Kunst muss so ehrlich wie möglich sein

Interview mit Eleftheria Arvanitaki, Musikerin

Eleftheria Arvanitaki auf Tournee durch Deutschland und die Schweiz: Nach dem Auftakt in München und Stuttgart setzt sie ihre Auftritte zwischen 14.-21. November 2017 in Zürich, Köln, Neu-Isenburg und Berlin fort. Die Sängerin gilt als eine der beliebtesten griechischen Künstlerinnen. Ihre Stimme, ihre energiegeladenen Live-Auftritte und die musikalische Qualität ihrer Mitarbeiter haben sie auch über die Grenzen Griechenlands hinaus bekannt gemacht. 1979 wurde die gebürtige Ikariotin in einer Taverne auf Skopelos, wo sie für Freunde sang, entdeckt. Bald darauf erregte sie in der Athener Musikszene Aufsehen, und eine steile Karriere begann. Doch auch sie musste sich in den letzten Jahren auf die Veränderungen im Musik- und Showbusiness einstellen. Michaela Prinzinger befragte sie zu ihren diesbezüglichen Erfahrungen und Plänen.

Wie hat sich die Musikszene in Griechenland in den letzten Jahren aus Ihrer Sicht verändert? Das hat bestimmt nicht nur mit der Krise zu tun, sondern auch mit internationalen Entwicklungen. Sie haben beispielsweise Ihre vorletzte Platte „9 und 1 Geschichten“ selbst produziert, danach haben Sie ein eigenes Label gegründet. Warum?

Die Krise in der griechischen Musikbranche, die bereits drei bis vier Jahre vor der allgemeinen Krise in Griechenland begann, und das Internet haben für große und einschneidende Veränderungen gesorgt. Eine CD dient heute dazu, sich zu präsentieren, sichert jedoch nicht mehr das Überleben als Künstler. Aufgrund von Differenzen mit meiner Produktionsfirma habe ich mein Album „9 und 1 Geschichten“ selbst herausgebracht und leite seitdem mein eigenes Label bei der Produktionsfirma Panik. Ich versuche, über dieses Label auch junge Künstler und neue Songs vorzustellen.

Rechtsextreme Parteien gewinnen Wähler, Zäune werden errichtet, um unseren Wohlstand zu schützen. Welche Rolle spielt für Sie – in Zeiten einer europäischen Krise – die Musik? Oder hat das Reich der Kunst nichts mit der Realität zu tun, die uns umgibt?

Kunst hat immer einen engen Bezug zum wirklichen Leben. Sie umschreibt und spiegelt das, was um uns herum passiert. Im besten Fall macht sie Vorschläge, wie man etwas verändern könnte. Musik hilft einem, sein Innerstes auszudrücken, aber gleichzeitig trägt sie dazu bei, auch die äußere Welt zu beeinflussen. In Zeiten der Krise muss ein Künstler Haltung zeigen und mit seiner Kunst so ehrlich wie möglich sein.

Sie haben immer wieder Vertonungen griechischer Dichtung gesungen (Elytis, Gkanas, Karyotakis, Sappho). Welche Bedeutung hat für sie das Zusammenspiel von Liedtext und Komposition?

Genau diese Interaktion verkörpert das Lied. Die harmonische Verbindung von Musik, Text und Darbietung macht die Magie eines Liedes aus. Das ist besonders schwierig, wenn man ein Gedicht vertont. Ich habe mit sehr begabten Komponisten an der Vertonung von Gedichten gearbeitet und die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit waren für mich jedes Mal erstaunlich.

Eleftheria Arvanitaki Sängerin Griechenland

Welche internationalen Künstlerinnen und Diven haben Sie besonders beeindruckt und vielleicht sogar beeinflusst und inspiriert? Mit wem würden Sie gern zusammenarbeiten?

Meine großen Vorbilder waren Marika Ninou und Jenny Vanou. Ich hörte ihre Alben immer wieder und ließ mich von ihnen inspirieren. Sängerinnen, deren Stimmen ich ebenfalls bewundere, sind Umm Kulthum und Barbra Streisand, aber auch modernere Künstlerinnen wie Whitney Houston und Annie Lennox.

Welche Lieder haben Sie und Ihre Karriere besonders geprägt? Welche sind ihre persönlichen Lieblingssongs?

Ein Lied, das mir wichtig ist, ist „Θα σπάσω κούπες“, weil es mich an meine Anfänge mit der Band „Opisthodromiki Compania“ erinnert und an meine ersten musikalischen Auftritte, die ziemlich plötzlich und unerwartet kamen. Das Lied steht auch für eine Zeit der Suche, der unerschöpflichen Begeisterung für Ausprobieren und Experimentieren. Ich nahm damals Unterricht in byzantinischer Musik. Es war eine sehr glückliche Zeit.

Was verbindet Sie besonders mit Ihrer Heimatinsel Ikaria? Woher stammen Sie und welche Bindungen haben Sie noch dorthin?

Meine Wurzeln liegen auf Ikaria und den Paxi-Inseln. In meiner Kindheit und Jugend verbrachte ich jeden Sommer auf Ikaria, was beim Erwachsenwerden eine wichtige Rolle für mich spielte. Ich bin immer noch jedes Mal gerührt beim Anblick des „Spiegelgrußes“, das heißt, wenn die Menschen in den Dörfern beim Anblick der ankommenden Fähre das Sonnenlicht mit ihren Taschenspiegeln reflektieren. Dann erwidert die Fähre den Gruß durch ihr Tuten. Es ist die Insel der Jugend und der Freude. Ich stamme aus dem Dorf Agios Kirikos und habe dort noch nahe Verwandte.

Interview: Michaela Prinzinger/Eleftheria Arvanitaki. Übersetzung: Ina Berger. Fotos: Eleftheria Arvanitaki. Die Daten zur Tour finden sie hier: https://www.greece-on-tour.eu/eleftheria-arvanitaki-dynata-tour-2017. Die Website der Künstlerin: www.arvanitaki.gr.

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