Syn_Energy zieht von Berlin nach Athen

2. April 2019: Lyriksymposium im Goethe Institut

2. April 2019: Syn_Energy, das griechisch-deutsche Literatursymposium, zieht von der Berliner Lettrétage ins Goethe Institut Athen. Beteiligte vom letzten Oktober und neue Gesichter werfen einen frischen Blick auf die jüngste Lyrikproduktion, die aufgrund ihrer besonderen, knappen Form in Zeiten der Digitalisierung in beiden Sprachräumen eine neue Rolle erhält. diablog.eu erwartet Sie zum Kennenlernen, Meinungsaustausch und Netzwerken! Lesen Sie zur Veranstaltung vom letzten Jahr den Artikel von Thomas Plaul, die ausführliche Dokumentierung der Tagung finden Sie hier: www.syn-energy.lettretage.de.

Gegenwartslyrik – eine Kunst für die Nische oder eine Literatursparte mit neuen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten?
Formate wie Poetry Slam, Performancekunst, digitalisierte Lyrik und experimentelle Grenzüberschreitungen zu Bildender und Darstellender Kunst zeigen deutlich: die Literaturform Lyrik hat ein beeindruckendes Entwicklungspotential.

Lyrikerinnen und Lyriker, Verleger*innen und Übersetzer*innen aus Deutschland und Griechenland treten während dieses eintägigen Symposiums in den Dialog. Im Anschluss an zwei Podiumsdiskussionen hat das Publikum die Gelegenheit, Lyrik live zu erleben, in unterschiedlichen Formaten, in beiden Sprachen.

Syn-Energy Athen-Berlin ist eine Fortsetzung des griechisch-deutschen Literaturfestivals (17. bis 21. Oktober 2018), ein Projekt von Diablog Vision und der Berliner Lettrétage, welches vom Hauptstadtkulturfonds und der Stavros Niarchos Foundation gefördert wurde.

Bilder der Teilnehmer*innen vom Oktober 2017, die auch in Athen wieder dabei sein werden:

  • frau mit mikrofon andrea schmidt
    Andrea Schmidt, ©Nelly Tragousti

DAS PROGRAMM

Syn-Energy Athen – Berlin, 2. April 2019
Topos Poesie X2

Begrüßung – Einführung
15:30-16:00

Panel 1: #Insta_Poesie
16:00-17:00

Brauchen wir noch Gedichte im digitalen Zeitalter? Offensichtlich ja, denn im Netz machen sich Lyrikbegeisterte weltweit die neuen technischen Möglichkeiten zunutze, um weitere Räume für die Lyrik zu erobern. Was ändert sich im Verhältnis zwischen Texten, Autor*innen und Leser*innen, wenn neue Schreib-, Darstellungs- und Publikationsformen für ein uraltes Genre ausprobiert werden? Die Panelteilnehmer*innen berichten von kreativen Wegen in Athen und Berlin.

Moderation: Elena Pallantza. Teilnehmer*innen: Andrea Schmidt (DE), Linde Nadiani (DE), Yiannis Baskozos (GR), Nestoras Poulakos (GR)

Panel 2: #Poesie_Live
17:30-18:30

Wie tritt Lyrik aus dem literarischen Schneckenhaus? Die Panelteilnehmer*innen sind ausgewiesene Experten darin, das geschriebene Wort in ein gesprochenes zu verwandeln, es mit Bewegungen, Tanz, Klängen, Bildern und Übersetzungen mehrdimensional zu gestalten, damit aus Leser*innen Zuschauer*innen und Mitmacher*innen werden. Es wird spannend, über einen internationalen Trend und seine deutsch- und griechischsprachigen Formen zu reden!

Moderation: Michaela Prinzinger. Teilnehmer*innen: Dalibor Marković (DE), Martina Hefter (DE), Iana Boukova (GR), Jorgos Kartakis (GR)

Lesungen und Performance
19:30-22:00

Moderation: Danae Sioziou, Teilnehmer*innen: Andrea Schmidt (DE) und Jorgos Kartakis (GR), Dalibor Marković (DE), Martina Hefter (DE), Iana Boukova (GR)

Kulturelle Brückenbauer
Artikel von Thomas Plaul

Mit über 20 Lyrikern, Prosaautoren, Dramatikern, Übersetzern, Wort-Performance-Künstlern, Essayisten und Verlegern aus Griechenland, Zypern, Deutschland, Österreich und der Schweiz fand vom 17. bis 21. Oktober 2018 in der Berliner Lettrétage das griechisch-deutsche Literatursymposium „SYN_ENERGY BERLIN_ATHENS“ statt.

Organisiert hatte die Veranstaltung die bekannte und in Sachen deutsch-griechische Kulturvermittlung äußerst aktive Übersetzerin Michaela Prinzinger mit ihrem Verein „Diablog Vision e.V.“, in Kooperation mit der Kreuzberger Kultureinrichtung Lettrétage und mit Förderung durch den Hauptstadtkulturfonds sowie der Stavros Niarchos Foundation.

Lange Lesenacht

Eröffnet wurde das Symposium mit einer „Langen Lesenacht“, bei der die Symposiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer auf zwei Bühnen des Heimathafens Neukölln Beispiele ihrer ganz unterschiedlichen künstlerischen Arbeit präsentierten. Moderiert wurde dieser Lese- und Performancemarathon u.a. von dem Büchner-Preisträger Jan Wagner.

Was sich dort an verschiedenen dichterischen Ideen und Präsentationsformen dem zahlreich erschienenen Publikum darbot, wurde auf den Podiumsgesprächen an den folgenden Tagen theoretisch unterfüttert: Auf den insgesamt sechs Panels stellten jeweils vier Symposiumsgäste zunächst mit einem kleinen Vortrag ihre literarischen Konzepte vor, bevor darüber auf dem Podium und auch zusammen mit dem Publikum diskutiert wurde. Dabei ging es um eine erstaunliche Bandbreite an Themen, die Panels waren überschrieben mit „Mythen als performativer Akt“, „Rhythmus, Wort, Musik“, „Poetrypolitics“, „Race-Gender-Class“, „Brückenbauer*innen“ und „Schreibpraxen und Präsentationsformen“.

musiker auf buehne floros floridis yorgos dimitriadis

The Grix, Syn_Energy Berlin, ©Nelly Tragousti

Vielfalt an Künstlern …

Die Schar der Künstlerinnen und Künstler war genauso bunt wie die künstlerischen Ansätze und Darbietungen und reichte von den griechischen Lyrikerinnen Phoebe Gianni, Maria Topali und Katerina Iliopoulou über den Verleger des renommierten griechischen Online-Literaturmagazins „O Anagnostis“, Yiannis Baskozos, und die zypriotische Lyrikperformerin Lily Michaelides bis hin zu dem deutsch-griechischen Theatermacher und Schriftsteller Gerasimos Bekas sowie den beiden Spoken-Word-Performern Dominique Macri und Dalibor Markovic, die als „Team Scheller“ 2014 die „Internationalen Deutscher Poetry-Slam Meisterschaften“ gewannen – um nur einige zu nennen!

frau auf leinwand nina rapi

Nina Rapi, Syn_Energy Berlin, ©Nelly Tragousti

… und poetischen Konzepten

Dabei gelang es dem Symposium insgesamt, tiefe Einblicke in die Vielfalt an gegenwärtigen künstlerisch-dichterischen Ausdrucks- und Präsentationsformen sowohl im griechisch- als auch deutschsprachigen Raum zu geben und neue, zumeist auch die digitale Welt integrierende Konzepte versteh- und erlebbar zu machen. Diskutiert wurden neben immanent ästhetischen Fragen – z. B. ob bei den digital gestützten Performances wirklich eine neue ästhetische Formensprache entsteht oder ob es ich bei vielen nicht doch eher um eine Form von (digitaler) Ornamentik handelt – stets auch Fragen der gesellschaftlichen Relevanz solch avantgardistischer Konzeptionen.

frau mit handy maria topali

Maria Topali, Syn-Energy Berlin, ©Nelly Tragousti

Gespannt wird man darauf sein, ob das, was hier begonnen wurde, nämlich Wortkünstlerinnen und -künstler aus den beiden Sprach- und Kulturkreisen in einen Dialog zu bringen, auch fortgeführt wird. Potenzial für weitere Veranstaltungen dieser Art ist jedenfalls mehr als genug vorhanden!

SYN_ENERGY BERLIN_ATHENS Logo

Autor
Thomas Plaul arbeitet als Literaturkritiker und -dozent sowie Radiomoderator und lebt in Frankfurt am Main und Athen. Der Artikel ist ursprünglich auf litrix.de erschienen.

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