Maria Makraki und die Camerata Europaea

Musik als universales Mittel der Verständigung über Grenzen hinweg

Frauen am Dirigentenpult sind immer noch ein ungewöhnlicher Anblick. Das Orchesterensemble Camerata Europaea unter der Leitung von Maria Makraki gastiert anstatt im Frühjahr am 21. November 2020 im Blackmore Musik Theater, Warmbrunner Str. 52, 14193 Berlin. Das zentrale Thema in dieser Saison ist die „Odyssee“, es werden Werke aufgeführt, die diese Thematik auf verschiedenste Weise beleuchten. Beim Berliner Termin kommen Werke von Philipp Glass, Stavros Lantsias, Benjamin Britten und, last but not least, Evanthia Reboutsika zur Aufführung. diablog.eu lässt die aus Kreta stammende Dirigentin zu Wort kommen.

Die Camerata Europaea (CE) gründete sich im Jahre 2005 unter der künstlerischen Leitung von Maria Makraki. Die CA setzt ihre künstlerische Arbeit unter das Zeichen „Europa“ und begreift Musik als universales Mittel der Verständigung über Grenzen hinweg. Sie setzt sich aus einem festen Stamm hochbegabter junger Musiker zusammen, zu dem regelmäßig Solisten und Komponisten aus dem europäischen Ausland eingeladen werden.

diablog.eu lässt die mehrfach preisgekrönte Dirigentin der CA Maria Makraki zu Wort kommen. Seit 2007 leitet sie die CE in Berlin und wirkt auch als Kulturbotschafterin, die sich um die Verbreitung des griechischen Kulturschaffens in Europa bemüht. Dirigentinnen waren lange Zeit eher ungewöhnlich. Mittlerweile gibt es eine steigende Zahl von Frauen am Dirigentenpult. Das sei kaum überraschend, wie Maria Makraki meint, da die Musik und generell die Kunst nicht nur einem Geschlecht vorbehalten sei.

 

Wie entstand Ihre Liebe zur Musik und wie führte sie zu Ihrer Berufswahl?

Mein Musikunterricht begann im Alter von vier Jahren mit dem Klavierspiel. Später wurde mir bewusst, dass ich eine besondere Befriedigung verspürte, wenn ich mein Verständnis von Musik im Dirigieren eines Orchesters zum Ausdruck brachte.

Müssen griechische Kapellmeisterinnen auswandern, um wie Sie Karriere zu machen?

Fest steht, dass eine Dirigentin im Ausland und vor allem im deutschsprachigen Raum bessere Karrieremöglichkeiten hat. Ich hatte das große Glück, als Stipendiatin des Deutschen Musikrates Dirigentenforums mit ausgewählten Orchestern wie dem Münchener, dem Frankfurter, dem Kölner, dem Stuttgarter und dem Berliner Rundfunkorchester zusammenzuarbeiten.

Wie war die Reaktion in Deutschland, als sie dort zum ersten Mal auftraten?

In Deutschland hat man mich vorurteilsfrei unterstützt und mir immer wieder die Chance gegeben, meine künstlerischen Erkundungen voranzutreiben. Die Voraussetzung dafür war harte, zielgerichtete Arbeit.

Seit 2007 sind Sie künstlerische Leiterin der Camerata Europaea in Berlin. Wie schwierig ist es für eine Frau, eine solche Position zu erreichen?

Das ist gewiss schwierig, aber durch harten Einsatz, Engagement, Hingabe und zielgerichtete Strebsamkeit kann man die Gegebenheiten so beeinflussen, dass man seine Träume mit kontinuierlicher und tiefgehender Arbeit verwirklichen kann.

Frau mit Dirigentenstab

Gibt es Maestros, die sie inspirierten?

Vorbilder auf meinem künstlerischen Weg, die mich beeinflusst und geprägt haben, insbesondere in meiner Studienzeit in Berlin, sind zweifellos Claudia Abbado, die Schulen von Herbert von Karajan und Carlos Kleiber.

Viele Dirigenten gelten ihren Musikern gegenüber als Diktatoren. Was ist bei der Zusammenarbeit wichtiger, die persönliche Chemie oder das Durchsetzungsvermögen des Dirigenten?

Die Chemie muss zweifellos stimmen. Unter Durchsetzungsvermögen verstehe sie die gemeinsame und auf natürliche Weise entstandene Akzeptanz einer Grundidee. Diese Akzeptanz ist das Resultat einer geistigen Verarbeitung, die auf Geben und Nehmen beruht.

Was bereitet ihnen als Dirigentin die größte Freude?

Mich fasziniert der kreative Interpretationsprozess eines Orchesterwerks, der zwar mühsam sein kann, aber mich dann, wenn er gelingt, tief bewegt und großen Auftrieb gibt.

Ein Hauptziel Ihres künstlerischen Schaffens liegt in der Entwicklung und Umsetzung innovativer Ideen für die zeitgenössische europäische Musik. Was heißt das in der Praxis?

In erster Linie sollen die anderen Künste mit der Musik in einer komplexeren Sichtweise kombiniert werden. So kann sich beispielsweise die Musik mit der Architektur treffen und insbesondere die zeitgenössische Musik mit den neuen audiovisuellen Medien in Beziehung treten, es können Kompositionsaufträge an zeitgenössische Künstler vergeben werden, die ihre Welturaufführungen an innovativen und experimentierfreudigen Orten präsentieren.

Welches musikalische Werk würden Sie gern aufführen?

Es gibt viele Werke und Zyklen, die ich in Zukunft präsentieren möchte. Dabei setze ich mir das Ziel, andere Künste mit der Musik in einer komplexeren Sichtweise zu verknüpfen, wie jetzt mit der „Odyssee“.

Ihr Standort ist Berlin. Was sind die neuen Horizonte, die sich in der deutschen Hauptstadt eröffnen?

Berlin ist eine schnelle, intensive Stadt, die viele Kulturen zu einem breiten Austausch von Ideen und Künsten zusammenführt. Kunst braucht Pluralismus, und Städte wie Berlin sind prädestiniert für grenzüberschreitende und experimentelle Projekte, was auch vollkommen zum Stil der CE passt.

  • Dirigentin mit erhobenen Armen

Welche Anregungen von ausländischen Institutionen könnte man nach Griechenland „importieren“?

Die CE hat Standorte in Deutschland, Österreich und Griechenland und unterstützt unter anderem Initiativen, die zur Mobilität der Kulturschaffenden und zur Kultivierung eines interkulturellen Dialogs beitragen. Ich würde mir wünschen, dass Griechenland Organisationsstrukturen, Disziplin, Durchsetzung des Leistungsprinzips, soziale Verantwortung und strukturelle Langlebigkeit besser fördern würde. Es muss mehr Sensibilität für das Wohl der Allgemeinheit geschaffen und nicht nur an den persönlichen Vorteil gedacht werden.

Seit 2012 sind Sie künstlerische Leiterin des Athener Festivals für Zeitgenössische Musik Regain. Könnte die zeitgenössische Kultur zusammen mit dem Tourismus für Griechenland ein zweites Standbein werden? Was wäre dazu nötig?

Ich hoffe auf eine weitergehende Stärkung der Kulturdiplomatie, um die man sich auf einer zentralen politisch-strategischen Ebene kümmern muss. Sie bildet eine einflussreiche Möglichkeit, die wir ausschöpfen sollten. Dafür muss man nach außen gerichtet agieren, aber auch tief in die griechische Identität und Werte eindringen, um ihre Besonderheiten aufzuzeigen.

Über die Dirigentin
Die aus Kreta stammende Maria Makraki wurde in Thessaloniki geboren und hat an der Kapodistrias-Universität Athen Physik studiert. Schließlich folgte sie aber ihrer Leidenschaft und Liebe zur Musik und wurde Dirigentin. Die Verbindung von Naturwissenschaft und Kunst bildet jedoch die Achse, um die sich ihre weitere Entwicklung bewegt. Nach zahlreichen ersten Preisen bei internationalen Dirigentenwettbewerben wurde sie 2007 künstlerische Leiterin der Camerata Europaea in Berlin. 2009 hat sie ihre Promotion im Fach Dirigieren an der musikwissenschaftlichen Abteilung der Makenonischen Universität in Thessaloniki abgeschlossen und leitet seit 2012 das Athener Festival für Zeitgenössische Musik Regain.

Weitere Informationen auf ihrer Hompage www.maria-makraki.com und www.camerata.eu.

Unser Text wurde aus zwei Interviews zusammengestellt, die Maria Makraki den Zeitungen Free Sunday und Patris gegeben hat. Übersetzung: Michaela Prinzinger.

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