Time for Change

Wie Yanis Varoufakis seiner Tochter die Wirtschaft erklärt

Am 27.7. erscheint das neue Buch von Yanis Varoufakis “Time for Change”, in dem er seiner Tochter die Wirtschaft erklärt. Vielleicht haben wir Kulturfritzen auf dem Niveau jetzt auch noch mal die Chance, die Zusammenhänge von Geld und Macht zu begreifen. Die begleitenden Abbildungen stammen vom Kreuzberger Künstler Michael Paul, der sich in seiner “Zeitgeist-Serie” über Begriffe wie Börse, Rettungsschirme und Wachstum so seine Gedanken gemacht hat.

Erfrischender Querdenker – oder Totengräber des Euro? Yanis Varoufakis, ehemaliger Finanzminister von Griechenland, vertritt Thesen, die so kontrovers diskutiert werden wie sein Outfit. In lässigen Auftritten erklärt er die Welt, redet Klartext, wo andere nur Worthülsen produzieren. Viele Menschen berührt er sympathisch, andere sehen in ihm den Leibhaftigen. Wer ist er wirklich, was treibt ihn um? Varoufakis ist ein Meister darin, ökonomische Fragen mit der Geschichte der Kolonialisierung, mit den Matrix-Filmen und aktuellen Bezügen zu verbinden. Sein Buch will Interesse an der Wirtschaft wecken und bezieht leidenschaftlich Position für den Menschen und gegen eine Ökonomie der Unterdrückung.

Buchcover: Varoufakis, Time for Change

Vorwort zur deutschen Ausgabe

Zu den nachhaltigsten Erinnerungen meiner frühen Kindheit gehören die Sendungen der Deutschen Welle mit ihrem Knistern und Rauschen. Es war in den düsteren Jahren der griechischen Militärdiktatur (1967–1974), als die Deutsche Welle den wichtigsten Beistand der Griechen gegen die erdrückende staatliche Propaganda darstellte. Mutter und Vater saßen dicht aneinandergedrängt am Radio, manchmal sicherheitshalber noch mit einer Decke über den Köpfen, damit neugierige Nachbarn keinen Anlass fanden, die Geheimpolizei zu rufen.

So kam Nacht für Nacht etwas frischer Atem in unsere Wohnung durch diese »verbotenen« Sendungen aus einem Land, das den griechischen Demokraten zuverlässig zur Seite stand: Deutschland. Ich war noch zu jung, um zu verstehen, was meine Eltern da gebannt am Radio hörten, aber meine kindliche Phantasie sah Deutschland als eine Quelle der Hoffnung. Dieses Buch richtet sich nun auch an einen jungen Menschen, meine Tochter, und ich habe beim Schreiben des Vorworts zur deutschen Ausgabe das große Bedürfnis, diese Erinnerung mitzuteilen. Sie zu einer kleinen Hommage für die Idee von Europa als Raum gemeinsamer demokratischer Ideale werden zu lassen. Zu einer kleinen Widerstandsgeste gegen die Tendenz, dass die europäischen Völker, die sich bisher immer nähergekommen waren, ausgerechnet durch eine gemeinsame Währung auseinandergebracht werden sollen.

künstlerisch Bild
fresh money %, ©Michael Paul

Unsere Europäische Union war in der Annahme ins Leben getreten, wir müssten zuerst unsere wirtschaftlichen Interessen verbinden, um eine politische und gesellschaftliche Einheit zu erreichen; die Wirtschaft würde dann den Weg in eine gemeinsame europäische Politik bahnen. Die Idee war gut, doch im Lauf der Jahre und Jahrzehnte ergab sich dabei ein Problem: Unser gemeinsames Verständnis von »Wirtschaft« wurde immer barbarischer. Wir gerieten in den Strudel einer simplifizierenden Denkweise, durch die sich der Bereich der Wirtschaft von dem der Politik, Philosophie und Kultur abzukoppeln, zu isolieren begann. Der wirtschaftliche Bereich erlangte auf diese Weise selbst eine gewaltige diskursive und gesellschaftliche Macht; sie ließ Demokratie, Politik und Kultur immer mehr verblassen und zum Schatten ihrer selbst werden.

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fresh money %, ©Michael Paul

Für diese stetige Erosion unseres gemeinsamen Verständnisses des Wirtschaftsbereichs waren, wie ich zugeben muss, wir Ökonomen verantwortlich. Überraschend schnell waren die Märkte nicht länger Mittel, die im Dienst sozialer Ziele stehen sollten, sondern sie wurden unbemerkt zum Selbstzweck. Unter dem Einfluss einer wachsenden Macht des Finanzwesens und neuer Wirtschaftstheorien begannen wir uns Oscar Wildes Definition des Zynikers anzunähern: Jemand, der alles über Preise und nichts über Werte weiß. Natürlich kamen auch die Institutionen der Europäischen Union zunehmend zu der Überzeugung, dass wichtige Entscheidungen von technokratischen Gremien getroffen werden sollten, die »politikfreie Zonen« darstellen. Ironischerweise führte die Sprache der Ökonomen zu einer Ausrichtung, die nicht nur die aktive Politik und Kultur, sondern auch die aktive Wirtschaft aus den Fluren der Macht und den Entscheidungsorten verbannte. Doch genug davon ! Dieses Buch ist nicht als Schmährede auf Europa, auf Deutschland, auf Griechenland oder auf sonst etwas gedacht, was meine Tochter langweilen würde.

Der Verfasser wollte damit seine Fähigkeit testen, aufmüpfige Jugendliche davon zu überzeugen, dass die Wirtschaft zu wichtig ist, um sie den Wirtschaftswissenschaftlern zu überlassen. Dass sie also viel zu viel Spaß machen kann, um von Menschen links liegen gelassen zu werden, die an anderen Dingen interessiert sind als an Geld und Finanzen. Dass mit einem scharfen Auge betrachtet hinter jeder ökonomischen Vorstellung, jeder wirtschaftlichen Theorie eine faszinierende Auseinandersetzung mit menschlichen Ängsten steckt. Habe ich dieses Buch also tatsächlich für meine Tochter geschrieben? Nicht wirklich. Letztlich habe ich es geschrieben, um die Grenzen meines eigenen Verständnisses auszuloten. Denn wenn ich einem jungen Menschen die fundamentalen Wirtschaftsfragen nicht erklären könnte, würde es ein schlechtes Licht auf meine eigenen Einsichten werfen.

Wenn man Jugendliche nicht dazu bringen kann, sich für das Wesen von Reichtum, Armut, Wirtschaftsmacht (und ihre Verteilung in der Gesellschaft) zu interessieren, zeigt sich, dass man dem, was unsere Gesellschaft antreibt, selbst nicht genügend Wichtigkeit beimisst. Aber es stimmt schon, dass meine Tochter dabei eine große Rolle gespielt hat. Sie ist mir gegenüber äußerst kritisch, und so habe ich mich am Ende jedes Kapitels gefragt, ob sie mir jetzt beim Lesen einen angewiderten Blick zuwerfen würde. Nichts motiviert einen Autor mehr als so eine Schreckensvision! Hier ist es also. Das Buch möchte Lesern, die gewöhnlich nichts mit ökonomischen Themen zu tun haben, die Macht wirtschaftlicher Ideen und ökonomischer Prozesse über unsere Vorstellungskraft, unsere Überzeugungen und Leidenschaften deutlich machen und so ein Interesse für diese Themen wecken.

Dazu stellt es Fragen: Wie konnte sich die Wirtschaft von der Kontrolle durch Politik und Militär so befreien, dass sie in unserer Gesellschaft immer mehr die Herrschaft übernahm? Wie hat sich die moderne Welt herausgebildet? Und warum sind die Theorien der Ökonomen eher Teil der Probleme, die diese Welt ständig produziert, als Teil der Lösungen?

Zwerg mit Wachstum Schild
Zwerg Wachstum, ©Michael Paul

Kapitel 1: Warum gibt es so viel Ungleichheit?

Wieso sind die australischen Aborigines nicht in England eingefallen?

Alle Babys kommen gleich nackt zur Welt. Aber schon bald werden manche von ihnen in teure Kleidung aus Luxusläden gesteckt, während die große Mehrzahl eher Lumpen trägt. Wenn sie ein bisschen größer geworden sind, rümpfen die einen regelmäßig die Nase, wenn ihnen Verwandte und Paten noch mehr zum Anziehen schenken, während sie selbst lieber andere Geschenke hätten, und die anderen träumen davon, dass sie eines Tages in Schuhen zur Schule gehen können, die keine Löcher haben. Das ist die eine Seite der Ungleichheit, die unsere Welt bestimmt.

Du hörst vielleicht etwas von dieser Ungleichheit, aber du bist nicht damit konfrontiert. Denn in deine Schule gehen keine Kinder, die wie die bedrückende Mehrzahl zu einem Leben verurteilt sind, das von Entbehrungen und sogar von Gewalt gezeichnet ist. Zumindest theoretisch ist dir allerdings schon bewusst, dass es den meisten Kindern auf der Welt nicht so gut geht wie dir und deinen Mitschülern, das weiß ich. Neulich hast du mich gefragt: »Warum gibt es so viel Ungleichheit?« Mit meiner Antwort war … nicht einmal ich zufrieden. Insofern hoffe ich, du erlaubst mir, dass ich es noch einmal versuche, und diesmal habe ich eine eigene Frage.

künstlerisches Bild
fresh money %, ©Michael Paul

Du lebst in Sydney, und deshalb gibt es in deiner Schule viele Unterrichtsstunden und Veranstaltungen zu den Aborigines – über das Unrecht, das man ihnen zugefügt hat, über ihre Kultur, die die britischen weißen Kolonialherren zwei Jahrhunderte lang mit Füßen getreten haben, über die Armut, in der sie empörenderweise heute noch leben. Hast du dich aber jemals gefragt, wieso die Briten in Australien eingefallen sind und den Aborigines ohne weitere Umstände das Land geraubt haben (und sie im Grunde damit vernichtet haben) und wieso sich nicht das Umgekehrte abgespielt hat? Wieso sind nicht Aborigines-Krieger in Dover gelandet und schnell nach London vorgedrungen und haben dabei jeden Engländer umgebracht, der sich ihnen zu widersetzen wagte?

Ich wette, in deiner Schule hat kein Lehrer an so eine Frage auch nur zu denken gewagt. Die Frage ist aber wichtig. Wenn wir sie nicht ausführlich beantworten, laufen wir Gefahr, gedankenlos zu akzeptieren, dass die Europäer letztlich klüger und fähiger waren. Das umgekehrte Argument, dass die australischen Aborigines bessere Menschen waren und deshalb nicht selbst zu herzlosen Kolonialisten geworden sind, ist nicht überzeugend. Der einzige Weg, das zu beweisen, hätte vorausgesetzt, dass sie imstande waren, große Ozeanschiffe zu bauen, und auch die nötigen Waffen und die Kraft hatten, die englische Küste zu erreichen und das britische Heer zu schlagen, und dass sie sich trotzdem entschlossen hätten, die Engländer nicht zu versklaven und ihnen auch nicht in Sussex, Surrey und Kent ihr Land wegzunehmen.

Insofern bleibt die Frage weiter zentral: Warum gibt es so viel Ungleichheit zwischen den Völkern? Sind manche Völker klüger als andere? Oder gibt es vielleicht etwas anderes, was nichts mit Abstammung oder menschlicher DNA zu tun hat, als Erklärung dafür, dass du in den Straßen deiner Stadt nie die Armut gesehen hast, die dir auf einer Reise durch Thailand begegnen würde?

Märkte sind nicht dasselbe wie Wirtschaft

In der Gesellschaft, in der du aufwächst, herrscht die irrige Meinung, dass Wirtschaft und Märkte dasselbe seien. Aber was genau sind denn Märkte? Sie sind eine Sphäre des Austauschs. Im Supermarkt füllt man den Einkaufswagen mit Gegenständen und »tauscht« sie gegen Geld, das später gegen andere Dinge eingetauscht wird, die derjenige haben will, der es einnimmt. Das kann der Besitzer des Supermarkts sein, der Mitarbeiter im Supermarkt, der von dem Geld seinen Lohn bekommt, das wir an der Kasse bezahlen, und so weiter.

Wenn es kein Geld gäbe, müssten wir dem Verkäufer andere Güter überlassen, die für ihn wichtig sind. Deshalb sage ich, der Markt ist der Ort, an dem der Tauschverkehr stattfindet. Und dieser Ort kann mittlerweile auch digital sein – wie zum Beispiel dann, wenn du mich dazu bringst, dir Apps bei iTunes oder Bücher von Amazon zu beschaffen. Ich sage das, weil die Menschen schon Märkte hatten, als sie noch auf den Bäumen lebten, bevor wir den Ackerbau entdeckten.

Wenn einer unserer Vorfahren einem anderen eine Banane anbot und dafür einen Apfel wollte, war das eine Form des Austauschs; ein unvollkommener Markt, bei dem eine Banane den Preis für einen Apfel darstellte und umgekehrt. Aber es war keine richtige Wirtschaft. Damit eine richtige Wirtschaft zustande kam, war etwas Weiteres nötig: dass die Menschen zu produzieren anfingen, anstatt einfach nur Tiere zu jagen, Fische zu fangen und Bananen zu pflücken.

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fresh money %, ©Michael Paul

Zwei große Sprünge nach vorne: Sprache und Überschuss

Vor ungefähr 82 000 Jahren machten die Menschen den ersten großen Sprung nach vorne: Es gelang ihnen, die Stimmbänder so einzusetzen, dass sie nicht nur unartikulierte Schreie von sich gaben, sondern eine Sprache. 70 000 Jahre später (also vor etwa 12 000 Jahren) machten sie den zweiten großen Sprung: Es gelang ihnen, den Boden zu kultivieren.

Die Sprache und die Fähigkeit, Nahrung zu produzieren, statt nur zu schreien und das zu verzehren, was uns die Natur bot (Wildtiere, Nüsse oder Früchte), haben das hervorgebracht, was wir Wirtschaft nennen. Heute, 12 000 Jahre nach der »Erfindung« der menschlichen Fähigkeit, die Erde zu kultivieren, haben wir allen Grund, diesen Augenblick wirklich historisch zu nennen: Es gelang dem Menschen zum ersten Mal, sich nicht auf die Großzügigkeit der Natur zu verlassen, sondern er lernte, sie unter Mühen dazu zu bringen, für ihn Güter zu produzieren.

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fish are more important than charts, ©Michael Paul

War das ein Augenblick der Freude und Begeisterung? Auf gar keinen Fall ! Der einzige Grund, weshalb die Menschen gelernt haben, die Erde zu bestellen, war der Hunger. Nachdem sie durch ihre findigen Jagdmethoden die meisten Wildtiere ausgerottet und sich so stark vermehrt hatten, dass die Früchte der Bäume nicht mehr für sie ausreichten, zwang sie der schiere Hunger, sich Methoden des Ackerbaus auszudenken. Wie bei allen technischen Revolutionen hatten wir auch hier keine bewusste Entscheidung in diese Richtung getroffen.

Die Anbautechnik, die Agrarwirtschaft, sie hatten sich einfach ergeben. Und mit ihr wandelten sich ohne unser ausdrückliches Zutun die menschlichen Gesellschaften. Die landwirtschaftliche Produktion schuf erstmals das wesentliche Element einer echten Wirtschaft: den Überschuss. Aber was ist das? Es ist ein Produkt der Erde, das nicht nur ausreicht, einen zu ernähren und das Saatgut zu ersetzen, das im selben Jahr ausgebracht (und im Jahr davor aufgespart) wurde, sondern das darüber hinausgeht und so eine Vorratshaltung für den späteren Gebrauch erlaubt: zum Beispiel Getreide, das entweder für eine schlechte Zeit – wie etwa bei der Zerstörung der nächsten Ernte durch Hagelschlag – gelagert wird, oder um es als zusätzliche Saat zu benutzen, die im nächsten Jahr in die Erde kommt und auf diese Weise den künftigen Überschuss weiter vermehrt.

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fish are more important than charts, ©Michael Paul

Hier musst du auf zwei Dinge achten. Erstens, dass Jagen und Fischen und das Sammeln von Nüssen und Früchten kaum einen Überschuss hervorbringen konnten, denn die Fische, Hasen und Bananen waren nach kurzer Zeit nicht mehr genießbar oder verfault, im Gegensatz zum haltbaren Getreide, Mais, Reis und der Gerste. Zweitens, dass die Erzeugung von landwirtschaftlichem Überschuss folgende Wunder der Gesellschaft erschuf: Schrift, Schulden, Geld, Staaten, Heere, Priester, Bürokratie, Technik und sogar die erste Form eines biochemischen Krieges. Lass es uns der Reihe nach betrachten …

Yanis Varoufakis, Jahrgang 1961, ist ein griechisch-australischer Wirtschaftswissenschaftler und Autor zahlreicher Buch- und Zeitschriftenpublikationen. Er war Professor für ökonomische Theorie an der Universität von Athen und an der Lyndon B. Johnson School of Public Affairs der Universität in Austin, Texas. Von Januar bis Juli 2015 war er Finanzminister der Regierung unter Alexis Tsipras. Blog: yanisvaroufakis.eu und bei Twitter: @yanisvaroufakis

Vorabdruck mit freundlicher Genehmigung des Hanser Verlags aus: Yanis Varoufakis: Time for Change. Aus dem Griechischen von Birgit Hildebrand. 180 Seiten. Klappenbroschur. € 17,90 (D) / € 18,50 (A). ISBN 978-3-446-44524-6. Erscheinungstermin: 27.07.15, © Carl Hanser Verlag München

Abbildungen: Zeitgeist Serie 4_13 Objekte/Leinwandbilder von Michael Paul, www.michart.de

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Time for Change

Πώς μιλά ο Γιάνης Βαρουφάκης στην κόρη του για την οικονομία

Στις 27/7 θα εκδοθεί νέο βιβλίο του Γιάνη Βαρουφάκη με τίτλο «Time for Change» στα γερμανικά, στο οποίο εξηγεί στην κόρη του την οικονομία. Ίσως δοθεί τώρα σε εμάς τους κουλτουριάρηδες στο επίπεδο αυτό άλλη μια ευκαιρία να κατανοήσουμε τις σχέσεις μεταξύ χρήματος και εξουσίας. Το κείμενο συνοδεύεται από απεικονίσεις του καλλιτέχνη Michael Paul από το Κρόιτσμπεργκ του Βερολίνου. Στη σειρά «το πνεύμα των καιρών» έκανε τις σκέψεις του σχετικά με όρους όπως χρηματιστήριο, μέτρα διάσωσης και ανάπτυξη.

Αναζωογονητικός και άβολος διανοητής – ή νεκροθάφτης του ευρώ; Ο Γιάνης Βαρουφάκης, πρώην υπουργός οικονομικών της Ελλάδας, αντιπροσωπεύει θέσεις που είναι αντικείμενο αντιμαχόμενων συζητήσεων – όπως και το ντύσιμό του. Σε άνετες εμφανίσεις εξηγεί τον κόσμο και μιλάει με σαφήνεια, εκεί όπου οι άλλοι παράγουν μόνο κούφια λόγια. Πολλούς τους αγγίζει, για άλλους είναι ο διάβολος προσωποποιημένος. Ποιός είναι πραγματικά και ποιά είναι η κινητήριά του δύναμη;

Ο Βαρουφάκης είναι γνωστός για την ικανότητά του να συνδυάζει οικονομικά θέματα με την ιστορία της αποικιοκρατίας, με τις ταινίες The Matrix και με την τρέχουσα επικαιρότητα. Με το βιβλίο του θέλει να ξυπνήσει το ενδιαφέρον για την οικονομία και εναντιώνεται –ως ένθερμος υποστηρικτής του ατόμου– σε μια οικονομία της καταπίεσης.

Buchcover: Varoufakis, Time for Change

Πρόλογος της ελληνικής έκδοσης

Το βιβλίο αυτό οφείλεται στην πρόσκληση της Έλενας Πατάκη να γράψω ένα κείμενο περί οικονομίας που θα απευθυνόταν σε εφήβους. Πάντα θεωρούσα ότι, αν δεν μπορείς να εξηγήσεις τα μεγάλα οικονομικά ζητήματα σε μια γλώσσα που να μπορούν να την καταλάβουν οι έφηβοι, αυτό απλώς σημαίνει ότι δεν τα καταλαβαίνεις ο ίδιος. Σε μια εποχή μάλιστα που η οικονομική κρίση έχει αναγάγει το «οικονομικό πρόβλημα» στο μείζον θέμα όλων των ανησυχιών και των συζητήσεων, πολώνοντας την κοινωνία μας, η πρόσκληση της Έλενας ήταν δελεαστική.

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fresh money %, ©Michael Paul

«Θα καταφέρω να γράψω ένα τέτοιο κείμενο;» αναρωτήθηκα. Κι αν τα καταφέρω, θα φανεί χρήσιμο σε άλλους αναγνώστες, συμπεριλαμβανομένης της Δανάης Στράτου, της συντρόφου μου, και του Νικόλα και της Εσμεράλντας Μομφερράτου, των παιδιών της, που θα ήθελα να το διαβάσουν; Οι επόμενες σελίδες θα δείξουν αν τα κατάφερα ή όχι. Η απόφασή μου να αποδεχθώ την πρόσκληση της Έλενας είχε κι ένα άλλο κίνητρο.

fresh money%, ©Michael Paul

Η κόρη μου, στην οποία απευθύνω τις σκέψεις που ακολουθούν, είναι για μένα μια σχεδόν μόνιμη απουσία – καθώς ζει στην Αυστραλία, με αποτέλεσμα είτε να μην είμαστε μαζί (και να μετράμε μέρες έως ότου ξαναβρεθούμε) είτε να είμαστε μαζί και να μετράμε μέρες μέχρι τον επόμενο αποχωρισμό. Οπότε, όσο έγραφα το ακόλουθο κείμενο και σκεφτόμουν τις αντιδράσεις της σε κάθε μου λέξη, ένιωθα ότι ήμουν συνέχεια κοντά της. Το γεγονός ότι είναι ο πιο σκληρός κριτής μου ελπίζω να με βοήθησε να γράψω πιο καθαρά, χωρίς περικοκλάδες, αμεσότερα. Κι η σκέψη ότι αυτό το βιβλίο μπορεί να της δώσει κίνητρο να βελτιώσει τα ελληνικά της (καθώς δε θα γραφτεί ποτέ στα αγγλικά) μου δίνει ακόμα μεγαλύτερη χαρά.

Ως προς το περιεχόμενο, αποφάσισα να μην εστιάσω στην ελληνική καθημερινότητα των τελευταίων θλιβερών ετών – στα μνημόνια, στη φτώχεια, στην αναξιοπρέπεια που ζούμε από το 2010. Αντίθετα, εστιάζω στα μεγάλα ζητήματα της κοινωνικής οικονομίας που αγγίζουν όλους τους ανθρώπους, παντού, αλλά με τρόπο που όποιος αναγνώστης θέλει μπορεί να χρησιμοποιήσει ώστε να δει με διαφορετικό μάτι την πρόσφατη κατάρρευση της κοινωνικής μας οικονομίας, καθώς και τους λόγους για τους οποίους οι κρατούντες αρνούνται πεισματικά να λάβουν τις αποφάσεις που θα έφερναν τη λύτρωση των κοινωνιών μας στην Ευρώπη, στην Ελλάδα, στον κόσμο όλον.

Zwerg mit Wachstum Schild
Zwerg Wachstum, ©Michael Paul

1. ΓΙΑΤΙ ΤΟΣΗ ΑΝΙΣΟΤΗΤΑ;

Γιατί δεν εισέβαλαν οι Αβορίγινες της Αυστραλίας στην Αγγλία;

Όλα τα μωρά γεννιούνται το ίδιο γυμνά. Όμως πολύ σύντομα μερικά από αυτά περιτυλίγονται με πανάκριβα ρουχαλάκια, αγορασμένα στις καλύτερες μπουτίκ, ενώ η πλειονότητα ντύνεται με κουρέλια. Όταν μεγαλώσουν κάπως, τα μεν ξινίζουν τα μούτρα τους κάθε φορά που συγγενείς και νονοί τούς φέρνουν κι άλλα ρούχα (καθώς τα ίδια προτιμούν άλλου είδους δώρα), τα δε ονειρεύονται τη μέρα που ίσως πάνε στο σχολείο με παπούτσια χωρίς τρύπες. Αυτή είναι η μία πλευρά της ανισότητας που καθορίζει τον κόσμο μας.

Μπορεί να ακούς γι’ αυτή την ανισότητα αλλά δεν τη βλέπεις μπροστά σου, καθώς, κακά τα ψέματα, στο σχολείο στο οποίο σε στέλνουμε δεν πηγαίνουν παιδιά καταδικασμένα, όπως η συντριπτική πλειονότητα των παιδιών του κόσμου, σε μια ζωή στερήσεων, ακόμη και βίας. Ξέρω όμως ότι γνωρίζεις, τουλάχιστον θεωρητικά, πως τα περισσότερα παιδιά του κόσμου δεν είναι σαν εσένα και τους συμμαθητές σου. Πρόσφατα με ρώτησες: «Γιατί τόση ανισότητα;» Η απάντησή μου δεν ικανοποίησε ούτε… εμένα τον ίδιο. Οπότε, ελπίζω να μου επιτρέψεις να ξαναπροσπαθήσω, αυτήν τη φορά θέτοντας μια δική μου ερώτηση.

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fresh money %, ©Michael Paul

Καθώς ζεις και μεγαλώνεις στην Αυστραλία, στο σχολείο σου στο Σίδνεϊ έχεις παρακολουθήσει πολλές εκδηλώσεις και μαθήματα για τους Αβορίγινες – για τις αδικίες που έγιναν εις βάρος τους, για την κουλτούρα τους, την οποία οι λευκοί Βρετανοί αποικιοκράτες ποδοπάτησαν για δύο αιώνες, για τη φτώχεια στην οποία, σκανδαλωδώς, ζουν ακόμα. Αναρωτήθηκες όμως ποτέ γιατί εισέβαλαν οι Βρετανοί στην Αυστραλία, αρπάζοντας με το έτσι θέλω τη γη των Αβοριγίνων (ουσιαστικά αφανίζοντάς τους), αντί να γίνει το αντίθετο; Γιατί δεν αποβιβάστηκαν οι Αβορίγινες πολεμιστές στο Ντόβερ, προωθούμενοι γρήγορα στο Λονδίνο και δολοφονώντας όποιον Άγγλο τολμούσε να τους αντισταθεί;

Πάω στοίχημα ότι στο σχολείο σου κανείς δάσκαλος δεν τόλμησε καν να σκεφτεί αυτό το ερώτημα. Αυτό όμως το ερώτημα είναι σημαντικό. Αν δεν το απαντήσουμε διεξοδικά, κινδυνεύουμε να αποδεχθούμε, χωρίς σκέψη, ότι οι Ευρωπαίοι ήταν, εν τέλει, πιο έξυπνοι και πιο ικανοί. Το αντίθετο επιχείρημα, ότι οι Αβορίγινες της Αυστραλίας ήταν καλύτεροι άνθρωποι, και γι’ αυτό δεν έγιναν οι ίδιοι στυγνοί αποικιοκράτες, δεν πείθει, καθώς ο μόνος τρόπος να επιβεβαιωθεί θα ήταν αν έφτιαχναν μεγάλα ποντοπόρα πλοία, αποκτούσαν τα όπλα και την ισχύ να φτάσουν στα παράλια της Αγγλίας και να κατατροπώσουν τον αγγλικό στρατό αλλά, παρ’ όλα αυτά, επέλεγαν να μην υποδουλώσουν τους Άγγλους ούτε και να αρπάξουν τη γη τους στο Σάσεξ, στο Σάρεϊ, στο Κεντ.

Οπότε το ερώτημα παραμένει ισχυρό: Γιατί τέτοια ανισότητα μεταξύ λαών; Μήπως κάποιοι λαοί είναι πιο έξυπνοι από άλλους λαούς; Ή μήπως κάτι άλλο, κάτι που δεν έχει σχέση με την καταγωγή ή το DNA των ανθρώπων, εξηγεί το ότι στους δρόμους της πόλης σου δεν είχες δει ποτέ τη φτώχεια που αντίκρισες όταν περπατούσες στην Ταϊλάνδη;

Άλλο αγορές κι άλλο οικονομία

Στην κοινωνία όπου μεγαλώνεις κυριαρχεί η λανθασμένη άποψη ότι οικονομία ίσον αγορές. Τι ακριβώς είναι οι αγορές; Οι αγορές είναι η σφαίρα της ανταλλαγής. Στο σουπερμάρκετ γεμίζουμε το καρότσι μας με πράγματα και τα «ανταλλάσσουμε» με χρήμα το οποίο μετά ανταλλάσσεται με άλλα πράγματα που θέλει αυτός που το εισπράττει (ο ιδιοκτήτης του σουπερμάρκετ, ο εργαζόμενος στο σουπερμάρκετ, ο οποίος πληρώνεται από τα χρήματα που πληρώνουμε στο ταμείο κτλ.).

Αν δεν υπήρχε το χρήμα, θα δίναμε στον πωλητή άλλα αγαθά, που εκείνος θα ήθελε. Να λοιπόν γιατί σου λέω ότι η αγορά είναι το μέρος όπου γίνονται ανταλλαγές. Αυτό το μέρος μάλιστα, στις μέρες μας, μπορεί να είναι και ψηφιακό – όπως π.χ. όταν με βάζεις να σου αγοράζω apps από το iTunes ή βιβλία από την Amazon. Σ’ τα λέω αυτά γιατί αγορές είχαμε κι όταν ζούσαμε πάνω στα δέντρα, προτού ανακαλύψουμε τις αγροτικές καλλιέργειες.

Όταν ένας πρόγονός μας πρόσφερε μια μπανάνα ζητώντας από τον άλλο ένα μήλο, είχαμε μια μορφή ανταλλαγής· μια υποτυπώδη αγορά όπου η τιμή του ενός μήλου ήταν μια μπανάνα και τανάπαλιν. Όμως αυτό δεν ήταν μια πραγματική οικονομία. Για να δημιουργηθεί μια πραγματική οικονομία, χρειαζόταν κάτι παραπάνω: χρειαζόταν να αρχίσουμε να παράγουμε, αντί απλώς να κυνηγάμε ζώα, να ψαρεύουμε ψάρια ή να μαζεύουμε μπανάνες.

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fresh money %, ©Michael Paul

Δύο Μεγάλα Άλματα: Λόγος και Πλεόνασμα

Πριν από περίπου ογδόντα δύο χιλιάδες χρόνια οι άνθρωποι κάναμε το Πρώτο Μέγα Άλμα: καταφέραμε να χρησιμοποιήσουμε τις φωνητικές μας χορδές για να αρθρώσουμε, όχι απλώς άναρθρες κραυγές, αλλά λόγο. Εβδομήντα χιλιάδες χρόνια αργότερα (δηλαδή πριν από δώδεκα περίπου χιλιετίες), κάναμε το Δεύτερο Μέγα Άλμα: καταφέραμε να καλλιεργήσουμε τη γη.

Ο λόγος και η δυνατότητα να παράγουμε τροφή, αντί απλώς να φωνάζουμε και να καταναλώνουμε αυτά που μας παρείχε η φύση (θηράματα και καρπούς ή φρούτα), γέννησαν αυτό που λέμε οικονομία. Σήμερα, δώδεκα χιλιάδες χρόνια μετά την «εφεύρεση» της δυνατότητας του ανθρώπου να καλλιεργεί τη γη, έχουμε κάθε λόγο να θεωρούμε τη στιγμή εκείνη πραγματικά ιστορική: ο άνθρωπος κατάφερε, για πρώτη φορά, να μη βασίζεται στη γενναιοδωρία της φύσης αλλά έμαθε να την κάνει, με το ζόρι, να παράγει αγαθά γι’ αυτόν.

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fish are more important than charts, ©Michael Paul

Ήταν μια στιγμή χαράς και ανάτασης; Σε καμία περίπτωση! Ο μόνος λόγος που οι άνθρωποι έμαθαν να καλλιεργούν το χώμα ήταν επειδή πείναγαν. Έχοντας εξολοθρεύσει τα περισσότερα θηράματα, χάρη στην εξυπνάδα με την οποία τα κυνηγούσαν, και έχοντας πληθύνει τόσο που οι καρποί των δέντρων δεν τους αρκούσαν, οι άνθρωποι αναγκάστηκαν από την πείνα τους να σκαρφιστούν μεθόδους καλλιέργειας της γης. Όπως όλες τις τεχνολογικές επαναστάσεις, ούτε αυτήν επιλέξαμε να την… κάνουμε.

Η τεχνολογία των καλλιεργειών, της αγροτικής οικονομίας, μας… προέκυψε. Μαζί με αυτήν, χωρίς να το προσπαθήσουμε, άλλαξαν οι ανθρώπινες κοινωνίες. Για πρώτη φορά η αγροτική παραγωγή δημιούργησε το βασικό στοιχείο μιας πραγματικής οικονομίας: το πλεόνασμα. Τι είναι αυτό; Είναι το προϊόν της γης που όχι μόνο αρκεί για να τραφούμε και να αντικαταστήσουμε τους σπόρους που χρησιμοποιήσαμε φέτος (τους οποίους είχαμε «αποταμιεύσει» πέρσι), αλλά που περισσεύει κιόλας, επιτρέποντας τη συσσώρευσή τους για μελλοντική χρήση· π.χ. σιτηρά που έχουμε αποθηκεύσει είτε για μια κακή στιγμή (όπως για την περίπτωση της καταστροφής της επόμενης σοδειάς από χαλάζι) είτε για να χρησιμοποιηθούν ως επιπλέον καρπός που θα φυτευτεί την επόμενη χρονιά αυξάνοντας το μελλοντικό πλεόνασμα.

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fish are more important than charts, ©Michael Paul

Δύο πράγματα πρέπει να προσέξεις εδώ. Πρώτον, ότι το κυνήγι, το ψάρεμα και η συγκομιδή καρπών και φρούτων δύσκολα μπορούσαν να δημιουργήσουν πλεόνασμα, καθώς τα ψάρια, οι λαγοί και οι μπανάνες μετά από λίγο χάλαγαν ή σάπιζαν (αντίθετα με τα σιτηρά, το καλαμπόκι, το ρύζι, το κριθάρι, που διατηρούνταν). Δεύτερον, ότι η παραγωγή αγροτικού πλεονάσματος γέννησε τα εξής θαύματα της κοινωνίας: γραφή, χρέος, χρήμα, κράτη, στρατούς, ιερατεία, γραφειοκρατία, τεχνολογία, ακόμα και την πρώτη μορφή βιοχημικού πολέμου. Ας τα πάρουμε ένα ένα…

Ο Γιάνης Βαρουφάκης, γενν. το 1961, είναι ένας Ελληνοαυστραλός οικονομολόγος και συγγραφέας πολυάριθμων βιβλίων και άρθρων για περιοδικές εκδόσεις. Διετέλεσε καθηγητής της οικονομικής θεωρίας στο Πανεπιστήμιο Αθηνών και στη σχολή Lyndon B. Johnson School of Public Affairs του Πανεπιστημίου του Όστιν, Τέξας. Από τον Ιανουάριο μέχρι τον Ιούλιο του 2015 διετέλεσε υπουργός οικονομικών στην κυβέρνηση Αλέξη Τσίπρα. Blog: yanisvaroufakis.eu και twitter: @yanisvaroufakis

Απόσπασμα από το βιβλίο με ευγενική παραχώρηση των εκδόσεων Πατάκη: Γιάνης Βαρουφάκης, Μιλώντας στην κόρη μου για την οικονομία. Αθήνα, Εκδ. Πατάκη 2014, εδώ εκδ. 2015.

Εικονογράφηση: Το πνεύμα των καιρών, σειρά 4_13 του Michael Paul, www.michart.de

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