Francesca Woodman, dafne)</i></p>
<p>3</p>
<p>kein gedanke an rückweg. ein sog, wie wind<br />
dein bewusstsein in ringen, splittern, willst du<br />
wieder aufstehen, bist dissoziiert<br />
überhaupt, wer läuft da, läuft wie von sinnen.</p>
<p>schnürsenkel, die sich verfangen, turnschuhe baumeln<br />
an ästen, wurzeln. wind als verfolger, fünfköpfig<br />
stoppt dich mit einer hand<br />
wolltest du ins zitronenland? spür, wie du wächst &#8211;</p>
<p>nur ein zittern der obersten blätter, wie gemurmel<br />
im schlaf. dann sinkt die luft wieder zurück<br />
wie muskeln erschlaffen, lücke, aus der sich augenweiß</p>
<p>löst, winzigkeit, flatternd, von zweig zu zweig<br />
– das also war deine angst. das holst du<br />
nicht wieder ein – alle zwischenwesen sind tote</p>
<p>halbtote, kommen näher, wollen dir gutes.<br />
streifen dich fast.<br />
die arme spürst du nicht mehr, farne kitzeln<br />
der birkenwirbel. die rinde spannt.</p>
<h3>scheune, mit einer schindel von sylvia plath</h3>
<p>seit letztem herbst wachsen schwarze scheunen<br />
um unser haus. im frühnebel verziehen sich<br />
ihre mieter, katzen, zerraufte mäuse.<br />
sie riechen nach fernen rauchern.</p>
<p>es sind alte mutterkorn-gespenster!<br />
du sagst: nur irritationen der luft<br />
wie fledermäuse oder gedanken<br />
das kommt von zu hohen tönen im ohr.</p>
<p>dabei wachse ich rückwärts. bin wieder klein.<br />
lerne gerade erst unterscheiden:<br />
roten und schwarzen klee.<br />
warum den löschkalkhaufen ein moos überzieht<br />
marienkäfer. totengräber. die käfer krabbeln.<br />
ich denke: <em>bald haben sie zeit für mich.</em></p>
<p>heute kam die ernte herein, stroh wie ausgekämmtes haar<br />
und stickstoffsäcke. die katze humpelt zurück, abgekämpft wie ein veteran<br />
die letzten blumen flackern und gehen aus.<br />
die dunkelheit grast schon, schwarzes vieh mit schwarzen hörnern<br />
hörst du das trappeln?</p>
<p>regen lamentiert die ganze nacht<br />
durch blechrinnen huschen stunden.<br />
die eulen fliegen zu dicht ums haus, die sie ausrufen<br />
und ich warte, bis sich der kleine tag aus seinem versteckwagt<br />
sich zu mir setzt mit seinen lichtnelken, milch und zucker<br />
seinen bärenstarken wachhunden.</p>
<figure id="attachment_1967" aria-describedby="caption-attachment-1967" style="width: 630px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1967" src="https://medien.diablog.eu/2020/06/Vasileia-Oikonomou-cSophie-Lochet.jpg" alt="Portrait einer dunkelhaarigen Frau" width="640" height="426" srcset="https://medien.diablog.eu/2020/06/Vasileia-Oikonomou-cSophie-Lochet.jpg 640w, https://medien.diablog.eu/2020/06/Vasileia-Oikonomou-cSophie-Lochet-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2020/06/Vasileia-Oikonomou-cSophie-Lochet-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption id="caption-attachment-1967" class="wp-caption-text">Vasileia Oikonomou, ©Sophie Lochet</figcaption></figure>
<p><strong>Vasileia Oikonomou</strong>, 1983 in Athen geboren, lebte 2017-2019 in Berlin.  Mit ihrem ersten Gedichtband (Govostis, 2015) wurde sie für zwei renommierte Nachwuchspreise nominiert. Ihre Texte spiegeln menschliche Beziehungen und Emotionen, ihr Lebensumfeld in Berlin und eine Auseinandersetzung mit der Tradition wider. Als Einzeltitel erschienen sind „To ypoloipo tis afairesis“ (Govostis, Athen 2015) und „Efimera Zoa“ (Thraka, Larissa 2019).</p>
<h3>Simone</h3>
<p>räum die Schürze weg<br />
lass das Geschirr nass<br />
Ich will nichts Trockenes<br />
in einem Zimmer mit dir</p>
<p>Komm und lass uns Arm in Arm sehen<br />
wie die Schiffe in der Spüle versinken<br />
unsere kleinen toten Fische<br />
wie sie sich im Abflussrohr<br />
drängen</p>
<p>Denkst du, es gibt ein Paradies, Simone?<br />
Unter den kleinen Metall-<br />
löchern<br />
ein Paradies voller Seifenschäume<br />
und Spülmittel<br />
mit Apfelduft</p>
<p>Und vielleicht wär&#8217;s eine saubere Lösung, Simone<br />
würde ich zusammen mit den Fischen gleiten<br />
würde ich ein Boot besteigen<br />
und diese unterirdische Stadt<br />
als die meine bezeichnen</p>
<p>Stell dir vor, Simone, dieser Kaffee<br />
den du machtest, während ich schnell fortwollte,<br />
würde zu uns zurückgeschwemmt<br />
mit all seiner bitteren Behaglichkeit<br />
Oh, Simone, alles<br />
– und vielleicht auch ich –<br />
verdient irgendwann<br />
eine zweite<br />
Chance</p>
<h3>Spiegel</h3>
<p>Der Knall kommt zurück<br />
Die Hände ruhen nicht auf den Konstanten<br />
Ich habe jeden süßen Unterschied verloren<br />
Alles blieb als Form zurück<br />
Körper<br />
Tisch<br />
Stimme<br />
Mit ungefährlicher Gestalt<br />
Mit gleichgültigem Gesicht<br />
Ich weiß<br />
ich war nie<br />
was du von deinem Spiegel verlangtest<br />
Es stimmt doch<br />
du warst schön<br />
hast es aber erst durch die Fotos gemerkt<br />
und geweint und gesagt<br />
es sei nun spät.</p>
<p>Aber die Zeit<br />
hat zwei einsame Augen<br />
die sie selbst vollkommen betrachten<br />
und sie erwidert<br />
Drei<br />
der Abend ist schon spät<br />
und sie erwidert<br />
Drei<br />
der Morgen ist noch früh<br />
Du aber liebst das Relative nicht<br />
brauchst Gefäße um<br />
das Wasser zu verstehen</p>
<p>Drei<br />
das Fenster wird zum Quadrat<br />
und meine Welt beschränkt sich auf Zuckerwürfel<br />
eingetaucht in vielerlei<br />
Konservierungsgifte<br />
Und ich frage mich beim Kaffeetrinken,<br />
kann man aus seinem eigenen Kinderzimmer<br />
fliehen?</p>
<p>Und deine Stimme wandert durch die Flure<br />
„Komm“<br />
Und du liebst mich<br />
als wäre ich eine andere<br />
Und heute Abend<br />
ging ich die Treppe hinauf zu dir<br />
da mich der Aufzug vorgestern zu hoch fuhr<br />
und diese Flucht immer irgendwo lauerte<br />
Doch ich ertrage es noch nicht<br />
höher zu sein als dort wo du mich sehen wirst<br />
höher als dort wo auch ich dich sehen werde</p>
<p>Jetzt blieb<br />
eine Stimme zurück<br />
ein Loch im Laken<br />
ein Körper<br />
Bestimmte Gestalten<br />
tragen einen unbestimmten Mangel<br />
den du aussprechen solltest<br />
damit ich aufstehen kann.</p>
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            <ul class='slides'>
                <li style="display: block; width: 100%;" class="slide-1961 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2021-12-03 16:29:14" data-filename="greek-writers-1-3-640x424.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medien.diablog.eu/2021/12/greek-writers-1-3-640x424.jpg" height="424" width="640" alt="zwei Frauen bei Lesung" class="slider-1958 slide-1961 msDefaultImage" title="greek-writers-1-3" /><div class="caption-wrap"><div class="caption">Greek Writers@Berlin I, Marina Agathangelidou, Birgit Kreipe, ©Panagiotis Paschalidis</div></div></li>
                <li style="display: none; width: 100%;" class="slide-1964 ms-image " aria-roledescription="slide" data-date="2021-12-03 16:31:19" data-filename="greek-writers-1-2-640x424.jpg" data-slide-type="image"><img loading="lazy" decoding="async" src="https://medien.diablog.eu/2021/12/greek-writers-1-2-640x424.jpg" height="424" width="640" alt="zwei Frauen auf Lesung" class="slider-1958 slide-1964 msDefaultImage" title="greek-writers-1-2" /><div class="caption-wrap"><div class="caption">Greek Writers@Berlin I, Marina Agathangelidou, Vasileia Oikonomou, ©Panagiotis Paschalidis</div></div></li>
            </ul>
        </div>
        
    </div>
</div>
<p><strong>Marina Agathangelidou</strong>, geboren 1984 in Athen, lebt seit 2010 in Berlin. Sie studierte Theaterwissenschaft und literarisches Übersetzen in Athen und schloss ihr Studium mit einer Promotion am Institut für Theaterwissenschaft der Freien Universität Berlin ab. Sie arbeitet als freie Übersetzerin und Lektorin und übersetzt aus dem Deutschen und ins Deutsche. Unter anderem übersetzte sie Werke von Terézia Mora und Gerhard Falkner ins Griechische. Zudem veröffentlichte sie Gedichte, Essays, Literaturrezensionen und Theaterkritiken in griechischer und deutscher Sprache. Sie ist Mitglied der Deutsch-Griechischen Jury (2019-2020) beim Portal und Übersetzungsförderungsprogramm <em>Litrix.de/German Literature Online </em>des Goethe-Instituts.</p>
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		<title>Poetry Slam als Bühnenliteratur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Oct 2019 16:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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					<description><![CDATA[Slam! 2019: Deutschsprachige Meisterschaften im Poetry Slam zwischen 16. und 24. Oktober in Berlin, im Teamhalbfinale 1 können Sie am 24. Oktober um 21 Uhr im Club Gretchen auch einen Auftritt der früheren Preisträger Dominique ... <p class="read-more-container"><a title="Poetry Slam als Bühnenliteratur" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/poetry-slam-als-buehnenliteratur-dalibor-markovic-dominique-macri/#more-476" aria-label="Mehr Informationen über Poetry Slam als Bühnenliteratur">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="einleitung"><a href="https://www.slam2019.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Slam! 2019</a>: Deutschsprachige Meisterschaften im Poetry Slam zwischen 16. und 24. Oktober in Berlin, im Teamhalbfinale 1 können Sie am 24. Oktober um 21 Uhr im Club Gretchen auch einen Auftritt der früheren Preisträger Dominique Macri und <a href="https://www.daliborpoesie.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Dalibor Markovic</a>, bekannt als &#8222;Team Scheller&#8220;, erleben. Lesen Sie hier eine Beschreibung ihrer poetischen Arbeit, die sie für das griechisch-deutsche Literatursymposium <a href="https://diablog.eu/allgemein/syn-energy-berlin-athens-literatursymposium-berlin/">Syn_Energy Berlin_Athens</a> vom Oktober 2018 verfasst haben. Außerdem: Im Wettbewerb ist der deutsch-griechische Slammer <a href="https://nektarios-vlachopoulos.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Nektarios Vlachopoulos</a> mit dabei, drücken wir ihm die Daumen!</span></p>
<a href="https://diablog.eu/literatur/poetry-slam-als-buehnenliteratur-dalibor-markovic-dominique-macri/"><img decoding="async" src="https://diablog.eu/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2Fbh5wMtwoVoo%2Fhqdefault.jpg" alt="YouTube Video"></a><br />Hinweis YouTube Video: Bei Klick auf den Player werden Tracking-Daten an Google - YouTube übertragen. → <a href="https://diablog.eu/datenschutzerklaerung/">Datenschutzerklärung</a><br /></p>
<h3 style="text-align: center;">Das Gediptychon aus Sound und Sprache<br />
(eine aposteriorische Täuschung)</h3>
<p>Ich war etwa 12 Jahre alt, als sich das Beatboxing mir von selbst erschlossen hat. Dabei hatte ich nie das Gefühl, etwas Neues erlernen zu müssen, sondern nur eine in mir schlummernde Fähigkeit zu erwecken, die ich daraufhin meinem Empfinden nach zu verfeinern suchen sollte.</p>
<p>Vom Begriff „Beatboxing“ hatte ich nie etwas gehört. Mein Vater, der ein Jazzschlagzeuger war, erwähnte mir gegenüber lediglich, dass es ihn an das Scatten im Jazzgesang erinnern würde. Anfangs war es für mich eher ein Zeitvertreib, so wie andere vielleicht pfeifen oder summen. Nach und nach verbrachte ich mehr Zeit damit, mich auf das Spielen von Beats zu konzentrieren. Ganze Nachmittage lang saß ich in meinem Kinderzimmer und trommelte vor mich hin. Unzählige 90-Minuten-Kassetten habe ich mit solchen „Sessions“ aufgenommen und mir immer wieder angehört. Natürlich war das alles weit davon entfernt, in irgendeiner Form veröffentlicht werden zu können. Aber um in der großen Pause auf dem Schulhof ein paar Mitschüler zu beeindrucken, reichte es allemal. Mitschülerinnen natürlich auch.</p>
<p>Wie genau diese Beats im Mund erzeugt werden, also welche Abfolge des anatomischen Zusammenspiels von Mundhöhle, Kiefer, Zunge, Lippen und Atem im Detail benötigt wird, ist von Beatboxer zu Beatboxer sehr unterschiedlich. In meinem Fall kann ich es bis auf wenige Ausnahmen kaum spezifizieren. Beim Spielen weiß ich allerdings immer sehr genau, welche Register zu ziehen sind, um den nächsten Sound gezielt zu setzen. Es ist, als hätte man eine Datenbank an Sounds abgespeichert, die man im richtigen Moment des Taktes nur abrufen muss. Ähnlich einem Keyboarder, der sein Instrument zwar beherrscht, aber nicht immer zwingend verstehen muss, wie die Sounds im Innern des Keyboards technisch generiert werden.</p>
<figure id="attachment_2868" aria-describedby="caption-attachment-2868" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-2868" src="https://medien.diablog.eu/2019/10/dalibor-markovic.jpg" alt="ein mann mit Brille und blauem Schal" width="1024" height="682" srcset="https://medien.diablog.eu/2019/10/dalibor-markovic.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2019/10/dalibor-markovic-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2019/10/dalibor-markovic-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2019/10/dalibor-markovic-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-2868" class="wp-caption-text">Dalibor Markovic, Syn_Energy Berlin_Athens, Οκτώβριος 2018, ©Nelly Tragousti</figcaption></figure>
<p>Um dennoch den Grad der Abhängigkeit bei der Klangerzeugung mit der Materialität des eigenen Körpers zu verdeutlichen, werde ich eine der eben erwähnten Ausnahmen anführen, bei denen ich mir einigermaßen erklären kann, wie die Herstellung des Klangs anatomisch funktioniert. Bei einer bestimmten Art meiner Beatbox (der Klang erinnert überwiegend an elektronische Vorbilder aus Synthesizern der frühen 80er, siehe Bild oben) beanspruche ich die rechte Hälfte meines Kiefers mehr als die linke. Die Sounds, vor allem die der Snares, werden durch einen gezielt gesetzten Luftstoß erzeugt, der zwischen den Zahnreihen hindurchschießt, und je nach veränderter Stellung der beiden Kiefer zueinander, ändern sich Klang, Lautstärke und Länge der Snares. Ein Zahnarztbesuch hatte mir das vor etwa zehn Jahren bewusstgemacht, denn die Tonhöhe und Tonschärfe der Snaresounds waren nach der Erneuerung einer Füllung im rechten Unterkiefer verändert worden. Die Snares waren mindestens einen Ganzton tiefer gestimmt, hatten dafür aber mehr Attack abbekommen. Die neue Füllung ließ nicht mehr die identisch gleichen Lücken mit dem Oberkiefer entstehen, so dass die Schnalzlaute sich permanent verändert hatten. Alles in allem kann man jedoch von Glück sprechen. Mit einem höher gestimmten Grundton und mehr Schwammigkeit im Anspiel hätte mein Zahnarzt mir die eindeutig schlechtere Variante an Filtereinstellungen im Mund hinterlassen.</p>
<p>Die Begeisterung, die Beatboxing oftmals bei Zuhörern verursacht, liegt vor allem darin begründet, dass es eine monophon ausgeführte Kunstform ist, d.h. man setzt eine Note nach der anderen mittels Atemeinzügen oder -ausstößen in einen Raum bzw. das Mikrophon. Es gibt kaum die Möglichkeit der Mehrstimmigkeit, d.h. im Gegensatz zu einem Schlagzeuger kann man Becken, Trommel und Basstrommel nicht im selben Moment anschlagen. Daher bemüht sich ein guter Beatboxer eine solch hohe Geschwindigkeit in der Abfolge der Noten zu erreichen, dass der Eindruck einer Gleichzeitigkeit entsteht, die die Hörerschaft sich anhand ihrer eigenen oralsensorisch und -motorischen Erfahrungen nicht erklären kann und diesen fehlenden Abgleich mit Begeisterung quittiert. Ein guter Beatboxbeat ist daher genau genommen eine absichtlich erzeugte akustische Täuschung, die auf einem ausreichenden Maß an Kunstfertigkeit fußt. Die bei Beatboxern weit verbreitete Motivation, das eigene Instrument bis zur Virtuosität zu beherrschen, ist also mehr dem Umstand geschuldet, die Unzulänglichkeiten des Instruments zu übertünchen, als sich im Wettstreit gegenseitig zu übertrumpfen.</p>
<figure id="attachment_2872" aria-describedby="caption-attachment-2872" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-2872" src="https://medien.diablog.eu/2019/10/syn-energy-athen.jpg" alt="Mann auf Bühne mit Schatten an der Wand" width="1024" height="683" srcset="https://medien.diablog.eu/2019/10/syn-energy-athen.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2019/10/syn-energy-athen-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2019/10/syn-energy-athen-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2019/10/syn-energy-athen-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-2872" class="wp-caption-text">Dalibor Markovic bei Syn_Energy Athen April 2019, Goethe Institut Athen, ©Thalia Galanopoulou</figcaption></figure>
<p>Diese Einstimmigkeit lässt das Beatboxing der Literatur sehr nahestehen, denn Texte vermitteln sich grundsätzlich ebenfalls sinnlich linear, als Ausnahme wären hier Graphic Novels zu nennen, wo Bild und Text simultan ineinandergreifen. Der Leser eines herkömmlichen belletristischen Werkes zum Beispiel entziffert die gedruckten Buchstaben zu Silben und Worten und Sätzen eines Absatzes auf einer Buchseite und entwickelt daraus einen Sinn, der ihm den Eindruck von Bildern, Dialogen, Handlungssträngen vermittelt, aus denen am Ende eine vollständige Geschichte erwachsen sein wird. Für einen Komponisten wäre es grundsätzlich eher ein ungewöhnlicher Ansatz, in seinem Werk nur ein einzelnes Instrument zu verwenden, und dort auch keine Akkorde zuzulassen, sondern lediglich Einzeltöne zu notieren, von Solos für Streichinstrumenten (was vielleicht den jahrhundertealten Virtuositätsanspruch von Geigern erklären würde) und Blockflötenstücken für Erstklässler mal abgesehen. Musiker arbeiten in der Regel mit mehreren Instrumenten, und zwar gleichzeitig und polyphon. Ein deutschsprachiger Autor, der die Grundbedingung der Linearität in der Literatur hinterfragen und durchbrechen wollte, war Arno Schmidt. In seinen späten Werken (z.B. „Zettel’s Traum“) ließ er seine Romane großformatig in teils drei unabhängigen Spalten drucken, die sich inhaltlich ineinander wanden und gegenseitig kommentierten, die er vom Leser am Liebsten „quer gelesen“ wissen wollte, um das Verweben der drei Spaltenstränge zu einer vereinten Handlungsebene zu erwirken. So grandios und unerschütterlich verwegen das auch angelegt war, wirkt es doch nicht weniger als eine ausgeklügelte Anleitung des Autors für die sensorische Selbsttäuschung des Lesers beim Lesen.</p>
<p>Ohne diese Gemeinsamkeit von Literatur und Beatboxing in meinem damaligen Alter auch nur ansatzweise zu erahnen, begann ich relativ bald damit, Worte und selbstverfasste Textpassagen in meine Beats einfließen zu lassen. Zuerst sehr holprig und mit langen Pausen dazwischen, denn es fiel mir schwer den Übergang von Musik in Sprache und wieder zur Musik zurück schnell genug zu vollziehen, von einer akustischen Täuschung beim Hörer konnte in den ersten Jahren nicht im Geringsten die Rede sein. Erst im Laufe der Zeit begriff ich, dass ich zu „musikalisch“ an die Sache heranging. Es empfahl sich vielmehr, das Beatboxing in die Hemisphäre der Sprache zu deuten, Basstrommeln als ein wummerndes „P“ zu begreifen, Hihats als zischendes „S“, Snares als knallendes „T“. Das half mir eine Zeit lang weiter und erleichterte die Übergange, aber erst als ich damit begann, die Textpassagen in Wortfetzen und Silben bis hin zu Buchstaben aufzuspalten, um die herum ich die einzelnen Beatelemente im richtigen Takt zu legen hatte und sie somit einbettete, bekam ich zum ersten Mal das Gefühl, auf der richtigen Spur zu sein. Trotzdem war es oft frustrierend, sowohl Einbußen beim Text, etwa in der Unmöglichkeit einer Vokabel (vor allem Wörter oder Silben mit dem Anfangsbuchstaben „K“ stellen ein fast unüberwindbares Problem dar) in Kauf zu nehmen, als auch andererseits rhythmische Fehler zu erlauben, den Beat an einer Stelle zu versteifen oder zusätzliche (und aus rein musikalischer Sicht dementsprechend unnötige) Schnörkel-bewegungen zwecks Kaschierung einzubauen, weil man keine schlüssige Alternative für ein Wort findet oder zulässt. Es sollten noch viele Jahre vergehen, bis ich mich mit dem Ergebnis soweit zufriedengegeben hatte, dass ich mich bereit erklärte, meine Klangverse, meine Beattexte, meine Lautsagereien, meine Gediptychen aus Sound und Sprache der Öffentlichkeit zu präsentieren.</p>
<p><span class="textinfo">Text: Dalibor Markovic. Fotos: Nelly Tragousti, Thalia Galanopoulou. Der Essay wurde für das viertägige griechisch-deutsche Literatursymposium <a href="https://syn-energy.lettretage.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Syn_Energy Berlin_Athens</a>, 17.-21. Oktober 2018, eine Kooperation von Diablog Vision e. V. und</span><span class="textinfo"> Lettrétage, unterstützt von Hauptstadtkulturfonds Berlin und Stavros-Niarchos-Stiftung.</span></p>
<a href="https://diablog.eu/literatur/poetry-slam-als-buehnenliteratur-dalibor-markovic-dominique-macri/"><img decoding="async" src="https://diablog.eu/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2F59bdJadPcRs%2Fhqdefault.jpg" alt="YouTube Video"></a><br />Hinweis YouTube Video: Bei Klick auf den Player werden Tracking-Daten an Google - YouTube übertragen. → <a href="https://diablog.eu/datenschutzerklaerung/">Datenschutzerklärung</a><br /></p>
<h3 style="text-align: center;">Die Poesie des Moments<br />
oder WortRaumResonanz</h3>
<p>Als ich klein war, stieg ich täglich nach Schulende auf den Küchentisch meiner Mutter und immitierte meine Lehrerinnen und Lehrer. Ich verstellte die Stimme, krümmte den Rücken und legte meine Stirn in Falten. Die abendlichen Darstellungen speisten sich aus Wortfetzen, die ich tagsüber aufgeschnappt hatte, Gesten, Gangarten, schrille Stimmen, die durch die ockerfarbenen Flure meines Gymnasiums hallten. Müde Gesichter, verzerrte Gespräche auf dem Flur, Kuriositäten des neurotischen Lehrerzimmers, durch das ich ein und aus gehen durfte- unter dem Vorwand, meine Mutter sprechen zu wollen.</p>
<p>Meine Mutter jedenfalls liebte diese Aufführungen- und erkannte die Betroffenen selbstredend ausnahmslos. Mein Vater hatte keinen davon je zu Gesicht bekommen und konnte diesem Theater entsprechend nur wenig abgewinnen.</p>
<p>Die Freude der Rezeption lag folglich in der Spiegelung des Bekannten, des selbst Wahrgenommenen, des persönlich (Mit-)Gefühlten. Der Zauber lag in der Wiederholung des eben Dagewesenen, des gerade noch selbst Erfahrenen. Meist ohne sie überhaupt bemerkt zu haben, waren diese Momente an meiner Mutter vorbeigezogen. Sie genoss es, das Tagesgeschehen zwischen den Schulstunden nochmal in anderem Licht erleben zu können.</p>
<p>Wir wurden immer mehr zu einer Art Geheimbund, dessen zwei Mitglieder tagsüber kichernd und mit verkniffenen Augen durch die Flure strichen: Die karikierten Stimmen im Sinn und stets auf der Suche nach neuer Inspiration. So lag in diesem Spiel, wie in jeder Satire, jeder Fotograﬁe, jedem Portrait, jeder Geschichte eine Art Sichtbarmachung des aktuellen Geschehens, aus meiner persönlichen Perspektive, durch den Filter meiner Wahrnehmung und Emotionalität. Jede Geschichte war tagesaktuell, immer unmittelbar, immer wahrhaftig. Transportiert durch meinen kleinen Kinderkörper, der im Imitieren der Erwachsenen stets eine erst unabsichtliche, dann immer bewusste hervorgerufene Komik erzeugte. Angereichert durch Übertreibungen, Wiederholungen, Pausen, Pointierung.</p>
<figure id="attachment_2870" aria-describedby="caption-attachment-2870" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-2870" src="https://medien.diablog.eu/2019/10/dominique-macri.jpg" alt="eine Frau mit hochgesteckter Frisur" width="1024" height="682" srcset="https://medien.diablog.eu/2019/10/dominique-macri.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2019/10/dominique-macri-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2019/10/dominique-macri-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2019/10/dominique-macri-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-2870" class="wp-caption-text">Dominique Macri, Syn_Energy Berlin_Athens, Oktober 2018, ©Nelly Tragousti</figcaption></figure>
<p>Neben der Beobachtung und Wiederspielung meiner merkwürdigen erwachsenen Mitmenschen liebte ich das Schreiben. Seitdem mir Buchstaben in ihrer schriftlichen Form zur Verfügung standen, nutzte ich sie exzessiv. Einerseits aus ästhetischen Gründen, einfach weil sie mir geﬁelen. Die Bögen, die harten Kanten, die schwingenden, nachlässig dahingeworfenen Zeilen, die liebevoll gemalten Is und Os und As&#8230;, weil sie mir außerdem das in ﬁxierter Form erlaubten, was ich vorher nur mit Stimme und Körper wiederzugeben vermochte.</p>
<p>Mit achtzehn begann ich Improvisationstheater zu spielen. Eine Ode an den Moment, die Vergänglichkeit, das Feiern der spontanen Idee, der gemeinsam gefütterten Geschichte, die gleich einem buddhistischen Sandmandala bereits kurz nach dem Applaus schon verschwimmt, unwirklich wird und in Vergessenheit gerät. Gerade darin mag ihre Wahrhaftigkeit liegen, ihre Tiefe und ihr Zauber, die Faszination und Komik des spontanen Theaters. So betrieb ich beides in den folgenden fünfzehn Jahren exzessiv: das Schreiben für die Bühne und das improvisierte Theater. Es wurde vom Hobby zum Beruf, brachte mich an nie gesehene Fleckchen Erde und erlaubte mir von dem zu leben, was meine größte Freude war. Doch meine beiden Kunstformen blieben lange Zeit hermetisch getrennt. Die einzige Gemeinsamkeit bestand in meiner Scheu davor, sie der Vergänglichkeit zu entziehen, sie zu ﬁxieren in Büchern und Videos, war ich mir doch sicher, ihren Zauber dadurch der vermeintlichen Haltbarkeit anheim zu stellen, sie zu banalisieren. Denn gerade das Provisorische, das Unvollendete, das unter widrigen Umständen in kurzer Zeit zu beeindruckender Tiefe gelangen konnte &#8211; ohne den Moment überdauern zu können oder zu wollen &#8211; gerade jenes war mir so lieb und vertraut. Es erregte mein Misstrauen nicht und ließ mich frei in meinem Ausdruck, ohne ihn allzustark formalisieren, regulieren, festschreiben zu wollen. So schien mir persönlich einzig der Moment und die Kunst, die in ihm wohnt, ein gangbarer künstlerischer Weg zu sein.</p>
<p>Im Gegensatz zu den improvisierten Theaterszenen, schrieb ich meine Texte auf, las sie immer und immer wieder, schliff sie rund und gab sie dem Publikum auf die Ohren &#8211; bis sie mir schließlich irgendwann wieder zu klein wurden und ich nicht mehr in ihre Buchstabenhaut zu passen schien. Dann begann ich sie langsam unmerklich auf der Bühne zu vergessen, weil sie mich wohl selbst nicht mehr fesselten und ich aus dem gelebten Moment immer häuﬁger ins Eben und Gleich entﬂoh. Das machte sie bald schal und ich mochte sie nicht mehr vortragen &#8211; und erst recht nirgendwo geschrieben sehen.</p>
<figure id="attachment_2874" aria-describedby="caption-attachment-2874" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-2874" src="https://medien.diablog.eu/2019/10/syn-energy-markovic-macri.jpg" alt="drei Personen im Gespraech, Nelly Tragousti" width="1024" height="682" srcset="https://medien.diablog.eu/2019/10/syn-energy-markovic-macri.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2019/10/syn-energy-markovic-macri-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2019/10/syn-energy-markovic-macri-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2019/10/syn-energy-markovic-macri-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-2874" class="wp-caption-text">Dalibor Markovic, Dominique Macri, Syn_Energy Berlin_Athens Oktober 2018, ©Nelly Tragousti</figcaption></figure>
<p>Vor zwei Jahren dann fragte mich eine Veranstalterin, ob es nicht möglich sei, einen tagesaktuellen Text zu verfassen. Ich bot ihr zwei Alternativen an: eine improvisierte Solo- Szene, selbstverständlich tagesaktuell oder ein vorbereiteter Text zum Thema der Tagung. Beides zusammen sei leider nicht möglich. Dachte ich.</p>
<p>Das Gedicht mit dem ich angereist war, verdoppelte sich während des Tages jedoch mit einer Leichtigkeit, die mich überraschte. Der Effekt, den es auf die Menschen hatte, war immens: Sie fühlten sich gesehen, gespiegelt, gewertschätzt &#8211; erkannten sich und andere wieder, fanden ihre Inhalte liebevoll poetisch wiedergegeben, und freuten sich tatsächlich wie meine Mutter damals am Küchentisch zu meinen Füßen. Damit war ein Format geboren, das ich in Anlehnung an die graphische Form der Dokumentation „Poetic Recording“ nannte. Heute weiß ich: Die Bezeichnung ist nicht ganz richtig. Denn wie mir letztens eine Zuschauerin sagte: Es ist viel mehr. Die spontane Dichtung transportiert anhand des Geschehenen immer auch meine eigenen Werte und tiefsten Überzeugungen. In allem und jedem ist etwas Sehenswertes und Schönes zu ﬁnden, etwas Merkwürdiges, Albernes, Abstruses, etwas Inspirierendes, Verstörendes, Bereicherndes. Das zu Tage zu fördern und sichtbar zu machen, schenkt den Menschen Freude an ihrem eigenen Tun, Freude an sich selbst. Und das ist real. Auch wenn meine Gedichte für den Moment entstehen und danach wieder verschwinden: Was bleibt, ist die tief empfundene Verneigung vor dem Moment und den Menschen, die ihn durch ihre Anwesenheit, ihre Begegnungen und Worte wertvoll gemacht haben. In diesem Sinne: Augen zu. Hand auf. Es wohnt ein solcher Reichtum an Ideen in der Welt.</p>
<p><span class="textinfo">Text: Dominique Macri. Fotos: Nelly Tragousti. Der Essay wurde für das viertägige griechisch-deutsche Literatursymposium <a href="https://syn-energy.lettretage.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Syn_Energy Berlin_Athens</a>, 17.-21. Oktober 2018, eine Kooperation von Diablog Vision e. V. und Lettrétage, unterstützt von Hauptstadtkulturfonds Berlin und Stavros-Niarchos-Stiftung.<br />
</span></p>
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		<title>Greek Writers@Berlin &#8211; Teil I</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 11 Sep 2019 16:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein aufregender literarischer Herbst in Berlin kündigt sich an: diablog.eu organisiert die dreiteilige Lesereihe „Greek Writers@Berlin“, mit Unterstützung der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Kommen Sie zur Auftaktveranstaltung am 19. September 2019 um 20 ... <p class="read-more-container"><a title="Greek Writers@Berlin &#8211; Teil I" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/greek-writersberlin-teil-i-birgit-kreipe-vasileia-oikonomou-andrea-schmidt/#more-473" aria-label="Mehr Informationen über Greek Writers@Berlin &#8211; Teil I">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="einleitung">Ein aufregender literarischer Herbst in Berlin kündigt sich an: diablog.eu organisiert die dreiteilige Lesereihe „<a href="https://www.facebook.com/events/330616311178041/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Greek Writers@Berlin</a>“, mit Unterstützung der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. Kommen Sie zur Auftaktveranstaltung am 19. September 2019 um 20 Uhr mit den Lyrikerinnen Birgit Kreipe und Vasileia Oikonomou, moderiert von der Mitgründerin des Verlagshauses Berlin Andrea Schmidt, und erfahren Sie mehr über die griechisch-deutsche Literaturszene. Die Bar im <a href="https://www.lettretage.de/programm/aktuelles-programm/?event_id1=8188" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Literaturhaus Lettrétage</a> (Mehringdamm 61, 10965 Berlin-Kreuzberg) ist für Sie geöffnet, wir feuen uns auf Ihren Besuch! Weitere Veranstaltungen folgen am 14. Oktober mit den Performerinnen Margarita Tsomou und Vassileia Stylianidou sowie am 21. November mit den Romanciers Christos Asteriou und Andreas Schäfer.</span></p>
<p>Die Lesereihe „Greek Writers@Berlin“ bildet eine Fortsetzung des Projekts Syn_Energy Berlin_Athens, das 17.- 20. Oktober 2018 in der Lettrétage stattfand. Über 20 Teilnehmer*innen aus beiden Sprachräumen waren zu dem viertägigen griechisch-deutschen Literatursymposium eingeladen, um sich in Text und Diskussion zu begegnen. Im April 2019 reiste Syn_Energy mit Lyriker*innen ans Goethe Institut Athen und kehrt im Herbst wieder nach Berlin zurück, um mit &#8222;Greek Writers@Berlin&#8220; unterschiedliche Formen und Genres zu erschließen: Lyrik, performatives Schreiben und Prosa.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-2916" src="https://medien.diablog.eu/2021/12/flyer_greek-writers-berlin_seite-1.jpg" alt="Flyer Greek Writers@Berlin" width="1024" height="960" srcset="https://medien.diablog.eu/2021/12/flyer_greek-writers-berlin_seite-1.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2021/12/flyer_greek-writers-berlin_seite-1-300x281.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2021/12/flyer_greek-writers-berlin_seite-1-768x720.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2021/12/flyer_greek-writers-berlin_seite-1-450x422.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Zwei Lyrikerinnen aus Berlin und Athen begegnen sich in Kreuzberg. Die Athenerin fragt sich nach dem, was übrigbleibt, wenn man subtrahiert oder wenn man abstrahiert. Im Griechischen ist es dasselbe Wort. Die Berlinerin fragt sich, ob sich die Sprache der Kindheit und Jugend in Körper- oder Baummetaphern verwandeln kann. Ihr letzter Band heißt „Soma“ (das griechische Wort für: Körper).</p>
<p>Kleine Alltäglichkeiten werden bei Vasileia Oikonomou zu philosophischen Metaphern, bei Birgit Kreipe werden Pferde zu Wolken und Daphne zu einem Birkenmädchen. Ihre Tätigkeit als Psychotherapeutin hinterlässt sprachliche und gedankliche Spuren.</p>
<p>Beide destillieren die Wirklichkeit bis auf einen letzten, glasklaren Tropfen, bei beiden gerinnen Gefühle zu Gedankenbildern. Beide geben uns Rätsel auf. Gelegenheit für Moderatorin Andrea Schmidt, mit den Autorinnen auf eine Reise durch Raum, Zeit und Sprache zu gehen.</p>
<figure id="attachment_1965" aria-describedby="caption-attachment-1965" style="width: 630px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1965" src="https://medien.diablog.eu/2020/06/Birgit-Kreipe_by-Renate-von-Mangoldt.jpg" alt="Portrait einer blonden Frau" width="640" height="426" srcset="https://medien.diablog.eu/2020/06/Birgit-Kreipe_by-Renate-von-Mangoldt.jpg 640w, https://medien.diablog.eu/2020/06/Birgit-Kreipe_by-Renate-von-Mangoldt-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2020/06/Birgit-Kreipe_by-Renate-von-Mangoldt-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption id="caption-attachment-1965" class="wp-caption-text">Birgit Kreipe, ©Renate von Mangoldt</figcaption></figure>
<p><strong>Birgit Kreipe</strong>, in Hildesheim geboren, studierte Psychologie und Germanistik. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Gedichte erschienen zuletzt in: „Spitzen. Fanbook. Hall of Fame.“ (Suhrkamp, 2018),  „Aus Mangel an Beweisen“ (Wunderhorn, 2018) und im „Jahrbuch der Lyrik“ (2019). Ihre Gedichte wurden u.a. mit dem Irseer Pegasus 2014 ausgezeichnet. Bisher erschienen sind  „wenn ich wind sage, seid ihr weg“ (fixpoetry, 2010), „schönheitsfarm“ (Verlagshaus J. Frank, Berlin 2012) und  „SOMA. Gedichte“, (kookbooks, Berlin, 2016).</p>
<figure id="attachment_1967" aria-describedby="caption-attachment-1967" style="width: 630px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1967" src="https://medien.diablog.eu/2020/06/Vasileia-Oikonomou-cSophie-Lochet.jpg" alt="Portrait einer dunkelhaarigen Frau" width="640" height="426" srcset="https://medien.diablog.eu/2020/06/Vasileia-Oikonomou-cSophie-Lochet.jpg 640w, https://medien.diablog.eu/2020/06/Vasileia-Oikonomou-cSophie-Lochet-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2020/06/Vasileia-Oikonomou-cSophie-Lochet-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption id="caption-attachment-1967" class="wp-caption-text">Vasileia Oikonomou, ©Sophie Lochet</figcaption></figure>
<p><strong>Vasileia Oikonomou</strong>, 1983 in Athen geboren, lebte 2017-2019 in Berlin.  Mit ihrem ersten Gedichtband (Govostis, 2015) wurde sie für zwei renommierte Nachwuchspreise nominiert. Ihre Texte spiegeln menschliche Beziehungen und Emotionen, ihr Lebensumfeld in Berlin und eine Auseinandersetzung mit der Tradition wider. Als Einzeltitel erschienen sind  „To ypoloipo tis afairesis“ (Govostis, Athen 2015) und „Efimera Zoa“ (Thraka, Larissa 2019).</p>
<figure id="attachment_2914" aria-describedby="caption-attachment-2914" style="width: 590px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-2914" src="https://medien.diablog.eu/2021/12/AndreaSchmidt_by-HansPraefke.jpg" alt="Portraet einer dunkelhaarigen Frau" width="600" height="600" srcset="https://medien.diablog.eu/2021/12/AndreaSchmidt_by-HansPraefke.jpg 600w, https://medien.diablog.eu/2021/12/AndreaSchmidt_by-HansPraefke-300x300.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2021/12/AndreaSchmidt_by-HansPraefke-150x150.jpg 150w, https://medien.diablog.eu/2021/12/AndreaSchmidt_by-HansPraefke-450x450.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption id="caption-attachment-2914" class="wp-caption-text">Andrea Schmidt, ©Hans Praefke</figcaption></figure>
<p><strong>Andrea Schmidt</strong> lebt und arbeitet als Verlegerin, Typografin und Dozentin in Berlin. Seit 2005 führt sie zusammen mit Johannes Frank und Dominik Ziller das Verlagshaus Berlin – ein Independentverlag für Gegenwartslyrik und Illustration. Sie ehrt als Dozentin und Gastprofessorin Typografie und Designtheorie u. a. an der UdK Berlin und der CAA Hangzhou (China), ab 10/2019 als Professorin für Typografie an der HBK Braunschweig.</p>
<p>Der organisatorische Träger dieser Projekte, der gemeinnützige Verein Diablog Vision e. V., ist aus dem zweisprachigen Kulturportal www.diablog.eu, deutsch-griechische Begegnungen hervorgegangen. Seit 2014 macht sich eine Gruppe von Autor*innen und Übersetzer*innen für die Vermittlung zeitgenössischer Kultur im deutsch- und griechischsprachigen Raum stark. Übersetzungen, Interviews, Reiseberichte und Artikel machen Inhalte in beiden Sprachen zugänglich und schlagen eine Brücke zwischen Mentalitäten und Lebensentwürfen. Seit 2017 initiiert Diablog Vision e. V., über den Online-Bereich hinaus Veranstaltungen im In- und Ausland.</p>
<p><span class="textinfo">Text: diablog.eu. Fotos: Sophie Lochet, Renate von Mangoldt, Hans Praefke.</span></p>
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		<title>Kavafis, mit anderen Worten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Aug 2019 04:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
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					<description><![CDATA[Über das Werk von Konstantinos Kavafis ist einmal gesagt worden, es habe selten so viel Aufmerksamkeit für so wenig Lyrik gegeben. Zu dem kleinen Korpus der 154 veröffentlichten Gedichte kamen nach seinem Tod die sogenannten ... <p class="read-more-container"><a title="Kavafis, mit anderen Worten" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/kavafis-mit-anderen-worten-uebersetzung-im-verborgenen/#more-467" aria-label="Mehr Informationen über Kavafis, mit anderen Worten">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="einleitung">Über das Werk von Konstantinos Kavafis ist einmal gesagt worden, es habe selten so viel Aufmerksamkeit für so wenig Lyrik gegeben. Zu dem kleinen Korpus der 154 veröffentlichten Gedichte kamen nach seinem Tod die sogenannten „Verborgenen“, die „Verworfenen“ und die „Unvollendeten“ hinzu. Das <a href="https://verlagshaus-berlin.de/programm/im-verborgenen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Verlagshaus Berlin</a> veröffentlichte 23 der 75 verborgenen Gedichte in einer von Anja Nolte ansprechend illustrierten zweisprachigen Ausgabe, die von der Stiftung Buchkunst als „eines der schönsten deutschen Bücher“ im Jahr 2016 ausgezeichnet wurde: „Konstantínos Kaváfis 1863-1933. Im Verborgenen“, übersetzt von Jan Kuhlbrodt und Jorgos Kartakis. Elena Pallantza schreibt darüber aus der Sicht einer Griechin und Lyrikübersetzerin.</span></p>
<p><a href="https://verlagshaus-berlin.de/programm/im-verborgenen/"><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-singlepost-thumb wp-image-6527" src="https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis-Titel-450x563.jpg" alt="Buch-Cover: Im Verborgenen, Konstantinos Kavafis" width="450" height="563" srcset="https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis-Titel-450x563.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis-Titel-240x300.jpg 240w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis-Titel-768x960.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis-Titel.jpg 819w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></a></p>
<p>Kavafis´ Nachlass kam erst Jahrzehnte nach seinem Tod Stück für Stück ans Licht und erlaubte neue Einblicke: nicht nur in die Werkstatt eines wenigschreibenden Autors, sondern auch in die Geheimkammer eines Meisters des Halbdunkels; eines Dichters jedenfalls, der Innen und Außen klar – und gewiss nicht ohne Opfer – voneinander trennte. 1968 erschienen zum ersten Mal in Athen die unveröffentlichten Gedichte aus dem Archiv. 1993 folgte eine Gesamtausgabe mit dem Titel „Verborgene (Gedichte)“, bereichert um Material, das in den Unterlagen von Freunden und Verwandten gefunden worden war.</p>
<p>Dem deutschsprachigen Publikum bot bereits 1991 die Ausgabe <em>Konstantin Kavafis, Die Lüge ist nur gealterte Wahrheit</em> (Carl Hanser Verlag) einen ersten, repräsentativen Eindruck vom Archivmaterial (Gedichte, Prosatexte, Artikel, Notizen, Tagebucheinträge etc.) an. Mit ihrem eher dokumentarischen Charakter sollte sie in erster Linie das Bild des geheimnisvollen Dichters ergänzen. Darin enthalten sind 15 verborgene Gedichte in der treuen Übersetzung von Asteris Koutoulas, der sich darum bemüht, etwas vom authentischen Kavafis-Klang – den er als Grieche unmittelbar versteht – im Deutschen zu bewahren:</p>
<p>Aus dem, was ich tat und sagte,<br />
sollte niemand zu ergründen suchen, wer ich war.<br />
Eine Barriere war errichtet und ließ mich<br />
mein Handeln ändern und auch die Art, mein Leben zu führen.<br />
Eine Barriere war aufgebaut, ließ mich<br />
oft innehalten, wenn ich anhob zu sprechen.<br />
Meine unscheinbaren Gesten<br />
und meine Schriften, die vielschichtigsten –<br />
nur mit ihnen wird man ein Bild sich von mir machen können.<br />
Vielleicht aber lohnt´s nicht, aufzuwenden<br />
so viel Sorgfalt und Kraft, um uns´rer Bekanntschaft wegen.<br />
Schließlich – in der vollendeten Gesellschaft –<br />
wird jemand, aus gleichem Holz wie ich,<br />
sich frei offenbaren und handeln. (VERBORGENES, Übers. Α. Κ.)</p>
<p>Wenige Jahre später erscheint ein Großteil des unveröffentlichten Materials in der Gesamtausgabe des Amman Verlags (Zürich 1997) in der Prosaübersetzung von Robert Elsie, die sich nach dem Vorbild der emblematischen französischen Übersetzung von Marguerite Yourcenar orientiert. Zu den Vorzügen dieser Übersetzung gehören zweifellos ihre sprachliche Nüchternheit und ihr Rhythmus:</p>
<p>Aus alldem, was ich tat und sagte,<br />
Möge keiner versuchen herauszufinden, wer ich war.<br />
Ein Hindernis war da,<br />
Das meine Taten und meinen Lebensstil gewandelt.<br />
Ein Hindernis war da,<br />
Das mich oft abhielt zu sprechen.<br />
Meine unscheinbaren Taten,<br />
Meine deutlich verschleierten Schriften,<br />
Aus ihnen allein wird man mich verstehen.<br />
Aber vielleicht lohnt sich solche Anstrengung<br />
Und Mühe nicht, mich ausfindig zu machen.<br />
Später – in einer vollkommeneren Gesellschaft –<br />
Wird ein anderer, beschaffen genau wie ich,<br />
Sich frei offenbaren und handeln. (VERBORGENES, Übers. R. E.)</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-6519 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis02.jpg" alt="Buchseite mit Illustration" width="1024" height="789" srcset="https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis02.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis02-300x231.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis02-768x592.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis02-450x347.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Zwanzig Jahre später holt das Verlagshaus Berlin erneut 23 verborgene Gedichte aus der Schublade hervor. Auswahl und Übersetzung stammen diesmal von Jorgos Kartakis und Jan Kuhlbrodt, zwei renommierten Lyrikern und Lyrikübersetzern, die eindrucksvollen Illustrationen dazu stammen von Anja Nolte. Das titelgebende Gedicht VERBORGENES – allerdings jetzt mit UNSICHTBAR übersetzt – steht zu Beginn und schürt geschickt die Erwartung einer über Jahre vereitelten Offenbarung: Es ist, als tauchte Kavafis selbst aus der Vergangenheit auf und zöge endlich den Vorhang beiseite. Und wer könnte dem schon widerstehen, wenn er zugleich „eines der schönsten deutschen Bücher“ in den Händen hält?</p>
<p>Mein Handeln wird euch<br />
nichts von mir offenbaren.<br />
Meine Taten verbargen und verwandelten<br />
mein Wesen und die Weise meines Seins.<br />
Verwehrt war mir<br />
zu sagen,<br />
was ich sagen wollte.<br />
Nur in heimlichen Handlungen<br />
in verborgenen Schriften<br />
bin ich als der erkennbar, der ich bin. Wahrscheinlich ist es aber<br />
nicht der Mühe wert<br />
mich darin zu suchen, zu finden.<br />
Später – in einer besseren Welt – vielleicht<br />
wenn ein anderer sich darin findet<br />
wird das was ich war verständlich sein und frei. (UNSICHTBAR, Übers. J. K. &amp; J. K.)</p>
<p>Κein wirklich neues Textmaterial also, und auch keine intimen Einblicke oder andere Überraschungen. Neu ist allerdings das ästhetische Ergebnis: Kavafis in neuer Form und mit neuer Stimme. Spontan muss ich an viele Kavafis-Kenner und -Leser denken – vor allem griechischsprachige –, denen es sicher schwerfallen würde, ihren Kavafis in dieser Ausgabe wiederzuerkennen. Aber wer ist eigentlich ihr Kavafis? Und wer ist unserer oder der jedes einzelnen von uns? Über welchen oder wie viele Kavafis reden wir, wenn wir über Kavafis reden? Und wer ist dabei wir? Und wie verhält es sich dann erst mit dem übersetzten Kavafis, der ohnehin in viele Einzelstimmen zersplittert? Trotzdem hat der Westen den Dichter ausschließlich durch Übersetzungen lieben gelernt, wie Jan Kuhlbrodt zurecht anmerkt – eine Tatsache, die für den Leser, der mit Kavafis´ unverwechselbarer Sprache vertraut ist, vollkommen unbegreiflich ist. In den meisten Fällen konnten die Übersetzer nicht einmal Griechisch.</p>
<p>Die Rezeption eines Autors im Ausland unterscheidet sich bisweilen stark von der im eigenen Land. Dass dieser ungewöhnliche Dichter, der sich am Rande der griechischen Welt bewegt hat und – wie die Geschichte gezeigt hat – der literarischen Produktion des Mutterlandes so weit voraus war, im Westen einen solchen Erfolg hatte, ist zunächst folgender Konstellationen zu verdanken: Einerseits seiner Bekanntschaft mit dem britischen Schriftsteller E. M. Forster und folglich der tiefen Vertrautheit Kavafis´ mit der englischen Literatur, Sprache und Kultur, die seine Lyrik beeinflussten, und andererseits dem Maler David Hockney, und nicht zuletzt seiner Homosexualität. Forster lernte Kavafis vor etwa hundert Jahren persönlich in Alexandria kennen. Er übersetzte seine Gedichte und stellte ihn Persönlichkeiten wie T.S. Eliot vor, der Kavafis‘ <em>historical sense</em> bewunderte und ihn ins Pantheon der Moderne aufnahm. Ein halbes Jahrhundert später entdeckt der junge, noch unbekannte Hockney via Lawrence Durrell Kavafis´ Werk. Um der besonderen Atmosphäre der Liebesgedichte nachzuspüren, reist er nach Ägypten und nach Beirut und fertigt die berühmten Radierungen an (<em>Illustrations for Fourteen Poems from C.P. Cavafy</em>, Tate Gallery). Dem Aufstieg zum international bekannten Lyrik-Star steht nichts mehr im Wege: Kavafis‘ Werk wird zum Gegenstand vielfacher künstlerischer Auseinandersetzung und wissenschaftlicher Forschung. Kavafis selbst wird zu einem Mythos, der die Zeit überdauert.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-6521 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis03.jpg" alt="Buchseite mit Illustration" width="1024" height="789" srcset="https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis03.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis03-300x231.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis03-768x592.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis03-450x347.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Die Auswahl des Materials, die Übersetzung und die Illustrationen der Ausgabe <em>Im Verborgenen</em> lassen sich also in diese westliche Tradition der Kavafis-Rezeption einordnen, mit der diese sich kreativ auseinandersetzt. Eine Tradition, die sich nachvollziehbarerweise nicht auf die Sprache und die griechische Prägung (im kulturellen und nicht im nationalen Sinne) fokussiert, sondern – um es mit den Worten von Durs Grünbein zu sagen – auf „sein(en) überzeitlichen Schönheitssinn und die verborgene Homosexualität, [&#8230;] zwei Grundkräfte, die sich in seinem Leben widerstrebend zusammenfügten…“ (Der Spiegel 44/1997). Einerseits ist ein solcher Ansatz teilweise reduzierend und ignoriert die kulturell bedingten Besonderheiten des Originals (weil diese in der Zielkultur gewöhnlich unbekannt sind). Andereseits aber eröffnet er die Möglichkeit einer neuen dynamischen Annäherung, die frei von ideologischen Zwängen und dem schweren Erbe ist.</p>
<p>Daher lese ich <em>Im Verborgenen</em> nicht unbedingt wie „einen wunderbaren Beitrag zum Verständnis des diskretesten unter den Riesen“, &#8211; wie es der brasilianische Künstler und Dichter Ricardo Domeneck in seinem ansonsten sehr informativen Nachwort zusammenfasst. Ich lese es eher als ein reizvoll experimentelles Spiel mit Kavafis, das kreative Kräfte freisetzt und den Dialog zwischen Lyrik und bildender Kunst neu belebt. Als eine Nachdichtung, in der ein Stück Kavafis-Aura transportiert wird und die einen frischen Blick auf eine Lyriklegende wirft. Doch idealerweise sollten die Leser eine gewisse Kenntnis des Originals mitbringen, um Missverständnisse zu vermeiden bzw. Abweichungen wertschätzen zu können, zumal die Auswahl der Gedichte nicht besonders repräsentativ ist und die Übersetzung sich gewisse Freiheiten nimmt – was ihnen, aus anderen Gründen wiederum, guttut. Konkreter:</p>
<p>Mehr als die Hälfte der 23 Gedichte dieser Sammlung sind reine Liebesgedichte. Im Gesamtkorpus von 154 Gedichten macht diese Kategorie jedoch nur etwa ein Drittel aus und bei den 75 „Verborgenen Gedichten“ sogar nur ein Fünftel aus. Die übrigen Gedichte des Bandes sind lose um das Thema Liebe arrangiert: „Im Haus der Psyche“, „Wer scheiterte“, „Ewigkeit“, „Die Schachfigur“, „Zweite Odyssee“, „Auf dem Gräberfeld“, „Haus mit Garten“ usw. Der kundige Leser wundert sich nicht nur über den falschen Eindruck einer thematischen Vielfalt, sondern vor allem über die fast vollständige Abwesenheit des „historischen“ Kavafis, der sich selbst ausdrücklich als solchen bezeichnete. Der Grund dafür ist offensichtlich: Um diesen ungewöhnlichen Dichter für das deutsche Lesepublikum möglichst leicht zugänglich zu machen, beschränkte sich die Anthologie auf die eingängigeren Gedichte über die Liebe und andere allgemeine Themen und ließ dabei jene aus, die Kenntnisse der griechischen und byzantinischen Tradition und Geschichte voraussetzen. Bis zu einem gewissen Punkt sind die Kriterien der Übersetzbarkeit, Zugänglichkeit und Unterhaltsamkeit gerechtfertigt. Sie vermitteln allerdings zugleich ein einseitiges, ein verzerrtes Bild. Wird außerdem diesen Aspekten zu viel Bedeutung beigemessen, besteht die Gefahr, dass sie zu einem verfälschenden Filter werden, der schließlich mitbestimmt, was die Zeiten überdauern wird.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-6517" src="https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis01.jpg" alt="Buchseite mit Illustration" width="1024" height="789" srcset="https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis01.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis01-300x231.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis01-768x592.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis01-450x347.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Die Übersetzung fließt im Deutschen wunderbar und ihr gelingen zwei wichtige Dinge: Erstens erschafft sie nicht bloß einen Widerhall des Originals, sondern eine eigene poetische Sprache, frei von der schrecklichen Starrheit, die häufig die dem Original vollkommen unterworfenen Übersetzungen kennzeichnet. Und zweitens trifft sie genau jenen nüchternen Stil, der den Kavafis-Sound in der deutschen Sprache überzeugend abbildet. Dies gilt an vielen Stellen ebenfalls für den Rhythmus: „Im Haus der Psyche toben die Passionen“ oder: „Wer scheiterte, wer niederging, / wie schwer für ihn, die Sprache der Armut und andere Manieren zu erlernen!“ Damit dies gelingen kann, muss sie sich vom Original befreien. Das geschieht wiederum nicht ohne Verluste: Manchmal werden unübersetzbare Worte und Stilfiguren geopfert, wie z.B. die für Kavafis typischen Wort- oder Phrasenwiederholungen, die zugegebenermaßen für Nichtkenner merkwürdig klingen, wie etwa der Satz „ein Hindernis war da“ im Gedicht UNSICHTBAR. Manchmal werden zugunsten eines besseren Verständnisses vom Dichter gewollte Unklarheiten und Mehrdeutigkeiten aufgeklärt, wodurch die leise und geheimnisvolle Sinnlichkeit der Gedichte zerstört wird.</p>
<p>An einigen Stellen werden Grundmerkmale der kavafischen Lyrik umgangen oder verändert, über die schon bücherweise Analysen geschrieben sind. Einige Beispiele: Wird im Gedicht JANUAR 1904 das Wort „zurück“ oder „wieder“ im Vers „und in Gedanken Augenblicke modelliere“ ausgelassen (ξαναπλάττω με τον νου), geht ein für Kavafis´ Dichtung wesentlicher Mechanismus, das „ästhetische Wieder-Erschaffen des Verlangens“, verloren. Übersetzt man „ύποπτα“ mit „verräterisch“ (statt etwa „verschwörerisch“) im Vers „die Liebe, die ich wollte &#8211; deine Augen, müde und verräterisch, gaben es preis – die hättest du mir geben können“ im Gedicht AUF DER TREPPE, ergibt der geschilderte Sachverhalt des erotischen Blicks wenig Sinn. Die Wiedergabe von „ich sah dein unbekanntes Gesicht und du sahst meins“ (είδα το άγνωστό σου πρόσωπο και με είδες) in „sah ich in deine Augen, wie du mich erkanntest“ im selben Gedicht, ist nicht nur inkorrekt (das Gesicht ist unbekannt, kann also nicht wiedererkannt werden), sie zerstört das bei Kavafis stets wiederkehrende Motiv der flüchtigen erotischen Begegnung. Für Kavafis-Kenner sind solche Verluste kaum hinnehmbar. Wer sich jedoch mit Übersetzung beschäftigt, weiß, dass diese bis zu einem gewissen Maße unvermeidlich und deshalb zulässig sind, dass auch ein Missverständnis durchaus zu wirkungsvollen oder gar wunderbaren ästhetischen Ergebnissen führen kann. Jan Kuhlbrodt hat sich diesbezüglich häufig in Artikeln zur „Aufgabe des Übersetzers“ geäußert. Da jedoch gerade bei der kreativen Übersetzung die Grenzen zwischen Gut und Böse fließend sind, würde ein Hinweis darauf, dass es sich hier um eine freie Wiedergabe oder sogar Nachdichtung handelt, auch den nichtsahnenden Leser vor dem Irrtum schützen, er lerne hier den fremden Dichter ganz unmittelbar kennen und begreifen.</p>
<p>Auch die radikalen Bilder von Anja Nolte, die sich über eine oder gar mehrere Seiten erstrecken und an mehrteilige Gemälde oder Graffiti erinnern, gehen über die Grenzen der einfachen Illustration hinaus und lassen das Buch eher an eine Graphic Novel erinnern. Sie dringen buchstäblich in den ohnehin schon engen Raum der Gedichte ein und machen auch vor den biografischen Angaben zum Dichter nicht halt – ein Hinweis darauf, dass die Kenntnis der Lebensdaten und -details dazugehört. So drängen sie uns zu einer psychoanalytisch ausgerichteten Lesart, die vor allem Kavafis´ unterdrückte sexuelle Orientierung thematisiert: Menschen und Anthropoide, undefinierte Apparate und hybride Maschinenmenschen, verzerrte Darstellungen von Tieren und Pflanzen in Szenen aus Kindermärchen, die sich in Albträume verwandeln oder in Räume, die an Folterkammern erinnern – als hätte jemand die dunklen Kräfte der Verdrängung freigesetzt. Eine solche Lesart wird wohlgemerkt durch einige Kavafis-Experten unterstützt, die das Verhältnis zwischen poetischem Schaffen und Sexualität bei ihm erforschen und zurecht die homophobe Starrheit vieler Kritiker der letzten Jahrzehnte anprangern.</p>
<p>Abgesehen von einem gewissen Vorbehalt gegenüber der Einseitigkeit einer derartigen Sichtweise, ist das, was mich hier in erster Linie interessiert, eine ästhetische Frage: der eklatante Gegensatz zwischen den Bildern und dem zurückhaltenden Ton der Gedichte, die sie illustrieren. Was verbindet diese stürmische und laute Darstellung des Obszönen, Furchterregenden, Bedrückenden, Krankhaften und Abstoßenden mit jenem Ästheten und Dichter, der wie kein anderer die Schönheit und Vollkommenheit der Form liebte und ein Meister der Nüchternheit und der Selbstkontrolle war? Während es Hockney ein halbes Jahrhundert vorher gelungen ist, Kavafis´ Liebeswelten mit einigen wenigen Strichen abzubilden, schlicht und doch voller Verlangen und vollkommen zum zurückhaltenden Ton des Dichters passend, lässt sich Nolte wohl vom „Verborgenen“ inspirieren und bewegt sich in die genau entgegengesetzte Richtung: Sie zeichnet überschwänglich die Macht des Verdrängten, die Gefühle der Schuld und der Angst, die wohl die Gedichte in der Schublade versteckt bleiben ließen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-6525" src="https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis07.jpg" alt="Buchseite mit Illustration" width="1024" height="789" srcset="https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis07.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis07-300x231.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis07-768x592.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis07-450x347.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Einen der vielen Kavafis-Aspekte bietet uns also das kleine braune Buch mit seinem Einband aus Pappe an. Und es tut dies zweifellos auf eine Art, die den Leser fesselt. Kavafis selbst hätte das höchstwahrscheinlich auch gefallen. Der offene Buchrücken mit den sichtbaren schwarzen Nähten, das Markenzeichen der Reihe „Edition ReVers“, in der das Verlagshaus Berlin „in Vergessenheit geratene“ Manuskripte herausgibt, vermittelt uns Lesern das Gefühl, wir würden Texte in der Hand haben, die direkt aus der Schublade stammen. Fast automatisch muss ich dabei an die besondere Art und Weise denken, mit der Kavafis seine Werke selbst veröffentlichte. Er gab nie ein Buch heraus, obwohl er dazu mehrfach Angebote bekam. Er ließ die Gedichte auf lose Blätter drucken, die er selbst zu Sammlungen zusammenband. Die sogenannten „Verborgenen Gedichte“ hinterließ er vorbildlich geordnet in einem Umschlag mit der Aufschrift „Soll bleiben“. Ich kann mir nur zu gut vorstellen, wie dieser „diskrete Riese“ seine Freude über die Initiative des Berliner Verlages gekonnt hinter seiner Bescheidenheit verbergen würde: „… Wahrscheinlich ist es aber nicht der Mühe wert, mich darin zu suchen …“. In Wirklichkeit wollte er immer genau wissen, wo und wann ein Gedicht von ihm erschien, und vermerkte dies penibel, selbst wenn es sich dabei um ein unbedeutendes griechisches Provinzblatt handelte.</p>
<p>Kavafis war sich seines Talents sehr wohl bewusst und überzeugt, dass ihm irgendwann in ferner Zukunft die verdiente Anerkennung zuteilwerden würde. Eines Tages, in einer Buchhandlung in Alexandria, diktierte er dem Korrespondenten einer französischsprachigen Zeitschrift folgende Worte, die er zuvor auf einem Zettel notiert hatte: „Kavafis ist meiner Meinung nach ein ultramoderner Dichter, ein Dichter kommender Generationen. Außer dem historischen, psychologischen und philosophischen Wert seiner Dichtung sind es folgende Elemente, deren Bedeutung erst von zukünftigen Generationen wirklich gewürdigt werden kann: die Nüchternheit seines geschliffenen Stils, der zuweilen lakonisch wird, sein ausgewogener Enthusiasmus, der geistige Emotionalität offenbart, seine treffenden Bilder, die Ergebnis einer aristokratischen Natürlichkeit sind, seine leichte Ironie…“. Ich bezweifle, dass es eine treffendere Charakterisierung des Phänomens Kavafis gibt als diese: entwaffnende künstlerische Selbsterkenntnis und -überzeugung verbunden mit präziser Voraussicht. Aber ein Detail, von dem die meisten vielleicht nichts wissen, scheint mir wichtig für jeden, der Kavafis wirklich verstehen möchte: seine enge Verbundenheit mit der alten literarischen Überlieferung. Denn mit dieser Selbstdarstellung reiht sich Kavafis in die spielerische Tradition der hellenistischen Dichter ein, die ihre eigenen Grabinschriften zu schreiben pflegten, in denen sie von sich und ihrer Kunst sprachen und somit selbst für ihren posthumen Ruhm sorgten. Mit anderen Worten: dieser hochmoderne Alexandriner, der „spätgriechische“ Dichter, wie ihn Brecht mit seinem dichterischen Gespür treffend nannte, erobert die Zukunft mit den Mitteln der Vergangenheit.</p>
<p>Womöglich ist gerade das die große Stärke des Buches: Dadurch, dass es Kavafis aus den Tiefen der Zeit so ausdrucksstark in die Gegenwart holt, entlarvt es die ganze Dimension des Kavafis&#8217;schen Paradoxons. Wie kann nämlich ein Dichter, der so hartnäckig der Vergangenheit, der Erinnerung und der Tradition zugewandt war, gleichzeitig so modern, allgegenwärtig und aktuell sein? Und diese Frage führt zu weiteren: Was bedeutet modern? Wie und warum lesen wir immer noch und immer wieder eine solche Dichtung? Ist sie wirklich modern oder fühlen wir uns durch die Autorität eines Mythos zu ihr hingezogen und tragen so zu dessen Erhalt, Reproduktion und sogar Kommerzialisierung bei? Wie gehen wir mit Alt und Neu um? Können sich das Gestern und das Heute sinnvoll austauschen, jenseits von Trends, Simplifizierung und Ignoranz? Gibt es richtige und falsche Herangehensweisen?</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-full wp-image-6523" src="https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis05.jpg" alt="Buchseite mit Illustration" width="1024" height="789" srcset="https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis05.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis05-300x231.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis05-768x592.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2019/08/VHB-Kavafis05-450x347.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Die schönsten Bücher sind die, die genau dort Fragen aufwerfen, wo eine konservative Haltung nicht das letzte Wort haben darf. Letzten Endes entscheiden die Leserinnen und Leser, ob und auf welche Weise sie Kavafis entdecken oder neu entdecken möchten. Und womöglich können selbst für einen Mythos gewisse „Verstärker“ manchmal gut sein, wenn dadurch seine leisen Töne besser zur Geltung kommen – insbesondere bei einem fremdsprachlichen Publikum – und er in Interaktion mit dem Neuen tritt. Ein poppig-moderner Kavafis, der allen die Tür aufhält, die sich für ihn interessieren, ist schließlich besser als ein vergessener Kavafis. In den besten Fällen, wie bei der Anthologie <em>Im Verborgenen</em>, sind die Ergebnisse einer solchen Interaktion nicht bloße Verstärker. Sie sind Ausdruck der immerwährenden Metamorphosen des Mythos selbst.</p>
<p><span class="textinfo">Text: Elena Pallantza. Übersetzung: Ina Berger. Illustrationen: Anja Nolte. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags entnommen aus: <a href="https://verlagshaus-berlin.de/programm/im-verborgenen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Konstantinos Kavafis, 1863-1933, Im/Verborgenen</a>, Übersetzung: Jan Kuhlbrodt und Jorgos Kartakis, Illustrationen: Anja Nolte, Nachwort: Ricardo Domeneck.</span></p>
<p>Finden Sie hier mehr Beiträge unseres Redaktionsmitglieds Elena Pallantza: <a href="https://diablog.eu/portraet/roland-schimmelpfennig-kammerspiel/">„Die Frau von früher“ &#8211; deutsches zeitgenössisches Theater in Athen</a>, <a href="https://diablog.eu/literatur/homerika-phoebe-giannisi-uebersetzung/">Homerika</a>, <a href="https://diablog.eu/allgemein/die-schwierige-kunst-lesung-dimitris-eleftherakis/">Die schwierige Kunst</a>, <a href="https://diablog.eu/allgemein/himmelweg-oder-die-banalitaet-des-boesen-theater-interview-elena-karakouli/">„Himmelweg“ oder die Unsichtbarkeit des Grauens</a>.</p>
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