Rotkäppchen Reloaded

Aufführung nach Lena Kitsopoulous Stück in Berlin

3. und 4. Juni 2017: Die Theatergruppe ithAKT unter der Leitung von Elena Socratous zeigt ihre neueste Produktion „Rotkäppchen Reloaded“ nach einem Stück von Lena Kitsopoulou im Berliner Theater „Expedition Metropolis“, in griechischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

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Die im November 2012 gegründete Theatergruppe ithAKT besteht aus jungen Berliner Griechen, die unterschiedliche Kunstrichtungen repräsentieren und interdisziplinär arbeiten. So entfaltet die Gruppe ihre Tätigkeit auf dem gesamten Gebiet der darstellenden Künste – in der Bühnenkunst wie Theater, Tanz und Performance, aber auch im Bereich Film, Musik und bildender Kunst.

Das erste interdisziplinäre Projekt mit dem Titel Migronauten feierte 2013 in Berlin Premiere. Dabei handelte es sich um eine experimentelle Bühnencollage, die unter Mitwirkung von Fotografen, Malern, Musikern, Schauspielern und Regisseuren entstanden war. Sie zeigte die kleinen und großen Träume, aber auch die Enttäuschungen im Leben griechischer WG-Bewohner in Berlin. Mit dieser Aufführung ging ithAKT im Jahr 2014 auf Tournee durch mehrere deutsche Städte.

Die neueste Arbeit der Gruppe, Rotkäppchen Reloaded, basiert auf einem Stück der griechischen Autorin Lena Kitsopoulou. Diese spannende zeitgenössische Dramatikerin erinnert mit ihrem Stil an das britische „In-Yer-Face-Theater“, das etwa von Sarah Kane und Mark Ravenhill repräsentiert wird, wobei schockierende und teils vulgäre Stoffe auf die Bühne gebracht werden. Kitsopoulou platziert spezielle Merkmale der griechischen Gesellschaft in ein kultiges Umfeld.

Im konkreten Stück wird das bekannte Grimmsche Märchen als Ausgangspunkt genommen, um unseren, sich eintönig wiederholenden Alltag zu beschreiben. Rotkäppchen hat sich von der Rolle des gehorsamen Mädchens befreit. Aus lauter Langeweile versucht sie, ihre Mutter zu überreden, das Märchen zu verändern, damit daraus etwas Unvorhergesehenes entstehen kann. Über das Personal des Rotkäppchen-Stoffes wie Jäger, Großmutter und Wolf hinaus tauchen noch weitere Märchenfiguren wie Aschenputtel und Schneewittchen auf sowie „real existierende„ Personen: ein Bühnentechniker, ein Arzt, eine Platzanweiserin und die Erzählerin.

Die Protagonisten verweigern dem Publikum die übliche didaktische Botschaft des Märchens, sondern sie de-konstruieren ihre alten, konventionellen Identitäten und konstruieren sich neue, die auf modernen sozialen Verhaltensweisen basieren. So stellen sie sich der Frage, inwiefern sie bereit sind, die von ihnen selbst angestrebten Veränderungen zu akzeptieren. Oder sie fragen sich, ob Alltag und Gewohnheiten nicht doch bessere Überlebensbedingungen bieten. Obwohl man sich in angespannter Atmosphäre einen ernsthaften Anschein gibt, sind die Hauptfiguren doch allzeit bereit, „die Sau rauszulassen“, indem sie Zeibekiko tanzen, und sich selbst auf die Schippe zu nehmen, indem sie die Theaterkonventionen hinterfragen.

Der einzige Schauplatz des Stücks ist die Küche der Wohnung, die sich langsam in einen „Pseudo-Wald“ verwandelt. Sexuelle Anspielungen, Gewaltszenen, Blut, die vulgäre Sprache und die extreme Eitelkeit der Protagonisten kritisieren zum einen den friedvollen Märchencharakter, zum anderen kommentieren sie die Rolle der zeitgenössischen kleinbürgerlichen Familie. Denn genau aus deren Schoß sind in den letzten Jahrzehnten einige Ungeheuer gekrochen. Dort gab man sich Selbsttäuschungen über das „erfolgreiche Leben“ hin, während man sich tatsächlich in einem permanenten Krisenmodus befand.

Die Aufführung verbindet Provokation und Erkenntnis. Sie richtet sich sowohl an ein griechischsprachiges als auch (mithilfe die Übertitelung) an ein deutschsprachiges Publikum. Dem Publikum soll ein Beispiel zeitgenössischer Dramatik aus Griechenland nahegebracht und gleichzeitig ein Bezug zu den Problemen des multikulturellen Berlin hergestellt werden. Was bedeuten Alltag, Richtungswechsel und Neuorientierung? Was bedeutet der ständige Wandel in unserem Leben?

Ein weiterer Bezugspunkt ergibt sich aus dem Datum der Aufführung am 3. und 4. Juni 2017 während des Karnevals der Kulturen. Dabei werden jeweils zwei Vorstellungen pro Tag im Kreuzberger Theater „Expedition Metropolis“ gezeigt. Während des Karnevals schlagen Veranstaltungen, an denen unzählige Künstler und Besucher teilnehmen, eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Kulturen.

Die Theatergruppe ithAKT wurde von der zyprischen Regisseurin Elena Socratous ins Leben gerufen, die seit 7 Jahren in Berlin aktiv ist. Sie hat Theaterwissenschaften an der Aristoteles-Universität Thessaloniki studiert und arbeitet zurzeit an ihrer Dissertation an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen. Sie hat mehrere, in Deutschland, Griechenland und Zypern gezeigte Theaterstücke inszeniert. Mehr Infos unter: www.elenasocratous.com.

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Infos zur Theatervorstellung:

Datum: 3. und 4. Juni 2017, jeweils 18.00 und 21.00 Uhr
Ort: Theater Expedition Metropolis, Ohlauer Str. 41, 10999 Berlin
In griechischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Eintritt auf freiwilliger Basis zwischen 5 und 10 Euro
Reservierungen: elena-soc@hotmail.com, 017682293987, 017680532060.

Regie: Elena Socratous. Bühnenbild/Kostüme: I. Pappas. Bewegung-Stimme: Despoina Kapetanaki. Licht: Elvis-Stefanos Mako, Elena Karakitsou. Musik-Ton: Michalis Fotopoulos. Regieassistent: Thomas Chatzis. Video-Foto: Papagiotis Paschalidis. Grafik: Petros Zavrakas. Koordination: Maria Skarkala. Presse: Michalis Georgiou.

Es spielen: Christina Damianaki, Chrysa Emmanoilidou, Thelma Georgiou, Dantis Kotsinas, Elvis-Stefanos Mako, Panagiotis Paschalidis, Giorgos Psachoulias, Maria Sventeriki, Thomas Chatzis, Petros Zavrakas.

Unterstützt von: Ministerium für digitale Politik, Telekommunikation und Nachrichten, Generaldirektion für Medien und Kommunikation, Abt. für Presse und Kommunikation – Griechische Botschaft Berlin.

Text: ithAKT. Übersetzung: Michaela Prinzinger. Fotos: Panagiotis Paschalidis.

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