Am Bildschirm Licht

Deutschland-Premiere von Vangelis Hatziyannidis' Jugendstück

Griechisches Jugendtheater in Berlin: Am 19. Februar 2017 hat Vangelis Hatziyannidis´ Stück „Am Bildschirm Licht“ in Anwesenheit des Autors Deutschland-Premiere, übersetzt von Martin Scharnhorst. Bea Persigehl hat die Theatergruppe für diablog.eu bei den Proben am YAS Junges Schlossparktheater in Berlin-Steglitz besucht.

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Dem Autor Vangelis Hatziyannidis kommt das Verdienst zu, als erster Dramatiker in Griechenland ein Jugendstück geschrieben zu haben. Was in Deutschland in den Siebziger-Jahren von Grips & Co. erkämpft wurde und heute als Bildungs- und Unterhaltungsangebot für Jugendliche nicht mehr wegzudenken ist, war in Griechenland bis vor einigen Jahren nicht existent. Erst als das Onassis Cultural Center in Athen Schreibaufträge vergab, kam das Jugendtheater in Bewegung. Hatziyannidis erhielt als erster Dramatiker den Stückauftrag für ein Jugendstück, 2012 wurde „Am Bildschirm Licht“ im Onassis Cultural Center uraufgeführt.

YAS (Youth Adult Stage) ist das Jugendtheater des Schlosspark Theaters in Steglitz. Seit Juli 2015 proben und spielen Schüler, Studenten und junge Erwachsene hier Theaterstücke unter der Leitung des Schauspielers, Theaterpädagogen und Regisseurs Stefan Kleinert. Zuvor hatte dieser bereits mehrere Jahre das JUST (Junges Ensemble des Theater im Palais) geleitet und dort große Erfolge vor allem mit der Inszenierung klassischer Stücke gefeiert.

Für diablog.eu folgte ich einer Einladung Stefan Kleinerts und hatte das Glück, einer Probe der neusten Inszenierung beiwohnen zu dürfen. Auf der Probebühne traf ich die fünf Hauptdarsteller und den Regisseur. Geprobt wurde das Stück „Am Bildschirm Licht“ von Vangelis Hatziyannidis. In der Übersetzung von Martin Scharnhorst hat die deutsche Erstaufführung am 19. Februar 2017 Premiere, zu der auch der Autor anreisen wird.

Fünf Jugendliche besuchen dieselbe Schule. Das Stück zeigt sie auf dem Weg zum Erwachsenwerden, ihr Ringen um Anerkennung und ihre Suche nach Identität. Über ein Geheimnis ihrer Lehrerin, das zu bewahren oder zu verraten sie herausfordert, lernen sie eine Lektion fürs Leben: die Verführbarkeit der Macht und die Verantwortung jedes einzelnen.

Das mit dem Publikumspreis des Heidelberger Stückemarktes 2013 ausgezeichnete Stück wurde von der Theaterleiterin Evangelia Sonntag an das Jugendtheater herangetragen. Auf Grund seiner Aktualität und dem verbindenden Element Schule – dem Mikrokosmos, in dem das Stück angesiedelt ist – war es geradezu wie geschaffen für das Jugendtheater und fand großen Zuspruch bei Regisseur und Darstellern.

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Da die Textvorlage kaum Regieanweisungen vorgibt, war es bei der Erarbeitung besonders notwendig, sich den schwierigen und komplexen Charakteren anzunähern und diese zu analysieren. Dies lässt zudem einen großen Freiraum für Interpretation zu. Auch der Autor, mit dem die Gruppe in Kontakt steht, vertraut dabei auf das Geschick des Regisseurs.

Vier Szenen konnte ich mir an diesem Nachmittag anschauen. Schon dabei zeigte sich, dass der Anspruch sowohl des Regisseur als auch der Schauspieler sehr hoch ist. Sehr professionell wirkte, wie am kleinsten Detail gefeilt wurde, um noch authentischer zu sein. Auffällig ist der ausgeprägte Jugendjargon der Hauptfiguren in Stück, der in der Übersetzung aus dem Griechischen durchkommt. Hier bedarf es des Fingerspitzengefühls von Stefan Kleinert, um die Poesie des Textes zu erhalten und in den Proben entsprechend an deutschsprachige Verhaltensweisen anzupassen. Zu viele kolloquiale Wendungen (man denke an das berühmte „Malaka“) würden den Gesamteindruck trüben. Damit geht man im Deutschen sparsamer um.

Im Stück wird eine Brücke geschlagen zwischen der magischen Verführungskraft der sozialen Medien und dem Kampf um Anerkennung und Liebe in der Lebensrealität. Es geht um Liebe zwischen Schülern, aber auch um Erpressung einer Lehrerin mittels moderner Medien. Ein spannendes Episodenstück ist im Entstehen begriffen und das Ensemble wirkt sehr harmonisch, obwohl es zum ersten Mal in dieser Besetzung zusammen agiert.

Im Gespräch mit den Darstellern im Alter von 17 Jahren bis ins jugendliche Erwachsenalter erzählten sie von der intensiven Arbeit an den Charakteren, die zum Teil sehr gegensätzlich zur eigenen Person sind. Und immer wieder kam die Begeisterung zum Durchbruch über die Führung und Anleitung des Regisseurs, der es mit seiner ruhigen Art schafft, die verschiedensten Facetten der Figuren herauszuarbeiten und den Jugendlichen zu helfen, den eigenen hohen Ansprüchen zu genügen.

Deutschsprachige Erstaufführung (Übersetzung von Martin Scharnhorst): 19. Februar 2017, 18.00 Uhr, Schlosspark Theater, Berlin

Regie: Stefan Kleinert

Mit Lasse Möbus, Ilker Meric, Johannes Hallervorden, Carolin von der Heydt, Marlene Wessel, Daniel Wobetzky & Christian Hartmann

Weitere Vorstellungstermine:
 26.03. und 23.04.17, 11.00 Uhr – sowie auf Anfrage für Schulklassen und interessierte Gruppen.

Tickets finden Sie hier: http://schlosspark-theater.de

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Vangelis Hatziyannidis, ©Theaterverlag Hofmann-Paul

Vangelis Hatziyannidis

ist Dramatiker und Romanautor und wurde 1967 in Serres, Nordgriechenland geboren. Er studierte Jura an der Universität von Athen und Schauspiel an der Veakis Schauspielschule. Einige Jahre war er als Schauspieler auf griechischen Bühnen tätig. Er lebt in Athen und auf der Insel Paros.

Sein erstes Buch, ein Roman mit dem Titel „Die vier Wände“, wurde im Jahr 2000 bei der Edition „To Rodakio“ veröffentlicht und mit dem „Diavazo-Preis 2001 für den besten Debütroman“ ausgezeichnet. „Die vier Wände“ wurde ins Italienische, Spanische, Französische, Englische und Portugiesische übersetzt. In Frankreich gewann das Buch den „Laure Bataillon-Preis für den besten übersetzten Roman des Jahres“. Die englische Übersetzung kam in die engere Auswahl für den „Unabhängigen Preis ausländischer Erzählungen“.

Es folgten weitere Romane „Der Gast“ (2004), „Stolen Time“ (2007) und der Erzählband „Natürliche Geschichten“ (2006). Seine Werke wurden auf Englisch, Spanisch und Italienisch veröffentlicht. Sein neuester Roman „Die schwache Spur“ bekam 2013 den Preis der Literaturzeitschrift „Klepsydra“ für den besten Roman des Jahres.

Als Dramatiker debütierte er 2003 mit dem Einakter „Verkleidung“. Es folgten die Stücke „Schlamm“, „Die Puppenfrau“, „Luft“, „Black Box“ und das erste griechische Jugendstück „Am Bildschirm Licht“, die alle auf großen griechischen Bühnen uraufgeführt wurden. Für 2018 ist von ihm ein Opern-Libretto für das Nationaltheater in Athen geplant. Von seinen Stücken wurde „Am Bildschirm Licht“ 2012 mit dem Publikumspreis des renommierten Heidelberger Stückemarktes ausgezeichnet.

Die Stücke „Die Puppenfrau“, „Am Bildschirm Licht“ und „Black Box“ liegen in der deutschen Übersetzung vor und werden vom Theaterverlag Hofmann-Paul vertreten.

Weitere Veröffentlichung auf diablog.eu zum Thema: Die Puppenfrau, Theatermonolog von Vangelis Hatziyannidis.

Text: Bea Persigehl. Fotos: Theaterverlag Hofmann-Paul, Sophie Persigehl.

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