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	<title>Athanassios Tsingas &#8211; diablog.eu</title>
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	<description>deutsch - griechische Begegnungen</description>
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	<title>Athanassios Tsingas &#8211; diablog.eu</title>
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		<title>Doris Wille und ihre Verdienste</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Jan 2026 08:09:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Übersetzung]]></category>
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					<description><![CDATA[Doris Wille hat sich durch herausragende Übertragungen griechischer Literatur ins Deutsche einen Namen gemacht. Anfang Oktober 2025 wurde sie zur Gewinnerin des Preises des Johann-Heinrich-Voß-Literaturhauses der Stadt Penzlin 2025/26 gekürt. Hier die Pressemitteilung zum „Preis ... <p class="read-more-container"><a title="Doris Wille und ihre Verdienste" class="read-more button" href="https://diablog.eu/uebersetzung/doris-wille-und-ihre-verdienste/#more-15924" aria-label="Mehr Informationen über Doris Wille und ihre Verdienste">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Doris Wille hat sich durch herausragende Übertragungen griechischer Literatur ins Deutsche einen Namen gemacht. Anfang Oktober 2025 wurde sie zur Gewinnerin des <em>Preises des Johann-Heinrich-Voß-Literaturhauses der Stadt Penzlin</em> 2025/26 gekürt.</p>
<p>Hier die Pressemitteilung zum „Preis des Johann-Heinrich-Voß-Literaturhauses der Stadt Penzlin“ 2025/26, der Doris Wille zugesprochen wurde:</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15925" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-01_Bekanntmachung_Preistraegerin.png" alt="" width="1024" height="716" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-01_Bekanntmachung_Preistraegerin.png 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-01_Bekanntmachung_Preistraegerin-300x210.png 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-01_Bekanntmachung_Preistraegerin-768x537.png 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-01_Bekanntmachung_Preistraegerin-450x315.png 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-01_Bekanntmachung_Preistraegerin-500x350.png 500w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-15929 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-05-300x230.jpg" alt="" width="300" height="230" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-05-300x230.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-05-768x590.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-05-450x345.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-05-500x384.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-05.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p><strong>Die Übersetzerin</strong><br />
<strong>Doris Wille</strong> wurde in Warburg geboren und lebt auf der griechischen Insel Kefalonia. Sie studierte zunächst Germanistik und Kunstgeschichte in Münster, Wien und Berlin (Freie Universität) und absolvierte ein Aufbaustudium in Journalistik und Öffentlichem Recht an der Uni Mainz.</p>
<p>Wie ist sie zur griechischen Sprache gekommen? Dazu erzählt sie diablog.eu:</p>
<p class="textinfo">»<em>Nach Griechenland ging ich 1985, um an einer privaten Sprachenschule Deutsch zu unterrichten. Griechenland war ein Zufallstreffer, das erste Land, in dem sich mir eine solche Stelle im Ausland bot. Als ich von Berlin nach Ioannina zog, war es ein Kulturschock für mich. Kein Schock war hingegen die Sprache, es sei denn, man denkt an den Ausdruck „schockverliebt“. Als ich ankam, konnte ich gerade mal „Kalimera“ sagen, doch dann nutzte ich jede Gelegenheit, die Sprache zu lernen. Ich las, was ich in die Finger bekam, sprach mit jedem, der mir über den Weg lief, setzte mich gleich im ersten Monat unverdrossen an der dortigen Uni in eine Vorlesung über den Dichter Kavafis, in der Hoffnung, irgendetwas aufzuschnappen. Das war nicht die schlechteste Methode.</em></p>
<p class="textinfo"><em>In Ioannina war es auch, als ich vor mittlerweile 40 Jahren in einem Fahrstuhl stand und auf einem Hinweisschild „4 ATOMA“ entzifferte. Aha, hier durften vier Personen mitfahren. Das Atom, das ich im Chemieunterricht als die kleinste unteilbare Einheit kennengelernt hatte, war hierzulande also auch die „Person“. Ich war fasziniert. Ebenso faszinierte mich, dass „metaforika“ nicht nur „metaphorisch“ meint, also im übertragenen Sinne, sondern wortwörtlich alles bezeichnet, was etwas transportiert, also auch eine Spedition, was nun einmal ein Transportunternehmen ist. Seitdem bin ich dieser Sprache verfallen. Sie war anfangs mein wichtigster Grund, in diesem Land zu bleiben.</em></p>
<p class="textinfo"><em>Schnell entdeckte ich, dass Übersetzen eine wunderbare Möglichkeit bietet, tief in einen literarischen Text einzudringen. Nichts zu überspringen, sich ihm zu stellen. Schwingungen zu erfassen. Sich am Ausdruck zu erfreuen. Welten aufzutun. Zu begreifen. Ich begann zu übersetzen, zunächst einmal für mich, um wirklich gut zu verstehen. Das ist wiederum wohl die wichtigste Voraussetzung dafür, keine Wörter zu übersetzen, sondern etwas in einer anderen Sprache neu zu sagen. Und das ist oftmals </em>Quasi dasselbe mit anderen Worte<em>n, um den deutschen Titel von Umberto Ecos Buch über das Übersetzen zu zitieren.</em></p>
<p class="textinfo"><em>Dem gehe ich nun schon seit vielen Jahren nach: Manchmal sind es Romane, Kinderbücher oder Gedichte, manchmal sind es Ausstellungstexte oder Interviews, manchmal Drehbücher oder Libretti, von Geburtsurkunden und Scheidungsurteilen ganz zu schweigen.</em></p>
<p class="textinfo"><em>Im Grunde habe ich Griechisch im Selbststudium gelernt, abgesehen von wenigen Stunden in einem Sprachkurs. Sicher kam mir dabei zugute, dass ich mich mein Leben lang mit Sprache beschäftigt habe, sei es im Germanistikstudium, sei es als Sprachlehrerin, sei es als Journalistin. Um meine Griechischkenntnisse auf eine solide Basis zu stellen, habe ich mich als Übersetzerin staatlich prüfen und auch vereidigen lassen.</em></p>
<p class="textinfo"><em>Das Übersetzen von Literatur habe ich als Quereinsteigerin begonnen. Irgendwann war ich auf der Frankfurter Buchmesse und bekam von einem Verlag den ersten Auftrag für einen kurzen Text in einer Anthologie. Nach dem Motto: „Mal schauen, ob es klappt“. Am Ende hatte ich fast die gesamte Anthologie übersetzt. So kam eins zum anderen, über die Jahre immer mehr.</em></p>
<p class="textinfo"><em>Wenn die Sprache Heimat bedeutet, </em><em>wie Nikos Kazantzakis meinte, </em><em>dann ist, wenn man in einem fremden Land lebt, das Übersetzen zwischen der neuen Sprache und der Muttersprache eine wunderbare Möglichkeit, nicht heimatlos zu werden</em>.«</p>
<p>Doris Wille ist seit 1998 selbständige Übersetzerin. Mehrere Jahre war sie beim Internationalen Literaturfestival Berlin (Programmsparte Kinder- und Jugendliteratur) als Beraterin für Griechenland tätig. Sie arbeitete als Expertin für <em>Literarische Übersetzungsprojekte </em>für die EU Kommission, Brüssel. Am Athener EKEMEL (<em>Europäisches Übersetzerzentrum – Literatur und Humanwissenschaften</em>) hatte sie einen Lehrauftrag.</p>
<p>Sie steht für ein engagiertes Verständnis von Literatur und für gesellschaftliche Verantwortung. Ihr breites Spektrum lädt die Leserschaft dazu ein, sich mit komplexen historischen und persönlichen Geschichten auseinanderzusetzen und fördert damit Empathie und Dialog, denn ihre Übersetzungen zeichnen sich durch literarische Sensibilität aus. Besonders ihre Feinsinnigkeit im Umgang mit Sprach- und Kulturräumen, das Bewahren von Stimmungen und Kontexten und die Vermittlung schwieriger Themen, etwa zu Krieg und Erinnerungskultur, zeichnen ihr Werk aus. Ihre Übersetzungen gelten als Brückenschlag zwischen Kulturen und sind ein wichtiges Bindeglied im deutsch-griechischen Kulturaustausch.</p>
<figure id="attachment_15927" aria-describedby="caption-attachment-15927" style="width: 290px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15927" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-03_Kueste_Converso-450x600.jpg" alt="" width="300" height="400" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-03_Kueste_Converso-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-03_Kueste_Converso-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-03_Kueste_Converso-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-03_Kueste_Converso.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-15927" class="wp-caption-text"><em>An der Küste von Kefalonia</em></figcaption></figure>
<p><strong>Die Division Acqui </strong><br />
Doris Wille widmet sich als Übersetzerin und Journalistin außerdem der deutschen Okkupation Griechenlands im Zweiten Weltkrieg und vor allem der <em>Oral-History</em>. Ihren Fokus richtet sie dabei auf Kefalonia, wo sie lebt. Dort wurden im September 1943 mehrere Tausend Soldaten der italienischen Division Acqui von der deutschen Wehrmacht in Massenexekutionen ermordet. Dieses Blutbad gilt als eines der größten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs. Seit über zwanzig Jahren engagiert sie sich in vielfältiger Form für dessen Aufarbeitung, vom italienischen Verein <em>Associazone Nazionale Divisione Acqui</em><a href="#_ftn1" name="_ftnref1">[1]</a> wurde sie 2018 für ihre Verdienste mit einer Medaille ausgezeichnet.</p>
<p><a href="#_ftnref1" name="_ftn1">[1]</a>  Der Verein wurde 1945 von Überlebenden und Familienangehörigen der Gefallenen der Division Acqui gegründet mit dem Ziel, die Opfer dieser tragischen Ereignisse zu ehren und ihrer zu gedenken.</p>
<hr />
<p><strong>Das Ende einer Ära?</strong><br />
Persönlich kennenglernt habe ich Doris im Juni 2024 in Chania/Kreta bei der 3. ViceVersa Deutsch-Griechischen Übersetzerwerkstatt und erlebte sie als äußerst freundliche und angenehme Kollegin, mitdenkend und hilfsbereit. Großzügig teilte sie ihre enorme Erfahrung mit den anderen Teilnehmer:innen.</p>
<p>Der Johann-Heinrich-Voß-Preis wird am 29. März 2026 verliehen. Er bedeutet für sie Anerkennung und Respekt, etwas, woran es ihrer Meinung nach in der Branche mangelt. Vielleicht bildet der Preis den krönenden Abschluss ihrer Laufbahn als literarische Übersetzerin.</p>
<hr />
<p><strong>Links</strong><br />
Doris Wille auf diablog.eu <a href="https://diablog.eu/?s=doris+wille">hier</a> // Anthi Wiedenmayer, <em>Interview mit Doris Wille</em>, Reihe <em>Übersetzerporträts</em>, Freie Universität Berlin/CeMoG, Berlin, 2016, <a href="https://www.cemog.fu-berlin.de/wissensbasis/uebersetzerportraets/video-interviews/doris-wille/index.html">hier</a> (mit Auswahl ihrer Übersetzungen und Links zu Rezensionen); Transkript des Interviews <a href="https://www.cemog.fu-berlin.de/wissensbasis/uebersetzerportraets/interviews-in-textform/doris-wille/index.html">hier</a> // Doris Wille beim Verlag Romiosini <a href="https://bibliothek.edition-romiosini.de/catalog/category/doris-wille">hier</a></p>
<figure id="attachment_15928" aria-describedby="caption-attachment-15928" style="width: 940px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15928" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-04_Skript.jpg" alt="" width="950" height="713" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-04_Skript.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-04_Skript-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-04_Skript-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-04_Skript-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/dw-04_Skript-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 950px) 100vw, 950px" /><figcaption id="caption-attachment-15928" class="wp-caption-text"><em>Willes Notizen zur Übertragung von</em> Isla Boa</figcaption></figure>
<p><strong>Übersetzte Prosa, eine Auswahl </strong><br />
Ersi <strong>Sotiropoulos</strong>, <em>Was bleibt von der Nacht</em> (2025 und 2021) und <em>Bittere Orangen</em> (2001) – beide Romane sind bedeutende Werke der modernen griechischen Literatur // Christos <strong>Asteriou</strong>, <em>Die Therapie der Erinnerungen; </em>behandelt werden Fragen von Erinnerung und Identität (2023, übersetzt zusammen mit Sigrid Willer. Sie können den Roman <a href="https://bibliothek.edition-romiosini.de/catalog/book/89">hier</a> online lesen, dazu müssen Sie sich bei Edition Romiosini registrieren, kostenlos und äußerst benutzerfreundlich. Die Edition Romiosini gibt griechische bzw. griechenlandbezogene Literatur in deutscher Sprache heraus und bietet alle Werke zur kostenlosen Online-Lektüre an). Der Roman <em>Isla Boa</em> des Autors wartet noch auf seinen Verlag; zu <em>Isla Boa</em> auf diablog.eu <a href="https://diablog.eu/literatur/christos-asteriou-isla-boa/">hier </a> // Maria <strong>Topali</strong>, <em>Die Wurzeln lang ziehen</em> (2023; übersetzt zusammen mit Birgit Hildebrand) – eine Mischung aus Lyrik und Essay, thematisch verknüpft mit Migration und Erinnerungsarbeit; auf diablog.eu <a href="https://diablog.eu/literatur/die-wurzeln-lang-ziehen/">hier</a> // Katerina <strong>Schiná,</strong> <em>Die Nadeln des Aufstands. Eine Kulturgeschichte des Strickens</em> (2021) – dieses Sachbuch vereint sehr unterhaltsam historische Recherche und literarische Reflexion; auf diablog.eu <a href="https://diablog.eu/literatur/historisches/die-nadeln-des-aufstands-eine-kulturgeschichte-des-strickens/">hier</a> // Giorgos <strong>Koukoulas</strong>, <em>Atlantis wird nie untergehen</em> – die Geschichte von Santorin (2015; übersetzt zusammen mit Sigrid Willer) // Kostas <strong>Kondodimos</strong>, <em>Sorbas-Remake</em> (2001) // Nikos <strong>Thanos </strong>(Hrsg.), <em>Wohin ich auch reise&#8230; Literarische Beschreibung Griechenlands </em>(1998)</p>
<p><strong>Besondere Projekte</strong><br />
Einen hohen Stellenwert hat für Doris Wille die Ausstellung <em>Gespaltene Erinnerungen 1940-1950, Zwischen Geschichte und Erfahrung, </em>die sich weiterhin digital besuchen lässt, <a href="https://dividedmemories.de/">hier</a><br />
Ebenso das Projekt <em>Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland, </em>bei dem sie die Untertitel für umfangreiche Zeitzeugenberichte übersetzte und auch selbst Interviews führte, <a href="https://www.occupation-memories.org/de/deutsche-okkupation/literature/index.html">hier</a></p>
<p><strong>Auswahl anderer Texte</strong><br />
Ermis <strong>Peristeris</strong>, <em>Vielleicht ist es Elektra</em> (2022; Bühnenstück) // <em>Affinities. Greek and German Art Songs</em> (2019; Musik-CD) – vertonte Gedichte von Kostis Palamas und Angelos Sikelianos // Jannis <strong>Lamprou</strong> und Konstantinos <strong>Blathras</strong>, <em>Rhythmen der Ägäis. Die Lyra </em>(2016) – Filmuntertitelung zusammen mit Sigrid Willer // Brigitte<strong> Weninger</strong>/Eve<strong> Tharlet</strong>, <em>Gute Besserung Pauli / Καλή </em><em>ανάρρωση Παυλή</em> (2015) – zweisprachige Ausgabe übersetzt ins EL zusammen mit Nikolas Haliotis // Frantzeska <strong>Alexopoulou</strong>-Petraki, <em>Rot ist grün … für Freunde</em> (2013) // Titos <strong>Patrikios</strong>, <em>Dir begegnet die Poesie</em> (2013) // Luciano <strong>Comida</strong>/Vagelis <strong>Iliopoulos</strong>, <em>Dreizehneinhalb</em> (2009) // Eugene <strong>Trivizas</strong>, <em>Despina und die Taube </em>(2004) und <em>Eine Schwalbe für Europa</em> (2003) // Eleni <strong>Torossi</strong>, <em>Kleine Worte – Große Worte</em> (2001) // Dimosthenis <strong>Kurtovik</strong>, <em>Griechische Schriftsteller der Gegenwart. Ein kritischer Leitfaden </em>(2000)</p>
<hr />
<p><em>Fotos: Johann-Heinrich-Voß-Literaturhaus der Stadt Penzlin, Edition Converso und Teilnehmer:innen der 3. ViceVersa Deutsch-Griechischen Übersetzerwerkstatt. </em><em>Redaktion: A. Tsingas. </em></p>
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		<title>Zehn Zentimeter – Gewalt und Zärtlichkeit</title>
		<link>https://diablog.eu/literatur/prosa/zehn-zentimeter-gewalt-und-zaertlichkeit/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Dec 2025 08:54:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Biografie von Marilena Papaioannou ist ungewöhnlich: die Biowissenschaftlerin wandelte sich zur Schriftstellerin. Einen ähnlichen Verlauf nahm auch ihr literarisches Werk; nach zwei Romanen und einer Novelle veröffentlichte sie jetzt diese Erzählungen. Normalerweise beginnen Autorinnen ... <p class="read-more-container"><a title="Zehn Zentimeter – Gewalt und Zärtlichkeit" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/prosa/zehn-zentimeter-gewalt-und-zaertlichkeit/#more-15835" aria-label="Mehr Informationen über Zehn Zentimeter – Gewalt und Zärtlichkeit">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Die Biografie von Marilena Papaioannou ist ungewöhnlich: die Biowissenschaftlerin wandelte sich zur Schriftstellerin. Einen ähnlichen Verlauf nahm auch ihr literarisches Werk; nach zwei Romanen und einer Novelle veröffentlichte sie jetzt diese Erzählungen. Normalerweise beginnen Autorinnen und Autoren mit Kurzgeschichten, um sich dann über die Novelle zum Roman vorzuarbeiten. Doch Papaioannou ist eine Autorin der jüngeren Generation, die keine ausgetretenen Pfade beschreitet.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-15837" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/de-01-portrait-225x300.jpg" alt="" width="200" height="267" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/de-01-portrait-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/10/de-01-portrait.jpg 280w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /><strong>Die Autorin</strong><br />
<strong>Marilena Papaioannou</strong> wurde 1982 in Athen geboren. Sie studierte Molekularbiologie und Genetik in Alexandroupolis, promovierte in Genf und arbeitete anschließend als Postdoktorandin in New York City. Heute lebt sie wieder in Athen und beschäftigt sich beruflich mit dem Lektorat-Korrektorat und der Übersetzung von biowissenschaftlichen Publikationen.</p>
<p>Beim Verlag<em> Hestia Publishers</em> erschienen ihre Bücher <em>Νικήτας Δέλτα</em> („Nikitas Delta“, 2013) und <em>Κατεβαίνει ο Καμουζάς στους φούρνους</em> („Kamouzas steigt in die Öfen hinab“, 2016) und im Verlag <em>Kastaniotis Editions</em> der Roman <em>Ένα πιάτο λιγότερο</em> („Ein Teller weniger“, 2020). Im selben Verlag erschien im Juni 2025 ihr Erzählband <em>„</em>Zehn Zentimeter<em>“</em>.</p>
<p><strong>Auszeichnungen</strong><br />
2014 war ihr Roman „Nikitas Delta“ für die Staatlichen Literaturpreise und Preise der Literaturzeitschriften <em>o anagnostis </em>und <em>Klepsydra </em>nominiert<em>.</em> <em>Klepsydra</em> verlieh Papaioannou den Preis <em>Junge Literaten,</em> gemeinsam mit Yannis Asteris für sein Werk „Nouthesia imionou“.<br />
2017 war Papaioannous Nouvelle „Kamouzas steigt in die Öfen hinab<em>“</em> für Preise der Literaturzeitschriften <em>o anagnostis</em> und <em>Klepsydra</em> nominiert.<br />
2021 stand ihr Roman „Ein Teller weniger<em>“</em> auf der Shortlist für den <em>Belletristikpreis</em> der Zeitschrift <em>Klepsydra</em>.</p>
<p><strong>Die Buchvorstellung</strong><br />
Die Erzählsammlung „<strong>Zehn Zentimeter</strong>“ erschien Mitte Juli dieses Jahres und zeichnet sich durch eine beeindruckende thematische Vielfalt aus. Die erste und die letzte Erzählung („Junge, Mädchen“ und „Bonbons“) sind Prosa mit poetischen Elementen von Liebe und Tod, die anderen nachdrücklich realistisch mit bittersüßem Nachgeschmack. Papaioannou schüttelt ihre Leserschaft regelrecht durch und erschafft dabei ohne Floskeln und Trivialitäten eine Welt, die durchaus real sein könnte. So sehr, dass sich der Lesende glatt mit den Protagonisten identifizieren kann, egal ob diese männlich, weiblich oder sogar noch ein Kind sind.<br />
Typisch für Papaioannou sind schicksalhafte Ereignisse, die sie ohne billig aufgebaute Spannung direkt schildert. Das Entsetzen, das diese Unmittelbarkeit auslösen kann, mäßigt die anschließende Erzählweise gekonnt. Papaioannou schildert diese Schicksalsschläge so, wie sie sich alltäglich ereignen, nämlich meist ohne Vorwarnung. Ihr Thema ist, wie die Protagonisten damit umgehen.<br />
Hart und zärtlich zugleich – jedoch ohne aufdringlich zu sein – sind die Erzählungen „Kintsugi“ und „Zuckermelone und Vick“, beide auf zweiter Ebene Inklusionsgeschichten. Das gilt ebenso für „Alkiviadis“, die jedoch eine ganze Lebensgeschichte erzählt.<br />
Papaioannous Erzählungen beschönigen nichts, neigen aber zu einem versöhnlichen Schluss, der das Maß der Verbitterung, das sich beim Lesen ansgeammelt hat, lindert. Der gleichnamige, knappe Text „Zehn Zentimeter“ über moderne Sklaverei ist klaustrophobisch und mit offenem Ausgang.<br />
Begeistert und berührt hat mich „Tante Domna“, in der Papaioannou anhand von Fotografien sehr anschaulich Lebensphasen und Befindlichkeiten einer behinderten Griechin in den USA nachstellt. Es ist nicht der einzige Text zum Thema Einwanderung. In „Olga und der Spatz“ geht es um Binnenmigration, in „Die Schuhe“ um den Stolz einer Person, die nach Griechenland immigriert.<br />
Wie hat die Molekularbiologin die Autorin beeinflusst, wurde Papaioannou vor Jahren gefragt. Sie antwortete, die Biologin habe die Schriftstellerin gelehrt, Unnötiges und Unklares aus ihren Geschichten zu verbannen; dafür habe die Schriftstellerin der Biologin nahegebracht, dass auch wissenschaftliche Texte in korrekter und einnehmender Sprache geschrieben sein sollten.<br />
diablog.eu präsentiert die Erzählung „Tiefgefroren“, die in universitären Forschungskreisen spielt. Sie behandelt das universelle Thema des Verlustes auf mehreren und unterschiedlichen Ebenen.</p>
<p><strong>Die Erzählung </strong><br />
<em><strong>Tiefgefroren </strong></em><br />
In den letzten zwölf Jahren bestand mein Frühstück aus zwei Scheiben Zwieback ohne alles und einer Tasse Kaffee, meine Hauptmahlzeit war ein leichtes Abendessen am frühen Abend. Ich habe siebzehn Stunden am Tag gearbeitet. Geschlafen habe ich pro Tag höchstens drei bis vier Stunden. Auf Nachfrage konnte ich weder Wochentag noch Tageszeit angeben. Den Monat konnte ich im Allgemeinen anhand des Wetters bestimmen. Das Vergehen der Zeit konnte ich nur noch durch den Wechsel der Jahreszeiten wahrnehmen. Meine Kleidung war wie eine Uniform – blaue Jeans, schwarzes Hemd und Turnschuhe. Seit Jahren hatte ich keine neue Kleidung mehr gekauft. Seit Jahren hatte ich außerhalb der Arbeit keine sozialen Kontakte mehr, besuchte weder Theater- noch Kinoaufführungen, machte keine Spaziergänge. Meine Interessen beschränkten sich auf das, was mit meiner Forschung zu tun hatte. Meine ganze Energie und all meine Gedanken galten diesem Zweck. Zum Glück hatte Titus einmal gedroht, mir nicht mehr zu helfen, wenn ich nicht zumindest einmal im Monat mit ihm ein Bier trinken ginge – und so tat ich wenigstens das. Man hätte sagen können, ich war wie ein Schiff, dessen Kompass nur in eine Richtung zeigte – meine Nadel klemmte fest.<br />
Deshalb brach ich, als in einer Nacht alles zerstört wurde, was ich mir in vielen Jahren aufgebaut hatte, in nur einem Moment zusammen. Ich knickte ein, wie ein vom Orkan getroffener hohler Baumstamm.<br />
Aber ich bin nicht untergegangen.</p>
<p>Die Hinweise hatte ich am Mittwoch eigenhändig angebracht. Zweiunddreißig an der Zahl. Eigentlich hatte ich vor, noch mehr anzuheften, aber die anderen meinten, das wäre wohl zu viel des Guten. Zwei Hinweisschilder hatte ich an der zentralen Labortür angebracht (innen und außen), eins an der Ecke jedes Tisches (insgesamt zwölf), eins an jeden Kühlschrank (also weitere vier), eins an jeden Gefrierschrank (also noch mal vier), eins an der Tür des Mikroskopierraums, eins vor der Tür des Büros meines Professors und je eins über jedem Waschbecken (also insgesamt weitere fünf). Die restlichen drei hatte ich im Speisesaal angebracht, den wir uns mit dem Labor nebenan teilten (eins auf der Tischplatte, eins am Schrank über dem Waschbecken und eins am Schwarzen Brett).</p>
<p><span style="color: #ff0000;">CAUTION! </span><br />
<span style="color: #ff0000;">ALARM ΟΝ FREEZER #2 HAS GONE OFF </span><br />
<span style="color: #ff0000;">DUE ΤΟ Α TECHNICAL PROBLEM. </span><br />
<span style="color: #ff0000;">PLEASE DO NOT UNPLUG. </span><br />
<span style="color: #ff0000;">CAUTION! </span>*</p>
<p>Ich hatte den Hinweis in roten Großbuchstaben auf A4-Blättern ausgedruckt. Jedes Blatt hatte ich in eine Prospekthülle gesteckt und diese mit wasserfestem Klebeband überall angebracht. Da viele Reinigungskräfte der Universität spanischsprachig sind, hatte mir Titus geholfen, das Ganze auch auf Spanisch zu schreiben, der Hinweis war also zweisprachig.<br />
Die ersten 24 Stunden vergingen ohne Probleme, denn wir waren alle sehr umsichtig. Immer wenn wir den Raum mit den Gefrier- und Kühlschränken betreten oder verlassen mussten, achteten wir darauf, die Tür schnell wieder zu schließen, damit die anderen auf der Etage nicht vom Alarmsignal belästigt wurden.<br />
Dieser Umstand bot uns außerdem die Gelegenheit, ein besseres Verhältnis zu den Doktoranden und Postdoktoranden des benachbarten Labors aufzubauen, zu denen wir, obwohl nur durch einen Korridor getrennt, nie ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt hatten, aus dem einfachen Grund, dass unsere Chefs eine Abneigung gegeneinander hegten, die wir jahrelang blindlings übernommen hatten. An dem Nachmittag, als ich sie aufsuchte, um das aufgetretene Problem zu besprechen und sie um Verständnis zu bitten, stieß ich nicht nur auf keinerlei Unbehagen ihrerseits; im Gegenteil, sie zeigten Einfühlungsvermögen, Sympathie und boten mir praktische Unterstützung an. Ian, einer der Doktoranden, bot mir sogar zwei Fächer in seinem Gefrierschrank an, die aufgrund wiederholter Misserfolge seiner Experimente leer standen. Ich erklärte ihm, dass ich sie nicht benötige – mein Gefrierschrank hatte kein Temperaturproblem, nur war der Daueralarm ausgelöst und wir mussten bis Freitagmorgen warten, bis der Techniker kam, um den Defekt zu beheben.</p>
<p>Am Donnerstagabend verließen wir alle früh das Labor, schon gegen neunzehn Uhr, auch unser Professor. Wir hatten ein Abschiedsessen für Nina arrangiert, die am Monatsende nach Deutschland zurückkehren würde.<br />
Jo betrat das Labor um einundzwanzig Uhr dreißig. Dies wurde im Nachhinein zum einen durch die Stechkarte bestätigt, die sie um einundzwanzig Uhr zwanzig am Gebäudeeingang gestempelt hatte, zum anderen durch die Kameras, die vor dem Fahrstuhl auf unserem Stockwerk angebracht waren.<br />
Sie begann mit ihrer Arbeit in den Büros. Leerte die Müll- und Wertstoffbehälter, säuberte die Waschbecken am Ende jedes Labortisches, trug die benutzten Behälter zum Spülen zusammen, staubte den Schreibtisch des Professors ab, warf den Staubsauger an und zog gegen zweiundzwanzig Uhr, kurz bevor sie mit dem Wischen begann, den Stecker des Gefrierschranks heraus.<br />
Gegen null Uhr dreißig kehrte Ian, der damals alle vier Stunden seine Kulturen fotografierte, um herauszufinden, warum seine Experimente scheiterten, in sein Labor zurück. Irgendwann musste er etwas aus dem Gefrierraum holen, und als er eintrat, sah er, dass an unserem Gefrierschrank mit dem Daueralarm die Temperatur von -80 Grad Celsius auf -10 Grad angestiegen war.<br />
Er rief mich sofort an.<br />
Bis auf den Professor waren wir alle zu diesem Zeitpunkt noch im Restaurant und stießen auf Ninas Gesundheit an. Sobald ich <em>minus ten</em> hörte, sprang ich auf und verließ wie ein Gehetzter das Lokal.<br />
Nahm ein Taxi und war in zehn Minuten im Labor.<br />
Ian wartete vor dem Aufzug auf mich. Er kam mit mir ins Labor und blieb die ganze Zeit, in der ich versuchte, jemanden vom Sicherheitsdienst der Universität zu alarmieren, bei mir, bis ich vor meinem Gefrierschrank zusammenbrach. Zwölf Jahre meiner Arbeit und weitere zehn Jahre der Arbeit ehemaliger Kollegen waren innerhalb weniger Stunden vernichtet worden.<br />
Zwanzig Minuten später trafen auch die anderen im Labor ein. Ian hatte sie angerufen. Der Professor wurde von Titus alarmiert, als uns das Ausmaß der Katastrophe und die Unwiederbringlichkeit der Proben bewusst wurden.<br />
Kaum war ich zu mir gekommen, fing ich krampfartig an zu weinen. Den andern ging es genauso. Selbst Ian war in Tränen aufgelöst.<br />
Auch der Professor muss geweint haben, nur nicht vor uns. Er ging in sein Büro und zog die Tür hinter sich zu; als er wieder herauskam, sagte er uns mit stark geröteten Augen, er werde alles tun, um den Schuldigen zu finden.<br />
Wir alle wussten natürlich, dass dies nunmehr völlig unbedeutend war. Das Problem ließe sich dadurch nicht lösen. In der Tat ließ es sich in keinster Weise aus dem Weg räumen. Die Kulturen wiederherzustellen, die jahrelang in den Gefrierschränken aufbewahrt worden waren – wenn manche überhaupt wiederhergestellt werden konnten – würde mindestens fünf Jahre und sicher ein paar Millionen Dollar kosten; und endlose Geduld. Die Patientenproben, die ich persönlich in den letzten acht Jahren gesammelt hatte, waren natürlich gar nicht zu ersetzen.</p>
<p>Am nächsten Morgen meldete der Professor den Vorfall der Personalabteilung und holte sich die Einschätzung der Rechtsberater der Universität ein. Wir erfuhren sofort, dass Jo die gestrige Schicht auf unserer Etage übernommen hatte. Und die Aufnahmen der Überwachungskameras zeigten klar, dass sie den Stecker gezogen hatte.<br />
Die Gewerkschaft der Reinigungskräfte, die immer schon sehr mächtig war, nahm Jo sofort in Schutz und meinte, es handele sich bestimmt um menschliches Versagen aufgrund von Übermüdung. Sie behaupteten sogar, Jo habe die Warnschilder wahrscheinlich einfach nicht gesehen. Die Videoaufzeichnungen zeigten jedoch eindeutig, dass Jo die Schilder sowohl vor dem Aufzug als auch im Labor sehr wohl gesehen hatte. Aufnahmen aus dem Raum mit den Gefrierschränken gab es nicht, jedoch ausreichend klare Bilder auf den Videos, die bezeugten, dass sie vor dem Betreten des Raums vor mindestens zwei Warnschildern gestanden hatte. Außerdem wurde bestätigt, dass sie sowohl Englisch als auch Spanisch lesen und verstehen konnte.<br />
Der Professor schlug mir vor, ein paar Tage frei zu nehmen, um mich zu beruhigen und wieder zu Kräften zu kommen. Unwillig stimmte ich zu. Ich war tatsächlich nicht in der Lage, mich um den Papierkram zu kümmern.<br />
Aber ich hielt es auch nicht länger als einen Tag zu Hause aus. Meine Gedanken wollten sich nicht beruhigen, im Gegenteil, sie steigerten sich sogar zu wüsten Szenarien. Zum einen versuchte ich, Lösungen für ein Problem zu finden, das offensichtlich nicht unmittelbar gelöst werden konnte (nur durch Zauberei hätten dreitausend Blutproben von Patienten und vierhundertachtzig Zellkulturen wiedergewonnen werden können), zum anderen war ich zornig, wütend und voller blankem Hass auf diese Frau, die (unwissentlich, wie sie behauptete) nicht nur die Arbeit eines ganzen Labors, sondern auch mein Leben zerstört hatte.<br />
Denn das Laboratorium war mein Leben.<br />
So wurde mir klar, dass Sinn und Zweck meiner zerschlagenen Existenz nur noch darin bestehen konnte, Jos Leben zu zerstören.</p>
<p>Ich begann, endlose Stunden damit zu verbringen, Möglichkeiten auszuloten, mich an ihr zu rächen. Ich machte mich daran, herauszufinden, wo sie wohnt, mit wem sie zusammenlebt, wo sie sonst noch arbeitet, mit wem sie spricht, wo sie einkauft, was ihre Hobbys sind, wer zu ihrer Familie gehört und wo diese arbeiten; einfach alles, bis hin zu ihrer Sozialversicherungsnummer.<br />
Tags im Labor versuchte ich, ziemlich planlos, meine Forschungsarbeit wiederherzustellen, und abends zu Hause schmiedete ich Pläne, wie ich Jo eliminieren könnte. Ich dachte mir viele Szenarien aus – Szenarien für ihre physische Vernichtung, ihre finanzielle Vernichtung, ihre psychische Vernichtung. Nachts verbrachte ich endlose schlaflose Stunden und verschwendete meine Energie auf schreckliche Gedanken zu noch schrecklicheren Handlungen. Ich dachte daran, ihren Hund zu vergiften, sie auf die U-Bahn-Gleise zu schubsen, ein brennendes Streichholz in ihr Haus zu werfen, ein Schmuckstück in ihre Handtasche zu schmuggeln und sie bei der Polizei wegen Diebstahls anzuzeigen, jemanden aus ihrer Familie zu bedrohen. Viele Vorsätze. Abscheulich. Mir war der Verlust so schmerzhaft, dass mein Verstand vernebelt war. Irgendwann setzte sich ein Gedanke in meinem Kopf fest, auf dessen subversive Brillanz ich damals furchtbar stolz war, für den ich mich jetzt aber zutiefst schäme. Ich wollte sie bei der Einwanderungsbehörde denunzieren. Obwohl sie nicht wie eine Latina aussah, war ich aus irgendeinem Grund davon überzeugt, dass sie Mexikanerin war und bestimmt schwarz arbeitete. Ich war mir sicher, dass man sie dann abschieben würde – es war Trumps erstes Amtsjahr, mein Plan würde bestimmt aufgehen.<br />
Ich fand einen Privatdetektiv, dem ich eine nicht unerhebliche Summe zahlte, damit er sich in der Angelegenheit schlau machte, bevor ich irgendetwas unternahm, was mich letztlich selbst in Schwierigkeiten hätte bringen können.</p>
<p>Zwei Monate nach dem Vorfall erhielt ich nachmittags einen Anruf des Ermittlers; er sagte, er wolle mich persönlich sprechen.<br />
Wir trafen uns in seinem Büro in Harlem, und dort erfuhr ich die Geschichte von Jo – oder besser von Yasmina, wie sie tatsächlich hieß.<br />
Yasmi­na war zweiunddreißig Jahre alt. Ihrem Aussehen nach hatte ich sie für zweiundfünfzig gehalten. Sie war erst vor einem Jahr nach New York gekommen, zwar mit gefälschten Papieren, aber nicht aus einem lateinamerikanischen Land. Sie stammte aus Syrien, wo sie jahrelang mit ihrer spanischen Mutter und ihrem syrischen Vater im Keller eines Hauses gelebt hatte. Sie war Lehrerin. Ihr Mann war im Krieg durch eine Rakete getötet worden. Durch den ständigen Lärm der Sirenen, die jahrelang täglich in ihrer Stadt zu hören waren, hatten ihre Ohren eine übersteigerte Empfindsamkeit entwickelt, eine allgemeine Unverträglichkeit gegenüber allem, was laut und schrill war. Deshalb blieb sie in New York nicht nur die U-Bahn fern, sondern vermied es sogar, auf der Straße über die vergitterten Luftschächte zu laufen – der Lärm der Züge war für ihre Ohren unerträglich.<br />
All dem hörte ich entsetzt zu, konnte kein einziges Wort herausbringen. Ich verabschiedete mich eilig und verließ das Büro mit großem Schamgefühl.</p>
<p>Am nächsten Morgen wachte ich schweißgebadet auf. Einen Moment lang schoss mir die Idee durch den Kopf, den Professor zu bitten, die Anzeige zurückzuziehen, aber ich blieb an diesem Gedanken nicht lang hängen. Es machte nicht viel Sinn. Eigentlich ging es mir jetzt nur darum, mit Yasmi­na zu reden. Was genau ich ihr sagen wollte, wusste ich nicht. Ich schätze, ich wollte sie einfach nur treffen und all das über ihre Vergangenheit mit eigenen Ohren hören. Was ich erfahren hatte, war so unglaublich, dass ich ihre persönliche Bestätigung brauchte. Vielleicht wollte ich das Ganze aber auch einfach nicht wahrhaben.</p>
<p>Es kostete mich viel Mühe, sie zu einem Treffen zu überreden. Die Gewerkschaft hatte sie angewiesen, jeglichen Kontakt zum Laborpersonal zu meiden, solange wir Klagegegner waren. Aber schließlich konnte ich sie von meinen aufrichtigen Absichten überzeugen, und sie willigte zu einem Treffen ein.<br />
An diesem Nachmittag erfuhr ich mehr über ihr Leben.<br />
Sie erzählte mir, dass nicht nur ihr Mann, sondern auch ihre beste Freundin bei einem Luftangriff auf die Schule, in der sie unterrichteten, getötet worden waren. Daraufhin beschlossen ihre Eltern, in die Türkei zu fliehen. Nach vier Versuchen gelang es ihnen schließlich, Ankara zu erreichen und im Haus entfernter Verwandter unterzukommen. Yasmina war ihnen nicht gefolgt; sie hatte beschlossen, in die USA zu emigrieren. War davon überzeugt, dort ihr gelobtes Land zu finden, so, wie es im Fernsehen angepriesen wurde, als sie noch ein kleines Mädchen war. Ihr Ziel war, Geld zu sparen und einen Master-Abschluss in Sonderpädagogik zu machen. An unserer Universität fand sie mit Hilfe eines Professors einen Job. Sie verdiente gerade so viel, dass sie in einem Keller in Harlem über die Runden kam und ihren Eltern etwas Geld schicken konnte. Aber nicht genug, um die Studiengebühren zu bezahlen. Gegenwärtig besuchte sie Kurse an einem Community College und arbeitete als Gegenleistung achtzehn Stunden pro Woche in der Mensa und weitere zehn Stunden in der Bibliothek. An unserer Universität wurde sie zweimal die Woche in der Abendschicht eingesetzt.<br />
Als ich sie nach der Empfindsamkeit ihrer Ohren fragte, wirkte sie betreten.<br />
Sie bat mich um ein Glas Wasser, ihr Mund war trocken.<br />
Zuerst erzählte sie mir von dem Heulen der Sirenen in ihrer Heimatstadt. Dann hielt sie inne, trank einen Schluck Wasser, und erzählte mir von einem anderen Geräusch. Sie sagte, in Syrien habe sie nicht im Keller ihres Hauses gewohnt, sondern im Keller des Geschäfts ihres Onkels. Im Erdgeschoss befand sich seine Kaffeestube und im Untergeschoss das Vorratslager und die Kühlschränke. Die beiden Familien – ihre und seine – schliefen nachts zwischen den Kühlschränken. Irgendwann kaufte ihr Onkel eine große, gebrauchte Gefriertruhe. Zwei Wochen nachdem sie neben der Kellertreppe aufgestellt worden war, explodierte sie; die Abdeckung fiel auf ihre neugeborene Tochter und zermalmte ihr Köpfchen.<br />
Ich hörte ihr zu und meine Augen schwammen in Tränen. Auf der Stelle vergaß ich das Labor, die Kulturen, die Proben, die Vernichtung meiner Studie, die vergeudeten Arbeitsstunden, einfach alles. Ich vergaß meinen Namen, meine Stellung, meine Geschichte. Irgendwie fühlte ich mich im eigenen Körper fremd.<br />
Habe aber nichts davon gesagt.<br />
Für einen Moment neigte ich den Kopf; als ich wieder aufblickte, umrahmte Sonnenlicht ihre Haare. Meine Augen konnten in diesem Moment wieder eine längst vergessene Sanftheit wahrnehmen. Unwillkürlich griff ich in meinen Rucksack und holte mein Handy heraus. Ich zeigte ihr Bilder meiner Frau und meiner Schwester und erzählte ihr, dass ich sie beide durch Brustkrebs verloren hatte – die eine vor dreizehn, die andere vor zwölf Jahren.<br />
Sie sah mich an und versuchte sich an einem Lächeln, das ihr aber nicht gelang.<br />
Sie sagte nur: <em>Tut mir leid, ich muss jetzt gehen, habe einen Kurs. </em></p>
<p>Zwei Jahre später erfuhr ich, dass sie ihren Abschluss mit Auszeichnung gemacht habe. Am nächsten Morgen ging ich zum Professor und schlug vor, eine der neu gezüchteten Zelllinien „YaRe“ zu nennen – von Yasmi­na Renta. Er hob den Blick über seine Lesebrille, lehnte sich zurück und sagte mir diplomatisch, dass ich wohl etwas Erholung bräuchte. Dann empfahl er mir, noch diplomatischer, einen befreundeten Psychologen aufzusuchen.<br />
Keinen seiner Ratschläge habe ich befolgt. Stattdessen reduzierte ich weiter die Anzahl meiner Schlafstunden und der Konversation. Und so gelang es mir, in den drei folgenden Jahren dreitausendzweihundertfünfundzwanzig Proben von Frauen mit Brustkrebs zu sammeln.</p>
<p>* <span style="color: #ff0000;">ACHTUNG!</span><br />
<span style="color: #ff0000;">DER ALARM DES GEFRIERSCHRANKS #2 </span><br />
<span style="color: #ff0000;">IST </span><span style="color: #ff0000;">AUSGELÖST </span><span style="color: #ff0000;">AUFGRUND EINES </span><br />
<span style="color: #ff0000;">TECHNISCHEN PROBLEMS. </span><br />
<span style="color: #ff0000;">BITTE NICHT AUSSTÖPSELN.</span><br />
<span style="color: #ff0000;">ACHTUNG!</span></p>
<p><strong>Marilena Papaioannou sagte im Interview zu dieser Erzählung:</strong><br />
„<em>Tiefgefroren</em> basiert auf einer wahren Begebenheit, die sich vor einigen Jahren an einer amerikanischen Universität zugetragen hat – aber sie enthält auch einige Elemente aus meinem früheren Leben als Forscherin.“<br />
(s. Link 2)</p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-15838" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/de-02-cover.jpg" alt="" width="200" height="179" />Das Buch</strong><br />
Marilena Papaioannou: <em>Zehn Zentimeter </em>(nur auf EL)<br />
Kastaniotis Publications, Athen 2025<br />
Gebunden, 224 Seiten, 16,00 €<br />
ISBN 978-960-03-7390-5</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Links</strong><br />
1_Marilena Papaioannou auf <em>biblionet </em><a href="https://biblionet.gr/marilena-papaioannou-c202868">hier</a> (auf EL)<em><br />
</em>Die Titel sind unterteilt in die Rubriken „als Autorin“ (5 Werke) und „als Übersetzerin“ (14 Werke).<em><br />
</em>2_Interview auf EL geführt von Konstantina Drakoulacou auf der Internetplattform <em>Diasticho </em>02.10.2025 <a href="https://diastixo.gr/sinentefxeis/ellines/25304-marilena-papaioannou-synentefksi">hier</a><br />
3_Marilena Papaioannou auf <em>Literature Across Frontiers</em> <a href="https://www.lit-across-frontiers.org/profiles/marilena-papaioannou/">hier</a> (auf EN)</p>
<p><em>Text und Fotos: Marilena Papaioannou. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Kastaniotis Publications. Präsentation und Übersetzung: A. Tsingas. Dank an Catherine Fragou, die diese Buchvorstellung ermöglicht hat.</em></p>
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		<title>Landsmann (Patriot)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 May 2025 09:01:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
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					<description><![CDATA[Michalis Malandrakis erzählt die Geschichte des 23-jährigen albanischen Einwanderers Agim, der seit über zehn Jahren in Griechenland lebt und davon träumt, Profi-Klarinettist zu werden. Malandrakis habe ich im Juni 2024 auf dem 3. Internationalen Buchfestival ... <p class="read-more-container"><a title="Landsmann (Patriot)" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/prosa/landsmann-patriot/#more-14750" aria-label="Mehr Informationen über Landsmann (Patriot)">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Michalis Malandrakis erzählt die Geschichte des 23-jährigen albanischen Einwanderers Agim, der seit über zehn Jahren in Griechenland lebt und davon träumt, Profi-Klarinettist zu werden.</p>
<figure id="attachment_14757" aria-describedby="caption-attachment-14757" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14757 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/03/pat-04-450x264.jpg" alt="" width="450" height="264" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/03/pat-04-450x264.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/03/pat-04-300x176.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/03/pat-04-768x450.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/03/pat-04-500x293.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/03/pat-04.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-14757" class="wp-caption-text"><em>v.l.: Michalis Malandrakis, Catherine Fragou und Michalis Albatis</em></figcaption></figure>
<p>Malandrakis habe ich im Juni 2024 auf dem 3. Internationalen Buchfestival Chania kennengelernt. Die Athener Literaturagentin Catherine Fragou sprach auf dem Podium mit zwei „Lokalmatadoren“, den kretischen Autoren Michalis Malandrakis und Michalis Albatis, die ihre neuen Bücher vorstellten.<br />
Am Büchertisch galt mein Interesse der ersten Veröffentlichung von Malandrakis, der Novelle <em>Patriot </em>(2019), erzählt mit Rückblenden und inneren Monologen aus der Ich-Perspektive.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Das Buch</strong><br />
Michalis Maladrakis, <em>Patriot</em> (nur auf EL)<br />
Novelle, Athen 2019, Verlag POLIS<br />
ISBN: 978-960-435-693-5, ca. 10 €</p>
<p data-wp-editing="1"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-14767" src="https://medien.diablog.eu/2025/03/pat-02.jpg" alt="" width="350" height="530" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/03/pat-02.jpg 400w, https://medien.diablog.eu/2025/03/pat-02-198x300.jpg 198w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" /></p>
<p><strong>Inhaltsangabe</strong><br />
Der talentierte und junge Agim verdient sich regelmäßig auf den Straßen Athens mit der Klarinette etwas dazu, um sein karges Einkommen als Kellner aufzubessern. Eines Tages wird er von einem Unbekannten angesprochen, der ihm eine Anstellung als Musiker in einem bekannten Athener Nachtclub in Aussicht stellt. Er rät ihm jedoch, seine albanische Herkunft zu verschweigen und sich beim Vorspielen als Grieche auszugeben, da Martinos, der Chef des Lokals, keine Albaner in seiner Nähe haben will.<br />
Agim ist zwar misstrauisch, versucht aber sein Glück und bekommt die Stelle.<br />
Im Club muss sich Agim als „Yannis aus Ioannina“ ausgeben. Agim entwickelt sich zu einem beliebten Musiker, doch bald wird er in einen dubiosen Plan verstrickt. Parallel dazu entwickelt er Gefühle für Dina, eine der Kolleginnen im Club, die ebenfalls aus Albanien stammt. Als Dina wegen ihrer Herkunft misshandelt wird, gerät Agim in einen moralischen Konflikt.</p>
<p><strong>Hintergrund</strong><br />
Malandrakis´ Sprache ist einfach, er differenziert kaum zwischen direkter Rede und dem inneren Monolog des Ich-Erzählers. Aber er baut einen schnellen, manchmal atemlosen Rhythmus auf, der Bilder entstehen lässt, die an Filmsequenzen erinnern. Realistisch und einfühlsam zeichnet er den Alltag der Migranten in Griechenland, die bereits seit vielen Jahren zwischen zwei Heimatländern leben, ohne sich einem der beiden zugehörig zu fühlen; es sind Menschen, die sich überall fremd und in der Schwebe fühlen, sich aber danach sehnen, einen Platz im Leben einzunehmen und ihre Träume zu verwirklichen. Aber sie wissen, dass jeder unter die Räder kommt, dem es nicht gelingt, sich den Gegebenheiten anzupassen. Dass Agim als Yannis auftreten muss, um akzeptiert zu werden, kann als ironischer Kommentar zur Integrationspolitik und Fremdenfeindlichkeit in GR verstanden werden.</p>
<p><strong>Der Auszug</strong><br />
Am Donnerstag bin ich zwei Stunden zu früh im Laden. Ich muss mit jemandem Kontakt knüpfen. Gehe mit einem Lächeln im Gesicht rein und grüße jeden, den ich sehe. Jemand sagt, ich solle still sein. Andrikos sitzt mit drei schwarz gekleideten finsteren Gestalten an einem Tisch und spricht mit ihnen. Mir wirft er einen strengen Blick zu und ich checke die Botschaft. Ruhe! Am Tresen vor der Küche sehe ich Maria, das Blumenmädchen, mit einem anderen Mädel. Ich geniere mich und setze mich still auf den Hocker daneben, bis sie mich ansprechen.<br />
&#8211; Yannis, rede mit uns, wir beißen nicht!<br />
Mit Maria hatte ich bislang wenig gesprochen. Einmal, als wir einander vorgestellt wurden, und dann bei Begrüßungen. Daher kannte sie meinen Namen. In den ersten Tagen dauerte es ein paar Sekunden, bis ich auf Yannis reagierte, aber mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt.<br />
&#8211; Heute bist du früh dran, Yannis. Proben?<br />
&#8211; Ich hatte in der Nähe was zu erledigen und wollte das Hin und Her zur Wohnung vermeiden.<br />
&#8211; Kennst du Dina? Dina, das ist Yannis. Yannis, Dina. Dina ist eine alte Freundin. Sie wird ab heute bei uns arbeiten.<br />
Dina schob ihr tiefschwarzes, glattes Haar immer wieder hinters Ohr. Scheint noch nie nachts gearbeitet zu haben, sie ist von einer Schüchternheit, die nicht bei den Mädels zu finden ist, die schon jahrelang in solchen Läden arbeiten. Nicht, dass ich selbst erfahren rüberkommen würde.<br />
&#8211; Yassu, Dina, freut mich, dich kennenzulernen.<br />
Erst im letzten Moment habe ich mich gezügelt und ihr nicht die Hand gegeben.<br />
Wir haben dann über den Laden gesprochen und wie hart die Nacht sein kann. Dina hat nicht viel gesagt und Maria das Reden überlassen. Nur wenn sie derselben Meinung war, nickte sie.<br />
&#8211; Dina, woher kommst du?, frage ich sie, nachdem Maria viel von Tripolis auf der Peloponnes erzählt hat, wo sie aufgewachsen ist.<br />
&#8211; Aus Serres. Das heißt, ich war dort, bis ich fünfzehn wurde. Danach in Kavala und jetzt in Athen.<br />
&#8211; Und was machst du hier?, frage ich sie mit einem Lächeln.<br />
&#8211; In Athen &#8230; Was ich hier will, weiß ich noch nicht so genau. Einen Job, eine Clique, eine Bleibe &#8230; Eigentlich nicht viel.<br />
Je länger ich sie beobachte, desto sicherer werde ich mir. Die Art, wie sie spricht, ihr Gesicht, das erinnert mich an die Mädels in Albanien. Vielleicht ist sie tatsächlich in Serres aufgewachsen. Ihr Griechisch ist in Ordnung. Vielleicht habe ich ja nur Angst um mich selbst und sehe überall Gespenster. Vielleicht will ich nur, dass es hier noch andere mit meiner Herkunft gibt, um mich nicht so allein zu fühlen. Andrikos‘ Stimme unterbricht unser Gespräch.<br />
&#8211; Yannis! Nach oben, mit mir. Der Chef will dich sprechen. Sofort!</p>
<p>Er lässt mich vorgehen und folgt mir die Treppe hinauf. Er geht immer hinter jedem, den er in Martinos΄ Büro begleitet. Sein Schritt und seine Stimme sind jetzt noch hastiger als sonst. Irgendwas ist vorgefallen, ganz bestimmt. Auf den letzten Stufen bin ich mir sicher, dass sie von meiner Herkunft erfahren haben. Jemand hat es herausgefunden und mich verraten. Ich bereite mich darauf vor, mich bald dort wiederzufinden, wo ich vorher war, und hoffe nur, dass Andrikos nicht auf mich losgeht. Er klopft zweimal an die Tür. Meine Hände sind schweißnass. Wir gehen rein und ich sehe Martinos auf seinem Stuhl sitzen. Neben ihm steht ein Mann mit dem Rücken zu uns.<br />
&#8211; Hereinspaziert!, sagt der Chef.<br />
Der Mann neben ihm dreht sich um. Sein rechter Arm ist bandagiert, hängt in einer Schlaufe. Bandagiert bis hoch zur Schulter. Der Unbekannte seziert mich eine ganze Weile mit seinem Blick.<br />
&#8211; Dreh dich zur Seite, sagt Andrikos, der hinter mir steht.<br />
&#8211; Was? Ich? Mich drehen, wieso?<br />
&#8211; Mann, dreh dich zur Seite, hab ich gesagt, damit er dich im Profil sehen kann. Dreh dich!<br />
Ich dreh mich sofort zur Seite. Bin rot angelaufen und habe das Gefühl, dass sich die Luft in mir staut.<br />
&#8211; Nein, sagt der Mann zu Martinos, nein, der sagt mir nichts.<br />
Martinos hört dem Mann mit dem Verband aufmerksam zu, während er sich ein Glas Whisky einschenkt.<br />
&#8211; Setz dich, sagt er zu mir und deutet auf den Stuhl neben sich. Sag mir nochmal, wie du heißt.<br />
&#8211; Yannis. Ich heiße Yannis.<br />
&#8211; Nun, Yannis, du und dieser Herr hier, ihr seid Kollegen. Erinnerst du dich, dass ich über einen Trottel sprach, der Klarinette spielte und ohne Vorwarnung einfach nicht mehr gekommen ist? Das ist er. Schließlich ist er dann doch wieder erschienen. Aber, wie du siehst, mögen ihn einige Leute da draußen nicht, und er ist auch nicht wieder so aufgetaucht, wie er früher war.<br />
Martinos gibt Andrikos ein Zeichen und der geht zu dem Bandagierten und hilft ihm, den Verband abzunehmen.<br />
&#8211; Nicht ganz abnehmen, bitte. Nicht ganz, bitte nicht, es tut weh!<br />
&#8211; Halt die Klappe, Mann!, tönt Andrikos und wickelt langsam aber stetig den ganzen Verband ab, so dass der nackte rechte Arm des Mannes zum Vorschein kommt.<br />
Er ist ganz lila und hängt schlaff runter, wie ein Fremdkörper. Mir ist kotzübel. Er versucht, den Arm zu bewegen, aber der schwingt nur wie ein Pendel hin und her. Der Mann versucht, den Schmerz zu kontrollieren.<br />
&#8211; Okay, das ist genug. Hilf ihm, Andrikos.<br />
Martinos nickt in Richtung Tür und Andrikos bringt den Mann raus, der sofort losflennt. Dann schaut mir Martinos direkt in die Augen und sagt:<br />
&#8211; Vor einer Weile haben ihm ein paar Leute vor seiner Wohnung aufgelauert. Vier fielen über ihn her. Du hast ja gesehen, das war eine gezielte Aktion. Sein Gesicht haben sie verschont. Und gegen die Beine hat er auch nur ein paar Tritte bekommen. Aber der rechte Arm, nicht<br />
wahr? Den haben sie an vier Stellen gebrochen. Diese unschöne Sache ist drei Tage vor deinem Kommen passiert, Yannis. Das Glück war dir wirklich hold. Sieht aus, als hättest du ziemliches Schwein gehabt, Yannis, nicht wahr?<br />
Ich habe glatt meine Zunge verschluckt. Höre Martinos zu und schaue ihm in die Augen, so gut es geht.<br />
&#8211; Wir mussten ihn also fragen, ob ihm deine Visage etwas sagt. Macht doch Sinn, oder?<br />
&#8211; Logisch, antworte ich gelassen.<br />
&#8211; Wie auch immer. Ist uns eigentlich auch egal. Nondas sagt, du würdest besser als er spielen. Also ist uns dieser Drecksack auch scheißegal. Vielleicht hat er Ärger mit einer Armee von Idioten oder mit den Aschkali-Albanern, vielleicht schuldet er ihnen Geld, vielleicht hat er eine von ihnen gevögelt. Das ist mir aber sowas von egal! Nachtarbeit ist Fleißarbeit, und du arbeitest gut, wie ich höre. Und jetzt raus mit dir. In zwei Stunden musst du auf der Bühne stehen.<br />
Ich gehe die Treppe runter und spüre, wie mir der Schweiß das Hemd runterläuft.<br />
&#8211; Yannis, geht´s dir gut? Du bist irgendwie zusammengefallen, stellt Maria fest.<br />
Ich gebe keinen Ton von mir, schüttle nur den Kopf.<br />
&#8211; Warte, warte doch, ruft sie mir zu. Mit einem Trockentuch kommt sie schwungvoll aus der Küche und stellt sich neben mich. Aber Andrikos will, dass sie was aus dem Lagerraum holt. Maria drückt Dina das Tuch in die Hand. Ich spüre Dinas Hand auf dem Rücken, direkt unter meinem Nacken, und erschauere wohlig.<br />
&#8211; Dreh dich mal zu mir.<br />
Sie wischt mir mit dem Tuch den Schweiß ab, fährt mir mit den Fingern durchs Haar und legt es nach rechts. Ihre Lippen sind geschminkt und sie trägt ein starkes Parfüm.</p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-14777 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2025/03/pat-01a-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></p>
<p><strong>Der Autor</strong><br />
Michalis Malandrakis wurde 1996 in Chania geboren und lebt in Athen. Er ist Absolvent der Fakultät für Kommunikation, Medien und Kultur der Panteion-Universität Athen und der Hellenic Cinema and Television School Stavrakos. Er arbeitet für die Fiction-Abteilung der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehanstalt Griechenlands ERT.</p>
<p>In Chania, wo er aufwuchs, gab es in seinem Umfeld wenig Anregung. Die vielen Stunden der Einsamkeit haben ihn zum Schreiben gebracht. Wurde er jedoch gefragt, was er später mal werden wolle, antwortete er: Konditor, weil er Süßigkeiten sehr liebte. Als Teenager entdeckte er für sich den Film und setzte sich andere Ziele. Dazu führte ihn das Studium nach Athen: Die Stadt ist laut, geschäftig und anregend, was Malandrakis heute noch sehr schätzt.<br />
Fünf Novellen hat er diversen Verlagen angeboten. Seine Protagonisten: Tagelöhner in ihren Zwanzigern aus unterschiedlichen Athener Vierteln; Texte mit viel Realismus, Dialog und Action. <em>Patriot</em> wurde 2019 veröffentlicht und 2021 von der Athener Akademie mit dem Staatspreis für Nachwuchsautoren ausgezeichnet. Als das Buch herauskam, waren Malandrakis und sein Protagonist Yannis mit 23 Jahren gleich alt.<br />
Malandrakis findet es problematisch, seine Altersgenossen zum Lesen seiner Bücher zu bewegen. Das Publikum bei seinen Buchvorstellungen ist 50 Jahre plus. Dazu kommt, dass die populärsten griechischen Autoren diejenigen sind, die in den sozialen Medien sehr aktiv sind. Es wundert ihn, wie sich manche den ganzen Tag selbst darstellen und gleichzeitig Bücher schreiben können.</p>
<hr />
<p>Interview zu <em>Patriot, </em>2019 (auf EL) <a href="https://www.lifo.gr/culture/vivlio/o-mihalis-malandrakis-i-pio-sfrigili-nea-foni-tis-ellinikis-logotehnias-stin-proti">hier</a><br />
Das 3. Internationale Buchfestival Chania in diablog.eu 2024 <a href="https://diablog.eu/uebersetzung/die-3-viceversa-deutsch-griechische-uebersetzerwerkstatt/">hier</a><br />
Neuere Projekte:<br />
Der Dokumentarfilm „Die Ära der Verleugnung des Todes“ (Η εποχή της άρνησης του θανάτου) zur griechischen Rockmusik von den späten 90er Jahren bis in die Gegenwart; Artikel dazu <a href="https://beater.gr/daniilidis-malandrakis-documentary-interview/">hier</a> (2021, auf EL).<br />
Der Roman „Drehen Sie bitte die Musik auf“ (Δυναμώστε τη μουσική, παρακαλώ), Verlag Polis, 2023.<br />
Das Theaterstück „Süße Täume“ (Όνειρα γλυκά) läuft seit März 2024 auf einer Athener Bühne, jetzt also im zweiten Jahr.</p>
<p><em>Text: Michalis Malandrakis. </em><em>Übersetzung des Ausschnitts, </em><em>Buchvorstellung, Redaktion: A. Tsingas. Fotos: Verlag Polis, Buchfestival Chania, Archiv A. Tsingas. </em></p>
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		<title>In Leipzig aufgenommen: Flüchtlinge des griechischen Bürgerkriegs</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Mar 2025 13:50:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
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					<description><![CDATA[1949 endete der griechische Bürgerkrieg mit einer Niederlage der Partisanen. Viele von ihnen sind daraufhin geflohen, unzählige Kinder wurden außer Landes gebracht – auch in die Sowjetische Besatzungszone, die spätere DDR. Auch nach dem Rückzug ... <p class="read-more-container"><a title="In Leipzig aufgenommen: Flüchtlinge des griechischen Bürgerkriegs" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/historisches/in-leipzig-aufgenommen-fluechtlinge-des-griechischen-buergerkriegs/#more-14632" aria-label="Mehr Informationen über In Leipzig aufgenommen: Flüchtlinge des griechischen Bürgerkriegs">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">1949 endete der griechische Bürgerkrieg mit einer Niederlage der Partisanen. Viele von ihnen sind daraufhin geflohen, unzählige Kinder wurden außer Landes gebracht – auch in die Sowjetische Besatzungszone, die spätere DDR.</p>
<p>Auch nach dem Rückzug der Wehrmacht aus Griechenland im Herbst 1944 kam Griechenland nicht zur Ruhe, denn im März 1946 brach ein Bürgerkrieg aus. Er entstand aus dem Konflikt zwischen der linken Volksfront, bzw. deren Demokratischer Armee Griechenlands (DSE), und der konservativen griechischen Regierung und endete 1949 mit der Niederlage der Partisanen. Zehntausende linksgerichteter Griechen verließen Griechenland oder wurden verfolgt, verhaftet, in Umerziehungslagern interniert oder sogar hingerichtet. Wer fliehen konnte, fand zumeist in den sozialistischen Ländern eine neue Heimat. Auch in die damalige Sowjetische Besatzungszone, die spätere DDR, kamen etwa 1300 Flüchtlinge, die meisten von ihnen Kinder und Jugendliche.<br />
Kostas Kipuros und Susanne Grütz beleuchten in ihrem Buch dieses wenig bekannte Kapitel deutsch-griechischer Geschichte, ihr Leben in der DDR und insbesondere in Leipzig. Die deutsch-griechische Zweisprachigkeit des Buches unterstreicht seinen interkulturellen Charakter und macht es für ein breites Publikum zugänglich.</p>
<p>Über die Emigration und ihre politischen Hintergründe wird allgemein viel geschrieben, diskutiert und gestritten. Hier wird über das Leben dieser Emigranten zwischen Heimat und Fremde berichtet. Obwohl historische Ereignisse behandelt werden, bietet das Buch Anknüpfungspunkte zu aktuellen Debatten über Migration, Integration und kulturelle Identität, denn die Migranten kommen selbst zu Wort. Oft flüchteten sie allein, ohne ihre Familie, und gelangten meist über Albanien, Bulgarien und Ungarn in die Sowjetische Besatzungszone. Die erste Station dort war nicht selten Bad Schandau in Sachsen, die letzte dann oft Leipzig. Zur Flucht selbst, zu den letzten Tagen in Griechenland, den ersten im Zufluchtsort und dem Leben im neuen Land kommen siebenundzwanzig Personen zu Wort.</p>
<figure id="attachment_14643" aria-describedby="caption-attachment-14643" style="width: 740px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14643" src="https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-02_Tanz-500x314.jpg" alt="" width="750" height="471" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-02_Tanz-500x314.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-02_Tanz-300x188.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-02_Tanz-768x482.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-02_Tanz-450x283.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-02_Tanz.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-14643" class="wp-caption-text"><em>Junge Griechinnen und Griechen in einer Pause während des Arbeitseinsatzes zum Aufbau des Zentralstadions von Leipzig (Foto: privat)</em></figcaption></figure>
<p>Diese sogenannten Markos-Kinder – benannt nach dem Partisanenführer Markos Vafiadis – erzählen ihre ganz persönliche Geschichte, berichten über Eindrücke und Emotionen und machen so die Vergangenheit lebendig. In der DDR erhielten sie schulische Bildung und berufliche Ausbildung. Viele von ihnen wurden Ingenieure, Ärzte, Wissenschaftler und Lehrer. Die Berichte ähneln sich in der Hinsicht, dass diese Migrantinnen und Migranten dieselben Rahmenbedingungen durchlebt haben. Die Details unterscheiden sich jedoch von Person zu Person – angefangen von den ersten Erlebnissen nach dem Verlassen Griechenlands über die Bildungs- und Karrieremöglichkeiten, die ihnen die DDR bot, bis zu der einen Frage, die sich früher oder später jede von ihnen gestellt hat: Wird es je eine Rückkehr in die Heimat geben?</p>
<hr />
<figure id="attachment_14645" aria-describedby="caption-attachment-14645" style="width: 140px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14645 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-03_Chatzi-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /><figcaption id="caption-attachment-14645" class="wp-caption-text"><em>Efrossini Chatzi heute<br /></em></figcaption></figure>
<p>Auszug aus dem Buch, Seite 46 ff.<br />
<strong>Unsere Familie war in alle Winde zerstreut  </strong><br />
Erzählt von <strong>Efrossini Chatzi</strong>, Wirtschaftsingenieurin, geboren am 25. Juli 1937 in Aeromini</p>
<p>An meine letzten Tage in Griechenland kann ich mich nicht mehr detailliert erinnern, ich war ja schließlich noch ein Kind von elf Jahren, das Ziegen hütete. Allerdings weiß ich noch, dass wir eines Nachts im Juli oder August 1948 unser Dorf verließen, da die Kämpfe zwischen den Partisanen und den Königstruppen immer näherkamen und an Heftigkeit zunahmen. Es war eine Flucht über Stock und Stein, Berg und Tal. Ich befand mich in Begleitung meines Vaters und einer meiner Schwestern. Meine Mutter blieb im Dorf, da sie noch meine verwitwete Schwester und deren zwei kleine Kinder versorgen musste. Ihr Mann war von Wehrmachtssoldaten erschossen worden. Auf der Flucht in Richtung Albanien wurde unser Treck mehrfach von Flugzeugen beschossen. Für lange Gespräche und Begründungen, warum wir das Dorf verlassen mussten, blieb keine Zeit. Ich kann mich jedenfalls nicht an entsprechende Gespräche erinnern. Uns war nur klar, wir mussten schnellstens weg. Mein Vater war gerade von Regierungssoldaten derart brutal zusammengeschlagen worden, dass er sich eine ganze Woche lang kaum bewegen konnte. Wäre er ihnen erneut in die Hände gefallen, hätten sie ihn sofort verhaftet. Zum Zeitpunkt unserer Flucht hatten wir keinerlei Vorstellungen über eine eventuelle Rückkehr. Wir glaubten, nach der Schlacht wieder ins Dorf zu können. Erst als wir schon in die Gegend um Samarina gelangt waren, dämmerte mir, dass es keine schnelle Rückkehr geben würde.</p>
<p>Natürlich war ich traurig, aber irgendwie nahm ich die Situation als unabwendbar hin. Am ehesten hat wohl noch meine Schwester begriffen, was unsere Flucht bedeutete. In einem der Flüchtlingslager in Albanien wurde ich für über einen Monat krank. Kein Wunder, schließlich waren wir schlecht ernährt, verlaust und besaßen nur die Kleidung, die wir am Leib trugen. Mein Vater konnte mir nichts außer einer Decke geben. Unsere Erzieherinnen hatten wenigstens ihre Sachen mitnehmen können. Immerhin bekamen wir eine Tasse Milch pro Tag.</p>
<p>Eines Tages wurden wir ohne Ankündigung nach Tirana und von dort nach Budapest gebracht. Meinen Vater sah ich dort zum letzten Mal. Er umarmte mich und gab mir eine Wassermelone. Wie ich später erfuhr, kam er nach Rumänien, wo er 1954 in Bukarest starb. Eine meiner Schwestern wurde nach Polen geschickt, die ältere nach Taschkent, in die Sowjetunion. Meine Mutter blieb ebenso in Griechenland wie meine älteste Schwester sowie mein Bruder, der wegen seines Kampfes auf Seiten der Partisanen zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war. Unsere Familie − fünf Kinder und die Eltern − war damit in alle Winde zerstreut. Für meine Mutter war es besonders hart. Da sie Analphabetin war, gab es keine Möglichkeit, auf irgendeinem offiziellen Weg etwas zu erfahren oder zu bewirken, die Familie wieder zusammenzuführen.</p>
<p>In Budapest erfuhr ich 1949, dass ich in die damalige sowjetische Besatzungszone − also nach Deutschland − kommen würde. Hatte ich Angst? Ja, natürlich hatte ich Angst. Schließlich kam ich in ein Land, das meine Heimat überfallen hatte. Allerdings legte sich dieses Gefühl zunehmend mit den positiven Erfahrungen, die ich täglich in meiner zukünftigen neuen Heimat machte. Die erste Station mit längerem Aufenthalt − ich glaube, für etwa ein Jahr − war Schloss Dölkau bei Merseburg. Wir waren dort zwischen 300 und 350 griechische Kinder. Ich war eines der jüngsten. 1950 kam ich nach Leipzig. Inzwischen hatte ich die Angst vor Deutschland überwunden.</p>
<figure id="attachment_14641" aria-describedby="caption-attachment-14641" style="width: 740px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14641" src="https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-01_Akkordeon.jpg" alt="" width="750" height="511" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-01_Akkordeon.jpg 784w, https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-01_Akkordeon-300x204.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-01_Akkordeon-768x523.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-01_Akkordeon-450x307.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-01_Akkordeon-500x341.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-14641" class="wp-caption-text"><em>Junge Griechinnen beim Musizieren im Schloss Dölkau (Foto: privat)</em></figcaption></figure>
<p>Da ich nicht zu den Pionieren wollte, habe ich mich zwei Jahre älter gemacht, um so schneller auf die Berufsschule zu kommen. An die neuen Bedingungen habe ich mich relativ schnell gewöhnt, wahrscheinlich, weil man als Kind eher mit Veränderungen umgehen kann. Natürlich kannten wir das Gefühl von Traurigkeit, aber die gute Unterbringung und Verpflegung haben uns auch viele Widrigkeiten vergessen lassen − auch wenn wir kaum satt zu bekommen waren. Außerdem fühlten wir uns als Teil einer Familie, weshalb Traurigkeit nicht das vorherrschende Gefühl war. Zudem nahm uns das Erlernen der deutschen Sprache in Beschlag. Wir hatten einen griechischen Lehrer, der die deutschen Wörter mit griechischen Buchstaben an die Tafel schrieb − die mussten wir anschließend aufsagen. Aber eigentlich musste ich zugleich auch Griechisch lernen, da ich in der Dorfschule gerade einmal die erste Klasse besucht und vieles wieder vergessen hatte. Noch in Albanien wollte ich einen Brief an meine Schwester schreiben und stellte dabei fest, dass ich nur mit Mühe die einzelnen Buchstaben kritzeln konnte.</p>
<p>Motivierend war dabei der feste Glaube, eines Tages nach Griechenland zurückkehren zu können. Daran gab es für uns keine Zweifel. Über einen möglichen konkreten Termin dachten wir allerdings nicht nach. Die Rückkehr war für mich eine so große Selbstverständlichkeit, dass wir uns über dieses Thema keineswegs täglich den Kopf zerbrachen. Außerdem waren die Tage ausgefüllt mit Dingen, die uns beschäftigten, neben der schulischen Ausbildung war das vor allem die Kultur. Ich glaube, das kulturelle Leben der griechischen Emigranten in Leipzig war intensiver als das in Dresden und Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz). Jedenfalls lernte ich in diesem Zusammenhang meinen späteren Lebenspartner und − inzwischen verstorbenen − Ehemann Jorgos kennen. Er war mir unter anderem dadurch aufgefallen, dass er als einziger von uns mehrere Instrumente spielen konnte. Er begleitete unseren Chor mit seinem Akkordeon. Das Spielen hatte er sich selbst beigebracht. 1958 kamen wir dann zusammen.</p>
<p>Inzwischen hatte ich die Berufsschule des RFT-Gerätewerkes als Mechanikerin abgeschlossen. Von dort wurde ich zum Fachstudium für Schwermaschinenbau und Elektrotechnik Leipzig delegiert. Das war keine leichte Zeit − aber geschafft ist geschafft.</p>
<p>Jetzt bin ich Rentnerin und denke viel über Griechenland nach. Griechenland bedeutet für mich noch immer viel. Natürlich zuerst Familie. Die Kinder meiner Schwestern sind aus Polen und der Sowjetunion in die Heimat zurückgekehrt. Zu ihnen habe ich ein enges Verhältnis − auch und gerade nachdem meine Schwestern gestorben sind. Bei unseren Griechenlandreisen sind wir stets bei meinen Nichten und Neffen untergekommen. Um immer in Griechenland zu leben, ist für mich allerdings die Zeit vorbei. Die Umstände und Gegebenheiten dort unterscheiden sich doch zu sehr von unseren Gewohnheiten hier. Außerdem: Leipzig gefällt mir − besser als Dresden oder andere Städte. Berlin ist mir zu unruhig, ich finde zu dieser Stadt keinen Bezug.</p>
<p>Das betrifft übrigens auch das nach der Wende vereinte Deutschland. Begrüßt habe ich diese Entwicklung nicht. Nicht nur wegen unserer Erziehung, sondern auch wegen der konkreten Erfahrungen, die ich machte. Ich verlor meine Arbeit und musste aus Altersgründen meinen Platz räumen. Das war schon bitter, ich konnte meine Traurigkeit lange nicht überwinden. In der DDR gab es keine vergleichbaren Probleme, ich weiß aus persönlichen Gesprächen, dass alle griechischen Kinder, die in die DDR kamen, diesem Land noch heute dankbar sind − für die Bildung, die beruflichen Möglichkeiten und überhaupt das Leben, das wir führten. Daher freuen wir uns noch heute, wenn wir uns im Kreis der ehemaligen Emigranten begegnen. Was wäre aus uns geworden, wenn wir in Griechenland geblieben wären? Jorgos, mein Ehemann, hätte Schafe gehütet und nicht den Beruf eines Chemigrafen erlernt.</p>
<p>Ein Resümee meines Lebens zu ziehen, ist dennoch gar nicht so einfach. Vor allem, wenn ich als ehemaliges Flüchtlingskind erlebe, dass es heute schon wieder und immer noch Menschen gibt, die ihre Heimat verlassen müssen, wie etwa in der Ukraine. Was dort passiert, tut mir so leid, es berührt mich. In der Rückschau ist es für mich am schlimmsten zu wissen, dass damals im griechischen Bürgerkrieg Angehörige ein und derselben Familie gegeneinander gekämpft haben. Ich frage mich noch immer, ob es wirklich so hätte kommen müssen. Das macht mich traurig.</p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-14647" src="https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-05_Cover-450x636.jpg" alt="" width="300" height="424" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-05_Cover-450x636.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-05_Cover-212x300.jpg 212w, https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-05_Cover-500x706.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-05_Cover.jpg 725w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p><strong>Das Buch</strong><br />
Kostas Kipuros, Susanne Grütz: <em>Zwischen Heimat und Fremde. Die Geschichte der Flüchtlinge des Griechischen Bürgerkriegs (1946-1949) in Leipzig/Sachsen </em>(durchgehend zweisprachig Deutsch und Griechisch).<br />
Verlag der Griechenland Zeitung, Athen 2024, 311 Seiten, 53 Abb.<br />
ISBN: 978-3-99021-054-3, Preis 24,80 Euro.<br />
Griechenland Zeitung <a href="https://www.griechenland.net/shop/b%C3%BCcher/product/zwischen-heimat-und-fremde">hier</a></p>
<p>Mit einer Einleitung von K. Kipuros (inklusive historischem Rückblick) und einer ausführlichen Auswertung durch ein HistorikerInnen-Team der Ionischen Universität Korfu unter der Leitung von Prof. K. Angelakos (mit 120 Fußnoten und Verweisen).</p>
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<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14702 size-thumbnail alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-06b_Kipuros-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></p>
<p><strong>Kostas Kipuros</strong><br />
Der Journalist und Musiker ist in den 1960er Jahren als Sohn griechischer Flüchtlinge in der DDR aufgewachsen und steht für die Verbindung zwischen griechischer und deutscher Kultur. Seine Familiengeschichte spiegelt viele der im Buch geschilderten Erfahrungen wider.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-14663 size-thumbnail alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2025/02/kip-07_wagenbrett34-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></p>
<p><strong>Susanne Grütz</strong><br />
Die freischaffende Künstlerin hat zur deutsch-griechischen Geschichte bereits mehrere Ausstellungen organisiert. Ihr verdankt das Projekt den kreativen und gestalterischen Blickwinkel.</p>
<p>Die beiden Autoren bringen unterschiedliche und sich ergänzende Perspektiven in das Buch ein. Die Kombination aus künstlerischem und wissenschaftlichem Interesse verleiht dem Buch eine besondere Tiefe und Authentizität. Gemeinsam können sie sowohl die historische Dimension als auch die menschlichen Schicksale hinter der Geschichte der griechischen Emigranten in Leipzig und Sachsen beleuchten.</p>
<p><strong>Die Übersetzer</strong><br />
Aus dem Deutschen ins Griechische und umgekehrt:<br />
Panos Terz <a href="http://panosterz.de/">hier</a>; Theo Votsos <a href="https://bibliothek.edition-romiosini.de/catalog/category/theo-votsos">hier</a> und in diablog.eu <a href="https://diablog.eu/?s=theo+votsos">hier</a></p>
<p><strong>Der Dokumentarfilm</strong><br />
„Zwischen Heimat und Fremde“ von Susanne Grütz und K. Kipuros (47:44; DE, auch mit Transkript, EL-Untertitel) <a href="https://www.youtube.com/watch?v=gO9lbkbyME4">hier</a>. Die Bürgerkriegsdokumentation im Athener Goethe-Institut <a href="https://www.griechenland.net/nachrichten/kultur/35249-bürgerkriegsdokumentation-im-athener-goethe-institut">hier</a><br />
Der Film zeigt die historischen Hintergründe auf und bringt zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen und ihren Nachfahren.</p>
<p>::: <em>Der Film wurde vom Auswärtigen Amt aus Mitteln</em><br />
<em>   des Deutsch-Griechischen Zukunftsfonds finanziert</em> :::</p>
<p><strong>weiterführend</strong><br />
Zu Kostas Kipuros <a href="https://dezentralbild.net/de/protagonists/kostas-kipuros/">hier</a><br />
Zu Susanne Grütz (mit Auswahl von Musiktiteln) <a href="https://www.susannegruetz.de/projekte/susanne-compania/">hier</a><br />
exemplarisches Musikvideo der beiden Musiker <a href="https://www.youtube.com/watch?v=C-9ubZzp8YY&amp;t=9s">hier</a><br />
Markos Vafiadis <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Markos_Vafiadis">hier</a><br />
Der griechische Bürgerkrieg literarisch in diablog.eu <a href="https://diablog.eu/literatur/der-marsch-der-unbewaffneten-brigade/">hier</a>, <a href="https://diablog.eu/literatur/athos-der-foerster-maria-stefanopoulou/">hier</a> und <a href="https://diablog.eu/literatur/geschichte-und-literatur-epos-und-elegie/">hier</a></p>
<p class="textinfo"><em>Text des Auszugs: Kostas Kipuros und Susanne Grütz. Mit freundlicher Genehmigung des Verlags. Vorstellung und Redaktion: A. Tsingas. Bildmaterial: Verlag der Griechenland Zeitung, S. Grütz. Porträt K. Kipuros: Andre Kempner. Porträt Susanne Grütz: </em><em>Norbert Wagenbrett, </em><em>Öl auf Leinwand, </em><em>Ausschnitt aus „Kabarettisten“.<br />
</em></p>
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		<title>Amalie von Griechenland und Christiane Lüth, Gattin des Hofpastors</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Nov 2024 15:39:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<category><![CDATA[Reise]]></category>
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					<description><![CDATA[Die zwei gleichaltrigen Frauen, die eine Deutsche, die andere Dänin, folgen ihren Ehemännern in eine fremde Welt. Wie nehmen sie die griechische Bevölkerung und den neugegründeten Staat wahr? Geneviève Lüscher hat in ihrem Buch die ... <p class="read-more-container"><a title="Amalie von Griechenland und Christiane Lüth, Gattin des Hofpastors" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/historisches/amalie-von-griechenland-und-christiane-lueth-gattin-des-hofpastors/#more-13770" aria-label="Mehr Informationen über Amalie von Griechenland und Christiane Lüth, Gattin des Hofpastors">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Die zwei gleichaltrigen Frauen, die eine Deutsche, die andere Dänin, folgen ihren Ehemännern in eine fremde Welt. Wie nehmen sie die griechische Bevölkerung und den neugegründeten Staat wahr?</p>
<p>Geneviève Lüscher hat in ihrem Buch die Parallelbiographien zweier sehr unterschiedlicher Frauen vergleichend gegenübergestellt, der Deutschen Amalie, Königin von Griechenland, und der Dänin Christiane Lüth, Gattin des deutschen Hofpastors. Mit Hilfe authentischer Quellen – Briefe, Tagebücher, Reiseberichte – lässt sie das bunte Bild einer vergangenen Epoche aufleben, ihr Unterfangen bekommt eine ungeahnte Dynamik und lässt die Leserschaft in die (harte) griechische Realität Mitte des 19. Jahrhunderts eintauchen. Der Alltag der beiden Frauen bringt uns erstaunliche Facetten des mühsamen Wegs nah, den Athen von einer verschlafenen Kleinstadt zur Hauptstadt des neugegründeten Königreichs zurückgelegt hat. Dabei spielen die gesellschaftlichen Aspekte eine treibende Rolle. So erfahren wir beispielsweise vom Herzensprojekt der Königin, dem Königlichen Garten, den sie gegen den allerseits heftigen Gegenwind zum Teil persönlich plante (und wegen dem alle heutigen Athenerinnen und Athener sie preisen sollten) und von den Besuchern der Familie Lüth, zu denen auch Hans Christian Andersen zählte, der bekannteste Dichter und Schriftsteller Dänemarks. Dieser erweist sich, wer hätte das gedacht, als ziemlich verschroben. Lüscher lässt ihre Leserinnen und Leser nicht alleine und stellt im Fließtext geschickt kleine Biografien vieler Personen vor, die das Leben der beiden Frauen kreuzten. Dabei visualisieren Gemälde, Gravuren und Pläne das Geschehen. Das Buch ist spannend, aber auch lustig, wir lernen die Nöte der Protagonistinnen und ihrer Umgebung kennen. Im Anhang findet sich ein umfangreiches Literaturverzeichnis (das trotzdem „nur“ eine Auswahl ist) und ein fundierter Bildnachweis. Wenn man es am Ende zuschlägt, hat man ein anderes Verständnis der Menschen, die in dieser turbulenten Zeit lebten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-13779" src="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-0_cover-450x646.jpg" alt="" width="300" height="431" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-0_cover-450x646.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-0_cover-209x300.jpg 209w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-0_cover.jpg 462w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></p>
<p><strong>Das Buch</strong><br />
Geneviève Lüscher: <em>Neue Heimat Griechenland. Königin Amalie und Pastorsgattin Christiane in Athen.</em></p>
<p>35 x 25 cm, Hardcover, 204 Seiten mit 41 Abbildungen<br />
Verlag der Griechenland Zeitung, Athen 2024, 24,80 Euro<br />
ISBN 978-3-99021-052-9<br />
zum Verlag <a href="https://www.griechenland.net/hikashop-menu-for-categories-listing/product/neue-heimat-griechenland">hier</a> (mit Leseproben)</p>
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<p><strong>Die Einleitung</strong><br />
Geneviève Lüscher legt hier Inhalt und Absicht ihres Buches dar:</p>
<p>In der Mitte des 19. Jahrhunderts reisten zwei junge Frauen, die eine aus Deutschland, die andere aus Dänemark, nach Athen. Sie kamen in die Hauptstadt einer eben erst aus den Trümmern eines Befreiungs­krieges aus dem Boden gestampften neuen Monarchie. Sie waren gleichaltrig, stammten aber aus ganz unterschiedlichen gesellschaft­lichen Schichten. Als Immigrantinnen lebten sie viele Jahre in Athen und mussten sich mit der fremden Umgebung auseinandersetzen. Wie haben sie die Situation gemeistert?</p>
<p>Beide Frauen waren typische Vertreterinnen ihres sozialen Stan­des. Sie gingen nicht als Pionierinnen in irgendeiner Sache voran oder leis­teten künstlerisch oder intellektuell Außerordentliches. Der große Unter­schied: Das Leben von Königin Amalie ist – als Vertreterin des Hochadels – seit ihrer Geburt gut dokumentiert. Die Quellen zu ihrer Person fließen üppig, auch dank ihrer eigenen Korrespondenz, welche die Zeit überdau­ert hat. Ihre letzte Ruhestätte befindet sich nicht irgendwo – Amalie ruht in der Königsgruft der Wittelsbacher in der Theatinerkirche zu München.</p>
<p>Anders Christiane Lüth, die als Oberförsterstochter und Pasto­rengattin dem Bürgertum angehörte. Hätte sie ihre Erlebnisse in Athen nicht selbst in einem Tagebuch und in Reiseberichten festgehalten, wüsste man heute nichts mehr von ihr. Sie wäre als namenlose Frau im Ozean der Geschichte untergegangen; nicht einmal Amalie erwähnte in ihren Briefen die Ehefrau ihres Pastors mit Namen. Wo Christiane be­graben liegt, ist nicht bekannt, vielleicht im dänischen Kolding.</p>
<p>Meine Idee war es, die beiden Frauenleben anhand dieser Quellen einander gegenüberzustellen, sie durch ihre Jahre in Athen zu begleiten und zu beobachten, wie sie ihr Leben in der neuen Um­gebung gestalteten. Wie sie mit der ihr fremden Kultur zurechtka­men, wie weit sie sich assimilieren wollten und konnten und wie weit sie es schließlich getan haben.</p>
<figure id="attachment_13781" aria-describedby="caption-attachment-13781" style="width: 740px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13781" src="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-1_Athen-kahl-500x354.jpg" alt="" width="750" height="531" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-1_Athen-kahl-500x354.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-1_Athen-kahl-300x212.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-1_Athen-kahl-768x544.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-1_Athen-kahl-450x319.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-1_Athen-kahl.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-13781" class="wp-caption-text">Blick auf Athen vom Nymphenhügel aus. Links im Hintergrund überhoch der Lykabettus-Hügel, an dessen Fuß das neue Stadtquartier aufscheint, wo der zukünftige Königspalast gebaut werden wird. Beide Hügel befinden sich heute im Stadtzentrum Athens (Litho F. Stademann, 1841)</figcaption></figure>
<p>Ich hoffe, damit einen Beitrag zur Frauengeschichte zu leisten und gleichzeitig einen Einblick in das Leben eines Landes zu geben, das – zerstört durch die griechischen Freiheitskämpfe – seinen Weg ins 19. Jahrhundert noch suchte.<br />
Das vorliegende Buch ist keine historisch-wissenschaftliche Studie, weshalb ich auf Anmerkungen und genaue Nachweise der Zitate der Lesbarkeit zuliebe verzichtet habe. Es richtet sich an histo­risch Interessierte.</p>
<p>Die beiden bereits erwähnten Hauptquellen sind aus unter­schiedlichen Gründen entstanden und ihrer Form nach im Prinzip kaum vergleichbar. Beide zusammen ergeben jedoch – wenn auch aus ganz anderen Blickwinkeln – ein stimmiges Bild des Lebens in Athen in der Mitte des 19. Jahrhunderts.</p>
<p>Amalie schrieb ihre Briefe nicht in der Meinung, sie später zu veröffentlichen, auch wenn Briefe damals weniger privaten Charakter hatten als heute. Christiane hingegen liebäugelte vielleicht mit der Idee, dass mindestens die Reiseberichte publiziert werden könnten. Sie sind unpersönlich gehalten und wären damals ein interessanter Stoff für eine Zeitung gewesen; so weit kam es aber nicht. Ganz an­ders Christianes Tagebuch, das sehr persönlich ist und rein private Aufzeichnungen enthält, die für das eigene Erinnern niedergeschrie­ben wurden.</p>
<p>Die umfangreichste Quelle sind die 570 Briefe Amalies. Sie rei­chen vom Jahr 1836, der Ankunft der Königin in Griechenland, bis ins Jahr 1853, als ihr Vater in Oldenburg verstarb, und umfassen meh­rere tausend Seiten. Die Originalbriefe ruhen im Niedersächsischen Landesarchiv in Oldenburg und sind nur mit Erlaubnis der groß­herzoglichen Familie, den Nachkommen von Amalies Bruder Peter von Oldenburg, einsehbar. Transkribiert, also von der Handschrift in Druckschrift umgeschrieben, wurden sie bis anhin lediglich in ganz wenigen Auszügen. Sie stehen der Öffentlichkeit also auf Deutsch nur sehr beschränkt zur Verfügung. Allerdings wurden sie alle ins Griechische übersetzt und 2011 in Athen publiziert. Für diese Über­setzung mussten alle Briefe wohl oder übel zuerst transkribiert wer­den, und es bleibt unverständlich, weshalb diese immense Arbeit der deutschsprachigen Öffentlichkeit nicht ebenfalls zugänglich gemacht worden ist.</p>
<figure id="attachment_13785" aria-describedby="caption-attachment-13785" style="width: 740px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13785" src="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-3-Plan-Garten.jpg" alt="" width="750" height="826" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-3-Plan-Garten.jpg 930w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-3-Plan-Garten-272x300.jpg 272w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-3-Plan-Garten-768x846.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-3-Plan-Garten-450x495.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-3-Plan-Garten-500x551.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-13785" class="wp-caption-text">Der von Amalie entworfene Gartenplan. Der Königin schwebt eine großzügige Anlage vor, ähnlich den Schlossparks in ihrer oldenburgischen Heimat. Sie leitet den Bau mit strenger Hand, lässt zahlreiche Gewächse importieren und schreckt auch nicht vor dem Transport ausgewachsener Palmen zurück (Aquarellierte Zeichnung, um 1850; © Otto-König von Griechenland-Museum, Ottobrunn)</figcaption></figure>
<p>Die Briefe stellen für die Geschichte des jungen Staates Grie­chenland ein singuläres historisches Zeugnis dar, dessen Wert im deutschen Sprachraum noch nicht erkannt worden ist, vermutlich weil es sich „lediglich“ um die Briefe einer Frau handelt. Betraf diese Korrespondenz zu Beginn thematisch tatsächlich vor allem Tratsch und Klatsch am Hof, die kleinen Kümmernisse einer einsamen Kö­nigin in einer ihr fremden Welt, so wendet sich das Interesse Amalies nach den Ereignissen von 1843 der Politik zu, und ihre Briefe bilden ab, was im innersten Kreis der Macht gedacht und getan wurde. Da­mals erzwangen die Griechen – gegen den Willen des Königs – die Umwandlung der absoluten in eine konstitutionelle Monarchie. Ama­lie stand als Königin mitten im Geschehen und beobachtete mit wa­chem Blick, wenn auch durchaus naiv und parteiisch, die politischen Abläufe. Frei und unbekümmert äußert sie ihrem Vater gegenüber ihre Gedanken und Einschätzungen.</p>
<figure id="attachment_13787" aria-describedby="caption-attachment-13787" style="width: 740px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13787" src="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-4-Garten-Palmen.jpg" alt="" width="750" height="516" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-4-Garten-Palmen.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-4-Garten-Palmen-300x207.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-4-Garten-Palmen-768x529.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-4-Garten-Palmen-450x310.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-4-Garten-Palmen-500x344.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-13787" class="wp-caption-text">Amalies Schlossgarten, heute „Nationalgarten“ genannt, eine der wenigen grünen Oasen des Molochs Athen, © Jan Hübel</figcaption></figure>
<p>Erstaunlicherweise gibt es über die erste, aus Oldenburg stam­mende Königin Griechenlands weder eine wissenschaftliche noch eine romanhafte Biografie. Vermutlich liegt das Problem einerseits beim mehrsprachigen Archivmaterial und andererseits bei alten Res­sentiments, die – vor allem von griechischer Seite – eine gründliche, wissenschaftliche Aufarbeitung bis heute verhindert haben.</p>
<p>Die zweite Hauptquelle ist das Tagebuch der Christiane Lüth. Die Pastorsfrau schrieb auf Dänisch, ihre Aufzeichnungen wurden ins Griechische übersetzt und 1981, 1991 und 1999 in drei Bänden in Athen publiziert. Sie umfassen Tagebuchnotizen aus den Jahren 1838–1843 und 1843–1845, die hauptsächlich das Familienleben schil­dern, sowie mehrere Reiseberichte aus den Jahren 1839 bis 1851. Letz­tere sind vor allem volkskundlich interessant, weil es darin weniger um die Familie Lüth geht als um Land und Leute im damaligen Griechenland.</p>
<p>Aufschlussreich sind weiter die Briefe der Oberhofdame Julie von Nordenflycht, die sie auf Deutsch an eine Freundin in Olden­burg richtete. Sie wurden bereits 1845 in Leipzig veröffentlicht. Frau von Nordenflycht korrespondierte von 1837 bis zu ihrem Tod 1842. Auch ihre Nachfolgerin am Hof, Wilhelmine von Plüskow, schrieb. Sie verfasste ihr Tagebuch auf Deutsch, es kann – allerdings nur auf Griechisch übersetzt – digital abgerufen werden. Ihre Aufzeichnungen sind sehr knapp und diskret gehalten, sie umfassen stichwortartig die Jahre 1846 bis 1854.</p>
<p>Für mein Buch ebenfalls ergiebig waren die Publikationen des König-Otto-Museums im bayerischen Ottobrunn, dann ein Oldenbur­ger Ausstellungskatalog über Königin Amalie aus dem Jahr 2004 und vie­le weitere, kleinere Publikationen, die ich alle dankbar geplündert habe.</p>
<p>Die Passagen aus allen auf Griechisch übersetzten Korres­pondenzen oder Aufzeichnungen habe ich nicht wortwörtlich rück­übersetzt, sondern paraphrasiert. Stil, Grammatik und Orthografie sind dem 21. Jahrhundert angepasst, um eine flüssige Lektüre zu ermöglichen. Ebenso habe ich in schriftstellerischer Freiheit die zi­tierten Aussagen – abgesehen von der freien Übersetzung – jeweils gekürzt, zusammengefasst oder neu kombiniert. Auslassungen sind nicht gekennzeichnet. Der Inhalt aller Zitate in Anführungs- und Schlusszeichen habe ich aber nie zurechtgebogen, die Aussagen blei­ben authentisch.</p>
<p>Interessant wäre es für mich gewesen, den deutschen und dänischen Aufzeichnungen solche einer Griechin zur Seite zu stel­len.</p>
<p>Wie lebte eine Griechin im Athen des 19. Jahrhunderts? Leider liegen aus der Anfangszeit des neuen Staates weder publizierte Tage­bücher noch Briefe, Memoiren oder Ähnliches von Griechinnen vor, die hätten verwertet werden können. Während junge Männer schon vor der Revolution und auch danach zum Studium nach Europa geschickt wurden, nach Wien, München, Paris oder Padua, erhiel­ten griechische Mädchen lediglich eine rudimentäre Schulbildung und blieben zu Hause. Noch in den 60er-Jahren des 19. Jahrhun­derts beklagte die rumänische Schriftstellerin und Reisende Dora d’Istria deren mangelhafte Bildung; es existierten erst wenige Mäd­chenschulen. Allerdings integrierten sich die Frauen einfacher und schneller in die deutsche Kolonie als ihre Brüder, weil gemischte Heiraten bald an der Tagesordnung waren: Etliche deutsche Mitglie­der der besseren Athener Gesellschaft vermählten sich mit Töchtern aus angesehenen griechischen Familien.</p>
<p>Der umgekehrte Fall, dass ein Grieche eine Deutsche zur Frau ge­nommen hätte, scheint wesentlich seltener und eher in der Oberschicht vorgekommen zu sein. Eine gut dokumentierte, wenn auch kurze Ehe erlebte die Preußin Bettina von Savigny mit dem Juristen und späte­ren Universitätsrektor Konstantinos Schinàs. Bettina Schinàs verbrachte nach ihrer Heirat und vor ihrem Tod nur zwei Jahre, 1834 und 1835, in Athen, wo ihr Mann sich eine Anstellung in der königlichen Verwaltung erhoffte. In dieser Zeit, also vor der Ankunft Amalies und Christianes in der griechischen Hauptstadt, schrieb Bettina Schinàs ihren Eltern aus­führlich und – ganz anders als Amalie – auch kritisch über ihr neues Leben und dessen Schwierigkeiten. Sie litt gesundheitlich unter dem ungewohnten Klima, den unhygienischen Verhältnissen, der beengten Wohnsituation und ihrem prekären finanziellen Status, der nur beschei­denes Personal erlaubte. Bettina starb 1835 vermutlich an Typhus.</p>
<figure id="attachment_13791" aria-describedby="caption-attachment-13791" style="width: 740px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13791" src="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-6-Kohlebergwerk.png" alt="" width="750" height="391" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-6-Kohlebergwerk.png 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-6-Kohlebergwerk-300x156.png 300w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-6-Kohlebergwerk-768x401.png 768w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-6-Kohlebergwerk-450x235.png 450w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-6-Kohlebergwerk-500x261.png 500w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-13791" class="wp-caption-text">Eingang zum Kohlebergwerk, das die Familie Lüth 1841 auf Euböa besucht hat. Die Mine bestand aus zwei in den Berg getriebenen Stollen; die Kohle war von schlechter Qualität (Holzschnitt H. Clerget, in „Le Tour du Monde“, 1876, 80)</figcaption></figure>
<p>Amalies Korrespondenz nach Oldenburg war jeweils rund drei Wochen unterwegs; wenn die Verbindungen gut waren, schaff­te sie es ausnahmsweise in vierzehn Tagen. Nutzte die Königin den Postweg über Triest oder Marseille, seltener über Konstantinopel, so wusste sie, dass ihre Briefe geöffnet wurden. In diesem Fall durfte sie keine vertraulichen Mitteilungen machen. Wollte sie das, musste sie selber einen Kurier beauftragen oder ihre Briefe einer Vertrauensper­son mitgeben, die in den Norden reiste.</p>
<p>Der Briefverkehr nach Oldenburg erfolgte sehr regelmäßig. Ihrem Vater schrieb Amalie wenn möglich immer sonntags, die Briefe entstanden jedoch nicht in einem Zug, sondern meist im Verlauf der Woche. Und Amalie wartete sehnsüchtig auf die Post­schiffe, die Nachrichten von zuhause brachten. So war sie – mit et­was Verspätung – stets auf dem Laufenden, was im Großherzogtum Oldenburg und in deutschen Adelskreisen vor sich ging.</p>
<p>Der Ton, mit dem sich Amalie an ihren Vater, ihren „Engels­papa“, richtete, mutet uns heute seltsam an. Sie liebte ihn fast abgöt­tisch, er – und nicht ihr Mann Otto – war ihre Bezugsperson. Als sie ihm einmal zum Geburtstag gratulierte, schrieb sie, es habe in dieser Nacht ein „Feuerwerk“ gegeben! Sie deutete an, dass der Brand wohl ihm zu Ehren entfacht worden sei. In Tat und Wahrheit war in Athen eine Feuersbrunst ausgebrochen und ein Haus komplett abgebrannt. Ob jemand dabei zu Schaden gekommen war, interessierte die Köni­gin nicht – eine etwas merkwürdige Art von Humor.</p>
<p>Ihre übergroße Anhänglichkeit, aber auch Abhängigkeit vom Vater erschwerte sicher die Trennung von der Heimat, das Eingewöh­nen in die neue Umgebung und die Zuwendung zum Ehemann. Ama­lie löste sich, mindestens bis zum Tod ihres Vaters 1853, nicht wirklich von Oldenburg, auch wenn sie immer wieder betonte, wie sehr sie Griechenland liebe. Die seitenlangen Briefe, der grenzenlose Kum­mer, wenn Antworten auf sich warten ließen, zeugen von ihrem Be­dürfnis, den Vater nicht zu verlieren, ihn ständig „bei sich“ zu haben. Eine Episode, welche die Oberhofmeisterin beschreibt, ist typisch: Zwei Porträtbilder der Eltern sind in Athen eingetroffen, Amalie packt sie aus. Frau von Nordenflycht: „Die Königin war in einem wahren Freudenrausch. – ‚Mein Engelspapa! Meine Engelsmama!‘ – Und immer auf den Knien, glücklich und entzückt wie ein Kind, von einem zum andern gerutscht.“ Die Königin war da immerhin 21 Jahre alt und seit drei Jahren verheiratet.</p>
<p>Ihrem Mann war Amalie aber dennoch sehr zugetan. Loyal hielt sie auch in schwierigen Zeiten zu ihm, schützte ihn, übersah großzügig seine Schwächen und münzte seine Sturheit und Unent­schlossenheit positiv in Beharrlichkeit um. Fast nie erwähnte sie ihrem Vater gegenüber seine schwache Gesundheit, seinen Mangel an Entschlusskraft, seine Unfähigkeit, Prioritäten zu setzen. Als sich 1843 die politische Situation zuspitzte, griff Amalie ohne Zögern ins Geschehen ein und dirigierte fortan aus dem Hintergrund die Ent­scheidungen ihres Mannes.</p>
<figure id="attachment_13789" aria-describedby="caption-attachment-13789" style="width: 740px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13789" src="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-5-Hannes-Zeichnung.png" alt="" width="750" height="393" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-5-Hannes-Zeichnung.png 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-5-Hannes-Zeichnung-300x157.png 300w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-5-Hannes-Zeichnung-768x402.png 768w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-5-Hannes-Zeichnung-450x236.png 450w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-5-Hannes-Zeichnung-500x262.png 500w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-13789" class="wp-caption-text">Christiane war das vierte von acht Geschwistern. Ihre jüngere Schwester Hanne, die die Familie Lüth nach Griechenland begleitet hatte, verewigte das Athener Familienleben in zahlreichen, amüsanten Szenen. Ihre Erläuterungen auf Griechisch oder Dänisch sind aber heute leider – da zerschnitten – kaum noch zu entziffern.</figcaption></figure>
<p>Anders war das Verhältnis Christiane Lüths zu ihren Eltern. Sie oder das Vaterhaus in Dänemark kommen in ihrem Tagebuch fast gar nicht vor. Gelegentlich werden Geburtstage oder Briefe der Mut­ter, einer Schwester oder von Verwandten kurz erwähnt, mehr ist da nicht. Allerdings verfügen wir nicht über die Briefe, die Christiane nach Hause geschrieben hat. Mit ihrer Abreise scheint sie sich von ihrer Familie, ihrem Herkunftsort gelöst und dem neuen Leben in Athen zugewendet zu haben. Im Tagebuch blitzt lediglich ihre pat­riotische Liebe zu Dänemark hin und wieder auf. Die Heimat war ihr teuer, scheint aber nicht an bestimmte Menschen gebunden gewesen zu sein. Obwohl Pastorsfrau, hatte Christiane – wie auch Amalie – für ihre Umgebung wenig Empathie übrig. Mit scharfer Zunge kommen­tiert und kritisiert sie die Menschen, die es ihr selten recht machen konnten. Im Gegensatz zu Amalie hatte sie aber Humor, erzählt amü­sante Begebenheiten und kann gelegentlich über sich selber lachen, was der Königin nie eingefallen wäre.</p>
<p>Wenn auch beide Frauen sofort Griechisch lernten, eine Integ­ration in ihr Gastland strebten beide nicht wirklich an. Für Christiane war der Aufenthalt in Hellas immer als zeitlich befristeter gedacht. Sie wusste, dass sie früher oder später in den Norden zurückkehren wür­de. Ihre Bemühungen, Griechenland zu verstehen und mit seinen Ein­wohnern und Einwohnerinnen Kontakte zu knüpfen, waren deshalb zwar begrenzt, aber dennoch vorhanden. Was Christiane schließlich aus ihrem Leben in Griechenland mit zurück nach Deutschland nahm, ist nicht bekannt. Sicher aber prägte sie umgekehrt in ihrem Athener Umfeld – unbewusst – ihre griechischen Nachbarinnen, sei es durch ihr freieres Benehmen, ihre Kleidung, die Art, wie sie ihre Kinder er­zog und wie sie mit ihrem Ehemann umging. Eng waren die Kontakte aber nicht. Die griechischen Hausfrauen des Mittelstandes lebten sehr zurückgezogen und lernten keine Fremdsprachen.</p>
<p>In Griechenland stand man den „kolonistischen“ Bestrebun­gen der Bayern negativ gegenüber, dennoch war ihr Einfluss auf die Europäisierung des in vielen Beziehungen rückständigen Landes – mindestens äußerlich – unverkennbar. So bemerkten viele Reisende beispielsweise den drastischen Rückgang der traditionellen Kleidung bei Männern und bei Frauen oder die komplett neue Bauweise in der Residenzstadt.</p>
<figure id="attachment_13783" aria-describedby="caption-attachment-13783" style="width: 740px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13783" src="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-2-Athen-bebaut.jpg" alt="" width="750" height="527" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/09/am-2-Athen-bebaut.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-2-Athen-bebaut-300x211.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-2-Athen-bebaut-768x540.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-2-Athen-bebaut-450x316.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/09/am-2-Athen-bebaut-500x352.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-13783" class="wp-caption-text">Athen um 1850: Die Stadt hat sich bereits bis zum neuen Palast ausgedehnt. Prominent links das vornehme, mit Arkaden versehene Hotel <em>Grande Bretagne</em>. Auch hinter dem Palast stehen bereits einige neue Gebäude. Der übermäßig große Lykabettus ist hingegen noch völlig unbebaut (aus: Illustrated London News, 1842-1885, Athens 1984)</figcaption></figure>
<p>Für Amalie war die Situation eine andere. Auch wenn sie die Idee hatte, ihr Leben lang in Griechenland zu bleiben und oft beton­te, wie sehr sie „ihr“ Land liebte, so lebte sie doch ein Leben fern der griechischen Realität. Sie bemühte sich nicht, einen Bekanntenkreis von Frauen aus der Athener Oberschicht aufzubauen, sondern ver­kehrte hauptsächlich im deutschen und diplomatischen Milieu, wie es ihrem Stand entsprach. Die griechischen Hofdamen, mit denen sie ihre Entourage schmückte, wurden keine Vertrauten, keine Freun­dinnen, sondern waren wohl bloß ein Zugeständnis an ihre Unter­tanen. Es lag ihr auch völlig fern, griechische Sitten oder Gebräuche zu übernehmen, ganz im Gegenteil. Sie sah es als ihre Aufgabe an, die Griechen und Griechinnen zu europäisieren und vor allem die Ober­schicht an die deutschen, in Adelskreisen üblichen Gepflogenheiten heranzuführen. So wurde Amalie selbst keine Griechin, obwohl sie es gerne geworden wäre.</p>
<p>::: <em>Christiane Lüth und ihre Zeitgenossinnen</em> <a href="https://argolikivivliothiki.gr/2022/05/31/christiane-luth/#more-34641">hier</a> <em>(auf EL), </em><a href="https://argolikivivliothiki.gr/tag/%CE%B1%CE%BC%CE%B1%CE%BB%CE%AF%CE%B1/">hier</a><em> (auf EL) und</em> <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Christiane_L%C3%BCth">hier</a> <em>(auf EN)</em><br />
<em>Amalie von Oldenburg</em> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Amalie_von_Oldenburg">hier</a></p>
<figure id="attachment_13863" aria-describedby="caption-attachment-13863" style="width: 216px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13863" src="https://medien.diablog.eu/2024/10/am-7Bamberg4-e1728144322386.jpg" alt="" width="226" height="170" /><figcaption id="caption-attachment-13863" class="wp-caption-text">Geneviève Lüscher vor einem Ganzkörperportrait der Königin Amalie (Reproduktion im Schloss Eutin, © Felix Müller)</figcaption></figure>
<p><strong>Die Autorin</strong><br />
Geneviève Lüscher hat in Basel ur- und frühgeschichtliche Archäologie studiert und als Wissenschaftlerin, Publizistin, Redakteurin und Wissenschaftsjournalistin bei der NZZ gearbeitet. Sie lebt heute in Bern.</p>
<p>::: <em>Geneviève Lüscher </em><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Genevi%C3%A8ve_L%C3%BCscher">hier </a><em>und in diablog.eu</em> <a href="https://diablog.eu/literatur/achmetaga-ein-geschichtstraechtiges-anwesen-auf-nord-euboea/"><u>hier</u></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p class="textinfo"><em>Text: Geneviève Lüscher; Auszug und Abbildungen aus dem Buch mit freundlicher Genehmigung des Verlags der Griechenland Zeitung. Redaktion und Präsentation: A. Tsingas.</em></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Die „Hinteren Schulbänke“ in Exarchia</title>
		<link>https://diablog.eu/alltagskultur/die-hinteren-schulbaenke-in-exarchia/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Oct 2024 14:33:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alltagskultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Die alternative Szene des pulsierenden und zentrumsnahen Athener Stadtteils Exarchia ist auch eine Hochburg politischer Gruppen und Aktionen. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist die Initiative Ta Piso Thrania (Die hinteren Schulbänke), die Migrant:innen und ausländischen ... <p class="read-more-container"><a title="Die „Hinteren Schulbänke“ in Exarchia" class="read-more button" href="https://diablog.eu/alltagskultur/die-hinteren-schulbaenke-in-exarchia/#more-13448" aria-label="Mehr Informationen über Die „Hinteren Schulbänke“ in Exarchia">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Die alternative Szene des pulsierenden und zentrumsnahen Athener Stadtteils Exarchia ist auch eine Hochburg politischer Gruppen und Aktionen. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist die Initiative <em>Ta Piso Thrania</em> (Die hinteren Schulbänke), die Migrant:innen und ausländischen Studierenden Sprachkenntnisse und Bildungsmöglichkeiten bietet.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-13497" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-00_Haus-von-aussen-34-2.jpg" alt="" width="1024" height="768" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-00_Haus-von-aussen-34-2.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-00_Haus-von-aussen-34-2-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-00_Haus-von-aussen-34-2-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-00_Haus-von-aussen-34-2-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-00_Haus-von-aussen-34-2-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p><em>Die Solidaritätsschule ist im </em>Steki Metanaston<em> (Migrantentreff) untergebracht, einem typischen neoklassizistischen Altbau in unmittelbarer Nähe des Exarchia-Platzes, dem Herz von Exarchia.</em></p>
<p><strong>Wie entstand die Initiative <em>Piso Thrania</em>?</strong><br />
Sie entsprang 1998-1999 dem <em>Netzwerk zur sozialen Unterstützung von Flüchtlingen und Migranten</em>. Im <em>Steki</em>, wo das Netzwerk untergebracht ist, war von Anfang an ein antirassistischer Raum für alle, die eine andere kulturell-persönliche Identität hatten. Bereits 1990 trafen sich dort Geflüchtete, Migrant:innen und Griech:innen aus dem Bedürfnis heraus, zusammenzukommen, zu diskutieren, Spaß zu haben, Aktionen gegen Fremdenfeindlichkeit zu entwickeln und die Diskriminierung von allem, was „anders“ ist. In der Mitte dieses Jahrzehnts wollte eine Gruppe von Geflüchteten aus Bangladesch Griechisch lernen. Motivierte Einheimische nahmen sich diesen Wunsch zu Herzen und starteten den Sprachunterricht: Das Streben nach Artikulation der einen Seite rief bei der anderen Solidarität hervor. So entstand 1998 die Initiative <em>Piso Thrania</em> mit der Struktur, die sie bis heute noch inne hat.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-13469" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-02_flip-chart.jpg" alt="" width="1024" height="523" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-02_flip-chart.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-02_flip-chart-300x153.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-02_flip-chart-768x392.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-02_flip-chart-450x230.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-02_flip-chart-500x255.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><em>Flip charts</em></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-13467" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-01_klassenraum.jpg" alt="" width="1024" height="523" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-01_klassenraum.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-01_klassenraum-300x153.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-01_klassenraum-768x392.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-01_klassenraum-450x230.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-01_klassenraum-500x255.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><em>Typische Unterrichtssituation<br />
</em></p>
<p>Die Kunde der Sprachkurse von <em>Piso Thrania</em> wurde in Migrantengemeinden durch Mundpropaganda verbreitet. Das Gros der Lernenden waren anfangs syrische Kurden. Sie hatten sich schnell im <em>Steki</em> integriert, nahmen an den Versammlungen der Initiative teil und übernahmen verantwortungsvoll die Getränkeausgabe. Sie fühlten sich zuhause. Das war auch die Initialzündung der Sozialküche <em>El Chef</em>, die heute noch tätig ist. Sie entstand aus dem Bedürfnis, beim Zusammenkommen zu essen, ohne teuer auswärts zu bestellen. Die Räume des <em>Steki</em> dienten also nicht nur dem Unterricht, sondern auch dem sozialen Miteinander, wie es dort schon immer war. Was immer auch passierte, es gab eine Tür, wo man anklopfen konnte. Daraus entstanden auch Anstrengungen, die Geflüchteten juristisch zu unterstützen.</p>
<p>Ziel der Initiative war die Vermittlung von Sprachkenntnissen, aber auch die soziale Einbindung und Schaffung eines Schutzraumes für die Lernenden (bei der Anmeldung zum Sprachunterricht wurden und werden keine „Papiere“ verlangt) sowie die Annäherung der unterschiedlichen Kulturen und die gegenseitige soziale Bereicherung. Die Akzeptanz erstreckte sich auf Sprache, nationale Identität, Religion, persönliche Selbstidentifikation – nicht für jeden eine einfache Sache. Manchmal entstanden zwischen Gruppen Reibungen, die schwer zu handhaben waren. Aber es kam auch zum radikalen Überdenken der persönlichen Einstellungen, beispielsweise zu Freundschaften mit queeren Personen.</p>

<a href='https://diablog.eu/alltagskultur/die-hinteren-schulbaenke-in-exarchia/attachment/minolta-digital-camera-3/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-03_Akropolis-sw-weiss.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-03_Akropolis-sw-weiss.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-03_Akropolis-sw-weiss-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-03_Akropolis-sw-weiss-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-03_Akropolis-sw-weiss-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-03_Akropolis-sw-weiss-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/alltagskultur/die-hinteren-schulbaenke-in-exarchia/attachment/olympus-digital-camera-5/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-15_Theaterbesuch-2007sw.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-15_Theaterbesuch-2007sw.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-15_Theaterbesuch-2007sw-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-15_Theaterbesuch-2007sw-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-15_Theaterbesuch-2007sw-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-15_Theaterbesuch-2007sw-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>

<p><em>links: Ausflug auf die Akropolis 2006; rechts: </em><em>Theaterbesuch 2007</em></p>

<a href='https://diablog.eu/alltagskultur/die-hinteren-schulbaenke-in-exarchia/attachment/pt-16_auffuehrung-2011sw/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-16_Auffuehrung-2011sw.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-16_Auffuehrung-2011sw.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-16_Auffuehrung-2011sw-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-16_Auffuehrung-2011sw-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-16_Auffuehrung-2011sw-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-16_Auffuehrung-2011sw-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/alltagskultur/die-hinteren-schulbaenke-in-exarchia/attachment/pt-04_strand-sw-klein/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="816" height="612" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-04_Strand-sw-klein.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-04_Strand-sw-klein.jpg 816w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-04_Strand-sw-klein-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-04_Strand-sw-klein-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-04_Strand-sw-klein-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-04_Strand-sw-klein-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 816px) 100vw, 816px" /></a>

<p><em>links: Thrania-Chor auf der Bühne 2011; rechts: a</em><em>m Strand 2011</em></p>
<p>Damals waren die Rahmenbedingungen im Vergleich zu heute nicht so krass. Die Angst, von der Polizei angehalten zu werden, schwang aber immer mit, denn viele Lernende hatten keine offiziellen Papiere oder Aufenthaltstitel. Die Polizeipräsenz im Exarchia-Kiez war überschaubar, anders als heute, wo z.B. auf dem Exarchia-Platz eine neue Metrostation entsteht und die Baustelle hermetisch abgeriegelt und bewacht ist.</p>
<p>Griechenland war für die meisten Geflüchteten ein Transitland. Trotzdem wurde es für viele zur zweiten Heimat. Sie fanden Arbeit und soziale Kontakte. Viele der Lernenden erreichten hier die Volljährigkeit. Sie kamen als Teenager in Booten aus der Türkei oder zu Fuß über die grüne griechisch-türkische Grenze am Evros. Auch wenn sie längst weggezogen sind, kommen viele mit ihren Familien zum Urlaub wieder her. Es ist die Erinnerung an ihre Jugend, die sie zu diesen Besuchen treibt. Denn sie hat sich in einem bestimmten Rahmen abgespielt mit Sonne, Meer, in Exarchia, auf dem Lykabettus-Hügel und mit Menschen, zu denen sich tiefe Bindungen entwickelt hatten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-13502" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-13_Schuber-2-450x937.jpg" alt="" width="250" height="520" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-13_Schuber-2-450x937.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-13_Schuber-2-144x300.jpg 144w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-13_Schuber-2.jpg 492w" sizes="auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px" /></p>
<p><strong>Der Sammelschuber</strong><br />
2009 hatte die Initiative <em>Piso Thrania</em> die Erfahrungen und schönen Momente von 10 Jahren Arbeit mit Geflüchteten in einem quadratischen Sammelschuber (ca. 17 x 16 x 3 cm) mit fünf Heften veröffentlicht:</p>
<ul>
<li style="list-style-type: none;">
<ul>
<li><em>Geschmackserinnerungen</em>: Rezepte und Speisen aus den Herkunftsländern der Lernenden</li>
</ul>
</li>
</ul>
<ul>
<li style="list-style-type: none;">
<ul>
<li><em>Ich spiele. Spielst du mit? Wir spielen!</em>: Bewegungsspiele aus den Herkunftsländern der Lernenden</li>
</ul>
</li>
</ul>
<ul>
<li style="list-style-type: none;">
<ul>
<li><em>Die Welt soll magisch werden</em>: Märchen aus den Herkunftsländern der Lernenden</li>
</ul>
</li>
</ul>
<ul>
<li style="list-style-type: none;">
<ul>
<li><em>Eine Welt, die Platz für viele Welten hat</em>: Aufsätze und Statements der Lernenden</li>
</ul>
</li>
</ul>
<ul>
<li style="list-style-type: none;">
<ul>
<li><em>Zehn Jahre Reisen mit unseren Schülern</em>: zu den Lehrmethoden von <em>Piso Thrania</em> und das entwickelte Lehrmaterial</li>
</ul>
</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wirtschaftskrise und Krieg</strong><br />
Bald darauf folgten 2010/11 die Wirtschaftskrise und der Krieg in Syrien. Die Jobs wurden rarer, der Alltag schwieriger. Viele Geflüchtete der ersten Stunde verließen daraufhin Griechenland. Sie kamen auf ihren ursprünglichen Plan zurück und zogen weiter zu Verwandten nach Deutschland, England, Schweden, Kanada, wo sie sich bessere Perspektiven erhofften. Außerdem erstarkte innenpolitisch die faschistische Chrisi Avgi (im deutschsprachigen Raum bekannt auch als Goldene Morgenröte).<br />
Zum Unterricht kamen viel mehr Geflüchtete. Prinzip der <em>Piso Thrania</em> war, niemanden abzuweisen. Um die Sprachschüler:innen auf allen Ebenen zu unterstützen, mussten Lösungen gefunden werden, um sie in den Fluss des Unterrichts einzugliedern, wann immer sie dazukamen. Bei der hohen Fluktuation war das natürlich ein sehr schwieriges Unterfangen: Es gab Zeiten, da wurden pro Woche 400-500 Personen unterrichtet. Die Räumlichkeiten des <em>Steki</em>, eines in die Jahre gekommenen neoklassizistischen Baus, ließen keinen optimalen Unterricht zu. Die meisten Sprachschüler gingen 2-3 Monate zum Unterricht und hörten dann auf: fanden Arbeit, ermüdeten, gingen weg. Dafür kamen andere, der Fluss versiegte nicht. Die langen griechischen Sommerferien verschafften den Lehrenden eine Verschnaufpause.<br />
Großdemonstrationen gegen die EU-Memoranden zogen auf, die verstärkte Polizeipräsenz ließ die Migranten die Öffentlichkeit meiden. Die Zahl der Sprachschüler:innen aus Nahost und Afrika ging zurück.</p>
<p><strong>Die Frauen in <em>Piso thania</em></strong><br />
Hier ein paar Worte zu den Frauen. Migrantinnen, die zum Unterricht kamen, stammten aus Georgien, Bulgarien, Albanien, Moldawien usw., also aus Ländern des ehemaligen Ostblocks und aus einigen afrikanischen Staaten. Allgemein waren das aber immer wenige. Abgesehen davon, dass die meisten Emigranten eh Männer sind, brachten diese zum Unterricht „ihre“ Frauen nicht mit: Der Platz der Frau ist im Haus und bei den Kindern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-13455 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-14_Lernende-2012-sw-450x337.jpg" alt="" width="450" height="337" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-14_Lernende-2012-sw-450x337.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-14_Lernende-2012-sw-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-14_Lernende-2012-sw-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-14_Lernende-2012-sw-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-14_Lernende-2012-sw.jpg 902w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><em>Lernende 2012</em></p>
<p>Das führte 2001 zu einem interessanten Vorstoß. Da sie nicht zum <em>Steki</em> kamen, ging <em>Piso Thrania</em> zu ihnen. In den Anfangszeiten mit dem großen Andrang der Sprachinteressierten ging eine Gruppe von Lehrenden in eine Grundschule im Athener Bezirk Kypseli und unterrichtete dort, in den Schulräumen, Griechisch für die Eltern der Migrantenkindern, meist Mütter. Die Erwachsenen versprachen sich davon, den Kindern bei den Hausaufgaben helfen zu können. Dieses Projekt lief ungefähr zwei Jahre. Dann wurden immer seltener Schulräume zur Verfügung gestellt. Wie bereits erwähnt, die Umstände waren – und sind immer noch – untrennbar mit der jeweils vorherrschenden Politik verbunden. Auf allen Ebenen.</p>
<p><strong>Das nächste Kapitel</strong><br />
Dann brach die Zeit der EU-Bürger:innen an. Erst waren es die Erasmus-Stipendiat:innen. Sie zogen in den angesagten Bezirk Exarchia und lernten Griechisch bei <em>Piso Thrania</em>. Der Initiative stellte sich die Frage: Dürfen die das? Im Plenum wurde viel darüber diskutiert. Letztendlich erwies sich ihre Anwesenheit als positiv, denn sie brachten ihre eigene Lebensart ein, bereicherten damit die Kulturlandschaft und halfen auch den Migrant:innen beim Lernen. Die Sprachschüler:innen  kamen nun aus Marokko, Ägypten, Syrien, Deutschland, Australien, Kuba, Großbritannien, Bulgarien, Albanien, Italien, Frankreich, Iran, Afghanistan und, und, und &#8230; Natürlich gab es große Unterschiede im Bildungshintergrund und der Lernfähigkeit – wichtig war aber die Durchmischung.<br />
Bei den Migrant:innen kam bald der Wunsch auf, auch andere Sprachen zu lernen, insbesondere Englisch. Für die Reise nach Westen fehlte ihnen diese Sprache als Kommunikationswerkzeug. Wieder gab es endlose Diskussionen über das Für und Wider. Schließlich wurde auch Englisch unterrichtet, diese Kurse werden bis heute fortgesetzt. Je nach Zusammensetzung von Lernenden und Lehrenden kamen weitere Sprachen dazu. Neben Griechisch und Englisch werden heute auch Französisch und Arabisch unterrichtet.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-13461 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-17_Protest-2006-450x338.jpg" alt="" width="450" height="338" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-17_Protest-2006-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-17_Protest-2006-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-17_Protest-2006-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-17_Protest-2006-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-17_Protest-2006.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>Finanzierung</strong><br />
<em>Piso Thrania</em> ist keine herkömmliche, leistungsorientierte Sprachschule, sondern ein politisches Kollektiv. Entscheidungen werden bei den Vollversammlungen getroffen, wo keine hierarchische, „vertikale“ Struktur herrscht. Da die Initiative von keiner staatlichen oder sonstigen offiziellen Stelle finanziert wird, ist die Unabhängigkeit ihrer ideologischen Ausrichtung gewährleistet, sie beteiligt sich an verschiedenen Aktionen der antirassistischen Bewegung. Die notwendigen Ressourcen werden durch „Finanzierungspartys“ eingenommen, bei denen jede und jeder nach eigenem Ermessen spendet; im Allgemeinen sind Leute, die der Initiative und dem Spektrum zugeneigt sind, großzügig.</p>
<p><strong>Die Pandemie als Scheidegrenze</strong><br />
Die Zahl der Sprachschüler:innen ging zurück, die Zeiten des großen Andrangs waren vorbei. Die Zusammensetzung der Lehrenden wechselte, Schwung und Vitalität blieben jedoch erhalten. Die Regierung ordnete die Corona-Quarantäne an und sorgte für strenge polizeiliche Maßnahmen.<br />
Der Druck der häuslichen Isolation während der Corona-Zeit war enorm. Er hat die Menschen in ihrer Bleibe festgesetzt und von ihrem früheren Leben völlig abgekoppelt. Noch mehr hat es die Migrant:innen getroffen. Während der Quarantäne wurden die sprachlich Fortgeschrittenen online unterrichtet, es gab aber insgesamt nur zwei, drei Gruppen. Viele von ihnen hatten keinen PC und nahmen mit dem Handy teil. Optimal war das nicht. Aber <em>Piso Thrania</em> und <em>Steki</em> haben nicht aufgegeben. Es ging weniger um die Sprache, als darum, dem Eingesperrtsein etwas entgegenzusetzen. Der Unterricht war für Lehrende und Lernende ein Lichtblick.<br />
Als der Spuk vorbei war, kamen nur wenige zum Präsenzunterricht, Exarchia war (und ist weiterhin) im Ausnahmezustand. Entgegen dem Wunsch der Bewohner soll auf dem Exarchia-Platz eine U-Bahnstation entstehen, die Baustelle wird bewacht. Die Migrant:innen halten Abstand. Parallel dazu haben die Zurückweisungen und Pushbacks an den griechischen Grenzen die Zahl der Geflüchteten eingedämmt.<br />
Zur Hochzeit der Migration durfte jeder Sprachschüler und jede Sprachschülerin nur einmal die Woche zum Unterricht kommen, um möglichst viele Leute bedienen zu können. Heute kommen die Sprachklassen bis zu dreimal die Woche zusammen. Die Sprachschüler:innen von außerhalb der EU sind zurückgegangen, ihren Platz nehmen vermehrt EU-Bürger:innen ein.</p>
<p><strong>Die nächste Generation der Lehrenden</strong><br />
Auch bei den Lehrenden hat ein Personalwechsel stattgefunden. Mittlerweile unterrichten im <em>Steki</em> jüngere Frauen und Männer, die frische Ideen und viel Elan mitbringen. Neues Unterrichtsmaterial wurde entworfen.<br />
Hier links eine exemplarische Übungsseite:</p>

<a href='https://diablog.eu/alltagskultur/die-hinteren-schulbaenke-in-exarchia/attachment/pt-07_askisi/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-07_Askisi.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-07_Askisi.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-07_Askisi-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-07_Askisi-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-07_Askisi-500x667.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/alltagskultur/die-hinteren-schulbaenke-in-exarchia/attachment/pt-08_ekthesi/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-08_Ekthesi.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-08_Ekthesi.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-08_Ekthesi-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-08_Ekthesi-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-08_Ekthesi-500x667.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /></a>

<p>Mit Engagement, Fleiß und Begabung kommen dann mit der Zeit solche Texte wie rechts zustande:<br />
<em>Ich heiße Ali. Mit 19 Jahren kam ich aus Pakistan nach Griechenland. Ich kam zu Fuß aus der Türkei. 8 Tage lang bin ich gelaufen. Morgens schlief ich im Wald und nachts lief ich. In Thessaloniki blieb ich einen Tag, dann kam ich mit dem Zug nach Athen. Ich wohnte im Haus meines Vaters. Als ich dort ankam, war mein Vater nicht da, weil er auf dem Wochenmarkt arbeitete. Als er nach Hause kam, haben wir uns umarmt. Nach einem Monat ging ich mit meinem Papa auf den Wochenmarkt, um auszuhelfen. Seitdem arbeite ich auf dem Wochenmarkt. Dort verkaufe ich Gemüse. Ich stehe um 4:30 Uhr auf und komme um 5:00 Uhr nachmittags zurück. Und danach koche ich. Mein bester Freund ist Umer aus Pakistan. In Monastiraki und am Alexandra-Platz drehen wir unsere Runden. Ich möchte in Griechenland bleiben, aber das Problem ist, dass ich keine Papiere habe.</em></p>
<p><strong>Positives und Negatives</strong><br />
Welche Erfahrungen bewegen die jetzigen Betreuer:innen der <em>Piso Thrania</em> im Positiven wie im Negativen?<br />
Zwei Beispiele:</p>
<ul>
<li><em>Das Musical</em><br />
2021 wurde ein Bühnenstück geprobt. Eine griechische Lehrerin hat dazu eine kleine Vorlage geschrieben. Die Handlung von „Ein Musical für 500 Euro“: Eine multikulturelle Clique vergnügt sich in einer Taverne. Als die Rechnung kommt, findet jeder eine hanebüchene Ausrede, um nicht oder wenig zu bezahlen. In diesem Rahmen sprechen die Schauspieler:innen Griechisch, singen aber in ihrer Muttersprache und tanzen. Die Aufführung, einschließlich der Lieder, dauerte etwa eine halbe Stunde.<br />
Wieso ein Theaterstück? Weil Übung den Sprachgebrauch fördert, das Selbstvertrauen stärkt und das Team zusammenschweißt. Die Leute, die mitmachten, waren vielleicht noch nie in einem Theater gewesen. Jetzt bekamen sie die Gelegenheit, ihren Alltag zu vergessen und in eine fremde Rolle zu schlüpfen. Sie sprachen einen fremden, griechischen Text und lernten, sich den Zuschauern zu stellen.<br />
Die Proben verliefen nicht unbedingt strukturiert. Denn die Teilnehmer:innen  kamen und gingen, zum Beispiel, weil sie einen Job gefunden hatten und ihr Zeitplan nun nicht mehr passte. Wichtig war aber, dass die Gruppe zusammenkam und im Stück mit Improvisation, Bewegung und hier auch mit Gesang aufging.<br />
Die erste Aufführung fand nach der Pandemie Anfang Juli 2022 beim jährlichen Athener Antirassistischen Festival statt, das an den drei Veranstaltungstagen an die dreißigtausend Besucher anlockte. Die Aufführung war ein großer Erfolg, eine Gelegenheit für die <em>Piso Thrania</em>, ihre Arbeit dem Publikum zu präsentieren. Im Oktober 2022 wurde das Stück dann auch im <em>Steki</em> aufgeführt.<br />
Die Teilnehmer:innen entwickelten untereinander eine große Verbundenheit – und ganz nebenbei löste sich auch ihre Zunge!</li>
<li><em>Die Verhaftungen</em><br />
Im selben Jahr (2022) wurden drei Schüler der <em>Piso Thrania </em>auf offener Straße von Sicherheitsorganen verhaftet, einer von ihnen auf dem Weg zur Sprachschule. Ein anderer, gerade einmal 20 Jahre alt, war bereits seit drei Jahren Sprachschüler und Mitglied der Theatergruppe. Ein Freund von ihm rief im <em>Steki</em> an und meinte, er sei verschwunden. Erst drei Tage später konnte der Verhaftete in einem Gefängnis geortet werden. Ihm war die Theateraufführung im Oktober gewidmet, an der er nicht teilnehmen konnte.<br />
Razzien, Verhaftungen und Abschiebungen sind immer eine große emotionale Belastung, auch für das Umfeld des Betroffenen. Natürlich findet  Hilfe auch auf der persönlichen Ebene statt, aber als Kollektiv möchte die Initiative nicht, dass nur eine Person die Last der praktischen und emotionalen Unterstützung trägt. Das Team kümmert sich mit gemeinsamen Entscheidungen und verteilt die Aufgaben auf mehrere Schultern. Den Inhaftierten werden Rechtsberater:innen vorgeschlagen und finanzieller Beistand für Gerichtskosten und ähnliches angeboten. Manche nehmen diese Hilfe an, andere nicht: Die Migrant:innen haben oft ihre eigenen Netzwerke, die manchmal effektiver sind als die von <em>Piso Thrania.</em></li>
</ul>
<p><strong>Die Zeitung</strong><br />
Die erste digitale Zeitung der <em>Piso Thrania</em> erschien im Januar 2022 (auf EL und EN, <a href="https://pisothrania.wixsite.com/website/projects-6?lang=en)">hier</a>) Es folgten Printausgaben, in denen (auch) Texte der Sprachschüler:innen  veröffentlicht werden.<br />
links: Deckblatt der Printausgabe 2023</p>

<a href='https://diablog.eu/alltagskultur/die-hinteren-schulbaenke-in-exarchia/attachment/pt-05_cover-zeitschrift/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="745" height="1024" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-05_Cover-Zeitschrift.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-05_Cover-Zeitschrift.jpg 745w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-05_Cover-Zeitschrift-218x300.jpg 218w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-05_Cover-Zeitschrift-450x619.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-05_Cover-Zeitschrift-500x687.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/alltagskultur/die-hinteren-schulbaenke-in-exarchia/attachment/pt-06_arleta/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="722" height="1024" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-06_Arleta.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-06_Arleta.jpg 722w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-06_Arleta-212x300.jpg 212w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-06_Arleta-450x638.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-06_Arleta-500x709.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 722px) 100vw, 722px" /></a>

<p>rechts: Texte zu den Lieblingsplätzen der Sprachschüler:innen</p>
<ul>
<li>[<em>aus dem Spanischen</em>]<br />
Ich besteige sehr gerne den Berg [eigentlich: Hügel] Lykabettus. Er ist der höchste Berg [eigentlich: Hügel] der Stadt, von dort aus hat man einen kompletten Überblick über die Stadt und den Ballungsraum Athen. Es ist unglaublich, dass es einen solchen Hügel mitten in der Stadt gibt. Wenn du bei Sonnenuntergang hochgehst, kannst du dir einen guten Platz aussuchen, um den Sonnenuntergang von oben zu erleben und die Farben des Himmels zu bewundern. <em>Estefan</em><em>ía</em></li>
<li>Der Strefi-Hügel liegt in Exarchia und ist ein sehr wichtiger Ort für den Alltag des Bezirks. Er ist nicht sehr hoch, aber von oben hat man einen atemberaubenden Blick auf Athen. Als ich das erste Mal in Athen war, konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Stadt so groß ist, und als ich auf diesen Hügel stieg, war ich schockiert, wie groß diese Stadt ist. Jetzt gehe ich oft hin, um den Sonnenuntergang zu sehen, und ich liebe es. <em>Didi</em></li>
<li>[<em>Abb. Mitte unten: eine Stele, auf der ein unbearbeiteter Stein ruht</em>]<br />
Ein Monument, das ich liebe, ist das Arleta-Denkmal. Arleta war eine berühmte Sängerin. Ihre Musik malt eine andere Welt als die heutige. Wenn ich ihre Lieder höre, denke ich an das Exarchia von früher: freier, unangepasster, ein Zentrum für Kunst und Kampf für Rechte. Ein Bezirk ohne Polizeidominanz, Konformisten – oder eben ohne Touristen.<br />
Das Denkmal für Arleta steht neben ihrem ehemaligen Haus. Als ich es das erste Mal sah, lief ich gerade schlecht gelaunt umher. Ich sah den Stein darauf im Schatten einiger Bäume und dachte: Was soll das sein? Als ich die Inschrift übersetzte, war ich sehr bewegt. Wie die Kraft von Arletas Musik veränderte sich daraufhin meine Stimmung. Arleta wird ewig leben &#8230; Ich hoffe, dass Exarchia noch ein bisschen länger leben wird. <em>Damien</em></li>
<li>Ich war letzten Sommer mit meinen Freundinnen auf Tinos.  Wir haben die Kirche besucht und ich fand es toll. Wir waren an vielen Stränden, sind geschwommen und haben uns gesonnt. Auch haben wir in vielen Tavernen gegessen, zum Beispiel Souvlaki und Salat. Auch die Schiffsüberfahrt war sehr schön. <em>Noora</em><em>, Äthiopien</em></li>
<li>Das ist ein Foto von Monastiraki. Mein Freund und ich gehen jeden Tag dorthin und ich liebe es, dort zu essen, zu trinken und herumzulaufen. Dort trinken wir Kaffee, hören Musik und schauen uns Leute an. Ich mag es, weil es einen sehr schönen Platz hat mit schönen Läden, Cafés und Tavernen. <em>Ali Rosa, Pakistan</em></li>
<li>Ein Ort, den ich mag, ist das Kino Trianon. In Italien ging ich zwar auch ins Kino, aber hier ist die Atmosphäre einladender. Mit meiner Eintrittskarte bekam ich eines Abends einen Schokoriegel mit dem Etikett des Trianon-Kinos. Die Leute dort sind freundlich und strahlen. Eine andere Sache, die ich schätze, sind die Tische, die im ganzen Kino verteilt sind, um den Leuten die Vorführung angenehmer zu machen. <em>Lucia, Italien</em></li>
</ul>
<p><strong>Heute und morgen</strong><br />
Die <em>Piso Thrania</em> war und ist im Bildungsbereich eine wohlbekannte Initiative, insbesondere unter Lehrenden, die sich mit Fragen der Gleichberechtigung und der Rechte von Kindern und erwachsenen Geflüchteten und Migrant:innen beschäftigen. In diesen Kreisen genießt sie ein sehr hohes Ansehen.<br />
Wünschen wir <em>Piso Thrania</em> weiterhin Kraft und breite finanzielle Unterstützung, um Migrant:innen und ausländischen Studierenden ganz allgemein Sprachkenntnisse und Bildungsmöglichkeiten zu bieten und den Aufbau praktischer Solidaritätsbeziehungen voranzutreiben – sowohl zwischen Einheimischen und Einwanderern, als auch zwischen Einwanderern aus verschiedenen Herkunftsländern!</p>
<p>::: <em>weiterführende Links</em>:<br />
Exarchia in Wiki <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Exarchia">hier</a> und <a href="https://athens-tourist-information.com/de/planen/stadtteile/exarchia">hier</a><br />
Die Web-Seite von Piso Thrania (auf EN) <a href="https://pisothrania.wixsite.com/website?lang=en">hier</a> mit Stadtplan<br />
Die Aktivitäten der Initiative <a href="https://pisothrania.wixsite.com/website/support-us">hier</a> (auf EL, EN, Arabisch, Persisch, Französisch und Kurdisch), gut zum Stöbern; u.a. mit Sprachbüchern zum Herunterladen <a href="https://pisothrania.wixsite.com/website/%CE%B2%CE%B9%CE%B2%CE%BB%CE%AF%CE%B1?lang=en">hier</a><br />
Neuerer Artikel zu Arleta <a href="https://www.protagon.gr/apopseis/oi-topoi-oi-atakes-kai-o-trelos-tis-arletas-44342986906">hier</a> (auf EL)</p>
<p><em>Text und Übersetzungen: A. Tsingas. Mit Dank für Daten, Material und Einblicke an I.M. und C.K. Fotos: Ta Piso Thrania.</em></p>
<hr />
<p><strong>Anhang</strong><br />
Das heutige Selbstverständnis der Initiative ist am besten am aktuellen Flyer abzulesen:</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-13533 alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-09_Flyer-1-1.jpg" alt="" width="400" height="533" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-09_Flyer-1-1.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-09_Flyer-1-1-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-09_Flyer-1-1-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/pt-09_Flyer-1-1-500x667.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></p>
<h5><strong>Seite 1, Deckblatt:</strong></h5>
<p>Was wir wollen,<br />
<strong>kennt keine Grenzen!</strong><br />
Dafür kämpfen wir!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ta Piso Thrania </strong>(Die hinteren Schulbänke)<br />
Initiative Bildung ohne Diskriminierung<br />
Netzwerk zur sozialen Unterstützung von Flüchtlingen und Migranten<br />
Steki Metanaston, Tsamadou 13, Exarchia, Tel. 6972437524, email: pisothraniasteki@gmail.com</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-13754" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_2.jpg" alt="" width="400" height="533" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_2.jpg 838w, https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_2-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_2-768x1024.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_2-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_2-500x666.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></p>
<h5><strong>Seite 2:</strong></h5>
<p><strong>Die Schüler</strong><br />
<em>„In meinem Dorf Bamyan in Afghanistan gibt es viele Kaltwasserquellen. Es gibt dort viele Berge und sehr alte Felsreliefs.“</em><br />
<em>„Aufgewachsen bin ich in einer kleinen Stadt in Zentralpersien, etwa zehn Minuten nördlich von Isfahan. Die Stadt heißt Shahin Shahr und hat etwa 200.000 Einwohner. Die meisten der Einwohner sind jung.“</em><br />
Worte von Menschen, die kilometerweit zu Fuß gelaufen sind und dann in Booten die Ägäis überquert haben, um ihren Traum vom Westen zu verwirklichen. Diejenigen, die es eines Tages schaffen, dorthin zu gelangen, sind mit Verfolgung, Ausgrenzung, Demütigung, Missachtung der grundlegenden Menschenrechte und der Menschenwürde sowie Rassismus konfrontiert.<br />
Unsere Wege kreuzen sich im Netzwerk zur sozialen Unterstützung von Flüchtlingen und Migranten.<br />
Eine Gruppe aus Bangladesch wollte Griechisch lernen und eine Gruppe Griechen startete daraufhin den Unterricht. Auf diese Weise entstand 1998 die Initiative <em>Ta Piso Thrania</em>. Es war die Sprache, die aus der Not dieser Menschen unseren Akt der Solidarität machte.<br />
<strong>Die Lehrer</strong><br />
Unser Team ist dynamisch, vielfältig und vielseitig. Einige sind Lehrer, manche Studenten, andere kommen aus anderen Berufen, es sind Griechen oder Einwanderer; alle zusammen entwickeln wir in kollektiven Prozessen unsere Aktivitäten, die viele Bereiche umfassen.</p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-13756" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_3.jpg" alt="" width="400" height="533" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_3.jpg 778w, https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_3-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_3-768x1024.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_3-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_3-500x666.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></p>
<h5><strong>Seite 3:</strong></h5>
<p><strong>Unsere Aktivitäten</strong></p>
<ul>
<li>Wir erteilen Sorachunterricht in Griechisch, Englisch, Französisch und Arabisch für Migrant:innen und Geflüchtete.</li>
<li>Wir beteiligen uns an Diskussionen und Veranstaltungen, die die Integration von Migrant:innen fördern.</li>
<li>Wir empfehlen eine kommunikativ-erfahrungsorientierte Unterrichtsmethode.</li>
<li>Wir organisieren Bildungs- und Freizeitexkursionen zu Museen, archäologischen Stätten, Fotoausstellungen usw.</li>
<li>Wir spielen Theater und besuchen Theateraufführungen anderer Amateurgruppen.</li>
<li>Wir treffen uns einmal die Woche im Migrantentreff mit multiethnischer Musik, Tanz und Gesang. Mit unseren Schülerinnen und Schülern übernehmen wir den Betrieb der Theke.</li>
<li>Wir beteiligen uns an der Organisation des jährlichen Antirassistischen Festivals Athen.</li>
<li>Unsere Teilnahme an Demonstrationen, Kundgebungen und Mobilisierungen gegen jegliche rassistische und einwanderungsfeindliche Politik macht die Grundlage unserer praktischen Solidarität aus.</li>
</ul>
<hr />
<h5><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-13758" src="https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_4.jpg" alt="" width="400" height="533" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_4.jpg 811w, https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_4-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_4-768x1024.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_4-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/08/2024_4-500x666.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><strong>Seite 4, Rückseite:</strong></h5>
<p><strong>Der Unterricht</strong><br />
Die Erfahrungen, die wir bei der Entwicklung unseres eigenen Lehrmaterials gemacht haben, spiegeln sich zum Teil im Sammelschuber wider, den wir 2009 unter dem Titel „Zehn Jahre Reisen mit unseren Schülern“ veröffentlicht haben. Unser eigenes Lehrmaterial haben wir erstellt, um den Unterricht an die Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler anzupassen und herauszufinden, was sie am ehesten zum Lernen motiviert.</p>
<p>Der Griechischunterricht findet werktags (montags bis freitags) im Migrantentreff (Tsamadou 13) statt, 18:00-20:00 Uhr. Die Schüler:innen werden je nach Sprachniveau in Klassen eingeteilt. Auch gibt es Sprachunterricht in Englisch, Französisch und Arabisch. Die Unterrichtsmethode ist kommunikativ-erfahrungsorientiert, in jeder Klasse sind zwei Lehrende zugegen.</p>
]]></content:encoded>
					
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			</item>
		<item>
		<title>Der Autor Sotiris Dimitriou und der Architekt Aris Konstantinidis</title>
		<link>https://diablog.eu/literatur/prosa/der-autor-sotiris-dimitriou-und-der-architekt-aris-konstantinidis/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Jun 2024 15:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Künste]]></category>
		<category><![CDATA[Prosa]]></category>
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					<description><![CDATA[Dimitrious Erzählung „Gefäße des Lebens“ ist eine Ode an das Xenia- Motel in Igoumenitsa, an der Westküste Griechenlands, wo die Fähren aus Italien ankommen. Der Autor Sotiris Dimitriou wurde 1955 geboren und ist im Literaturgeschäft ... <p class="read-more-container"><a title="Der Autor Sotiris Dimitriou und der Architekt Aris Konstantinidis" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/prosa/der-autor-sotiris-dimitriou-und-der-architekt-aris-konstantinidis/#more-12839" aria-label="Mehr Informationen über Der Autor Sotiris Dimitriou und der Architekt Aris Konstantinidis">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Dimitrious Erzählung „Gefäße des Lebens“ ist eine Ode an das Xenia- Motel in Igoumenitsa, an der Westküste Griechenlands, wo die Fähren aus Italien ankommen.</p>
<p>Der Autor Sotiris Dimitriou wurde 1955 geboren und ist im Literaturgeschäft ein alter Hase. Seine zahlreichen Bücher wurden wiederholt ausgezeichnet. Seine 420 Seiten starke neue Erzählsammlung „Mia Maria Tzafou&#8220; (Μια Μαρία Τζάφου; Eine gewisse Maria Tzafou) kam im Juli 2023 heraus und beinhaltet ein großes Spektrum von (Kurz-)Geschichten der Alltäglichkeit. Sie sind unerwartet und manchmal befremdlich, extrem lustig bis dramatisch, spielen sowohl an den Grenzen des Landes als auch im Herzen der Städte. Ein Mosaik von Protagonisten, die in ihrem Dutzendleben in der Regel an sich selbst oder an den Umständen scheitern. Der Autor stellt die Frage „Kann sich denn ein Mensch als Gewinner betrachten?“</p>
<p data-wp-editing="1"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12848" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-1-450x646.jpg" alt="" width="350" height="502" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-1-450x646.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-1-209x300.jpg 209w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-1-500x717.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-1.jpg 591w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" /></p>
<p><strong>Das Buch</strong><br />
Sotiris Dimitriou: Mia Maria Tzafou (nur auf EL)<br />
Verlag Patakis, Athen 2023, 432 Seiten<br />
ISBN      9789601662039<br />
2023 in der Shortlist des Literaturmagazins „O anagnostis“</p>
<p>Besonders gut gefallen hat mir daraus die Erzählung „Docheia Zois“ (Gefäße des Lebens), ist sie doch eine Ode an ein Motel in Igoumenitsa, dem ersten Hafen im Westen Griechenlands, an dem die Fähren aus Italien anlegen. Dieses Motel wurde vom renommierten (und umstrittenen) Architekten Aris Konstantinidis geplant und 1959-1960 realisiert.</p>
<p><strong>Der Kontext</strong><br />
Der in München ausgebildete Architekt Aris Konstantinidis hat zwischen 1957 und 1967 mehrere Hotelanlagen für die griechische Fremdenverkehrszentrale EOT realisiert. Das Ziel der staatlichen Organisation war, Hotels und Motels an ausgewählten Orten zu errichten, um dem aufkommenden Massentourismus gerecht zu werden. Alle diese Bauten erhielten den Namen „Xenia“, elf davon wurden von Konstantinidis geplant und ausgeführt. Diese Hotelbauten wurden mit großzügigen Gemeinschaftsräumen ausgestattet, um mehr Menschen als nur die Anzahl der Hotelgäste aufnehmen zu können. Die ursprüngliche Planung sah zur besseren Integration der Gebäude vor, Interessierte und Anwohner der weiteren Umgebung dort weilen zu lassen.</p>
<p>In den späten 1980er Jahren erwies sich der Staat als zunehmend unfähig, die Rolle des Gastgebers zu übernehmen. Die Anforderungen auf dem Tourismusmarkt wandelten sich und die Xenia-Bauten wurden immer mehr vernachlässigt und schließlich aufgegeben. Das letzte staatliche Xenia-Hotel in Paliouri auf der Chalkidiki stellte 1997 den Betrieb ein.</p>
<p>Konstantinidis bezeichnete in seinen zahlreichen Schriften Gebäude mehrfach als „<strong>Gefäße des Lebens</strong>“, als vergängliche Behälter ohne Anspruch auf Ewigkeit. Der Wandel der Zeit sollte ihm in dieser Hinsicht Recht geben. Nicht mehr gebraucht stehen heute die Xenia mancherorts halb verfallen, vandalisiert und von Pflanzen überwuchert da – wenn sie denn nicht abgerissen wurden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12854" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-4.jpg" alt="" width="1003" height="408" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-4.jpg 1003w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-4-300x122.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-4-768x312.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-4-450x183.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-4-500x203.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1003px) 100vw, 1003px" /><br />
<em>Igoumenitsa, Ansicht der Anlage 1960; </em><em>Quelle</em> <a href="https://www.ribapix.com/motel-xenia-igoumenitsa_riba78809">hier</a></p>
<p><strong>Die Erzählung</strong></p>
<h4><strong>Gefäße des Lebens</strong></h4>
<p>Alle Gebäude – insbesondere die öffentlichen – haben eine pädagogische Funktion inne. Es ist ein stiller Zeitreisender, dem die Essenz seines Schöpfers auf die Stirn geschrieben steht.<br />
Wir Schulkinder der 1970er Jahre hatten im Xenia-Hotel unserer Stadt einen stummen, doch sehr beredten Lehrer. Es ist das Werk von Aris Konstantinidis, der nicht nur in unserem Land eine Architekturlegende war. Igoumenitsa war damals eine Kleinstadt, strukturell ärmer als die Natur – was auch so sein sollte. Das war nämlich auch das Hauptanliegen von Konstantinidis. Das Gebäude sollte die Natur nicht in den Schatten stellen, sondern mit ihr harmonieren oder, noch besser, sich in sie einfügen – und sei es nur auf eine fantasievolle Weise.<br />
Ich denke, dass der Architekt bei seinem ersten Kontakt mit Igoumenitsa verzaubert war. Wie kann man dieses Βeschenktwerden rückvergüten? Igoumenitsa war damals – und ist es immer noch – ein optischer Genuss. Ein kleiner Meeresbusen  – fast wie ein kleiner See –, freundliche Berge, das Ufer eine Reihe aufeinanderfolgender Buchten. Weder gebirgig noch maritim – etwas dazwischen. Der kleine Golf: nahezu wellenlos, sogar im Winter, wegen der vorgelagerten Insel Korfu; milde, fast liebliche Winter wegen des vorgelagerten Pindos-Gebirges. Stadt und Natur in einem absolut humanen Maßstab. Anschaulich, begehbar, konzentrisch – bei etwas rascherem Schritt kam man überall hin.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12844" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-7.jpg" alt="" width="784" height="292" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-7.jpg 784w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-7-300x112.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-7-768x286.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-7-450x168.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-7-500x186.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 784px) 100vw, 784px" /><br />
<em>Igoumenitsa, Eingang zum Xenia-Motel, 1960; Quelle</em> <a href="https://www.igoumenitsamuseum.gr/images/text_files/124769496659c66e1a50f5b1.64021250.pdf">hier</a>; <em>Architectural Press Archive / RIBA Library Photographs Collection</em></p>
<p>Konstantinidis΄ Gegengeschenk auf dieses <em>tableau vivant</em> war das Hotel Xenia. Und so kam es am westlichen Ende der Stadt zu diesen herrlichen ebenerdigen und einstöckigen Gebilden. <em>Gefäße des Lebens</em> nannte sie der Architekt selbst. Modern gehalten in warmen Farben: rot, blau, gelb.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-12878 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958.jpg" alt="" width="500" height="246" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958-300x148.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958-450x221.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><br />
<em>Andros: Die Farbigkeit von Konstantinidis am Beispiel des Xenia Andros, 1958</em><br />
<em>Quelle</em> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xenia_(Hotel)">hier</a></p>
<p>Gestrichener Sichtbeton, ein Material, das der Architekt sehr mochte. Zement, ein Material, über das Griechenland zum Glück in Hülle und Fülle verfügte, und das dem Land in Zeiten der Not immer beigestanden hat.<br />
Plötzlich sahen wir die Bauten, in denen wir gerne leben würden. Schwerelose Gebäude, von ihrer Materialität unbelastet. Im Gegenteil, sie wirkten fast luftig. Und sie beseelten den Betrachter sanft, fast unmerklich, mit ihrer klaren Schönheit. Die Bauwerke waren umgeben von rosarotweißen Oleanderpflanzen. Die roten dufteten, die rosa weniger, die weißen gar nicht. Vielleicht ist der Oleander das Gewächs, das die geheimsten sommerlichen Sehnsüchte auslöst<em>.</em><br />
Auch heute gehe ich bei meinen ehemaligen Klassenkameraden dem wohltuenden Kontakt mit der Stadt, der Natur und dem Xenia in ihrer ersten Lebensphase nach. Denn Igoumenitsa war nicht immer eine Transit-Stadt gewesen. Mehrere Sommer lang war das Hotel voller Touristen, gebracht von den beiden großen Schiffen der Fährlinie, der <em>Appia</em> und der <em>Egnatia</em>, die – welch wunderlicher Zufall – die gleichen Farben wie das Xenia trugen.<br />
Die Parallelen waren leicht erkennbar. Die Bauten des Xenia, kleine Schiffe, die gerade von den Meereswellen angespült wurden und die beiden Fähren, schöne, fahrende Bauwerke.<br />
Die Schiffe machten uns, durch die Öffnung des Meeres nach Westen, imaginär zu Weltbürgern. Und Xenia stärkte unser Selbstvertrauen, verhieß eine interessante und übermütige Zukunft.<br />
Ich habe mich immer gefragt, welchen ersten Eindruck wohl unsere Stadt dem Seereisenden vermittelt.<br />
Nach Jahren in Athen erzählte mir eine Deutsche, dass sie Igoumenitsa beim Einlaufen der Fähre konzentriert und verzaubert betrachtete. Was, glauben Sie, hat ihren Blick gebannt? Die 2. Grundschule im Hafen und die im Hof spielenden Kinder. Ein Bild, das für sie zu einer bleibenden Erinnerung wurde. Auch diese Schule ist architektonisch sehr schlicht gehalten, ohne jeglichen Schnickschnack, in den Farben des Xenia. Hätten sich Igoumenitsas Einwohner an Konstantinidis&#8216; Farbpalette gehalten, wäre die Stadt heute eine wahre Farbenpracht.<br />
Heute ist sie ein dichtes, urbanes Gefüge mit großen, heterogenen Gebäuden an der Uferpromenade. Sie zerstören das natürliche Halbrund von Igoumenitsa, das an die Zuschauertribüne eines antiken Theaters erinnerte. Aber wer kann sich schon gegen die Bedürfnisse der jeweiligen Zeit, gegen den Fluss des Lebens stellen? Haben anarchische architektonische Ausgeburten schließlich nicht auch eine eigene, ungeordnete Schönheit? Wahlfreiheit ist zudem voll und ganz von der Kenntnis abhängig. Dann trägt sie die schönsten Blüten.</p>
<p><em><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12842 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-6-500x375.jpg" alt="" width="500" height="375" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-6-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-6-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-6-450x337.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-6.jpg 766w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" />Igoumenitsa, Quelle </em><a href="https://www.igoumenitsamuseum.gr/images/text_files/124769496659c66e1a50f5b1.64021250.pdf">hier</a><em>. Foto: Dimitris Papadimos, 1960; Archiv ELIA-MIET</em></p>
<p>Vor einigen Jahren wurde das Xenia glücklicherweise vom Archäologischen Zentralrat Griechenlands unter Denkmalschutz gestellt. Den Schulkomplex innerhalb des Xenia-Bereichs zu bauen war eine üble, meines Erachtens eine äußerst üble Entscheidung. Ein Baukomplex, der das Hotel-Ensemble trübt. Wenn man daran vorbeigeht, zieht sich das Herz zusammen.<br />
Besaß denn die Stadt nicht anderswo noch öffentliches Land? Manchmal ist Abreißen besser als das Errichten.<br />
Wie schön wäre es doch, denke ich, wenn wir dieses farblose, unpassende Gebäude abreißen und das Xenia mit den Original-Farben, die noch zu sehen sind, neu streichen könnten. Ohne es damit einem bestimmten Zweck zuzuführen. Die nutzlose Nutzung, um ein Wortspiel zu gebrauchen, ist oft drastischer und nützlicher. Damit sich dieser Bereich auf natürliche Weise mit der angrenzenden breiten Uferpromenade verbindet, die so viele Menschen anzieht. Das Xenia als Endpunkt der Promenade, um so dieses Schmuckstück zu einer für alle offene Schule der Schönheit zu machen. Noch besser wäre es, neben dem Tennisplatz den kleinen Fluss, der ins Meer mündet, bis zur Promenade freizulegen. Dieses Flüsschen unserer Kindheit mit seinen Kaulquappen und dem Schilf, das sogar im Sommer floss – und immer noch fließt. Wenn man dann auch noch das Museum und Xenia durch eine Fußgängerbrücke verbinden würde, entstünde ein vorzügliches Dreieck der Muße und des Lernens.<br />
Wegen der Seuche seit vielen Monaten in dieser Stadt beheimatet, wandere ich täglich über die Landstraßen. Dank der hohen Niederschläge erblüht die Natur auch im Winter. Natürlich sieht man oft Blümchen in den blassen Farben des Winters, hier und da sogar einige Farbtupfer. Auf jeden Fall breitet sich das Grün – fast frühlingshaft – überall aus. Ich befand mich auf der Schotterstraße nach Nea Seleukia, vielleicht einem der schönsten Landstriche überhaupt. An einem wahrscheinlich einräumigen Haus sah ich drei, vier Romakinder, die ungestüm voller Kraft und Lebensfreude spielten. Sobald sie mich erblickten, lachten sie auf und sahen mich reinen Blickes, wenn auch mit einer gewissen Frechheit an. Ihr Lachen war jedoch gutmütig.<br />
Ich lief weiter, wollte aber unbedingt umkehren, um die Szene noch einmal zu sehen. Auf dem Rückweg betrachtete ich alles schwärmerisch. Natürlich im Vorbeigehen, ohne zu verweilen.<br />
Man konnte durch die Fenster schauen, irgendwo hing eine uralte, hochgezogene Jalousie. Aus einem der Fenster ragte ein Ofenrohr. Lange nicht mehr gestrichen, konnte man vermuten, dass das Haus einmal cyanblau-grau gewesen war, ähnlich wie das schöne Gebäude der Präfektur vor der unglücklichen Renovierung, die ihm den Charakter raubte. Draußen hatte die Hausfrau Geschirr und Küchenutensilien auf einem kleinen Tisch stehen. Es roch rauchig, feucht und nach dem Grün der Umgebung. Welcher Assoziation es nun auch geschuldet war – ich brachte dieses bescheidene Haus mit dem Xenia in Verbindung. Hülle eines, Tag für Tag, unbeschwerten Lebens, ohne jede seelische Belastung oder Arroganz. Verleiht uns der Kontakt zu einem Straßenbengel, einem Frechdachs, nicht eine gewisse Leichtigkeit? Auf eine ähnliche Art und Weise war das auch hier so. Ich bin mir sicher, dass Konstantinidis, dieser volksnahe Ästhet, an diesem Haus nicht die geringste Veränderung vorgenommen hätte. Vielleicht hätte er es nicht einmal gestrichen. Beim Gehen fiel mir eines der kleinen Mädchen auf, das den ungepflegten, aber nicht schmutzigen betonierten Hof mit einem Mopp wischte.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12846" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-8.jpg" alt="" width="1024" height="434" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-8.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-8-300x127.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-8-768x326.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-8-450x191.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-8-500x212.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Igoumenitsa, gegenwärtige Situation: Das Xenia eingebettet in die örtliche Fachhochschule, die heute zur Universität Ioannina gehört; </em><em>Archiv EFA Thesprotias, Quelle</em> <a href="https://www.igoumenitsamuseum.gr/images/text_files/124769496659c66e1a50f5b1.64021250.pdf">hier</a>; <em>PDF mit Bibliographie</em></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12850" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-2-150x150.jpg" alt="" width="200" height="150" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-2-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-2-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-2-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-2-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-2.jpg 962w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></p>
<p><em>Quelle </em><a href="https://bookpress.gr/sinenteuxeis/ellines/18872-sotiris-dimitriou-i-arnisi-trefei-ton-logotexni-ton-vgazei-apo-ton-steno-kyklo-tis-egopatheias">hier</a></p>
<p><strong>Der Autor</strong><br />
<strong>Sotiris Dimitriou</strong>, geboren 1955 in Povla, gelegen in der westlichsten griechischen Region Thesprotia, wuchs in Igoumenitsa auf. In der Literaturszene erschien er 1985 mit einer Gedichtsammlung.<br />
Dimitriou wurde mit dem Kurzgeschichtenpreis der Zeitung „Ta Nea“ und zweimal mit dem Kurzgeschichtenpreis der Literaturzeitschrift „diavazo“ ausgezeichnet. Sein Roman <em>Lass es dir gut gehen </em>(Originaltitel: Ν’ ακούω καλά τ’ όνομά σου; s. auch weiter unten) wurde für den Europäischen Literaturpreis nominiert. Texte von ihm sind ins Englische, Deutsche und Niederländische übersetzt und auch verfilmt worden.</p>
<p><strong>Sotiris Dimitriou bei der Edition Romiosini</strong><br />
Sein bereits erwähnter Roman <em>Lass es dir gut gehen</em> in der Übersetzung von Birgit Hildebrand <a href="https://bibliothek.edition-romiosini.de/catalog/book/10">hier</a><br />
Der viel gelobte Roman aus dem Jahr 1993 erzählt Geschichten und schafft Bilder, die das aktuelle Flüchtlingsdrama ebenso vergegenwärtigen wie das Leben dreier Generationen in zwei verschiedenen Welten.</p>
<p>Die <strong>Edition Romiosini</strong> gibt griechische bzw. griechenlandbezogene Literatur in deutscher Sprache heraus und bietet alle Bücher zur kostenlosen Online-Lektüre an. Sie können dieses Buch online lesen, dazu müssen Sie sich registrieren – kostenlos und äußerst benutzerfreundlich.</p>
<p>::: <em>Sotiris Dimitriou auf Biblionet</em> <a href="https://biblionet.gr/%CF%80%CF%81%CE%BF%CF%83%CF%89%CF%80%CE%BF/?personid=1748">hier</a> <em>(auf EL) mit all seinen Buchtiteln, die auf Kritiken seiner Werke verweisen.</em></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12852" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-3.jpg" alt="" width="200" height="150" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-3.jpg 867w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-3-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-3-768x577.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-3-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-3-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></p>
<p><strong>Der Architekt</strong><br />
<strong>Aris Konstantinidis</strong> (1913-1993) studierte1931-1936 er an der TU München. Danach war er in der Athener Stadtplanung sowie im Bauministerium tätig. 1955-1975 war er für den Bau von Sozialwohnungen zuständig und 1957-1967 Leiter des Xenia-Programms der EOT. Gleichzeitig realisierte er zahlreiche Projekte für private Auftraggeber.<br />
1951 heiratete er die später namhafte Bildhauerin Natalia/Nata Mela. Der Sohn des Paares Dimitris Konstantinidis wurde Architekt, die Tochter Alexandra Tsoukala Designerin.<br />
Nach dem griechischen Militärputsch 1967 trat Konstantinidis aus Protest von seinen Ämtern zurück, nahm eine Gastprofessur an der ETH Zürich an und wurde Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Nach dem Fall der Junta kehrte er nach Griechenland zurück und arbeitete als Berater der EOT. Die Universität Thessaloniki verlieh ihm 1978 die Ehrendoktorwürde. 1993 nahm er sich in Athen das Leben, ein Fakt, der in seinen griechischen Biografien meistens verschwiegen wird.</p>
<p>::: <em>Aris Konstantinidis in Wikipedia</em> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aris_Konstantinidis">hier</a><br />
::: <em>Xenia-Hotels und -Motels in Wikipedia</em> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Xenia_(Hotel)">hier</a><br />
::: <em>Video zu Konstantinidis auf YouTube</em> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=12ljoLcUz8Q&amp;t=10s">hier</a> <em>(leider nur auf EL; 13m 47s)</em><br />
::: <em>719 Architekturpläne im Archiv des Benaki-Museums</em> <a href="https://www.benaki.org/index.php?option=com_collections&amp;view=creator&amp;id=553&amp;lang=el&amp;collectionId=57&amp;lang=en">hier</a> <em>(auf EN)</em><br />
::: <em>Fotos zum Zustand des Xenia-Motels Igoumenitsa 2014</em> <a href="https://architextus.blogspot.com/2013/12/01.html">hier</a><br />
::: <em>Natalia/Nata Mela</em> <a href="https://el.wikipedia.org/wiki/%CE%9D%CE%B1%CF%84%CE%B1%CE%BB%CE%AF%CE%B1_%CE%9C%CE%B5%CE%BB%CE%AC">hier</a> <em>(auf EL)</em></p>

<a href='https://diablog.eu/literatur/prosa/der-autor-sotiris-dimitriou-und-der-architekt-aris-konstantinidis/attachment/sdak-9_farbigkeit-am-beispiel-der-xenia_andros_1958/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="500" height="246" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958-300x148.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-9_Farbigkeit-am-Beispiel-der-Xenia_Andros_1958-450x221.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/literatur/prosa/der-autor-sotiris-dimitriou-und-der-architekt-aris-konstantinidis/attachment/sdak-10/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="615" height="394" src="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-10.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-10.jpg 615w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-10-300x192.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-10-450x288.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/05/sdak-10-500x320.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 615px) 100vw, 615px" /></a>

<p class="textinfo"><em>Kurzgeschichte: Sotiris Dimitriou (in der Übersetzung von A. Tsingas) mit freundlicher Genehmigung des Verlags Patakis. Präsentation: A. Tsingas. Abbildungen: siehe begleitende Quellenangaben. Beitragsbild: KI.<br />
</em></p>
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		<title>Die unbeugsame Manto Mavrogenous</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Mar 2024 17:54:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alltagskultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Mantó Mavrogenous war nicht nur eine mutige Kämpferin, sondern auch eine gebildete Frau, die mehrere Sprachen sprach und sich gegen die gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit auflehnte. 2021 gab das Nationale Historische Museum (Εθνικό Ιστορικό Μουσείο; ... <p class="read-more-container"><a title="Die unbeugsame Manto Mavrogenous" class="read-more button" href="https://diablog.eu/alltagskultur/die-unbeugsame-manto-mavrogenous/#more-12552" aria-label="Mehr Informationen über Die unbeugsame Manto Mavrogenous">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Mantó Mavrogenous war nicht nur eine mutige Kämpferin, sondern auch eine gebildete Frau, die mehrere Sprachen sprach und sich gegen die gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit auflehnte<em>.</em></p>
<p>2021 gab das Nationale Historische Museum (Εθνικό Ιστορικό Μουσείο; im alten Parlamentsgebäude in Athen, <a href="https://www.nhmuseum.gr/en/about-us">hier</a> auf EN) linierte Schreibhefte mit diesem Deckblatt heraus:</p>
<p data-wp-editing="1"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12565 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-5_Schulheft-Kringel-450x590.jpg" alt="" width="450" height="590" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-5_Schulheft-Kringel-450x590.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-5_Schulheft-Kringel-229x300.jpg 229w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-5_Schulheft-Kringel-768x1007.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-5_Schulheft-Kringel-500x656.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-5_Schulheft-Kringel.jpg 781w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p>Abgebildet sind stilisierte Heroen des Befreiungskriegs 1821 gegen das Osmanische Reich. Unter den 12 abgebildeten Personen befinden sich zwei Frauen, Laskarina Bouboulina (unterste Reihe 2.v.r.) und Mantó Mavrogenous (mittlere Reihe, 2.v.l.). Es sind die sichtbarsten Heldinnen des Unabhängigkeitskriegs. Aber auch sie werden oft unterschätzt und übersehen. Die Frauen der damaligen Zeit wurden zu Randfiguren degradiert, die Furchtlosen, die Kühnen, die Feurigen, die Unorthodoxen, insbesondere solche wie Mantó Mavrogenous; sie galten als verrückt und wurden ausgestoßen.</p>
<p><strong>Die Familie Mavrogenous</strong><br />
Magdalini-Adamantia Mavrogenous, genannt Mantó, wurde als 5. Kind 1796 (oder 1797) in Triest in eine wohlhabende Familie geboren. Die Informationen über ihr Leben und Werk stammen hauptsächlich von Philhellenen (wie z.B. dem Franzosen Jean-François-Maxime Raybaud und dem Iren Edward Blaquiere), die von ihrer Schönheit und ihrer Persönlichkeit fasziniert waren.<br />
Ihr Vater Nikolaos wurde als Spross der namhaften Phanarioten-Familie Mavrogenis (zum Istanbuler Stadtviertel Phanar/Fener <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Fener">hier</a>) auf Paros geboren. In Bukarest war er Spatharis (Adjutant) des Herrschers von Moldawien. Später zog er nach Triest/Italien, wo er Handel trieb. Mantós Mutter, Zacharati Hatzi Bati, war auf Mykonos geboren, ihre Familie stammte aber aus Sparta. In ihren Händen lag die Buchhaltung der Handelsgeschäfte ihres Ehemanns. Mantó genoss in Triest eine umfassende private Erziehung im Sinne der Aufklärung (u.a. antike Geschichte und Philosophie) und wuchs polyglott auf, sprach Italienisch, Französisch, Englisch, Griechisch und Türkisch.</p>
<p>Nach dem Tod des Vaters 1818 zog die Familie nach Tinos. Mantó Mavrogenous hatte sich mit 18 dem Geheimbund Filiki Eteria angeschlossen, der die Befreiung Griechenlands von den Osmanen und die Errichtung einer modernen griechischen Republik erwirken wollte. (Filiki Eteria <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Filiki_Eteria">hier</a>) Frauen durften dem Geheimbund nur selten beitreten. Dass für sie einen Ausnahme gemacht wurde, spricht für den Einfluss ihrer Familie und den Willen von Mantó selbst.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12567 size-singlepost-thumb alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-6_Kinderbuch-450x455.jpg" alt="" width="450" height="455" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-6_Kinderbuch-450x455.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-6_Kinderbuch-296x300.jpg 296w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-6_Kinderbuch-500x506.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-6_Kinderbuch.jpg 583w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><em>links: Die zwei Superheldinnen des griechischen Befreiungskriegs auf dem Deckblatt des Kinderbuches „Zwei Frauen in der Revolution“ von F. Mandilaras. </em><em>ISBN: 9789604846412.</em><em> Mantó ist links.</em></p>
<p><strong>Tatkräftig</strong><br />
Familie Mavrogenous zog bald weiter nach Mykonos.<br />
Im Englischen sagt man <em>Don´t jugde a book by its cover</em>. Mantó Mavrogenous ist dafür ein glänzendes Beispiel. Eigentlich traut man dieser schmalen jungen Frau weder die äußere noch die innere Kraft und Ausdauer zu, die sie bald an den Tag legen sollte: Nach dem Ausbruch der Griechischen Revolution 1821 stattete sie auf eigene Kosten Schiffe und Mannschaften aus, mit denen sie Piraten verfolgte, die Mykonos und andere Kykladeninseln angriffen. Nach der Zerstörung von Chios versuchte ein Geschwader algerischer Schiffe mit 200 Mann auf Mykonos zu landen, musste sich aber nach dem von Mavrogenous organisierten Widerstand der Inselbewohner zurückziehen. Am 22. Oktober 1822 wehrten die Mykonier erneut unter ihrer Führung Osmanen ab, die auf der Insel gelandet waren. Sie rüstete 150 Männer für einen Feldzug auf der Peloponnes aus und schickte Truppen und finanzielle Unterstützung nach Samos, als die Insel von den Osmanen bedroht wurde. Später entsandte Mavrogenous ein weiteres Korps von 50 Mann auf die Peloponnes, das sich an der Belagerung und Einnahme der Stadt Tripolitsa beteiligte. Auch gab sie Geld aus, um die Familien von Soldaten zu unterstützen und eine Expedition nach Nordgriechenland vorzubereiten (wobei sie von vielen Philhellenen unterstützt wurde).<br />
Später finanzierte sie eine Flottille von sechs Schiffen und ein Infanteriecorps von 800 Mann, mit denen sie 1822 an Militäroperationen bei Karystos/Euböa teilnahm. Sie finanzierte auch den Chios-Feldzug, konnte aber das Massaker von Chios am 30. März 1822 nicht verhindern. Eine weitere Gruppe von 50 Mann wurde zur Verstärkung in die Schlacht bei Dervenakia entsandt. Als die osmanische Flotte in den Kykladen auftauchte, kehrte sie nach Tinos zurück und verkaufte ihren Schmuck, um die Versorgung und Ausrüstung von 200 Mann zu finanzieren, die gegen den Feind kämpften, und nahm sich finanziell auch 2.000 Menschen an, die die erste Belagerung von Messolonghi Anfang 1823 überlebt hatten. Ihre Männer beteiligten sich an mehreren Kriegsoperationen, darunter die im Pilion (gegen Selim Pascha aus Hadrianopel, der eine Armee von 12.000 Osmanen befehligte), Fthiotida und Livadia.<br />
Mantós Todesmut befeuerte ihre Mannschaften. Mehrmals soll sie von Waffenbrüdern vor dem sicheren Tod im Kampf gerettet worden sein. Zusammen mit Laskarina Bouboulina war sie die einzige Kommandant<strong>in</strong> des Unabhängigkeitskriegs.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12573 size-singlepost-thumb alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-7_Rahmen-1827-kl-450x564.jpg" alt="" width="450" height="564" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-7_Rahmen-1827-kl-450x564.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-7_Rahmen-1827-kl-239x300.jpg 239w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-7_Rahmen-1827-kl-768x963.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-7_Rahmen-1827-kl-500x627.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-7_Rahmen-1827-kl.jpg 817w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><em>links: <span class="mw-mmv-title">Portrait Mantó Mavrogenous, Nationales Historisches Museum Athen; Kopie einer Lithographie von Adam Friedel, 1827. Quelle <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Manto_Mavrogenous">hier</a>, wo auch weitere Abb. zu ihr zu finden sind.  </span></em></p>
<p><strong>Werben für Hellas</strong><br />
Gleichzeitig warb Mavrogenous  mit offenen Briefen um finanzielle Unterstützung der kämpfenden Griechen. Ihre Briefe wurden von Philhellenen in westeuropäischen Zeitungen veröffentlicht und lösten große Sympathie aus. In einem Brief an die „Pariser Frauen“ schreibt sie z.B. unter anderem: „Ich wünsche mir einen Tag der Schlacht herbei, wie Sie sich nach einem Tanz sehnen.“ Ihr ikonisches Porträt des Dänen Adam Friedel im September 1827 wurde in ganz Europa verbreitet und sie wurde für ihre Tapferkeit und Schönheit berühmt.</p>
<p><strong>Die Jahre in Nafplio</strong><br />
Als 1823 im noch umkämpften Griechenland ein Bürgerkrieg ausbrach, zog sich Mavrogenous in die neue griechische Hauptstadt Nafplio/Peloponnes zurück, auch um im Zentrum der politischen Ereignisse zu sein. Dort lernte sie den jungen Feldmarschall Dimitrios Ypsilantis kennen  (1793–1832, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dimitrios_Ypsilantis">hier</a>), mit dem sie sich nach kurzer Zeit verlobte. Zu ihm unterhielt sie eine langjährige Liebesbeziehung und lebte mit ihm ohne Trauschein zeitweise unter einem Dach. Nicht nur damals wirkte diese Beziehung wegen der exponierten Stellung der beiden als ausgesprochen unkonventionell und freizügig. Sogar ihre Mutter Zacharati war über diesen Lebenswandel empört, ganz Nafplio zerriss sich das Maul.</p>
<p>Ioannis Kapodistrias (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ioannis_Kapodistrias">hier</a>), das weise Staatsoberhaupt des neu gegründeten griechischen Staates, erkannte Mantó Mavrogenous´ Tapferkeit und Opferbereitschaft an, verlieh ihr 1828 den Ehrenrang eines Generalleutnants und sprach ihr eine kleine Pension zu. Zugleich betraute er sie mit der Aufsicht des von ihm gegründeten Waisenhauses von Nafplio. Im Oktober 1831 wurde Ioannis Kapodistrias auf offener Straße ermordet.</p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12571 size-singlepost-thumb alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-8_Stich-1830-450x710.jpg" alt="" width="450" height="710" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-8_Stich-1830-450x710.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-8_Stich-1830-190x300.jpg 190w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-8_Stich-1830-500x789.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-8_Stich-1830.jpg 649w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></strong></p>
<p><em>links: „Madon. Daughter of Nicolas Mavrogyeny, the distinguished Heroine from Micony an Island in the Grecian Archipelago“, 1830. </em><em>Quelle <a href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Manto_Mavrogenous">hier</a></em></p>
<p><strong>Die Vertreibung</strong><br />
Der mächtige Politiker Ioannis Kolettis befürchtete, dass durch eine Ehe des populären Paares Ypsilantis-Mavrogenous die beiden namhaften Familien nach dem griechischen Thron greifen könnten. So wurde in diesen turbulenten Zeiten der neugriechischen Staatsgründung auf Befehl von Kolettis (ein eingefleischter Intrigant, der nicht einmal vor politischen Morden zurückschreckte) Mantó Mavrogenous´ Haus niedergebrannt und sie selbst aus Nafplio verbannt. Man deportierte sie nach Mykonos, ihr wurde vorgegaukelt, dass der schwer lungenkranke Ypsilantis diese Aktion selbst veranlasst habe. 1831-32 herrschte im neugriechischen Staat ein weiterer Bürgerkrieg. In dessen Wirren konnte jeder Kontakt der beiden unterbunden werden. Ypsilantis erlag im August 1832 seiner Krankheit. Im selben Jahr wurde Otto von Bayern zum ersten König Griechenlands (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_(Griechenland)">hier</a>) ernannt und kam im Februar 1833 nach Nafplio.</p>
<p>::: <em>Zur wechselhaften Beziehung zwischen Ypsilantis und Mavrogenous siehe</em> <a href="https://parola-paros-freepress.gr/en/manto-mavrogenous-eng/">hier</a> <em>(auf EN)</em></p>
<p>Leider hat dieses Beziehungsdrama die Zeitgenossen und die späteren Generationen mehr beschäftigt als Mavrogenous´ Verdienste um die Befreiung Griechenlands.<br />
Mantó Mavrogenous wurde in dieser Zeit von niemand Namhaftem unterstützt. Schließlich zog sie nach Paros. Dort starb sie im Juli 1840 mit 44 Jahren an Typhus, desillusioniert und mittellos.</p>
<h4><strong>Ehrungen</strong></h4>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12559 size-medium alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-2_-Drachmen-181x300.jpg" alt="" width="181" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-2_-Drachmen-181x300.jpg 181w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-2_-Drachmen.jpg 196w" sizes="auto, (max-width: 181px) 100vw, 181px" /><strong>Die Münze</strong><br />
Mantó Mavrogenous war von 1988 bis zur Einführung des Euro 2001 auf der Rückseite der Zwei-Drachmen-Münze abgebildet.</p>
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<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12557 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-1_Nikoleta-Karvariotou-450x300.jpg" alt="" width="450" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-1_Nikoleta-Karvariotou-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-1_Nikoleta-Karvariotou-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-1_Nikoleta-Karvariotou-768x513.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-1_Nikoleta-Karvariotou-500x334.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-1_Nikoleta-Karvariotou.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></strong><em>Nikoleta Karvariotou, 2022. Quelle</em> <a href="https://www.makthes.gr/i-manto-mauroghenoys-zontaneuei-mesa-apo-ena-vivlio-komik-fot-617724">hier</a></p>
<p><strong>Die Graphic Novel </strong><br />
Unkonventionell und beeindruckend ist das graphische Werk der im Jahr der Veröffentlichung 27jährigen Nikoleta Karvariotou, die mit Buntstiften im naiven Stil das Leben der Mantó Mavrogenous gezeichnet hat. Einer der Artikel darüber <a href="https://www.makthes.gr/i-manto-mauroghenoys-zontaneuei-mesa-apo-ena-vivlio-komik-fot-617724">hier</a> (auf EL)<br />
Gedruckt wurde die 44seitige Graphic Novel in einer kleinen Reihe von 120 Exemplaren für Freunde und Verwandte. Jedoch kann man sich das ganze Heft elektronisch (und kostenlos) <a href="https://issuu.com/stabtheburl/docs/mando_1?fbclid=IwAR0s3O_RPDZz89S0HCuu9eGmcdPL4Z_n9rnQX9koVe7cuH-FW355N6POCEI">hier</a> anschauen (auf EL).<br />
Auf Seite 41 sind alle in Griechenland aufgestellten Büsten von Mavrogenous gezeichnet. Die folgende Doppelseite wartet mit Details zu ihrem Leben auf. Auf der letzten Seite findet sich ein kleines Literaturverzeichnis zu Mantó Mavrogenous.</p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12561 size-full alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-3_Gluecksbringer.jpg" alt="" width="358" height="517" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-3_Gluecksbringer.jpg 358w, https://medien.diablog.eu/2024/03/mm-3_Gluecksbringer-208x300.jpg 208w" sizes="auto, (max-width: 358px) 100vw, 358px" /></strong></p>
<p><strong>Der Glücksbringer</strong><br />
Zum Ende jeden Jahres kommt eine Vielzahl von Glücksbringern fürs anstehende Jahr auf den griechischen Markt. Auch Museen bringen solche Talismane heraus. Das renommierte Benaki-Museum ging mit seinem (s. links) fürs Jahr 2021 (200jähriges Jubiläum des Ausbruchs der Griechischen Revolution) viral: Der Talisman zeigt das Abbild von Mantó Mavrogenous, dem berühmten US-amerikanischen Plakat von 1943 nachempfunden. Entworfen von J. Howard Miller sollte das Plakat „We Can Do It!“ die Moral der US-Fabrikarbeiterinnen im Zweiten Weltkrieg stärken. „Wir haben uns bewusst an dieses Plakat angelehnt, um die Semantik des Talismans zu verstärken“, sagen die Entwerferinnen des Athener Designstudios B612. „Mantó ist ein feministisches Symbol. Sie ist dem Patriarchat zum Opfer gefallen, es war nicht die osmanische Knechtschaft, die sie umgebracht hat“. (Quelle <a href="https://www.marieclaire.gr/art-lifestyle/to-gouri-me-ti-manto-mavrogenous-pou-egine-viral-i-anakinosi-tou-mousiou-benaki-ke-osa-iche-pi-i-dimiourgos-sto-marie-claire/">hier</a>, auf EL)<br />
Bis in den März 2021 hinein war dieser Glücksbringer in aller Munde. Den größten Anstoß hatten die Neujahrswünsche auf dem angehängten Bändchen erregt. Dort stand <em>ΥΓΕΙΑ </em><em>ΚΑΥΛΑ </em><em>ΕΠΑΝΑC</em><em>ΤΑC</em><em>Η </em>(<em>GESUNDHEIT GEIL REVOLUTION</em>, wobei die zwei griechischen <em>Sigma</em> durch das byzantinische <em>C</em> ersetzt sind: <em>ΕΠΑΝΑCΤΑCΗ</em> statt <em>ΕΠΑΝΑΣΤΑΣΗ</em>). Die Presse ging so weit, das Wort ΚΑΥΛΑ („geil“) im Fließtext mit Pünktchen oder „Klammeraffen“ zu entfremden: Κ@@ΛΑ.<br />
Es handelte sich um eine limitierte Auflage von gerade mal 40 Stück, die natürlich blitzschnell vergriffen waren.</p>
<p class="textinfo"><em>Text: A. Tsingas. Abbildungen: wie angegeben.</em></p>
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		<title>Mein griechisches Dorf – ein Fotobuch von Wolfgang Bernauer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Mar 2024 14:30:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alltagskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[Wo sind Sie zu Hause? Für die Menschen im idealen griechischen Dorf, das uns Wolfgang Bernauer in diesem Bildband vorstellt, ist dieses Zuhause ein vertrautes Stück Erde. Zuhause ist für viele Griechen nicht die Stadt, ... <p class="read-more-container"><a title="Mein griechisches Dorf – ein Fotobuch von Wolfgang Bernauer" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/#more-12376" aria-label="Mehr Informationen über Mein griechisches Dorf – ein Fotobuch von Wolfgang Bernauer">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Wo sind Sie zu Hause? Für die Menschen im idealen griechischen Dorf, das uns Wolfgang Bernauer in diesem Bildband vorstellt, ist dieses Zuhause ein vertrautes Stück Erde.</p>
<p>Zuhause ist für viele Griechen nicht die Stadt, in der sie leben und arbeiten, sondern der Ort, aus dem sie stammen, das Dorf der Eltern oder Großeltern. Hier ist die Heimat, hier wird Ostern gefeiert, geheiratet und hierher kehrt man im Alter zurück – vielleicht für immer.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12440" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1-500x333.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Das Kaffeehaus</em></p>
<p>Das titelgebende griechische Dorf von Wolfgang Bernauer ist ein Ideal, es setzt sich aus Mosaiksteinen zusammen, die er fotografisch zusammengetragen hat. Denn auch im ländlichen Griechenland hat die Moderne längst Einzug gehalten. Aber die fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten, die Mühsal der Feldarbeit und das karge Einkommen im traditionellen Handwerk bieten nicht nur für der Jugend schlechte Zukunftsperspektiven. Doch lassen sich überall, auch bei kleinen Lebensgemeinschaften, Facetten des ursprünglichen Dorflebens finden. Fügt man diese zusammen, wie Bernauer es gemacht hat, entsteht dieser Mikrokosmos: <em>Mein griechisches Dorf</em>.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12442" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2.jpg" alt="" width="1024" height="640" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2-300x188.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2-768x480.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2-450x281.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2-500x313.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Die Marktgasse</em></p>
<p>Wie ist Bernauer zu seinem Thema gekommen? Im Vorwort schreibt er:<br />
„Als junger Student bekam ich einen Reisebericht aus der Neuen Zürcher Zeitung in die Hände, der das orthodoxe Osterfest in einem abgelegenen Bergdorf auf Karpathos schilderte. Wenige Monate später durfte ich 1996 dieses Fest selbst erleben. Die überwältigende Gastfreundschaft, das tiefsinnige Auferstehungsfest, vor allem aber die ursprüngliche Dorfatmosphäre waren für mich – wortwörtlich – ergreifend. Als ich die Fotos dieser beiden Wochen auf dem Leuchttisch sichtete, begann ich zu realisieren, dass mir ein Thema zugefallen war, das mich nicht mehr loslassen würde: das dörfliche Leben in Griechenland. Ein Leben, bestimmt vom elementaren Rhythmus der Jahreszeiten, Feldarbeit, Kirchenfeste, Geburten und des Todes. Nach diesen intensiven Osterwochen begann ich, systematisch nach weiteren dieser traditionellen Dörfer und Plätze zu suchen: nach Kaffeehäusern, Ladenlokalen und Handwerksbetrieben, die über Generationen die dörfliche Gemeinschaft prägten und bis heute präsent sind. Dabei bereitete mir die Detektivarbeit fast so viel Freude wie die fotografische Umsetzung.“</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12444" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Das Land</em></p>
<p>Bernauer fotografierte Dörfer des Pindos-Gebirges, genauso wie die auf der südlichen Peloponnes, umsegelte das berüchtigte Kap Maleas und erlebte im Süden Kretas noch im November Badefreuden. Er sprach mit Mönch Ioannis im Philosophen-Kloster; der Schuster Nikos schilderte ihm, wie er beim Auftrennen von deutschen Offiziersstiefeln ideale Schnittmuster und zahlreiche Kunstgriffe entdeckte. Panajotis zeigte ihm ein Schriftstück von 1943, mit dem seinem Vater und den übrigen sechs Dorfbäckereien auf Naxos Zwangsabgaben an die deutschen Truppen befohlen wurden. Aristos und Fotini begleitete er bei der Mastixernte auf Chios. Mit kurzen Texten, die seine Fotos begleiten, lässt Bernauer den Betrachter an seinen Erlebnissen teilhaben. Auf Seite 141 befindet sich eine Landkarte, betitelt <em>Mein Griechenland</em>. Darauf ist übersichtlich vermerkt, wo die Fotos entstanden sind. Auf den folgenden Seiten sind alle Aufnahmen in Miniatur mit Seite, Ort und Jahr der Entstehung abgedruckt:</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12390 size-single-hochkant alignnone" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-500x346.jpg" alt="" width="500" height="346" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-500x346.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-300x208.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-768x532.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-450x312.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></p>
<p>Ohne groß drumherum zu reden: Der Bildband ist nicht nur <em>sehr</em> gut gelungen, er ist eine Wucht!<br />
Um potenziellen „ungläubigen Thomassen“ gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Das sah auch der Deutsche Fotobuchpreis so und nahm das Buch in die Shortlist 20/21 auf. 2020 wurde ihm sogar der ICMA (International Media Creative Award) in Bronze verliehen, <a href="https://icma-award.com/de/10-icma-books-winner#toggle-id-7">hier</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12446" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4.jpg" alt="" width="1024" height="650" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4-300x190.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4-768x488.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4-450x286.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4-500x317.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Die Kirche</em></p>
<p><strong>Das Buch</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12415 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-08-Praegung-226x300.jpg" alt="" width="226" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-08-Praegung-226x300.jpg 226w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-08-Praegung.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px" /></p>
<p><strong>Das Äußere:</strong> Der Fotoband ist 35 x 25 cm groß, ein Hardcover mit Leineneinband. Eine Besonderheit ist sicherlich die Prägung; sie war dem Verlag wichtig, um die Hochwertigkeit sichtbar zu unterstreichen.</p>
<p><strong>Das Innere:</strong> Das verwendete Papier nennt sich Freelife Vellum 170 g/qm (von Fedrigoni); ich erwähne es, weil es in seiner Haptik sehr angenehm ist und obwohl matt, jedes Fotodetail klar wiedergibt. Ich war und bin begeistert!</p>
<p><strong>Das Technische: </strong>Das Buch wurde im wasserlosen Offset-Verfahren in der Druckerei Tienkamp in Groningen (NL) gedruckt. Hier eine Geschichte dazu: Die kleine Druckerei mit drei Angestellten hatte sich auf dieses Verfahren spezialisiert und war Fine-Art-Liebhabern weltweit ein Begriff. Leider schloss die Druckerei während der Corona-Pandemie.<br />
Ich kann es mir nicht verkneifen, hier einige Fotos vom „making of“ des Buches zu bringen, weil mich dieser handwerkliche Verlust wehmütig macht.</p>

<a href='https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/attachment/mgd-05/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05-500x334.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/attachment/mgd-04/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-04-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-04-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-04-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-04-500x334.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-04.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/attachment/mgd-03/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03-500x334.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/attachment/mgb-02/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02-500x334.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>

<p><em>Making of, oben links: Martin Breutmann (Edition Bildperlen / fotoforum-Verlag), Wolfgang Bernauer, Christian Beck (Edition Bildperlen / fotoforum-Verlag) (v.l.); oben rechts: Sichtkontrolle am Tor bei Tageslicht; unten links: Wolfgang Bernauer im Gespräch mit Henk Tienkamp; unten rechts: Henk Tienkamp (mit Hund) nimmt finale Farbeinstellungen vor.</em></p>
<p>Die Fotoaufnahmen sind in fünf Einheiten unterteilt, die Titel durchgehend zweisprachig (DE und EL, auch auf dem Buchdeckel mit der erwähnten Prägung):<br />
<strong>Το </strong><strong>καφενείο/Das Kaffeehaus * </strong><strong>Το </strong><strong>σοκάκι </strong><strong>της </strong><strong>αγοράς/Die Marktgasse * </strong><strong>Η </strong><strong>χώρα/Das Land *</strong><strong>Η </strong><strong>εκκλησία/Die Kirche * </strong><strong>Η </strong><strong>γιορτή/Das Fest</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12448" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5-500x333.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Das Fest</em></p>
<p>Wolfgang Bernauer nutzt für seine Motive unterschiedliche Bildfeldgrößen und Distanzen. Daraus ergibt sich ein Kaleidoskop von Land und Dorf, es gibt Berufsportraits und wimmelbildähnliche Arbeitsplätze, Landschaften mit und ohne Menschen – und mehr Aufnahmen in Schwarzweiß als in Farbe. Bernauer meint dazu: „Farbe benutze ich zurückhaltend. Bei meiner Aufgabenstellung haben Farbigkeit und Buntheit eher eine banalisierende Wirkung. Damit gleicht meine Arbeitsweise derjenigen von Fred Boissonnas (1858 &#8211; 1946). Der Genfer Fotograf bereiste von 1907 bis 1913 mit einem großen technischen und personellen Aufwand Griechenland und schuf hervorragende Zeitdokumente.“<br />
Die Doppelseiten – das Buch hat aufgeschlagen eine Breite von 70 cm! – sind gut genutzt: Auf der einen ein großes Bild, auf der anderen ein Text zum Porträtierten (oder zu der aufgenommenen Situation) und manchmal ein kleineres, ergänzendes Foto.<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12380" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen.jpg" alt="" width="1024" height="291" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen-300x85.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen-768x218.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen-450x128.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen-500x142.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<strong>Daten des Fotobandes</strong><br />
35 x 25 cm, Hardcover mit Leineneinband, 148 Seiten<br />
Edition Bildperlen, Münster 2019, 68 Euro<br />
ISBN 978-3-96546-002-7<br />
Mit dem Vorwort <em>Griechisches Dorf – globales Dorf</em> von Marc A. Schwitter<br />
Eine zweite Auflage ist in Arbeit. Sie erscheint voraussichtlich im Sommer 2024 in den Sprachen Griechisch und Englisch!</p>
<p>Der Fotoband im Verlag, wo man auch blättern kann, <a href="https://shop.fotoforum.de/mein-griechisches-dorf/">hier</a><br />
Edition Bildperlen, das Verlagsprogramm, <a href="https://bildperlen.de/buchhandel/verlagsprogramm/">hier</a><br />
Der Fotograf Wolfgang Bernauer, <a href="https://www.fotoforum.de/community/benutzer/7598/fotos">hier</a> und <a href="https://wolfgangbernauer.com/">hier</a><br />
Die Ausstellung <em>Mein griechisches Dorf</em> in Zürich, 2019, <a href="https://www.fotoforum.de/community/foto/460146-die-ausstellung?typ=profil&amp;id=#center">hier</a></p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12388 size-medium alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-06-Fotograf-277x300.jpg" alt="" width="277" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-06-Fotograf-277x300.jpg 277w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-06-Fotograf.jpg 368w" sizes="auto, (max-width: 277px) 100vw, 277px" /></strong><strong>Der Fotograf</strong><br />
Wolfgang Bernauer ist ein Schweizer Augenarzt, Autor und Fotograf. Seine zahlreichen Text- und Bildbeiträge sind in Print- und Online-Medien zu finden.<br />
Bernauers Vater war Chemiker und sein Onkel Erfinder von Polarisationsfiltern, für fotografische Experimente war er also prädestiniert. Dem Medizinstudium folgten fotografische Ausbildungen und erste kunsthistorische Reportagen. Respekt und Interesse für das kulturelle und soziale Leben der Bevölkerung in den Alpenrandgebieten und in Griechenland prägen seine Arbeit. Er lenkt den Blick auf das traditionelle Leben, die Wohnverhältnisse, den Festtagskalender und alte Handwerkstechniken. Durch den bewussten Einbezug dieses kulturellen Umfelds unter Nutzung von Weitwinkelobjektiven und Stativ erhalten seine Porträtstudien (auf denen viel zu entdecken ist) eine zeitgeschichtliche Dimension.</p>
<p class="textinfo"><em>Text: Wolfgang Bernauer, Edition Bildperlen und A. Tsingas. Fotos: Wolfgang Bernauer und Edition Bildperlen.</em></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>ARCHELON – 40 Jahre dem Wohl der Meeresschildkröten verschrieben</title>
		<link>https://diablog.eu/alltagskultur/archelon-40-jahre-dem-wohl-der-meeresschildkroeten-verschrieben/</link>
					<comments>https://diablog.eu/alltagskultur/archelon-40-jahre-dem-wohl-der-meeresschildkroeten-verschrieben/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Feb 2024 17:28:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alltagskultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Der gemeinnützige Verein ARCHELON, Gesellschaft zum Schutz der Meeresschildkröten in Griechenland, wurde bereits 1983 gegründet und hat das Ziel, Meeresschildkröten und ihren Lebensraum zu untersuchen und zu schützen. Die kleinen Schildkröten sind von dem Moment ... <p class="read-more-container"><a title="ARCHELON – 40 Jahre dem Wohl der Meeresschildkröten verschrieben" class="read-more button" href="https://diablog.eu/alltagskultur/archelon-40-jahre-dem-wohl-der-meeresschildkroeten-verschrieben/#more-12038" aria-label="Mehr Informationen über ARCHELON – 40 Jahre dem Wohl der Meeresschildkröten verschrieben">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Der gemeinnützige Verein ARCHELON, Gesellschaft zum Schutz der Meeresschildkröten in Griechenland, wurde bereits 1983 gegründet und hat das Ziel, Meeresschildkröten und ihren Lebensraum zu untersuchen und zu schützen.</p>
<p>Die kleinen Schildkröten sind von dem Moment an, in dem sie aus den Eiern schlüpfen, durch zahlreiche Fressfeinde gefährdet; nur sehr wenige von ihnen werden das Erwachsenenalter erreichen. Aber auch die ausgewachsenen Tiere sind großen Gefahren ausgesetzt, wie den Boots- und Schiffspropellern oder der direkten Aggression des Menschen. In den letzten 200 Jahren hat er den Meeresschildkröten das Überleben sehr schwer gemacht. Hier sind einige der globalen Gründe:<br />
&#8211; Wilderei und Überfischung wegen ihrer Eier, ihres Fleisches, ihrer Haut und ihrer Panzer.<br />
&#8211; Sie werden oft Opfer von Beifang.<br />
&#8211; Plastikmüll im Meer beeinträchtigt ihre Gesundheit.<br />
&#8211; Der Tourismus wirkt sich negativ auf ihre Laichstrände aus.<br />
&#8211; Der Klimawandel lässt den Meeresspiegel weltweit ansteigen. Schmale Laichstrände werden überschwemmt. Dazu: Die Veränderung der Sandtemperatur wirkt sich auf das Geschlecht der Jungtiere aus. Je wärmer der Sand, desto eher schlüpfen weibliche Schildkröten.</p>
<figure id="attachment_12121" aria-describedby="caption-attachment-12121" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12121 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-06_1983-450x273.jpg" alt="" width="450" height="273" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-06_1983-450x273.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-06_1983-300x182.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-06_1983-500x303.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-06_1983.jpg 569w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-12121" class="wp-caption-text">©ARCHELON; Dimitris und Anna Margaritoulis 1983</figcaption></figure>
<p><strong>Wie es zur Gründung des Vereins kam</strong><br />
1977 sahen Dimitris und Anna Margaritoulis auf der Insel Zakynthos eine Meeresschildkröte aus dem Meer auftauchen. Sie wollte am Strand laichen. Damals gab es in Griechenland noch keine Studie zum Verhalten der (nach über zwei Jahrzehnten) geschlechtsreifen Weibchen, an dem Strand ihre Eier zu legen, an dem sie selbst geschlüpft waren. Dieses zufällige Ereignis bestimmte seitdem das Leben der beiden. 1980 verfasste der Physiker Dimitris Margaritoulis die erste wissenschaftliche Veröffentlichung über das Nisten von Meeresschildkröten an den Stränden der Laganas-Bucht von Zakynthos. Daraufhin wurde 1983 von einer Gruppe freiwilliger Forscher der Verein „Gesellschaft zum Schutz der Meeresschildkröten in Griechenland“ gegründet, der später den Namen ARCHELON bekam. Seitdem sind viele Jahre intensiver Tätigkeit vergangen, und am 8. November 2023 wurde das 40-jährige Bestehen des Vereins mit einem Festakt im renommierten Athener Museum Benaki gefeiert.</p>
<p><em>:::  Der Festakt auf YouTube <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ni7POs1cChs">hier</a> (auf EL, 2:34:24!)</em><br />
<em>::: Artikel in der Athener Tageszeitung Kathimerini <a href="https://www.kathimerini.gr/society/562746292/archelon-40-chronia-me-ena-skopo/">hier</a></em> <em>(auf EL)</em></p>
<figure id="attachment_12045" aria-describedby="caption-attachment-12045" style="width: 340px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12045" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-01_Archelon_skeleton-450x476.jpg" alt="" width="350" height="370" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-01_Archelon_skeleton-450x476.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-01_Archelon_skeleton-284x300.jpg 284w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-01_Archelon_skeleton-768x812.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-01_Archelon_skeleton-500x529.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-01_Archelon_skeleton.jpg 800w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" /><figcaption id="caption-attachment-12045" class="wp-caption-text">http://www.copyrightexpired.com/earlyimage/bones/display_animalspast_archelon.htm</figcaption></figure>
<p><strong>Woher der Verein seinen Namen ableitet</strong><br />
<em>Archelon ischyros </em>ist eine ausgestorbene Gattung der Meeresschildkröten, die aus aus dem Campanium der späteren Kreidezeit, etwa 72 Millionen Jahre vor heute, stammt. Die Tiere erreichten eine Länge von bis zu 4,5 Metern, die Spitzen der ausgebreiteten Vorderpaddel lagen bis zu 4 Meter auseinander, und sie waren wohl die größten Meeresschildkröten, die auf Erden gelebt haben. Hier links das erste je gefundene Exemplar, ausgestellt im Yale Peabody Museum in den USA.</p>
<p>Das vollständigste Exemplar der <em>Archelon ischyros</em> ist im Naturhistorischen Museum Wien zu bewundern.</p>
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<p><strong>Die ARCHELON-Projekte</strong><br />
Der Verein ARCHELON betreibt zwei große Projekte:</p>
<p>1) Die <strong><em>Beach-Projects</em></strong><br />
Der Verein dokumentiert und schützt die Fortpflanzungsaktivitäten der weiblichen Unechten Karettaschildkröten an den wichtigsten Laichstränden Griechenlands. Diese Projekte finden nur von Mai bis September/Oktober statt, die Zeit der Reproduktion. Solche Laichstrände gibt es auf Kreta (Rethymnon, Chania und im Golf von Messara) sowie auf der Peloponnes (Elis, Messenien und Lakonien) und auf Zakynthos. Ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereins betreiben dort Informationsstationen und begleiten interessierte Besucher auf organisierten Strandwanderungen.</p>
<p><em>:::   Webseite des ARCHELON <a href="https://archelon.gr/en">hier</a></em><em>. Die sehr ergiebige Webseite lädt zum Durchklicken und Schmökern ein</em><br />
<em>:::   Zu den Einsatzgebieten in Griechenland siehe <a href="https://archelon.gr/en/project-areas">hier</a> (auf EN)</em><br />
<em>:::  Die Beach-Projekte im Süden Kretas (Kokkinos Pyrgos, Kalamaki, Komos und Matala) <a href="https://www.kreta-inside.com/de/archelon-schutzt-die-meeresschildkroten/">hier</a></em><br />
<em>:::  Informationsfilm zu ARCHELON <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Cv3XBOoijBA">hier</a> (EN mit EN Untertiteln, 10:56) oder <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Kl8oaSREcws&amp;t=41s">hier</a> (EN mit EL Untertiteln, 10:56)</em><br />
<em>:::  Kurzfilm zum 40jährigen Bestehen von ARCHELON <a href="https://www.youtube.com/watch?v=pa4Ej0f49Yc">hier</a> (EL- und EN-Untertitel, 3:26)</em></p>
<p>2) Das <strong><em>Rescue Center</em></strong></p>
<figure id="attachment_12047" aria-describedby="caption-attachment-12047" style="width: 490px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12047 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-02_Anlagen-Glyfada_-500x249.jpg" alt="" width="500" height="249" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-02_Anlagen-Glyfada_-500x249.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-02_Anlagen-Glyfada_-300x150.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-02_Anlagen-Glyfada_-768x383.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-02_Anlagen-Glyfada_-450x224.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-02_Anlagen-Glyfada_.jpg 778w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-12047" class="wp-caption-text">©ARCHELON; Teilansicht des Rescue Centers in Glyfada aus der Vogelperspektive</figcaption></figure>
<p>Das <em>Rescue Center</em> im Süden Athens ist ganzjährig geöffnet und beschäftigt vor Ort Freiwillige rund um die Uhr. Sie arbeiten entweder<br />
&#8211; im Bereich der <strong><em>Rehabilitation</em></strong>, also in der Pflege kranker und verletzter Meeresschildkröten, oder<br />
&#8211; im Bereich der <strong><em>Public Awareness</em></strong><em>,</em> um Besucher aus aller Welt zu den Meeresschildkröten und ihren Lebensraum zu informieren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-12057 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-02_20220910_in-Bottich-500x325.jpg" alt="" width="500" height="325" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-02_20220910_in-Bottich-500x325.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-02_20220910_in-Bottich-300x195.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-02_20220910_in-Bottich-1024x666.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-02_20220910_in-Bottich-768x500.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-02_20220910_in-Bottich-450x293.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-02_20220910_in-Bottich.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><br />
Das <em>Rescue Center</em> kann man in Gruppen oder als Einzelperson  kostenlos besuchen. Es befindet sich in Glyfada, einem wohlhabenden Athener Vorort am Saronischen Golf, in unmittelbarer Nähe des alten Flughafens. Adresse: 3. Μarina von Glyfada, 16675 Athen, Tram-Haltestelle „Palaio Dimarchio“ (Altes Rathaus)</p>
<p><em>:::   Kontaktinformationen und Adressen <a href="https://archelon.gr/en/contact">hier</a></em><em> (auf EN)<br />
</em></p>
<p><strong><em>Rehabilitation</em></strong><br />
Im <em>Rescue Center</em> werden jährlich etwa 70 verletzte und kranke Meeresschildkröten behandelt, die das ganze Jahr über aus griechischen Gewässern hierher gebracht werden. Ihre medizinische Rehabilitation wird in der Einrichtung durchgeführt und ihre spätere Auswilderung – die Rückkehr ins Meer – organisiert. Ein Beispiel: Anfang 2022 befanden sich bereits 30 Meeresschildkröten im Rescue Center, im Laufe des Jahres kamen 33 weitere dazu. Insgesamt wurden 32 von ihnen nach der Genesung wieder ins Meer entlassen. Für den Betrieb und die Instandhaltung des Rettungszentrums sind qualifizierte festangestellte Mitarbeiter sowie lokale und internationale Freiwillige zuständig.</p>
<p>Genesung der am Kopf verletzten Meeresschildkröte <em>Zoe </em>in der Zeit von Oktober 2019 bis November 2022:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-12051 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-04_Zoe_recovery-500x500.jpg" alt="" width="500" height="500" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-04_Zoe_recovery-500x500.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-04_Zoe_recovery-300x300.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-04_Zoe_recovery-1024x1024.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-04_Zoe_recovery-150x150.jpg 150w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-04_Zoe_recovery-768x768.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-04_Zoe_recovery-450x450.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-04_Zoe_recovery.jpg 1080w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><br />
©ARCHELON, Quelle <a href="https://archelon.gr/en/news/more-than-half-of-the-rehabilitated-sea-turtles-got-released-back-to-the-sea-in-2022">hier</a></p>
<p><em>:::   Die verletzten Meeresschildkröten, die aktuell im Rescue Center behandelt werden, finden Sie <a href="https://archelon.gr/en/support-us/turtles-under-treatment">hier</a> (auf EN)</em></p>
<p><strong>Auswilderungen</strong><br />
Sind die Meeresschildkröten genesen, werden sie wieder ins Meer entlassen. Davor werden die Daten des Tieres aufgenommen und ein Tag mit seiner Erkennungsnummer an eine der vorderen Flossen befestigt.</p>
<figure id="attachment_12055" aria-describedby="caption-attachment-12055" style="width: 758px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12055 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-01_vermessung.jpg" alt="" width="768" height="466" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-01_vermessung.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-01_vermessung-300x182.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-01_vermessung-450x273.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-01_vermessung-500x303.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption id="caption-attachment-12055" class="wp-caption-text">©ARCHELON</figcaption></figure>
<p>Die Meeresschildkröte wird vom <em>Rescue Center</em> zu einer ruhigen Bucht auf dem Weg nach Kap Sounion transportiert (Fotos aus 2022):<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12059" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-03_20220825_umgebung.jpg" alt="" width="1024" height="479" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-03_20220825_umgebung.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-03_20220825_umgebung-300x140.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-03_20220825_umgebung-768x359.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-03_20220825_umgebung-450x210.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-03_20220825_umgebung-500x234.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
Es ist ein unbeschreiblich erhabenes Gefühl zu sehen, wie dieses majestätische Tier ins Wasser gleitet und mit kräftigem, aber gemessenem Flossenschlag seinen Weg ins offene Meer findet. In angemessenem Abstand wird es von ARCHELON-Schnorcheltauchern begleitet, bis es die Bucht sicher verlassen hat:<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12061" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-04_20220825_Begleit2.jpg" alt="" width="1024" height="558" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-04_20220825_Begleit2.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-04_20220825_Begleit2-300x163.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-04_20220825_Begleit2-768x419.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-04_20220825_Begleit2-450x245.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-04_20220825_Begleit2-500x272.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><em>:::</em>   <em>Zur Satellitenortung weiblicher und männlicher Meeresschildkröten 2018-2022 <a href="https://archelon.gr/en/what-we-do/monitoring">hier</a></em></p>
<p><strong><em>Public Awareness</em></strong><br />
Sobald das Schuljahr in Griechenland beginnt, kommen zum Rescue Center – zusätzlich zu den üblichen Besuchern – Kindergartengruppen, Schulklassen und Studenten aus ganz Griechenland und dem Ausland, um mehr über den Schutz der Meeresschildkröten zu erfahren. Erfahrene ARCHELON-Mitarbeiter nehmen jede Besuchergruppe in Empfang, führen sie durch das <em>Rescue Center</em> und präsentieren ein umfassendes Bildungsprogramm zum Thema Naturschutz.<br />
Die Führung ist der jeweiligen Altersgruppe angepasst, so dass Jung und Alt Informationen über die drei in den griechischen Gewässern lebenden Arten von Meeresschildkröten und die Maßnahmen zu ihrem Schutz erfahren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-12053 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-05_20220402-500x375.jpg" alt="" width="500" height="375" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-05_20220402-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-05_20220402-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-05_20220402-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-05_20220402-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/01/ar-05_20220402.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></p>
<p>Themen sind das Paarungsverhalten der Schildkröten, ihre Nistplätze, das Schlüpfen der Jungtiere aus den Eiern und ihr Zugang zum Meer. Gesprochen wird über die Fressfeinde der Meeresschildkröten, das problematische Verhalten des Menschen, was zu tun ist, um die Tiere und ihre Umgebung zu schützen, über die Aufgaben von ARCHELON und natürlich auch über die „Patienten“. Den Gruppen wird erklärt, dass das <em>Rescue Center</em> ein Krankenhaus für verletzte und kranke Meeresschildkröten ist, entsprechend soll man sich ruhig und respektvoll verhalten. Aufgezählt werden die Gründe, wegen derer die Meeresschildkröten in Behandlung sind. Die häufigsten Verletzungen der Tiere gehen vom Menschen aus. Die verletzten Meeresschildkröten sind geschützt hinter einer Glaswand zu sehen. Dabei wird nicht geredet und darauf geachtet, dass sie von den Besuchern (und auch von den Freiwilligen!) so wenig wie möglich zu sehen bekommen, damit sie sich nicht an die Menschen gewöhnen.<br />
Letzte Station ist ein kleiner Raum, in dem verschiedene Fischhaken und Leinen ausgestellt sind, die an und in den „Patienten“ gefunden wurden. Schließlich gibt es die Möglichkeit, die Organisation und die Meeresschildkröten durch den Kauf von kleinen Andenken oder den Erwerb einer symbolischen Adoption zu unterstützen.</p>
<p>Bei ARCHELON bringen sich Freiwillige aus der ganzen Welt ein. Es entstehen lebenslange Freundschaften, denn die angehenden Biologen/Zoologen/Meeresbiologen/Ökologen oder auch „nur“ an der Umwelt Interessierten machen ein riesiges internationales Netzwerk aus.</p>
<p><em>:::   Berichte der Freiwilligen Jessica Van Damme, die 2023 im </em>Rescue Center <em>tätig war, Teil 1 <a href="https://archelon.gr/en/news/notes-of-a-volunteer-part-1-jessica-van-damme-was-at-the-rescue-centre">hier</a> und Teil 2 <a href="https://archelon.gr/en/news/notes-of-a-volunteer-part-2-iead-trauma-happens-more-often-and-is-more-serious-than-you-think">hier</a> (auf EN)</em></p>
<p>Der Verein ARCHELON ist für die Umwelt ein Leuchtturmprojekt:<br />
&#8211;   Er unterstützt die Meeresschildkröten direkt an den Laichstränden und informiert die Öffentlichkeit über die Sensibilität des Ökosystems.<br />
&#8211;   Er nimmt sich der verletzten und kranken Tiere mit großer Zuneigung, Geduld und langem Atem an, bis sie sich wieder in ihrer natürlichen Umgebung behaupten können und dann ausgewildert werden.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-12298 alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-03_40-Jahre.jpg" alt="" width="400" height="200" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-03_40-Jahre.jpg 400w, https://medien.diablog.eu/2024/01/aw-03_40-Jahre-300x150.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></p>
<p>Wünschen wir ARCHELON weiterhin engagierte Mitarbeiter, eine nicht versiegende Anzahl von hingebungsvollen Freiwilligen und überzeugten, finanzkräftigen Unterstützern, um sein Werk zum Wohl von Mensch und Natur auch in Zukunft erfolgreich fortsetzen zu können!</p>
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<p class="textinfo"><em>Text: A. Tsingas. Fotos: ARCHELON (wo angegeben) und A. Tsingas.</em></p>
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