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		<title>Vaggelis Tsaprounis: von Ikonen und der Liebe zur Natur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 06:29:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Ikonenmalerei verbindet Kunst mit Handwerk und Glauben und ermöglicht in einer hektischen Welt das Streben zum Göttlichen. Für Vaggelis Tsaprounis ist sie mehr als ein Beruf. Simon Steiner hat mit ihm gesprochen. Vaggelis, wie ... <p class="read-more-container"><a title="Vaggelis Tsaprounis: von Ikonen und der Liebe zur Natur" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/vaggelis-tsaprounis-von-ikonen-und-der-liebe-zur-natur/#more-16685" aria-label="Mehr Informationen über Vaggelis Tsaprounis: von Ikonen und der Liebe zur Natur">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Die Ikonenmalerei verbindet Kunst mit Handwerk und Glauben und ermöglicht in einer hektischen Welt das Streben zum Göttlichen. Für Vaggelis Tsaprounis ist sie mehr als ein Beruf. Simon Steiner hat mit ihm gesprochen.</p>
<p class="interview">Vaggelis, wie bist du zur Ikonenmalerei gekommen?</p>
<p>Mit der Ikonenmalerei habe ich vor etwa 34 Jahren begonnen. Das war um 1992, ich hatte gerade mein fünfjähriges Studium an einer privaten und freien Studienwerkstatt abgeschlossen. Meine Studienschwerpunkte waren freies Zeichnen und Farbe.</p>
<p class="interview">Welche Rolle spielten während deines Studiums das Vergangene, die Tradition und die Moderne und welche deine Lehrer?</p>
<figure id="attachment_16709" aria-describedby="caption-attachment-16709" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-16709 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34-450x337.jpg" alt="" width="450" height="337" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34-450x337.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34.jpg 718w" sizes="(max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16709" class="wp-caption-text">Vaggelis Tsaprounis in seinem Atelier in Vasilika, Nord-Euböa</figcaption></figure>
<p>In Athen gab – damals wie heute – die Hochschule für Bildende Künste den Ton in der Kunstszene an, die sich zunehmend der sogenannten zeitgenössischen Kunst (contemporary art) zuwandte. Der neue Trend umfasste Kunstinstallationen, Videokunst, Performances, konzeptuelle Kunst und alles andere außer Leinwandmalerei. Dieser Trend wurde in den folgenden Jahren vorherrschend und dauert bis heute an.<br />
In der kleinen Werkstatt, in der ich studierte, waren jedoch der Einfluss der Malergeneration der 1930er Jahre und die Rückkehr zur Tradition noch sehr ausgeprägt. Der Maler Tassos Rigas, der diese Werkstatt leitete, vermittelte uns seine Bewunderung für Maler wie Parthenis, Nikolaou, Papaloukas, Tsarouchis sowie für die Quellen dieser Tradition: byzantinische Ikonenmalerei, antike griechische Reliefs, Lekythen <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lekythos">hier</a>]</span>, Mosaike und Fresken. Wir lebten also in einer vergangenen Zeit. Die zeitgenössische griechische Kunst war in die postmoderne Phase eingetreten – und wir atmeten immer noch den Geist des Modernismus. Wenn ich von Modernismus spreche, meine ich damit den Aspekt, der sich auf Quellen, Tradition und das Ursprüngliche zurückbesinnt, eben die Suche nach Werten.<br />
Die Werkstatt von Tassos Rigas war eigentlich eine Vorbereitungsklasse für die Aufnahmeprüfungen an der Hochschule für Bildende Künste. Die Studenten blieben dort im Durchschnitt ein bis drei Jahre und wurden danach entweder von der Hochschule aufgenommen, oder gaben endgültig auf. Rigas war ein charismatischer Lehrer und bildete in diesem künstlerischen Klima Maler aus. Eigentlich war er dazu nicht verpflichtet, da der Besuch der Werkstatt, wie bereits erwähnt, lediglich der Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfungen diente.<br />
Ich bin dort über die Dreijahresgrenze hinaus geblieben; nachdem ich fünf Mal in Folge auf der Warteliste der erfolgreichen Kunsthochschulbewerber gelandet war, beschloss ich, meinen Weg ohne Hochschulausbildung fortzusetzen. Ich hatte fünf Jahre lang freies Zeichnen und Farbe studiert, bei Sonntagsausflügen in die Nationalgalerie und das Archäologische Museum über Kunst diskutiert, Galerien besucht und die Kunstszene Athens beobachtet und kommentiert.</p>
<p class="interview">Zu deiner persönlichen Beziehung zur Tradition passt sicherlich auch dein Bekenntnis zur Religion.</p>
<p>Von Natur oder aus innerer Neigung war ich unter anderem ein eher konservativer Mensch. Vielleicht hatte ich auch eine latente Neigung zur Religion und zum Spirituellen, in der Schule nannten mich die anderen Kinder „Pater“. Für Dogmen und Fanatismus hatte ich aber nicht viel übrig. Später entwickelte ich durch meine Arbeit ein starkes Interesse für die Universalität der Religion.</p>
<p class="interview">Gibt es bestimmte Ikonen oder Meister, die dich geprägt haben?</p>
<p>Gegen Ende dieses Zeitabschnitts brachte mich Tassos Rigas mit dem Ikonenmaler Giorgos Chochlidakis in Kontakt. „Meister Giorgis“, wie wir ihn damals nannten, unterhielt zu dieser Zeit eine Werkstatt mit drei oder vier Assistenten und übernahm vielerorts in Griechenland die ikonographische Ausgestaltung von Kirchen. Er war Träger einer großen Tradition, hatte in der Werkstatt von Fotis Kontoglou „gedient“, dem großen Erneuerer der byzantinischen Ikonenmalerei. Kontoglou war Lehrer vieler Maler der 1930er-Generation, darunter auch von Giannis Tsarouchis. Ich war begeistert von der Idee, mit ihm als Ikonenmalerei-Assistent zu arbeiten. Das Werk, das mich damals besonders inspirierte, waren die Wandmalereien der Chora-Kirche in Istanbul, dem ehemaligen Konstantinopel, ein Denkmal, das ich einige Jahre später aus nächster Nähe bewundern konnte. <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://www.dw.com/de/t%C3%BCrkei-die-chora-kirche-in-istanbul-ist-nun-eine-moschee/a-69044665">hier</a>]</span><br />
So schlug ich also einen Weg ein, der mich von der aktuellen Entwicklung der Kunst meiner Zeit entfernte und in ein Studium eintauchen ließ, das einer archäologischen Ausgrabung glich. Ich war neugierig auf alles, was mit dieser Tätigkeit zu tun hatte: die Texte des Siebten Ökumenischen Konzils, die die Verwendung von Bildern in der orthodoxen Tradition regeln, das Leben der Heiligen, die Geschichte von Architektur und Ikonenmalerei, die Materialkunde, die Ursprünge dieser Kunst und so weiter.<br />
In der Werkstatt des Ikonenmalers Giorgos Chochlidakis schufen wir hauptsächlich Wandmalereien und nur sehr wenige tragbare Ikonen auf Holz. Chochlidakis hatte zu Beginn seiner Karriere mit der Freskotechnik gearbeitet; ein Beispiel dazu kann man in der kleinen Kapnikarea-Kirche in der Athener Ermou-Straße sehen, wo er mit seinem Lehrer Kontoglou zusammengearbeitet hat.</p>
<p class="interview">Erzähle mir mehr über deine Arbeitstechniken und Ausbildungsschritte.</p>
<figure id="attachment_16708" aria-describedby="caption-attachment-16708" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16708 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-450x512.jpg" alt="" width="450" height="512" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-450x512.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-264x300.jpg 264w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-768x874.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-500x569.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16708" class="wp-caption-text">Die Hl. Dimitrios und Theodoros</figcaption></figure>
<p>Zu der Zeit, als ich dort war, arbeitete er nur <em>al seco</em>, also auf trockener Wand, und insbesondere mit einer Variante dieser Technik, bei der Leinwand verwendet wird. Bei dieser Technik verwendeten wir große Baumwollstoffe von etwa drei auf vier Metern, die wir in der Werkstatt auf entsprechend große Keilrahmen spannten. Dann ging es ans Bild, wir entwarfen und malten es auf die Leinwand. Das fertige Werk wurde dann sorgfältig abgenommen und wie eine Tapete auf die Wand geklebt. Die genaue Platzierung wurde mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms, das maßstabsgetreu auf einem architektonischen Aufriss der Kirche basierte, genau berechnet. Diese Technik verwende ich normalerweise auch bei meinen eigenen Werken. Diese Methode hat Vor- und Nachteile sowie technische Schwierigkeiten. Das Hauptproblem besteht darin, die Größe des Werks und die Farbabstufungen so zu berechnen, dass es mit dem architektonischen Element, auf das es kommt, harmoniert, und dabei die andächtige Atmosphäre entsteht, die in orthodoxen Kirchen vorherrscht. Dies lässt sich nur durch Erfahrung erreichen – unterstützt durch bewährte Lösungen der traditionellen Kirchenmalerei. Der Werkstattalltag hat uns genau auf solche Arbeiten vorbereitet.<br />
In diesem Metier gibt es eine Hierarchie. Der Meister leitet die Werkstatt. Er fertigt den ersten maßstabsgetreuen Entwurf, wie auch die endgültigen Fassungen auf Leinwand an. Die Assistenten beginnen ihre Ausbildung mit der Vorbereitung der Leinwand und anderen groben Arbeiten. Ich blieb fast ein Jahr lang in dieser Phase und begann dann, Gebäude, Kleidung usw. zu malen. Es gibt also Lehrlinge, die sich auf Kleidung oder dekorative Motive spezialisiert haben, je nach ihrer Erfahrung. Manch einer ist ehrgeizig und lernt die ganze Bandbreite des Handwerks, während sich andere mit einer Spezialisierung begnügen. Der Meister vollendet dann das Werk, mildert hier einige Farbtöne ab, betont dort etwas anderes, korrigiert ein Kleidungsstück und malt vor allem die Gesichter und ihren Ausdruck. Nur so ist die Bemalung so großer Flächen möglich.<br />
Fürs Protokoll möchte ich erwähnen, dass ich nach einigen Jahren auch in der Werkstatt für tragbare Ikonen von Themis Petrou gearbeitet habe, wo ich die Technik der Eitempera erlernte. Ich arbeitete abwechselnd in beiden Werkstätten. 1996, mit 27 Jahren, übernahm ich zusammen mit meiner Kollegin Nelli Tziara die malerische Ausgestaltung der Kapelle des Heiligen Stephanos in Chalkida auf Euböa. 1998 gründete ich mein erstes Atelier in der Kolokotroni-Straße im Athener Zentrum und verlegte es 2001 in die Agia-Filothei-Straße neben der Erzdiözese Athen.</p>
<p class="interview">Und dein persönlicher Stil, wie ist der entstanden? Erzähle mir bitte mehr über Motivation und Ziele.</p>
<figure id="attachment_16705" aria-describedby="caption-attachment-16705" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16705 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-450x430.jpg" alt="" width="450" height="430" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-450x430.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-300x286.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-768x733.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-500x477.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu.jpg 887w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16705" class="wp-caption-text">Pantokrator, Kapelle des Hl. Vasileios auf Schinoussa 2002, Deckenmalerei al seco</figcaption></figure>
<p>Was in diesem Zusammenhang meinen persönlichen Stil angeht, so würde ich sagen, dass es sich nicht um eine bewusste Entscheidung oder um Eklektizismus handelt. Der persönliche Stil hat mit der Art und Weise zu tun, wie und in welchem Ausmaß jemand die traditionellen Elemente versteht; es ist also das Ergebnis eines analytischen Prozesses, aber auch eines Gespürs für das Heilige, das sich in einem langsam entwickelt. Sagen wir, ich habe ein bestimmtes Kriterium oder Ideal entwickelt, dem ich mich anzunähern versuche. Ich betrachte das Werk, an dem ich arbeite, und frage mich: Ist es richtig angeordnet, sind die Farben harmonisch? Mein großes Ziel ist es – ob ich es erreicht habe, müssen andere beurteilen – , mit meiner Kunst dazu beizutragen, dass in der Kirche dieses Erlebnis festlicher Freude und zurückhaltender Trauer entsteht, das Gefühl der bittersüßen Zufriedenheit, wie man es zusammenfassend ausdrücken könnte.<br />
Hier muss ich etwas anfügen, was mir sehr am Herzen liegt: Die Künstler hängen in ihren Werkstätten konstant einer Vision nach, einem Hauptanliegen, das sie während ihrer Arbeit – und nicht nur dann – beschäftigt. Dazu möchte ich zwei weitere Meinungen anführen, die ich teile: Ernst Gombrich meint, Künstler würden stets nach einer gewissen Art von Gleichgewicht streben und sich fragen, ob sie es erreicht hätten. <span style="color: #0000ff;">[hier]</span> George Lappas ergänzt, sie würden sich ständig in Richtung <em>Ekstase</em> bewegen, ohne sie jemals zu erreichen, da der ekstatische Mensch nicht mehr den Wunsch verspüre, Kunst zu erschaffen. <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/George_Lappas">hier</a>]</span></p>
<p class="interview">Welche Bedeutung hat für dich die Ikonenmalerei?</p>
<figure id="attachment_16704" aria-describedby="caption-attachment-16704" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16704 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-450x481.jpg" alt="" width="450" height="481" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-450x481.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-281x300.jpg 281w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-768x821.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-500x534.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller.jpg 819w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16704" class="wp-caption-text">Der Hl. Nikolaos, Kapelle des Hl. Vasileios auf Schinoussa 2002</figcaption></figure>
<p>Zusammenfassend ist die Ikonenmalerei, meiner Meinung nach, keine simple Kunstfertigkeit, sondern ein komplexes darstellendes System, das in direktem Zusammenhang zum orthodoxen Dogma steht. Man müsste Theologe sein und sich intensiv mit der Theologie der Ikonen befasst haben, um das gesamte Geflecht von Regeln und Symbolismen beschreiben zu können. Generell lässt sich jedoch sagen, dass das Siebte Ökumenische Konzil von Nicäa nach der Bildersturm-Debatte die Verwendung von Ikonen im Gottesdienst wieder zulässt. Aus dieser Sicht erhält das Bild, dank seines Potentials, den Geist der Gläubigen auf den Dargestellten auszurichten, seinen Wert innerhalb der Kirche zurück. Es handelt sich also um einen liturgischen Gegenstand, der durch seine Verwendung im Gottesdienst geheiligt wird. Der Ikonenmaler bietet seine handwerkliche Arbeit an, um das Bildnis herzustellen. Meiner Meinung nach drückt dies die Formulierung <em>dia cheiros</em> („aus der Hand von &#8230;“) aus, die der Unterschrift des Künstlers auf einem Bild voransteht; diese Formulierung erscheint mir passender als das antike <em>epoiesen</em> („erschaffen von &#8230;“). Das Gleiche gilt für alle liturgischen Gegenstände. Der Kelch der Liturgie beispielsweise erhält seine Heiligkeit nicht aufgrund seiner Herstellung, sondern aufgrund seiner Verwendung im Rahmen der Heiligen Kommunion.<br />
Zu diesem Zweck können somit auch Ikonen von bescheidenerer künstlerischer Qualität verwendet werden. Natürlich gibt es Ikonen, die wahre Meisterwerke der bildenden Kunst sind, und einige davon werden als solche in großen Museen auf der ganzen Welt oder manchmal auch als Zeitzeugnisse ausgestellt. Jedoch: Keine dieser Ikonen wurde als Ausstellungsstück, als Prestigeobjekt oder als Dekoration geschaffen. Das ist ein grundlegender Unterschied zur sogenannten weltlichen Kunst.<br />
So habe ich auch meinen Platz unter all den anderen Handwerkern, Kirchenbauern, Schneidern liturgischer Gewänder, Herstellern von Enkolpien und anderen liturgischen Gegenständen, die für den kirchlichen Alltag bestimmt sind. [Enkolpion <span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Enkolpion">hier</a></span>] Einige Kollegen sind vielleicht der Ansicht, die Arbeit des Ikonenmalers stehe auf einer höheren Stufe als die der anderen, und vielleicht haben sie damit Recht. Andererseits nimmt der Ikonenmaler im kirchlichen Leben keine offizielle institutionelle Position oder Weihe ein, wie beispielsweise die Lektoren, also die Vorleser beim Gottesdienst.</p>
<p class="interview">Jetzt interessiert mich natürlich brennend, was für dich das Besondere an deiner Arbeit ist. Es geht doch hauptsächlich um Religion, um Kirche, oder!?</p>
<figure id="attachment_16706" aria-describedby="caption-attachment-16706" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16706 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-450x397.jpg" alt="" width="450" height="397" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-450x397.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-300x265.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-768x677.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-500x441.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16706" class="wp-caption-text">Hl. Peter-und-Paul-Pfarrkirche, Dunackeszi Budapest 2024, Deckenmalerei al seco</figcaption></figure>
<p>Aus dem bisher Gesagten geht klar hervor, dass es eine gewisse Spannung zwischen weltlicher Kunst und Ikonographie gibt, sowohl was die Thematik, als auch was die Zeitlichkeit betrifft. Es gibt einen festen Kodex, der in den Werkstätten der Ikonenmalerei lebendig bleibt, während die Tradition vom Meister auf den Lehrling übergeht, zum Beispiel von erleuchteten Lehrern wie dem Mönch Dionysios von Phourna aus dem 16. Jahrhundert. <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dionysios_von_Phourna">hier</a>]</span> Jede Entwicklung verläuft sehr langsam und oft in Kreisen. Die erwähnte Spannung entspringt der Tatsache, dass der zeitgenössische Ikonenmaler entgegen den Lockrufen seiner Zeit aufgefordert ist, sich von Originalität und Subjektivismus abzuwenden, um etwas Zeitlosem zu dienen.<br />
Meiner Meinung nach ist Religion als Wissenssystem auf die Vergangenheit ausgerichtet. Alles Wichtige wurde bereits von Christus im Jahr 1 selbst gesagt. Die wunderbare neue technologische Welt ist nicht in der Lage, Antworten auf die wichtigen existenziellen Lebensfragen zu geben. Die Kirche beantwortet die grundlegende Frage „Was ist der Tod?“ mit „Es gibt keinen Tod“. „Wie sollen Menschen miteinander umgehen?“ „Gebettet in Liebe.“ Bis wir diese grundlegenden Wahrheiten verinnerlicht haben, werden wir uns weiterhin selbst an Händen und Füßen Ketten anlegen.<br />
Diese Wahrheiten warten nicht auf ihren Beweis, sondern sind vielmehr Ausgangspunkte, die zu einer bestimmten Praxis führen. Sie werden also ergebnisorientiert beurteilt und setzen eine bestimmte Haltung voraus. Die Tradition gewinnt an Autorität durch eine unablässige Zunahme an weisen Altvorderen, die uns oft erleuchten, die manchmal aber auch, aufgrund der anderen Bedürfnisse unserer Zeit, das Leben verfinstern können. Die Kirche befindet sich immer in einem Spannungsfeld zwischen Bewahrung und Reform, was oft zu Irrwegen führt. Sie ist also „kämpferisch”, wie man sagt, im Gegensatz zur himmlischen Kirche, die als „triumphierend” bezeichnet wird. <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://orthpedia.de/index.php/Kirche,_die_k%C3%A4mpferische_und_die_triumphierende">hier</a>]</span> Der Ikonenmaler ist bestrebt, durch Darstellung letztere sichtbar zu machen.</p>
<p class="interview">Berichte bitte über deine konkreten Arbeiten im In- und Ausland.</p>
<figure id="attachment_16703" aria-describedby="caption-attachment-16703" style="width: 790px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16703 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein.jpg" alt="" width="800" height="533" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein.jpg 800w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein-500x333.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-16703" class="wp-caption-text">Hl. Peter-und-Paul-Pfarrkirche, Dunackeszi Budapest 2024, Malergerüst im Kircheninnern</figcaption></figure>
<p>Seitdem ich 1996 begann, Kirchenmalereien zu übernehmen, habe ich sieben Kapellen und Kirchen in Griechenland und eine im Ausland gestaltet. Konkret sind es diese: Kirche des Agios Stefanos, Chalkida auf Euböa, Kapelle der Metropolitankirche Agios Dimitrios // Pfarrkirche des Agios Charalambos in Ellinika, Nord-Euböa // Kapelle des Agios Athanasios in Ellinika, Nord-Euböa // Pfarrkirche der Agia Sophia auf Amorgos // Pfarrkirche des Timios Stavros auf Donoussa // Kapelle des Agios Filaretos auf Schinoussa // Kapelle des Agios Vasileios auf Schinoussa // Pfarrkirche der Hl. Peter und Paul in Budapest.<br />
Werke von mir wie Wandmalereien und tragbare Ikonen sowie solche für bischöfliche Kathedren und Ikonostasen befinden sich in zahlreichen anderen Kirchen und in Privatsammlungen. [Ikonostase <span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ikonostase">hier</a>]</span><br />
Die Art und Weise, wie ich in Griechenland und im Ausland arbeite, ist im Wesentlichen dieselbe. Zunächst erstelle ich eine Studie, wie ich zu Beginn beschrieben habe, die von einem Kostenvoranschlag begleitet wird. Wenn der Pfarrherr zufrieden ist, wird der Entwurf der zuständigen Metropolie zur Genehmigung vorgelegt, und ich fahre dann zusammen mit einem Arbeitsteam, das ich jedes Mal neu zusammenstelle, mit der Ausführung des Projektes fort.</p>
<p class="interview">Du hattest mir einmal in einer Taverne Fotos von deiner Arbeit in Budapest gezeigt. Ich erinnere mich, das war kurz nach dem großen Feuer, über das wir viel diskutiert haben.</p>
<figure id="attachment_16723" aria-describedby="caption-attachment-16723" style="width: 290px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16723 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel.jpg 616w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-16723" class="wp-caption-text">Ölgemälde, Detail</figcaption></figure>
<p>In Budapest gab es natürlich besondere Schwierigkeiten. Dazu gehörten unter anderem die sprachlichen und kulturellen Unterschiede sowie die Beschaffung der Materialien. Hinzu kamen die Probleme mit der Ausfuhr und dem Transport der Werke. Der griechische Staat verlangt eine spezielle Genehmigung für die Ausfuhr von Kunstwerken, um Antiquitätenraub zu verhindern. Diese Genehmigung wird von der zuständigen archäologischen Behörde erteilt und bestätigt, dass es sich um zeitgenössische Werke handelt. All dies konnte jedoch dank der guten Zusammenarbeit und des gegenseitigen Vertrauens mit dem dortigen Pfarrherrn, Pater Nikolaos, seiner Familie und mit Hilfe der Kirchenheiligen überwunden werden. Nach Abschluss dieser Arbeit war ich besonders stolz und gleichzeitig dankbar. Für mich war es eine Meisterleistung.<br />
Der Vorschlag für die oben genannte Arbeit kam zu einem sehr schwierigen Zeitpunkt. Es war unmittelbar nach dem großen Brand in Nord-Euböa, dem Gebiet, wo ich seit 14 Jahren mit meiner Familie lebe. Das Feuer zerstörte 500 Hektar dichten Wald. [<em>Das „neugriechische&#8220; oder auch „königliche&#8220; Stremma </em><span style="color: #0000ff;">(<a style="color: #0000ff;" href="https://orthpedia.de/index.php/Kirche,_die_k%C3%A4mpferische_und_die_triumphierende">hier</a>)</span><em> umfasst 1000 Quadratmeter, also 0,1 Hektar</em>] Eine biblische Katastrophe. Die staatliche Fürsorge während des Brandes war, gelinde gesagt, nicht vorhanden. Anschließend wandte sie sich in Richtung „großer Investitionen“. Das Ergebnis: Nach der ersten schweren Trauerphase und dem Versuch, wieder auf die Beine zu kommen, verließen Jahr für Jahr mehr Bewohner die Region aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs und der Arbeitslosigkeit, die zur Zerstörung der lebenswichtigen Ressourcen der Region geführt hatten. Der Wald hatte unter anderem Holz und Kiefernharz geliefert und war zugleich ein touristischer Anreiz gewesen. 80 % des griechischen Kiefernhonigs waren hier produziert worden. Die traditionelle Viehzucht erlitt einen schweren Schlag. Ein Großteil der Tiere verbrannte bei lebendigem Leibe. In der ersten Zeit glich die Region einem Kriegsgebiet: Asche, Schlamm, verbrannten Baumstämme und dazu Lastwagen überall. Und dann kam es zu Überschwemmungen. Es gibt einfach keine Worte, um die Situation zu beschreiben. Die Bewohner hatten in diesem Schockzustand sogar ihren eigenen Namen vergessen. Also nahm ich das Angebot aus Budapest an, das von einem alten ukrainischen Kollegen kam, der in seine Heimat zurückgekehrt war, eine Familie gegründet hatte und Priester geworden war. Er hatte von dieser ungarischen Gemeinde gehört, die ihre Kirche im griechischen Stil gestalten wollte. Er schlug vor, dass wir den Auftrag gemeinsam übernehmen, da er aufgrund seiner sonstigen Pflichten dazu nicht allein in der Lage war. Meiner Meinung nach hatte er auch nicht die nötige Erfahrung. Um es kurz zu machen: Wir nahmen ersten Kontakt zu Pater Nikolaos auf, dem Pfarrherrn der Gemeinde. Dann schnitt der Krieg in der Ukraine meinem Kollegen den Weg ab, und so übernahm ich das Projekt allein. Ich konnte ihn jedoch in die Arbeitsgruppe aufnehmen, die die Wandmalereien in der Kirche anbrachte. Die ikonographische Gestaltung einer Kirche ist eine sehr große Sache. Es gibt dabei immer Besonderheiten und einzigartige Momente.</p>
<p class="interview">Sehr gerne erinnere ich mich auch an deine Ausstellung in Vasilika, es gab Musik, Wein und tolle Gespräche. Und wunderschöne Gemälde, nicht nur zur Ikonographie, sondern auch zu unserem geliebten Heimatort Vasilika.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-16712 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-450x636.jpg" alt="" width="450" height="636" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-450x636.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-212x300.jpg 212w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-724x1024.jpg 724w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-768x1086.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-1086x1536.jpg 1086w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-500x707.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz.jpg 1169w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" />Neben der kirchlichen Gestaltung male ich auch andere Motive. Dabei handelt es sich um Entwürfe, Studien und Werke, ausgeführt mit Bleistift, Tusche, Aquarell- und Ölfarben. Ich habe sogar einige Radierungen gemacht und einige wenige Plastiken. Eine kleine Auswahl dieser Werke habe ich 2021, im Jahr des großen Brandes, in einer Ausstellung hier in Vasilika auf Nordeuböa präsentiert. Genannt habe ich sie „Kleine Retrospektive”, weil sie ausgewählte Werke aus meiner gesamten Laufbahn, meine Lehrzeit ausgenommen, umfasste. Ich wollte diese Arbeiten zeigen, um Rückmeldung zu erhalten.<br />
Die größte Einheit dieser Arbeit machen die Landschaften aus, die ich mit Ölfarbe auf wasserfestes Sperrholz male. Es sind Landschaften aus der Umgebung. Meer und niedrige Hügel. Ich male sie nach der Natur und aus der Erinnerung. Die Motive wähle ich nicht wegen ihrer Lieblichkeit aus, sondern weil sie in mir ein besonderes Gefühl hervorrufen, das mich mit der Landschaft verbindet. Ich male in vertikalem Format, um so viel Himmel wie möglich einzubeziehen. Menschen tauchen darin nicht auf und nur selten menschliche Bauwerke. Ich möchte einen Eindruck von Erhabenheit vermitteln, eine Art Ehrfurcht vor der Großartigkeit der Natur, die jedoch gleichzeitig, aufgrund des gewählten Maßstabs, vertraut und zugänglich wirkt. Es handelt sich um Hügel und nicht um hohe, unzugängliche Berge. Für die Griechen war das Göttliche immer nah- und greifbar. Im Gegensatz zu den Heiligenbildern male ich die Landschaften schnell, fast instinktiv, nachdem ich mir zuvor im Kopf zurechtgelegt habe, worauf ich aus bin. Oft geht das ohne jegliche Vorzeichnung.</p>
<p class="interview">Wie reagieren die Besucher?</p>
<p>Normalerweise bekomme ich positive Kommentare zu meinen Gemälden; die Leute, die die Werke betrachten, sagen oft, dass sie sehr vertraute Themen erkennen, denen sie bislang keine Beachtung geschenkt hätten. Das werte ich als Erfolg, denn zu meinen Zielen gehört, die Anzahl der Dinge, denen wir Aufmerksamkeit schenken, immer ein wenig zu erweitern. Außerdem sagen viele, meine Werke würden sie auf Reisen schicken.</p>
<p class="interview">Du hast auch auf der Insel Kythera ausgestellt.</p>
<p>2019 hatte ich eine Ausstellung mit diesen Werken im Ausstellungsraum „Desmos“ in Paris – und sie wurden gut aufgenommen. Nach dem Brand von 2021 wurden meine Landschaften erst zu verbrannten und dann zu wiedergeborenen Landschaften. 2023 stellte ich diese Arbeiten in einem schönen Raum auf Kythera aus, dem „Zeidoro”. <em>[Altgriechisch: „Leben spendend“]</em></p>
<p class="interview">Wie lassen sich Ikonen und Landschaften für dich vereinen?</p>
<p>Meine Ikonen und meine Landschaften unterscheiden sich stark in Bezug auf Thematik und Stil. Zwischen ihnen gibt es jedoch eine Art emotionale Verbindung, die mir nicht paradox erscheint, betrachte ich doch die Natur als etwas Heiliges.</p>
<p class="interview">Wo entstehen deine Werke und wie ist dein Arbeitsrhythmus?</p>
<figure id="attachment_16700" aria-describedby="caption-attachment-16700" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16700 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz-450x800.jpg" alt="" width="450" height="800" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz-450x800.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz-169x300.jpg 169w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz-500x889.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz.jpg 576w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16700" class="wp-caption-text">Atelier in Vasilika, Nord-Euböa</figcaption></figure>
<p>Der Ort, der mir die Möglichkeit für all dieses Schaffen gibt, ist meine Werkstatt. Das Atelier hat für mich eine emotionale Bedeutung, es ist ein Ort für Studium und Besinnung. Ein charakteristischer Tag dort beginnt normalerweise morgens um acht mit Reinigungsarbeiten und Arbeitsvorbereitungen. Wenn keine dringenden Lieferungen anstehen, arbeite ich fünf Stunden durch, male und recherchiere; darauf folgt eine Pause zum Mittagessen und zur Erholung. Am Nachmittag arbeite ich entweder weiter im Atelier, oder kümmere mich um Haushalt und Feldarbeit. Je nach den Erfordernissen des Tages und der Jahreszeit ergeben sich oft Anpassungen, aber auch durch die Auftragslage. Die Jahreszeiten und das Wetter sind für die Arbeit auf dem Land viel entscheidender als in der Stadt. Ich mag die Abwechslung und langweile mich daher nie. Oft bin ich jedoch angespannt, weil ich nicht das Pensum schaffe, das ich mir vorgenommen habe.</p>
<p class="interview">Ich kenne dich schon als kleinen Jungen, seit den frühen 80er Jahren. Ich denke immer an unseren gemeinsamen Wohnort, wenn ich dich sehe, nicht an Ikonen.</p>
<p>Ich genieße meine Beziehung zur Natur, die Veränderungen des Lichts und vor allem das Meer. In das Meer bin ich verliebt; meine Frau ist nur deshalb nicht eifersüchtig, weil wir diese Liebe teilen. Das Licht ist auch in meiner Malerei maßgeblich. Ich schwimme gerne, genieße aber auch lange Spaziergänge in den Bergen. Es gibt jedoch Zeiten, in denen ich mich in meine Werkstatt zurückziehe und den Kontakt zu meinem Umfeld verliere. Eine solche lange Phase waren die letzten drei Jahre, in denen ich die Kirche in Budapest ausgemalt habe. Das war meiner Gesundheit nicht zuträglich. Vielleicht wollte ich aber auch nicht raus, um die niedergebrannte Landschaft nicht sehen zu müssen.</p>
<p class="interview">Wie geht dein Leben nun weiter, bei dieser wirtschaftlichen Situation? Du hast von Feldarbeit und Haushalt erzählt, aber wie lässt sich weiterhin als Künstler das täglich Brot verdienen?</p>
<figure id="attachment_16699" aria-describedby="caption-attachment-16699" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16699 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder.jpg" alt="" width="1024" height="615" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder-300x180.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder-768x461.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder-450x270.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder-500x300.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-16699" class="wp-caption-text">profane Gemälde im Atelier</figcaption></figure>
<p>Aufträge für Ikonenmalerei kommen nicht regelmäßig rein und Kunstausstellungen bringen in Griechenland keinen Gewinn. Derzeit sind außerdem finanzielle Schwierigkeiten weit verbreitet. Ich darf nicht klagen, habe ein opulentes Leben geführt und befinde mich jetzt an einem interessanten Scheideweg: Ich habe das Gefühl, genug für die Malerei getan zu haben, könnte jetzt aufhören und zufrieden sein. Meine Suche hat Früchte getragen und ich fühle mich frei, beruflich etwas anderes zu tun, was lukrativer und konstanter ist. Ich könnte auch weitermachen und das wäre trotzdem wie ein Neuanfang: Ich wäre jetzt reifer und könnte etwas wirklich Gutes schaffen, ein Vermächtnis für die Nachwelt. Ein altes Sprichwort besagt, Malerei sei die Kunst der Greise. Möglicherweise könnte ich die Kluft zwischen meiner kirchlichen und meiner weltlichen Malerei schließen. Das wäre eine sehr noble Absicht und der Weg, den ich gerne einschlagen würde. Jedoch bin ich mir bewusst, dass dies sehr stark von den sozialen Gegebenheiten und Bedürfnissen abhängt. Nicht alle Phasen begünstigen gleichermaßen die Produktion von Kunst; in Griechenland ist es derzeit heikel, sich mit Kunst zu beschäftigen. Ich habe dazu eine Familie, und die hat Priorität. Das Leben eines einsamen Künstlers, der für seine Kunst alles andere aufgibt, könnte ich nicht führen. Das war nie mein Ding. Die Kunst kommt auch ohne mich zurecht und ich ohne sie.<br />
In Griechenland gibt es viele Werkstätten für Ikonenmalerei, die miteinander konkurrieren. Die meisten produzieren sehr kommerzielle Werke. Aber so ist es nun einmal in der Kunst, in einer Zeit, in der der Profit an erster Stelle steht. Einige schaffen es jedoch, die Widrigkeiten des kommerziellen Geschmacks und des Strebens nach Reichtum zu überwinden, und etwas Bedeutendes zu fertigen. Vielleicht wird das auch in unserer Generation so sein, so dass die Tradition fortgesetzt wird.</p>
<p class="interview">Vaggelis, vielen herzlichen Dank für die Einladung ins Atelier und das Gespräch. Wir sehen uns!</p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16701 alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf-150x150.jpg" alt="" width="200" height="267" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf.jpg 675w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></p>
<p class="textinfo interview">Beim Interview im Atelier: V. Tsaprounis links, S. Steiner rechts</p>
<p class="textinfo"><em>Vaggelis Tsaprounis <a href="https://tsaprounisicon.wordpress.com/">hier</a>. Interview: Simon Steiner. Fotos: V. Tsaprounis, Simon und Rebekka Steiner. Übersetzung und Redaktion: A. Tsingas. Das Interview ist in stark verkürzter Form auch im Griechenland Journal erschienen.</em></p>
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		<title>Die griechische Theatergruppe Nefeli aus Stuttgart – am Puls der Gesellschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 06:27:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Theaterbühne Nefeli – Theatriki skini Nefeli – führt selbstgeschriebene und klassische Theaterstücke in griechischer Sprache auf. Nefeli wurde im Dezember 2017 von Maria Papadopoulou, Maria Tramountani und Routh Zampakika gegründet – „aus kultureller Not“, ... <p class="read-more-container"><a title="Die griechische Theatergruppe Nefeli aus Stuttgart – am Puls der Gesellschaft" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/theater/die-griechische-theatergruppe-nefeli-aus-stuttgart-am-puls-der-gesellschaft/#more-16498" aria-label="Mehr Informationen über Die griechische Theatergruppe Nefeli aus Stuttgart – am Puls der Gesellschaft">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Die Theaterbühne <em>Nefeli</em> – <em>Theatriki skini</em> <em>Nefeli</em> – führt selbstgeschriebene und klassische Theaterstücke in griechischer Sprache auf.</p>
<p><em>Nefeli</em> wurde im Dezember 2017 von Maria Papadopoulou, Maria Tramountani und Routh Zampakika gegründet – „aus kultureller Not“, wie sie sagen. „Denn Stuttgart bietet Gyrosbuden, griechische Bars, Tavernen und griechische Livemusik. Aber das griechischsprachige Theater war so gut wie gar nicht vertreten.“ <em>Nefeli</em> ist seit 2018 im Kulturkabinett Kkt Stuttgart-Bad Cannstatt beheimatet, <a href="https://kkt-stuttgart.de/">hier</a>. Bei den Aufführungen werden einige Stücke per Beamer deutsch untertitelt, andere gleich in deutscher Sprache aufgeführt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-16502 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-01_Buehne.jpg" alt="" width="1024" height="768" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-01_Buehne.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-01_Buehne-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-01_Buehne-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-01_Buehne-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-01_Buehne-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p><strong>Zahlreiche Spielstätten und eine künstlerische Handschrift</strong><br />
Die Spielstätten von <em>Nefeli</em> sind inzwischen zahlreich. Neben den „Heimspielen“ im Kkt Stuttgart finden auch Aufführungen im Deutsch-Amerikanischen Institut Tübingen, im wunderschönen Dreigroschentheater Stuttgart-Süd, in der Eventlocation Dreamcity Winnenden, im vielbeachteten Theater tri-bühne Stuttgart, im Kommunalen Häussler Bürgerforum Stuttgart-Vaihingen und in den Griechischen Schulen Stuttgart-Vaihingen und Stuttgart-Waiblingen statt.<br />
Die künstlerische Handschrift bewegt sich zwischen klassischem Theater (Einakter, Lesungen und Monologe), musikalisch-poetischen Formaten (Hommagen an den Brand von Izmir, das griechische Kino, den Seemannsdichter Nikos Kavvadias und den Komponisten Mikis Theodorakis), Kindertheater, Seminare und Performances.</p>
<figure id="attachment_16505" aria-describedby="caption-attachment-16505" style="width: 390px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16505" src="https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-03_SchuleWaiblingen.jpg" alt="" width="400" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-03_SchuleWaiblingen.jpg 493w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-03_SchuleWaiblingen-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-03_SchuleWaiblingen-450x338.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption id="caption-attachment-16505" class="wp-caption-text">Besuch in der Griechischen Schule Stuttgart-Waiblingen</figcaption></figure>
<p>Das Repertoire reicht von Klassikern bis zu modernen griechischen AutorΙnnen. Unter der Anleitung des Regisseurs Simos Papanastasopoulos sind die Schauspielerinnen bereit zu experimentieren und neue Wege in den unendlichen Weiten des Theaters zu gehen. Zukünftig soll auch eine Frau aus den eigenen Reihen Regie übernehmen. Um sich als stets verändernde Gruppe und individuell weiterzuentwickeln, nehmen sie regelmäßig an Theaterseminaren teil. Besonders am Herzen liegen ihnen die musikalischen Abende, wie zum Beispiel die Produktion mit Aman-Musik aus Smyrni, dem heutigen Izmir. „Hier wird Schauspiel mit dem emotionalen Erbe unserer Kultur und eine ganz besondere Atmosphäre im Publikum geschaffen“, betont das Ensemble.</p>
<p><strong>Die drei Gründerinnen</strong><br />
<strong>Routh Zampakika – die Reise geht weiter</strong><br />
Routh (Foto weiter unten links) wurde 1968 in Thessaloniki geboren und ist dort aufgewachsen. „Schon als Kind trug ich zwei große Leidenschaften in mir: das Theater und das Reisen. 1996 kam ich nach Deutschland – zunächst nur für einige Monate. Hier hat mir das Theater sehr schnell gefehlt. Wie durch Fügung begegnete ich der talentierten Schauspielerin Nike M. Vassily. Unser Austausch über das Theater war inspirierend und voller Leidenschaft. Es dauerte nicht lange, bis ich selbst in dem Aristophanes-Stück <em>Plutos</em> (Der Reichtum) mitspielte. Diese Aufführung wurde für mein Leben zu einem Wendepunkt. Nicht nur künstlerisch – sondern auch persönlich. Denn dort lernte ich meinen späteren Ehemann kennen.“ Evangelos Dimopoulos ist Multiinstrumentalist und bei <em>Nefeli</em> auch für die Technik, also Licht und Sound, verantwortlich. Routh lernte fleißig Deutsch und ließ sich zur Erzieherin ausbilden. Als solche arbeitet sie in einer Kita in Schorndorf bei Stuttgart.<br />
Routh meint: „Fast 30 Jahre nach meinem Kommen verspüre ich tiefe Dankbarkeit dafür, dass ich immer noch Theater spiele. Letztes Jahr habe ich das einjährige Seminar „Analyse von Theaterstücken und Regie“ abgeschlossen. Unter anderem habe ich dort gelernt, dass Theater nicht nur Unterhaltung bedeutet, sondern auch ein dynamisches Medium ist, das gesellschaftliche Veränderungen widerspiegelt und aktiv mitgestalten kann. Deshalb ist es für mich wichtig, dass wir mit <em>Nefeli</em> auch aktuelle Themen wie Diskriminierung oder Nationalismus auf die Bühne bringen. Im Kulturkabinett Theater Kkt in Bad Cannstatt bin ich seit über zehn Jahren künstlerisch zu Hause, und ich freue mich immer noch, dass ich mit den beiden Marias weiterhin mit Leidenschaft und Kreativität auf der Bühne stehe. Die Reise geht weiter!“</p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16504 size-single-hochkant alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-02_die-3-heller-500x375.jpg" alt="" width="500" height="375" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-02_die-3-heller-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-02_die-3-heller-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-02_die-3-heller-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-02_die-3-heller.jpg 608w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" />Maria Tramountani – die Rastlose </strong><br />
Maria T. (Foto Mitte) wurde 1990 in Stuttgart geboren, ihre Großeltern waren in den 1960er-Jahren aus Griechenland nach Deutschland gekommen. Maria studierte Ethnologie und Englische Literatur in Heidelberg sowie im Masterstudium Interkulturalität und Integration in Schwäbisch Gmünd. Sie ist selbständig im Bereich Jugend- und Kulturarbeit tätig. Auch ist sie Gründerin und Vorsitzende der arabischen Schreibwerkstatt Literally Peace e.V. Stuttgart, <a href="https://evau-mag.de/literatur-projekt-literally-peace-ehrenamtliches-engagement-austausch-syrien-deutschland/">hier</a><br />
Über Nefeli sagt sie: Da wir ein mehrsprachiges Team sind ist Diversität Teil der DNA unserer Theatergruppe. Wir wollen Brücken schlagen zwischen den Kulturen und zeigen, dass Theater sich einer universellen Sprache bedient. Uns bewegt die Frage, wie wir ein jüngeres Publikum erreichen können. Ein weiteres Ziel ist es, das deutschsprachige Publikum, das wir bei vergangenen Produktionen durch simultane deutsche Untertitelung gewonnen haben, zu halten und stetig zu erweitern, um den kulturellen Austausch zu fördern.“</p>
<p><strong>Maria Papadopoulou – die Verbindung zwischen Recht und Bühne</strong><br />
Maria P. (Foto rechts) wurde in Waiblingen als Enkelin griechischer Einwanderer geboren. „In meinem Leben sind juristische Präzision und künstlerische Leidenschaft vereint. Nach dem Jurastudium an der Demokrit-Universität Thrakien und dem Aufbaustudium Master of Laws in Erlangen arbeitete ich elf Jahre als Rechtsanwältin am Landgericht Thessaloniki. Seit 2011 bin ich in Deutschland im sozialen Bereich des öffentlichen Dienstes tätig, wo ich die Rechte von Kindern und Jugendlichen vertrete. Dazu arbeite ich freiberuflich als beeidigte Übersetzerin für Griechisch.“<br />
Zu Marias Liebe zu Recht und Gerechtigkeit gesellt sich ihre Leidenschaft fürs Theater. So stand sie in Deutschland und Griechenland bei verschiedenen Theaterformationen auf der Bühne. Neben dem namhaften Schauspieler und Regisseur Tasos Pantazis lernte sie am Staatlichen Theater Nordgriechenlands in Thessaloniki die Schauspieltechnik und hinter den Kulissen die Geheimnisse der Spielleitung. Seit 2013 ist sie Mitglied des Kkt-Kulturkabinetts.<br />
„Das Theater reflektiert für mich soziale Fragen, bietet neue Perspektiven und Denkanstöße. Dabei haben Justiz und Theater haben überraschend viele Gemeinsamkeiten. Beide basieren auf Inszenierung, Rollenverteilung und Rhetorik. Daher würde ich gerne ein Theaterstück, das eine Gerichtsverhandlung zum Thema hat, mit der Unterstützung des <em>Nefeli</em>-Regisseurs Simos Papanastasopoulos entwickeln und selbst darin mitspielen. Ich denke z.B. an den Film »Die Zwölf Geschworenen«, das Debüt des US-Regisseurs Sidney Lumet aus dem Jahr 1957.“ Namensgeberin der Theatergruppe ist übrigens ihre Tochter, sie heißt Nefeli.</p>
<hr />
<p><strong><em>Nefeli</em></strong><strong> aktuell – Die Rolle der Frau: „Nur Kinder, Küche, Kirche” (von 1977)</strong><br />
Das neue Theaterstück von <em>Nefeli</em> ist eine theatralisch-musikalische Lesung des legendären italienischen Theaterwerks „Nur Kinder, Küche, Kirche” der Autorin Franca Rame, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Franca_Rame">hier</a>. Sie arbeitete jahrzehntelang künstlerisch eng mit ihrem Mann Dario Fo zusammen. Die Gründerinnen von <em>Nefeli</em> betonen, dass ihnen aktuelle gesellschaftliche Themen besonders am Herzen liegen. Ein zentrales Thema ist für sie – immer wieder – die Rolle der Frau.<br />
Ihr neu eingeübtes Stück thematisiert die Stellung der Frau in der kapitalistischen Gesellschaft, insbesondere ihre sexuelle Versklavung. Im Zentrum stehen bitter komische und provokative Monologe, in denen Frauen aus unterschiedlichen sozialen Milieus ihre Erfahrungen mit patriarchalen Strukturen, Gewalt, Ausbeutung und Rollenzwängen erzählen. Das feministische, politische, oft wütende und zugleich humorvolle Stück rüttelt wach. Es deckt weibliche Lebensrealitäten und Unterdrückung auf und weist auf den Kampf um Selbstbestimmung hin. Gespielt werden eine Fabrikarbeiterin und Mutter, eine Prostituierte, die groteske Figur der „Mama Hexe“ und sogar Medea als mythologische Brechung. Diese Vielfalt zeigt, dass das Stück nicht nur Alltagsrealitäten, sondern auch archetypische und symbolische Frauenbilder nutzt, um patriarchale Muster sichtbar zu machen.</p>
<p><strong>Die Jahre, die da noch kommen sollen</strong><br />
Die drei Gründerinnen haben den Ehrgeiz, <em>Nefeli</em> als festen Bestandteil der Stuttgarter Kulturlandschaft zu etablieren und weiterhin anspruchsvolles griechisches Theater zu präsentieren, das den Geist der Zeit trifft. Auf die Frage, ob es eine besondere Tradition gibt, die sie kultivieren, antworten die drei unisono: „Wenn man es als Tradition bezeichnen kann: Nach jeder Premiere ist es für uns obligatorisch, gemeinsam griechisch essen zu gehen. Das gehört für den Zusammenhalt der Gruppe einfach dazu.“<br />
Da kann man ihnen nur guten Appetit wünschen, viel Erfolg und weiterhin alles Gute!</p>
<hr />
<p class="textinfo"><em>Kulturkabinett e.V., <a href="https://kkt-stuttgart.de/service/#kontakt">hier</a>. Text: Simon Steiner. Fotos: Nefeli. Redaktion: A.Tsingas.</em></p>
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		<title>Das 2. Rembetiko-Festival auf der Athener Heiligen Straße (2025)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Dec 2025 08:35:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[Mitte Oktober war es endlich wieder soweit, das 2. Rembetiko-Festival fand in Athen-Egaleo statt. Drei Tage voll mit Musik, Tänzen, Seminaren, Kursen, Schattentheater, Ausstellungen und Buchpräsentationen, die die urbane Volksmusik Griechenlands für annähernd 3000 gut ... <p class="read-more-container"><a title="Das 2. Rembetiko-Festival auf der Athener Heiligen Straße (2025)" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/#more-15895" aria-label="Mehr Informationen über Das 2. Rembetiko-Festival auf der Athener Heiligen Straße (2025)">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Mitte Oktober war es endlich wieder soweit, das 2. Rembetiko-Festival fand in Athen-Egaleo statt. Drei Tage voll mit Musik, Tänzen, Seminaren, Kursen, Schattentheater, Ausstellungen und Buchpräsentationen, die die urbane Volksmusik Griechenlands für annähernd 3000 gut gelaunte Gäste feierten.</p>
<p><strong>Was geschah</strong><br />
Sensationell war die lange Samstagsveranstaltung, denn diese Nacht wurde zur Trance: Das Publikum war schon randvoll mit melancholischen Klängen aus Kleinasien und schläfrig. Da tauchte um Mitternacht der ältere Herr Thimios Stouraitis mit seiner jungen Frau Maria Kapetanidou auf und verblüffte alle durch seine Bouzouki, die er eigenwillig im Stil amerikanischer Bluesmusiker spielte. Alles andere als übliche Akkorde, rasende Triolenpassagen und abrupte Brüche; dazu wurde zweistimmig gesungen – er rau, sie hell, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=MmYpTf8MKCs&amp;list=RDMmYpTf8MKCs&amp;start_radio=1">hier</a>. Das machte den Unterschied zu den vielen Traditionalisten aus. Am Schluss stimmten sie Markos Vamvakaris‘ Karantouzeni aus dem Jahr 1933 an, in dem Markos die rembetische Lebenswelt schildert.</p>

<a href='https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/attachment/s2-06_thimios-und-maria-nah-dran/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="958" height="718" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-06_Thimios-und-Maria-nah-dran.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-06_Thimios-und-Maria-nah-dran.jpg 958w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-06_Thimios-und-Maria-nah-dran-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-06_Thimios-und-Maria-nah-dran-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-06_Thimios-und-Maria-nah-dran-450x337.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-06_Thimios-und-Maria-nah-dran-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 958px) 100vw, 958px" /></a>
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<p>Und dann trat auch noch Giorgos Tzortzis auf, der das Publikum bis 2 Uhr morgen mitriss. Gut, dass er seine Begleitmusiker kaum kannte, denn dadurch kamen Improvisationen, Lücken und Dehnungen zustande, die ins Freie und Schwebende führten. Tzortzis konnte sie immer wieder antreiben und zusammenbringen. Seine Baglamas spielte er zart und sang mal hoch, mal tief, immer aber in seinem unverwechselbaren Stil – war ganz bei sich, eine starke Persönlichkeit mit überragender Haltung, Charme und einem breiten Grinsen. Der Saal tobte, vom Publikum kamen Zurufe und Aufmunterungen, es fühlte sich ganz und gar mitgenommen. Höhepunkt war dann, als das halbe Organisationsteam die Bühne stürmte und zu Tzortzis´ Klängen tanzte.</p>
<p>Noch einmal zurück zu den orientalisch klingenden Amanedes, dem gesanglichen Ausdruck unerfüllter Sehnsucht oder unüberwindbarer Leidenschaft, die ihren Ursprung in Smyrna haben. Auf der Bühne spielte die musikalische Formation in klassischer Café-Aman-Besetzung: Santouri (Hackbrett), Kanoun (Kastenzither), Oud (Kurzhalslaute) und statt der Klarinette ein gebogenes Sopraninosaxophon. Gleitende Mikrotöne, unisono mit Gesang und Geige – man fühlte sich auf einer Zeitreise in Kleinasien.</p>
<figure id="attachment_15984" aria-describedby="caption-attachment-15984" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15984 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-04_Konzert-im-Saal-laengs.jpg" alt="" width="1024" height="283" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-04_Konzert-im-Saal-laengs.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-04_Konzert-im-Saal-laengs-300x83.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-04_Konzert-im-Saal-laengs-768x212.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-04_Konzert-im-Saal-laengs-450x124.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-04_Konzert-im-Saal-laengs-500x138.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-15984" class="wp-caption-text">Innenbühne</figcaption></figure>
<p>Aller politischen Bemühungen, dem gesellschaftlichen Wandel, der Modernisierung Griechenlands und der let´s-go-West-Orientierung seit gut 100 Jahren zum Trotz, liegen die musikalischen Wurzeln des Rembetiko im Orient. Das gilt für die Amanades genauso wie für den Athener Piräus-Stil. Die arabisch-persischen Tonleitern und ihre Melancholie machen die Faszination dieser urbanen Volkslieder aus.</p>
<figure id="attachment_15983" aria-describedby="caption-attachment-15983" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15983 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-03_Konzert-im-Aussenbereich-laengs.jpg" alt="" width="1024" height="319" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-03_Konzert-im-Aussenbereich-laengs.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-03_Konzert-im-Aussenbereich-laengs-300x93.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-03_Konzert-im-Aussenbereich-laengs-768x239.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-03_Konzert-im-Aussenbereich-laengs-450x140.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-03_Konzert-im-Aussenbereich-laengs-500x156.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-15983" class="wp-caption-text">Außenbühne</figcaption></figure>
<p>An den drei Festivaltagen gab es dazu einen Tsitsanis-Abend, ein Stelios-Kazantzidis-Konzert und Rembetiko-graphic-novels, um nur einige Veranstaltungen hervorzuheben.<br />
Große Überraschungen waren ein Konzert, das sich ausschließlich mit der „Zigeuner“-Thematik im Rembetiko befasste, und die Band <em>Antifa</em>, die sich politischen Themen wie Krieg, Krisen, NS, Hunger und autoritären Regimen widmet. Ihr Auftritt wurde begleitet von schockierenden Bildern per Beamer.</p>

<a href='https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/attachment/s2-10_chor-athens-reb-festi_34/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-10_chor-athens-reb-festi_34.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-10_chor-athens-reb-festi_34.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-10_chor-athens-reb-festi_34-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-10_chor-athens-reb-festi_34-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-10_chor-athens-reb-festi_34-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-10_chor-athens-reb-festi_34-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>
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<a href='https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/attachment/s2-05_koumpania-antifa/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-05_Koumpania-ANTIFA.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-05_Koumpania-ANTIFA.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-05_Koumpania-ANTIFA-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-05_Koumpania-ANTIFA-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-05_Koumpania-ANTIFA-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-05_Koumpania-ANTIFA-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>

<p>Ich selbst war eingeladen, um mein Lieblingsthema „Wie der Rembetiko nach Deutschland kam“ vorzutragen. In 12 Thesen gelang es mir – in griechischer Sprache (!) – die Verbindungen und Verflechtungen zwischen dem Rembetiko und Deutschland zu definieren. Befragt wurde ich anschließend zu den Auswanderungswellen von</p>
<figure id="attachment_16020" aria-describedby="caption-attachment-16020" style="width: 370px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16020" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-12_Simon-Steiner-Gerard-Jacques-Istres-Kris-Kaerts-Poli-Roumeliotis-300x91.jpg" alt="" width="380" height="116" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-12_Simon-Steiner-Gerard-Jacques-Istres-Kris-Kaerts-Poli-Roumeliotis-300x91.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-12_Simon-Steiner-Gerard-Jacques-Istres-Kris-Kaerts-Poli-Roumeliotis-768x234.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-12_Simon-Steiner-Gerard-Jacques-Istres-Kris-Kaerts-Poli-Roumeliotis-450x137.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-12_Simon-Steiner-Gerard-Jacques-Istres-Kris-Kaerts-Poli-Roumeliotis-500x152.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-12_Simon-Steiner-Gerard-Jacques-Istres-Kris-Kaerts-Poli-Roumeliotis.jpg 928w" sizes="auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px" /><figcaption id="caption-attachment-16020" class="wp-caption-text">von links: Simon Steiner, Gérard Jacques Istres, Kris Kaerts und Poli Roumeliotis</figcaption></figure>
<p>Griechen nach Deutschland, die den Rembetiko in ihrem Gepäck hatten. Auf der Grundlage von vier Musikbands habe ich die heutige Stuttgarter Rembetiko-Szene veranschaulicht und selbstverständlich nicht versäumt, auch mein „World“-Rembetikoprojekt <a href="http://www.lefta.eu/">www.lefta.eu</a> vorzustellen. <em>Lefta</em> hat sich weiterentwickelt: Internationale Gäste und noch mehr musikalisch-visuelle Experimente kamen hinzu; es ist, mit einem Wort gesagt, <em>Post Re &#8211; betiko</em>!<br />
Im Rahmen des Panels „Rembetiko in Europa“ repräsentierte das Künstlerpaar Kris Kaerts und Poli Roumeliotis die belgische Rembetiko-Szene und zeigte ihren Dokumentarfilm „In Skipperstreet“, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=R8wpMT7Sd3U">hier</a><br />
Die französische Szene stellte Gerard Durand vor, dessen Hauptthese „Rembetiko ist Schicksal“ sehr überzeugte.<br />
Interessant waren die Rückmeldungen: Viele Leute zeigten sich erstaunt über unser Thema „Rembetiko in Europa“, was wir alles in Deutschland, Frankreich und Belgien bewegen und wie intensiv wir mit Griechenland verbunden sind.</p>
<p><strong>Die Organisation</strong><br />
Die Tageskarte lag in diesem Jahr bei 12 Euro an der Abendkasse. Parkplätze sind vor Ort auf der Iera Odos 154 in Athen-Egaleo vorhanden. Die Menschen sind rücksichtsvoll, die Sanitäranlagen werden nonstop gereinigt. Fürs leibliche Wohl ist immer gesorgt: Im Hof des Festivals werden Souflaki, belegte Brote und Getränke verkauft. Am Büchertisch gibt es eine breite Palette von käuflichen Artikeln wie Tonträger, Bilder, T-Shirts u.v.a.m. Dem Festivalgelände gegenüber befindet sich ein Kiosk mit breitem Angebot und im idyllischen Stadtteil Kato Egaleo in 4 km Entfernung gibt es sehr gute Tavernen, Einkaufsmöglichkeiten und einen Park zum Runterkommen und Ausruhen.<br />
Ein perfektes Festival, das Mitte Oktober 2026 wieder stattfinden soll.</p>
<hr />
<p data-wp-editing="1"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-15972" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-01_poster-450x627.jpg" alt="" width="300" height="418" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-01_poster-450x627.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-01_poster-215x300.jpg 215w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-01_poster-500x697.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-01_poster.jpg 735w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Anmerkungen<br />
<strong>1</strong>_<strong>Karantouzeni</strong>, Komposition von Markos Vamvakaris, 1933:</p>
<p data-wp-editing="1"><em>Du hättest in unseren Teke kommen sollen, Mangas,</em><br />
<em>um der Baglamas und unsrem Doppelschlag der Saiten zu lauschen.</em><br />
<em>Du hättest dich hinsetzen, amüsieren und eine Weile zuhören sollen,</em><br />
<em>hättest nicht widerstehen können aufzustehen, dich im Zeibekiko zu drehen.</em><br />
<em>Würdest die Arabién- und Karantouzeni-gestimmten Instrumente hören</em><br />
<em>und schon bald sagen können, die Wasserpfeife wird’s schon richten.</em><br />
<em>Deine Sorgen würden verschwinden, all der Drang und das Verlangen,</em><br />
<em>allein schon vom Zuhören der Bouzouki-Klänge.</em></p>
<p data-wp-editing="1">Die alternativen Stimmungen (= Einstellung der Saiten) <em>Arabién- </em>und <em>Karantouzeni </em>sind Ausdruck der engen Verbindung des Rembetiko mit der osmanisch-arabischen Musiktradition.<br />
<strong>2</strong>_Simon Steiner, <strong>12 Thesen</strong> zur Frage, woher das Interesse am Rembetiko in Deutschland rührt. Die Kurzfassung <a href="https://stuttgartpunk.de/2025/08/10/rembetiko-kosmos/">hier</a> // Der Artikel <em>Wie der Rembetiko nach Stuttgart kam</em> in diablog.eu <a href="https://diablog.eu/kuenste/musik/wie-der-rembetiko-nach-stuttgart-kam/">hier</a> // Dank an meine Frau Rebekka, Thanassis Tsingas und Tasos Kaklamanis für die Betreuung des Vortrages.<br />
<strong>3</strong>_Schreibweise: <strong>Rembetiko</strong> (eher im deutschsprachigen Raum) – <strong>Rebetiko</strong> (eher im englischsprachigen Raum)<br />
<strong>4</strong>_Das Festivalprogramm auf EL <a href="https://athensrebetikofestival.gr/programma-2oy-festibal">hier</a><br />
<strong>5</strong>_Ein Teil des Erlöses des Festivals wurde an die S.O.S.-Kinderdörfer und den Solidaritätsfonds der Panhellenischen Musikvereinigung gespendet.</p>
<p class="textinfo"><em>Text: Simon Steiner. Redaktion. A. Tsingas. Fotos: 2. Rembetiko-Festival Athen.</em></p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Griechische Musik – in Görlitz seit 1916</title>
		<link>https://diablog.eu/kuenste/musik/griechische-musik-in-goerlitz-seit-1916/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 May 2025 08:24:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit September 1916 befand sich das gesamte 4. Griechische Armeekorps im deutschen Kriegsgefangenenlager Görlitz-Moys. Musik und Sprache der Soldaten wurden Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen der Humboldt-Universität zu Berlin. In den Jahren 1915-1918 besuchten Vertreter der Königlich ... <p class="read-more-container"><a title="Griechische Musik – in Görlitz seit 1916" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/musik/griechische-musik-in-goerlitz-seit-1916/#more-14918" aria-label="Mehr Informationen über Griechische Musik – in Görlitz seit 1916">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Seit September 1916 befand sich das gesamte 4. Griechische Armeekorps im deutschen Kriegsgefangenenlager Görlitz-Moys. Musik und Sprache der Soldaten wurden Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen der Humboldt-Universität zu Berlin.</p>
<p>In den Jahren 1915-1918 besuchten Vertreter der Königlich Preußischen Phonographischen Kommission deutsche Kriegsgefangenenlager und nahmen Fremdsprachen, Dialekte und Musik auf, um ein „Stimmenmuseum der Völker“ einzurichten.<br />
Projektleiter waren Georg Schünemann und Karl Stumpf. Insgesamt wurden 1.022 Aufnahmen auf Tonwalzen gebannt. Zur gleichen Zeit nahm Wilhelm Doegen mit der damals neuesten Aufnahmetechnik der Carl Lindström AG 1.650 Grammophonplatten mit 250 Sprachen und Dialekten auf. Im Kriegsgefangenenlager Görlitz-Moys leitete der Byzantinist August Heisenberg die Tonaufnahmen.<br />
In der ersten Julihälfte 1917, genauer gesagt vom 12. bis zum 17. Juli, nahm er mit kriegsgefangenen Soldaten, Unteroffizieren und Offizieren des griechischen 4. Armeekorps in der Baracke 1 des „Griechenlagers Görlitz“, 70 Tonwalzen auf (Kennziffern 653 bis 722) und 72 Grammophonplatten mit 78 U/min (Kennziffern PK 933 bis PK 1004).</p>
<figure id="attachment_14944" aria-describedby="caption-attachment-14944" style="width: 490px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14944 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-07-500x789.jpg" alt="" width="500" height="789" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-07-500x789.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-07-190x300.jpg 190w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-07-450x710.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-07.jpg 649w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-14944" class="wp-caption-text"><em>Personalbogen PK 944 © K. Andrikopoulos</em></figcaption></figure>
<p>Aber wie kam damals das griechische 4. Armeekorps überhaupt nach Görlitz?<br />
Griechenland, das während der Balkankriege 1912-1913 sein Staatsgebiet stark vergrößert hatte, befand sich aufgrund innenpolitischer Rivalitäten in einer misslichen Lage, die sich auch in der außenpolitischen Ausrichtung des Landes widerspiegelte.<br />
Im griechischen Parlament besaß die Liberale Partei des Premierministers Eleftherios Venizelos die Mehrheit. Ihr Bestreben war, auf Seite der Briten und Franzosen in den ersten Weltkrieg einzutreten. Die monarchistischen und pro-deutschen Kräfte um König Konstantin I. befürworteten dagegen die Neutralität des Landes. Dieses Ringen war auch in den Reihen der griechischen Armee allgegenwärtig.<br />
Die Niederlage Serbiens, der Vormarsch Bulgariens, die Stationierung alliierter Streitkräfte in Thessaloniki und Bulgariens Ambitionen auf die Regionen Makedonien und Thrakien machen die Neutralität Griechenlands unhaltbar. Die Stärkung Bulgariens entsprach natürlich nicht den griechischen Interessen. So stimmten im Herbst 1915 die Liberalen im Parlament für den Eintritt Griechenlands in den Krieg an der Seite Serbiens.<br />
Die Monarchisten waren dagegen und unterstützten Konstantins Position, das Abstimmungsergebnis zu ignoriert und Venizelos zum Rücktritt zu drängen. Konstantin beharrte auf Neutralität, obwohl die Alliierten Teile Griechenlands besetzt hielten, und immer noch, als bulgarisches Militär im Mai 1916 in griechisches Territorium eindrang. Konstantins Befehl auf die bulgarische Invasion nicht zu reagieren, machte vielen Offizieren den Gehorsam unmöglich. Es bestand die Gefahr, in bulgarische Gefangenschaft zu geraten. Zahlreiche Offiziere des 4. Armeekorps blieben jedoch dem Könighaus treu und erklärten sich bereit, stattdessen in ein deutsches Militärlager überführt zu werden – unter einem eigenwilligen Gefangenenstatus, nämlich als „Gäste“. So wurde in der zweiten Septemberhälfte 1916 die Verlegung des griechischen Korps per Bahn nach Deutschland eingeleitet.</p>
<figure id="attachment_14952" aria-describedby="caption-attachment-14952" style="width: 490px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14952 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-01-500x582.jpg" alt="" width="500" height="582" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-01-500x582.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-01-258x300.jpg 258w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-01-768x895.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-01-450x524.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-01.jpg 879w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-14952" class="wp-caption-text"><em>Abfahrt aus der nordgriechischen Stadt Drama; © K. Andrikopoulos</em></figcaption></figure>
<p>Die Wahl von Görlitz als Zielort der 6.100 Soldaten, 430 Offiziere, 93 Frauen und 5 Kindern wurde wahrscheinlich aus praktischen Gründen und wegen der Verfügbarkeit des Lagers getroffen. Das Görlitzer Lager war für 12.000 Gefangene ausgerichtet, musste aber zeitweise bis zu 15.000 Personen gleichzeitig beherbergen. Vor den Griechen waren dort Russen untergebracht. Die Deutschen modernisierten das Lager sehr schnell und verbesserten dabei erheblich die Unterbringung, so dass die Griechen nicht unter ähnlichen Bedingungen leben mussten wie die Gefangenen vor ihnen. Höhere Dienstgrade und Unteroffiziere sowie Frauen und Kinder wurden in Zivilhäusern untergebracht, die ihnen die Stadt zuwies.<br />
Die Geschichte der Griechen in Görlitz hat mich vom ersten Moment an aus mehreren Gründen fasziniert. Vor allem wegen des enormen musikwissenschaftlichen und volkskundlichen Wertes der vorhandenen Tonaufnahmen, aber auch wegen der bisher weitgehend unbekannten geschichtlichen Ereignisse.<br />
Nach einem Hinweis in einem musikalischen Online-Forum (rembetiko.gr, <a href="https://rembetiko.gr/">hier</a>, auf EL) nahm ich Ende 2003 Kontakt zu Frau Dr. Susanne Ziegler vom Ethnologischen Museum Berlin auf, die mich über die Existenz zweier unterschiedlichen Träger, Tonwalzen und Grammophonplatten, informierte. Die Walzen mit ausschließlich Musikaufnahmen werden im Ethnologischen Museum aufbewahrt, die Platten mit hauptsächlich Sprachaufnahmen im Lautarchiv der benachbarten Humboldt-Universität.<br />
Da die Aufnahmen der Tonwalzen zu der Zeit noch nicht digitalisiert waren, hatte sie mich an das Lautarchiv verwiesen, wo der Digitalisierung bereits begonnen hatte.</p>
<figure id="attachment_14950" aria-describedby="caption-attachment-14950" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14950 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-10-450x338.jpg" alt="" width="450" height="338" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-10-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-10-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-10-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-10-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-10.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-14950" class="wp-caption-text"><em>Etikett der Tonwalze 702, „Lied aus Smyrna mit Bouzoukibegeleitung, Worjas, Kalamaras“; © K. Andrikopoulos</em></figcaption></figure>
<p>Ich beantragte einen Katalog der Aufnahmen und bekam 19 Tonkopien von Liedern und Sprache aus 72 Schallplatten.<br />
An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass Frau Dr. Ziegler persönlich bereits 1997 bei einem Fachkongress in Dion/GR die zuständigen griechischen Institutionen über die Existenz dieser Aufnahmen informiert hatte. Überraschenderweise reagierte die griechischer Seite nicht darauf.<br />
Einzige Folge war ein Artikel von Markos Dragoumis in der Athener Tageszeitung Eleftherotypia (22.11.1998) mit dem Titel „Die erste Bouzouki-Aufnahme“. In derselben Zeitung folgte ein Artikel von Ilias Voliotis-Kaptanakis (08.02.1999), der sich einem der Sänger dieser Aufnahmen, Apostolos Papadiamantis, widmete, einem Neffen des Autors Alexandros Papadiamantis. Der keineswegs wissenschaftliche, jedoch Interesse erweckende Titel lautete sinngemäß „Papadiamantis, der erste Rembetiko-Sänger“.<br />
Seitdem ich nun diese Stimmen aus der Vergangenheit höre, füllt sich mein Kopf mit tausend Bildern und Emotionen. Mir wird klar, dass wir es nicht nur mit der ersten Bouzouki-Aufnahme und dem Rembetiko-Sänger Papadiamantis zu tun haben, sondern mit einem musikalischen und sprachlichen Schatz!<br />
Auch wenn bei der Verschriftlichung der Liedtexte und das Studium der Tonaufnahmen manche wichtige Antworten auf persönliche, historische, volkskundliche und musikwissenschaftliche Fragen gelöst werden, ergeben sich gleichzeitig auch Dutzende neue Fragen.<br />
Diese Tonaufnahmen sind eine wahre Zeitkapsel – angefüllt mit von Getrandeten hinterlassenen Emotionen und Informationen – die durch Zeit und Raum reist. Botschaften wie (Alb-)Träume von Entbehrungen (der Heimat, der Gewohnheiten, des mitfühlenden Partners, des Friedens, der Wahrheit, der Gerechtigkeit &#8230;) oder wie prophetische Träume, die sich in paradoxer und unwirklicher Rasanz erfüllen.<br />
Aber die wichtigste Botschaft, die uns diese Aufnahmen überbringen (und die uns sicher noch viel weiter voranbringen wird), ist es die Hoffnung, die alles überlebt und die Menschen antreibt, auch wenn sie die dunkelsten Pfade des Krieges, des Todes, der Einsamkeit und der Ungerechtigkeit beschreiten müssen.<br />
Ich betrachte die Ereignisse um Görlitz nicht als eine Geschichte von guten oder schlechten Staaten, Nationen, politischen Fraktionen usw., sondern als eine Einheit, bestehend aus abertausenden menschlichen Geschichten. Mit diesem Leitgedanken forsche ich bis heute immer weiter, um ihnen auf der Spur zu bleiben.</p>
<figure id="attachment_14948" aria-describedby="caption-attachment-14948" style="width: 1014px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14948 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-09.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-09.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-09-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-09-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-09-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-09-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-14948" class="wp-caption-text"><em>Griechische Soldaten in Görlitz; © K. Andrikopoulos</em></figcaption></figure>
<p>Die erste Veröffentlichung auf meiner Website machte ich bereits 2004 unter dem Titel „Ein Blick in die Vergangenheit, ein Rat für die Zukunft“ (Μια ματιά στο παρελθόν, μια συμβουλή για το μέλλον; <a href="http://www.paradoxon.gr/paramithi/goerlitz.html">hier</a>, auf EL, und <a href="http://paradoxon-klangorchester.de/paramithi/arthra/goerlitz.de.html">hier</a>, auf DE)<br />
Auf der Suche nach den Familien und Nachkommen, zunächst der Soldaten, die an den Aufnahmen beteiligt waren, entstand die Idee, diese Recherchen in einem Dokumentarfilm festzuhalten, den ich dann initiierte und organisierte (Status der Doku <a href="http://www.universitaetssammlungen.de/publikation/3204">hier</a>). Der Film „Το θαύμα του Γκέρλιτς“ (Das Wunder von Görlitz, internationale Fassung) oder „Görlitz, die Griechen und die geheime Kommission“ (DE-Fassung), der auf Ideen und Recherchen von mir beruht und den ich koproduziert habe, wurde am 2. Oktober 2006 im vollbesetzten Goethe Institut Athen präsentiert. Bei deiesr Veranstaltung traf ich noch mehr Nachfahren von Görlitzer Soldaten. In den folgenden Jahren sammlte ich weitere wichtige Zeugnisse und Belege zu dieser Zeit. Eines der wichtigsten und historisch wertvollsten Dokumente ist das „Tagebuch Margaritoulis“, das ich, angereichert durch eigene Recherchen mit Fotos, Informationen sowie weiteren Zeitzeugnissen und Unterlagen, 2007 veröffentlichte (<a href="http://paradoxon-klangorchester.de/paramithi/arthra/kato-o-polemos.html">hier</a> auf EL).<br />
Meine Anstrengung, alle Tonaufnahmen zusammenzutragen, stößt jedoch auf größere Schwierigkeiten. Bestimmte Archive sind geschlossen oder über längere Zeiträume unterbesetzt. Das Fehlen akademischer Titel in meinem Lebenslauf erschwert meine Bemühungen zusätzlich. Aber ich blieb dran, investierte Zeit und Geld und setze meine Nachforschungen auf zahlreichen Reisen in Griechenland und Deutschland  fort.<br />
Im Juni 2007 suchte ich Herrn Jürgen-K. Mahrenholz vom Lautarchiv des Musikwissenschaftlichen Seminars an der HU Berlin auf, mit dem ich seit 2003 in telefonischem und elektronischem Kontakt stand, um Kopien der existierenden Schallplattenaufnahmen und der dazugehörigen Unterlagen zu erhalten.<br />
Das Material beantragte ich vor Ort. Die Aushändigung wurde jedoch immer wieder verschoben, bis Herr Mahrenholz aus dem Lautarchiv schied, das seitdem für mich verstummte.<br />
2014 bat eine neue Mitarbeiterin des Lautarchivs, Frau Sarah Grossert, um meine Unterschrift, um meinen Dokumentarfilms bei einer Universitätsveranstaltung vorführen zu können. Ich nutze die Gelegenheit, um an meinen Antrag zu erinnern, der wohl in einer Schublade schlummert.<br />
So gelang es mir, digitalisierte Kopien aller erhaltenen Schallplatten und der dazugehörigen Protokolle zu bekommen.</p>
<figure id="attachment_14938" aria-describedby="caption-attachment-14938" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14938 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-04.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-04.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-04-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-04-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-04-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-04-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-14938" class="wp-caption-text"><em>Kriegsgefangenenlager Görlitz-Moys: Tsamikos-Tanz mit Klarinetten und Tamburin; © K. Andrikopoulos</em></figcaption></figure>
<p>Die für mich und meine Anstrengungen günstigen Umstände setzten sich fort: Das Ethnologische Museum Berlin bat mich, einige Fotos aus meinem Archiv für die Ausstellung „Phonographierte Klänge – Photographierte Momente, Ton- und Bilddokumente aus Kriegsgefangenenlagern im Ersten Weltkrieg“ zur Verfügung zu stellen. Das tat ich auch und informiere die Verantwortlichen gleichzeitig, dass mein Musikensemble <em>Paradoxon</em> einige der historischen Tonaufnahmen und die dazugehörigen musikgeschichtlichen Informationen im Repertoire hat. So fand am 1. November 2014 im Ethnologischen Museum Berlin eine Aufführung als <em>Lecture Demonstration</em> statt. Diese Präsentation ist bei Publikum und Organisatoren gut angekommen, wurde aufgezeichnet und archiviert.<br />
Daraufhin bekam ich umgehen die mittlerweile digitalisierten Tonwalzenaufnahmen zusammen mit den Begleitdokumenten ausgehändigt. Meine Freude ließ sich kaum beschreiben!<br />
Die „griechischen“ Tonwalzenaufnahmen mussten katalogisiert, kategorisiert und einer grundlegenden musikwissenschaftlichen Analyse unterzogen werden. Ich wurde mit dieser Aufgabe betraut und führte sie zwar unter Zeitdruck – um den vorgegebenen zeitlichen Rahmen der Veranstaltungsreihe von Ende November 2014 bis Mitte Januar 2015 einzuhalten –, aber auch mit großer Freude aus. Es entstand die Arbeit „Griechische Tonaufnahmen auf Zylinderwalzen 1917“. <strong>(1)</strong><br />
Das Museum bat mich dann, ihm die Aufnahme eines  Auftritts meines Ensembles (auf der Bühne begleitet vom Regisseur Kostas Ferris; zu ihm s. weiter unten) im Theater Oberhausen am 13. April 2013 zur Verfügung zu stellen. Aufgeführt wurde dabei das Lied „Wenig Sonne“ oder „Die Distichen des Deutschen“ (Τα δίστιχα του Γερμανού; ein Distichon, plural Distichen, ist ein Verspaar bzw. eine zweizeilige Strophenform). Die Besonderheit dieses Liedes liegt in der Verknüpfung der Melodie (eines nicht überlieferten Verfassers) des populären Rembetiko-Liedes „Die Distichen des mangas“ (Τα δίστιχα του μάγκα; Komposition im Rahmen der griechisch-urbanen Musiktradition) mit einem deutschen Text. Diese Kombination hatte das volkskundliche Interesse der Verantwortlichen geweckt (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=7bhWNuFEDNM">hier</a>).<br />
Die Aufnahmen von Görlitz gelten als die älteste und umfangreichste Sammlung an traditioneller griechischer Musik, Sprachaufnahmen (Volkssagen, Märchen, Rezitationen) und byzantinischen Kirchenpsalmen.<br />
Das Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat zwar einen Artikel veröffentlicht, der sich auf drei Aufnahmen bezieht, die 1901 von Paul Kretschmer auf Lesbos gemacht worden waren, doch handelt es sich dabei um Kunst- und nicht um Volksmusik (<a href="https://kretschmer.oeaw.ac.at/?page_id=29">hier</a>).<br />
Die „griechischen“ Görlitzer Aufnahmen aus dem Jahr 1917 öffnen ein Fenster in die Vergangenheit. Diese Tonaufzeichnung bewahren und ermöglichen uns einerseits einen umfangreichen Einblick in mündliche und musikalische Tradition, markieren andererseits aber auch deren Ende, denn die mündliche Weitergabe der Lieder wird bald darauf durch Tonträger ersetzt. Tonträger, die den Liedern zeitliche Beschränkungen auferlegen, zunächst wegen der begrenzten Zeitkapazität des Mediums und später wegen des wirtschaftlichen Werts von Radio- und Fernsehzeit.<br />
Die 70 Wachswalzen enthalten Aufnahmen von Liedern und byzantinischen Kirchengesängen und sind vollzählich erhalten geblieben. Bei den 72 Grammophonplatten handelt es sich hauptsächlich um Sprachaufnahmen, es gibt aber auch einige Lieder und byzantinische Kirchenpsalmen. Manche davon sind verloren gegangen.<br />
In Studien und Artikeln zu den „griechischen“ Tonaufnahmen war bis vor kurzem noch die Rede von 69 Walzen und 71 Platten.</p>
<figure id="attachment_14946" aria-describedby="caption-attachment-14946" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14946 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-08-450x286.jpg" alt="" width="450" height="286" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-08-450x286.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-08-300x191.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-08-768x488.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-08-500x318.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-08.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-14946" class="wp-caption-text"><em>Protokollheft: Berechnung von Heisenberg; © K. Andrikopoulos</em></figcaption></figure>
<p>Im Protokollheft des Byzantinisten August Heisenberg ist mir auf der letzten Seite aufgefallen, dass er von der letzten Walzenkennzahl 722 die ersten 653 subtrahiert und fälschlicherweise die Anzahl von 69 statt der richtigen 70 notiert. Aufgrund eines ähnlichen Rechenfehlers notiert er für die Schallplatten die Zahl 71 statt der richtigen 72. Diese Fehler sind in den Museumskatalogen und in den darauf fußenden Studien übernommen worden und erscheinen somit auch in zahlreichen Artikeln und Referenzen.<br />
Bei den Aufnahmen der Tonwalzen waren 36 Soldaten beteiligt, 77 bei den Schallplatten. Einige von ihnen beteiligten sich mit unterschiedlichen oder (im selteneren Fall) identischen Aufnahmen an beiden Aufzeichnungsmedien, wie aus den Notizen der erhaltenen Begleitdokumente hervorgeht.</p>
<figure id="attachment_14942" aria-describedby="caption-attachment-14942" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14942 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-06-450x406.jpg" alt="" width="450" height="406" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-06-450x406.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-06-300x271.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-06-768x693.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-06-500x451.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-06.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-14942" class="wp-caption-text"><em>Michalis Polychronakis bei einer Musikaufnahme; © K. Andrikopoulos</em></figcaption></figure>
<p>Die Lieder werden hauptsächlich a cappella vorgetragen. Aber es gibt auch Lieder mit Begleitung von Bouzouki, Flöte und kretischer Lyra. Es sind Lieder der ländlichen und urbanen Tradition, Amanedes (Klagegesänge), Kleftika (Widerstandslieder des 18. Jh.) und Mantinades (gesungene Gedichte in Reimform). Bei urbanen und auch volkstümlichen Liedern gibt es auch einige Choraufnahmen.<br />
Besonders erwähnenswert sind Moirologia (Klagelieder) von der Mani-Halbinsel/Peloponnes, byzantinische Kirchengesänge, der unbekannte pontische Volkstanz Tik Tromahton und die wunderbaren Sprachaufnahmen mit lokalen Idiomen. Stark vertreten sind Regiolekte zahlreicher griechischer Inseln.<strong> (2)</strong><br />
Ausführlich schreibe ich seit 2003 anhand von gesammelten einzigartigen Zeugnissen und audiovisuellem Material zur Geschichte des 4. Armeekorps wie auch zu den Tonaufnahmen auf meinen Plattformen Website, YouTube-Kanal und Facebook-Gruppe.<br />
Parallel zur Untersuchung der Aufnahmen und der damit verbundenen Recherchen, dem Verfassen von Artikeln, der informativen, audiovisuellen Präsentation – begleitet von Live-Musik – bei vielen Veranstaltungen, wie beispielsweise der im Kunstmuseum Bochum (in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Mittelmeerstudien der Universität Bochum) und im Ethnologischen Museum Berlin, stellte ich in Eigeninitiative vier CDs als wissenschaftliche GEMA-Produktionen zusammen. Sie tragen den Titel „Μουσικός Χρονοχώρος“ (Musikalischer Zeitraum) 1917–2021/2022/2023/2024 (<a href="https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10203578928313768&amp;type=3">hier</a> und <a href="https://www.facebook.com/groups/229136393792815/permalink/850008128372302/">hier</a>). Die ersten beiden wurden durch Zuschüsse des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert, die zwei weiteren ausschließlich aus Eigenmitteln. (auf YouTube <a href="https://www.youtube.com/watch?v=9hUER0t2H3s">hier</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=bkLFli2A8fM">hier</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=4kCyvCYDSg4">hier</a> und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Uv6Dw_il8lQ">hier</a>). Jede CD enthält sieben historische Aufnahmen und sieben Neueinspielungen mit namhafter Musiker und Interpreten. <strong>(3)</strong><br />
Wegen der hohen Produktionskosten und der wenig ergiebigen Suche nach Sponsoren ist die Fortführung dieser Produktionen auf Spenden an die <em>Initiative Paradoxon</em> angewiesen. Spenderinnen und Spender bekommen alle vier produzierten CDs postalisch zugeschickt. Ziel des Projekts ist, mindestens drei weitere CDs zu finanzieren, damit dieses deutsch-griechische Kulturgut zum Allgemeingut werden kann.<br />
Seit Ende 2004 veröffentliche ich auf meinem YouTube-Kanal Videobeiträge zu bedeutenden Akteuren der Aufnahmen und deren persönliche Geschichte. <strong>(4)</strong><br />
Seit 2013 habe ich auf Anregung des befreundeten Regisseurs Kostas Ferris (u.a. ausgezeichnet mit einen Silbernen Bären auf der Berlinale 1984) ein Drehbuch entworfen, das sich auf die Geschichte der Tonaufnahmen von 1917 konzentriert. Es verdeutlicht die historischen und sozial-kulturell beispiellosen deutsch-griechische Verflechtungen dieser Zeit und steht Film- und  Theaterschaffenden auf Anfrage zur Verfügung. Darin wechseln sich Dramatik und Heiterkeit, Liebe und Tod ab. Protagonisten sind die griechischen Soldaten, ihre persönlichen Schicksale und die Tonaufnahmen. Soundtrack sind ihre Lieder und Erzählungen. Nebenbei tauchen bedeutende Ereignisse der Zeit auf wie die Spanische Grippe, die Oktoberrevolution, die Gründung des einzigen griechischen Sowjets, die Ausgabe der Görlitzer Nachrichten auf Griechisch, die erste Übersetzung von Alexandros Papadiamantis ins Deutsche sowie Zeitgenossen und Persönlichkeiten wie der Autor und Übersetzer Leon Koukoulas und das schriftstellerische Multitalent Vassilis Rotas.</p>
<hr />
<p><strong>(1)</strong> <strong>Griechische Tonaufnahmen auf Zylinderwalzen 1917</strong><br />
Sprachliche– und musikalische Bearbeitung der griechischen Tonaufnahmen und ihrer Textprotokolle, die von der Preußischen Phonographischen Kommission im Kriegsgefangenenlager Moys in Görlitz, im Sommer 1917 auf Zylinderwalzen aufgenommen wurden. Eine Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum zu Berlin, im Rahmen des Projektes „Phonographierte Klänge – Photographierte Momente, Ton- und Bilddokumente aus Kriegsgefangenenlagern im Ersten Weltkrieg“.</p>
<p><strong>(2) Sprachaufnahmen von den Inseln</strong><br />
Kreta, Mykonos, Folegandros, Kimolos, Samos, Kea, Serifos, Syros, Kythnos, Paros, Ägina, Ios, Zakynthos, Lesbos, Euböa, Skyros, Amorgos, Thera, Lefkas, Naxos, Kefalonia, Tinos, Chios, Zypern, Samothraki, Limnos, Alonnisos und Thassos</p>
<p><strong>(3) Die Teilnehmenden</strong><br />
Panagiotis Lalezas, Marianthi Lioudaki, Yannis Niarchos, Theologos Papanikolaou, Elpiniki Zervou, Nikolaos Konstantelias, Panagiota Ameridou, Christos Ioannidis, Dionysia Papouli, Konstantina Hantzi, Andreas Niarchos, Nikos Milas, Eleni Papaprokopiou, Christina Kouki, Nikolas Angelopoulos, Vassilios Mavromoustakidis, Fotis Vergopoulos, Ioannis Graikos, Christos Danakis, Konstantinos Papaioannou, Panos Dimakis, Kyriakos Chryssikos, Michalis Polychronakis und wir von „Paradoxon“, Antonios, Danae und Konstantinos Andrikopoulos</p>
<p><strong>(4) Videobeiträge</strong><br />
Tonaufnahmen mit Apostolos Kontoulis, Görlitz 1917 <a href="https://www.youtube.com/watch?v=rrnfwik6YeA&amp;t=519s">hier</a> (Kommentare auf EL) // Klagelieder aus Mani mit Michail Douvas, Görlitz 1917 <a href="https://www.youtube.com/watch?v=xc0d2fjll_Q&amp;t=851s">hier</a> (Kommentare auf EL) // Tonaufnahmen mit Michail Polychronakis, Görlitz 1917 <a href="https://www.youtube.com/watch?v=KLNKwsCu-1o&amp;t=282s">hier</a> (Kommentare auf EL)</p>
<p><strong>Quellen</strong><br />
Humboldt-Universität zu Berlin, Musikwissenschaftliches Seminar, Lautarchiv // Ethonogisches Museum Berlin // Archiv Konstantinos Andrikopoulos, www.paradoxon-klangorchester.de // Ratsarchiv Görlitz // Militärgeschichte. Zeitschrift für historische Bildung, Ausgabe März 2011 // Generalstab des Griechischen Heeres, Direktion Militärgeschichte // Rede des Generalleutnants Christos Chalkidis am 22.06.2014, Neuer Friedhof Görlitz, an der Grabanlage der Griechen // Familienarchive von Panagiotis Karamertzanis, Nikolaos Tsapas und Nikolaos Margaritoulis</p>
<p><strong>Links</strong><br />
Georg Schünemann <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Sch%C3%BCnemann">hier</a> // Karl Stumpf <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Stumpf">hier</a> // Wilhelm Doegen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Doegen">hier</a> // August Heisenberg <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/August_Heisenberg">hier</a> // Das griechische 4. Armeekorps im Kriegsgefangenenlager Görlitz <a href="https://www.welt.de/geschichte/article158554117/Als-man-in-Goerlitz-freundlich-zu-Fremden-war.html">hier</a> und <a href="https://migrations-geschichten.de/die-griechen-von-goerlitz/">hier</a> // Venizelismus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Venizelismus">hier</a> // Griechenland im 1. Weltkrieg <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Salonikifront">hier</a> // Kostas Ferris <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kostas_Ferris">hier</a> // Alexandros Papadiamantis <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Alexandros_Papadiamantis">hier</a> // Vassilis Rotas <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Vassilis_Rotas">hier</a> (auf EN)</p>
<hr />
<figure id="attachment_14940" aria-describedby="caption-attachment-14940" style="width: 140px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14940 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-05-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-05-150x150.jpg 150w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-05-300x298.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-05-450x447.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-05-500x497.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/03/gor-05.jpg 503w" sizes="auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px" /><figcaption id="caption-attachment-14940" class="wp-caption-text"><em>© privat</em></figcaption></figure>
<p><strong>Der Autor</strong><br />
<strong>Konstantinos Andrikopoulos</strong> wurde 1963 in Patras geboren und hat in Athen BWL studiert. Seit 1993 lebt er in Deutschland. Der Musikbegeisterte hat 1998 das Projekt <em>Paradoxon-Klangorchester</em> gegründet. Seit 2000 unterrichtet er Perkussion und organisiert entsprechende Seminare mit Schwerpunkt die Rhythmen der traditionellen griechischen Musik im Rahmen von Sozialprogrammen für Jugendliche und Erwachsene, wobei er mit zahlreichen Institutionen und Stiftungen zusammenarbeitet. Nach seiner Auszeichnung durch die Robert Bosch Stiftung und einer dreijährigen Weiterbildung an der Landesmusikakademie NRW baut er seit 2012 mit der <em>Initiative  Paradoxon</em> seine Aktivitäten in ganz Nordrhein-Westfalen aus. Er ist intensiv in der Musikforschung tätig und komponiert Lieder auf Deutsch und Griechisch.</p>
<p class="textinfo"><em>Text: Konstantinos Andrikopoulos. Übersetzung und Redaktion: A. Tsingas. Fotos: Archiv Konstantinos Andrikopoulos.</em></p>
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		<title>Das 1. Rembetiko-Festival auf der Athener Heiligen Straße</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Jan 2025 15:24:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alltagskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 12. und 13. Oktober 2024 versammelten sich zum ersten Mal an einem Ort die bedeutendsten zeitgenössischen Vertreter der Wiederbelebung, Weiterführung und Erneuerung des Rembetiko-Genres. Auf das Festival wollte ich gar nicht, weil wir auf ... <p class="read-more-container"><a title="Das 1. Rembetiko-Festival auf der Athener Heiligen Straße" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/musik/das-1-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse/#more-14317" aria-label="Mehr Informationen über Das 1. Rembetiko-Festival auf der Athener Heiligen Straße">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Am 12. und 13. Oktober 2024 versammelten sich zum ersten Mal an einem Ort die bedeutendsten zeitgenössischen Vertreter der Wiederbelebung, Weiterführung und Erneuerung des Rembetiko-Genres.</p>
<p>Auf das Festival wollte ich gar nicht, weil wir auf Euböa chillten. Im Meer baden, am Strand herumliegen und Treibholz sammeln, Steinchen begutachten, Felsen und die gegenüberliegenden Inseln betrachten, die Bucht – diese Ruhe, geborgen, friedlich. Höchstens Fahrradfahren und in die Tavernen. Dass wir überhaupt nach Athen gefahren sind, hat Rebekka organisiert. Darüber bin ich unendlich dankbar. Nur drei Stunden Fahrt und schon sind wir dort. Vom Hotel in Athen war es ein Katzensprung. Ein paar Ampeln weiter, reindrängeln in die Linksabbiegerspur und schnell ein Auto überholen, fremdes Kennzeichen, der oder die weiß nicht, wie&#8216; s weiter geht, wir schon, biegen ein in die Iera Odos, die Heilige Straße. Das graue Band der Straße fährt, nein, es schleicht; geh runter vom Gas, egal wer da hinten hupt. Ein kleiner Park, riesige Bäume: Migranten sammeln säckeweise Johannisbrotschoten auf. Jetzt gleich müssten wir da sein.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-14321 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-01_Plakat-e1735979656573-450x503.jpg" alt="" width="450" height="503" /></p>
<p>Ja, da hängt eine riesige Fahne, das Festival leuchtet knallrot auf. Nicht viele Leute zu sehen, sind sicherlich alle schon drin, wie spät ist es denn? Da, jetzt rechts einbiegen, ja, hier können wir parken. Auch jetzt, einen Monat danach, klebe ich innerlich wieder an meinem <em>streetfeeling</em> und kann damit sehr gut einschlafen. Ich laufe im Herzen die Iera Odos ab. Dann hört sie irgendwann auf, das Festival leert sich und ich bin weg. Nirgendwo, tief im Schlaf. Die Iera Odos, immer geradeaus, bewegt mich noch mehr als das sensationelle Festival. Mein Straßenfieber mal wieder, das muss ich mal loswerden, ist meine Welt, die Straße. Straßen sind bekanntlich auch die Tonleitern (griech.: <em>dromoi</em>). Die Vorfreude, die wenigen Augenblicke, bevor wir abbiegen, um das Auto abzustellen, die Zeit knistert.</p>
<p>„Das wunderbare Athener Rembetiko-Festival fand am 12. und 13. Oktober 2024 im Kulturzentrum <em>Greek Pencil</em>, Iera Odos 154 unter der Schirmherrschaft usw. – ach, wen interessiert das noch? Steht alles auf dem Flyer. Führende griechische Musiker, Musikwissenschaftler, Schriftsteller, Journalisten, Archivare, Radio- und TV-Produzenten präsentierten ihr Können und Wissen, les ich in einer Zeitung. Ja gut, ihr Können und Wissen, wir sind erst mal erschlagen, ein wenig akademisch hier – oder?! Internetproduzenten, moderne Archivare – das hervorragende Kounadis Archiv, will ich hier noch anfügen.</p>
<p><strong>George Zorbas von der George Zorbas Band auf der Außenbühne</strong><br />
Schnell nach vorne zur Außenbühne, da sitzen sie, George Zorbas und seine Band. Klasse Stimme. Alte Rembetika, so schön. Sag hallo, nein, sag du hallo; er freut sich, wir sind wieder da. Kennen uns doch bereits. Damals, 1. Mai, die lange Nacht vom 30. in der Taverne <em>To Navagio ton Aggelon</em> in Athen-Exarchia; er saß neben uns, nicht ganz, aber wir rückten ihm auf den Pelz, wollten ihn unbedingt kennenlernen. Wir ahnten es, ein großer Rembetis und jetzt sind wir Freunde. Gleich alt, gut gehalten. Ja, er muss auch haushalten, die Gesundheit, erzählte er damals. Wir werden älter. Wir lachen, George, unser Freund. „Hey, wir kommen heut Nacht noch nach Nikea in die Taverne, zu eurem Auftritt“; er: „Ich reserviere euch einen Tisch!“</p>
<figure id="attachment_14324" aria-describedby="caption-attachment-14324" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14324 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-02_Georg-Zorbas-Band.jpg" alt="" width="1024" height="394" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-02_Georg-Zorbas-Band.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-02_Georg-Zorbas-Band-300x115.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-02_Georg-Zorbas-Band-768x296.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-02_Georg-Zorbas-Band-450x173.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-02_Georg-Zorbas-Band-500x192.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-14324" class="wp-caption-text">George Zorbas Band</figcaption></figure>
<p><strong>Im Foyer des Kulturzentrums</strong><br />
Im Foyer gefühlt eine Million griechische Rembetiko-Bücher, CDs, Rembetiko-Bierdeckel oder sind das Untersetzer? Ja, Untersetzer, sehen aber aus wie CDs. Bildbände, wann die alle auch noch durchblättern? Ich kauf erst mal dieses T-Shirt. Nein, nicht das ausverkaufte Markos-Vamvakaris-Shirt, nein, ich warte nicht auf die zweite Auflage, ich will das mit dem Logo, jetzt: <em>1st Athens Rebetiko Festival</em>, s/w auf einer Baglamas mit Wurzeln in das Alte, Vergangene, sinnbildlich und damit kann ich zukünftig in Stuttgart angeben: Ja, wir waren dort. Sind immer noch dort, mit dem Herzen, weißt du noch, frag ich Rebekka täglich in Stuttgart. Wie freundlich die alle waren, ruhig und hilfsbereit. Alle so rücksichtsvoll, kein Geschubse, kein Leergut, das rumliegt, nirgends Müll, halten die Tür auf, höfliche, charmante Menschen, so viele bildungshungrige, wissbegierige Leute; die Rembetiko-community ist schwer angetan, alle sind fasziniert, was kommt nun? Da steht ein Sofa, wir verschnaufen. Hinsetzen, keinen Schritt weitermachen, sitzen wie am Meer, wie in den letzten Monaten. So viele Menschen hier. Aber das Meer ist jetzt fort. Am Eingangstor bildet sich eine lange Schlange, müssen die nicht mal so langsam dicht machen? Das Fest platzt schier aus allen Nähten.</p>
<p><strong>Katerina Tsiridou – Rembetiko Managerin und Rembetissa </strong><br />
Schau mal, die guckt immer so interessiert; frage sie, ob ich den Büchertisch fotografieren darf, sie strahlt. Katerina Tsiridou, eine unglaubliche Frau, echte Rembetissa. Tausendsassa. „Mädchen für alles“ wäre eine Beleidigung! „A full time job“, sagt sie, führt durch das Programm. Katerina verkauft gerade Tonträger und Bücher, spielt nachher live und leitet auch einen Kurs: Wie werden die Rembetika gesungen? Festival-Managerin, immer auf den Beinen, jetzt ruht sie sich aus, am Büchertisch, so gut es geht. Auch jetzt wird sie dauernd angesprochen, ist dauernd in Fahrt. Sie widmet sich den großen Frauen des Rembetiko, den Rembetisses, derzeit Marika Ninou, die sie per Buch, CD und Konzerte ehrt. Auch auf diesem Festival. Sagenhaft, starke Frau.</p>
<figure id="attachment_14328" aria-describedby="caption-attachment-14328" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14328 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-04_Katerina-Tsiridou.jpg" alt="" width="1024" height="270" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-04_Katerina-Tsiridou.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-04_Katerina-Tsiridou-300x79.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-04_Katerina-Tsiridou-768x203.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-04_Katerina-Tsiridou-450x119.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-04_Katerina-Tsiridou-500x132.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-14328" class="wp-caption-text">Katerina Tsiridou</figcaption></figure>
<p><strong>Aus alt mach neu! In den großen Saal rein und wieder raus</strong><br />
Im Saal: Alte Grammophone und Radios, vergangene Zeiten, Rembetiko-Nostalgie.<br />
Vorträge! Ein Hin und Her auf der Zeitschaukel der Geschichte, ins vorige Jahrhundert und sogar ins Jahrhundert davor, nach Smyrni um 1900, auf den Booten der Geflüchteten nach der Kleinasiatischen Katastrophe 1922 Richtung Piräus, Volos, Thessaloniki. In die Diaspora nach Amerika, wir befinden uns auf einer langen Reise, von der Vergangenheit hierher ins Jetzt. Es wimmelt nur so: Kinderkreativwerkstatt, Schattentheater, oh, ein Verkaufsstand für Bouzoukis und so, super Teile, aber ganz schön teuer! Jugendliche Virtuosen glänzen auf Bouzoukis und Tzouras, Finger fliegen, Töne hüpfen. Die Jungen wissen genau Bescheid: Rembetiko, das Leben der einst Ausgestoßenen, Entfremdeten und Geflüchteten. Rembetiko can never die! Im Hinterhof ein Tanzkurs, zuschauen, innerlich mittanzen, den Hasapiko, den Metzgertanz. Einen Zeybekiko könnte ich, aber Paartänze – danke, lieber nicht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-14326" src="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-03_Leute.jpg" alt="" width="1024" height="312" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-03_Leute.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-03_Leute-300x91.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-03_Leute-768x234.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-03_Leute-450x137.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-03_Leute-500x152.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p><strong>Mit dem Rembetiko-Labor sealabs in die Zukunft</strong><br />
Makis Drymonas sitzt abends in der Rembetiko-Taverne <em>Alargino</em> in Nikea neben uns, sofort das Gefühl, den kenn ich; ist kein Zufall, eher eine logische Folge, denn ich surfte abertausende Stunden auf seiner Rembetiko-Plattform <em>sealabs</em>, die Internet-Datenbank für Rembetiko-Musik. Eine website-community, nichtkommerziell, eine Gemeinschaft, wo du selbst etwas beitragen und alle Informationen hochladen kannst.<br />
Am nächsten Tag, Sonntag, referiert Makis auf der großen Festivalbühne – der Saal ist, naja, ganz gut gefüllt –, Theorie an einem Sonntagmittag.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-14330" src="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-05_Sealabs-doppelt.jpg" alt="" width="1224" height="384" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-05_Sealabs-doppelt.jpg 1224w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-05_Sealabs-doppelt-300x94.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-05_Sealabs-doppelt-1024x321.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-05_Sealabs-doppelt-768x241.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-05_Sealabs-doppelt-450x141.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-05_Sealabs-doppelt-500x157.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1224px) 100vw, 1224px" /></p>
<p>Drymonas schreibt mir per Chat: „In vor-Youtube-Zeiten war die Welt draußen voller Schätze – versteckten Liedern. Wir konnten uns niemals vorstellen, dass sie einmal auftauchen und auf unserer Plattform landen würden. Stabile Beziehungen und Freundschaften zwischen Menschen in ganz Griechenland entstanden. Wir treffen uns jährlich im Sommer auf der Peloponnes, musizieren, quatschen, sind in der Natur, auf den Bergen, wo´s kühler ist. Athen im Sommer ein No-Go, nicht auszuhalten.“ Makis spricht in seinem Vortrag über die Zukunft. Er wird neue <em>tools</em>, neue Werkzeuge installieren. Benutzerfreundlich für Rembetiko-User. Mehr Bilder, Bücher, Quellen, Artikel, Interviews &#8230; Songs verlangsamen, um sie zu lernen. Die Suche vereinfachen.</p>
<p><strong>In der Rembetiko-Taverna in Nikea</strong><br />
George Zorbas von der George Zorbas Band hatte uns einen Tisch reserviert. „Hoffentlich sitzt ihr nah genug bei uns Musikern, aber es war der letzte Tisch!“ Wir bestellen wieder ein Viertel Wein zu zweit und auch Soda, müssen ja noch fahren. Boujourti, Souzoukakia, vier kleine Teller <em>mezedes</em>, wie unter echten Rembeten, Rembetiko-Food. Nur das <em>Tiropitari</em> ist eher Crossover-Küche, fast eine Frühlingsrolle, nicht unser Ding. Drei Batis-Lieder hintereinander, George Zorbas singt, drei Bouzoukispieler begleiten ihn; Stelios ist auch dabei, Stelios Papadopoulos. Den kennen wir auch aus einer anderen Rembetiko-Taverne in Exarchia. Er spielt auch Heavy Metal, habe ich gehört. Guter Kerl, junger Typ, offensiv, arbeitet auch mit dem Körper, sitzt nicht so statisch herum wie die meisten Rembeten. <em>Gyftopoula sto hamam</em>, <em>Zeybekiko Spaniolo</em>, und noch eins. Schnell das Handy auf Mikro anwerfen und die Batislieder aufnehmen. <strong> </strong></p>
<p><strong>Von der Iera Odos in die Taverna in Egaleo</strong><br />
Der zweite Festivaltag. Wir wissen nicht, wo uns der Kopf steht. Oder sind wir schon zu alt? Andere sind doch noch älter. Wo sind die Nachfahren der echten Rembeten, der Helden, die haben doch Kinder und die wiederum auch, die Enkelkinder und Urenkel. Ein uralter Mann referiert, er hat das große Markos Vamvakaris-Buch geschrieben. Hat damals schon gelebt, ich rechne nach. Dreißiger Jahre.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-14332" src="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-06_unterwegs.jpg" alt="" width="1134" height="396" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-06_unterwegs.jpg 1134w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-06_unterwegs-300x105.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-06_unterwegs-1024x358.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-06_unterwegs-768x268.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-06_unterwegs-450x157.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-06_unterwegs-500x175.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1134px) 100vw, 1134px" /></p>
<p>Wir haben Hunger! Ein Organisator empfiehlt uns eine Taverne in Egaleo, in diesem Bezirk, schnell den Link aufs Handy, wir laufen dorthin, die Iera Odos entlang. Graffiti, Industrieviertel, Autobahnbrücke, Futterstelle für streunende Katzen, Werkstätten, Verkehrslärm. Wild, rasende Taxis, der Bus, unten die Metro. Verrammelte Läden. Oktober, immer noch heiß, komm, wir laufen hier lang, da ist Schatten. Athen glüht immer. Lebt, nicht so aufgeräumt und versteckt und leer wie Stuttgart. Ich könnte stundenlang solche Straßen entlang gehen, das Leben vibriert hier. Wir landen in einem ruhigeren Wohnviertel, die Läden haben geschlossen, es ist Sonntag. Essen köstlich, sie haben einfach den alten Namen behalten und nennen die Taverne immer noch <em>Kafenion</em>, modern in grau. Hier ist das letzte freie Plätzchen, rück vor, damit der Kellner vorbeikommt – aber dann sitzt du wieder in der Sonne. Athen glüht weiter. Am Himmel ein paar vereinzelte Wolken, jede lächelt anders. Jetzt steht die Zeit, wir essen Bifteki, Salat, rote Beete mit Knoblauchpaste, scharfe Käsecreme, nur ein Viertel Weißwein und Soda und ruckzuck ist es Nachmittag. Rückweg, vorbei an der Autobahnbrücke, versuchen, eine Abkürzung zu nehmen, verlaufen uns. Keine Obdachlosen unter der Brücke wie bei uns. Wir sind die einzigen Spaziergänger. Fühle mich total heimelig auf der Heiligen Straße. Genieße die Ruhe, wir versäumen nichts, lassen uns eh wieder treiben.</p>
<p><strong>Zurück auf dem Festival</strong><br />
Kommen zurück und schon geht es weiter. Ein älterer Herr namens Niko, dem wir uns heute Vormittag an der Eintrittspforte vorstellt hatten, spricht uns nun im Foyer freundlich an, zurückhaltend: „Jetzt ein Vortrag über die Besatzungszeit.“ Wir erkennen betroffen das berühmte Lied <em>Saltadoros</em> (Lastwagendieb) von M. Genitsaris über die deutsche Besatzung, NS in Griechenland. Scham, aber rein in die Geschichte; fragen uns, warum nur ein geringer Teil der Reparationen bezahlt wird, warum sich Deutschland davonstiehlt?</p>
<figure id="attachment_14334" aria-describedby="caption-attachment-14334" style="width: 490px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14334 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-07_saltadoros_teil-500x220.jpg" alt="" width="500" height="220" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-07_saltadoros_teil-500x220.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-07_saltadoros_teil-300x132.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-07_saltadoros_teil-768x338.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-07_saltadoros_teil-450x198.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-07_saltadoros_teil.jpg 960w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-14334" class="wp-caption-text">Lastwagendiebe, 1940er Jahre</figcaption></figure>
<p>Wir genehmigen uns einen Tsipouro mit Eis, stoßen mit Makis an, der zaubert einen brillanten Bio-Honig aus dem Ärmel. Schönes Geschenk. Können uns am Büchertisch nicht sattsehen, da, schau, ein Buch, mein Lieblingsthema, der <em>teke</em>, der Laden, ein Schuppen, in dem die ersten Rembeten spielten. Kaufen? Erkläre Katerina meinen Artikel in der <em>taz</em>, das war damals ein Muss, vor vielen Jahren, über die Rembetisses zu schreiben. Klar. War so, lange vor dem Genderwahn. Richtig! Meinen Katerina und ihre Freundin, ohne Frauen geht nix. Erkenne im Garten Evelina, spreche sie an, ich hatte zum Tod ihres Mannes Stelios Vamvakaris einen Widmungsartikel geschrieben. Stelle mich vor, ja, sie erinnert sich an mich, wir sind doch befreundet, per social media zumindest. Gehen wir noch in den Vortrag „Der Gebrauch illegaler Substanzen“? Waaas?! Lies doch auf dem Plakat, da steht´s: „Der Gebrauch illegaler Substanzen in Griechenland während der Zwischenkriegszeit und seine Darstellung im Rembetiko-Lied“ von Dimitris Yfantis. Yfantis? Kenn ich doch, ist doch der Hersteller der luftgetrockneten scharfen Salami &#8230; 🙂 Witz beiseite! Nein, ich kann nicht mehr, kein Vortrag. Wir schnappen uns zwei Stühle und setzen uns in den Schatten eines Baums. Verflixt, die Musikbuchpräsentation „Vom Teke-Mädchen“ de<em>s </em>Kardiologen Yannis Tsiantis haben wir jetzt auch verpasst, das ist alles wahnsinnig viel! Bestell das Buch doch von zuhause, online, passt eh nicht mehr ins Auto. Kann ich dann Seite für Seite abfotografieren und per Internet übersetzen. Ja. Wie unsere Dokumente, wenn wir in Griechenland aufs Amt müssen!</p>
<p><strong>Crossover mit <em>Kompania</em> – Rock, Folk, Samba auf der Außenbühne</strong><br />
Immer mehr junge Leute strömen aufs Festival. Die Rembetiko Rock Band <em>Kompania</em> mit der Sängerin Andriana Achitzanova, buntes Haarband, gelbe Schuhe, immer in Bewegung, tanzt. Hey, wie sie singt und flötet, auf der Ney. <em>Kokainopotis</em> von Panagiotis Tountas, derbe, harte Gitarrenakkorde. Hardrock-Rembetiko! Auch Samba und Folk, Crossover. Wir sind voll aus dem Häuschen! Die sind klasse, was da wohl die Rembetiko-Traditionalisten sagen? Immer wieder dringt das Alte durch, die klassischen Rembetiko-Instrumente, das Rembetiko-Feeling – unter bunten Scheinwerfern und hohen Bäumen. Die Fassade des Kulturzentrums schluckt der schwarze Abendhimmel, dicht gedrängtes Publikum, positive Vibrationen. Frontmann ist Baglamas-Spieler und Sänger Sotíris Papatragiannis, den haben wir die Tage doch nun schon zigmal gesehen; er gehört zum Organisationskomitee, Ordner, Tontechniker, zwei Tage lang immer auf den Beinen.</p>
<figure id="attachment_14336" aria-describedby="caption-attachment-14336" style="width: 1169px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14336 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-08_Kompania.jpg" alt="" width="1179" height="462" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-08_Kompania.jpg 1179w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-08_Kompania-300x118.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-08_Kompania-1024x401.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-08_Kompania-768x301.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-08_Kompania-450x176.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-08_Kompania-500x196.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1179px) 100vw, 1179px" /><figcaption id="caption-attachment-14336" class="wp-caption-text">Kompania mit Andriana Achitzanova</figcaption></figure>
<p><strong>To Gnosto Trio</strong><br />
Der Höhepunkt des 1. Athener Rembetiko-Festivals am 12. und 13. Oktober 2024 war für mich <em>To Gnosto Trio</em>, das bekannte Trio (Tassos Giannoussis, Bouzouki, Panagiotis Katsimanis, Gitarre und Antonis Tzikas, Kontrabass). Die drei Musiker geben sich gut gelaunt, singen, lachen, das Publikum tanzt, singt mit und klatscht. Prima Stimmung. Das Derbe oder Melancholische des Rembetiko ist wie weggefegt. Stürmischer Beifall!</p>
<p><em>To Gnosto Trio</em> tritt seit 2005 regelmäßig in der Athener Taverne <em>Klimataria</em> auf. Ein historisches Lokal, das 1927 entstand und in dem unter anderem auch Markos Vamvakaris Mitte der 50er Jahre gespielt hat. Das Trio ist damit eines der am längsten bestehenden Rembetiko-Formationen in Griechenland mit über 3.500 Auftritten in den letzten 20 Jahren. Die drei Musiker lieben Rembetiko, spielen aber auch Weltmusik, Folk, Rock, Blues, Jazz oder Gypsiestyle. Rembetiko spielen sie auf ihre eigene Art und Weise. Kontrabass, Phrasierung, freie Improvisation mit Session-Charakter und flinke Akkorde assoziieren sofort: Jazz! Antonis Tzikas wird später im Garten von einem Fan bequatscht, wir mischen uns ein, stellen uns vor und bedanken uns für den fröhlichen Gig. Weltmusiker, das ist sein Stichwort, lass uns mal treffen und über Weltmusik reden, sagt er schmunzelnd.</p>
<figure id="attachment_14338" aria-describedby="caption-attachment-14338" style="width: 1199px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14338 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-09_Trio.jpg" alt="" width="1209" height="351" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-09_Trio.jpg 1209w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-09_Trio-300x87.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-09_Trio-1024x297.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-09_Trio-768x223.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-09_Trio-450x131.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-09_Trio-500x145.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1209px) 100vw, 1209px" /><figcaption id="caption-attachment-14338" class="wp-caption-text">To Gnosto Trio</figcaption></figure>
<p>Bouzoukispieler Tasos meint: „Nun, man spielt, was man hört, nichts anderes. Ich höre Rembetiko und Jazz seit ich Kind war, das führte zur Verschmelzung dieser beiden Genres in meinem Spiel, das geschah ohne Absicht. Das Musikinstrument ist also nur das Werkzeug, das Medium, um deine Persönlichkeit auszudrücken. Bouzouki kann Jazz, Rock, Funk sein, aber im Kern ist es immer Rembetiko!“</p>
<p>Gitarrist Panagiotis, der früher in der griechischen Rockband <em>Endelekheia</em> spielte, schrieb mir aus Piräus: „Rembetiko ist mit Jazz verbunden, vor allem aber mit Gypsy-Jazz und Django Reinhardt. Das sind zwei Musikrichtungen aus der gleichen Zeit, die von Musikern aus sozialen Randgruppen geschaffen wurden. Das Gleiche gilt für den Blues in Amerika. Der ähnliche Lebensstil schuf eine Musik mit der gleichen Seele. Ich lasse viele Rockelemente in mein Spiel einfließen, besonders in den Stücken von Markos Vamvakaris. In anderen Songs spiele ich so, wie Johnny Cash seine akustische Gitarre gespielt hat. Mich interessiert immer, dass unser Spiel groovy ist.“</p>
<p><strong>Schluss, aus, vorbei?</strong><br />
Gibt es ein Leben nach diesem Festival? Was machst du morgen, wird es dir langweilig, fällst du in ein Loch? Sonntag, Mitternacht. Rebekka und ich, Katerina, Makis und George stehen im Foyer, strahlend und doch mitgenommen. Unvorstellbar, wie der morgige Tag aussehen wird, ohne das Festival.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-14356" src="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-10_Karag.jpg" alt="" width="1024" height="432" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-10_Karag.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-10_Karag-300x127.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-10_Karag-768x324.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-10_Karag-450x190.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/01/rf-10_Karag-500x211.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Ermüdet und erfüllt verabschieden wir uns von Katerina, Makis und George und fahren total erledigt nach Hause – aber halt an, hier! Dort, was? Halt an! Ein Periptero, da kaufen wir noch nen Ouzo. Für mich einen Ouzo, für dich ein Bier. Ab ins Hotel. Der Andriana noch einen joke chatten, Katerina ein Herzchen senden. Wir beide stehen vor unserem Rembetiko-Altar: Makis´ Honig, alle Festivalflyer, das neue T-Shirt, ein Lebenshöhepunkt, ach, so schön. Wir fallen ins Bett. Und träumen vom nächsten Jahr: Athen, das 2. Festival, ja!</p>
<p><strong>Anmerkung</strong><br />
Das Festival hat einen humanitären und gemeinnützigen Charakter. Ein Teil des Erlöses geht an das Waisenhaus <em>Christodouleio Idryma</em> und die griechische Vereinigung der Querschnittgelähmten <em>Panellinios Syllogos Parapligikon</em>.</p>
<hr />
<p><strong>1. Rembetiko-Festival Athen</strong>: Website mit weiteren Fotos und Impressionen (auf EN) <a href="https://www.grecous.com/el/festival-apk">hier</a></p>
<p><strong>Plattformen</strong><br />
sealabs von Makis Drymonas (auf EL) <a href="https://rebetiko.sealabs.net/">hier</a><br />
Forum <a href="https://rembetiko.gr/">hier</a><br />
Archiv Kounadis (auf EL und EN) <a href="https://vmrebetiko.gr">hier</a><br />
Archiv der griechischen Musik <a href="https://www.grecous.com/">hier</a></p>
<p><strong>Musik und Musiker</strong><br />
George Zorbas Band (fb) <a href="https://www.facebook.com/1025348767/videos/pcb.10230375157455857/390251527358515">hier</a><br />
Katerina Tsiridou (auf EL und EN) <a href="https://www.tsiridoukaterina.com/">hier</a><br />
<em>Saltadoros</em> von M. Genitsaris (YouTube) <a href="https://www.youtube.com/watch?v=6q80akU9F-g">hier</a><br />
Kompania <a href="http://www.kompania.gr">hier</a><br />
Kompania mit A. Achitzanova, <em>Kokainopotis</em> (Mitschnitt S. Steiner) <a href="https://stuttgartpunk.de/2025/01/09/andriana-achitzanova/">hier</a><br />
A. Achitzanova mit Halva (osteuropäische Musik) <a href="https://www.halvamusic.eu/de/">hier</a><br />
To Gnosto Trio live auf dem Festival <a href="https://www.youtube.com/watch?v=idlRFQHmlhE">hier</a><br />
<em>Arap Zeybekiko</em> von Markos Vamvakaris <a href="https://www.youtube.com/watch?v=IdOs57p1YiM">hier</a><br />
Endelekheia (auf EN) <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Endelekheia">hier</a></p>
<p><strong>allgemein</strong><br />
Saltadoros, der historische Kontext (taz, 1990) <a href="https://taz.de/Saltadoros/!1768363/">hier</a><br />
Die Iera Odos/Heilige Straße in der Antike <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Hiera_Hodos">hier</a><br />
Die Iera Odos gestern und heute (auf EN) <a href="https://www.athensguide.com/iera-odos/index.htm">hier</a></p>
<p><strong>Simon Steiner</strong> in diablog.eu <a href="https://diablog.eu/?s=simon+steiner">hier</a><br />
Schreibweise: Rembetiko (eher im deutschsprachigen Raum); Rebetiko (eher im englischsprachigen Raum)</p>
<p><em>Text: Simon Steiner. Redaktion: A.Tsingas. Fotos: Rembetiko-Festival, Archiv S. Steiner, Halvamusic, TGT, Archiv A.Tsingas. Nicht alle Aufnahmen stammen vom Festival.</em></p>
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		<title>Dirlanda Dada – das Lied der Schwammtaucher</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Sep 2024 15:22:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alltagskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[Die unglaubliche Geschichte des Volkslieds Dirlanda aus Kalymnos, das die Hitparaden stürmte und ein Evergreen geworden ist. Dirlanda ist ursprünglich ein traditionelles Volkslied von der griechischen Dodekanes-Insel Kalymnos (nördlich von Kos), das sich seit den ... <p class="read-more-container"><a title="Dirlanda Dada – das Lied der Schwammtaucher" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/musik/dirlanda-dada-das-lied-der-schwammtaucher/#more-13001" aria-label="Mehr Informationen über Dirlanda Dada – das Lied der Schwammtaucher">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Die unglaubliche Geschichte des Volkslieds <em>Dirlanda</em> aus Kalymnos, das die Hitparaden stürmte und ein Evergreen geworden ist.</p>
<p><em>Dirlanda </em>ist ursprünglich ein traditionelles Volkslied von der griechischen Dodekanes-Insel Kalymnos (nördlich von Kos), das sich seit den 1970er Jahren als Schlager, Fußballlied, Elektro-Mix und Disko-Hit weltweit ausgebreitet hat. Bootskapitän Pantelis Gkinis (geschrieben auch Ginis) sang das fröhliche Lied in den 1960er Jahren mit seiner Mannschaft beim Fischen und Schwammtauchen. Ein Fischer, der einen Hit komponierte? Außergewöhnlich! Produziert und aufgenommen wurde das alte Volkslied 1966 in Athen von der griechischen Musikforscherin und Musikerin Domna Samiou (<a href="https://el.wikipedia.org/wiki/%CE%94%CF%8C%CE%BC%CE%BD%CE%B1_%CE%A3%CE%B1%CE%BC%CE%AF%CE%BF%CF%85">hier</a>) mit Pantelis Gkinis, den sie auf Kalymnos kennenlernte, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=OO_sRZMZWiU">hier</a>. Das war die Zeit, in der Samiou mit ihrem Tonbandgerät ganz Griechenland bereiste und Aufnahmen volkstümlicher Musik machte, um sie und ihre Interpreten zu würdigen. An die anderen Musiker um Gkinis konnte sich Samiou später nicht erinnern. Es darf angenommen werden, dass <em>Dirlanda </em>ein <em>traditional</em> ist. Das alte Volkslied kann in Deutschland musikalisch dem weltberühmten Schlager <em>Ein Schiff wird kommen v</em>on Manos Hadjidakis oder dem <em>Sirtaki</em> <em>von Alexis Sorbas</em> von Mikis Theodorakis zwar nicht das Wasser reichen, steht aber weit oben in den Charts der beliebtesten griechischen Musikstücke.</p>
<figure id="attachment_13040" aria-describedby="caption-attachment-13040" style="width: 490px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13040 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-3-500x508.jpg" alt="" width="500" height="508" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-3-500x508.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-3-296x300.jpg 296w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-3-450x457.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-3.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-13040" class="wp-caption-text">Die Originalaufnahme von Gkinis/Samiou; Quelle: discogs</figcaption></figure>
<p><strong>Die Ursprünge des Ohrwurms</strong><br />
Um den Namen <em>Dirlanda </em>ranken sich viele Legenden. Gkinis´ Boot hieß angeblich so<em>.</em> Auch wird behauptet, <em>Dirlandas </em>sei der Name desjenigen aus seiner Mannschaft gewesen, der das schwere Rad der Pumpe drehte, mit dem den Tauchern Atemluft zugeführt wird.<br />
Es wird vermutet, dass Pantelis Gkinis dem Rhythmus nordafrikanischer Seeleute nacheiferte, denen er auf seinen Reisen auf See und Land begegnete. Es könnte auch vom Rhythmus des Ruderns auf dem Boot übernommen sein. Nicht wenige meinen, dass er das Lied von anderen singenden Kalymniern aufschnappte. Auf Kalymnos selbst hört man, dass das Lied schon immer im Alltag, bei Festen und Feierlichkeiten gesungen wurde.<br />
Bemerkenswert ist die Annahme, dass die Taucher <em>Dirlanda </em>auf dem Boot selbst sangen. Viele Arbeitslieder, wie z.B. der Blues auf den Baumwollfeldern, zeichnen sich durch Wechselgesang aus. Käpt´n Pantelis sang die Hauptphrase <em>Dirlanda </em>vor und seine Crew wiederholte sie in abgewandelter Form im darauffolgenden Takt. Das fröhliche Lied könnte aber ebenso als Aufmunterung und Gesundheitscheck (als Konzentrationsübung nach dem Tauchgang) dienen, denn das Schwammtauchen ist gefährlich:<br />
Ein mit Atemluft vollgepumpter Taucher ähnelt einer unter Druck stehenden Sprudelflasche. Taucht er zu schnell auf, kann der Druck nicht ausgeglichen werden. Sein Blut ist dann voller Gasblasen, die Schwindel und Lähmungen verursachen oder gar die Lunge zerreißen können. Gradmesser des gesundheitlichen Zustands des Tauchers war die erste Zigarette, die der Taucher nach dem Auftauchen anzündete. Roch es chlorähnlich stechend nach Stickstoffdioxid, war das Schicksal des Ärmsten besiegelt. Die lauernde Gefahr konnte die Kalymnier jedoch nicht davon abhalten, in riskante Tiefen abzutauchen. „Da treibt′s ihn, den köstlichen Preis zu erwerben / Und stürzt hinunter auf Leben und Sterben“, dichtete Friedrich Schiller 1797 in seiner Ballade <em>Der Taucher</em>, <a href="https://www.zgedichte.de/gedichte/friedrich-schiller/der-taucher.html">hier</a> und <a href="http://www.zeno.org/Literatur/M/Schiller,+Friedrich/Gedichte/Gedichte+(1789-1805)/Der+Taucher">hier</a></p>
<p>::: <em>Der rituelle Tanz </em>O Michanikos <em>zeigt einen gelähmten Schwammtaucher, der spontan geheilt wird</em>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=SFYKjCMLT4Y">hier</a></p>
<p><strong>Eintauchen in die Geschichte</strong><br />
Kalymnos war schon immer die Hochburg der Schwammtaucher. 1868 lagen angeblich ca. 300 Holzboote vor der Insel. Sie fuhren bis zur libyschen Küste in Nordafrika. In den Jahren 1886 bis 1910 verzeichnet die Statistik der Dodekanes Tausende von Toten und Schwerbehinderten. Die Männer tauchten nackt und ließen sich mit einem Stein bis zu 30 Meter in die Tiefe ziehen. Seit 1865 schlüpften sie in ein Helmtauchgerät mit metallenem Taucherhelm, dem Skáfandro, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Helmtauchger%C3%A4t">hier</a>.<br />
Mit Luftversorgung und Metallschuhen konnten die verwegenen Kerle bis zu 80 Meter tief tauchen. Wenn die Männer nach dem Osterfest die Insel zur Schwammernte verließen, tanzten und winkten ihre Frauen mit weißen Tüchern. Wenn die Boote aber außer Sichtweite waren, banden sie sich schwarze Kopftücher um. Sie ahnten, dass viele der Männer nicht zurückkehren würden.</p>
<figure id="attachment_13036" aria-describedby="caption-attachment-13036" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13036 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-1.jpg" alt="" width="1024" height="538" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-1.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-1-300x158.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-1-768x404.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-1-450x236.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-1-500x263.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-13036" class="wp-caption-text">Schwammtaucher aus Kalymnos</figcaption></figure>
<p><strong>Die Schwammtaucher-Hochburg Kalymnos</strong><br />
Die Insel ist 108 Seemeilen von Piräus entfernt, hat eine Fläche von 109 Quadratkilometern und heute ca. 14.200 Einwohner. Knapp über 10.000 von ihnen leben in Kalymnos-Stadt, dem Hauptort der Insel, genannt auch Pothia. Da nur 18 % der steilen vulkanischen Insel kultiviert werden konnten, ernährten sich viele Einheimische vom Bootsbau, Fischfang und Schwammtauchen. Schwämme sind tierische Organismen ohne Gewebe und Organe, die Bakterien filtern und sich davon ernähren. Sie werden als schwarze Klumpen auf dem Meeresboden geerntet. Anschließend werden sie gereinigt, gepresst, zugeschnitten und in den Schwammfabriken in Pothia auf Kalymnos getrocknet. Umweltverschmutzung und Klimaerwärmung gehen den Schwämmen heute an die Substanz. Nur ein bescheidenes Einkommen winkt für die harte und gefährliche Arbeit in mehr als 40 Meter Tiefe. Nicht wenige Kalymnier setzen ihre Hoffnung auf den Tourismus, trotzdem gibt es aber noch über 30 Taucher, die die einsame Suche nach Schwämmen in der stillen Kälte der Tiefe fast süchtig macht und sie dabei ihre Alltagssorgen vergessen lässt. Sie geben Heimat und Familie oft für Monate auf, um nach Schwämmen zu tauchen.</p>
<p>::: <em>Das </em>Sea World Museum Valsamidis<em> und das </em>Kalymnos Nautical Museum<em> stellen Exponate zum Schwammtauchen aus.</em></p>
<figure id="attachment_13612" aria-describedby="caption-attachment-13612" style="width: 231px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13612" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/Ginis-34-rotated-e1724677901761.jpg" alt="" width="241" height="181" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/Ginis-34-rotated-e1724677901761.jpg 1438w, https://medien.diablog.eu/2024/08/Ginis-34-rotated-e1724677901761-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/08/Ginis-34-rotated-e1724677901761-1024x768.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/08/Ginis-34-rotated-e1724677901761-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/Ginis-34-rotated-e1724677901761-450x337.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/Ginis-34-rotated-e1724677901761-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/08/Ginis-34-rotated-e1724677901761-1320x990.jpg 1320w" sizes="auto, (max-width: 241px) 100vw, 241px" /><figcaption id="caption-attachment-13612" class="wp-caption-text">Pantelis Gkinis 1965</figcaption></figure>
<p><strong>Sinngemäße Übersetzung</strong><br />
Käpt´n Gkinis zufolge wurde der Text <em>Dirlanda </em>1960 von ihm selbst geschrieben. Der Wechselgesang „He, dirlanda dirladada, da da dirladada“ zieht sich endlos hin und kann die Sänger in Trance versetzen. Es erzählt von Müdigkeit, aber auch von weiblicher Schönheit. Sogar bei der Absicht, Konstantinopel zu erobern, könnte nicht die Stadt, sondern eine Frau gemeint sein; die Zeilen bergen mehrere Zweideutigkeiten:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Oh, dirlanda, dirladada, oh dirlanda – die eine, die ist dann schon mal hin,</em><br />
<em>Oh, dirlanda, dirladada, oh dirlanda – mal ist´s ´ne Türkin, mal ´ne Griechin.</em></p>
<p><em>Oh, dirlanda, dirladada – meine süße Zibbe, meine Rammelmama,</em><br />
<em>Häschen und Veilchen haben unser Brot gefressen – welch ein Jammer.</em></p>
<p><em>Der Esel, der von unserm Pfaffen, was hat der bloß für ne üble Fratze,</em><br />
<em>Zähne wie Gabelzacken, die Nudeln aber, lässt er sich nicht aufschwatzen,</em><br />
<em>den Käse, den er verschmäht, ist der nicht einfach bläd?</em></p>
<p><em>So ging ich los und suchte den Knoten, diesen einmaligen Chaoten,</em><br />
<em>fand aber nur Κitsakis Giorgalis, lieber Mann, der gehört verboten!</em><br />
<em>Und dann kam dieser Dirlandas, des Feigenbaums Wurzel entsprungen,</em><br />
<em>alle mit einem Mund das Lied gesungen, was haben wir da toll geklungen!</em></p>
<p>Die von Domna Samiou ursprünglich aufgenommene Version wird als Kalymnische Weise mit improvisierten, satyrischen Zweizeilern (tsimaristá) im 2/4-Takt ausgewiesen. Tsimaristá sind sich reimende Spottlieder, die keine Regeln oder Vorgaben befolgen. Weil sie also inhaltlich Non-sense- und Blödel-Lieder sind, kann die eingängige Melodie in jeder Sprache textlich angepasst werden mit Gaga- und Dada-Zeilen.</p>
<figure id="attachment_13038" aria-describedby="caption-attachment-13038" style="width: 343px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13038 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-2.jpg" alt="" width="353" height="181" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-2.jpg 353w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-2-300x154.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 353px) 100vw, 353px" /><figcaption id="caption-attachment-13038" class="wp-caption-text">Domna Samiou</figcaption></figure>
<p>Samiou selbst stemmte sich jedoch gegen die kommerzielle Ausbeutung und Popularisierung der griechischen musikalischen Tradition und sagte: „Ich bin gegen jede Art von Einmischung in die Volksmusik. Diese Lieder haben Jahrhunderte überlebt. Das sind unsere Lieder, unsere Melodien und Verse. Jede Intervention in diesen Reichtum verwandelt sie lediglich in etwas, was sie nicht sind.“ Deshalb widmete sie sich den authentischsten Ausführungen. Sie gab unzählige Konzerte, bei denen sie Schöpfer und Interpreten des Volksliedes präsentierte und auch selbst sang. Ihre unverwechselbare Stimme macht sie zu einer der größten griechischen Interpretinnen.</p>
<p><strong>Aus dem Meer in den Gerichtssaal</strong><br />
1969 veröffentlichte der namhafte Folk-Rock Musiker Dionysis Savvopoulos seine eigene Dirlanda-Version auf dem Album <em>To perivoli tou trelou</em> (etwa: Der Garten des Verrückten) und machte das Lied weltberühmt, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ZEAh9sM4TdY">hier</a></p>
<p><em>He, dirlanda, dirladada, he dirlanda und alle sind hin,</em><br />
<em>Konstantinopel werden wir uns holen, ohnehin, oh dirlanda, dirladada,</em><br />
<em>ein Schoner aus der guten Stadt lief aufgetakelt in den Hafen, schwapp.</em></p>
<p><em>Oh, dirlanda, dirladada, oh dirlanda, das nimmt kein Ende,</em><br />
<em>he dirlanda, wie mir das schmeichelt, das spricht Bände,</em><br />
<em>oh, dirlanda, dirladada, schau nur, wie das mich freut,</em><br />
<em>oh, dirlanda, ihr Recken, schaut, die Berber-Möwen, was sind die laut.</em></p>
<p><em>Oh, dirlanda, dirladada, oh dirlanda, die Nacht zieht auf,</em><br />
<em>eh dirlanda, das Schiffsdeck ächzt und seufzt zuhauf,</em><br />
<em>und unser Schmut der ruft, he, dirlanda, dirladada,</em><br />
<em>he, dirlanda, alle sind schon hin, Konstantinopel werden wir uns holen, ohnehin.</em><br />
<em>  </em><br />
<em>Ein Schoner aus der guten Stadt lief aufgetakelt in den Hafen, schwapp,</em><br />
<em>oh, dirlanda, dirladada, ach, diese Maria des Minas, wie fein,</em><br />
<em>mein Schiffstau werd ich schlingen um ihr schneeweißes Bein.</em></p>
<p><em>Oh, dirlanda, dirladada, oh dirlanda, den Knoten</em><br />
<em>werd ich knüpfen um den Hals der Edlen und Despoten,</em><br />
<em>der Knoten, auf Copale und auf des Schusters Katerina soll er fallen,</em><br />
<em>Sohn und Tochter werd ich ihr machen, auf dem Bug, da wird es krachen.</em></p>
<p><em>Oh, dirlanda, dirladada, euch, meine Recken,</em><br />
<em>Veilchen werde ich euch zustecken,</em><br />
<em>zwei davon soll jeder kriegen, nur Giorgis nicht, der wird gemieden.</em><br />
<em>Oh, dirlanda, dirladada, oh da dada dirladada</em><br />
<em>Oh, dirlanda, dirladada …</em></p>
<figure id="attachment_13044" aria-describedby="caption-attachment-13044" style="width: 390px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13044" src="https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-5-450x450.jpg" alt="" width="400" height="400" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-5-450x450.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-5-300x300.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-5-150x150.jpg 150w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-5-768x768.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-5-500x500.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-5.jpg 905w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption id="caption-attachment-13044" class="wp-caption-text">Cover der LP</figcaption></figure>
<p>Savvopoulos ist für die Fusion unterschiedlicher Musikstile bekannt. Er besuchte das Folklore-Archiv in Athen und fand <em>Dirlanda</em>, registriert als traditionelles Insellied. Aber Gkinis war mit allen Wassern gewaschen und reklamierte die Volksweise für sich. Mit halb Kalymnos im Schlepptau zog er nach Athen vor Gericht. Der Musiker Giannis Papaioannou erschien als Zeuge und meinte, das Lied gehören niemandem. „Wir sollten nicht die Märchen wiederkäuen, die jeder erzählt“. Die Urheberrechte blieben bei Gkinis. Nicht nur, weil er sich als „Seemann mit Angelschein“ ausweisen konnte, sondern auch, weil er die Insulaner hinter sich hatte.<br />
Gkinis&#8216; Plattenfirma erhob in Deutschland eine Plagiatsklage gegen die Verfasser des verwässerten Popsongs <em>Loop di Love</em> aus 1971. Diese Version wurde ein internationaler Hit und mehrmals gecovert. Den Rechtsstreit gewannen die deutschen Musiker, weil <em>Dirlanda </em>Allgemeingut und ihr Song eine eigene Schöpfung sei.</p>
<p><strong>Kommerz, Event und Bespaßung – die Musikindustrie reibt sich die Hände</strong><br />
Kindliche Laute wie <em>Dirla da da </em>brennen sich in die Herzen der Hörer ein. Der ursprünglich nigerianische Spruch <em>Ob-La-Di Ob-La-Da </em>(<em>Es kommt, wie es kommt, </em>bekannt durch das gleichnamige Lied der Beatles) oder <em>Da Da Da</em> der deutschen Formation Trio lassen grüßen. Von Griechenland verbreitete sich das Lied über den Balkan nach West-Europa und schließlich in die ganze Welt. Unzählige Musiker und Produzenten stürzten sich auf den Ohrwurm, Plagiate überschwemmten den Markt. Alle Versionen basieren auf der Aufnahme von Gkinis und Samiou, aber nur wenige von ihnen sind überzeugend.</p>
<figure id="attachment_13042" aria-describedby="caption-attachment-13042" style="width: 490px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13042 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-4-500x561.jpg" alt="" width="500" height="561" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-4-500x561.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-4-267x300.jpg 267w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-4-768x862.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-4-450x505.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/06/dir-4.jpg 912w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-13042" class="wp-caption-text">Dirlanda-Partitur von Hatzitheodorou; Quelle: pepe/www.rembetiko.gr</figcaption></figure>
<p>1970 wurde das Lied von der französischen Sängerin Dalida aufgenommen und es erschien in italienischer, deutscher und englischer Sprache. Im selben Jahr wurde es auch von Trifonas Nikolaidis in Israel eingespielt. Unzählige Aufnahmen folgten. Die in Kroatien geborene Dunja Rajter sang 1971 den Schwammtaucher-Song in deutscher Sprache mit „Gastarbeiter“-Akzent. Ihre Plattenfirma nannte die Schallplatte in Anspielung auf die wahrscheinlich nordafrikanische Herkunft des Liedes „Salem aleikum“.</p>
<p><strong>Griechische Remakes</strong><br />
Nikos Xylouris veröffentlichte <em>Dirlanda </em>1974. Er war ein griechischer Sänger, Komponist und Repräsentant der demokratischen Bewegung gegen die Militärjunta. Seine Version wird in Griechenland geschätzt, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=9xC-XNOJyIs">hier</a><br />
Die griechische Sängerin Marinella singt <em>Dirlanda </em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ky1uwurWzTE.">hier</a><br />
Thanasis Gaifillias präsentiert das Lied <a href="https://www.youtube.com/watch?v=nznhL3gKWEo">hier</a><br />
Antonis Nasiopoulos spielt das beliebte Lied seit 2019 auf der Laterna und dürfte damit nicht der einzige Leierkastenspieler sein, der das tut, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=2deIzR3BONI">hier</a></p>
<p>::: <em>Artikel zum Lied in der Tageszeitung </em>Rodiaki<em>,</em> <a href="https://www.rodiaki.gr/index.php/article/293471/to-paradosiako-kommati-ntirlanta-ths-kalymnoy-poy-eswze-toys-dytes-video">hier</a> <em>(auf EL)</em><br />
::: <em>17 Versionen von </em>Dirlanda <em>zusammengefasst auf YouTube</em>, <a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PL678413F85CEA69C1">hier</a></p>
<hr />
<p>::: <em>Eine andere Perspektive auf Kalymnos in diablog. eu</em> <a href="https://diablog.eu/reise/kalymnos-von-der-schwammtaucher-insel-zum-kletterparadies/">hier</a><br />
::: <em>Manuel Gogos: Dokumentation „Die letzten Schwammtaucher. Die Insel Kalymnos im Wandel“, Inhaltsangabe</em> <a href="https://www.phoenix.de/sendungen/dokumentationen/die-letzten-schwammtaucher-a-1879010.html">hier</a><br />
<em>Drei der vier Teile dieser Dokumentation auf YouTube</em>: 2/4, <a href="https://www.facebook.com/SPIEGEL.TV/videos/die-letzten-schwammtaucher-die-insel-kalymnos-im-wandel-24/2875365502590079/">hier</a>; 3/4, <a href="https://www.facebook.com/SPIEGEL.TV/videos/2020-july-die-letzten-schwammtaucher-die-insel-kalymnos-im-wandel-34/556838945201908/">hier</a>; 4/4, <a href="https://www.facebook.com/SPIEGEL.TV/videos/die-letzten-schwammtaucher-die-insel-kalymnos-im-wandel-44/316941099310655/">hier</a><br />
<em>Ein  Gespräch mit dem Journalisten und Filmemacher Manuel Gogos</em> <a href="https://demokratischer-salon.de/beitrag/in-den-besten-familien/">hier</a><br />
::: <em>Die Kalymnioten in den USA:</em></p>
<figure id="attachment_13367" aria-describedby="caption-attachment-13367" style="width: 189px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13367 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/dir-6_Statue-Schwammtaucher-in-Tarpon-Springs-Florida-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/dir-6_Statue-Schwammtaucher-in-Tarpon-Springs-Florida-199x300.jpg 199w, https://medien.diablog.eu/2024/08/dir-6_Statue-Schwammtaucher-in-Tarpon-Springs-Florida-450x679.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/dir-6_Statue-Schwammtaucher-in-Tarpon-Springs-Florida-500x755.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/08/dir-6_Statue-Schwammtaucher-in-Tarpon-Springs-Florida.jpg 636w" sizes="auto, (max-width: 199px) 100vw, 199px" /><figcaption id="caption-attachment-13367" class="wp-caption-text">Schwammtaucher-Denkmal in Tarpon Springs, Florida</figcaption></figure>
<p>In den frühen 1900er Jahren bauten griechische Einwanderer aus Kalymnos und Symi die für Tarpon Springs (Florida, USA) charakteristische Schwammindustrie auf und verwandelten ein abgelegenes Dorf in die „Schwammhauptstadt der Welt“. Man sagt, dass die Griechen viermal mehr Schwamm ernten konnten als andere Schwammtaucher. Der hellenische Einfluss ist auch heute noch stark. Die Straße, die entlang der Schwammdocks am Fluss verläuft, heißt <em>Dodekanes-Boulevard</em>. Der Boulevard ist derzeit mit Hunderten von Geschäften, Bäckereien, Restaurants und anderen Unternehmen mit meist griechischen Themen gefüllt. Tarpon Springs (Volkszählung 2020: 25.117 Einwohner) hat den höchsten Prozentsatz an griechisch-amerikanischen Bürgern aller Städte in den USA.</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p class="textinfo"><em>Text: Simon Steiner. Übersetzung der Liedtexte und Redaktion: A. Tsingas. Fotos und Abbildungen: wo nicht angegeben, Archiv Simon Steiner. Der Verfasser</em><em> dankt dem Forum www.rembetiko.gr, insbesondere pepe und Nikos Politis. </em><em>Simon Steiner auf diablog.eu</em> <a href="https://diablog.eu/?s=simon+steiner">hier </a></p>
<p>Nikos Politis schreibt zu den „Veilchen“:<br />
Wir haben damals, als junge Leute während der Militärdiktatur, Dirlada gesungen in den <em>Boîte</em> genannten Liedermacherläden [<em>boîte: französisch für Box, Schachtel, Kiste</em>]. Wenn der Text bei den Veilchen ankam, klatschten wir beim Vers „zwei davon soll jeder kriegen, nur Giorgis nicht, der wird gemieden“. Warum? Weil wir mit Giorgis den Anführer des Militärputsches Georgios Papadopoulos identifizierten.</p>
<p><strong>Immer noch nicht genug von <em>Dirlanda?</em></strong><br />
Hier noch mehr Interpreten – jedoch ohne Anspruch auf Vollständigkeit:<br />
Dirlanda erschien 1971 erschien von <em>Polis </em>und dem <em>Trio </em>Athénée in griechischer Sprache. <em>Hellen Grecki Zespół Artystyczny</em> brachte es im selben Jahr auf Polnisch als <em>Dyrlada </em>auf den Markt. 1972 erschien Dirlanda von <em>Takis &amp; Afrodite Vouis &amp; The Rhodians</em>. 1973 nahm der chilenische Sänger <em>José Alfredo Fuentes</em> eine Adaption des Liedes auf Spanisch auf, die als <em>Dirladada</em> veröffentlicht wurde. Von <em>Martha a Tena Elefteriadu</em> kam es 1973 auf den tschechoslowakischen Markt, in Rumänien und Albanien von <em>Margareta Pâslaru</em>. Das Lied wurde auch von der belgisch-flämischen Sängerin <em>Marva</em> gecovert, eine weitere Version erschien 1993 von <em>G.O. Culture</em>, die in Frankreich ein großer Erfolg wurde. Mehrere Remixe wurden von der französischen Band <em>Pleasure Game</em> produziert. Das Lied ist auch in Finnland beliebt und wurde 1972 mit finnischen Texten von <em>Kai Hyttinen</em> aufgenommen. Die finnische Musikgruppe <em>Jean S.</em> hat das Lied ebenfalls neu gecovert. 1995 nahm die nordmazedonische Rockband <em>Memorija</em> Dirlanda auf. 2018 machte sich die rumänische Band <em>Dl Goe</em> an das alte Arbeitslied. <em>Bah-bah-rra, Barbara</em> erschien in deutscher Sprache 1970 von <em>Xanderix</em> mit <em>Frank Zander</em> und ist auch eine Anlehnung an das Original. Eine serbische Rock ´n´ Roll Version mit dem Titel <em>Da Da Dirlada Da</em> stammt von <em>Delča i Sklekovi</em>. Der englische Musiker und Unternehmer <em>Jonathan King</em>unter veröffentlichte das Stück im August 1972 unter dem Pseudonym <em>Shag </em>auf seinem britischen Plattenlabel. Die Version von <em>Shag</em> erreichte Platz 4 der britischen Single-Charts, sie wurde sogar in den USA und Australien veröffentlicht. Die <em>Bourbon Family</em> brachte Dirlanda 1973 als <em>Happy Bourbon Party </em>heraus. <em>Tony Marshall</em> nahm 1993 <em>Wir singen Loop Di Love</em> mit einem Kinderchor auf. Der österreichische Künstler <em>DJ Ötzi</em> veröffentlichte 2001 eine deutschsprachige Version in seinem Album <em>Love, Peace &amp; Vollgas</em>. 2003 erschien von <em>DJ Ostkurve</em> Dirlanda als Fußballsong. Auch für die beliebte Fußballmannschaft PAOK Saloniki gibt es ein Fußballlied auf der Basis von Dirlanda. 2020 kam <em>Jason Parker</em> mit seiner zerzausten Version <em>Darla Dirladada</em> auf den Markt. Weitere „Derangements“ werden sicher folgen, denn die Event- und Erlebnisgesellschaft hungert nach Spaß.</p>
<p><em>Die vorherrschenden Schreibweisen sind </em>Dirlanda <em>und </em>Dirlada</p>
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		<title>Der Autor Sotiris Dimitriou und der Architekt Aris Konstantinidis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Jun 2024 15:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Künste]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
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					<description><![CDATA[Dimitrious Erzählung „Gefäße des Lebens“ ist eine Ode an das Xenia- Motel in Igoumenitsa, an der Westküste Griechenlands, wo die Fähren aus Italien ankommen. Der Autor Sotiris Dimitriou wurde 1955 geboren und ist im Literaturgeschäft ... <p class="read-more-container"><a title="Der Autor Sotiris Dimitriou und der Architekt Aris Konstantinidis" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/prosa/der-autor-sotiris-dimitriou-und-der-architekt-aris-konstantinidis/#more-12839" aria-label="Mehr Informationen über Der Autor Sotiris Dimitriou und der Architekt Aris Konstantinidis">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Dimitrious Erzählung „Gefäße des Lebens“ ist eine Ode an das Xenia- Motel in Igoumenitsa, an der Westküste Griechenlands, wo die Fähren aus Italien ankommen.</p>
<p>Der Autor Sotiris Dimitriou wurde 1955 geboren und ist im Literaturgeschäft ein alter Hase. Seine zahlreichen Bücher wurden wiederholt ausgezeichnet. Seine 420 Seiten starke neue Erzählsammlung „Mia Maria Tzafou&#8220; (Μια Μαρία Τζάφου; Eine gewisse Maria Tzafou) kam im Juli 2023 heraus und beinhaltet ein großes Spektrum von (Kurz-)Geschichten der Alltäglichkeit. Sie sind unerwartet und manchmal befremdlich, extrem lustig bis dramatisch, spielen sowohl an den Grenzen des Landes als auch im Herzen der Städte. Ein Mosaik von Protagonisten, die in ihrem Dutzendleben in der Regel an sich selbst oder an den Umständen scheitern. Der Autor stellt die Frage „Kann sich denn ein Mensch als Gewinner betrachten?“</p>
<p data-wp-editing="1"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12848" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-1-450x646.jpg" alt="" width="350" height="502" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-1-450x646.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-1-209x300.jpg 209w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-1-500x717.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-1.jpg 591w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" /></p>
<p><strong>Das Buch</strong><br />
Sotiris Dimitriou: Mia Maria Tzafou (nur auf EL)<br />
Verlag Patakis, Athen 2023, 432 Seiten<br />
ISBN      9789601662039<br />
2023 in der Shortlist des Literaturmagazins „O anagnostis“</p>
<p>Besonders gut gefallen hat mir daraus die Erzählung „Docheia Zois“ (Gefäße des Lebens), ist sie doch eine Ode an ein Motel in Igoumenitsa, dem ersten Hafen im Westen Griechenlands, an dem die Fähren aus Italien anlegen. Dieses Motel wurde vom renommierten (und umstrittenen) Architekten Aris Konstantinidis geplant und 1959-1960 realisiert.</p>
<p><strong>Der Kontext</strong><br />
Der in München ausgebildete Architekt Aris Konstantinidis hat zwischen 1957 und 1967 mehrere Hotelanlagen für die griechische Fremdenverkehrszentrale EOT realisiert. Das Ziel der staatlichen Organisation war, Hotels und Motels an ausgewählten Orten zu errichten, um dem aufkommenden Massentourismus gerecht zu werden. Alle diese Bauten erhielten den Namen „Xenia“, elf davon wurden von Konstantinidis geplant und ausgeführt. Diese Hotelbauten wurden mit großzügigen Gemeinschaftsräumen ausgestattet, um mehr Menschen als nur die Anzahl der Hotelgäste aufnehmen zu können. Die ursprüngliche Planung sah zur besseren Integration der Gebäude vor, Interessierte und Anwohner der weiteren Umgebung dort weilen zu lassen.</p>
<p>In den späten 1980er Jahren erwies sich der Staat als zunehmend unfähig, die Rolle des Gastgebers zu übernehmen. Die Anforderungen auf dem Tourismusmarkt wandelten sich und die Xenia-Bauten wurden immer mehr vernachlässigt und schließlich aufgegeben. Das letzte staatliche Xenia-Hotel in Paliouri auf der Chalkidiki stellte 1997 den Betrieb ein.</p>
<p>Konstantinidis bezeichnete in seinen zahlreichen Schriften Gebäude mehrfach als „<strong>Gefäße des Lebens</strong>“, als vergängliche Behälter ohne Anspruch auf Ewigkeit. Der Wandel der Zeit sollte ihm in dieser Hinsicht Recht geben. Nicht mehr gebraucht stehen heute die Xenia mancherorts halb verfallen, vandalisiert und von Pflanzen überwuchert da – wenn sie denn nicht abgerissen wurden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12854" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-4.jpg" alt="" width="1003" height="408" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-4.jpg 1003w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-4-300x122.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-4-768x312.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-4-450x183.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-4-500x203.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1003px) 100vw, 1003px" /><br />
<em>Igoumenitsa, Ansicht der Anlage 1960; </em><em>Quelle</em> <a href="https://www.ribapix.com/motel-xenia-igoumenitsa_riba78809">hier</a></p>
<p><strong>Die Erzählung</strong></p>
<h4><strong>Gefäße des Lebens</strong></h4>
<p>Alle Gebäude – insbesondere die öffentlichen – haben eine pädagogische Funktion inne. Es ist ein stiller Zeitreisender, dem die Essenz seines Schöpfers auf die Stirn geschrieben steht.<br />
Wir Schulkinder der 1970er Jahre hatten im Xenia-Hotel unserer Stadt einen stummen, doch sehr beredten Lehrer. Es ist das Werk von Aris Konstantinidis, der nicht nur in unserem Land eine Architekturlegende war. Igoumenitsa war damals eine Kleinstadt, strukturell ärmer als die Natur – was auch so sein sollte. Das war nämlich auch das Hauptanliegen von Konstantinidis. Das Gebäude sollte die Natur nicht in den Schatten stellen, sondern mit ihr harmonieren oder, noch besser, sich in sie einfügen – und sei es nur auf eine fantasievolle Weise.<br />
Ich denke, dass der Architekt bei seinem ersten Kontakt mit Igoumenitsa verzaubert war. Wie kann man dieses Βeschenktwerden rückvergüten? Igoumenitsa war damals – und ist es immer noch – ein optischer Genuss. Ein kleiner Meeresbusen  – fast wie ein kleiner See –, freundliche Berge, das Ufer eine Reihe aufeinanderfolgender Buchten. Weder gebirgig noch maritim – etwas dazwischen. Der kleine Golf: nahezu wellenlos, sogar im Winter, wegen der vorgelagerten Insel Korfu; milde, fast liebliche Winter wegen des vorgelagerten Pindos-Gebirges. Stadt und Natur in einem absolut humanen Maßstab. Anschaulich, begehbar, konzentrisch – bei etwas rascherem Schritt kam man überall hin.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12844" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-7.jpg" alt="" width="784" height="292" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-7.jpg 784w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-7-300x112.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-7-768x286.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-7-450x168.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-7-500x186.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 784px) 100vw, 784px" /><br />
<em>Igoumenitsa, Eingang zum Xenia-Motel, 1960; Quelle</em> <a href="https://www.igoumenitsamuseum.gr/images/text_files/124769496659c66e1a50f5b1.64021250.pdf">hier</a>; <em>Architectural Press Archive / RIBA Library Photographs Collection</em></p>
<p>Konstantinidis΄ Gegengeschenk auf dieses <em>tableau vivant</em> war das Hotel Xenia. Und so kam es am westlichen Ende der Stadt zu diesen herrlichen ebenerdigen und einstöckigen Gebilden. <em>Gefäße des Lebens</em> nannte sie der Architekt selbst. Modern gehalten in warmen Farben: rot, blau, gelb.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-12878 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958.jpg" alt="" width="500" height="246" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958-300x148.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958-450x221.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><br />
<em>Andros: Die Farbigkeit von Konstantinidis am Beispiel des Xenia Andros, 1958</em><br />
<em>Quelle</em> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xenia_(Hotel)">hier</a></p>
<p>Gestrichener Sichtbeton, ein Material, das der Architekt sehr mochte. Zement, ein Material, über das Griechenland zum Glück in Hülle und Fülle verfügte, und das dem Land in Zeiten der Not immer beigestanden hat.<br />
Plötzlich sahen wir die Bauten, in denen wir gerne leben würden. Schwerelose Gebäude, von ihrer Materialität unbelastet. Im Gegenteil, sie wirkten fast luftig. Und sie beseelten den Betrachter sanft, fast unmerklich, mit ihrer klaren Schönheit. Die Bauwerke waren umgeben von rosarotweißen Oleanderpflanzen. Die roten dufteten, die rosa weniger, die weißen gar nicht. Vielleicht ist der Oleander das Gewächs, das die geheimsten sommerlichen Sehnsüchte auslöst<em>.</em><br />
Auch heute gehe ich bei meinen ehemaligen Klassenkameraden dem wohltuenden Kontakt mit der Stadt, der Natur und dem Xenia in ihrer ersten Lebensphase nach. Denn Igoumenitsa war nicht immer eine Transit-Stadt gewesen. Mehrere Sommer lang war das Hotel voller Touristen, gebracht von den beiden großen Schiffen der Fährlinie, der <em>Appia</em> und der <em>Egnatia</em>, die – welch wunderlicher Zufall – die gleichen Farben wie das Xenia trugen.<br />
Die Parallelen waren leicht erkennbar. Die Bauten des Xenia, kleine Schiffe, die gerade von den Meereswellen angespült wurden und die beiden Fähren, schöne, fahrende Bauwerke.<br />
Die Schiffe machten uns, durch die Öffnung des Meeres nach Westen, imaginär zu Weltbürgern. Und Xenia stärkte unser Selbstvertrauen, verhieß eine interessante und übermütige Zukunft.<br />
Ich habe mich immer gefragt, welchen ersten Eindruck wohl unsere Stadt dem Seereisenden vermittelt.<br />
Nach Jahren in Athen erzählte mir eine Deutsche, dass sie Igoumenitsa beim Einlaufen der Fähre konzentriert und verzaubert betrachtete. Was, glauben Sie, hat ihren Blick gebannt? Die 2. Grundschule im Hafen und die im Hof spielenden Kinder. Ein Bild, das für sie zu einer bleibenden Erinnerung wurde. Auch diese Schule ist architektonisch sehr schlicht gehalten, ohne jeglichen Schnickschnack, in den Farben des Xenia. Hätten sich Igoumenitsas Einwohner an Konstantinidis&#8216; Farbpalette gehalten, wäre die Stadt heute eine wahre Farbenpracht.<br />
Heute ist sie ein dichtes, urbanes Gefüge mit großen, heterogenen Gebäuden an der Uferpromenade. Sie zerstören das natürliche Halbrund von Igoumenitsa, das an die Zuschauertribüne eines antiken Theaters erinnerte. Aber wer kann sich schon gegen die Bedürfnisse der jeweiligen Zeit, gegen den Fluss des Lebens stellen? Haben anarchische architektonische Ausgeburten schließlich nicht auch eine eigene, ungeordnete Schönheit? Wahlfreiheit ist zudem voll und ganz von der Kenntnis abhängig. Dann trägt sie die schönsten Blüten.</p>
<p><em><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12842 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-6-500x375.jpg" alt="" width="500" height="375" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-6-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-6-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-6-450x337.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-6.jpg 766w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" />Igoumenitsa, Quelle </em><a href="https://www.igoumenitsamuseum.gr/images/text_files/124769496659c66e1a50f5b1.64021250.pdf">hier</a><em>. Foto: Dimitris Papadimos, 1960; Archiv ELIA-MIET</em></p>
<p>Vor einigen Jahren wurde das Xenia glücklicherweise vom Archäologischen Zentralrat Griechenlands unter Denkmalschutz gestellt. Den Schulkomplex innerhalb des Xenia-Bereichs zu bauen war eine üble, meines Erachtens eine äußerst üble Entscheidung. Ein Baukomplex, der das Hotel-Ensemble trübt. Wenn man daran vorbeigeht, zieht sich das Herz zusammen.<br />
Besaß denn die Stadt nicht anderswo noch öffentliches Land? Manchmal ist Abreißen besser als das Errichten.<br />
Wie schön wäre es doch, denke ich, wenn wir dieses farblose, unpassende Gebäude abreißen und das Xenia mit den Original-Farben, die noch zu sehen sind, neu streichen könnten. Ohne es damit einem bestimmten Zweck zuzuführen. Die nutzlose Nutzung, um ein Wortspiel zu gebrauchen, ist oft drastischer und nützlicher. Damit sich dieser Bereich auf natürliche Weise mit der angrenzenden breiten Uferpromenade verbindet, die so viele Menschen anzieht. Das Xenia als Endpunkt der Promenade, um so dieses Schmuckstück zu einer für alle offene Schule der Schönheit zu machen. Noch besser wäre es, neben dem Tennisplatz den kleinen Fluss, der ins Meer mündet, bis zur Promenade freizulegen. Dieses Flüsschen unserer Kindheit mit seinen Kaulquappen und dem Schilf, das sogar im Sommer floss – und immer noch fließt. Wenn man dann auch noch das Museum und Xenia durch eine Fußgängerbrücke verbinden würde, entstünde ein vorzügliches Dreieck der Muße und des Lernens.<br />
Wegen der Seuche seit vielen Monaten in dieser Stadt beheimatet, wandere ich täglich über die Landstraßen. Dank der hohen Niederschläge erblüht die Natur auch im Winter. Natürlich sieht man oft Blümchen in den blassen Farben des Winters, hier und da sogar einige Farbtupfer. Auf jeden Fall breitet sich das Grün – fast frühlingshaft – überall aus. Ich befand mich auf der Schotterstraße nach Nea Seleukia, vielleicht einem der schönsten Landstriche überhaupt. An einem wahrscheinlich einräumigen Haus sah ich drei, vier Romakinder, die ungestüm voller Kraft und Lebensfreude spielten. Sobald sie mich erblickten, lachten sie auf und sahen mich reinen Blickes, wenn auch mit einer gewissen Frechheit an. Ihr Lachen war jedoch gutmütig.<br />
Ich lief weiter, wollte aber unbedingt umkehren, um die Szene noch einmal zu sehen. Auf dem Rückweg betrachtete ich alles schwärmerisch. Natürlich im Vorbeigehen, ohne zu verweilen.<br />
Man konnte durch die Fenster schauen, irgendwo hing eine uralte, hochgezogene Jalousie. Aus einem der Fenster ragte ein Ofenrohr. Lange nicht mehr gestrichen, konnte man vermuten, dass das Haus einmal cyanblau-grau gewesen war, ähnlich wie das schöne Gebäude der Präfektur vor der unglücklichen Renovierung, die ihm den Charakter raubte. Draußen hatte die Hausfrau Geschirr und Küchenutensilien auf einem kleinen Tisch stehen. Es roch rauchig, feucht und nach dem Grün der Umgebung. Welcher Assoziation es nun auch geschuldet war – ich brachte dieses bescheidene Haus mit dem Xenia in Verbindung. Hülle eines, Tag für Tag, unbeschwerten Lebens, ohne jede seelische Belastung oder Arroganz. Verleiht uns der Kontakt zu einem Straßenbengel, einem Frechdachs, nicht eine gewisse Leichtigkeit? Auf eine ähnliche Art und Weise war das auch hier so. Ich bin mir sicher, dass Konstantinidis, dieser volksnahe Ästhet, an diesem Haus nicht die geringste Veränderung vorgenommen hätte. Vielleicht hätte er es nicht einmal gestrichen. Beim Gehen fiel mir eines der kleinen Mädchen auf, das den ungepflegten, aber nicht schmutzigen betonierten Hof mit einem Mopp wischte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12846" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-8.jpg" alt="" width="1024" height="434" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-8.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-8-300x127.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-8-768x326.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-8-450x191.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-8-500x212.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Igoumenitsa, gegenwärtige Situation: Das Xenia eingebettet in die örtliche Fachhochschule, die heute zur Universität Ioannina gehört; </em><em>Archiv EFA Thesprotias, Quelle</em> <a href="https://www.igoumenitsamuseum.gr/images/text_files/124769496659c66e1a50f5b1.64021250.pdf">hier</a>; <em>PDF mit Bibliographie</em></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12850" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-2-150x150.jpg" alt="" width="200" height="150" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-2-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-2-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-2-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-2-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-2.jpg 962w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></p>
<p><em>Quelle </em><a href="https://bookpress.gr/sinenteuxeis/ellines/18872-sotiris-dimitriou-i-arnisi-trefei-ton-logotexni-ton-vgazei-apo-ton-steno-kyklo-tis-egopatheias">hier</a></p>
<p><strong>Der Autor</strong><br />
<strong>Sotiris Dimitriou</strong>, geboren 1955 in Povla, gelegen in der westlichsten griechischen Region Thesprotia, wuchs in Igoumenitsa auf. In der Literaturszene erschien er 1985 mit einer Gedichtsammlung.<br />
Dimitriou wurde mit dem Kurzgeschichtenpreis der Zeitung „Ta Nea“ und zweimal mit dem Kurzgeschichtenpreis der Literaturzeitschrift „diavazo“ ausgezeichnet. Sein Roman <em>Lass es dir gut gehen </em>(Originaltitel: Ν’ ακούω καλά τ’ όνομά σου; s. auch weiter unten) wurde für den Europäischen Literaturpreis nominiert. Texte von ihm sind ins Englische, Deutsche und Niederländische übersetzt und auch verfilmt worden.</p>
<p><strong>Sotiris Dimitriou bei der Edition Romiosini</strong><br />
Sein bereits erwähnter Roman <em>Lass es dir gut gehen</em> in der Übersetzung von Birgit Hildebrand <a href="https://bibliothek.edition-romiosini.de/catalog/book/10">hier</a><br />
Der viel gelobte Roman aus dem Jahr 1993 erzählt Geschichten und schafft Bilder, die das aktuelle Flüchtlingsdrama ebenso vergegenwärtigen wie das Leben dreier Generationen in zwei verschiedenen Welten.</p>
<p>Die <strong>Edition Romiosini</strong> gibt griechische bzw. griechenlandbezogene Literatur in deutscher Sprache heraus und bietet alle Bücher zur kostenlosen Online-Lektüre an. Sie können dieses Buch online lesen, dazu müssen Sie sich registrieren – kostenlos und äußerst benutzerfreundlich.</p>
<p>::: <em>Sotiris Dimitriou auf Biblionet</em> <a href="https://biblionet.gr/%CF%80%CF%81%CE%BF%CF%83%CF%89%CF%80%CE%BF/?personid=1748">hier</a> <em>(auf EL) mit all seinen Buchtiteln, die auf Kritiken seiner Werke verweisen.</em></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12852" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-3.jpg" alt="" width="200" height="150" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-3.jpg 867w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-3-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-3-768x577.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-3-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-3-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></p>
<p><strong>Der Architekt</strong><br />
<strong>Aris Konstantinidis</strong> (1913-1993) studierte1931-1936 er an der TU München. Danach war er in der Athener Stadtplanung sowie im Bauministerium tätig. 1955-1975 war er für den Bau von Sozialwohnungen zuständig und 1957-1967 Leiter des Xenia-Programms der EOT. Gleichzeitig realisierte er zahlreiche Projekte für private Auftraggeber.<br />
1951 heiratete er die später namhafte Bildhauerin Natalia/Nata Mela. Der Sohn des Paares Dimitris Konstantinidis wurde Architekt, die Tochter Alexandra Tsoukala Designerin.<br />
Nach dem griechischen Militärputsch 1967 trat Konstantinidis aus Protest von seinen Ämtern zurück, nahm eine Gastprofessur an der ETH Zürich an und wurde Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Nach dem Fall der Junta kehrte er nach Griechenland zurück und arbeitete als Berater der EOT. Die Universität Thessaloniki verlieh ihm 1978 die Ehrendoktorwürde. 1993 nahm er sich in Athen das Leben, ein Fakt, der in seinen griechischen Biografien meistens verschwiegen wird.</p>
<p>::: <em>Aris Konstantinidis in Wikipedia</em> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aris_Konstantinidis">hier</a><br />
::: <em>Xenia-Hotels und -Motels in Wikipedia</em> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xenia_(Hotel)">hier</a><br />
::: <em>Video zu Konstantinidis auf YouTube</em> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=12ljoLcUz8Q&amp;t=10s">hier</a> <em>(leider nur auf EL; 13m 47s)</em><br />
::: <em>719 Architekturpläne im Archiv des Benaki-Museums</em> <a href="https://www.benaki.org/index.php?option=com_collections&amp;view=creator&amp;id=553&amp;lang=el&amp;collectionId=57&amp;lang=en">hier</a> <em>(auf EN)</em><br />
::: <em>Fotos zum Zustand des Xenia-Motels Igoumenitsa 2014</em> <a href="https://architextus.blogspot.com/2013/12/01.html">hier</a><br />
::: <em>Natalia/Nata Mela</em> <a href="https://el.wikipedia.org/wiki/%CE%9D%CE%B1%CF%84%CE%B1%CE%BB%CE%AF%CE%B1_%CE%9C%CE%B5%CE%BB%CE%AC">hier</a> <em>(auf EL)</em></p>

<a href='https://diablog.eu/literatur/prosa/der-autor-sotiris-dimitriou-und-der-architekt-aris-konstantinidis/attachment/sdak-9_farbigkeit-am-beispiel-der-xenia_andros_1958/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="500" height="246" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958-300x148.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958-450x221.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/literatur/prosa/der-autor-sotiris-dimitriou-und-der-architekt-aris-konstantinidis/attachment/sdak-10/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="615" height="394" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-10.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-10.jpg 615w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-10-300x192.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-10-450x288.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-10-500x320.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 615px) 100vw, 615px" /></a>

<p class="textinfo"><em>Kurzgeschichte: Sotiris Dimitriou (in der Übersetzung von A. Tsingas) mit freundlicher Genehmigung des Verlags Patakis. Präsentation: A. Tsingas. Abbildungen: siehe begleitende Quellenangaben. Beitragsbild: KI.<br />
</em></p>
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		<title>Musik verbindet &#8211; Engel reisen in den Rembetiko</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Apr 2024 15:16:10 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[Als 1960 die ersten griechischen Migranten als Arbeitskräfte in Stuttgart und Umgebung ankamen, brachten sie ihre Musik mit. Damit brillieren heute ihre Nachkommen auf der musikalischen Bühne. Simon Steiner beschreibt den Auftritt einer Bouzouki-Bigband. Die ... <p class="read-more-container"><a title="Musik verbindet &#8211; Engel reisen in den Rembetiko" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/musik/musik-verbindet-engel-reisen-in-den-rembetiko/#more-12458" aria-label="Mehr Informationen über Musik verbindet &#8211; Engel reisen in den Rembetiko">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Als 1960 die ersten griechischen Migranten als Arbeitskräfte in Stuttgart und Umgebung ankamen, brachten sie ihre Musik mit. Damit brillieren heute ihre Nachkommen auf der musikalischen Bühne. Simon Steiner beschreibt den Auftritt einer Bouzouki-Bigband.</p>
<p>Die historische <em>Alte Kelter</em> liegt am Ortsrand von Winnenden, eine halbe Autostunde von Stuttgart entfernt (<a href="http://www.alte-kelter-winnenden.de/">hier</a>). Viel Grün, Wiesen, Weinberge und Wälder bilden die natürliche Umgebung. Beruhigende Weite, wie die in Griechenland. Um zu arbeiten und zu leben haben sich viele Griechen für diese Gegend entschieden. Schon vor siebzig Jahren zogen die ersten „Gastarbeiter“ in den Rems-Murr-Kreis. Ihre Nachkommen sprechen deutsch und griechisch, leben selbstverständlich hier und fühlen sich heimisch.</p>
<p>Griechischen Wein bietet die schwäbische <em>Alte Kelter</em> an diesem 21. Januar, einem Sonntagabend, nicht an, aber alles beginnt mit Sektempfang und Mezedes, also griechischen Häppchen. Im Foyer herrscht griechisch-deutsches Sprachgewirr. Der Saal ist zum Platzen voll, 150 Gäste besetzen flink die zahlreichen Stuhlreihen. Die Lightshow hüllt die hohe Bühne in tiefes Blau, Himmel und Meer. Hellas-Feeling kommt auf. Ein Komboloi, Kummerperlen, eine Wasserpfeife und ein typisches Tavernen-Tischchen, auf dem eine Flasche Retsina steht, symbolisieren den Rembetiko-Kosmos. In der Mitte sitzt ein Profi, Sänger Konstantinos Sklavos, der sich in der Rembetiko-Szene längst einen Namen gemacht hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12467" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-00_Rembetiko-laengs.jpg" alt="" width="1024" height="262" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-00_Rembetiko-laengs.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-00_Rembetiko-laengs-300x77.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-00_Rembetiko-laengs-768x197.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-00_Rembetiko-laengs-450x115.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-00_Rembetiko-laengs-500x128.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Als die dreizehn elegant gekleideten MusikerInnen mit der Moderatorin auf die Bühne kommen und ihre Plätze einnehmen, ist es mucksmäuschenstill. Nun greift ein Rädchen ins andere. Jedes Rembetiko-Lied wird von der charmanten jungen Despina Zachu angekündigt, sie stellt Komponisten und Musiker vor und erläutert die historischen Hintergründe. Mit kenntnisreichen Geschichten schickt sie das Orchester und Publikum auf die Reise in den Rembetiko. Ein Beamer wirft Malereien, Graffiti, Fotos und Karikaturen an die Leinwand, die die einzelnen Lieder und das komplexe Genre beleuchten. Ausgewählt hat sie Bouzouki-Spieler Antonios Gampouras. Von Beruf Architekt, beschäftigt sich mit den Quellen dieses Genres. Alle Songtexte kann man in einem verteilten „Liederbuch“ auf Griechisch und Deutsch mitverfolgen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12469" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-01_Liederbuch-450x461.jpg" alt="" width="411" height="421" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-01_Liederbuch-450x461.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-01_Liederbuch-293x300.jpg 293w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-01_Liederbuch-768x787.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-01_Liederbuch-500x513.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-01_Liederbuch.jpg 999w" sizes="auto, (max-width: 411px) 100vw, 411px" /></p>
<p><strong>Das Liederbuch</strong><br />
Den Griechen sind die meisten Texte bekannt, denn Rembetiko ist für sie Allgemeingut und mittlerweile auch Weltkulturerbe. Die anderen verfolgen die Zeilen der Lieder genauer. Sie freuen sich über ihre Griechischkenntnisse und nehmen derbe und raue Textstellen an, als wäre Subkultur normal. Vielleicht sind sie <em>underground</em> gewöhnt, schließlich entstand hier in Winnenden der schwäbische Punk. Nicht wenige kennen die lokale Punkband <em>Normahl</em>.<br />
Rembetiko wird meist in einer Taverne oder auf einer schattigen Terrasse zelebriert, im kleinen Kreis, bei Ouzo, Tsipouro und Mezedes. Dazu wird geraucht, getanzt und gefeiert. Hier in der <em>Kelter</em> findet eine hochkulturelle Gala statt. Ungewohnt, ein konzentriertes Orchester spult ein erhabenes dreistündiges Rembetiko-Konzert ab, das ist einmalig. Hat man so noch nie erlebt.</p>
<p><strong>Engel schweben durch den Saal</strong><br />
Sage und schreibe neun Bouzoukis befüllen das Ensemble, rhythmisch unterstützt durch eine Cajon-Trommel, pochenden Bass und harmonisch begleitet von der Gitarristin Zina Piperidou. Wenn die orchestralen Bouzouki-Melodien durch den Raum fliegen, hat man das Gefühl, dass hier Engel musizieren. Wie Boten, die Gott oder der Himmel zu den Menschen entsandt hat. Leiter Christos Sourantanopoulos erklärt: „Die MusikerInnen erinnern an all die verstorbenen Bouzouki-Spieler auf unserer <em>Reise ins Rembetiko</em>.&#8220; So wird die musikalische Veranstaltungsreihe genannt. Diese Vollkommenheit spiegelt sich in der Brillanz der Musik. Die Engel spielen Rembetiko traditionell und bis auf wenige Ausnahmen im unveränderten Original, eins zu eins. Die griechische Rembetiko-Szene will das so. In letzter Zeit gibt es weltweit Variationen und Vermischungen mit verschiedenen Stilen aus der Popmusik, aber doch nicht in Winnenden! Und schon gar nicht mit den Engeln, die im Lied <em>Bei Thomás</em> erscheinen, wenn es heißt: „Komm heute Abend zu Thomás, dann spiel ich dir den Baglamas, die Engel steigen herab und tanzen Tsifteteli“.</p>
<p><strong>Zwei ausgewählte Reisen mit den Engeln</strong></p>
<ul>
<li>Despina Zachu erzählt eine Geschichte, die in den Bergen von Penteli spielt.<br />
„Das Lied <strong><em>Mes stis Pentelis ta vouna</em></strong> (Μες στης Πεντέλης τα βουνά) wurde 1940 aufgenommen und handelt von Tuberkulose, die zu der Zeit nicht nur die griechische, sondern auch die weltweite Bevölkerung heimsuchte. Das Lied hat eine eigene Geschichte und wurde von einem Mann inspiriert, der tatsächlich im Sanatorium von Penteli an Tuberkulose litt und schließlich daran starb. Der Sänger Stratos Pagioumtzis hatte einen TBC-kranken Freund. Dieser bat ihn, ein Lied über sein Leiden zu schreiben und überreichte ihm seine Verse. Pagioumtzis versprach, sie zu überarbeiten und ein Lied daraus zu machen. Zusammen mit den Komponisten Giannis Papaioannou und Nikos Vasilakis schuf er so den Hit „Mes stis Pentelis ta vouna“.</li>
</ul>
<p>Bei der Erzählung geht ein Schluchzen durch das Publikum. Trauer, Schmerz und Tod ziehen sich durch das Genre. Im „Liederbuch“ tauchen viele Lieder über enttäuschte Liebe, über Sehnsucht, Schmerz und zerbrochene Herzen auf. Schönheiten mit abgrundtiefen Augen und leuchtenden Wimpern verzaubern die Männer, es sind Blondinen, Brünette, kokette Süße, die um die Typen kreisen. Viele Songtexte handeln von diesen Kerlen, den überheblichen, draufgängerischen Vagabunden, die in verrauchten Bretterbuden dem Haschisch und Alkohol verfallen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12479 alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-06_eng-500x264.jpg" alt="" width="411" height="217" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-06_eng-500x264.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-06_eng-300x158.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-06_eng-1024x540.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-06_eng-768x405.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-06_eng-450x237.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-06_eng.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 411px) 100vw, 411px" /></p>
<p><em>Manges/Koutsavakides: Illustrationen aus dem Buch von Elias Petropoulos </em>Rembetologia <em>(auf  EL), </em><a href="https://www.kedros.gr/product/1235/rempetologia.html">hier</a><br />
<em>Die Grenzen zwischen </em>Mangas <em>und </em>Koutsavakis<em> sind im heutigen Sprachgebrauch fließend. Beiden wird das Gebaren eines Halbstarken nachgesagt, die Herkunft der Begriffe ist jedoch unterschiedlich. </em><br />
<em>Zur Differenzierung </em><a href="https://chronontoulapo.wordpress.com/2013/11/16/%CE%BA%CE%BF%CF%85%CF%84%CF%83%CE%B1%CE%B2%CE%AC%CE%BA%CE%B7%CE%B4%CE%B5%CF%82-%CE%BA%CE%B1%CE%B9-%CE%BC%CE%AC%CE%B3%CE%BA%CE%B5%CF%82-%CE%B4%CF%85%CE%BF-%CE%BB%CE%AD%CE%BE%CE%B5%CE%B9%CF%82-%CE%BC/">hier</a> <em>(auf EL)</em></p>
<p>&nbsp;</p>
<ul>
<li>Der Mangas aus Votanikos, ursprünglich eine Volksweise aus Kleinasien, ist ein echter Knüller; als das Lied an diesem Abend erklingt, kochen die Emotionen hoch:</li>
</ul>
<p><em><strong>Der Mangas aus Votanikos</strong></em><br />
Der Mangas<strong><sup>1 </sup></strong>aus Votanikos<strong><sup>2</sup></strong>,<br />
der hält keinen hinterm Berg<br />
in Glücksspiel und Spelunken.<br />
Und im Tekke<strong><sup>3</sup></strong> von Perdikakis</p>
<p>Da pafft er und berauscht sich<br />
mit seinem Betthasen dort;<br />
und die Angélo, die entfacht ihm<br />
auf der Shisha seine Flamme.</p>
<p>Er ist ein Macker, ein feiner Genießer,<br />
in ganz Votanikos der größte Rüpel.<br />
Vor ihm stehn alle andren Macker stramm,<br />
aber gerade jetzt juckt ihn das nicht.</p>
<p>Er pafft, berauscht sich<br />
und schwebt dahin, stets auf Pump.<br />
Denn von der Medrese<strong><sup>4</sup></strong> seine Entlassungspapiere,<br />
die  hat er längst schon gekriegt.</p>
<table>
<tbody>
<tr>
<td width="614">Anmerkungen<br />
<strong>1</strong><em> Mangas: </em>Rembetiko-Anhänger der Unterschicht; Macker, Rüpel, Rabauke. Plural: <em>Manges.</em><br />
<strong>2</strong><em> Votanikos</em>: westlich gelegener Athener Bezirk zur Grenze nach Piräus, der als Wildwuchs ohne Bebauungsplan entstand. Er beherbergte viele Fabriken und Manufakturen.<br />
<strong>3</strong><em> Tekke</em>: Ursprünglich Ort, wo die frommen Sufis oder Derwische zusammenkamen. Bei den <em>Manges</em>: (illegaler) Treffpunkt oder Rückzugsort. Eine Hütte, ein Keller oder Laden, wo Haschisch geraucht und manchmal auch musiziert wurde.<br />
<strong>4</strong><em> Medrese </em>(auch Medresse oder Madrasa): eigentlich muslimisches Seminar, Lehreinrichtung. Hier sinngemäß benutzt für Gefängnis. Hintergrund: Die Athener Medrese wurde 1721 erbaut und diente zu Zeit Ottos (Regentschaft 1833-1862) als Gefängnis, verhasst wegen der ungerechtfertigten Inhaftierungen und Misshandlungen. Das Gebäude wurde 1914 fast vollständig abgerissen, nur die Pforte steht heute noch als Ruine neben dem Turm der Winde in der Altstadt Plaka.<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12477" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-05Mendrese-Athen-450x336.jpg" alt="" width="411" height="307" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-05Mendrese-Athen-450x336.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-05Mendrese-Athen-300x224.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-05Mendrese-Athen-500x374.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-05Mendrese-Athen.jpg 634w" sizes="auto, (max-width: 411px) 100vw, 411px" /><em>links: Der Turm der Winde. Rechts im Hintergrund das Medrese-Gefängnis, links eingekreist ein Mangas/Koutsavakis. Foto: Konstantinos Athanasiou, ca. 1880. Quelle: https://mpouzoukimpouzouksides.blogspot.com/2016/12/koutsavaki.html</em></td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p><strong>Die Frauen des Ensembles</strong><br />
Die Frauen des Engel-Ensembles bewerten solche Texte nicht als <em>macho</em>.<br />
Die vereidigte Übersetzerin <strong>Despina Zachu</strong> findet diese Themen typisch Rembetiko, „emotional und authentisch und sogar historisch bedeutsam“.<br />
<strong>Vasiliki Papathanasiou</strong> spielt seit ihrem sechzehnten Lebensjahr Bouzouki, sie ist Buchhalterin. Für sie strahlen Rembetiko-Texte „ein tiefes Gefühl der Freiheit aus. Sie besingen authentische Momente von Menschen, so wie sie in Wirklichkeit waren.“ Recht hat sie und benennt Anestis Delias: „Es gab außerdem in der über 100 jährigen Geschichte des Rembetiko nur einen Rembetis, der wegen Drogenkonsums sein Leben verlor. Rembetiko beschreibt lediglich das schwierige Leben im armen Griechenland, die vielen sozialen und nationalen Problemen von damals: Das waren Flucht und Vertreibung, Weltwirtschaftskrise, Missernten, Krieg, Besatzung und Diktatur, wie sollten die Menschen diese Trostlosigkeit auch sonst ertragen?“<br />
Das bestätigt auch <strong>Zina Piperidou</strong>, sie ist noch Schülerin, jobbt nebenher als Kassiererin und macht dieses Jahr Abitur: „Rembetiko entstand aus schwierigen Lebensverhältnissen, die Lieder handeln von Schmerz, Armut, Gesetzlosigkeit und Prostitution. Doch nicht nur. Viele Lieder widmen sich der Liebe, Ehe oder der mütterlichen Liebe.&#8220;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12483 size-full alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-08_Bost.jpg" alt="" width="411" height="406" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-08_Bost.jpg 411w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-08_Bost-300x296.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 411px) 100vw, 411px" /></p>
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<p><em>„Cannabis und Rembetika“, Plattenhülle mit Zeichnung des prominenten Karikaturisten Bost (bürgerlich Chrysanthos Vostantzoglou, 1918-1995)</em></p>
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<p><strong>Der Musikschulleiter Christos Sourantanopoulos</strong><br />
Wer ist der Mann, der dieses Ensemble zusammen führte?<br />
Er ist in Berlin geboren, zog mit sechzehn Jahren nach Thessaloniki, wo er Musik studierte. Bis zu seinem vierzigsten Lebensjahr arbeitete er als Musiklehrer und begleitete bekannte Sänger auf der Bouzouki. Seit 2010 ist er wieder in Deutschland und hat 2014 die <em>X.S. Musikschule Stuttgart</em> gegründet.<br />
Er berichtet: „Mit den Engeln würde ich gerne so weitermachen und hoffe, dass viele Leute unsere Liebe zur Musik unterstützen. Ich möchte etwas hinterlassen, meine Musik und die Musik der Engel und es würde mich freuen, wenn man auch später an uns denkt.“</p>
<p>Auch die drei Frauen, die dem Ensemble angehören, haben zwei Herzen, die in ihrer Brust schlagen: ein deutsches und ein griechisches.<br />
<strong>Despina</strong> berichtet:<br />
„Um ehrlich zu sein kann ich nicht sagen, welches der beiden Länder ich mehr mag: Griechenland ist mein Herkunftsland, ich liebe und lebe die griechische Mentalität, spreche zuhause hauptsächlich Griechisch und habe auch beruflich viel mit Griechen zu tun. Allerdings ist Deutschland das Land, in dem ich geboren und aufgewachsen bin und das mir die Möglichkeit auf Bildung und Beruf gegeben hat, wofür ich sehr dankbar bin. Daher mag ich beide Länder sehr, obwohl ich mir Sonne, Meer und die frischen Lebensmittel aus Griechenland nach Deutschland herbeiwünsche.“<br />
<strong>Vasiliki</strong>:<br />
„Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, habe aber auch einige Jahre in Griechenland gelebt. Ich mag beide Länder. Griechenland gibt mir die Wärme des Herzens und Deutschland die Sicherheit des Lebens.“<br />
<strong>Zina</strong>:<br />
„Ich wurde in Griechenland geboren und bin mit 12 Jahren nach Deutschland gezogen. Welches Land ich bevorzuge, kann ich genauso wenig sagen wie, welchen Elternteil ich mehr liebe.“</p>
<p><em>Text: Simon Steiner. Bildunterschriften und Übersetzung des Liedtextes: A. Tsingas. Fotos: Archiv Simon Steiner. </em><br />
<em>Simon Steiner auf diablog.eu</em> <a href="https://diablog.eu/?s=simon+steiner">hier </a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12481" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-07_Schwaikheim-450x636.jpg" alt="" width="411" height="581" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-07_Schwaikheim-450x636.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-07_Schwaikheim-212x300.jpg 212w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-07_Schwaikheim-500x707.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/sbb-07_Schwaikheim.jpg 724w" sizes="auto, (max-width: 411px) 100vw, 411px" /></p>
<p><strong>Konzertankündigung</strong><br />
Rembetiko ist eine urbane Subkultur, sie entstand in den Städten. Wer weiß, vielleicht finden die Engel aus Winnenden noch ihren Weg in die Stadt, in eine Konzerthalle nach Stuttgart. Aber bis es soweit ist, geben sie am <strong>21.4. 2024</strong> eine weitere Kostprobe ihres Könnens in Schwaikheim.<br />
Überraschungen sind angesagt – und auf jeden Fall: neue Titel.</p>
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]]></content:encoded>
					
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		<title>Mein griechisches Dorf – ein Fotobuch von Wolfgang Bernauer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Mar 2024 14:30:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alltagskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[Wo sind Sie zu Hause? Für die Menschen im idealen griechischen Dorf, das uns Wolfgang Bernauer in diesem Bildband vorstellt, ist dieses Zuhause ein vertrautes Stück Erde. Zuhause ist für viele Griechen nicht die Stadt, ... <p class="read-more-container"><a title="Mein griechisches Dorf – ein Fotobuch von Wolfgang Bernauer" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/#more-12376" aria-label="Mehr Informationen über Mein griechisches Dorf – ein Fotobuch von Wolfgang Bernauer">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Wo sind Sie zu Hause? Für die Menschen im idealen griechischen Dorf, das uns Wolfgang Bernauer in diesem Bildband vorstellt, ist dieses Zuhause ein vertrautes Stück Erde.</p>
<p>Zuhause ist für viele Griechen nicht die Stadt, in der sie leben und arbeiten, sondern der Ort, aus dem sie stammen, das Dorf der Eltern oder Großeltern. Hier ist die Heimat, hier wird Ostern gefeiert, geheiratet und hierher kehrt man im Alter zurück – vielleicht für immer.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12440" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1-500x333.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Das Kaffeehaus</em></p>
<p>Das titelgebende griechische Dorf von Wolfgang Bernauer ist ein Ideal, es setzt sich aus Mosaiksteinen zusammen, die er fotografisch zusammengetragen hat. Denn auch im ländlichen Griechenland hat die Moderne längst Einzug gehalten. Aber die fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten, die Mühsal der Feldarbeit und das karge Einkommen im traditionellen Handwerk bieten nicht nur für der Jugend schlechte Zukunftsperspektiven. Doch lassen sich überall, auch bei kleinen Lebensgemeinschaften, Facetten des ursprünglichen Dorflebens finden. Fügt man diese zusammen, wie Bernauer es gemacht hat, entsteht dieser Mikrokosmos: <em>Mein griechisches Dorf</em>.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12442" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2.jpg" alt="" width="1024" height="640" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2-300x188.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2-768x480.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2-450x281.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2-500x313.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Die Marktgasse</em></p>
<p>Wie ist Bernauer zu seinem Thema gekommen? Im Vorwort schreibt er:<br />
„Als junger Student bekam ich einen Reisebericht aus der Neuen Zürcher Zeitung in die Hände, der das orthodoxe Osterfest in einem abgelegenen Bergdorf auf Karpathos schilderte. Wenige Monate später durfte ich 1996 dieses Fest selbst erleben. Die überwältigende Gastfreundschaft, das tiefsinnige Auferstehungsfest, vor allem aber die ursprüngliche Dorfatmosphäre waren für mich – wortwörtlich – ergreifend. Als ich die Fotos dieser beiden Wochen auf dem Leuchttisch sichtete, begann ich zu realisieren, dass mir ein Thema zugefallen war, das mich nicht mehr loslassen würde: das dörfliche Leben in Griechenland. Ein Leben, bestimmt vom elementaren Rhythmus der Jahreszeiten, Feldarbeit, Kirchenfeste, Geburten und des Todes. Nach diesen intensiven Osterwochen begann ich, systematisch nach weiteren dieser traditionellen Dörfer und Plätze zu suchen: nach Kaffeehäusern, Ladenlokalen und Handwerksbetrieben, die über Generationen die dörfliche Gemeinschaft prägten und bis heute präsent sind. Dabei bereitete mir die Detektivarbeit fast so viel Freude wie die fotografische Umsetzung.“</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12444" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Das Land</em></p>
<p>Bernauer fotografierte Dörfer des Pindos-Gebirges, genauso wie die auf der südlichen Peloponnes, umsegelte das berüchtigte Kap Maleas und erlebte im Süden Kretas noch im November Badefreuden. Er sprach mit Mönch Ioannis im Philosophen-Kloster; der Schuster Nikos schilderte ihm, wie er beim Auftrennen von deutschen Offiziersstiefeln ideale Schnittmuster und zahlreiche Kunstgriffe entdeckte. Panajotis zeigte ihm ein Schriftstück von 1943, mit dem seinem Vater und den übrigen sechs Dorfbäckereien auf Naxos Zwangsabgaben an die deutschen Truppen befohlen wurden. Aristos und Fotini begleitete er bei der Mastixernte auf Chios. Mit kurzen Texten, die seine Fotos begleiten, lässt Bernauer den Betrachter an seinen Erlebnissen teilhaben. Auf Seite 141 befindet sich eine Landkarte, betitelt <em>Mein Griechenland</em>. Darauf ist übersichtlich vermerkt, wo die Fotos entstanden sind. Auf den folgenden Seiten sind alle Aufnahmen in Miniatur mit Seite, Ort und Jahr der Entstehung abgedruckt:</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12390 size-single-hochkant alignnone" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-500x346.jpg" alt="" width="500" height="346" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-500x346.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-300x208.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-768x532.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-450x312.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></p>
<p>Ohne groß drumherum zu reden: Der Bildband ist nicht nur <em>sehr</em> gut gelungen, er ist eine Wucht!<br />
Um potenziellen „ungläubigen Thomassen“ gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Das sah auch der Deutsche Fotobuchpreis so und nahm das Buch in die Shortlist 20/21 auf. 2020 wurde ihm sogar der ICMA (International Media Creative Award) in Bronze verliehen, <a href="https://icma-award.com/de/10-icma-books-winner#toggle-id-7">hier</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12446" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4.jpg" alt="" width="1024" height="650" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4-300x190.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4-768x488.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4-450x286.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4-500x317.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Die Kirche</em></p>
<p><strong>Das Buch</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12415 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-08-Praegung-226x300.jpg" alt="" width="226" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-08-Praegung-226x300.jpg 226w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-08-Praegung.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px" /></p>
<p><strong>Das Äußere:</strong> Der Fotoband ist 35 x 25 cm groß, ein Hardcover mit Leineneinband. Eine Besonderheit ist sicherlich die Prägung; sie war dem Verlag wichtig, um die Hochwertigkeit sichtbar zu unterstreichen.</p>
<p><strong>Das Innere:</strong> Das verwendete Papier nennt sich Freelife Vellum 170 g/qm (von Fedrigoni); ich erwähne es, weil es in seiner Haptik sehr angenehm ist und obwohl matt, jedes Fotodetail klar wiedergibt. Ich war und bin begeistert!</p>
<p><strong>Das Technische: </strong>Das Buch wurde im wasserlosen Offset-Verfahren in der Druckerei Tienkamp in Groningen (NL) gedruckt. Hier eine Geschichte dazu: Die kleine Druckerei mit drei Angestellten hatte sich auf dieses Verfahren spezialisiert und war Fine-Art-Liebhabern weltweit ein Begriff. Leider schloss die Druckerei während der Corona-Pandemie.<br />
Ich kann es mir nicht verkneifen, hier einige Fotos vom „making of“ des Buches zu bringen, weil mich dieser handwerkliche Verlust wehmütig macht.</p>

<a href='https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/attachment/mgd-05/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05-500x334.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/attachment/mgd-04/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-04-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-04-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-04-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-04-500x334.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-04.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/attachment/mgd-03/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03-500x334.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/attachment/mgb-02/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02-500x334.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>

<p><em>Making of, oben links: Martin Breutmann (Edition Bildperlen / fotoforum-Verlag), Wolfgang Bernauer, Christian Beck (Edition Bildperlen / fotoforum-Verlag) (v.l.); oben rechts: Sichtkontrolle am Tor bei Tageslicht; unten links: Wolfgang Bernauer im Gespräch mit Henk Tienkamp; unten rechts: Henk Tienkamp (mit Hund) nimmt finale Farbeinstellungen vor.</em></p>
<p>Die Fotoaufnahmen sind in fünf Einheiten unterteilt, die Titel durchgehend zweisprachig (DE und EL, auch auf dem Buchdeckel mit der erwähnten Prägung):<br />
<strong>Το </strong><strong>καφενείο/Das Kaffeehaus * </strong><strong>Το </strong><strong>σοκάκι </strong><strong>της </strong><strong>αγοράς/Die Marktgasse * </strong><strong>Η </strong><strong>χώρα/Das Land *</strong><strong>Η </strong><strong>εκκλησία/Die Kirche * </strong><strong>Η </strong><strong>γιορτή/Das Fest</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12448" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5-500x333.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Das Fest</em></p>
<p>Wolfgang Bernauer nutzt für seine Motive unterschiedliche Bildfeldgrößen und Distanzen. Daraus ergibt sich ein Kaleidoskop von Land und Dorf, es gibt Berufsportraits und wimmelbildähnliche Arbeitsplätze, Landschaften mit und ohne Menschen – und mehr Aufnahmen in Schwarzweiß als in Farbe. Bernauer meint dazu: „Farbe benutze ich zurückhaltend. Bei meiner Aufgabenstellung haben Farbigkeit und Buntheit eher eine banalisierende Wirkung. Damit gleicht meine Arbeitsweise derjenigen von Fred Boissonnas (1858 &#8211; 1946). Der Genfer Fotograf bereiste von 1907 bis 1913 mit einem großen technischen und personellen Aufwand Griechenland und schuf hervorragende Zeitdokumente.“<br />
Die Doppelseiten – das Buch hat aufgeschlagen eine Breite von 70 cm! – sind gut genutzt: Auf der einen ein großes Bild, auf der anderen ein Text zum Porträtierten (oder zu der aufgenommenen Situation) und manchmal ein kleineres, ergänzendes Foto.<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12380" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen.jpg" alt="" width="1024" height="291" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen-300x85.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen-768x218.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen-450x128.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen-500x142.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<strong>Daten des Fotobandes</strong><br />
35 x 25 cm, Hardcover mit Leineneinband, 148 Seiten<br />
Edition Bildperlen, Münster 2019, 68 Euro<br />
ISBN 978-3-96546-002-7<br />
Mit dem Vorwort <em>Griechisches Dorf – globales Dorf</em> von Marc A. Schwitter<br />
Eine zweite Auflage ist in Arbeit. Sie erscheint voraussichtlich im Sommer 2024 in den Sprachen Griechisch und Englisch!</p>
<p>Der Fotoband im Verlag, wo man auch blättern kann, <a href="https://shop.fotoforum.de/mein-griechisches-dorf/">hier</a><br />
Edition Bildperlen, das Verlagsprogramm, <a href="https://bildperlen.de/buchhandel/verlagsprogramm/">hier</a><br />
Der Fotograf Wolfgang Bernauer, <a href="https://www.fotoforum.de/community/benutzer/7598/fotos">hier</a> und <a href="https://wolfgangbernauer.com/">hier</a><br />
Die Ausstellung <em>Mein griechisches Dorf</em> in Zürich, 2019, <a href="https://www.fotoforum.de/community/foto/460146-die-ausstellung?typ=profil&amp;id=#center">hier</a></p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12388 size-medium alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-06-Fotograf-277x300.jpg" alt="" width="277" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-06-Fotograf-277x300.jpg 277w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-06-Fotograf.jpg 368w" sizes="auto, (max-width: 277px) 100vw, 277px" /></strong><strong>Der Fotograf</strong><br />
Wolfgang Bernauer ist ein Schweizer Augenarzt, Autor und Fotograf. Seine zahlreichen Text- und Bildbeiträge sind in Print- und Online-Medien zu finden.<br />
Bernauers Vater war Chemiker und sein Onkel Erfinder von Polarisationsfiltern, für fotografische Experimente war er also prädestiniert. Dem Medizinstudium folgten fotografische Ausbildungen und erste kunsthistorische Reportagen. Respekt und Interesse für das kulturelle und soziale Leben der Bevölkerung in den Alpenrandgebieten und in Griechenland prägen seine Arbeit. Er lenkt den Blick auf das traditionelle Leben, die Wohnverhältnisse, den Festtagskalender und alte Handwerkstechniken. Durch den bewussten Einbezug dieses kulturellen Umfelds unter Nutzung von Weitwinkelobjektiven und Stativ erhalten seine Porträtstudien (auf denen viel zu entdecken ist) eine zeitgeschichtliche Dimension.</p>
<p class="textinfo"><em>Text: Wolfgang Bernauer, Edition Bildperlen und A. Tsingas. Fotos: Wolfgang Bernauer und Edition Bildperlen.</em></p>
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		<title>Kebabträume – ein Punk-Hit und seine Verflechtungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jan 2024 15:44:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alltagskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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					<description><![CDATA[Was hat der NDW-Hit Kebabträume von DAF aus den 1980er Jahren mit Griechenland zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts! Der spanische Gastarbeiterjunge, Sänger, Tänzer, Wortspieler und Komponist Gabriel Delgado-López, genannt Gabi, hatte türkische ... <p class="read-more-container"><a title="Kebabträume – ein Punk-Hit und seine Verflechtungen" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/musik/kebabtraeume-ein-punk-hit-und-seine-verflechtungen/#more-12177" aria-label="Mehr Informationen über Kebabträume – ein Punk-Hit und seine Verflechtungen">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Was hat der NDW-Hit <em>Kebabträume</em> von DAF aus den 1980er Jahren mit Griechenland zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts!</p>
<p>Der spanische Gastarbeiterjunge, Sänger, Tänzer, Wortspieler und Komponist Gabriel Delgado-López, genannt Gabi, hatte türkische Gastarbeiter und orientalisches Flair in Berlin-Kreuzberg im Blickfeld, als er 1978 den Songtext <em>Kebabträume</em> entwarf und „den Gemütszustand eines Landes auf den Punkt bringt“, so Ulrich Gutmair.</p>
<p><em>:::   Ulrich Gutmair: Wir sind die Türken von morgen; Klett-Cotta, Stuttgart 2023</em></p>
<figure id="attachment_12266" aria-describedby="caption-attachment-12266" style="width: 440px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12266 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/DAF_Ticket_1980_scan-450x226.jpg" alt="" width="450" height="226" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/DAF_Ticket_1980_scan-450x226.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/01/DAF_Ticket_1980_scan-300x151.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/01/DAF_Ticket_1980_scan-768x386.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/01/DAF_Ticket_1980_scan-500x251.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/01/DAF_Ticket_1980_scan.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-12266" class="wp-caption-text"><em>DAF-Ticket 1980, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:DAF_Ticket_1980_scan.jpg<br /></em></figcaption></figure>
<p><em>Quelle <a href="https://www.facebook.com/photo.php?fbid=749913971686139&amp;set=a.101549709855905.3052.100000026285428&amp;type=1&amp;theater">hier</a></em></p>
<p>Kebab, Atatürk, der Griechisch-Türkische Krieg und Neu-Izmir lauten die Stichworte dieser interessanten internationalen <em>connection</em>, zu der sich auch Beziehungen zu Griechenland finden lassen.</p>
<h6><strong><em>Kebabträume</em></strong><br />
<em>Kebabträume in der Mauerstadt</em><br />
<em>Türk-Kültür hinter Stacheldraht</em><br />
<em>Neu-Izmir ist in der DDR</em><br />
<em>Atatürk, der neue Herr</em></h6>
<h6><em>Milliyet für die Sowjetunion</em><br />
<em>In jeder Imbissstube ein Spion</em><br />
<em>Im ZK Agent aus Türkei</em><br />
<em>Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei!</em></h6>
<p>Ursprünglich hatte der Text den Titel <em>Militürk</em>. Der Song wurde interpretiert (in chronologischer Reihenfolge) von den Bands<br />
<em>Mittagspause </em>(Song <a href="https://www.youtube.com/watch?v=5FFiCaJZeWU">hier</a>, zur Gruppe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Mittagspause_(Band)">hier</a>)<br />
<em>DAF </em>(Song <a href="https://www.youtube.com/watch?v=CgYpx0hG_f4">hier</a>, zur Gruppe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch_Amerikanische_Freundschaft">hier</a>) und<br />
<em>Fehlfarben </em>(Song <a href="https://www.youtube.com/watch?v=FRxD2w0-GN0">hier</a> , zur Gruppe <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fehlfarben">hier</a>).</p>
<p>Gabriel Delgado-López, geboren 1958 in Córdoba, zog 1966 mit seiner Familie nach Deutschland. Sein Vater, Philosoph und Kommunist, flüchtete mit seiner Familie vor dem Franco-Regime. Er war illegaler Einwanderer und wurde Gastarbeiter. Gabi war bei den frühen Punkbands dabei, die sich im Ratinger Hof in Düsseldorf formierten, bei <em>Charley’s Girls</em> und <em>Mittagspause</em>.</p>
<figure id="attachment_12188" aria-describedby="caption-attachment-12188" style="width: 440px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12188 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/keb-01-450x444.jpg" alt="" width="450" height="444" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/keb-01-450x444.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/01/keb-01-300x296.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/01/keb-01-500x493.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/01/keb-01.jpg 534w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-12188" class="wp-caption-text"><em>Plattencover von Charley´s Girls // incognitorecords Stuttgart<br /></em></figcaption></figure>
<p><em>:::   zum Ratinger Hof und seine Bedeutung für die deutsche Underground-Kultur <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ratinger_Hof">hier</a></em></p>
<p>Am 11. August 1978 war der 20-jährige Gabi Delgado mit seinen Freunden, dem 14-jährigen Griechen George Nicolaidis sowie Franz Bielmeier, Peter Hein (allesamt Punkmusiker in schwarzer Kluft) und dem Künstler Markus Oehlen auf dem Weg nach Westberlin zur Eröffnung des <em>SO36</em> und dem ersten deutschen Punk-Festival.</p>
<p><em>:::   zum SO36 und seine Bedeutung für die Westberliner Musikszene <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/SO36">hier</a></em></p>
<p>George Nicolaidis erinnert sich:<br />
„Für mich war es eine super Erfahrung, Bestandteil von deutschem Punk 1977 und NDW ab 1980 gewesen zu sein. Ich konnte schon in jungen Jahren meinen Teil in Form von Fotos und Musik dazu beitragen. Rückblickend kann ich sagen, dass die damaligen Geschehnisse zwischen 1977 und 1982 mein Leben prägten. Mit 13 Jahren lernte ich im Geschwister-Scholl-Gymnasium in Düsseldorf Jürgen Engler, Bernward Malaka und Stefan Schwaab von <em>Male</em> kennen (Claus Ritter etwas später). Lehrer und Leute provozieren und die Gesellschaft kritisieren war die Devise. Anpassung hieß Schwäche. Nachgeben kam für uns nicht in Frage. Es war an der Zeit, das System komplett zu hinterfragen bzw. zu ändern. Von innen heraus. Nicht so radikal wie bei der RAF. Jedoch war uns nichts heilig und es gab keine Tabus.“</p>
<p><em>::: © George Nicolaidis, 2020; zur Quelle und weiteren Äußerungen von Nicolaidis <a href="https://archivb.de/vorwort/george-nicolaidis/">hier</a></em><br />
<em>Auf dem Foto im Beitrag sind von links George Nicolaidis, Gabi Delgado-Lopez, Peter Hein und Franz Bielmeier an der Raststätte Helmstedt zu sehen, kurz vor der innerdeutschen Grenze. Fotografiert hat Markus Oehlen mit der Kamera von George Nicolaidis; Helmstedt 1978 (Ausschnitt). Foto: © George Nicolaidis/Markus Oehlen</em></p>
<p>Wer damals nach West-Berlin fuhr, musste die Transitstrecke durch die „Zone&#8220;, die DDR, nehmen.<br />
Da Gabi Delgado-Lopez nur einen spanischen Pass besaß, musste er ein Transitdokument beantragen. Bei dieser Gelegenheit entdeckte er Schriftzüge, auf denen die deutsch-sowjetische Freundschaft beschworen wurde. Um den in der Bundesrepublik Deutschland ausgeprägten US-amerikanischen Kulturimperialismus zu karikieren, hatte er die Idee, seine zukünftige Band <em>DAF</em> zu nennen. <em>DAF, Deutsch Amerikanische Freundschaft</em>. Hit der Band ist der Song <em>Kebabträume</em>.</p>
<figure id="attachment_12211" aria-describedby="caption-attachment-12211" style="width: 440px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12211" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/DAF-Logo.jpg" alt="" width="450" height="450" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/DAF-Logo.jpg 252w, https://medien.diablog.eu/2024/01/DAF-Logo-150x150.jpg 150w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-12211" class="wp-caption-text"><em>Das Cover der Single Kebabträume</em></figcaption></figure>
<p>Harter Synthesizer-Punk mit Sprechgesang aus dem Genre <em>Neue Deutsche Welle</em> (NDW). Gabi bezeichnete das als Körpermusik. Punk, New Wave und NDW waren die harten und derben Antworten auf weichen Kuschel- und bombastischen Stadionrock, auf endlose Improvisationen und artistisches Gehabe der angesagten Bands. Die 68er Hippies bestimmten die Popmusik. Dagegen wehrte sich die junge Generation vehement und stürzte sich auf Punk, den Import aus New York und London. Sie grenzte sich mit aller Macht ab. Parolen wie „No future“ und Provokationen mit Symbolen, bis hin zum Hakenkreuz, sind bekannt. Punks wurde Nazismus unterstellt, bis die Provokationen durchschaut wurden, wozu das Buch von Ulrich Gutmair beiträgt. <em>Kebabträume</em> besteht aus zwei Akkorden und einem einfachen Riff, das Kenner an die Cafe-Aman-Volksmusik aus Smyrna erinnert.</p>
<figure id="attachment_12215" aria-describedby="caption-attachment-12215" style="width: 390px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12215" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/1982_2023.12.28_09h11m35s_008_.jpg" alt="" width="400" height="272" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/1982_2023.12.28_09h11m35s_008_.jpg 350w, https://medien.diablog.eu/2024/01/1982_2023.12.28_09h11m35s_008_-300x204.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption id="caption-attachment-12215" class="wp-caption-text"><em>1982, DAF: Gabi Delgado-Lopez und Robert Görl. DAF reduzierte sich während einer England-Tournee 1981 auf den Kern Gabi Delgado-López/Robert Görl.<br /></em></figcaption></figure>
<p><strong>Bezüge zu Griechenland:</strong><br />
<em>Kebab</em><br />
Es gibt viele Theorien, woher Kebab kommt. Naheliegend ist die Erklärung, dass er aus dem Nahen Osten, aus dem arabisch-persischen Raum stammt. In Deutschland servieren nicht nur Türken, sondern auch Griechen und Perser Kebab und wer in Griechenland keinen Gyros, also kein Schweinefleisch möchte, bestellt Kebab, einen Spieß aus Lamm- und Rinderhack.<br />
<em>Neu-Izmir, Atatürk</em><br />
„Neu-Izmir ist in der DDR, Atatürk der neue Herr“ ist ein ironisches Wortspiel. Überhaupt ist der ganze Text Satire <em>–</em> und Satire darf nach Kurt Tucholsky bekanntlich alles!<br />
Nea Smyrni ist ein Athener Bezirk. Nach der „Kleinasiatischen Katastrophe“, der Niederlage Griechenlands im Griechisch-Türkischen Krieg 1922, wurde das zuvor nur dünn besiedelte Gebiet für griechische Flüchtlinge aus dem türkischen Izmir, griechisch Smyrni, zugänglich gemacht<em>. </em>Der neue Stadtteil wurde Nea Smyrni, also „Neues Smyrni“ genannt.<br />
Mustafa Kemal Atatürk, osmanischer Oberbefehlshaber im Griechisch-Türkischen Krieg, war der Begründer der Republik Türkei und von 1923 bis 1938 erster Präsident der nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Osmanischen Reich hervorgegangenen modernen Republik. Er ist die Symbolfigur des türkischen Nationalbewusstseins. Atatürk ist ein Ehrenname und bedeutet „Vater der Türken&#8220;.</p>
<p>In der <em>taz</em> vom 3.12.2010 äußerte sich Gabi Delgado-Lopez eigenwillig zur europäischen Finanzkrise, die insbesondere Griechenland in Mitleidenschaft zog:<br />
<em>„99 Prozent der Deutschen denken: Warum sollen wir den Griechen Geld geben? Dabei ist überhaupt kein Geld geflossen, eine Bürgschaft wurde geleistet. Der große Profiteur des Euro ist die Bundesrepublik. Gäbe es die D-Mark noch, wäre das für den »Exportweltmeister Deutschland« eine Katastrophe. Das wird falsch dargestellt, und es gibt auch keinen, der deutlich sagt, dass das Geld, das nach Griechenland fließt, zu 50 Prozent sowieso zurückfließt, weil auch in Griechenland deutsche Autos gefahren, deutsche Waschmaschinen benutzt werden.“</em></p>
<p><em>:::   Quelle <a href="https://taz.de/DAF-Saenger-ueber-Punkgeschichte/!5131138/">hier</a></em></p>
<p><strong>Resümee</strong><br />
Aus dem Gastarbeiterland Deutschland wurde früh ein Einwanderungsland. Das wollen noch heute viele nicht wahrhaben. Interkulturell oder transkulturell interessierte Menschen bauen Brücken zwischen Nationen. Fremdenfeindliche Menschen schüren Ängste, oftmals haben sie selbst Angst. Gabi Delgado-Lopez wollte in dem Song darauf hinweisen, was auf Deutschland als Einwanderungsland bereits zukam und <em>– </em>er verdichtete es geradezu visionär <em>– </em>weiterhin zukommt. Er meint nicht, dass wir <em>„</em>die Türken von morgen<em>“</em> seien, sondern er kommentiert provokativ, dass sich reaktionäre Kräfte auf der Suche nach ihrer Identität Überfremdungsängsten ausgesetzt fühlen und deswegen Migranten und Kommunisten anfeinden und ausgrenzen. <em>„</em>Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei<em>“</em> ist Gabis zugespitzte Antwort.</p>
<p>Übertreibung, Verwirrung, Dystopie und Zynismus sind Stilmittel des Punk. Man kann es so sagen: Gabi vermischte in <em>Kebabträume</em> seine fragmentarischen Eindrücke, die er per Diktafon aufzeichnete, als Songtext gestaltete und damit Deutschland den Spiegel vorhielt. Die Griechenlandbezüge mögen teilweise etwas konstruiert wirken, aber diese <em>connection</em> aus Migranten und ihrer Lebenswelt erscheint auch einleuchtend. Diese Gedanken sind sicherlich auch für die griechische Community ein Gewinn.</p>
<p>Gabi Delgado-Lopez starb im März 2020 im Alter von 61 Jahren in Portugal, wahrscheinlich an den Folgen eines Herzinfarkts.<br />
Robert Görl, der Schlagzeuger von DAF, spielt weiterhin Musik. Das Foto zeigt ihn hier am Konzertabend von <em>DAF</em> und <em>Twin Noir</em> am 16.12.2023. Aufgenommen in der Staatsgalerie Stuttgart hält er das Buch <em>„</em>Wie der Punk nach Stuttgart kam<em>“</em> von Simon Steiner in den Händen (Verlag edition-randgruppe, 2017).</p>
<figure id="attachment_12218" aria-describedby="caption-attachment-12218" style="width: 340px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12218" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/412144549_1208780766708716_4920165472957588859_n-450x600.jpg" alt="" width="350" height="467" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/412144549_1208780766708716_4920165472957588859_n-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/01/412144549_1208780766708716_4920165472957588859_n-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2024/01/412144549_1208780766708716_4920165472957588859_n-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/01/412144549_1208780766708716_4920165472957588859_n.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" /><figcaption id="caption-attachment-12218" class="wp-caption-text"><em>© Arnulf Wook<br /></em></figcaption></figure>
<p><strong>Simon Steiner</strong><br />
Seine Zulassungsarbeit für die Erste Staatsprüfung 1981 an der PH Esslingen trug den Titel <em>„</em>Jugend und Subkultur – die Punkbewegung“. Steiner ist Rembetiko-Musiker bei <em>lefta</em> <a href="http://www.lefta.eu">hier</a> und Mitglied bei <em>stromraum</em> Stuttgart, einer Institution für Improvisierte Musik <a href="https://stromraum.de/stromraum/">hier</a><br />
<em>:::   Simon Steiner in diablog.eu <a href="https://diablog.eu/?s=simon+Steiner">hier</a></em></p>
<p class="textinfo"><em>Text: Simon Steiner. Redaktion: A. Tsingas.</em></p>
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