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	<title>Bildende Kunst &#8211; diablog.eu</title>
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		<title>Vaggelis Tsaprounis: von Ikonen und der Liebe zur Natur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 06:29:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Ikonenmalerei verbindet Kunst mit Handwerk und Glauben und ermöglicht in einer hektischen Welt das Streben zum Göttlichen. Für Vaggelis Tsaprounis ist sie mehr als ein Beruf. Simon Steiner hat mit ihm gesprochen. Vaggelis, wie ... <p class="read-more-container"><a title="Vaggelis Tsaprounis: von Ikonen und der Liebe zur Natur" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/vaggelis-tsaprounis-von-ikonen-und-der-liebe-zur-natur/#more-16685" aria-label="Mehr Informationen über Vaggelis Tsaprounis: von Ikonen und der Liebe zur Natur">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Die Ikonenmalerei verbindet Kunst mit Handwerk und Glauben und ermöglicht in einer hektischen Welt das Streben zum Göttlichen. Für Vaggelis Tsaprounis ist sie mehr als ein Beruf. Simon Steiner hat mit ihm gesprochen.</p>
<p class="interview">Vaggelis, wie bist du zur Ikonenmalerei gekommen?</p>
<p>Mit der Ikonenmalerei habe ich vor etwa 34 Jahren begonnen. Das war um 1992, ich hatte gerade mein fünfjähriges Studium an einer privaten und freien Studienwerkstatt abgeschlossen. Meine Studienschwerpunkte waren freies Zeichnen und Farbe.</p>
<p class="interview">Welche Rolle spielten während deines Studiums das Vergangene, die Tradition und die Moderne und welche deine Lehrer?</p>
<figure id="attachment_16709" aria-describedby="caption-attachment-16709" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-16709 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34-450x337.jpg" alt="" width="450" height="337" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34-450x337.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34.jpg 718w" sizes="(max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16709" class="wp-caption-text">Vaggelis Tsaprounis in seinem Atelier in Vasilika, Nord-Euböa</figcaption></figure>
<p>In Athen gab – damals wie heute – die Hochschule für Bildende Künste den Ton in der Kunstszene an, die sich zunehmend der sogenannten zeitgenössischen Kunst (contemporary art) zuwandte. Der neue Trend umfasste Kunstinstallationen, Videokunst, Performances, konzeptuelle Kunst und alles andere außer Leinwandmalerei. Dieser Trend wurde in den folgenden Jahren vorherrschend und dauert bis heute an.<br />
In der kleinen Werkstatt, in der ich studierte, waren jedoch der Einfluss der Malergeneration der 1930er Jahre und die Rückkehr zur Tradition noch sehr ausgeprägt. Der Maler Tassos Rigas, der diese Werkstatt leitete, vermittelte uns seine Bewunderung für Maler wie Parthenis, Nikolaou, Papaloukas, Tsarouchis sowie für die Quellen dieser Tradition: byzantinische Ikonenmalerei, antike griechische Reliefs, Lekythen <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lekythos">hier</a>]</span>, Mosaike und Fresken. Wir lebten also in einer vergangenen Zeit. Die zeitgenössische griechische Kunst war in die postmoderne Phase eingetreten – und wir atmeten immer noch den Geist des Modernismus. Wenn ich von Modernismus spreche, meine ich damit den Aspekt, der sich auf Quellen, Tradition und das Ursprüngliche zurückbesinnt, eben die Suche nach Werten.<br />
Die Werkstatt von Tassos Rigas war eigentlich eine Vorbereitungsklasse für die Aufnahmeprüfungen an der Hochschule für Bildende Künste. Die Studenten blieben dort im Durchschnitt ein bis drei Jahre und wurden danach entweder von der Hochschule aufgenommen, oder gaben endgültig auf. Rigas war ein charismatischer Lehrer und bildete in diesem künstlerischen Klima Maler aus. Eigentlich war er dazu nicht verpflichtet, da der Besuch der Werkstatt, wie bereits erwähnt, lediglich der Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfungen diente.<br />
Ich bin dort über die Dreijahresgrenze hinaus geblieben; nachdem ich fünf Mal in Folge auf der Warteliste der erfolgreichen Kunsthochschulbewerber gelandet war, beschloss ich, meinen Weg ohne Hochschulausbildung fortzusetzen. Ich hatte fünf Jahre lang freies Zeichnen und Farbe studiert, bei Sonntagsausflügen in die Nationalgalerie und das Archäologische Museum über Kunst diskutiert, Galerien besucht und die Kunstszene Athens beobachtet und kommentiert.</p>
<p class="interview">Zu deiner persönlichen Beziehung zur Tradition passt sicherlich auch dein Bekenntnis zur Religion.</p>
<p>Von Natur oder aus innerer Neigung war ich unter anderem ein eher konservativer Mensch. Vielleicht hatte ich auch eine latente Neigung zur Religion und zum Spirituellen, in der Schule nannten mich die anderen Kinder „Pater“. Für Dogmen und Fanatismus hatte ich aber nicht viel übrig. Später entwickelte ich durch meine Arbeit ein starkes Interesse für die Universalität der Religion.</p>
<p class="interview">Gibt es bestimmte Ikonen oder Meister, die dich geprägt haben?</p>
<p>Gegen Ende dieses Zeitabschnitts brachte mich Tassos Rigas mit dem Ikonenmaler Giorgos Chochlidakis in Kontakt. „Meister Giorgis“, wie wir ihn damals nannten, unterhielt zu dieser Zeit eine Werkstatt mit drei oder vier Assistenten und übernahm vielerorts in Griechenland die ikonographische Ausgestaltung von Kirchen. Er war Träger einer großen Tradition, hatte in der Werkstatt von Fotis Kontoglou „gedient“, dem großen Erneuerer der byzantinischen Ikonenmalerei. Kontoglou war Lehrer vieler Maler der 1930er-Generation, darunter auch von Giannis Tsarouchis. Ich war begeistert von der Idee, mit ihm als Ikonenmalerei-Assistent zu arbeiten. Das Werk, das mich damals besonders inspirierte, waren die Wandmalereien der Chora-Kirche in Istanbul, dem ehemaligen Konstantinopel, ein Denkmal, das ich einige Jahre später aus nächster Nähe bewundern konnte. <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://www.dw.com/de/t%C3%BCrkei-die-chora-kirche-in-istanbul-ist-nun-eine-moschee/a-69044665">hier</a>]</span><br />
So schlug ich also einen Weg ein, der mich von der aktuellen Entwicklung der Kunst meiner Zeit entfernte und in ein Studium eintauchen ließ, das einer archäologischen Ausgrabung glich. Ich war neugierig auf alles, was mit dieser Tätigkeit zu tun hatte: die Texte des Siebten Ökumenischen Konzils, die die Verwendung von Bildern in der orthodoxen Tradition regeln, das Leben der Heiligen, die Geschichte von Architektur und Ikonenmalerei, die Materialkunde, die Ursprünge dieser Kunst und so weiter.<br />
In der Werkstatt des Ikonenmalers Giorgos Chochlidakis schufen wir hauptsächlich Wandmalereien und nur sehr wenige tragbare Ikonen auf Holz. Chochlidakis hatte zu Beginn seiner Karriere mit der Freskotechnik gearbeitet; ein Beispiel dazu kann man in der kleinen Kapnikarea-Kirche in der Athener Ermou-Straße sehen, wo er mit seinem Lehrer Kontoglou zusammengearbeitet hat.</p>
<p class="interview">Erzähle mir mehr über deine Arbeitstechniken und Ausbildungsschritte.</p>
<figure id="attachment_16708" aria-describedby="caption-attachment-16708" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16708 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-450x512.jpg" alt="" width="450" height="512" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-450x512.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-264x300.jpg 264w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-768x874.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-500x569.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16708" class="wp-caption-text">Die Hl. Dimitrios und Theodoros</figcaption></figure>
<p>Zu der Zeit, als ich dort war, arbeitete er nur <em>al seco</em>, also auf trockener Wand, und insbesondere mit einer Variante dieser Technik, bei der Leinwand verwendet wird. Bei dieser Technik verwendeten wir große Baumwollstoffe von etwa drei auf vier Metern, die wir in der Werkstatt auf entsprechend große Keilrahmen spannten. Dann ging es ans Bild, wir entwarfen und malten es auf die Leinwand. Das fertige Werk wurde dann sorgfältig abgenommen und wie eine Tapete auf die Wand geklebt. Die genaue Platzierung wurde mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms, das maßstabsgetreu auf einem architektonischen Aufriss der Kirche basierte, genau berechnet. Diese Technik verwende ich normalerweise auch bei meinen eigenen Werken. Diese Methode hat Vor- und Nachteile sowie technische Schwierigkeiten. Das Hauptproblem besteht darin, die Größe des Werks und die Farbabstufungen so zu berechnen, dass es mit dem architektonischen Element, auf das es kommt, harmoniert, und dabei die andächtige Atmosphäre entsteht, die in orthodoxen Kirchen vorherrscht. Dies lässt sich nur durch Erfahrung erreichen – unterstützt durch bewährte Lösungen der traditionellen Kirchenmalerei. Der Werkstattalltag hat uns genau auf solche Arbeiten vorbereitet.<br />
In diesem Metier gibt es eine Hierarchie. Der Meister leitet die Werkstatt. Er fertigt den ersten maßstabsgetreuen Entwurf, wie auch die endgültigen Fassungen auf Leinwand an. Die Assistenten beginnen ihre Ausbildung mit der Vorbereitung der Leinwand und anderen groben Arbeiten. Ich blieb fast ein Jahr lang in dieser Phase und begann dann, Gebäude, Kleidung usw. zu malen. Es gibt also Lehrlinge, die sich auf Kleidung oder dekorative Motive spezialisiert haben, je nach ihrer Erfahrung. Manch einer ist ehrgeizig und lernt die ganze Bandbreite des Handwerks, während sich andere mit einer Spezialisierung begnügen. Der Meister vollendet dann das Werk, mildert hier einige Farbtöne ab, betont dort etwas anderes, korrigiert ein Kleidungsstück und malt vor allem die Gesichter und ihren Ausdruck. Nur so ist die Bemalung so großer Flächen möglich.<br />
Fürs Protokoll möchte ich erwähnen, dass ich nach einigen Jahren auch in der Werkstatt für tragbare Ikonen von Themis Petrou gearbeitet habe, wo ich die Technik der Eitempera erlernte. Ich arbeitete abwechselnd in beiden Werkstätten. 1996, mit 27 Jahren, übernahm ich zusammen mit meiner Kollegin Nelli Tziara die malerische Ausgestaltung der Kapelle des Heiligen Stephanos in Chalkida auf Euböa. 1998 gründete ich mein erstes Atelier in der Kolokotroni-Straße im Athener Zentrum und verlegte es 2001 in die Agia-Filothei-Straße neben der Erzdiözese Athen.</p>
<p class="interview">Und dein persönlicher Stil, wie ist der entstanden? Erzähle mir bitte mehr über Motivation und Ziele.</p>
<figure id="attachment_16705" aria-describedby="caption-attachment-16705" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16705 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-450x430.jpg" alt="" width="450" height="430" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-450x430.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-300x286.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-768x733.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-500x477.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu.jpg 887w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16705" class="wp-caption-text">Pantokrator, Kapelle des Hl. Vasileios auf Schinoussa 2002, Deckenmalerei al seco</figcaption></figure>
<p>Was in diesem Zusammenhang meinen persönlichen Stil angeht, so würde ich sagen, dass es sich nicht um eine bewusste Entscheidung oder um Eklektizismus handelt. Der persönliche Stil hat mit der Art und Weise zu tun, wie und in welchem Ausmaß jemand die traditionellen Elemente versteht; es ist also das Ergebnis eines analytischen Prozesses, aber auch eines Gespürs für das Heilige, das sich in einem langsam entwickelt. Sagen wir, ich habe ein bestimmtes Kriterium oder Ideal entwickelt, dem ich mich anzunähern versuche. Ich betrachte das Werk, an dem ich arbeite, und frage mich: Ist es richtig angeordnet, sind die Farben harmonisch? Mein großes Ziel ist es – ob ich es erreicht habe, müssen andere beurteilen – , mit meiner Kunst dazu beizutragen, dass in der Kirche dieses Erlebnis festlicher Freude und zurückhaltender Trauer entsteht, das Gefühl der bittersüßen Zufriedenheit, wie man es zusammenfassend ausdrücken könnte.<br />
Hier muss ich etwas anfügen, was mir sehr am Herzen liegt: Die Künstler hängen in ihren Werkstätten konstant einer Vision nach, einem Hauptanliegen, das sie während ihrer Arbeit – und nicht nur dann – beschäftigt. Dazu möchte ich zwei weitere Meinungen anführen, die ich teile: Ernst Gombrich meint, Künstler würden stets nach einer gewissen Art von Gleichgewicht streben und sich fragen, ob sie es erreicht hätten. <span style="color: #0000ff;">[hier]</span> George Lappas ergänzt, sie würden sich ständig in Richtung <em>Ekstase</em> bewegen, ohne sie jemals zu erreichen, da der ekstatische Mensch nicht mehr den Wunsch verspüre, Kunst zu erschaffen. <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/George_Lappas">hier</a>]</span></p>
<p class="interview">Welche Bedeutung hat für dich die Ikonenmalerei?</p>
<figure id="attachment_16704" aria-describedby="caption-attachment-16704" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16704 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-450x481.jpg" alt="" width="450" height="481" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-450x481.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-281x300.jpg 281w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-768x821.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-500x534.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller.jpg 819w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16704" class="wp-caption-text">Der Hl. Nikolaos, Kapelle des Hl. Vasileios auf Schinoussa 2002</figcaption></figure>
<p>Zusammenfassend ist die Ikonenmalerei, meiner Meinung nach, keine simple Kunstfertigkeit, sondern ein komplexes darstellendes System, das in direktem Zusammenhang zum orthodoxen Dogma steht. Man müsste Theologe sein und sich intensiv mit der Theologie der Ikonen befasst haben, um das gesamte Geflecht von Regeln und Symbolismen beschreiben zu können. Generell lässt sich jedoch sagen, dass das Siebte Ökumenische Konzil von Nicäa nach der Bildersturm-Debatte die Verwendung von Ikonen im Gottesdienst wieder zulässt. Aus dieser Sicht erhält das Bild, dank seines Potentials, den Geist der Gläubigen auf den Dargestellten auszurichten, seinen Wert innerhalb der Kirche zurück. Es handelt sich also um einen liturgischen Gegenstand, der durch seine Verwendung im Gottesdienst geheiligt wird. Der Ikonenmaler bietet seine handwerkliche Arbeit an, um das Bildnis herzustellen. Meiner Meinung nach drückt dies die Formulierung <em>dia cheiros</em> („aus der Hand von &#8230;“) aus, die der Unterschrift des Künstlers auf einem Bild voransteht; diese Formulierung erscheint mir passender als das antike <em>epoiesen</em> („erschaffen von &#8230;“). Das Gleiche gilt für alle liturgischen Gegenstände. Der Kelch der Liturgie beispielsweise erhält seine Heiligkeit nicht aufgrund seiner Herstellung, sondern aufgrund seiner Verwendung im Rahmen der Heiligen Kommunion.<br />
Zu diesem Zweck können somit auch Ikonen von bescheidenerer künstlerischer Qualität verwendet werden. Natürlich gibt es Ikonen, die wahre Meisterwerke der bildenden Kunst sind, und einige davon werden als solche in großen Museen auf der ganzen Welt oder manchmal auch als Zeitzeugnisse ausgestellt. Jedoch: Keine dieser Ikonen wurde als Ausstellungsstück, als Prestigeobjekt oder als Dekoration geschaffen. Das ist ein grundlegender Unterschied zur sogenannten weltlichen Kunst.<br />
So habe ich auch meinen Platz unter all den anderen Handwerkern, Kirchenbauern, Schneidern liturgischer Gewänder, Herstellern von Enkolpien und anderen liturgischen Gegenständen, die für den kirchlichen Alltag bestimmt sind. [Enkolpion <span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Enkolpion">hier</a></span>] Einige Kollegen sind vielleicht der Ansicht, die Arbeit des Ikonenmalers stehe auf einer höheren Stufe als die der anderen, und vielleicht haben sie damit Recht. Andererseits nimmt der Ikonenmaler im kirchlichen Leben keine offizielle institutionelle Position oder Weihe ein, wie beispielsweise die Lektoren, also die Vorleser beim Gottesdienst.</p>
<p class="interview">Jetzt interessiert mich natürlich brennend, was für dich das Besondere an deiner Arbeit ist. Es geht doch hauptsächlich um Religion, um Kirche, oder!?</p>
<figure id="attachment_16706" aria-describedby="caption-attachment-16706" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16706 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-450x397.jpg" alt="" width="450" height="397" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-450x397.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-300x265.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-768x677.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-500x441.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16706" class="wp-caption-text">Hl. Peter-und-Paul-Pfarrkirche, Dunackeszi Budapest 2024, Deckenmalerei al seco</figcaption></figure>
<p>Aus dem bisher Gesagten geht klar hervor, dass es eine gewisse Spannung zwischen weltlicher Kunst und Ikonographie gibt, sowohl was die Thematik, als auch was die Zeitlichkeit betrifft. Es gibt einen festen Kodex, der in den Werkstätten der Ikonenmalerei lebendig bleibt, während die Tradition vom Meister auf den Lehrling übergeht, zum Beispiel von erleuchteten Lehrern wie dem Mönch Dionysios von Phourna aus dem 16. Jahrhundert. <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dionysios_von_Phourna">hier</a>]</span> Jede Entwicklung verläuft sehr langsam und oft in Kreisen. Die erwähnte Spannung entspringt der Tatsache, dass der zeitgenössische Ikonenmaler entgegen den Lockrufen seiner Zeit aufgefordert ist, sich von Originalität und Subjektivismus abzuwenden, um etwas Zeitlosem zu dienen.<br />
Meiner Meinung nach ist Religion als Wissenssystem auf die Vergangenheit ausgerichtet. Alles Wichtige wurde bereits von Christus im Jahr 1 selbst gesagt. Die wunderbare neue technologische Welt ist nicht in der Lage, Antworten auf die wichtigen existenziellen Lebensfragen zu geben. Die Kirche beantwortet die grundlegende Frage „Was ist der Tod?“ mit „Es gibt keinen Tod“. „Wie sollen Menschen miteinander umgehen?“ „Gebettet in Liebe.“ Bis wir diese grundlegenden Wahrheiten verinnerlicht haben, werden wir uns weiterhin selbst an Händen und Füßen Ketten anlegen.<br />
Diese Wahrheiten warten nicht auf ihren Beweis, sondern sind vielmehr Ausgangspunkte, die zu einer bestimmten Praxis führen. Sie werden also ergebnisorientiert beurteilt und setzen eine bestimmte Haltung voraus. Die Tradition gewinnt an Autorität durch eine unablässige Zunahme an weisen Altvorderen, die uns oft erleuchten, die manchmal aber auch, aufgrund der anderen Bedürfnisse unserer Zeit, das Leben verfinstern können. Die Kirche befindet sich immer in einem Spannungsfeld zwischen Bewahrung und Reform, was oft zu Irrwegen führt. Sie ist also „kämpferisch”, wie man sagt, im Gegensatz zur himmlischen Kirche, die als „triumphierend” bezeichnet wird. <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://orthpedia.de/index.php/Kirche,_die_k%C3%A4mpferische_und_die_triumphierende">hier</a>]</span> Der Ikonenmaler ist bestrebt, durch Darstellung letztere sichtbar zu machen.</p>
<p class="interview">Berichte bitte über deine konkreten Arbeiten im In- und Ausland.</p>
<figure id="attachment_16703" aria-describedby="caption-attachment-16703" style="width: 790px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16703 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein.jpg" alt="" width="800" height="533" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein.jpg 800w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein-500x333.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-16703" class="wp-caption-text">Hl. Peter-und-Paul-Pfarrkirche, Dunackeszi Budapest 2024, Malergerüst im Kircheninnern</figcaption></figure>
<p>Seitdem ich 1996 begann, Kirchenmalereien zu übernehmen, habe ich sieben Kapellen und Kirchen in Griechenland und eine im Ausland gestaltet. Konkret sind es diese: Kirche des Agios Stefanos, Chalkida auf Euböa, Kapelle der Metropolitankirche Agios Dimitrios // Pfarrkirche des Agios Charalambos in Ellinika, Nord-Euböa // Kapelle des Agios Athanasios in Ellinika, Nord-Euböa // Pfarrkirche der Agia Sophia auf Amorgos // Pfarrkirche des Timios Stavros auf Donoussa // Kapelle des Agios Filaretos auf Schinoussa // Kapelle des Agios Vasileios auf Schinoussa // Pfarrkirche der Hl. Peter und Paul in Budapest.<br />
Werke von mir wie Wandmalereien und tragbare Ikonen sowie solche für bischöfliche Kathedren und Ikonostasen befinden sich in zahlreichen anderen Kirchen und in Privatsammlungen. [Ikonostase <span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ikonostase">hier</a>]</span><br />
Die Art und Weise, wie ich in Griechenland und im Ausland arbeite, ist im Wesentlichen dieselbe. Zunächst erstelle ich eine Studie, wie ich zu Beginn beschrieben habe, die von einem Kostenvoranschlag begleitet wird. Wenn der Pfarrherr zufrieden ist, wird der Entwurf der zuständigen Metropolie zur Genehmigung vorgelegt, und ich fahre dann zusammen mit einem Arbeitsteam, das ich jedes Mal neu zusammenstelle, mit der Ausführung des Projektes fort.</p>
<p class="interview">Du hattest mir einmal in einer Taverne Fotos von deiner Arbeit in Budapest gezeigt. Ich erinnere mich, das war kurz nach dem großen Feuer, über das wir viel diskutiert haben.</p>
<figure id="attachment_16723" aria-describedby="caption-attachment-16723" style="width: 290px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16723 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel.jpg 616w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-16723" class="wp-caption-text">Ölgemälde, Detail</figcaption></figure>
<p>In Budapest gab es natürlich besondere Schwierigkeiten. Dazu gehörten unter anderem die sprachlichen und kulturellen Unterschiede sowie die Beschaffung der Materialien. Hinzu kamen die Probleme mit der Ausfuhr und dem Transport der Werke. Der griechische Staat verlangt eine spezielle Genehmigung für die Ausfuhr von Kunstwerken, um Antiquitätenraub zu verhindern. Diese Genehmigung wird von der zuständigen archäologischen Behörde erteilt und bestätigt, dass es sich um zeitgenössische Werke handelt. All dies konnte jedoch dank der guten Zusammenarbeit und des gegenseitigen Vertrauens mit dem dortigen Pfarrherrn, Pater Nikolaos, seiner Familie und mit Hilfe der Kirchenheiligen überwunden werden. Nach Abschluss dieser Arbeit war ich besonders stolz und gleichzeitig dankbar. Für mich war es eine Meisterleistung.<br />
Der Vorschlag für die oben genannte Arbeit kam zu einem sehr schwierigen Zeitpunkt. Es war unmittelbar nach dem großen Brand in Nord-Euböa, dem Gebiet, wo ich seit 14 Jahren mit meiner Familie lebe. Das Feuer zerstörte 500 Hektar dichten Wald. [<em>Das „neugriechische&#8220; oder auch „königliche&#8220; Stremma </em><span style="color: #0000ff;">(<a style="color: #0000ff;" href="https://orthpedia.de/index.php/Kirche,_die_k%C3%A4mpferische_und_die_triumphierende">hier</a>)</span><em> umfasst 1000 Quadratmeter, also 0,1 Hektar</em>] Eine biblische Katastrophe. Die staatliche Fürsorge während des Brandes war, gelinde gesagt, nicht vorhanden. Anschließend wandte sie sich in Richtung „großer Investitionen“. Das Ergebnis: Nach der ersten schweren Trauerphase und dem Versuch, wieder auf die Beine zu kommen, verließen Jahr für Jahr mehr Bewohner die Region aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs und der Arbeitslosigkeit, die zur Zerstörung der lebenswichtigen Ressourcen der Region geführt hatten. Der Wald hatte unter anderem Holz und Kiefernharz geliefert und war zugleich ein touristischer Anreiz gewesen. 80 % des griechischen Kiefernhonigs waren hier produziert worden. Die traditionelle Viehzucht erlitt einen schweren Schlag. Ein Großteil der Tiere verbrannte bei lebendigem Leibe. In der ersten Zeit glich die Region einem Kriegsgebiet: Asche, Schlamm, verbrannten Baumstämme und dazu Lastwagen überall. Und dann kam es zu Überschwemmungen. Es gibt einfach keine Worte, um die Situation zu beschreiben. Die Bewohner hatten in diesem Schockzustand sogar ihren eigenen Namen vergessen. Also nahm ich das Angebot aus Budapest an, das von einem alten ukrainischen Kollegen kam, der in seine Heimat zurückgekehrt war, eine Familie gegründet hatte und Priester geworden war. Er hatte von dieser ungarischen Gemeinde gehört, die ihre Kirche im griechischen Stil gestalten wollte. Er schlug vor, dass wir den Auftrag gemeinsam übernehmen, da er aufgrund seiner sonstigen Pflichten dazu nicht allein in der Lage war. Meiner Meinung nach hatte er auch nicht die nötige Erfahrung. Um es kurz zu machen: Wir nahmen ersten Kontakt zu Pater Nikolaos auf, dem Pfarrherrn der Gemeinde. Dann schnitt der Krieg in der Ukraine meinem Kollegen den Weg ab, und so übernahm ich das Projekt allein. Ich konnte ihn jedoch in die Arbeitsgruppe aufnehmen, die die Wandmalereien in der Kirche anbrachte. Die ikonographische Gestaltung einer Kirche ist eine sehr große Sache. Es gibt dabei immer Besonderheiten und einzigartige Momente.</p>
<p class="interview">Sehr gerne erinnere ich mich auch an deine Ausstellung in Vasilika, es gab Musik, Wein und tolle Gespräche. Und wunderschöne Gemälde, nicht nur zur Ikonographie, sondern auch zu unserem geliebten Heimatort Vasilika.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-16712 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-450x636.jpg" alt="" width="450" height="636" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-450x636.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-212x300.jpg 212w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-724x1024.jpg 724w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-768x1086.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-1086x1536.jpg 1086w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-500x707.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz.jpg 1169w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" />Neben der kirchlichen Gestaltung male ich auch andere Motive. Dabei handelt es sich um Entwürfe, Studien und Werke, ausgeführt mit Bleistift, Tusche, Aquarell- und Ölfarben. Ich habe sogar einige Radierungen gemacht und einige wenige Plastiken. Eine kleine Auswahl dieser Werke habe ich 2021, im Jahr des großen Brandes, in einer Ausstellung hier in Vasilika auf Nordeuböa präsentiert. Genannt habe ich sie „Kleine Retrospektive”, weil sie ausgewählte Werke aus meiner gesamten Laufbahn, meine Lehrzeit ausgenommen, umfasste. Ich wollte diese Arbeiten zeigen, um Rückmeldung zu erhalten.<br />
Die größte Einheit dieser Arbeit machen die Landschaften aus, die ich mit Ölfarbe auf wasserfestes Sperrholz male. Es sind Landschaften aus der Umgebung. Meer und niedrige Hügel. Ich male sie nach der Natur und aus der Erinnerung. Die Motive wähle ich nicht wegen ihrer Lieblichkeit aus, sondern weil sie in mir ein besonderes Gefühl hervorrufen, das mich mit der Landschaft verbindet. Ich male in vertikalem Format, um so viel Himmel wie möglich einzubeziehen. Menschen tauchen darin nicht auf und nur selten menschliche Bauwerke. Ich möchte einen Eindruck von Erhabenheit vermitteln, eine Art Ehrfurcht vor der Großartigkeit der Natur, die jedoch gleichzeitig, aufgrund des gewählten Maßstabs, vertraut und zugänglich wirkt. Es handelt sich um Hügel und nicht um hohe, unzugängliche Berge. Für die Griechen war das Göttliche immer nah- und greifbar. Im Gegensatz zu den Heiligenbildern male ich die Landschaften schnell, fast instinktiv, nachdem ich mir zuvor im Kopf zurechtgelegt habe, worauf ich aus bin. Oft geht das ohne jegliche Vorzeichnung.</p>
<p class="interview">Wie reagieren die Besucher?</p>
<p>Normalerweise bekomme ich positive Kommentare zu meinen Gemälden; die Leute, die die Werke betrachten, sagen oft, dass sie sehr vertraute Themen erkennen, denen sie bislang keine Beachtung geschenkt hätten. Das werte ich als Erfolg, denn zu meinen Zielen gehört, die Anzahl der Dinge, denen wir Aufmerksamkeit schenken, immer ein wenig zu erweitern. Außerdem sagen viele, meine Werke würden sie auf Reisen schicken.</p>
<p class="interview">Du hast auch auf der Insel Kythera ausgestellt.</p>
<p>2019 hatte ich eine Ausstellung mit diesen Werken im Ausstellungsraum „Desmos“ in Paris – und sie wurden gut aufgenommen. Nach dem Brand von 2021 wurden meine Landschaften erst zu verbrannten und dann zu wiedergeborenen Landschaften. 2023 stellte ich diese Arbeiten in einem schönen Raum auf Kythera aus, dem „Zeidoro”. <em>[Altgriechisch: „Leben spendend“]</em></p>
<p class="interview">Wie lassen sich Ikonen und Landschaften für dich vereinen?</p>
<p>Meine Ikonen und meine Landschaften unterscheiden sich stark in Bezug auf Thematik und Stil. Zwischen ihnen gibt es jedoch eine Art emotionale Verbindung, die mir nicht paradox erscheint, betrachte ich doch die Natur als etwas Heiliges.</p>
<p class="interview">Wo entstehen deine Werke und wie ist dein Arbeitsrhythmus?</p>
<figure id="attachment_16700" aria-describedby="caption-attachment-16700" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16700 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz-450x800.jpg" alt="" width="450" height="800" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz-450x800.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz-169x300.jpg 169w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz-500x889.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz.jpg 576w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16700" class="wp-caption-text">Atelier in Vasilika, Nord-Euböa</figcaption></figure>
<p>Der Ort, der mir die Möglichkeit für all dieses Schaffen gibt, ist meine Werkstatt. Das Atelier hat für mich eine emotionale Bedeutung, es ist ein Ort für Studium und Besinnung. Ein charakteristischer Tag dort beginnt normalerweise morgens um acht mit Reinigungsarbeiten und Arbeitsvorbereitungen. Wenn keine dringenden Lieferungen anstehen, arbeite ich fünf Stunden durch, male und recherchiere; darauf folgt eine Pause zum Mittagessen und zur Erholung. Am Nachmittag arbeite ich entweder weiter im Atelier, oder kümmere mich um Haushalt und Feldarbeit. Je nach den Erfordernissen des Tages und der Jahreszeit ergeben sich oft Anpassungen, aber auch durch die Auftragslage. Die Jahreszeiten und das Wetter sind für die Arbeit auf dem Land viel entscheidender als in der Stadt. Ich mag die Abwechslung und langweile mich daher nie. Oft bin ich jedoch angespannt, weil ich nicht das Pensum schaffe, das ich mir vorgenommen habe.</p>
<p class="interview">Ich kenne dich schon als kleinen Jungen, seit den frühen 80er Jahren. Ich denke immer an unseren gemeinsamen Wohnort, wenn ich dich sehe, nicht an Ikonen.</p>
<p>Ich genieße meine Beziehung zur Natur, die Veränderungen des Lichts und vor allem das Meer. In das Meer bin ich verliebt; meine Frau ist nur deshalb nicht eifersüchtig, weil wir diese Liebe teilen. Das Licht ist auch in meiner Malerei maßgeblich. Ich schwimme gerne, genieße aber auch lange Spaziergänge in den Bergen. Es gibt jedoch Zeiten, in denen ich mich in meine Werkstatt zurückziehe und den Kontakt zu meinem Umfeld verliere. Eine solche lange Phase waren die letzten drei Jahre, in denen ich die Kirche in Budapest ausgemalt habe. Das war meiner Gesundheit nicht zuträglich. Vielleicht wollte ich aber auch nicht raus, um die niedergebrannte Landschaft nicht sehen zu müssen.</p>
<p class="interview">Wie geht dein Leben nun weiter, bei dieser wirtschaftlichen Situation? Du hast von Feldarbeit und Haushalt erzählt, aber wie lässt sich weiterhin als Künstler das täglich Brot verdienen?</p>
<figure id="attachment_16699" aria-describedby="caption-attachment-16699" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16699 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder.jpg" alt="" width="1024" height="615" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder-300x180.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder-768x461.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder-450x270.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder-500x300.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-16699" class="wp-caption-text">profane Gemälde im Atelier</figcaption></figure>
<p>Aufträge für Ikonenmalerei kommen nicht regelmäßig rein und Kunstausstellungen bringen in Griechenland keinen Gewinn. Derzeit sind außerdem finanzielle Schwierigkeiten weit verbreitet. Ich darf nicht klagen, habe ein opulentes Leben geführt und befinde mich jetzt an einem interessanten Scheideweg: Ich habe das Gefühl, genug für die Malerei getan zu haben, könnte jetzt aufhören und zufrieden sein. Meine Suche hat Früchte getragen und ich fühle mich frei, beruflich etwas anderes zu tun, was lukrativer und konstanter ist. Ich könnte auch weitermachen und das wäre trotzdem wie ein Neuanfang: Ich wäre jetzt reifer und könnte etwas wirklich Gutes schaffen, ein Vermächtnis für die Nachwelt. Ein altes Sprichwort besagt, Malerei sei die Kunst der Greise. Möglicherweise könnte ich die Kluft zwischen meiner kirchlichen und meiner weltlichen Malerei schließen. Das wäre eine sehr noble Absicht und der Weg, den ich gerne einschlagen würde. Jedoch bin ich mir bewusst, dass dies sehr stark von den sozialen Gegebenheiten und Bedürfnissen abhängt. Nicht alle Phasen begünstigen gleichermaßen die Produktion von Kunst; in Griechenland ist es derzeit heikel, sich mit Kunst zu beschäftigen. Ich habe dazu eine Familie, und die hat Priorität. Das Leben eines einsamen Künstlers, der für seine Kunst alles andere aufgibt, könnte ich nicht führen. Das war nie mein Ding. Die Kunst kommt auch ohne mich zurecht und ich ohne sie.<br />
In Griechenland gibt es viele Werkstätten für Ikonenmalerei, die miteinander konkurrieren. Die meisten produzieren sehr kommerzielle Werke. Aber so ist es nun einmal in der Kunst, in einer Zeit, in der der Profit an erster Stelle steht. Einige schaffen es jedoch, die Widrigkeiten des kommerziellen Geschmacks und des Strebens nach Reichtum zu überwinden, und etwas Bedeutendes zu fertigen. Vielleicht wird das auch in unserer Generation so sein, so dass die Tradition fortgesetzt wird.</p>
<p class="interview">Vaggelis, vielen herzlichen Dank für die Einladung ins Atelier und das Gespräch. Wir sehen uns!</p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16701 alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf-150x150.jpg" alt="" width="200" height="267" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf.jpg 675w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></p>
<p class="textinfo interview">Beim Interview im Atelier: V. Tsaprounis links, S. Steiner rechts</p>
<p class="textinfo"><em>Vaggelis Tsaprounis <a href="https://tsaprounisicon.wordpress.com/">hier</a>. Interview: Simon Steiner. Fotos: V. Tsaprounis, Simon und Rebekka Steiner. Übersetzung und Redaktion: A. Tsingas. Das Interview ist in stark verkürzter Form auch im Griechenland Journal erschienen.</em></p>
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		<title>Mein griechisches Dorf – ein Fotobuch von Wolfgang Bernauer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Athanassios Tsingas]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Mar 2024 14:30:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alltagskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[Wo sind Sie zu Hause? Für die Menschen im idealen griechischen Dorf, das uns Wolfgang Bernauer in diesem Bildband vorstellt, ist dieses Zuhause ein vertrautes Stück Erde. Zuhause ist für viele Griechen nicht die Stadt, ... <p class="read-more-container"><a title="Mein griechisches Dorf – ein Fotobuch von Wolfgang Bernauer" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/#more-12376" aria-label="Mehr Informationen über Mein griechisches Dorf – ein Fotobuch von Wolfgang Bernauer">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Wo sind Sie zu Hause? Für die Menschen im idealen griechischen Dorf, das uns Wolfgang Bernauer in diesem Bildband vorstellt, ist dieses Zuhause ein vertrautes Stück Erde.</p>
<p>Zuhause ist für viele Griechen nicht die Stadt, in der sie leben und arbeiten, sondern der Ort, aus dem sie stammen, das Dorf der Eltern oder Großeltern. Hier ist die Heimat, hier wird Ostern gefeiert, geheiratet und hierher kehrt man im Alter zurück – vielleicht für immer.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12440" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer1-500x333.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Das Kaffeehaus</em></p>
<p>Das titelgebende griechische Dorf von Wolfgang Bernauer ist ein Ideal, es setzt sich aus Mosaiksteinen zusammen, die er fotografisch zusammengetragen hat. Denn auch im ländlichen Griechenland hat die Moderne längst Einzug gehalten. Aber die fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten, die Mühsal der Feldarbeit und das karge Einkommen im traditionellen Handwerk bieten nicht nur für der Jugend schlechte Zukunftsperspektiven. Doch lassen sich überall, auch bei kleinen Lebensgemeinschaften, Facetten des ursprünglichen Dorflebens finden. Fügt man diese zusammen, wie Bernauer es gemacht hat, entsteht dieser Mikrokosmos: <em>Mein griechisches Dorf</em>.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12442" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2.jpg" alt="" width="1024" height="640" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2-300x188.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2-768x480.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2-450x281.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer2-500x313.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Die Marktgasse</em></p>
<p>Wie ist Bernauer zu seinem Thema gekommen? Im Vorwort schreibt er:<br />
„Als junger Student bekam ich einen Reisebericht aus der Neuen Zürcher Zeitung in die Hände, der das orthodoxe Osterfest in einem abgelegenen Bergdorf auf Karpathos schilderte. Wenige Monate später durfte ich 1996 dieses Fest selbst erleben. Die überwältigende Gastfreundschaft, das tiefsinnige Auferstehungsfest, vor allem aber die ursprüngliche Dorfatmosphäre waren für mich – wortwörtlich – ergreifend. Als ich die Fotos dieser beiden Wochen auf dem Leuchttisch sichtete, begann ich zu realisieren, dass mir ein Thema zugefallen war, das mich nicht mehr loslassen würde: das dörfliche Leben in Griechenland. Ein Leben, bestimmt vom elementaren Rhythmus der Jahreszeiten, Feldarbeit, Kirchenfeste, Geburten und des Todes. Nach diesen intensiven Osterwochen begann ich, systematisch nach weiteren dieser traditionellen Dörfer und Plätze zu suchen: nach Kaffeehäusern, Ladenlokalen und Handwerksbetrieben, die über Generationen die dörfliche Gemeinschaft prägten und bis heute präsent sind. Dabei bereitete mir die Detektivarbeit fast so viel Freude wie die fotografische Umsetzung.“</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12444" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer3-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Das Land</em></p>
<p>Bernauer fotografierte Dörfer des Pindos-Gebirges, genauso wie die auf der südlichen Peloponnes, umsegelte das berüchtigte Kap Maleas und erlebte im Süden Kretas noch im November Badefreuden. Er sprach mit Mönch Ioannis im Philosophen-Kloster; der Schuster Nikos schilderte ihm, wie er beim Auftrennen von deutschen Offiziersstiefeln ideale Schnittmuster und zahlreiche Kunstgriffe entdeckte. Panajotis zeigte ihm ein Schriftstück von 1943, mit dem seinem Vater und den übrigen sechs Dorfbäckereien auf Naxos Zwangsabgaben an die deutschen Truppen befohlen wurden. Aristos und Fotini begleitete er bei der Mastixernte auf Chios. Mit kurzen Texten, die seine Fotos begleiten, lässt Bernauer den Betrachter an seinen Erlebnissen teilhaben. Auf Seite 141 befindet sich eine Landkarte, betitelt <em>Mein Griechenland</em>. Darauf ist übersichtlich vermerkt, wo die Fotos entstanden sind. Auf den folgenden Seiten sind alle Aufnahmen in Miniatur mit Seite, Ort und Jahr der Entstehung abgedruckt:</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12390 size-single-hochkant alignnone" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-500x346.jpg" alt="" width="500" height="346" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-500x346.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-300x208.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-768x532.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht-450x312.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-07-Uebersicht.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /></p>
<p>Ohne groß drumherum zu reden: Der Bildband ist nicht nur <em>sehr</em> gut gelungen, er ist eine Wucht!<br />
Um potenziellen „ungläubigen Thomassen“ gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Das sah auch der Deutsche Fotobuchpreis so und nahm das Buch in die Shortlist 20/21 auf. 2020 wurde ihm sogar der ICMA (International Media Creative Award) in Bronze verliehen, <a href="https://icma-award.com/de/10-icma-books-winner#toggle-id-7">hier</a></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12446" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4.jpg" alt="" width="1024" height="650" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4-300x190.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4-768x488.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4-450x286.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer4-500x317.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Die Kirche</em></p>
<p><strong>Das Buch</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-12415 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-08-Praegung-226x300.jpg" alt="" width="226" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-08-Praegung-226x300.jpg 226w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-08-Praegung.jpg 400w" sizes="auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px" /></p>
<p><strong>Das Äußere:</strong> Der Fotoband ist 35 x 25 cm groß, ein Hardcover mit Leineneinband. Eine Besonderheit ist sicherlich die Prägung; sie war dem Verlag wichtig, um die Hochwertigkeit sichtbar zu unterstreichen.</p>
<p><strong>Das Innere:</strong> Das verwendete Papier nennt sich Freelife Vellum 170 g/qm (von Fedrigoni); ich erwähne es, weil es in seiner Haptik sehr angenehm ist und obwohl matt, jedes Fotodetail klar wiedergibt. Ich war und bin begeistert!</p>
<p><strong>Das Technische: </strong>Das Buch wurde im wasserlosen Offset-Verfahren in der Druckerei Tienkamp in Groningen (NL) gedruckt. Hier eine Geschichte dazu: Die kleine Druckerei mit drei Angestellten hatte sich auf dieses Verfahren spezialisiert und war Fine-Art-Liebhabern weltweit ein Begriff. Leider schloss die Druckerei während der Corona-Pandemie.<br />
Ich kann es mir nicht verkneifen, hier einige Fotos vom „making of“ des Buches zu bringen, weil mich dieser handwerkliche Verlust wehmütig macht.</p>

<a href='https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/attachment/mgd-05/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05-500x334.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-05.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
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<a href='https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/attachment/mgd-03/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03-500x334.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-03.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/mein-griechisches-dorf-ein-fotobuch-von-wolfgang-bernauer/attachment/mgb-02/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="300" height="200" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02-300x200.jpg" class="attachment-medium size-medium" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02-500x334.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgb-02.jpg 640w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>

<p><em>Making of, oben links: Martin Breutmann (Edition Bildperlen / fotoforum-Verlag), Wolfgang Bernauer, Christian Beck (Edition Bildperlen / fotoforum-Verlag) (v.l.); oben rechts: Sichtkontrolle am Tor bei Tageslicht; unten links: Wolfgang Bernauer im Gespräch mit Henk Tienkamp; unten rechts: Henk Tienkamp (mit Hund) nimmt finale Farbeinstellungen vor.</em></p>
<p>Die Fotoaufnahmen sind in fünf Einheiten unterteilt, die Titel durchgehend zweisprachig (DE und EL, auch auf dem Buchdeckel mit der erwähnten Prägung):<br />
<strong>Το </strong><strong>καφενείο/Das Kaffeehaus * </strong><strong>Το </strong><strong>σοκάκι </strong><strong>της </strong><strong>αγοράς/Die Marktgasse * </strong><strong>Η </strong><strong>χώρα/Das Land *</strong><strong>Η </strong><strong>εκκλησία/Die Kirche * </strong><strong>Η </strong><strong>γιορτή/Das Fest</strong></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12448" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/Mein-griechisches-Dorf-–-Wolfgang-Bernauer5-500x333.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<em>Aus der Einheit: Das Fest</em></p>
<p>Wolfgang Bernauer nutzt für seine Motive unterschiedliche Bildfeldgrößen und Distanzen. Daraus ergibt sich ein Kaleidoskop von Land und Dorf, es gibt Berufsportraits und wimmelbildähnliche Arbeitsplätze, Landschaften mit und ohne Menschen – und mehr Aufnahmen in Schwarzweiß als in Farbe. Bernauer meint dazu: „Farbe benutze ich zurückhaltend. Bei meiner Aufgabenstellung haben Farbigkeit und Buntheit eher eine banalisierende Wirkung. Damit gleicht meine Arbeitsweise derjenigen von Fred Boissonnas (1858 &#8211; 1946). Der Genfer Fotograf bereiste von 1907 bis 1913 mit einem großen technischen und personellen Aufwand Griechenland und schuf hervorragende Zeitdokumente.“<br />
Die Doppelseiten – das Buch hat aufgeschlagen eine Breite von 70 cm! – sind gut genutzt: Auf der einen ein großes Bild, auf der anderen ein Text zum Porträtierten (oder zu der aufgenommenen Situation) und manchmal ein kleineres, ergänzendes Foto.<br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-12380" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen.jpg" alt="" width="1024" height="291" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen-300x85.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen-768x218.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen-450x128.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-01Buch-offen-500x142.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><br />
<strong>Daten des Fotobandes</strong><br />
35 x 25 cm, Hardcover mit Leineneinband, 148 Seiten<br />
Edition Bildperlen, Münster 2019, 68 Euro<br />
ISBN 978-3-96546-002-7<br />
Mit dem Vorwort <em>Griechisches Dorf – globales Dorf</em> von Marc A. Schwitter<br />
Eine zweite Auflage ist in Arbeit. Sie erscheint voraussichtlich im Sommer 2024 in den Sprachen Griechisch und Englisch!</p>
<p>Der Fotoband im Verlag, wo man auch blättern kann, <a href="https://shop.fotoforum.de/mein-griechisches-dorf/">hier</a><br />
Edition Bildperlen, das Verlagsprogramm, <a href="https://bildperlen.de/buchhandel/verlagsprogramm/">hier</a><br />
Der Fotograf Wolfgang Bernauer, <a href="https://www.fotoforum.de/community/benutzer/7598/fotos">hier</a> und <a href="https://wolfgangbernauer.com/">hier</a><br />
Die Ausstellung <em>Mein griechisches Dorf</em> in Zürich, 2019, <a href="https://www.fotoforum.de/community/foto/460146-die-ausstellung?typ=profil&amp;id=#center">hier</a></p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-12388 size-medium alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-06-Fotograf-277x300.jpg" alt="" width="277" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-06-Fotograf-277x300.jpg 277w, https://medien.diablog.eu/2024/02/mgd-06-Fotograf.jpg 368w" sizes="auto, (max-width: 277px) 100vw, 277px" /></strong><strong>Der Fotograf</strong><br />
Wolfgang Bernauer ist ein Schweizer Augenarzt, Autor und Fotograf. Seine zahlreichen Text- und Bildbeiträge sind in Print- und Online-Medien zu finden.<br />
Bernauers Vater war Chemiker und sein Onkel Erfinder von Polarisationsfiltern, für fotografische Experimente war er also prädestiniert. Dem Medizinstudium folgten fotografische Ausbildungen und erste kunsthistorische Reportagen. Respekt und Interesse für das kulturelle und soziale Leben der Bevölkerung in den Alpenrandgebieten und in Griechenland prägen seine Arbeit. Er lenkt den Blick auf das traditionelle Leben, die Wohnverhältnisse, den Festtagskalender und alte Handwerkstechniken. Durch den bewussten Einbezug dieses kulturellen Umfelds unter Nutzung von Weitwinkelobjektiven und Stativ erhalten seine Porträtstudien (auf denen viel zu entdecken ist) eine zeitgeschichtliche Dimension.</p>
<p class="textinfo"><em>Text: Wolfgang Bernauer, Edition Bildperlen und A. Tsingas. Fotos: Wolfgang Bernauer und Edition Bildperlen.</em></p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Melchior Frommel: Gesichter Griechenlands</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Mar 2023 16:46:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Künste]]></category>
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					<description><![CDATA[Melchior Frommel war schon 1956 auf seiner ersten Reise nach Griechenland von den Physiognomien der Einheimischen fasziniert. Danach hat er nicht aufgehört, sie zu zeichnen. Melchior Frommel schreibt: „Für mich ist Zeichnen ein Trieb. Es ... <p class="read-more-container"><a title="Melchior Frommel: Gesichter Griechenlands" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/melchior-frommel-gesichter-griechenlands/#more-10253" aria-label="Mehr Informationen über Melchior Frommel: Gesichter Griechenlands">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Melchior Frommel war schon 1956 auf seiner ersten Reise nach Griechenland von den Physiognomien der Einheimischen fasziniert. Danach hat er nicht aufgehört, sie zu zeichnen<strong>. </strong></p>
<p>Melchior Frommel schreibt:<em> „Für mich ist Zeichnen ein Trieb. Es dient weniger dem Erkennen als der Vergewisserung. Indem ich das weiße Papier mit Linien, Strichen, Punkten bedecke, ziehe ich eine Spur. Wie des Schifahrers Spur im Neuschnee, die ihm seine Anwesenheit bezeugt. Das Anschauen eines Gesichts beunruhigt und belebt mich. Das Zeichnen hat etwas von festhalten, bannen, es ungeniert anschauen dürfen, vielleicht eine Ersatzhandlung für es küssen, es lieben.“</em></p>
<p><span style="text-decoration: line-through;"> <img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10256" src="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-02-450x577.jpg" alt="Porträt, U" width="350" height="449" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-02-450x577.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-02-234x300.jpg 234w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-02-768x986.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-02-500x642.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-02.jpg 798w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" /> </span></p>
<p>Melchior Frommel wurde 1937 in Münster im Taunus als Sohn des Komponisten Gerhard Frommel und seiner Frau Gertrud geboren. Bis 1956 besuchte Frommel das humanistische Gymnasium in Heidelberg und absolvierte anschließend ein Lehrjahr beim Maler Karl Rödel in Mannheim. Von 1957 bis 1963 besuchte er die Kunstakademie in München. Im Herbst 1958 war Frommel auf der Insel Samos als Zeichner bei archäologischen Ausgrabungen unter Ernst Buschor beteiligt. 1963 heiratete er seine Frau Franziska. Mit ihr hat er vier gemeinsame Kinder und fünf Enkelkinder. Von 1965 bis 1973 war Frommel Kunst- und Deutschlehrer am Gymnasium Laufen an der Salzach, 1973 bis 1979 an der Deutschen Schule Thessaloniki und von 1979 bis 1998 am Gymnasium Oberhaching bei München. Seit 1998 lebt er als Studiendirektor im Ruhestand in München und in Oberschlierbach, Oberösterreich.</p>
<p><strong>Lebensnahe Schule</strong><br />
Golo Maurer, geboren 1971 in München, war Schüler von Melchior Frommel. Er berichtet im Nachwort des Buchs „Gesichter Griechenlands“, wie lebendig die Schulklasse im Fach Ethik in die Vielgötterei der alten Griechen eingeführt wurde. <em>„Wir erfuhren von Mord und Totschlag, von Liebesabenteuern und Ehebruch, von Kopf- und Schenkelgeburten, von göttlichem Recht und haarsträubender Günstlingswirtschaft, von Lebensfreundschaft und Erbfeindschaft; und über allem göttliches Gelächter.“</em> Im Fach Deutsch wurde der Kampf um Troja als Theaterstück aufgeführt. Gelebte Antike!</p>
<figure id="attachment_10258" aria-describedby="caption-attachment-10258" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10258 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-03.jpg" alt="Schüler" width="1024" height="443" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-03.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-03-300x130.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-03-768x332.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-03-450x195.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-03-500x216.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-10258" class="wp-caption-text">© M. Frommel<br />Gegenüberstellung von Zeichnung und Foto: Schüler der Deutschen Schule Thessaloniki, damals noch in der Vasilissis Olgas 66, wo heute das Goethe-Institut Thessaloniki untergebracht ist.</figcaption></figure>
<p>Am 11./12. Februar 1976 beschreibt Melchior Frommel in Thessaloniki die griechische  Schulklasse, die er an der Deutschen Schule unterrichtet:<br />
<em>„Jetzt sitzen sie also vor mir in der trostlosen, staubigen alten Turnhalle, deren Fenster von außen und innen vergittert sind, ebenso wie die länglichen, in die Decke eingelassenen drei Reihen zu je fünf Leuchtröhrenkästen gegen heftige Ballwürfe durch Gitter abgesichert sind, in fünf Reihen mit jeweils 19 Schulbänken. So sind sie aufgefädelt die 14jährigen Jungen und Mädchen, jedes, damit sie nicht abschreiben, in einer Bank für sich, und still ergeben, bedächtig sich mühend, bleiben sie über ihre Blätter gebeugt, kratzen mit ihren Zeichenfedern übers Papier, manche im Vollgefühl ihrer Tüchtigkeit, andre verzagt oder durch einen frühzeitig entstandenen Klecks aus dem inneren Gleichgewicht geworfen, während ich mit unbewegter Miene vorne stehe, mein so schlecht lehrbares wie lernbares Fach körperlich repräsentiere und mich insgeheim wundere, wenn ich gewichtig einmal durch die Reihen schreite, was da und dort doch wider Erwarten zustande gebracht wird. Das Thema heißt: &gt;Fischer in ihren Booten&lt;.“  </em></p>
<p><strong>Archäologie – Eintauchen in das archaische Griechenland</strong><br />
Melchior Frommel zeichnete in Griechenland zuerst leblose Gegenstände. Als Kunststudent gehörte er 1958 zum Grabungsteam des Münchner Ordinarius für Klassische Archäologie Ernst Buschor (1886-1961) im Heraion auf Samos. Seine Objekte waren abgeriebene Eberjagden auf Amphoren des 7. Jahrhunderts. Er zeichnete nicht nur Grabungsfunde sondern auch die Grabungsarbeiter.</p>
<figure id="attachment_10260" aria-describedby="caption-attachment-10260" style="width: 490px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10260 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-04-500x352.jpg" alt="Gruppe Kreta" width="500" height="352" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-04-500x352.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-04-300x211.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-04-768x540.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-04-450x316.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-04.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-10260" class="wp-caption-text">© M. Frommel<br />Kreta 1956, kurz nach dem Abitur; rechts Frommel, links Thuri Lorenz, später Archäologieprofessor in Graz. Frommel: „Die neugierigen Zuschauer haben unsere Versuche befeuert.“</figcaption></figure>
<p>Archaisches Gemäuer, Scherben von Kannen und Tassen, Opfergeschirr, Weihegeschenke, Salbgefäße, ein Greifenkopf, der als Kesselgriff diente, eine plumpe bronzene Kuh, ein kleines Terrakotta-Gefäß in Form eines behelmten Kriegerkopfes und ionische Plastik – Frommel ist mittendrin und taucht tief in die Geschichte ein. Ein alles überragender, verzauberte Kouros, also die archaische Statue eines jungen Mannes, reißt ihn mit. Frommel erlebte Griechenland in seiner Ganzheit aus Geschichte und Gegenwart, aus Natur und Menschen, Meer, Sonne, Tieren, Dörfern und all seiner Romantik. In einem Brief vom Oktober 1958 schreibt er im Buch:<br />
<em>„Über den asiatischen Gebirgen geht ein Riesenmond auf, goldgelb. Er spiegelt sich im Meer als ein breites Band von der türkischen Küste bis unter mein Fenster. Ab und zu wird eins der kleinen schwarzen Fischerboote darin sichtbar. Er steigt rasch höher, wird heller, deutlicher und verdrängt die gerade sichtbar gewordenen Sterne.“</em></p>
<figure id="attachment_10262" aria-describedby="caption-attachment-10262" style="width: 490px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10262 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-05-500x375.jpg" alt="Ziegen" width="500" height="375" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-05-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-05-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-05-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-05-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-05.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-10262" class="wp-caption-text">© M. Frommel<br />Ziegen auf Samos, 1958</figcaption></figure>
<p><strong>Zeichnen – alltägliche Situationen</strong><br />
Alte Männer, vom Leben gezeichnet, stehen im Mittelpunkt des Buches. Zufällig sitzen sie Modell, auf den klassischen Stühlen aus Holz und geflochtenem Stroh und lassen sich gerne – ohne Anspruch – zeichnen. In Griechenland  sitzen sie überall herum, spielen mit ihren Perlenketten, nicht Wenige rauchen, trinken ihren Mokka oder Ouzo. In der Öffentlichkeit, vor ihren Häusern, in Gassen und auf Plätzen und nicht abgeschoben im Altersheim – wie es bei uns der Fall ist. Auf diesen Stühlen, an diesen Tischen und unter solchen Männern sind die meisten linearen, luftigen Zeichnungen – ganz ohne Füllung und Schatten und ohne Vorentwürfe oder Korrekturen – von Melchior Frommel mit Feder und Tusche spontan entstanden.<br />
Die alten Männer – alle schauen etwas ernst – haben einige Gemeinsamkeiten: Schiebermützen, aufgeknöpfte Arbeiterhemden, buschige Augenbrauen, meist lockiges Haar, Falten, kurze Schnurrbärte und Bartstoppeln. Man ahnt die von der Sonne gegerbte Haut. All das ist von Frommel durch wenige Striche und Punkte angedeutet und voll getroffen. Wir finden auf den Zeichnungen die für Griechenland so typischen Alltagsgegenstände skizziert: Ein geriffeltes Wasserglas, ein Mokka-Tässchen, einen blechernen, flachen Aschenbecher, die typische schwarze Horn-Brille, das obligatorische Salzfässchen, die Streben und das Flechtwerk des klassischen Stuhls oder ein herabhängendes Stromkabel mit Glühbirne. Traurig ist heutzutage, wie diese Wirklichkeit in der Zeit des rasenden Stillstands verschwindet!</p>
<figure id="attachment_10264" aria-describedby="caption-attachment-10264" style="width: 490px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10264 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-06-500x516.jpg" alt="Anakreon" width="500" height="516" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-06-500x516.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-06-291x300.jpg 291w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-06-768x792.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-06-450x464.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-06.jpg 993w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-10264" class="wp-caption-text">© M. Frommel<br />Anakreon, Euböa 1973</figcaption></figure>
<p>Zu den alten Männern gesellten sich dann auch jüngere, die sind aber meist beschäftigt: Kellner, Soldaten. <em>„Die saßen zwar nicht in den Cafés herum, kamen aber herbeigelaufen, auch sie angezogen von der Neugierde auf den bild-produzierenden Fremden, gerne bereit, sich hinzusetzen, anschauen zu lassen und stillzuhalten, wenn die Motivwahl auf sie fiel.“</em> Merkwürdig, junge Männer, Mädchen und Frauen findet man in dem Buch „Gesichter Griechenlands“ seltener. Sie sind viel unterwegs oder zu Hause und müssen arbeiten. Aber bildhübsch, der Junge Niko, die junge Maria, der orientalisch aussehende Thanassis, Roula, Koula, eine Mutter mit Kind und die schöne Eleni Pelekidou, auf dem Schiff, zum Verlieben! Es verdreht einem den Kopf, wenn man die hübsche Mika aus Potos, Thassos sieht! Und wie die Augen der Kinder leuchten! Es war immer lebendig, wenn Frommel loslegte und seine Kunst belohnt wurde.<br />
So schrieb er am 25.9.1959 in Arkadien: <em>„Kastania, Mossia, Mati, unannehmbar häufige Einladungen und homerisches Gelächter, wenn mir die Zeichnung eines bärtigen Alten gelungen war. In den Bergen, wo ich schon die Einsamkeit hätte fürchten mögen, strömten aus allen Felsspalten Hirten herbei, gefolgt von den Schafen und hübschen Ziegen und belohnten meine bescheidene Kunst mit roten Tomaten oder dem Redeschwall und Lachen aus ihren reinen Kehlen. So lief ich viele Stunden, das Zeichenbrett unterm Arm, fahre, wo es Straßen hat, mit dem Auto und bin von Andritsena nur noch einen Tag weit entfernt.“</em></p>
<figure id="attachment_10266" aria-describedby="caption-attachment-10266" style="width: 490px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10266 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-07-500x504.jpg" alt="Blinde" width="500" height="504" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-07-500x504.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-07-298x300.jpg 298w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-07-150x150.jpg 150w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-07-768x774.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-07-450x454.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-07.jpg 1016w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-10266" class="wp-caption-text">© M. Frommel<br />Blinde 80-jährige, Peloponnes 1959</figcaption></figure>
<p>Im Sommer 1959 schreibt Melchior Frommel auf der Insel Serifos, wie er die aufgeschlossenen Gesichter aufspürt, was ihm so nur in Griechenland gelingt, dort wo die Menschen offenherzig und neugierig sind und ihren Alltag an sich abperlen lassen, ohne Hektik und Stress:<br />
<em>„Kaum hörte ich die ersten, wie sie Griechisch sprachen, hörte die Musik aus den Kaffenia und sah die bezaubernden Gesichter der Buben, da fielen acht Monate Deutschland von mir ab wie faules Laub. Ich kann unbekümmert von Modernität oder sonst was zeichnen, im Kaffenion sitzen, in der Sonne, beim Tanzen zusehen oder mich freuen an den feurigen braunen Augen. Ich aquarelliere morgens, gehe gegen mittags in einer der sandigen Buchten baden, wir essen prächtigen Fisch, schlafen und gegen Abend, in den schönsten Stunden, wenn die Jugend am Kai flaniert und die Alten in den Kaffenia sitzen, dann ist es leicht, auf Menschenfang auszugehen – die hübschesten Kinder, die auf Heirat lauernden Inselschönheiten, gebräunte Burschen und sehr schöne Greise – einige sind leicht zu einem Porträt zu bewegen. Dieser ständige, enge und völlig natürliche Kontakt mit den Griechen ist der eigentliche Grund dafür, dass ich im inneren Gleichgewicht lebe wie nirgendwo sonst. Die Landschaft und die alte Kunst finden ihre Ergänzung im lebendigen Alltag.“</em></p>
<figure id="attachment_10268" aria-describedby="caption-attachment-10268" style="width: 740px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10268" src="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-08-500x304.jpg" alt="Mystras" width="750" height="456" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-08-500x304.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-08-300x183.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-08-768x467.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-08-450x274.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-08.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-10268" class="wp-caption-text">© M. Frommel<br />Mystras, 1956</figcaption></figure>
<p>Es sind die Gesichter der Menschen, denen Frommel begegnet ist und die bei ihm die Lust zu zeichnen erregten. Frommels Zeichnungen umfassen noch mehr: Tavernen, Kafenions, Tempel, Kirchen, Klöster, Plätze, Hafen und Fähren, Straßenszenen und Ansichten von Inseln. Das Licht und das Blau und das gleißende Weiß der getünchten Häuser schwingen mit.<br />
Im April 1976 auf Skyros ist Frommel von der berauschenden Architektur erfüllt: Von Straßen, Gassen, Treppen, Hauswänden, Cafés, Läden und Wohnungen. Auch hier ist es wieder die alltägliche Lebenswelt, die Frommel fasziniert. Sie bilden <em>„ein einziges, sich spiralig, stufig den Felsen hinauf windendes plastisch-räumliches, abenteuerliches Gefüge, darin man sich mit allen den alten Skyrioten, den Spielern und Dauerdiskutierern, den auf der Straße wie im Haus beieinander sitzenden Geschäftsinhabern, den schwatzhaften alten Weibern und den Kindern, völlig zuhause fühlt und alle übrige Welt zu vergessen bereit ist.“</em></p>
<p><strong>Da ist Musik drin!</strong><br />
Zur Erinnerung: Frommels Vater war Komponist. Auf Serifos, am Samstag, den 15.8.1959, schreibt Frommel Sohn über das große Marienfest: &#8230; <em>„Und ein Lautenspieler und Sänger, wie ich ihn noch niemals ähnlich spielen hören, der beste Griechenlands, behaupten die Serifioten – man kann es ihnen glauben, so fremdartig, virtuos unherkömmlich wusste er mit gequetschter, langgezogener Stimme und eigenartigen Harmonien und Rhythmen die Tänzer zu begleiten.“</em></p>
<p>Wer war wohl dieser Musiker? Das Forumsmitglied <em><u>koutroufi</u></em> im Rembetiko Forum (www.rembetiko.gr) schrieb mir am 6.3.2023: <em>„Natürlich bin ich nicht in der Lage zu wissen, ob der Lautenspieler und Sänger, den Melchior Frommel am 15. August 1959 traf, Dienis ist, aber ich denke, dass in diesen Aufführungen das Spiel und der Gesang der Serifioten bezeichnend ist.“</em> Achilleas Dienis, Musiker <a href="https://www.youtube.com/watch?v=jPkAVYZ6NAg">hier</a></p>
<figure id="attachment_10270" aria-describedby="caption-attachment-10270" style="width: 490px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10270 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-09-500x477.jpg" alt="Tanz" width="500" height="477" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-09-500x477.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-09-300x286.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-09-768x733.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-09-450x429.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-09.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-10270" class="wp-caption-text">© M. Frommel</figcaption></figure>
<p>In Athen, am Samstag, den 19.9.1959, schreibt Frommel völlig hypnotisiert: <em>„Fabelhaft war es, abends, zeichnend, redend, trinkend, in einem spärlich erleuchteten Zeltrestaurant zu sitzen, vor uns drei Alte mit weißen Bärten, angeheitert ekstatisch eine monotone hypnotisierende Musik pfeifend auf kurzen Holzinstrumenten – einer Flöte ähnlich, mit Zuckerrohrmundstück – und auf der Trommel begleitet im Rhythmus der griechischen Tänze von einem finster schauenden, schönen Jungen. Kalamatianos, Tsamiko, Syrtos.“</em><br />
Auf dem Schiff, am 4.9.1962, begegnet Frommel einem jungen, wilden Tänzer: <em>„Jetzt wurde ich von einem übermütigen Burschen unterbrochen, der im aufkommenden Sturmwind auf Deck einen griechischen Tanz aufführt und mich zum Zusehen einlud. Du musst Dir denken, nachts zehn Uhr, schon halb seekrank, siehst Du so ein vitales Menschenwesen nur in zerfetzten Bluejeans und weit aufgeknöpftem Hemd zur Kofferradio-Musik wilde, leicht obszön gefärbte Sprünge aufführen, wobei die Bewegung des Schiffs bald grotesk der Tanzfigur widerspricht, bald sie unterstreicht.“</em></p>
<p><strong>Nachwort</strong><br />
Im Internet-Zeitalter der Selfie-Facebook-Selbstdarsteller und der Diskussionen über die  sogenannten  Alten Weißen Männer wirken die skizzenhafte Zeichnungen aus Strichen, Linien und Punkten wie ein angenehm beruhigender Stillstand: Man hört keine Geräusche und es riecht nicht nach Fisch oder Anis oder Mokka, aber jeder Betrachter erkennt in diesen einmaligen Gesichtern Griechenland. Beim Blättern durch das schöne Buch kann man nicht einfach weiterscrollen wie im Internet, man bleibt gebannt hängen, mitten in einem Gesicht oder irgendwo in der griechischen Öffentlichkeit. Schnell fragt man sich: Wer ist das, was ist aus dieser „Marke“ geworden? Existieren seine Spuren, leben seine Enkel und Urenkel, existiert noch der Familienname? Auf die Werbetrommel schlagen möchte man, hallo, das sind Zeichnungen von Melchior Frommel! In Oreoi auf Euböa, der Herr Pythagoras Sougas oder der Dimitrios Kastanis! Kennt die jemand? Da könnte man sich doch durchfragen?! Einfach die Zeichnungen zeigen, warum nicht? „<em>Pane polla chronia“,</em> werden sie rufen, die Enkel und Urenkel, die Nachbarn, ach, das war vor vielen Jahren! Die sind alle weg, in die Städte, nach Deutschland, in die USA &#8230; Aber wir werden an der berühmten Promenade von Oreoi in den Ouzerien ein paar Zeichnungen aufhängen, kanena prowlima, überhaupt kein Problem!</p>
<figure id="attachment_10324" aria-describedby="caption-attachment-10324" style="width: 921px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10324 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-10-doppel-74-76.jpg" alt="Oreoi 72-76" width="931" height="567" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-10-doppel-74-76.jpg 931w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-10-doppel-74-76-300x183.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-10-doppel-74-76-768x468.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-10-doppel-74-76-450x274.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-10-doppel-74-76-500x305.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 931px) 100vw, 931px" /><figcaption id="caption-attachment-10324" class="wp-caption-text">© M. Frommel<br />links: Pythagoras Sougas, Oreoi/Euböa 1974<br />rechts: Dimitrios Kastanis, Oreoi/Euböa 25.4.1976</figcaption></figure>
<p>Melchior Frommel wird froh sein. In einer E-mail an mich vom 28.2.2023 erinnert er sich:<br />
<em>„Sie können sich nicht vorstellen, was es mir auf meine alten Tage bedeutet, dass da jemand die Zeichnungen entdeckt und schätzt und auf die verrückte Idee kommt, einen von mir gezeichneten Mann am Ort, wo ich ihn vor 47 Jahren traf und zeichnete, auszuforschen zu wollen. An ihn kann ich mich nicht mehr erinnern, aber an das bezaubernde Städtchen am Meer. Es war unsere erste Bleibe, nachdem wir nach Saloniki übergesiedelt waren. Wo es mir so gut gefiel, dass ich am liebsten immer wieder dorthin zurückgekehrt wäre. Da stand der marmorne antike Stier, den man aus dem Meer gefischt hatte, wie selbstverständlich auf dem Marktplatz, da überließ man uns einen Esel, um mit den Kindern auf seinem Rücken zum Teepflücken die Berge hinauf zu steigen. </em></p>
<figure id="attachment_10274" aria-describedby="caption-attachment-10274" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10274 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-11.jpg" alt="Stier" width="1024" height="391" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-11.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-11-300x115.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-11-768x293.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-11-450x172.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-11-500x191.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-10274" class="wp-caption-text">Der Stier von Oreoi; rechts: zeichnerischer Rekonstruktionsversuch</figcaption></figure>
<p><em>Das Quartier, zwei große helle Zimmer mit Eisenbetten, Tisch und Schrank, höchst sinnvoll sparsam eingerichtet und billig, im ersten Stock gelegen, Blick auf den Platz und das Meer, schien ideal, frei von allem in Hotels üblichem Getue. Die Zeichnung des Dimitrios Kastanis entstand allerdings erst zwei-drei Jahre später – ich hatte mich dem Wunsch meiner Frau nach Abwechslung gefügt, so dass wir bald diese und bald jene Insel aufsuchten.“</em></p>
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<p><strong data-wp-editing="1"> <img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-10276" src="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-12-450x635.jpg" alt="Cover" width="350" height="494" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-12-450x635.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-12-212x300.jpg 212w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-12-725x1024.jpg 725w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-12-768x1084.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-12-500x706.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-12.jpg 1000w" sizes="auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px" /></strong></p>
<p><strong>Das Buch</strong><br />
Melchior Frommel: Gesichter Griechenlands. Zeichnungen und Texte aus 60 Jahren.<br />
160 Seiten, 118 s/w-Abbildungen, gebunden, 24  x 17 cm<br />
Verlag der Griechenland Zeitung, Athen 2018<br />
ISBN: 978-3-99021-031-4<br />
Preis: 24,80 Euro</p>
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<p><strong>mehr </strong>zu M. Frommel<br />
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Melchior_Frommel">https://de.wikipedia.org/wiki/Melchior_Frommel</a><br />
<a href="http://www.frommel.at/">http://www.frommel.at/</a><br />
<a href="https://www.neunzendorf.at/show_content2.php?s2id=49">https://www.neunzendorf.at/show_content2.php?s2id=49</a><br />
Melchior Frommel, Haslach 6, A-4554 Oberschlierbach<br />
melchior@frommel.at</p>
<figure id="attachment_10278" aria-describedby="caption-attachment-10278" style="width: 215px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-10278 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-13-225x300.jpg" alt="Stier und Simon" width="225" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-13-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-13-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-13-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2023/03/MF-13.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" /><figcaption id="caption-attachment-10278" class="wp-caption-text">© privat</figcaption></figure>
<p>Der Autor<br />
<strong>Simon Steiner</strong> ist freier Autor und Rembetiko-Musiker.<br />
Mit seiner Frau lebt er die Hälfte des Jahres in Vasilika auf Nordeuböa.</p>
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<p class="textinfo"><em>Text: Melchior Frommel, Simon Steiner und Golo Maurer. </em><em>Fotos und Abbildungen: Melchior Frommel, Simon Steiner. Redaktion: A. Tsingas.</em></p>
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		<title>Tanz auf dem Globus – Georges Menelaos Nassos, Lebenskünstler und Maler</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 May 2022 19:31:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[Simon Steiner sprach im März 2022 mit Georges Menelaos Nassos und seiner Frau Daniela Rainer-Harbach im Atelier des Künstlerpaares in Stuttgart. Nassos wurde 1946 in Pilsen/Tschechien geboren, migrierte mit elf Jahren nach Athen und 1960 ... <p class="read-more-container"><a title="Tanz auf dem Globus – Georges Menelaos Nassos, Lebenskünstler und Maler" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/tanz-auf-dem-globus-georges-menelaos-nassos-lebenskuenstler-und-maler/#more-9167" aria-label="Mehr Informationen über Tanz auf dem Globus – Georges Menelaos Nassos, Lebenskünstler und Maler">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><span class="einleitung">Simon Steiner sprach im März 2022 mit Georges Menelaos Nassos und seiner Frau Daniela Rainer-Harbach im Atelier des Künstlerpaares in Stuttgart. Nassos wurde 1946 in Pilsen/Tschechien geboren, migrierte mit elf Jahren nach Athen und 1960 mit vierzehn nach Stuttgart, das später zu seinem Lebensmittelpunkt werden sollte. Zwischendurch lebte er – immer auf der Suche nach neuen Horizonten – in Schweden, London, Fulda, Utrecht und in der Provence. Nassos bezeichnet sich selbst als multiethnisch. Seine Werke wurden bislang in Deutschland, Griechenland, Frankreich, den USA, Costa Rica und Mexiko ausgestellt; von seiner Kunst kann er gut leben.</span></p>
<figure id="attachment_19671" aria-describedby="caption-attachment-19671" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-19671 size-full" src="https://alt.diablog.eu/wp-content/uploads/2022/05/na-1.jpg" alt="Schwarmintelligenz" width="1024" height="572" /><figcaption id="caption-attachment-19671" class="wp-caption-text">Νοημοσύνη σμήνους (Schwarmintelligenz), Öl auf Leinwand, 160 x 100 cm, 2020. 2019 beauftragt vom Nationaltheater Nordgriechenlands/Thessaloniki im Rahmen einer Sammelausstellung zur Komödie von Aristophanes „Die Vögel“, ©G.M. Nassos</figcaption></figure>
<p>Georges´ Mutter Marika wurde 1924 auf Kreta geboren und arbeitete ab 1938 als Krankenschwester in Athen. 1941 fiel die Wehrmacht in Griechenland ein. 1942 wurde Marika zur Zwangsarbeit nach Tetschen an der Elbe im Protektorat Böhmen und Mähren verschleppt. Nach der Befreiung durch die Alliierten lernte sie Georges´ Vater kennen. Georges Menelaos wurde 1946 in Pilsen/Tschechien geboren. Im Sommer 1957 zog die Familie nach Athen, Marika wurde in der Deutschen Evangelischen Gemeinde Athen als Hausmeisterin eingestellt, da sie Deutsch sprach. Georges war elf Jahre alt, erkundete mit dem Fahrrad die griechische Hauptstadt und lernte schnell die Sprache. Die Schule war ihm aber ein Graus und er versuchte mehrmals von zu Hause abzuhauen. Deshalb sollte er so schnell wie möglich eine Lehre anfangen. Die Evangelische Gemeinde Athen organisierte eine Lehrstelle für ihn in Stuttgart. Im Juni 1960 fuhr Georges mit dem „Mozart Express” dorthin, begleitet von seinem griechischen Freund Lefti. Sie meldeten sich bei der Bahnhofsmission und landeten im Kinderheim Flattichhaus.</p>
<p>Georges´ Leben als Lehrling begann morgens um 7 Uhr an der Stanzpresse, umgeben von Fräsen, Drehbänken und Schleifmaschinen. Dem Inferno der Geräusche und der monotonen Arbeit ausgesetzt, wehrte sich der Junge, indem er griechische Schlager sang, was ihm sein Meister jedoch schnell austrieb. Nachdem er eine gelungene Lehrlings-Zeichnung unnötigerweise koloriert hatte, wurde er als „Künstler“ abgekanzelt.</p>
<p>Georges lehnte sich gegen die Erziehungsmaßnahmen im Flattichhaus auf, flog raus und landete in einem Heim für schwererziehbare Jungen. Auch die  verwies ihn, weil er die dort herrschende Heuchelei nicht ertrug. Er mietete sich 1964 in Stuttgart-Stammheim zunächst im Hotel Engel ein, kam aber bald darauf bei Privatleuten unter. Love &amp; Peace, Beat, Aufbruchstimmung und neue Lebensformen prägten den damaligen Zeitgeist. Bei einer Tanzveranstaltung lernte Georges Maria kennen. Sie verliebten sich. In einer Discothek richtete ihm ein Freund aus, dass Maria – von ihrer Familie verstoßen – ein Kind erwarte. Georges Menelaos Nassos wurde Vater mit neunzehn Jahren!</p>
<p>Nach sechs Jahren als Mechaniker kündigte Georges Menelaos Nassos: „Ich konnte nicht mehr. Mein Inneres streikte gegen die alltägliche Routine, die Monotonie der Arbeit und die Verkümmerung aller meiner Interessen“. Er trampte nach Kopenhagen, von dort ging´s mit der Fähre nach Schweden. Ohne Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis wurde er nach Athen abgeschoben, unverzüglich zum Militärdienst eingezogen und musste sich schließlich nach Verweigerungen und Auffälligkeiten bei einem Arzt vorstellen, der in Tübingen studiert hatte und Schwäbisch sprach. Der stellte ihn vom Militärdienst frei. Jetzt brauchte er Arbeit, die der Globetrotter bei „Quelle Reisen“ in Athen fand. Als 1967 das Militär putschte, organisierte er sich auf Umwegen einen Pass und kam wieder nach Stuttgart. Seit dem ersten November 1967 stand Nassos wieder an der Drehbank. „Diese Stadt war mein Schicksal“, schreibt er in seinem autobiographischen Buch <em>Das Blau vom Himmel</em>.</p>
<figure id="attachment_19673" aria-describedby="caption-attachment-19673" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-19673 size-full" src="https://alt.diablog.eu/wp-content/uploads/2022/05/na-2.jpg" alt="Maler mit Bildern" width="1024" height="674" /><figcaption id="caption-attachment-19673" class="wp-caption-text">Vor seinem Atelier in der Provence, ©Jeannine Bonnefoy</figcaption></figure>
<p>Anfang der 70er Jahre malte Nassos Bilder mit Fratzen der griechischen Militärjunta, prügelnden Polizisten und anderen Schergen. Mit 23 Jahren fasste er den Entschluss, Maler zu werden, erzählt er. So studierte er 1970-1975 an der Stuttgarter Kunstakademie bei Kurt Rudolf Sonderborg. Während seines Studiums kellnerte Nassos in der legendären Anarcho-Kneipe <em>Brett</em> im Bohnenviertel, damals noch bewirtet vom griechischen Ehepaar Evdoxia und Panagiotis. Mit der Zeit wandelte sich Nassos vom Gastarbeiter an der Werkbank zum <em>Meraklis</em>, zum Kenner und Genießer, zu einem umtriebigen Lebenskünstler voller Lebenslust und Neugier, den es nirgends hielt. Die Neuen Wilden der 80er Jahre prägten seine Malerei. In seinem Atelier in einer alten Schlosserei entstanden seine großformatigen expressiven Gemälde. 1982 verkaufte der Tausendsassa in Los Angeles drei Monate lang Porsche und Mercedes aus Stuttgarter Produktion. Aufgrund eines Kunststipendiums verbrachte er 1998 drei Monate in New York. „Inzwischen war meine Malerei eine farbenprächtige Ode an das Leben geworden“, findet er selbst.</p>
<figure id="attachment_19675" aria-describedby="caption-attachment-19675" style="width: 440px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-19675" src="https://alt.diablog.eu/wp-content/uploads/2022/05/na-3.jpg" alt="Bild von Nassos" width="450" height="562" /><figcaption id="caption-attachment-19675" class="wp-caption-text">Magic carpet. Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm, 2017, ©G.M. Nassos</figcaption></figure>
<p>Es hat ihn immer wieder nach Stuttgart gezogen. Mit der Künstlerin Daniela Rainer-Harbach, seiner Ehefrau, teilt er sich heute eine Werkstatt im Westen der Landeshauptstadt und ein Atelierhaus in Südfrankreich. Zwischendurch genoss er auf der griechischen Insel Ikaria die meditative Ruhe: „Bis zum Horizont trug schimmerndes Wasser seine Farbsättigung in Ultramarin und Türkis, um sich ganz in der Ferne im Dunst mit dem Himmelblau zu verbinden“, erinnert sich Nassos in seinem Buch. Daniela Rainer-Harbach findet: „Das Blau in Georges´ Kunst kommt aus seiner Biographie, unbewusst aus Griechenland, eigentlich vom ganzen Mittelmeer“.</p>
<p>Nassos´ Odyssee schimmert in seinen bunt leuchtenden und variantenreichen Bildern durch. „Seine Einflüsse kommen von überall“, sagte Daniela bei meinem Besuch im Stuttgarter Atelier. Beeinflusst wurde Nassos u.a. von der minoischen Kultur auf Kreta, die er in seinen Phantasiebildern mit der Kunst der Mayas – die ihn auf einer Rucksackreise durch Mexiko beeindruckt hatten – verband. Nassos: „Ich gebe den Tempeln ihre Seele wieder“. Viele unterschiedliche Eindrücke, wie beispielsweise Vasenmalereien der Sumerer, flossen in seine lebhaften Gemälde ein. Sie drücken die Vielfalt der Länder und Kulturen aus, in denen er lebte, reiste und arbeitete. Fabelwesen, Pflanzen, Menschen, Figuren, alles darin leuchtet. Im Sommer 2021 stellten Nassos und Rainer-Harbach Gemälde, Collagen und Objekte in zwei Ausstellungen in der Chapelle de Saint Ferréol/Viens, Provence aus. Die restaurierte romanische Kapelle aus dem 11. Jahrhundert ist im Besitz von Christine Picasso.</p>
<figure id="attachment_19677" aria-describedby="caption-attachment-19677" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-19677 size-full" src="https://alt.diablog.eu/wp-content/uploads/2022/05/na-4.jpg" alt="Plakate Nassos" width="1024" height="616" /><figcaption id="caption-attachment-19677" class="wp-caption-text">Plakate zu den Ausstellungen in der Chapelle de Saint Ferréol, 2021</figcaption></figure>
<p>„Es war ein Riesenerfolg“, schwärmt Nassos. Die nächsten Ausstellungen des Künstlerpaars finden am 14. Juli 2022 in Vaihingen an der Enz und im Herbst 2022 in der Galerie <em>Interart</em> im Stuttgarter Bohnenviertel statt.</p>
<figure id="attachment_19679" aria-describedby="caption-attachment-19679" style="width: 290px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-19679" src="https://alt.diablog.eu/wp-content/uploads/2022/05/na-5.jpg" alt="Buch Nassos" width="300" height="424" /><figcaption id="caption-attachment-19679" class="wp-caption-text">Das Blau vom Himmel, ‎ Orlanda Verlag, Berlin 2016</figcaption></figure>
<p><strong>Simon Steiner</strong> ist freier Autor und Rembetiko-Musiker. Mit seiner Frau lebt er die Hälfte des Jahres in Vasilika auf Nordeuböa. Das Gespräch mit Georges Menelaos Nassos und seiner Frau Daniela Rainer-Harbach führte er am 06.03.2022 im Stuttgarter Atelier des Künstlerpaares.</p>
<p class="textinfo"><span class="textinfo">Text: Simon Steiner. Fotos: G.M. Nassos, <em>Jeannine Bonnefoy, Simon Steiner. Redaktion: A. Tsingas. </em><em>Kontakt zu G.M. Nassos: georgnassos@web.de</em></span></p>
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		<title>AthenSYN II: GOING VIRAL &#8211; 14 künstlerische Positionen der Generation Y</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Jan 2022 10:01:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Künste]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Projekt AthenSYN II: GOING VIRAL zeigt am neuen Ausstellungsort in der STEINZEIT Galerie Berlin Malerei, Video, Skulptur und Installation von jungen griechischen Künstler*innen, die mit der ARTWORKS Fellowship der Stavros Niarchos Foundation ausgezeichnet wurden. ... <p class="read-more-container"><a title="AthenSYN II: GOING VIRAL &#8211; 14 künstlerische Positionen der Generation Y" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/athensyn-ii-going-viral-14-kuenstlerische-positionen-der-generation-y/#more-4409" aria-label="Mehr Informationen über AthenSYN II: GOING VIRAL &#8211; 14 künstlerische Positionen der Generation Y">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="einleitung">Das Projekt AthenSYN II: GOING VIRAL zeigt am neuen Ausstellungsort in der STEINZEIT Galerie Berlin Malerei, Video, Skulptur und Installation von jungen griechischen Künstler*innen, die mit der ARTWORKS Fellowship der Stavros Niarchos Foundation ausgezeichnet wurden. Geschaffen vor ihrem Erfahrungshintergrund zwischen sozioökonomischer Krise 2009 und der aktuellen Covid-19-Pandemie, beziehen sie künstlerisch Position zwischen globalem Süden und Norden, Mangel und Wohlstand, politischem Zentrum und Peripherie sowie Traditionalismus und Innovationswillen.</span></p>
<figure id="attachment_4412" aria-describedby="caption-attachment-4412" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4412 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-2.jpg" alt="drei Kunstwerke" width="1024" height="682" srcset="https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-2.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-2-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-2-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-2-450x300.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-4412" class="wp-caption-text">Maria Louizou, Six Breaths per Minute, Photo: Petros Toufexis</figcaption></figure>
<p>Die von Sotirios Bahtsetzis und Katja Ehrhardt kuratierte Ausstellung eröffnet ein dreitägiges Symposium im Hybridformat mit Künstler*innen, Theoretiker*innen und Aktivist*innen aus Griechenland und Deutschland zu Nachhaltigkeit, Selbstorganisation und alternativen Ökonomien mit Workshops, Diskussionen und Filmvorführung. Lesen Sie das detaillierte Programm des Symposiums und die Biografien der Teilnehmer <a href="http://www.athensyn.com/athensyn-ii--going-viral--.php" target="_blank" rel="noopener">hier</a> (auf Englisch)</p>
<p>Initiiert und organisiert von AthenSYN in Zusammenarbeit mit ARTWORKS, STEINZEIT Galerie Berlin und FREIRAUM in der Box Berlin. Unterstützt von der Stavros Niarchos Foundation (SNF), der Schwarz Stiftung, dem Kulturamt Friedrichshain-Kreuzberg, der Griechische Kulturstiftung Berlin und unter der Schirmherrschaft der Griechischen Botschaft Berlin.</p>
<p>Den teilnehmenden Künstler*innen geht es dabei um Fragen, die unser zukünftiges Zusammenleben<br />
betreffen. Die Folgen der Pandemie veranschaulichen buchstäblich die Bedeutung des Wortes „viral“,<br />
wie es auch im digitalen Kontext verwendet wird. Tausende von Leben können von den Handlungen<br />
eines Individuums abhängen, wenn sich Epidemien ausbreiten.</p>
<figure id="attachment_4410" aria-describedby="caption-attachment-4410" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4410 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-1.jpg" alt="Gesicht auf Leinwand" width="1024" height="765" srcset="https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-1.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-1-300x224.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-1-768x574.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-1-450x336.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-4410" class="wp-caption-text">Ileana Arnaoutou, Sleep-scape II, 2021, Ölfarbe auf Leinwand, 60 x 80 cm</figcaption></figure>
<p>Teilnehmende Künstler*innen:<br />
Das Werk von Panos Kompis ist ein poetischer Hinweis auf die menschliche Existenz im Verteidigungsmodus, während Anestis Ioannou die Konstruktion von Subjektivität in Urbanität behandelt. Kyriaki Goni thematisiert die Beziehung zwischen Mensch und Maschine, die Andreas Ragnar Kassapis im Spannungsverhältnis der Wahrnehmung zwischen natürlich und technisch erzeugten Bildern untersucht. Im Zeitalter der Augmented Reality verwebt das künstlerische Forschungsprojekt Latent Community (Ionian Bisai und Sotiris Tsinganos) soziales Engagement in partizipativen und performativen Strategien zu hybriden Videoinstallationen. Sofia Dona beleuchtet durch den Moment der Verfremdung geschichtliche und soziale ortsspezifische Prägungen, das MASI Collective entwickelt an der Schnittstelle von Architektur, Soziologie und bildender Kunst einen experimentellen Ansatz von urbaner Szenografie und sozialer Kunst. Maro Fasouli stellt Verbindungen zwischen somatischen Praktiken, Arbeit und Gender her, Ileana Arnaoutou verbindet in ihrer Malerei und Skulptur die Topografie von Sehnsucht, Trauer und Heilung mit somatischen Prozessen und schafft darin eine „Landschaft des Affekts“. Maria Tsagkaris Arbeiten zeigen verborgene Narrative, die subversiv auf historische Bezüge reagieren und dabei Fragen rund um die Politik des Begehrens stellen. Die Arbeiten von Stefania Strouza und Irini Miga wecken Assoziationen zwischen der symbolischen Welt der Gegenstände und Vorstellungen von Zeitlichkeit, Körperlichkeit und Geografie. Maria Louizous großformatige Skulpturen stellen den Performer als lebenden Resonanzkörper heraus. Ersi Varveri zeigt transformatorische Prozesse im beständigen Werden des Seins.</p>
<figure id="attachment_4414" aria-describedby="caption-attachment-4414" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-4414 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-3.jpg" alt="kahler Kopf" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-3.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-3-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-3-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2022/01/GV-3-450x253.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-4414" class="wp-caption-text">Kyriaki Goni, Not allowed for algorithmic audiences, 2021, 4K CGI Video, 3D Modell, Stimme, Geräuschkulisse, Originaltext</figcaption></figure>
<p>AthenSYN II: GOING VIRAL<br />
Ausstellung und Symposium für Zeitgenössische Griechische Kunst in Berlin<br />
Kuratiert von Sotirios Bahtsetzis und Katja Ehrhardt</p>
<p>STEINZEIT Galerie, Kottbusser Str. 11, 10999 Berlin<br />
Für den Einlass gilt die 3G-Regel<br />
Eröffnung: 20. Januar 2022, 17–21 Uhr<br />
Dauer: 21. Januar – 3. März 2022</p>
<p><span class="textinfo"><em>Text: AthenSYN II. Fotos: Maria Louizou, Petros Toufexis, Ileana Arnaoutou, Kyriaki Goni.</em></span></p>
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		<title>Medusa-Midusa</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Nov 2021 10:19:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
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					<description><![CDATA[Die zweisprachige Ausstellung von Elena Akanthias Medusa-Midusa, eine Begegnung von Installation und Literatur, ist für eine Woche (1.12. bis 7.12.21) in Berlin zu sehen. In der Ausstellung Medusa-Midusa/Installation-Literatur : Eine Begegnung befasst sich Elena Akanthias ... <p class="read-more-container"><a title="Medusa-Midusa" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/medusa-midusa/#more-8985" aria-label="Mehr Informationen über Medusa-Midusa">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><span class="einleitung">Die zweisprachige Ausstellung von Elena Akanthias <em>Medusa-Midusa</em>, eine Begegnung von Installation und Literatur, ist für eine Woche (1.12. bis 7.12.21) in Berlin zu sehen.</span></p>
<p>In der Ausstellung <strong>Medusa-Midusa/Installation-Literatur : Eine Begegnung </strong>befasst sich Elena Akanthias mit Genderfragen und der weiblichen Identität, betont dabei die relevanten kulturellen und existenziellen Fragen und ihre philosophischen Folgerungen. In ihrer Installation verwendet sie verschiedene Medien wie Objekte, Texte, Videos und Performances. Sie beginnt damit, das <em>Sein</em> und <em>Werden</em> der Frauen nachzuzeichnen, schließt aber dann mit allgemeinen Fragen zur menschlichen Existenz.</p>
<p>Die 7+1 Stationen der Installation werden mit Kurzprosa und Gedichten (mit etwa 100 Wörtern) von griechischen Autor:innen und Lyriker:innen kombiniert, die zweisprachig Deutsch-Griechisch präsentiert werden (Übertragung aus dem Griechischen von Marina Agathangelidou). Sie stehen im Dialog mit den Werken und kreieren ein poetisches Ensemble, das Gewissheiten infrage stellt. Erforscht werden also die Rolle der Frau in der Gesellschaft, die Wahrnehmungen, die das Narrativ ihres Lebens ausmachen, und die Suche nach ihrer wesentlichen Verwirklichung.</p>
<p>Ausschnitte:</p>
<figure id="attachment_8989" aria-describedby="caption-attachment-8989" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="imgborder wp-image-8989 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2022/03/Bild-1-DE.jpg" alt="3 Fotos aus der Ausstellung Medusa" width="1024" height="648" srcset="https://medien.diablog.eu/2022/03/Bild-1-DE.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2022/03/Bild-1-DE-300x190.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2022/03/Bild-1-DE-768x486.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2022/03/Bild-1-DE-450x285.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2022/03/Bild-1-DE-500x316.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8989" class="wp-caption-text">©Maria Papadaki</figcaption></figure>
<p>Die 7+1 Stationen des Frauenlebens nennt Elena Akanthias:</p>
<ol>
<li><strong><em>Der Pylon</em></strong>: der Traum vom Leben und die Erwartungen; mit Texten von Argyro Konstantaki und Marianna Papoutsopoulou.</li>
<li><strong><em>Die Trophäe</em></strong>: die Liebe; mit Texten von Sophia Giovanoglou und Thanasis Kritsiniotis.</li>
<li><strong><em>Die Trophos</em></strong><em>/die Nährende</em>: die Kraft, Leben zu gebären und zu reproduzieren; mit Texten von Koula Adaloglou und Poly Chatzimanolaki.</li>
<li><em><strong>Die Medusa</strong></em>: das Leiden; mit Texten von Iakovos Anyfantakis und Christos Kithreotis.</li>
<li><strong><em>Die Koryphäe</em></strong>: die Errungenschaften und Siege; mit Texten von Alexia Kalogeropoulou und Maria Liakou.</li>
<li><strong><em>Die Chimäre</em></strong>: die Suche nach dem idealen Selbst; mit Texten von Pemi Gana und Eleni Goula.</li>
<li><strong><em>Die Lethe</em></strong>/die Vergessenheit: das Ende der Reise; mit Texten von Elena Αkanthias und Niki Troullinou.</li>
</ol>
<p>+1 <strong><em>Die Pandemie</em></strong>: die letzte Station; mit Texten von Maria Kant (Kantonidou) und Maria Maragoudaki.</p>
<p><strong>Medusa-Midusa<br />
</strong><strong>Installation-Literatur : Eine Begegnung<br />
</strong>vom 01.12. bis zum 07.12.2021</p>
<p>Veranstaltungsort: <strong>feld</strong>fünf (im Metropolenhaus)<br />
Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 7–8, 10969 Berlin</p>
<p>Wegen der Corona-Lage wird es leider keine Eröffnungsveranstaltung geben.<br />
Öffnungszeiten:<br />
Montag-Freitag: 12:00-19:00<br />
Samstag-Sonntag: 11:00-18:00<br />
Der Eintritt ist frei.</p>
<p><strong>Elena Akanthias </strong>wurde in Famagusta/Zypern geboren, wuchs in Kreta auf und lebt in Berlin. Sie hat Jura und Musik studiert und ein Aufbaustudium in Bioethik und Pädagogik absolviert.<br />
Veröffentlichungen: <em>To donti tou karcharia</em> (Der Zahn des Hais/ Gavriilidis, 2016, Novelle), <em>Golith</em> (Smili, 2020, Novelle), <em>Sinomilies me ta prosopa tou 1821</em> (Unterhaltungen mit den Protagonisten von 1821, Sammelband/ 24 Grammata, 2021). <em>Der Zahn des Hais</em> wurde für den Debütpreis für Prosa der renommierten Literaturzeitschrift <em>O Anagnostis</em> (Der Leser) nominiert und später in ein Theaterstück umgeschrieben. Weitere Texte werden auch in Print- und Online-Literaturmagazinen veröffentlicht. Ihre Kurzfilme, meist digitale Erzählungen mit eigenen Texten, werden in Griechenland und im Ausland präsentiert.</p>
<p class="textinfo"><em><span class="textinfo">Redaktion: A. Tsingas. Fotos: Maria Papadaki.</span></em></p>
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		<item>
		<title>Die Nadeln des Aufstands – eine Kulturgeschichte des Strickens</title>
		<link>https://diablog.eu/literatur/historisches/die-nadeln-des-aufstands-eine-kulturgeschichte-des-strickens/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Nov 2021 11:31:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alltagskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Historisches]]></category>
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					<description><![CDATA[Stricken ist nicht nur eine Tätigkeit für einsame Herzen oder bloß eine Freizeitgestaltung. Es ist gleichzeitig mathematische Gleichung, musikalische Partitur, visuelle Leinwand, poetisches Werkzeug, Waffe des Widerstands, Mittel der Sozialisierung, Feld feministischer Erkundung, Ausgangspunkt für ... <p class="read-more-container"><a title="Die Nadeln des Aufstands – eine Kulturgeschichte des Strickens" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/historisches/die-nadeln-des-aufstands-eine-kulturgeschichte-des-strickens/#more-8997" aria-label="Mehr Informationen über Die Nadeln des Aufstands – eine Kulturgeschichte des Strickens">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung"><span class="einleitung">Stricken ist nicht nur eine Tätigkeit für einsame Herzen oder bloß eine Freizeitgestaltung. Es ist gleichzeitig mathematische Gleichung, musikalische Partitur, visuelle Leinwand, poetisches Werkzeug, Waffe des Widerstands, Mittel der Sozialisierung, Feld feministischer Erkundung, Ausgangspunkt für Reflexion. Denn hinter dem Kunsthandwerk steht eine ganze Kultur.</span></p>
<p>Katerina Schiná, die seit Jahrzehnten ausdauernd strickt, fängt in ihrem Buch die vielen Facetten des Strickens ein und greift dabei auf Poesie und Prosa, Anthropologie, Sozialwissenschaften, bildende Kunst, Mathematik und Bewegungen der kritischen Hinterfragung zurück. Gleichzeitig beschreibt sie ihre „Strick-Karriere“ anhand der Geschichten rund um die Pullover, die durch ihre Handarbeit entstanden sind, und der Menschen, die sie tragen oder getragen haben. (Klappentext der griechischen Buchausgabe)</p>
<p>Das Buch liegt angenehm schwer in der Hand. Die Buchstaben des Umschlags im Halbrelief geben das Spitze der Stricknadeln wider, der dunkle, abstrakte Hintergrund bringt die Schrift zusätzlich zur Geltung.</p>
<p>Zwischen den Buchdeckeln verbirgt sich eine ganze Welt bislang verborgener Querverbindungen, das Buch ist eine Wundertüte.</p>
<p>Ein Strickbuch mit Kapiteln wie „Nadel und Schwert“, „Feministinnen, an die Nadel“, „Was ist ein Mann“, „Das Gedicht stricken“ und „Korallenriffe und Umweltsorgen“  macht neugierig – schauen wir mal rein:</p>
<h3 style="text-align: center;">Nadel und Schwert</h3>
<p>Bevor ich zu den Nadeln griff, teilte ich allerdings die stereotype Einstellung meiner Generation zu allem, was praktisch und nützlich ist. Meine allererste Berührung mit einer Strickarbeit war ein Paar Söckchen aus rosa und weißer Wolle gewesen, in die ich hineinbiss, auf denen ich herumkaute und die ich über Wochen mit enormer Gewissenhaftigkeit ausfranste, bis es mir gelang, sie komplett zu zerfleddern. (Vielleicht lässt sich mein Interesse am Geheimnis des Strickens auf diese Zeit zurückdatieren.) Es folgten die unvermeidlichen grässlichen Kinderpullis, die meistens kratzig und viel zu warm waren, aus den Händen gelangweilter Großmütter, die sich nicht sonderlich um Muster und Farbkombinationen scherten. Bis ich mich groß genug fühlte, um sie ohne Rücksicht auf Verluste zu boykottieren, ganz zum Leidwesen meiner Mutter, für die mein Ableben infolge einer Lungenentzündung nur eine Frage der Zeit war.<br />
[…]</p>
<figure id="attachment_8998" aria-describedby="caption-attachment-8998" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-8998" src="https://medien.diablog.eu/2022/03/st-1-DSC_1229-02.jpg" alt="pink bestrickter Panzer auf Marktplatz" width="1024" height="678" srcset="https://medien.diablog.eu/2022/03/st-1-DSC_1229-02.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2022/03/st-1-DSC_1229-02-300x199.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2022/03/st-1-DSC_1229-02-768x509.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2022/03/st-1-DSC_1229-02-450x298.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2022/03/st-1-DSC_1229-02-500x331.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-8998" class="wp-caption-text">Pink M. 24 Chaffee, A tank wrapped in pink Marianne Jørgenson/Dänemark; Photographer: Barbara Katzin (Edition Converso)</figcaption></figure>
<h3 style="text-align: center;">Feministinnen, an die Nadeln!</h3>
<p>Wenn der Körper – in Begriffen Lacans<sup>27</sup> – die Grenze zwischen dem wahren und dem erwünschten, dem realen und dem imaginä­ren, dem inneren und dem äußeren Selbst ist, wenn die Stoffe, die sich zwischen die Haut und die Außenwelt schieben, oft entweder als Ersatz für den Körper oder als Vehikel für seine Präsentation dienen, damit der biologische Körper Bedeutung und Gestalt an­nimmt oder vielmehr als die Ganzheit erscheint, die er sonst nie­mals sein könnte, und wenn schließlich die »Materialisierung des Geschlechts«, um mit Judith Butler zu sprechen, durch regulative Normen geschieht, die sich auch durch die Bekleidung konsoli­dieren, dann wird deutlich, worauf die Bejahung des Strickens, der Nadeln und der Scheren seitens der dritten Welle der Frauen­bewegung beruht: nämlich auf dem Verweben und seinem Zerrei­ßen, dem Zusammennähen und Auftrennen. Denn was sonst sind die »Ausschnitte«, die Schlitze, die Öffnungen? Es sind die Ele­mente, die Diskontinuität und Mängel suggerieren, es sind die Symbole des Defizits, die Gegebenheiten, die unaufhörlich jene beharrliche psychoanalytische Frage aufwerfen, mit der sich die Geschlechtsidentität herumplagt, die aber auch das erotische Ver­langen bestimmt; das Verlangen, das nichts anderes ist als die Brücke zwischen Fragmentierung und möglicher Vervollständi­gung.<br />
[…]</p>
<p><sup>27</sup> Jacques Lacan (1901-1981), französischer Psychoanalytiker. Das Imaginäre und das Reale sind, wie auch das Symbolische, zentrale Begriffe in Lacans Theorie.</p>
<h3 style="text-align: center;">Was ist ein Mann?</h3>
<p>»Woher weiß ich denn, wie ich als Mann sein soll?«, fragt sich der zeitgenössische, in Arizona lebende Künstler Mark Newport und entlehnt »weibliche Praktiken«, um über die Rolle als Mann und über die männliche Identität als Konstrukt zu sprechen. Nach sei­ner Ausbildung an der Kunsthochschule in Chicago widmete sich Newport zunächst der abstrakten Skulptur. Er war vertraut mit dem Werk der Radikalfeministin Andrea Dworkin und mit den Ar­beiten von Eva Hesse und Louise Bourgeois, zweier Bildhauerin­nen, die die Materialien für ihre Kunst neu definierten und dabei nicht zögerten, sich auch mit vollkommen wertlosem Material ab­zugeben. Später, als er in die heimische Welt seiner Kindheit zu­rückkehrte – er war ein begeisterter Sportfan und ein besessener Sammler von Karten mit prominenten Fußballern und Basketball­spielern –, begann er zu sticken und die Sammelkarten, die seine damaligen Idole zeigten, mit Perlen zu verzieren. »Dekorative Kri­tik an der Männlichkeit« nennt Newport die Arbeiten der ersten Phase, »Erforschung der äußeren Häute oder Hüllen der Identität, ohne das Wissen über die innere Machart«. Dann wurde er selbst Vater und sah sich mit der Herausforderung durch Normen kon­frontiert. Schon bald lehrte ihn die eigene Erfahrung, dass die Va­terschaft nicht unbedingt ein Garant für Stabilität und Sicherheit ist. Es war die Zeit, in der er anfing, seine heute berühmte Reihe <em>Superhero Costumes </em>(Kostüme für Superhelden) zu stricken.<br />
[…]</p>
<figure id="attachment_9013" aria-describedby="caption-attachment-9013" style="width: 490px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-9013 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2021/11/st-02-Pappous_kai_eggonos-500x649.jpg" alt="Gemälde: strickender Opa mit Enkel im Arm" width="500" height="649" srcset="https://medien.diablog.eu/2021/11/st-02-Pappous_kai_eggonos-500x649.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2021/11/st-02-Pappous_kai_eggonos-231x300.jpg 231w, https://medien.diablog.eu/2021/11/st-02-Pappous_kai_eggonos-768x997.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2021/11/st-02-Pappous_kai_eggonos-450x584.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2021/11/st-02-Pappous_kai_eggonos.jpg 789w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-9013" class="wp-caption-text">Nikolaos Gyzis: Großvater und Enkelkind, 1882 (Edition Converso)</figcaption></figure>
<h3 style="text-align: center;">Das Gedicht stricken</h3>
<p><em>Das Ganze beginnt mit einer einfachen Schlinge<br />
</em><em>und Nadeln. Mit Wort und Stift.<sup>49<br />
</sup></em>Gwyneth Lewis</p>
<p>Zur Feier des hundertjährigen Bestehens der britischen Poetry So­ciety (Lyrikgesellschaft) im Jahr 2009 hatten deren Mitglieder den Plan ausgeheckt, das erste gigantische Strickgedicht der Welt herzustellen. »Ich habe immer gedacht, dass der Prozess des Schrei­bens eines Gedichts dem des Strickens sehr ähnlich ist«, bemerk­te Gwyneth Lewis, Lyrikerin und erklärte Strickerin, in einem Be­gleittext zur Veranstaltung der Society. »Bei beidem gibt es eine ähnliche rhythmische Wiederholung, die in einen leichten Tran­cezustand führt, eine Art Erhebung. Und es berührt mich, dass beides der normalen Alltagszeit entspringt, die man sich oft von den sogenannten wichtigen Tätigkeiten stiehlt.« Das Stricken als handwerkliches Gegenstück zur Dichtkunst. Oder anders gesagt, das Strickgewebe als Reminiszenz an den Text.<br />
[…]</p>
<p><sup>49</sup> Aus Gwyneth Lewis: <em>How to Knit a Poem. </em>Bloodaxe Books 2005. Für dieses Buch aus dem Englischen von Alissa Walser.</p>
<h3 style="text-align: center;">Korallenriffe und Umweltsorgen</h3>
<p>Entlang der Küste von Queensland erstreckt sich vor Australien das <em>Great Barrier Reef. </em>Dieses große Korallenriff ist ein wahres Feuer­werk an Farben und Formen, wie es nirgendwo auf der Welt seines­gleichen hat. Ein schöner und verletzlicher Riese, der durch Erder­wärmung und Umweltverschmutzung bedroht ist. Die Bedrohung geht vor allem von der australischen Bergbauindustrie aus, von ih­ren Plänen, das größte Steinkohlebergwerk der Welt zu bauen und es an eine neue Schifffahrtslinie anzuschließen, die mitten durch das Riff führen soll. Wissenschaftler befürchten, dass es in den kommenden Jahren veröden wird. Doch engagierte Häklerinnen haben schon vor Jahren begonnen, das Riff zu verteidigen. Das Korallenriff durch Häkeln zu schützen und zu erhalten, ist er­klärtes Ziel eines Projekts des Institute For Figuring (IFF, Institut für Darstellung – eher frei übersetzt), das die Mathematikerin und Physikerin Margaret Wertheim und ihre Zwillingsschwester Christine, eine Philosophieprofessorin, vor ein paar Jahren in Los Angeles gegründet haben: ein unermesslich großes Korallenriff, geschaffen mit der Häkelnadel, inspiriert von dem herrlichen aus­tralischen Korallensystem, dieser unvorstellbar reichen Quelle an Biodiversität, das in immer rasanterem Tempo verblasst, zerfällt und verschwindet. Die Wertheim-Schwestern hatten die Idee zu diesem Häkelprojekt; sie realisierten es zunächst nach und nach im Wohnzimmer ihres Hauses in Los Angeles, um es dann in an­deren Städten und Ländern fortzuführen und zu einer globalen Bewegung zu machen, wobei sie selbst von den unerwarteten Aus­maßen überrascht waren, die es über die Jahre annahm.</p>
<p>[…]</p>
<p>Die Übersetzerin und Herausgeberin Doris Wille, die den Originaltext flüssig und kunstfertig übertragen hat, erläutert zu guter Letzt den facettenreichen Gebrauch des Verbs <em>πλέκω/pleko/stricken</em> in der griechischen Alltagssprache.</p>
<p>Die poetische Nachlese der ins Deutsche übertragenen Gedichte von John Taylor, Jackie Cay, Pablo Neruda, Jo Shapcott, und Emily Dickinson rundet das Buch ab, gefolgt von einer umfassenden Bibliographie, dem Index der im Buch genannten Kunstwerke, dem umfangreichen Namensregister, dem Bild- und Textquellenverzeichnis und den nichtdeutschsprachigen Bildunterschriften.</p>
<p>Wer sich trotz der überbordenden Lebenslust, die dieses Buch auszeichnet, nicht mit ihm anzufreunden vermag, der werfe bitte einen Blick in das Verlagsprogramm der <em>Edition Converso &#8211; Mediterrane Sprachwelten</em>. Aus sämtlichen Regionen rings ums Mittelmeer und den dort gesprochenen Sprachen gibt es hier Belletristik, erzählende Sachbücher, aber auch Lyrik zu entdecken – immer in optisch und haptisch ausgezeichneter Gestaltung.</p>
<figure id="attachment_9011" aria-describedby="caption-attachment-9011" style="width: 830px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-9011" src="https://medien.diablog.eu/2021/11/Cover-NEU.png" alt="Buchcover: Die Nadeln des Aufstands, Katerina Schiná" width="840" height="586" srcset="https://medien.diablog.eu/2021/11/Cover-NEU.png 840w, https://medien.diablog.eu/2021/11/Cover-NEU-300x209.png 300w, https://medien.diablog.eu/2021/11/Cover-NEU-768x536.png 768w, https://medien.diablog.eu/2021/11/Cover-NEU-450x314.png 450w, https://medien.diablog.eu/2021/11/Cover-NEU-500x349.png 500w" sizes="auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px" /><figcaption id="caption-attachment-9011" class="wp-caption-text">Die deutsche und die griechische Ausgabe</figcaption></figure>
<p><em>Die Nadeln des Aufstands – Eine Kulturgeschichte des Strickens<br />
</em>Aus dem Griechischen und hrsg. von Doris Wille, 2021<br />
Ausgezeichnet mit dem Griechischen Staatspreis für Essay und Sachbuch (2015)<br />
216 Seiten, mit 14 farbigen Abbildungen und einer Lyrikabteilung.<br />
Gedichte übertragen u. a. von Alissa Walser<br />
ISBN: 978-3-9822252-5-8<br />
Preis: 28,- € [D], 28,80 € [A]</p>
<p>PS: Die Verlegerin Monika Lustig würde gern eine große Ausstellung mit allen Künstlerinnen und Künstlern machen, die im Buch erwähnt werden. Das sollte jetzt die deutschen KuratorInnen auf den Plan rufen.<br />
<em>Die Nadeln des Aufstands</em> sollen auf der Art Cologne gezeigt werden.</p>
<p><strong>Katerina Schiná</strong> (Athen 1956) studierte Jura an der Universität Athen und Musik an der Nationalen Musikhochschule. Sie hat für Zeitungen, Zeitschriften, Radio und Fernsehen gearbeitet und ist seit 1986 Mitarbeiterin der griechischen Nationaloper. Sie lehrte Kulturberichterstattung an der Panteion-Universität Athen (1995-2004) und literarische Übersetzung am EKEMEL (Europäisches Zentrum für die Übersetzung von Literatur und Wissenschaft, 2002-2011). 1997 wurde sie von der Hellenischen Gesellschaft der Literaturübersetzer für die Übertragung von „Sehr blaue Augen“ der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison und 2008 von der Zeitschrift Gourmet für die Übersetzung von Ben Schotts „Sammelsurium Essen und Trinken“ (2008) ausgezeichnet. Ihr Buch „Die Nadeln des Aufstands. Eine Kulturgeschichte des Strickens“ wurde 2015 mit dem Griechischen Staatspreis für Essay und Sachbuch geehrt.</p>
<p><strong>Doris Wille</strong> hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und ein Aufbaustudium in Journalistik und Öffentlichem Recht absolviert. Aus dem Griechischen übersetzt sie sehr erfolgreich seit 1998. Als Übersetzerin und Journalistin widmet sie sich unter anderem der deutschen Okkupation Griechenlands im Zweiten Weltkrieg und dabei vor allem der Oral-History. Für ihre Befragung von Zeitzeugen auf der griechischen Insel Kefalonia, auf der sie wohnt, wurde sie vom italienischen Verein „Associazione Nazionale Divisione Acqui“, der sich dem Gedenken an die Soldaten der gleichnamigen Division widmet, mit einem Orden geehrt. Auf Kefalonia wurden im September 1943 mehrere Tausend italienische Offiziere und Soldaten von der deutschen Wehrmacht exekutiert. Das Massaker auf Kefalonia gehört zu den größten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkriegs.</p>
<p class="textinfo"><em><span class="textinfo">Text: Verlage Kichli und Converso, A. Tsingas. Übersetzung: Doris Wille. Fotos: Edition Converso.</span></em></p>
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		<title>Iakovos Kambanellis&#8216; Werk in Wien</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 Jun 2021 18:02:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Künste]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Übersetzung]]></category>
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					<description><![CDATA[Elena Strubakis präsentiert in Kooperation mit der Diplomatischen Akademie vom 22. bis zum 24. Juli 2021 zu Ehren von Iakovos Kambanellis und seinem einzigen Prosawerk ein weiteres künstlerisches Projekt mit hundert bildenden Künstlerinnen und Künstlern. ... <p class="read-more-container"><a title="Iakovos Kambanellis&#8216; Werk in Wien" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/iakovos-kambanellis-in-wien-mauthausen/#more-523" aria-label="Mehr Informationen über Iakovos Kambanellis&#8216; Werk in Wien">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="einleitung">Elena Strubakis präsentiert in Kooperation mit der Diplomatischen Akademie vom 22. bis zum 24. Juli 2021 zu Ehren von Iakovos Kambanellis und seinem einzigen Prosawerk ein weiteres künstlerisches Projekt mit hundert bildenden Künstlerinnen und Künstlern.</span></p>
<p>Iakovos Kambanellis (1921-2011) ist dem breiteren Publikum durch die Vertonung seiner Gedichte durch Mikis Theodorakis bekannt, insbesondere durch die berühmte „Mauthausen-Kantate“.</p>
<p>Als junger Mann wurde Kambanellis 1943 beim Versuch, aus dem von der Wehrmacht besetzten Griechenland in die Schweiz zu fliehen, in Österreich verhaftet und mit der Häftlingsnummer 10205 ins österreichische Konzentrationslager Mauthausen verbracht. Bis zum 5. Mai 1945 blieb er dort gefangen, als US-amerikanische Truppen das KZ stürmten und die Häftlinge befreiten.</p>
<p>Die einschlägige Literatur endet meist mit der Befreiung. Anders bei Kambanellis, seine Aufzeichnungen beginnen erst mit diesem Tag. Er beschreibt die Zeit danach: Frauen, Männer und Kinder mussten im Lager weiterhin ausharren, weil keine Transportmittel zur Verfügung standen und weil sie in ihrem desolaten Zustand eine Reise nicht überlebt hätten.</p>
<figure id="attachment_1221" aria-describedby="caption-attachment-1221" style="width: 557px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1221" src="https://medien.diablog.eu/2021/06/kambanellis-1.png" alt="Schwarzweissporträt und Buchtitel" width="567" height="427" srcset="https://medien.diablog.eu/2021/06/kambanellis-1.png 567w, https://medien.diablog.eu/2021/06/kambanellis-1-300x226.png 300w" sizes="auto, (max-width: 567px) 100vw, 567px" /><figcaption id="caption-attachment-1221" class="wp-caption-text">Der junge Iakovos Kambanellis ©Albin Michel // Die erste Ausgabe von „Mauthausen“, 1963 ©Kedros Verlag</figcaption></figure>
<p>Kambanellis berichtet in seinem Buch auch von den Reaktionen der Bevölkerung in den umliegenden Dörfern und schildert den Weg in den Alltag. Die Griechinnen und Griechen des Lagers hatten ihn zu ihrem Delegierten für das internationale Lagerkomitee ernannt, er verhandelte mit den Befreiern. 150 jüdische Griechinnen, die trotz des Verbots der Briten nach Palästina wollten, baten ihn, sie nicht allein zu lassen, nicht vor ihnen aufzubrechen. Gemeinsam mit ihnen flüchtete er schließlich heimlich in Lkws, deren Ladung als „Kartoffeln“ deklariert war. Nach seiner Rückkehr nach Athen schrieb Kambanellis Theaterstücke und wurde zu einem der bedeutendsten Bühnen- und Filmautoren Griechenlands. Dieses Jahr feiert Griechenland den 100. Geburtstag des „Vaters des neugriechischen Theaters“, das Ministerium für Kultur und Sport hat das Jahr 2022 zum „Iakovos Kambanellis-Jahr“ erklärt.</p>
<p>Erst 1963 publizierte Kambanellis seine Erinnerungen unter dem schlichten Titel „Mauthausen“. Eine überarbeitete Fassung erschien 1995, insgesamt erschienen beim Kedros Verlag mehr als 30 Auflagen. Sein einziges Prosawerk wurde in viele Sprachen übersetzt, erst 2010, fast fünfzig Jahre später, erschien die deutsche Ausgabe in der Übersetzung von Elena Strubakis unter dem Titel „Die Freiheit kam im Mai“ im Wiener Ephelant Verlag.</p>
<p>Christian Angerer von der Gedenkstätte Mauthausen hatte mit Nina Aichberger Unterrichtsmaterialien erstellt, die an das Kapitel „Ein Staat ohne Grenzen“ angelehnt waren. Elena Strubakis gestaltete gemeinsam mit ihm ein „Lehrbuch für Jung und Alt“. Sie erweiterten die Materialien, fügten Fragen und weitere Informationen hinzu, bereicherten sie mit der wunderbaren Lyrik von Kambanellis‘ „Mauthausen-Kantate“ und schlossen die acht Bilder mit ein, die Strubakis  während der Übersetzung gemalt hatte. Das Buch erschien unter dem Titel „Gute Zeichen“.</p>
<figure id="attachment_1223" aria-describedby="caption-attachment-1223" style="width: 610px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1223" src="https://medien.diablog.eu/2021/06/kambanellis-2.png" alt="Frauenporträt und Buchtitel" width="620" height="461" srcset="https://medien.diablog.eu/2021/06/kambanellis-2.png 620w, https://medien.diablog.eu/2021/06/kambanellis-2-300x223.png 300w" sizes="auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px" /><figcaption id="caption-attachment-1223" class="wp-caption-text">Elena Strubakis//Umschlag von „Gute Zeichen“, 2018, Ephelant Verlag Wien, beides ©Elena Strubakis</figcaption></figure>
<p>Die positive Resonanz darauf veranlasste Elena Strubakis weiterzuarbeiten. Nun sollten andere bildende Künstlerinnen und Künstler zu „Erzählerinnen“ und „Erzählern“ des Prosawerkes werden. Sie lud Kolleg:innen aus dem deutschsprachigen Raum ein, mitzuwirken: Sie sollten das gesamte Buch bildnerisch umsetzen.</p>
<p>Es ist nicht das erste Großprojekt von Elena Strubakis zu diesem Thema. Bereits am 7. Oktober 2018 hatte sie zusammen mit Prof. Dr. Franz Richard Reiter die „Marathonkonzertlesung&#8220; auf dem Wiener Stephansplatz in einem Zelt veranstaltet. 100 Persönlichkeiten lasen damals in über 14 Stunden das gesamte Buch. Der ORF besorgte den Livestream.</p>
<figure id="attachment_1225" aria-describedby="caption-attachment-1225" style="width: 523px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1225" src="https://medien.diablog.eu/2021/06/kambanellis-3.png" alt="Toreinfahrt und Poster" width="533" height="432" srcset="https://medien.diablog.eu/2021/06/kambanellis-3.png 533w, https://medien.diablog.eu/2021/06/kambanellis-3-300x243.png 300w" sizes="auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px" /><figcaption id="caption-attachment-1225" class="wp-caption-text">Portal der Diplomatischen Akademie Wien // Vorankündigung der Werkschau, beides ©Elena Strubakis</figcaption></figure>
<p>Der Einladung zum jetzigen Projekt folgten Künstlerinnen und Künstler sowie Schülerinnen und Schüler mit großem Engagement und Begeisterung. Die berühmte Fotografin Lisl Steiner, der Philhellene, Übersetzer und Maler Otto Staininger, die auch als Model bekannte Malerin Britta Dion zeigen neben vielen anderen ein Bild zu je einer Passage. Die verbildlichte Erzählung von Kambanellis´ Buch wird nun vom 22. bis zum 24. Juli 2021 als multimediale Werkschau in der Diplomatischen Akademie Wien erstmals dem Publikum gezeigt. Die gemeinschaftliche Präsentation von rund 100 Kunstwerken an einem Ort zum Thema Nationalsozialismus und KZ Mauthausen ist ein Novum. Das Event „Hundert  Künstlerinnen und Künstler – Hundert Kunstwerke der Freiheit“ steht unter der Ägide von Kardinal Christoph Schönborn, Oberrabbiner Jaron Engelmayer, Bischof Michael Chalupka und Metropolit Arsenios Kardamakis.</p>
<p><em><strong>Elena Strubakis</strong>, geboren 1963 in Wien, ist seit ihrer Kindheit künstlerisch tätig und wurde von Oskar Kokoschka unterrichtet. Mit 12 Jahren zog sie zu ihrer Familie nach Griechenland. Dort eignete sie sich die Techniken der Ikonenmalerei an. Zurück in Wien studierte sie Architektur und arbeitete im Bereich Entwurf im öffentlichen Bau und später als funktionale Planerin. Als Architektin wurde Elena Strubakis international bekannt durch ihre innovativen Planungen von Krankenhäusern, als bildende Künstlerin hingegen für ihre großflächigen Werke in Öl, die sie später zu Zyklen formte, wie es ihr Oswald Oberhuber beigebracht hatte. Für die Übertragung von Kambanellis´ „Mauthausen“ ins Deutsche, das unter dem Titel „Die Freiheit kam im Mai“ erschien, erhielt sie 2010 eine Übersetzungsprämie des Österreichischen Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur als „Auszeichnung für die besonders gelungene literarische Übersetzung”.</em></p>
<p><span class="textinfo">Text: A. Tsingas. Fotos: Albin Michel, Kedros Verlag, Elena Strubakis.</span></p>
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		<title>Kunst gegen die „Trägheit“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Mar 2021 18:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Künste]]></category>
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					<description><![CDATA[Ausstellung in pandemischen Zeiten: 25 zeitgenössische Künstler:innen mit unterschiedlichem Hintergrund treten auf 2000 Quadratmetern im Athener Zentrum in einen Dialog miteinander und fordern die „Trägheit“ des Seins heraus. Skulpturen, Installationen, Wandgemälde, Performances und Kompositionen schaffen ... <p class="read-more-container"><a title="Kunst gegen die „Trägheit“" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/kunst-gegen-die-traegheit/#more-517" aria-label="Mehr Informationen über Kunst gegen die „Trägheit“">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="einleitung">Ausstellung in pandemischen Zeiten: 25 zeitgenössische Künstler:innen mit unterschiedlichem Hintergrund treten auf 2000 Quadratmetern im Athener Zentrum in einen Dialog miteinander und fordern die „Trägheit“ des Seins heraus. Skulpturen, Installationen, Wandgemälde, Performances und Kompositionen schaffen eine besondere Dynamik, eine Atmosphäre, in der Kunst ein – bisher – „träges“ Gebäude in einen Ort der Tat verwandelt. Und das in einer Zeit, die wir so noch nicht erlebt haben und mit der Kernaussage, dass die Kunst unter jeglichen Bedingungen aktiv und handlungsfähig bleiben muss.</span></p>
<figure id="attachment_1309" aria-describedby="caption-attachment-1309" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1309" src="https://medien.diablog.eu/2021/03/augoustis-ioannis.jpg" alt="figur die den kopf in den boden steckt" width="1024" height="683" srcset="https://medien.diablog.eu/2021/03/augoustis-ioannis.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2021/03/augoustis-ioannis-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2021/03/augoustis-ioannis-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-1309" class="wp-caption-text">ioannis augoustis</figcaption></figure>
<h3 style="text-align: center;">Statement des Kurators</h3>
<p>Mit dem Begriff „Trägheit“ bezeichnet man in der Physik die Eigenschaft von Körpern, jeder Veränderung ihres Bewegungszustandes zu widerstehen. Die Weigerung, sich an einen neuen Zustand anzupassen, ist ein Merkmal aller Körper.</p>
<p>Trägheit durchdringt die Epoche in ihrer Ganzheit und reißt eine breite Kluft in ein ohnehin schon dysfunktionales System. Die am meisten der Trägheit unterworfenen Funktionen der Gesellschaft, darunter auch die Kultur, formen das Bild einer neuen Realität, die durch eine vollkommene Versklavung von Kunst und Künstler:innen gekennzeichnet ist.</p>
<figure id="attachment_1313" aria-describedby="caption-attachment-1313" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1313" src="https://medien.diablog.eu/2021/03/marilena_kranioti.jpg" alt="kunstwerk in raum" width="1024" height="683" srcset="https://medien.diablog.eu/2021/03/marilena_kranioti.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2021/03/marilena_kranioti-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2021/03/marilena_kranioti-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-1313" class="wp-caption-text">marilena kranioti</figcaption></figure>
<p>Die Schöpfer:innen skizzieren, imaginieren und wagen durch ihr Werk dank ihres Denkens, ihrer Fühlens, ihrer Empathie, ihres Wollens und ihres Einfallsreichtums die Erschaffung neuer Wirklichkeiten. Daraus erwachsen in der Folge die notwendigen Details einer kreativen, inneren Auseinandersetzung der Gesellschaft mit ihrer Vergangenheit und gleichzeitig die Details, die in der Gegenwart für das Individuum lebenswichtige Bedeutung haben.</p>
<p>Vor uns breitet sich eine stumme Welt aus, ohne Künstler:innen und ohne eine Spur von Sinn, da das künstlerische Spektrum bekämpft und in die Verelendung und Desorientierung getrieben wird. Diese Entwicklung definiert den Künstler und die Künstlerin und ihre Rolle in der Gesellschaft neu. Eine Gesellschaft ist dann nachhaltig, wenn es ihr gelingt, Generationen zu überdauern und dabei den Weitblick, die Flexibilität und die Weisheit zu bewahren, sich selbst immer wieder zu reformieren.</p>
<figure id="attachment_1311" aria-describedby="caption-attachment-1311" style="width: 1014px" class="wp-caption aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-1311" src="https://medien.diablog.eu/2021/03/iakovos_volkov.jpg" alt="buchstaben an einer wand" width="1024" height="683" srcset="https://medien.diablog.eu/2021/03/iakovos_volkov.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2021/03/iakovos_volkov-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2021/03/iakovos_volkov-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-1311" class="wp-caption-text">iakovos volkov</figcaption></figure>
<p>Während des ersten Lockdowns wurde uns unfreiwillig „Zeit“ geschenkt und die kostbare Gelegenheit, mit uns selbst ins Gespräch und in Kontakt zu kommen. Diese Bewegung nach innen schuf eine gegenläufige Bewegung nach außen, hin zum Existierenden und zu den Möglichkeiten des menschlichen Seins. In dieser Ausstellung wird diese Zeit durch das Prisma von 25 Künstler:innen in einem 2000 Quadratmeter großen Raum im Athener Zentrum beleuchtet und körperlich greifbar. In einer Zeitspanne intensiver Unterdrückung, in der die physische Bewegung aufgehoben wird, befreit sich die künstlerische Aktion „Trägheit“ von dem Zwang des digitalen Lebens und es gelingt ihr, in einem physischen Raum die zeitlose und universelle Angst zu entmystifizieren, indem sie sich für sinnlich „anwesend und gegenwärtig“ erklärt.</p>
<a href="https://diablog.eu/kuenste/kunst-gegen-die-traegheit/"><img decoding="async" src="https://diablog.eu/wp-content/plugins/wp-youtube-lyte/lyteCache.php?origThumbUrl=%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2F_ynIHf0Wduc%2Fhqdefault.jpg" alt="YouTube Video"></a><br />Hinweis YouTube Video: Bei Klick auf den Player werden Tracking-Daten an Google - YouTube übertragen. → <a href="https://diablog.eu/datenschutzerklaerung/">Datenschutzerklärung</a><br /></p>
<h3>Teilnehmende Künstler:innen:</h3>
<p>anastasia-eirini ntioudi, anastasia papaleonida, angelos akrida, athina kanelopoulou, blaqk (simek &amp; greg papagrigoriou), don forty, eleni zervou, eliza krikoni, iakovos volkov, ioannis augoustis, jola 818, lydia dimitriadi, lydia miligkou, marilena kranioti, onebran, p1mp kardashian, panagiotis vasileiou, robert seikon, senor, tarta ross, the krank, timothy laskaratos, vassiliki koukou &amp; yiannis pappas</p>
<p><strong>Kurator:</strong> The Krank, <strong>Gastgeber:</strong> #okupaathens, <strong>Website:</strong> <a href="https://www.adraneia.online/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.adraneia.online</a>.</p>
<p><span class="textinfo">Text: The Krank. Übersetzung: Michaela Prinzinger.</span></p>
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		<title>Von Bräuten und Dragqueens</title>
		<link>https://diablog.eu/kuenste/gerasimos-neofytos-fotograf-von-braeuten-und-dragqueens/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Apr 2020 08:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Künste]]></category>
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					<description><![CDATA[Die internationale „Thessaloniki Book Fair“, eine Messe für Buchhändler und Buchliebhaber, findet jedes Jahr im Mai statt. 2020 ist sie auf Ende Oktober verlegt worden. Auf der Buchmesse im letzten Jahr traf Thanassis Tsingas auf ... <p class="read-more-container"><a title="Von Bräuten und Dragqueens" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/gerasimos-neofytos-fotograf-von-braeuten-und-dragqueens/#more-478" aria-label="Mehr Informationen über Von Bräuten und Dragqueens">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span class="einleitung">Die internationale „Thessaloniki Book Fair“, eine Messe für Buchhändler und Buchliebhaber, findet jedes Jahr im Mai statt. 2020 ist sie auf Ende Oktober verlegt worden. Auf der Buchmesse im letzten Jahr traf Thanassis Tsingas auf den renommierten Fotografen <a href="http://www.biblionet.gr/author/53124/Gerasimos_Neofytos" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Gerasimos Neofytos</a>. Für diablog.eu sprach er mit ihm über die Filmaufnahmen zu „Bräute“ von Pantelis Voulgaris und die Drag-Shows atemberaubender Athener Nächte.</span></p>
<p>Im Mai 2019 war ich auf der Internationalen Buchmesse in Thessaloniki, DER Veranstaltung für das (griechische) Buch und seine Schöpfer, die jährlich stattfindet. Mein Blick fiel auf eine Reihe einzigartiger Schwarz-Weiß-Fotoporträts von griechischen und nicht-griechischen Schriftstellern, die den Pavillon des Verlagshauses Eurasia besonders hervorhoben.</p>
<p>Ich hatte das Glück, mit ihrem Urheber Gerasimos Neofytos zu sprechen, der in Athen lebt und arbeitet. Ich sah, wie er mit einer analogen Kamera (und Schwarzweißfilm, wie ich später erfahren habe) Besucher mit besonderer Aura ablichtete – nachdem er sie natürlich um Einverständnis gebeten hatte. Aber wer könnte schon seinem Charme widerstehen?</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-singlepost-thumb wp-image-2420" src="https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-1-450x600.jpg" alt="buch cover: the big bar show" width="450" height="600" srcset="https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-1-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-1-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-1.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p>Gerasimos wurde der breiten Öffentlichkeit durch seine fotografischen Arbeiten während der Produktion von Pantelis Voulgaris´ Film „Bräute“ (2004) bekannt, dem zehnten Spielfilm des Regisseurs. Als Essenz eines Archivs von 8.000 Fotos, die Gerasimos Neofytos während der Dreharbeiten aufgenommen hatte, wurde das Album „In der hellen Kammer mit den Bräuten“ veröffentlicht.</p>
<p>Seine Zusammenarbeit mit dem renommierten Regisseur beschreibt Gerasimos so:</p>
<p>&gt;Alles begann im September 2002 in einem verlassenen Dorf in der Nähe von Kastoria. Dort wurden die Bräute zum ersten Mal auf Film gebannt und machten sich dann auf ihre lange Reise. Mit echter Begeisterung für das Werk von Pantelis Voulgaris und großer persönlicher Zuneigung folgte ich ihm auf diesem mühevollen Kurs, der jedoch eine poetische Offenbarung war, und ließt eine Spur aus Fotos hinter mir, um meinen Weg wieder zurückzufinden. Neugierig, überrascht, frohen Mutes, gestresst, gerührt, müde, ergeben, habe ich miterlebt, wie das Drehbuch von Ioanna Karystiani Szene für Szene, Aufnahme für Aufnahme vom ersten bis zum letzten Tag – fast ein ganzes Jahr später – zum Film wurde.&lt;</p>
<p>Gerasimos Neofytos wurde 1957 auf der ionischen Insel Kefalonia geboren, wo er auch aufgewachsen ist. In Thessaloniki studierte er Wirtschaftswissenschaften und widmete sich parallel dazu der Musik, Liedtexten und Super-8-Filmen. Später arbeitete er in der Werbebranche, zuerst als Texter und dann als Kreativdirektor, und wurde dabei mit mehr als hundert griechischen und internationalen Auszeichnungen geehrt. Gerasimos´ fotografische Karriere begann recht spät um 1998. Er hat sich ausschließlich der analogen Fotografie verschrieben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter wp-image-2422 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-2.png" alt="buch cover: zambia" width="1024" height="769" srcset="https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-2.png 1024w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-2-300x225.png 300w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-2-768x577.png 768w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-2-450x338.png 450w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Den „Bräuten“ folgte das Album „Kokkino“ (Rot, 2005). Gerasimos Neofytos schloss sich 2008 der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ in Sambia an und hat Aspekte ihrer humanitären Aktion in dem Fotoband „Zambia“ zusammengefasst. Auf Film bannte er auch den antiken Karnevalsbrauch „Janitscharen und Boulen“ der Stadt Naoussa in Zentralmakedonien, die Pehlevan-Ringer in der Ortschaft Sochós bei Thessaloniki, die Milchbauern auf den Bergen von Rodopi, seine Heimatinsel Kefalonia, darüber hinaus Lesbos, Thessaloniki und Athen. Anschließend präsentierte er fotografische Erzählungen über zwei Schwergewichte der griechischen Literatur, den Schriftsteller Alexandros Papadiamantis und den Lyriker Konstantinos Kavafis. Für die Fotosammlung zu Kavafis bereiste er Ägypten, Marokko, Syrien und den Libanon. Seine Arbeiten wurden in auflagenstarken Zeitungen und Zeitschriften publiziert und bisher in 21 Einzel- und 6 Gruppenfotoausstellungen gezeigt – sowie nicht zuletzt auch in sieben umfangreichen und hochwertigen Fotoalben, sechs davon beim bereits erwähnten Athener Verlag Eurasia.</p>
<p>Wieso eigentlich dort? Ich selbst war zum ersten Mal auf dieses Verlagshaus als Herausgeber von Büchern zum Zweiten Weltkrieg gestoßen, während sich das Verlagsprogramm auf Fragen der Philosophie, der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, des Rechts und der internationalen Beziehungen konzentriert. Über seine Zusammenarbeit mit Eurasia sagt Gerasimos:</p>
<p>&gt;Pantelis Voulgaris´ „Bräute“ waren der Anlass zum Treffen mit dem Verleger Phaedon Kidoniatis. Sein Interesse an Pantelis´ Bildmaterial führte sehr schnell zum Angebot einer Zusammenarbeit. Die „Bräute“ haben somit ein Treffen vermittelt, das zu einer glücklichen und fruchtbaren „Ehe“ führte: Bisher sind ihr sechs Fotoalben entsprungen, und der Kreis der fotografischen Fruchtbarkeit ist noch nicht abgeschlossen, er wird ständig durch neue Veröffentlichung erweitert. Ich war also der Auslöser, der den Verlag Eurasia dazu gebracht hat, sein Programm – parallel zu den anderen qualitativ hochwertigen Ausgaben – um Fotobände zu erweitern. Darüber bin ich sehr glücklich!&lt;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-singlepost-thumb wp-image-2428" src="https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-6-450x645.jpg" alt="mann als frau" width="450" height="645" srcset="https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-6-450x645.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-6-209x300.jpg 209w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-6.jpg 714w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p>Die neueste Fotokollektion von Gerasimos Neofytos trägt den Titel „Big Bar Show“. Diese Drag-Show hat er mit einem 50er Objektiv auf Ilford 400 verewigt – auf Schwarzweißfilm. Und das ausgerechnet bei einer Show, die von lebhaften Farben dominiert wird!  Gerasimos kommentiert dieses Album auf seine besondere Weise:</p>
<p>&gt;In den von Feuchtigkeit und Afrikastaub gesättigten Nächten kann der verrückte Südwind jeden zum Wahnsinn treiben. Er dreht seine Runden vom Zentrum zum Kerameikos und vom Botanikos nach Gazi, diesen grell-dekadenten Athener Bezirken, und atmet den Smog ein, den die Bolleröfen der Wohnungen in den Himmel stoßen, denn es mangelt an teurem Heizöl für die Zentralheizungen der Stadt. Auf geliehenen Stöckelschuhen, um die er einst Almodóvar beneidete, ist sein innigster Wunsch, Fellinis weibliche Hauptrollen zu verkörpern: Gelsomina, Cabiria, Julia, Saraghina &#8230; In den von Feuchtigkeit und Afrikastaub gesättigten Nächten macht einen die dünne Mondscheibe nicht satt. Überhaupt, man muss sie erst einmal finden!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-singlepost-thumb wp-image-2430" src="https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-8-450x642.jpg" alt="dragqueen" width="450" height="642" srcset="https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-8-450x642.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-8-210x300.jpg 210w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-8.jpg 718w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p>Denn normalerweise zieht sie sich in die Parks zurück, wo sie feuchtes Geflüster, zerhackte Konsonanten, unvollständige Lebensläufe und Psalmen von Märtyrern zu entschlüsseln versucht, die sich außerhalb der kirchlichen Lobpreisungen bewegen. In den feuchten Nächten, in denen die Gassen der Stadt  vor taunassen Windschutzscheiben wimmeln, und man um das Geld trauert, das man beim Friseur hingeblättert hat, gibt es Männer, die zu ihrem Spiegelbild sagen: „Das Licht soll doch lieber dunkel gefiltert vor meine Füße fallen!“ Und dann geht das verborgene Rampenlicht an und badet die „schweren Mädels“, die keck auf ihren 20-Zentimeter-Absätzen herumstolzieren, Schuhnummer fünfundvierzig aufwärts, in Licht!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-singlepost-thumb wp-image-2426" src="https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-4-450x641.jpg" alt="person mit turban" width="450" height="641" srcset="https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-4-450x641.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-4-211x300.jpg 211w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-4.jpg 719w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p>Bei der Show dabei sind internationale Stars (Liza Minnelli, die Entertainerin, ein Drechsler! – Grace Jones, die Performerin, ein Bauarbeiter! – Dalidá, die französische Sängerin, ein Mathe- und Physik-Lehrer!) und griechische Ikonen (Jenny Vanou, die Sängerin der 70er und 80er Jahre, ein Schweißer! – Rena Vlachopoulou, die Schauspielerin der 50er und 60er Jahre, ein Küster! – Sperantza Vrana, die Skandalnudel der 50er bis 80er Jahre, ein Steuerberater!)</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="aligncenter size-singlepost-thumb wp-image-2424" src="https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-3-450x645.jpg" alt="nackter mann" width="450" height="645" srcset="https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-3-450x645.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-3-209x300.jpg 209w, https://medien.diablog.eu/2020/04/neofytos-3.jpg 714w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p>Meine Damen! Meine Herren! Willkommen bei der berühmten Big Bar Show! Eine spektakuläre Drag-Show, die Sie gleichermaßen als Zuschauer wie Buchliebhaber genießen können! Denn die Big Bar Show ist die erste griechische Drag-Show, die zum Fotoband geworden ist!&lt;</p>
<p>Wir werden die Arbeit von Gerasimos Neofytos weiterhin verfolgen und freuen uns schon auf seinen nächsten Coup!</p>
<p><span class="textinfo">Text: Thanassis Tsingas/Gerasimos Neofytos. Fotos: Gerasimos Neofytos.</span></p>
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