<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Redaktion &#8211; diablog.eu</title>
	<atom:link href="https://diablog.eu/author/redaktion/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://diablog.eu</link>
	<description>deutsch - griechische Begegnungen</description>
	<lastBuildDate>Wed, 08 Jul 2026 06:34:38 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0.1</generator>

<image>
	<url>https://medien.diablog.eu/2022/05/cropped-favicon-diablog-1-32x32.png</url>
	<title>Redaktion &#8211; diablog.eu</title>
	<link>https://diablog.eu</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Vaggelis Tsaprounis: von Ikonen und der Liebe zur Natur</title>
		<link>https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/vaggelis-tsaprounis-von-ikonen-und-der-liebe-zur-natur/</link>
					<comments>https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/vaggelis-tsaprounis-von-ikonen-und-der-liebe-zur-natur/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 06:29:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bildende Kunst]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://diablog.eu/?p=16685</guid>

					<description><![CDATA[Die Ikonenmalerei verbindet Kunst mit Handwerk und Glauben und ermöglicht in einer hektischen Welt das Streben zum Göttlichen. Für Vaggelis Tsaprounis ist sie mehr als ein Beruf. Simon Steiner hat mit ihm gesprochen. Vaggelis, wie ... <p class="read-more-container"><a title="Vaggelis Tsaprounis: von Ikonen und der Liebe zur Natur" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/vaggelis-tsaprounis-von-ikonen-und-der-liebe-zur-natur/#more-16685" aria-label="Mehr Informationen über Vaggelis Tsaprounis: von Ikonen und der Liebe zur Natur">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Die Ikonenmalerei verbindet Kunst mit Handwerk und Glauben und ermöglicht in einer hektischen Welt das Streben zum Göttlichen. Für Vaggelis Tsaprounis ist sie mehr als ein Beruf. Simon Steiner hat mit ihm gesprochen.</p>
<p class="interview">Vaggelis, wie bist du zur Ikonenmalerei gekommen?</p>
<p>Mit der Ikonenmalerei habe ich vor etwa 34 Jahren begonnen. Das war um 1992, ich hatte gerade mein fünfjähriges Studium an einer privaten und freien Studienwerkstatt abgeschlossen. Meine Studienschwerpunkte waren freies Zeichnen und Farbe.</p>
<p class="interview">Welche Rolle spielten während deines Studiums das Vergangene, die Tradition und die Moderne und welche deine Lehrer?</p>
<figure id="attachment_16709" aria-describedby="caption-attachment-16709" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" class="wp-image-16709 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34-450x337.jpg" alt="" width="450" height="337" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34-450x337.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-10-E.Tsaprounis-teaser34.jpg 718w" sizes="(max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16709" class="wp-caption-text">Vaggelis Tsaprounis in seinem Atelier in Vasilika, Nord-Euböa</figcaption></figure>
<p>In Athen gab – damals wie heute – die Hochschule für Bildende Künste den Ton in der Kunstszene an, die sich zunehmend der sogenannten zeitgenössischen Kunst (contemporary art) zuwandte. Der neue Trend umfasste Kunstinstallationen, Videokunst, Performances, konzeptuelle Kunst und alles andere außer Leinwandmalerei. Dieser Trend wurde in den folgenden Jahren vorherrschend und dauert bis heute an.<br />
In der kleinen Werkstatt, in der ich studierte, waren jedoch der Einfluss der Malergeneration der 1930er Jahre und die Rückkehr zur Tradition noch sehr ausgeprägt. Der Maler Tassos Rigas, der diese Werkstatt leitete, vermittelte uns seine Bewunderung für Maler wie Parthenis, Nikolaou, Papaloukas, Tsarouchis sowie für die Quellen dieser Tradition: byzantinische Ikonenmalerei, antike griechische Reliefs, Lekythen <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lekythos">hier</a>]</span>, Mosaike und Fresken. Wir lebten also in einer vergangenen Zeit. Die zeitgenössische griechische Kunst war in die postmoderne Phase eingetreten – und wir atmeten immer noch den Geist des Modernismus. Wenn ich von Modernismus spreche, meine ich damit den Aspekt, der sich auf Quellen, Tradition und das Ursprüngliche zurückbesinnt, eben die Suche nach Werten.<br />
Die Werkstatt von Tassos Rigas war eigentlich eine Vorbereitungsklasse für die Aufnahmeprüfungen an der Hochschule für Bildende Künste. Die Studenten blieben dort im Durchschnitt ein bis drei Jahre und wurden danach entweder von der Hochschule aufgenommen, oder gaben endgültig auf. Rigas war ein charismatischer Lehrer und bildete in diesem künstlerischen Klima Maler aus. Eigentlich war er dazu nicht verpflichtet, da der Besuch der Werkstatt, wie bereits erwähnt, lediglich der Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfungen diente.<br />
Ich bin dort über die Dreijahresgrenze hinaus geblieben; nachdem ich fünf Mal in Folge auf der Warteliste der erfolgreichen Kunsthochschulbewerber gelandet war, beschloss ich, meinen Weg ohne Hochschulausbildung fortzusetzen. Ich hatte fünf Jahre lang freies Zeichnen und Farbe studiert, bei Sonntagsausflügen in die Nationalgalerie und das Archäologische Museum über Kunst diskutiert, Galerien besucht und die Kunstszene Athens beobachtet und kommentiert.</p>
<p class="interview">Zu deiner persönlichen Beziehung zur Tradition passt sicherlich auch dein Bekenntnis zur Religion.</p>
<p>Von Natur oder aus innerer Neigung war ich unter anderem ein eher konservativer Mensch. Vielleicht hatte ich auch eine latente Neigung zur Religion und zum Spirituellen, in der Schule nannten mich die anderen Kinder „Pater“. Für Dogmen und Fanatismus hatte ich aber nicht viel übrig. Später entwickelte ich durch meine Arbeit ein starkes Interesse für die Universalität der Religion.</p>
<p class="interview">Gibt es bestimmte Ikonen oder Meister, die dich geprägt haben?</p>
<p>Gegen Ende dieses Zeitabschnitts brachte mich Tassos Rigas mit dem Ikonenmaler Giorgos Chochlidakis in Kontakt. „Meister Giorgis“, wie wir ihn damals nannten, unterhielt zu dieser Zeit eine Werkstatt mit drei oder vier Assistenten und übernahm vielerorts in Griechenland die ikonographische Ausgestaltung von Kirchen. Er war Träger einer großen Tradition, hatte in der Werkstatt von Fotis Kontoglou „gedient“, dem großen Erneuerer der byzantinischen Ikonenmalerei. Kontoglou war Lehrer vieler Maler der 1930er-Generation, darunter auch von Giannis Tsarouchis. Ich war begeistert von der Idee, mit ihm als Ikonenmalerei-Assistent zu arbeiten. Das Werk, das mich damals besonders inspirierte, waren die Wandmalereien der Chora-Kirche in Istanbul, dem ehemaligen Konstantinopel, ein Denkmal, das ich einige Jahre später aus nächster Nähe bewundern konnte. <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://www.dw.com/de/t%C3%BCrkei-die-chora-kirche-in-istanbul-ist-nun-eine-moschee/a-69044665">hier</a>]</span><br />
So schlug ich also einen Weg ein, der mich von der aktuellen Entwicklung der Kunst meiner Zeit entfernte und in ein Studium eintauchen ließ, das einer archäologischen Ausgrabung glich. Ich war neugierig auf alles, was mit dieser Tätigkeit zu tun hatte: die Texte des Siebten Ökumenischen Konzils, die die Verwendung von Bildern in der orthodoxen Tradition regeln, das Leben der Heiligen, die Geschichte von Architektur und Ikonenmalerei, die Materialkunde, die Ursprünge dieser Kunst und so weiter.<br />
In der Werkstatt des Ikonenmalers Giorgos Chochlidakis schufen wir hauptsächlich Wandmalereien und nur sehr wenige tragbare Ikonen auf Holz. Chochlidakis hatte zu Beginn seiner Karriere mit der Freskotechnik gearbeitet; ein Beispiel dazu kann man in der kleinen Kapnikarea-Kirche in der Athener Ermou-Straße sehen, wo er mit seinem Lehrer Kontoglou zusammengearbeitet hat.</p>
<p class="interview">Erzähle mir mehr über deine Arbeitstechniken und Ausbildungsschritte.</p>
<figure id="attachment_16708" aria-describedby="caption-attachment-16708" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16708 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-450x512.jpg" alt="" width="450" height="512" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-450x512.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-264x300.jpg 264w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-768x874.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros-500x569.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-09_AgDimitriosTheodoros.jpg 900w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16708" class="wp-caption-text">Die Hl. Dimitrios und Theodoros</figcaption></figure>
<p>Zu der Zeit, als ich dort war, arbeitete er nur <em>al seco</em>, also auf trockener Wand, und insbesondere mit einer Variante dieser Technik, bei der Leinwand verwendet wird. Bei dieser Technik verwendeten wir große Baumwollstoffe von etwa drei auf vier Metern, die wir in der Werkstatt auf entsprechend große Keilrahmen spannten. Dann ging es ans Bild, wir entwarfen und malten es auf die Leinwand. Das fertige Werk wurde dann sorgfältig abgenommen und wie eine Tapete auf die Wand geklebt. Die genaue Platzierung wurde mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogramms, das maßstabsgetreu auf einem architektonischen Aufriss der Kirche basierte, genau berechnet. Diese Technik verwende ich normalerweise auch bei meinen eigenen Werken. Diese Methode hat Vor- und Nachteile sowie technische Schwierigkeiten. Das Hauptproblem besteht darin, die Größe des Werks und die Farbabstufungen so zu berechnen, dass es mit dem architektonischen Element, auf das es kommt, harmoniert, und dabei die andächtige Atmosphäre entsteht, die in orthodoxen Kirchen vorherrscht. Dies lässt sich nur durch Erfahrung erreichen – unterstützt durch bewährte Lösungen der traditionellen Kirchenmalerei. Der Werkstattalltag hat uns genau auf solche Arbeiten vorbereitet.<br />
In diesem Metier gibt es eine Hierarchie. Der Meister leitet die Werkstatt. Er fertigt den ersten maßstabsgetreuen Entwurf, wie auch die endgültigen Fassungen auf Leinwand an. Die Assistenten beginnen ihre Ausbildung mit der Vorbereitung der Leinwand und anderen groben Arbeiten. Ich blieb fast ein Jahr lang in dieser Phase und begann dann, Gebäude, Kleidung usw. zu malen. Es gibt also Lehrlinge, die sich auf Kleidung oder dekorative Motive spezialisiert haben, je nach ihrer Erfahrung. Manch einer ist ehrgeizig und lernt die ganze Bandbreite des Handwerks, während sich andere mit einer Spezialisierung begnügen. Der Meister vollendet dann das Werk, mildert hier einige Farbtöne ab, betont dort etwas anderes, korrigiert ein Kleidungsstück und malt vor allem die Gesichter und ihren Ausdruck. Nur so ist die Bemalung so großer Flächen möglich.<br />
Fürs Protokoll möchte ich erwähnen, dass ich nach einigen Jahren auch in der Werkstatt für tragbare Ikonen von Themis Petrou gearbeitet habe, wo ich die Technik der Eitempera erlernte. Ich arbeitete abwechselnd in beiden Werkstätten. 1996, mit 27 Jahren, übernahm ich zusammen mit meiner Kollegin Nelli Tziara die malerische Ausgestaltung der Kapelle des Heiligen Stephanos in Chalkida auf Euböa. 1998 gründete ich mein erstes Atelier in der Kolokotroni-Straße im Athener Zentrum und verlegte es 2001 in die Agia-Filothei-Straße neben der Erzdiözese Athen.</p>
<p class="interview">Und dein persönlicher Stil, wie ist der entstanden? Erzähle mir bitte mehr über Motivation und Ziele.</p>
<figure id="attachment_16705" aria-describedby="caption-attachment-16705" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16705 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-450x430.jpg" alt="" width="450" height="430" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-450x430.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-300x286.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-768x733.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu-500x477.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-06-Mandala-Jesu.jpg 887w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16705" class="wp-caption-text">Pantokrator, Kapelle des Hl. Vasileios auf Schinoussa 2002, Deckenmalerei al seco</figcaption></figure>
<p>Was in diesem Zusammenhang meinen persönlichen Stil angeht, so würde ich sagen, dass es sich nicht um eine bewusste Entscheidung oder um Eklektizismus handelt. Der persönliche Stil hat mit der Art und Weise zu tun, wie und in welchem Ausmaß jemand die traditionellen Elemente versteht; es ist also das Ergebnis eines analytischen Prozesses, aber auch eines Gespürs für das Heilige, das sich in einem langsam entwickelt. Sagen wir, ich habe ein bestimmtes Kriterium oder Ideal entwickelt, dem ich mich anzunähern versuche. Ich betrachte das Werk, an dem ich arbeite, und frage mich: Ist es richtig angeordnet, sind die Farben harmonisch? Mein großes Ziel ist es – ob ich es erreicht habe, müssen andere beurteilen – , mit meiner Kunst dazu beizutragen, dass in der Kirche dieses Erlebnis festlicher Freude und zurückhaltender Trauer entsteht, das Gefühl der bittersüßen Zufriedenheit, wie man es zusammenfassend ausdrücken könnte.<br />
Hier muss ich etwas anfügen, was mir sehr am Herzen liegt: Die Künstler hängen in ihren Werkstätten konstant einer Vision nach, einem Hauptanliegen, das sie während ihrer Arbeit – und nicht nur dann – beschäftigt. Dazu möchte ich zwei weitere Meinungen anführen, die ich teile: Ernst Gombrich meint, Künstler würden stets nach einer gewissen Art von Gleichgewicht streben und sich fragen, ob sie es erreicht hätten. <span style="color: #0000ff;">[hier]</span> George Lappas ergänzt, sie würden sich ständig in Richtung <em>Ekstase</em> bewegen, ohne sie jemals zu erreichen, da der ekstatische Mensch nicht mehr den Wunsch verspüre, Kunst zu erschaffen. <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/George_Lappas">hier</a>]</span></p>
<p class="interview">Welche Bedeutung hat für dich die Ikonenmalerei?</p>
<figure id="attachment_16704" aria-describedby="caption-attachment-16704" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16704 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-450x481.jpg" alt="" width="450" height="481" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-450x481.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-281x300.jpg 281w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-768x821.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller-500x534.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-05_agiosVasiliosMandalaheller.jpg 819w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16704" class="wp-caption-text">Der Hl. Nikolaos, Kapelle des Hl. Vasileios auf Schinoussa 2002</figcaption></figure>
<p>Zusammenfassend ist die Ikonenmalerei, meiner Meinung nach, keine simple Kunstfertigkeit, sondern ein komplexes darstellendes System, das in direktem Zusammenhang zum orthodoxen Dogma steht. Man müsste Theologe sein und sich intensiv mit der Theologie der Ikonen befasst haben, um das gesamte Geflecht von Regeln und Symbolismen beschreiben zu können. Generell lässt sich jedoch sagen, dass das Siebte Ökumenische Konzil von Nicäa nach der Bildersturm-Debatte die Verwendung von Ikonen im Gottesdienst wieder zulässt. Aus dieser Sicht erhält das Bild, dank seines Potentials, den Geist der Gläubigen auf den Dargestellten auszurichten, seinen Wert innerhalb der Kirche zurück. Es handelt sich also um einen liturgischen Gegenstand, der durch seine Verwendung im Gottesdienst geheiligt wird. Der Ikonenmaler bietet seine handwerkliche Arbeit an, um das Bildnis herzustellen. Meiner Meinung nach drückt dies die Formulierung <em>dia cheiros</em> („aus der Hand von &#8230;“) aus, die der Unterschrift des Künstlers auf einem Bild voransteht; diese Formulierung erscheint mir passender als das antike <em>epoiesen</em> („erschaffen von &#8230;“). Das Gleiche gilt für alle liturgischen Gegenstände. Der Kelch der Liturgie beispielsweise erhält seine Heiligkeit nicht aufgrund seiner Herstellung, sondern aufgrund seiner Verwendung im Rahmen der Heiligen Kommunion.<br />
Zu diesem Zweck können somit auch Ikonen von bescheidenerer künstlerischer Qualität verwendet werden. Natürlich gibt es Ikonen, die wahre Meisterwerke der bildenden Kunst sind, und einige davon werden als solche in großen Museen auf der ganzen Welt oder manchmal auch als Zeitzeugnisse ausgestellt. Jedoch: Keine dieser Ikonen wurde als Ausstellungsstück, als Prestigeobjekt oder als Dekoration geschaffen. Das ist ein grundlegender Unterschied zur sogenannten weltlichen Kunst.<br />
So habe ich auch meinen Platz unter all den anderen Handwerkern, Kirchenbauern, Schneidern liturgischer Gewänder, Herstellern von Enkolpien und anderen liturgischen Gegenständen, die für den kirchlichen Alltag bestimmt sind. [Enkolpion <span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Enkolpion">hier</a></span>] Einige Kollegen sind vielleicht der Ansicht, die Arbeit des Ikonenmalers stehe auf einer höheren Stufe als die der anderen, und vielleicht haben sie damit Recht. Andererseits nimmt der Ikonenmaler im kirchlichen Leben keine offizielle institutionelle Position oder Weihe ein, wie beispielsweise die Lektoren, also die Vorleser beim Gottesdienst.</p>
<p class="interview">Jetzt interessiert mich natürlich brennend, was für dich das Besondere an deiner Arbeit ist. Es geht doch hauptsächlich um Religion, um Kirche, oder!?</p>
<figure id="attachment_16706" aria-describedby="caption-attachment-16706" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16706 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-450x397.jpg" alt="" width="450" height="397" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-450x397.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-300x265.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-768x677.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT-500x441.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-07-Dome-AT.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16706" class="wp-caption-text">Hl. Peter-und-Paul-Pfarrkirche, Dunackeszi Budapest 2024, Deckenmalerei al seco</figcaption></figure>
<p>Aus dem bisher Gesagten geht klar hervor, dass es eine gewisse Spannung zwischen weltlicher Kunst und Ikonographie gibt, sowohl was die Thematik, als auch was die Zeitlichkeit betrifft. Es gibt einen festen Kodex, der in den Werkstätten der Ikonenmalerei lebendig bleibt, während die Tradition vom Meister auf den Lehrling übergeht, zum Beispiel von erleuchteten Lehrern wie dem Mönch Dionysios von Phourna aus dem 16. Jahrhundert. <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dionysios_von_Phourna">hier</a>]</span> Jede Entwicklung verläuft sehr langsam und oft in Kreisen. Die erwähnte Spannung entspringt der Tatsache, dass der zeitgenössische Ikonenmaler entgegen den Lockrufen seiner Zeit aufgefordert ist, sich von Originalität und Subjektivismus abzuwenden, um etwas Zeitlosem zu dienen.<br />
Meiner Meinung nach ist Religion als Wissenssystem auf die Vergangenheit ausgerichtet. Alles Wichtige wurde bereits von Christus im Jahr 1 selbst gesagt. Die wunderbare neue technologische Welt ist nicht in der Lage, Antworten auf die wichtigen existenziellen Lebensfragen zu geben. Die Kirche beantwortet die grundlegende Frage „Was ist der Tod?“ mit „Es gibt keinen Tod“. „Wie sollen Menschen miteinander umgehen?“ „Gebettet in Liebe.“ Bis wir diese grundlegenden Wahrheiten verinnerlicht haben, werden wir uns weiterhin selbst an Händen und Füßen Ketten anlegen.<br />
Diese Wahrheiten warten nicht auf ihren Beweis, sondern sind vielmehr Ausgangspunkte, die zu einer bestimmten Praxis führen. Sie werden also ergebnisorientiert beurteilt und setzen eine bestimmte Haltung voraus. Die Tradition gewinnt an Autorität durch eine unablässige Zunahme an weisen Altvorderen, die uns oft erleuchten, die manchmal aber auch, aufgrund der anderen Bedürfnisse unserer Zeit, das Leben verfinstern können. Die Kirche befindet sich immer in einem Spannungsfeld zwischen Bewahrung und Reform, was oft zu Irrwegen führt. Sie ist also „kämpferisch”, wie man sagt, im Gegensatz zur himmlischen Kirche, die als „triumphierend” bezeichnet wird. <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://orthpedia.de/index.php/Kirche,_die_k%C3%A4mpferische_und_die_triumphierende">hier</a>]</span> Der Ikonenmaler ist bestrebt, durch Darstellung letztere sichtbar zu machen.</p>
<p class="interview">Berichte bitte über deine konkreten Arbeiten im In- und Ausland.</p>
<figure id="attachment_16703" aria-describedby="caption-attachment-16703" style="width: 790px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16703 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein.jpg" alt="" width="800" height="533" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein.jpg 800w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein-300x200.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein-768x512.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein-450x300.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-04-Skalosia-klein-500x333.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption id="caption-attachment-16703" class="wp-caption-text">Hl. Peter-und-Paul-Pfarrkirche, Dunackeszi Budapest 2024, Malergerüst im Kircheninnern</figcaption></figure>
<p>Seitdem ich 1996 begann, Kirchenmalereien zu übernehmen, habe ich sieben Kapellen und Kirchen in Griechenland und eine im Ausland gestaltet. Konkret sind es diese: Kirche des Agios Stefanos, Chalkida auf Euböa, Kapelle der Metropolitankirche Agios Dimitrios // Pfarrkirche des Agios Charalambos in Ellinika, Nord-Euböa // Kapelle des Agios Athanasios in Ellinika, Nord-Euböa // Pfarrkirche der Agia Sophia auf Amorgos // Pfarrkirche des Timios Stavros auf Donoussa // Kapelle des Agios Filaretos auf Schinoussa // Kapelle des Agios Vasileios auf Schinoussa // Pfarrkirche der Hl. Peter und Paul in Budapest.<br />
Werke von mir wie Wandmalereien und tragbare Ikonen sowie solche für bischöfliche Kathedren und Ikonostasen befinden sich in zahlreichen anderen Kirchen und in Privatsammlungen. [Ikonostase <span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ikonostase">hier</a>]</span><br />
Die Art und Weise, wie ich in Griechenland und im Ausland arbeite, ist im Wesentlichen dieselbe. Zunächst erstelle ich eine Studie, wie ich zu Beginn beschrieben habe, die von einem Kostenvoranschlag begleitet wird. Wenn der Pfarrherr zufrieden ist, wird der Entwurf der zuständigen Metropolie zur Genehmigung vorgelegt, und ich fahre dann zusammen mit einem Arbeitsteam, das ich jedes Mal neu zusammenstelle, mit der Ausführung des Projektes fort.</p>
<p class="interview">Du hattest mir einmal in einer Taverne Fotos von deiner Arbeit in Budapest gezeigt. Ich erinnere mich, das war kurz nach dem großen Feuer, über das wir viel diskutiert haben.</p>
<figure id="attachment_16723" aria-describedby="caption-attachment-16723" style="width: 290px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16723 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-12a_schwarz-spiegel.jpg 616w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" /><figcaption id="caption-attachment-16723" class="wp-caption-text">Ölgemälde, Detail</figcaption></figure>
<p>In Budapest gab es natürlich besondere Schwierigkeiten. Dazu gehörten unter anderem die sprachlichen und kulturellen Unterschiede sowie die Beschaffung der Materialien. Hinzu kamen die Probleme mit der Ausfuhr und dem Transport der Werke. Der griechische Staat verlangt eine spezielle Genehmigung für die Ausfuhr von Kunstwerken, um Antiquitätenraub zu verhindern. Diese Genehmigung wird von der zuständigen archäologischen Behörde erteilt und bestätigt, dass es sich um zeitgenössische Werke handelt. All dies konnte jedoch dank der guten Zusammenarbeit und des gegenseitigen Vertrauens mit dem dortigen Pfarrherrn, Pater Nikolaos, seiner Familie und mit Hilfe der Kirchenheiligen überwunden werden. Nach Abschluss dieser Arbeit war ich besonders stolz und gleichzeitig dankbar. Für mich war es eine Meisterleistung.<br />
Der Vorschlag für die oben genannte Arbeit kam zu einem sehr schwierigen Zeitpunkt. Es war unmittelbar nach dem großen Brand in Nord-Euböa, dem Gebiet, wo ich seit 14 Jahren mit meiner Familie lebe. Das Feuer zerstörte 500 Hektar dichten Wald. [<em>Das „neugriechische&#8220; oder auch „königliche&#8220; Stremma </em><span style="color: #0000ff;">(<a style="color: #0000ff;" href="https://orthpedia.de/index.php/Kirche,_die_k%C3%A4mpferische_und_die_triumphierende">hier</a>)</span><em> umfasst 1000 Quadratmeter, also 0,1 Hektar</em>] Eine biblische Katastrophe. Die staatliche Fürsorge während des Brandes war, gelinde gesagt, nicht vorhanden. Anschließend wandte sie sich in Richtung „großer Investitionen“. Das Ergebnis: Nach der ersten schweren Trauerphase und dem Versuch, wieder auf die Beine zu kommen, verließen Jahr für Jahr mehr Bewohner die Region aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs und der Arbeitslosigkeit, die zur Zerstörung der lebenswichtigen Ressourcen der Region geführt hatten. Der Wald hatte unter anderem Holz und Kiefernharz geliefert und war zugleich ein touristischer Anreiz gewesen. 80 % des griechischen Kiefernhonigs waren hier produziert worden. Die traditionelle Viehzucht erlitt einen schweren Schlag. Ein Großteil der Tiere verbrannte bei lebendigem Leibe. In der ersten Zeit glich die Region einem Kriegsgebiet: Asche, Schlamm, verbrannten Baumstämme und dazu Lastwagen überall. Und dann kam es zu Überschwemmungen. Es gibt einfach keine Worte, um die Situation zu beschreiben. Die Bewohner hatten in diesem Schockzustand sogar ihren eigenen Namen vergessen. Also nahm ich das Angebot aus Budapest an, das von einem alten ukrainischen Kollegen kam, der in seine Heimat zurückgekehrt war, eine Familie gegründet hatte und Priester geworden war. Er hatte von dieser ungarischen Gemeinde gehört, die ihre Kirche im griechischen Stil gestalten wollte. Er schlug vor, dass wir den Auftrag gemeinsam übernehmen, da er aufgrund seiner sonstigen Pflichten dazu nicht allein in der Lage war. Meiner Meinung nach hatte er auch nicht die nötige Erfahrung. Um es kurz zu machen: Wir nahmen ersten Kontakt zu Pater Nikolaos auf, dem Pfarrherrn der Gemeinde. Dann schnitt der Krieg in der Ukraine meinem Kollegen den Weg ab, und so übernahm ich das Projekt allein. Ich konnte ihn jedoch in die Arbeitsgruppe aufnehmen, die die Wandmalereien in der Kirche anbrachte. Die ikonographische Gestaltung einer Kirche ist eine sehr große Sache. Es gibt dabei immer Besonderheiten und einzigartige Momente.</p>
<p class="interview">Sehr gerne erinnere ich mich auch an deine Ausstellung in Vasilika, es gab Musik, Wein und tolle Gespräche. Und wunderschöne Gemälde, nicht nur zur Ikonographie, sondern auch zu unserem geliebten Heimatort Vasilika.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-16712 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-450x636.jpg" alt="" width="450" height="636" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-450x636.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-212x300.jpg 212w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-724x1024.jpg 724w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-768x1086.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-1086x1536.jpg 1086w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz-500x707.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-13_Poster-ganz.jpg 1169w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" />Neben der kirchlichen Gestaltung male ich auch andere Motive. Dabei handelt es sich um Entwürfe, Studien und Werke, ausgeführt mit Bleistift, Tusche, Aquarell- und Ölfarben. Ich habe sogar einige Radierungen gemacht und einige wenige Plastiken. Eine kleine Auswahl dieser Werke habe ich 2021, im Jahr des großen Brandes, in einer Ausstellung hier in Vasilika auf Nordeuböa präsentiert. Genannt habe ich sie „Kleine Retrospektive”, weil sie ausgewählte Werke aus meiner gesamten Laufbahn, meine Lehrzeit ausgenommen, umfasste. Ich wollte diese Arbeiten zeigen, um Rückmeldung zu erhalten.<br />
Die größte Einheit dieser Arbeit machen die Landschaften aus, die ich mit Ölfarbe auf wasserfestes Sperrholz male. Es sind Landschaften aus der Umgebung. Meer und niedrige Hügel. Ich male sie nach der Natur und aus der Erinnerung. Die Motive wähle ich nicht wegen ihrer Lieblichkeit aus, sondern weil sie in mir ein besonderes Gefühl hervorrufen, das mich mit der Landschaft verbindet. Ich male in vertikalem Format, um so viel Himmel wie möglich einzubeziehen. Menschen tauchen darin nicht auf und nur selten menschliche Bauwerke. Ich möchte einen Eindruck von Erhabenheit vermitteln, eine Art Ehrfurcht vor der Großartigkeit der Natur, die jedoch gleichzeitig, aufgrund des gewählten Maßstabs, vertraut und zugänglich wirkt. Es handelt sich um Hügel und nicht um hohe, unzugängliche Berge. Für die Griechen war das Göttliche immer nah- und greifbar. Im Gegensatz zu den Heiligenbildern male ich die Landschaften schnell, fast instinktiv, nachdem ich mir zuvor im Kopf zurechtgelegt habe, worauf ich aus bin. Oft geht das ohne jegliche Vorzeichnung.</p>
<p class="interview">Wie reagieren die Besucher?</p>
<p>Normalerweise bekomme ich positive Kommentare zu meinen Gemälden; die Leute, die die Werke betrachten, sagen oft, dass sie sehr vertraute Themen erkennen, denen sie bislang keine Beachtung geschenkt hätten. Das werte ich als Erfolg, denn zu meinen Zielen gehört, die Anzahl der Dinge, denen wir Aufmerksamkeit schenken, immer ein wenig zu erweitern. Außerdem sagen viele, meine Werke würden sie auf Reisen schicken.</p>
<p class="interview">Du hast auch auf der Insel Kythera ausgestellt.</p>
<p>2019 hatte ich eine Ausstellung mit diesen Werken im Ausstellungsraum „Desmos“ in Paris – und sie wurden gut aufgenommen. Nach dem Brand von 2021 wurden meine Landschaften erst zu verbrannten und dann zu wiedergeborenen Landschaften. 2023 stellte ich diese Arbeiten in einem schönen Raum auf Kythera aus, dem „Zeidoro”. <em>[Altgriechisch: „Leben spendend“]</em></p>
<p class="interview">Wie lassen sich Ikonen und Landschaften für dich vereinen?</p>
<p>Meine Ikonen und meine Landschaften unterscheiden sich stark in Bezug auf Thematik und Stil. Zwischen ihnen gibt es jedoch eine Art emotionale Verbindung, die mir nicht paradox erscheint, betrachte ich doch die Natur als etwas Heiliges.</p>
<p class="interview">Wo entstehen deine Werke und wie ist dein Arbeitsrhythmus?</p>
<figure id="attachment_16700" aria-describedby="caption-attachment-16700" style="width: 440px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16700 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz-450x800.jpg" alt="" width="450" height="800" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz-450x800.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz-169x300.jpg 169w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz-500x889.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-01a-Atelier-ganz.jpg 576w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption id="caption-attachment-16700" class="wp-caption-text">Atelier in Vasilika, Nord-Euböa</figcaption></figure>
<p>Der Ort, der mir die Möglichkeit für all dieses Schaffen gibt, ist meine Werkstatt. Das Atelier hat für mich eine emotionale Bedeutung, es ist ein Ort für Studium und Besinnung. Ein charakteristischer Tag dort beginnt normalerweise morgens um acht mit Reinigungsarbeiten und Arbeitsvorbereitungen. Wenn keine dringenden Lieferungen anstehen, arbeite ich fünf Stunden durch, male und recherchiere; darauf folgt eine Pause zum Mittagessen und zur Erholung. Am Nachmittag arbeite ich entweder weiter im Atelier, oder kümmere mich um Haushalt und Feldarbeit. Je nach den Erfordernissen des Tages und der Jahreszeit ergeben sich oft Anpassungen, aber auch durch die Auftragslage. Die Jahreszeiten und das Wetter sind für die Arbeit auf dem Land viel entscheidender als in der Stadt. Ich mag die Abwechslung und langweile mich daher nie. Oft bin ich jedoch angespannt, weil ich nicht das Pensum schaffe, das ich mir vorgenommen habe.</p>
<p class="interview">Ich kenne dich schon als kleinen Jungen, seit den frühen 80er Jahren. Ich denke immer an unseren gemeinsamen Wohnort, wenn ich dich sehe, nicht an Ikonen.</p>
<p>Ich genieße meine Beziehung zur Natur, die Veränderungen des Lichts und vor allem das Meer. In das Meer bin ich verliebt; meine Frau ist nur deshalb nicht eifersüchtig, weil wir diese Liebe teilen. Das Licht ist auch in meiner Malerei maßgeblich. Ich schwimme gerne, genieße aber auch lange Spaziergänge in den Bergen. Es gibt jedoch Zeiten, in denen ich mich in meine Werkstatt zurückziehe und den Kontakt zu meinem Umfeld verliere. Eine solche lange Phase waren die letzten drei Jahre, in denen ich die Kirche in Budapest ausgemalt habe. Das war meiner Gesundheit nicht zuträglich. Vielleicht wollte ich aber auch nicht raus, um die niedergebrannte Landschaft nicht sehen zu müssen.</p>
<p class="interview">Wie geht dein Leben nun weiter, bei dieser wirtschaftlichen Situation? Du hast von Feldarbeit und Haushalt erzählt, aber wie lässt sich weiterhin als Künstler das täglich Brot verdienen?</p>
<figure id="attachment_16699" aria-describedby="caption-attachment-16699" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16699 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder.jpg" alt="" width="1024" height="615" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder-300x180.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder-768x461.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder-450x270.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-00-die-3-bilder-500x300.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-16699" class="wp-caption-text">profane Gemälde im Atelier</figcaption></figure>
<p>Aufträge für Ikonenmalerei kommen nicht regelmäßig rein und Kunstausstellungen bringen in Griechenland keinen Gewinn. Derzeit sind außerdem finanzielle Schwierigkeiten weit verbreitet. Ich darf nicht klagen, habe ein opulentes Leben geführt und befinde mich jetzt an einem interessanten Scheideweg: Ich habe das Gefühl, genug für die Malerei getan zu haben, könnte jetzt aufhören und zufrieden sein. Meine Suche hat Früchte getragen und ich fühle mich frei, beruflich etwas anderes zu tun, was lukrativer und konstanter ist. Ich könnte auch weitermachen und das wäre trotzdem wie ein Neuanfang: Ich wäre jetzt reifer und könnte etwas wirklich Gutes schaffen, ein Vermächtnis für die Nachwelt. Ein altes Sprichwort besagt, Malerei sei die Kunst der Greise. Möglicherweise könnte ich die Kluft zwischen meiner kirchlichen und meiner weltlichen Malerei schließen. Das wäre eine sehr noble Absicht und der Weg, den ich gerne einschlagen würde. Jedoch bin ich mir bewusst, dass dies sehr stark von den sozialen Gegebenheiten und Bedürfnissen abhängt. Nicht alle Phasen begünstigen gleichermaßen die Produktion von Kunst; in Griechenland ist es derzeit heikel, sich mit Kunst zu beschäftigen. Ich habe dazu eine Familie, und die hat Priorität. Das Leben eines einsamen Künstlers, der für seine Kunst alles andere aufgibt, könnte ich nicht führen. Das war nie mein Ding. Die Kunst kommt auch ohne mich zurecht und ich ohne sie.<br />
In Griechenland gibt es viele Werkstätten für Ikonenmalerei, die miteinander konkurrieren. Die meisten produzieren sehr kommerzielle Werke. Aber so ist es nun einmal in der Kunst, in einer Zeit, in der der Profit an erster Stelle steht. Einige schaffen es jedoch, die Widrigkeiten des kommerziellen Geschmacks und des Strebens nach Reichtum zu überwinden, und etwas Bedeutendes zu fertigen. Vielleicht wird das auch in unserer Generation so sein, so dass die Tradition fortgesetzt wird.</p>
<p class="interview">Vaggelis, vielen herzlichen Dank für die Einladung ins Atelier und das Gespräch. Wir sehen uns!</p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16701 alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf-150x150.jpg" alt="" width="200" height="267" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/vg-02-die-2-im-Atelier-scharf.jpg 675w" sizes="auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px" /></p>
<p class="textinfo interview">Beim Interview im Atelier: V. Tsaprounis links, S. Steiner rechts</p>
<p class="textinfo"><em>Vaggelis Tsaprounis <a href="https://tsaprounisicon.wordpress.com/">hier</a>. Interview: Simon Steiner. Fotos: V. Tsaprounis, Simon und Rebekka Steiner. Übersetzung und Redaktion: A. Tsingas. Das Interview ist in stark verkürzter Form auch im Griechenland Journal erschienen.</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://diablog.eu/kuenste/bildende-kunst/vaggelis-tsaprounis-von-ikonen-und-der-liebe-zur-natur/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Atalanti Evripidou: Menschen sind komplex und unvollkommen – und das ist großartig</title>
		<link>https://diablog.eu/literatur/prosa/atalanti-evripidou-menschen-sind-komplex-und-unvollkommen-und-das-ist-grossartig/</link>
					<comments>https://diablog.eu/literatur/prosa/atalanti-evripidou-menschen-sind-komplex-und-unvollkommen-und-das-ist-grossartig/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 May 2026 07:16:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://diablog.eu/?p=16593</guid>

					<description><![CDATA[Die Autorin spricht über ihren ersten Erzählband „Die, die nicht gegangen sind“. Anhand persönlicher Erlebnisse sowie historischer und mythologischer Elemente verbindet sie Fantasie mit Volksüberlieferungen. Die Sammlung erzählt von Menschen am Rande der Geschichte – ... <p class="read-more-container"><a title="Atalanti Evripidou: Menschen sind komplex und unvollkommen – und das ist großartig" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/prosa/atalanti-evripidou-menschen-sind-komplex-und-unvollkommen-und-das-ist-grossartig/#more-16593" aria-label="Mehr Informationen über Atalanti Evripidou: Menschen sind komplex und unvollkommen – und das ist großartig">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Die Autorin spricht über ihren ersten Erzählband „Die, die nicht gegangen sind“. Anhand persönlicher Erlebnisse sowie historischer und mythologischer Elemente verbindet sie Fantasie mit Volksüberlieferungen.</p>
<p>Die Sammlung erzählt von Menschen am Rande der Geschichte – im Zeitraum von der osmanischen Besatzung bis heute. Von Frauen, queeren Menschen, ethnischen und religiösen Minderheiten, von Bastarden und Sexarbeiterinnen – sie waren schon immer da, wenn auch selten sichtbar. Sieben Geschichten vor dem Hintergrund eines immer weniger mythisch anmutenden Griechenland, wo Legenden verblassen, Freiheit an den Pranger gestellt wird und Solidarität das Einzige ist, was Bestand hat.<br />
Was in dieser Sammlung besonders hervorsticht, ist die Ehrlichkeit und das Bekenntnis zur Unvollkommenheit, in dem Sinn, dass ihre Figuren nicht ideal, sondern menschlich und vielschichtig sind. Das Buch thematisiert den Konflikt zwischen Wahrheit und Lüge sowie die Widersprüche der menschlichen Seele. Die intensive Auseinandersetzung mit der menschlichen Existenz – verbunden mit der Suche nach der Wahrheit in einer Welt voller Illusionen –, zeigt, dass Evripidous Sammlung darauf abzielt, die dunklen und verborgenen Aspekte der menschlichen Natur zu beleuchten, und hinterlässt bei den Lesenden zahlreiche Fragen zur Geschichte und zum kollektiven Gedächtnis.</p>
<p><strong>Das Interview: Georgia Harda befragt Atalanti Evripidou</strong></p>
<p class="interview">Was hat Sie dazu angeregt, diesen Erzählband zu schreiben?</p>
<p>Ich schrieb „Trisévgeni“, die erste Erzählung der Sammlung, im Rahmen eines Workshops für kreatives Schreiben, der von <em>Tales of the Wyrd</em> <span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://talesofthewyrd.com/?lang=en">hier</a></span> (auf EN) organisiert wurde, und anschließend zwei weitere, „Jenseits der gläsernen Berge“ und „Die, die nicht gegangen sind“, um sie in den Literaturworkshops der Athener Science-Fiction-Gesellschaft (ALEF) vorzustellen. Mir wurde bewusst, dass es in diesen Erzählungen einige thematische und stilistische Gemeinsamkeiten gab, und ich beschloss, noch einige weitere Erzählungen zu schreiben, um eine Sammlung zu schaffen, die genau von diesen thematischen und stilistischen Leitgedanken durchzogen sind.</p>
<p class="interview">Beim Lesen des Titels Ihres Buches fragte ich mich, ob das Verharren im Leben eine Art von Widerstand oder von Untätigkeit ist, und auch, was es über die menschliche Natur verrät, dass sich manche Wesen entscheiden zu bleiben, andere jedoch, zu gehen.</p>
<p>Ich denke, das Bleiben kann beides sein, je nach der Situation, in der wir verharren. Die Charaktere der Sammlung tun das Eine oder das Andere – bleiben oder gehen – und beides kann Widerstand sein oder auch Untätigkeit. Der Junge, Vasiliki oder Evgenios entscheiden sich zu gehen, doch das hat unterschiedliche Gründe und ebenso eine andere Aussage; und möglicherweise wird die Leserschaft nicht für alle ihre Entscheidungen gleichermaßen Verständnis aufbringen. Der Kapitän, Evdokia und Stratis sind Figuren, die bleiben, doch – auch hier – sind ihre Motive und die Folgen ihres Bleibens nicht gleichermaßen annehmbar. Mir scheint, dass wir alle im Leben beide Entscheidungen treffen, sowohl um Widerstand zu leisten, aber auch – vielleicht – aus einer Art Starrheit heraus. In manchen Fällen sogar auch zur Selbsterhaltung. Vielleicht ist es letztendlich wichtiger, wo wir stehen, nachdem wir geblieben oder gegangen sind.</p>
<p class="interview">Sie haben das Buch Ihrem Großvater gewidmet. Inwiefern ist diese Widmung der Abschied, den Sie nicht mehr nehmen konnten?</p>
<p>Das wurde mir bewusst, als ich meine Abschlussarbeit in Gesellschaftspsychologie zum Thema Trauer abgab: dass ich praktisch ein ganzes Buch geschrieben habe, um den Verlust meines Großvaters zu verarbeiten. Er ist während des Lockdowns von uns gegangen und leider gelang es mir aufgrund der Einschränkungen nicht, ihn noch einmal zu sehen oder an seiner Beerdigung teilzunehmen. Die meisten Erzählungen der Sammlung sind in gewisser Weise von meinen Erlebnissen in meinem Dorf bei Karditsa geprägt, sowohl sprachlich als auch bildlich. Und als ich sechs der sieben Erzählungen geschrieben hatte, wurde mir bewusst, dass ich viele Aspekte des „Griechischseins“ einbezogen hatte, aber nicht die Lebensfreude und das Feiern. Und so wurde mir auch klar, dass ich den Tod meines Großvaters innerlich bereits akzeptiert hatte. Es war ein großer Heilprozess, obwohl er gar nicht als solcher gedacht war.</p>
<p class="interview">Wie haben Sie die Thematik der Erzählungen ausgewählt? Haben Sie sich auf persönliche Erfahrungen oder auf mythologische und volkstümliche Elemente der Tradition bezogen?</p>
<p>Eine Mischung von all dem, aber auch auf zahlreiche Zeitzeugnisse, begleitet von einer gehörigen Portion Fantasie. Zwei der Erzählungen sind, wie am Ende des Buches vermerkt ist, von Volksmärchen inspiriert, die im zweibändigen Werk von Georgios Megas <em>Griechische Märchen</em> enthalten sind. Dies sind „Fünf Monde sind dahin“, basierend auf dem Märchen „Herr Weizengrieß“, und „Trisévgeni“, basierend auf dem Märchen „Trisévgeni oder die drei Zedrate“. Aber auch wahre Geschichten, wie die von Thanassis Vagias oder von Zafiris, der an der Seite des Generals des Griechischen Unabhängigkeitskrieges Georgios Karaiskakis kämpfte (<span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Georgios_Karaiskakis">hier</a></span>) sowie Berichte von Menschen, die die deutsche Besatzung im 2. Weltkrieg erlebt haben, Berichte über die <em>Existenzialisten der fliegenden Hütte </em>(<span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://www.lifo.gr/culture/music/ena-athinaiko-parti-stin-iptameni-paragka-toy-simoy-toy-yparxisti-1953">hier</a></span>, auf EL). Natürlich auch meine eigenen persönlichen Erfahrungen, zusammen mit geliebten Gedichten und Liedern – und, wie bereits erwähnt, einer gehörigen Portion Fantasie. Abgesehen von diesen beiden Erzählungen, die sich an Märchen orientierten, entstanden die übrigen aus dem Gedanken heraus „Wie würde magischer Realismus in Griechenland aussehen?“ (so entstand die namensgebende Erzählung der Sammlung „Die, die nicht gegangen sind, kommen nicht zurück“) oder aus der Notwendigkeit „Ich muss eine Erzählung für den Workshop einreichen und habe es eilig, also suche ich im Internet nach einem Schreibprompt“ (was schließlich zum Prompt „Ein Henker, den sein letztes Opfer verfluchte“ führte).</p>
<p class="interview">Es sind sieben Erzählungen. Hat diese Zahl eine besondere Bedeutung?</p>
<p>Die Wahrheit ist, dass es nicht sieben waren. Es waren ursprünglich acht Erzählungen, aber eine habe ich rausgenommen, bevor ich das Manuskript einreichte, weil sie nicht ausreichend zu den übrigen passte. Außerdem gab es noch einen neunten Text, der aber erst später geschrieben wurde, als die Sammlung bereits in den Händen des Lektors war – für diese Erzählung war es also zu spät. Aber ich denke, dass sieben schließlich aus vielen Gründen die ideale Anzahl war. Auf einer eher symbolischen Ebene, weil es eine bedeutungsvolle Zahl ist und das Buch von einer Magie handelt, die ständig schwindet und verloren geht. Auf einer praktischen Ebene, weil man eine Woche zum Lesen braucht, wenn man sich das Ziel setzt, eine Erzählung pro Tag zu lesen.</p>
<p class="interview">In Ihrer Erzählung „Der Nagel im Kopf“ hat mir der Satz <em>Jede Lüge ist anderswo die Wahrheit</em> gefallen. Können Sie uns mehr dazu sagen?</p>
<p>Das war eine Erzählung, die in meinem Kopf mit diesem einen Satz begann. Damit begann ich zu schreiben, ohne eine Ahnung zu haben, wohin es führen würde. Ich vermute, der Satz ergab sich aus dem, was wir oft sagen, wenn wir uns verspäten: „Ach, irgendwo auf der Welt wird es schon die richtige Zeit sein“. Aber er verdichtet in gewisser Weise auch diesen Verlust an Erinnerung und Geschichte, diese Details an Wahrheit, die systemisch (und systematisch) geopfert werden, um unser nationales oder persönliches Narrativ zu konstruieren.</p>
<p class="interview">In derselben Erzählung erwähnt die Protagonistin den Rat ihrer Großmutter: <em>Erfinde keine perfekten Märchen. Wenn du eine Geschichte erfindest, sorge dafür, dass man sie glaubt, weil sie wahrhaftig klingt, und nicht, weil man dir glauben will; denn irgendwann wirst du die Menschen enttäuschen, und sie werden aufhören, dir glauben zu wollen, und dich mit Rechen und Schaufeln in den Händen verjagen.</em> Glauben Sie, dass dieser Ansatz authentischer und realistischer ist als andere? Und wie steht dieser zum Bedürfnis der Leserschaft nach „Wahrheit“ in einer Zeit, die von Illusionen überschwemmt wird?</p>
<p>Ich möchte mich zunächst auch als Leserin äußern: Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich mit makellosen Charakteren identifizieren oder mit ihnen mitfühlen kann.<br />
Ich mag auch keine Leute, die hohl sind, damit sie der oder die Lesende in der Geschichte als Projektionsfläche seiner selbst nutzen kann. Ich möchte über Figuren lesen, die echt sind, dreidimensionale Menschen, bei denen ich nachvollziehen kann, wie ihr Verstand und ihre Seele tickt, auch wenn ich nicht mit ihnen übereinstimme oder ihre Erfahrungen teile. Als Autorin halte ich es heute noch für einen guten Rat, mit den Protagonisten wie mit normalen Menschen umzugehen. Menschen sind komplex und unvollkommen, und das ist im wirklichen Leben genauso angebracht wie in der Literatur.</p>
<p class="interview">In der Erzählung „Der Sommer, in dem die Freude verloren ging“ schreibt ein Protagonist: <em>Das Leben hat keinen Höhepunkt, denn es ist keine Erzählung.</em> Glauben Sie, dass es im Leben, wie auch in der Literatur, eine gewisse „Logik“ gibt, einen bestimmten Verlauf? Oder ist das Leben dazu verdammt, unvollendet zu bleiben?</p>
<p>Ich denke, dass Leben und Erzählung zweierlei sind: Das Leben an sich hat keine Konsequenzen, ergibt keinen Sinn und unterliegt keiner Logik, aber wenn man es erzählt, die Art und Weise, wie wir uns daran erinnern, beinhaltet doch all das. Oft passieren zwei zusammenhangslose Ereignisse gleichzeitig; später erinnern wir uns aber daran, als wären sie nacheinander passiert, weil das der Erzählung dienlich ist. Beispiel: „Ich bin auf eine Bananenschale getreten – im selben Moment kam mein Bus vorbei und ich habe ihn verpasst“. Das wird zu „Ich habe den Bus verpasst, weil ich auf eine Bananenschale getreten und hingefallen bin“. In der Literatur muss die Erzählung überzeugend, wenn nicht sogar realistisch sein, sodass sie eine gewisse Logik hat – allerdings eher eine innere Logik, denn natürlich gibt es Gattungen wie das Absurde oder das Skurrile, die auf den ersten Blick dieser Logik gar nicht zu folgen scheinen, aber dennoch eine innere Kontinuität aufweisen.</p>
<p class="interview">Das Buch deckt historisch ein breites Spektrum ab, von der osmanischen Herrschaft bis in die Gegenwart, mit besonderem Schwerpunkt auf Personen, die am Rande der Geschichte leben. Wie sind Sie auf diese Figuren gekommen und wie ist ihre eigene Beziehung zur griechischen Gesellschaft?</p>
<p>Ich bin der Ansicht, dass es in der langen, überbordenden Geschichte Griechenlands viele unausgesprochene Geschichten gibt – etliche Dinge, über die wir nicht offen sprechen oder die wir sogar komplett unter den Teppich kehren. Gab es im griechischen Befreiungskampf überhaupt keine queeren Menschen? Waren alle Freiheitskämpfer ständig und ausnahmslos kreuzfromm? Was bedeutete es, als unverheiratete Mutter im Dorf zu leben? Wie entstehen unsere Familiensagen? Wie wird das kollektive Gedächtnis geformt und welche Menschen bleiben dabei außen vor? Diese Fragen stelle ich mir auch jenseits der Literatur. Und aus der Position einer Person heraus, die das Privileg hat, diese Fragen stellen zu können, versuche ich – so gut es mir mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln möglich ist – Licht auf diese nicht wahrgenommenen Geschichten inmitten der geschichtlichen Ereignisse zu werfen. Ich glaube aber auch, dass die heutige Gesellschaft auf einem Weg der Besserung ist: Im Vergleich zu der Zeit vor zehn oder sogar fünfzig Jahren gibt es erhebliche Fortschritte, was Akzeptanz, Toleranz und Vielfalt angeht. Aufgrund meines Berufs komme ich ständig mit jungen Menschen von 18–19 Jahren in Kontakt; es berührt mich zu sehen, dass jede neue Generation etwas aufgeschlossener und sensibler als die vorherige ist.</p>
<p class="interview">Die griechische Tradition und insbesondere die Volksdichtung und die Volksmärchen scheinen in ihrem Schreiben wichtige Komponenten zu sein. Erzählen Sie uns davon.</p>
<p>Daran sind wohl die Märchen von Georgios Megas schuld. <span style="color: #0000ff;">[*]</span> Ich habe sie als Kind innig geliebt, sie auch als Erwachsene oft gelesen und immer eine Verbundenheit mit ihnen gespürt, die bei den westeuropäischen Erzählungen so nicht aufkam. In den Volksmärchen gibt es kluge Frauen, die Prinzen retten, es gibt Protagonisten, die die Lamia und die Drachen mit Klugheit und nicht mit körperlicher Stärke besiegen; sie haben oft Humor und strahlen eine universelle Authentizität aus. Sie sind bodenständig, riechen nach Scholle. Gleichzeitig leben wir in einem Land, das vor lauter Touristen fast untergeht; außerhalb der Landesgrenzen weiß man jedoch wenig mehr über Griechenland als von seiner fernen, antiken Vergangenheit und der Wirtschaftskrise. Insbesondere das antike Schriftgut und die Mythologie gehören der ganzen Welt – wir beobachten einen zunehmenden Trend, dass ausländische Autoren Nacherzählungen der griechischen Mythologie verfassen. Aber die Volkstradition, unsere Volkslieder, unsere Märchen, die Geschichten unserer Dörfer gehören uns und wurden bislang noch von niemandem vereinnahmt. Daher erscheint es mir logisch, dass sich jüngere Autoren wie ich und andere, die mir vorausgegangen sind, sich dahin wenden, wenn sie Inspiration, persönlichen Stil oder gar Identität suchen. Es ist vielleicht eine Neuverhandlung dessen, was als „Griechischsein“ gilt – und das zu unseren eigenen Bedingungen.</p>
<p class="interview">Inwiefern steht das Konzept des persönlichen Opfers, das sich durch mehrere Erzählungen Ihrer Sammlung zieht, mit der heutigen Realität in Verbindung? Sind Sie der Meinung, dass die Menschen heute zu ähnlichen Opfern aufgerufen werden? Und wenn ja, was sind sie bereit zu opfern?</p>
<p>Ich bin froh, dass wir nicht dazu aufgerufen werden, ähnliche Opfer zu bringen, denn wir befinden uns weder im Krieg noch unter einer wie immer gearteten Besatzung. Und auch, dass sich in vielerlei Hinsicht Lebensqualität und Gesellschaft verbessert haben. Gleichzeitig möchte ich behaupten, dass wir jeden Tag Opfer bringen, auch wenn es nicht die allergrößten sind. Sicherlich ist es heroisch, sein Leben zu opfern, um sich gegen Besatzer zu wehren, aber drei Jobs zu haben, um die eigenen Kinder zum privaten Englischunterricht schicken zu können, ist ebenfalls ein bedeutendes Opfer, wenn auch ein eher triviales.</p>
<p class="interview">Ihre Erzählungen spiegeln die griechische Geschichte und ihre Widersprüche sehr eindrücklich wider. Was hat Sie dabei am meisten beschäftigt und dazu bewegt, sich auf solche Themen zu konzentrieren?</p>
<p>Ich habe mich immer wieder gefragt, wo solche Geschichten zu finden sind und warum wir sie nicht erzählen. Geschichten wie die von Zafiris in „Trisévgeni“, die ich bereits erwähnt habe, oder die der Existentialisten von Simos, die so viel Geld für die Erdbebenopfer auf den Ionischen Inseln gesammelt haben. Und das Bedürfnis, mir ein Bild von ihnen zu machen und sie durch die Fantasie mir selbst und den Lesenden wieder ins Gedächtnis zu rufen. Es war diese besondere Ungerechtigkeit des kollektiven gesellschaftlichen Vergessens.</p>
<p class="interview">Ihre Sammlung thematisiert die Widersprüche und dunklen Seiten der menschlichen Existenz und wagt es, historische und gesellschaftliche Stereotypen zu hinterfragen. Welche Botschaft wollten Sie Ihrer Leserschaft durch diese Herangehensweise vermitteln?</p>
<p>Was die Botschaft angeht, habe ich keine Vorstellung; aber ich wäre sehr zufrieden, wenn diese Sammlung auch nur einen einzigen Lesenden dazu anregen würde nachzudenken, über welche Art von Menschen geschrieben wird und über welche nicht.</p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-16602 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-02_GMegas-sw-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-02_GMegas-sw-150x150.jpg 150w, https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-02_GMegas-sw-300x300.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-02_GMegas-sw.jpg 443w" sizes="auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px" /><span style="color: #0000ff;">[*]</span> <strong>Georgios Megas</strong> war ein griechischer Volkskundler. Er wurde am 13.08.1893 in Mesimvria/Ostthrakien (dem heutigen Nessebar an der bulgarischen Schwarzmeerküste) als Sohn eines Lehrers geboren. Er besuchte die Schule in Siatista, dem Herkunftsort seines Vaters, und schloss 1913 sein Philologie-Studium in Athen ab. Megas arbeitete erst als Grundschullehrer. 1926-1930 studierte er in Leipzig und Berlin Klassische Philologie und Volkskunde. Danach war er als Gymnasiallehrer und im Volkskundearchiv der Akademie von Athen tätig, das er von 1936 bis 1955 leitete. Ab 1947 lehrte er Volkskunde an der Universität Athen.<br />
1960 übernahm er den Vorsitz der Griechischen Volkskundlichen Gesellschaft (Ελληνική Λαογραφική Εταιρεία). Er sammelte und veröffentlichte zahlreiche Volksmärchen, fantastische Erzählungen der Volksliteratur sowie Werke der Volksdichtung, die das ländliche Leben, die Sitten und Bräuche, die Vorurteile, die Aberglauben und die Lebenswerte widerspiegeln. Er war der erste Grieche, der Volkserzählungen nicht nach lokalen oder geografischen, chronologischen oder spektakulären Gesichtspunkten klassifizierte, sondern nach dem internationalen Aarne-Thompson-Uther-Index (ATU). Um dem zukünftigen Forscher die Arbeit zu erleichtern, gibt er am Ende des Buches stets den Typus an, zu dem jedes Märchen gehört (Tierfabel, Volksmärchen oder heitere Erzählung), sowie dessen Herkunft und Varianten.<br />
Am 22.10.1976 starb er bei einem Autounfall.</p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-16598" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-03_Buchcover3x.png" alt="" width="945" height="612" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-03_Buchcover3x.png 945w, https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-03_Buchcover3x-300x194.png 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-03_Buchcover3x-768x497.png 768w, https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-03_Buchcover3x-450x291.png 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-03_Buchcover3x-500x324.png 500w" sizes="auto, (max-width: 945px) 100vw, 945px" /></p>
<p><strong>Die Erzählung </strong><br />
<strong><em>Der Nagel im Kopf</em></strong></p>
<p>Jede Lüge ist anderswo die Wahrheit. Das habe ich von deiner Großmutter gelernt. Die, die von wo sie auch immer wegging, anders in Erinnerung blieb. Hier war sie die Hebamme, dort eine Hausiererin, anderswo eine Hexe oder auch eine Heilige.<br />
Wir zogen von Dorf zu Dorf, mit unserem Maultier und einem Planwagen, beladen mit unserem Hab und Gut; abends machten wir Suppe auf dem Gaskocher warm und schliefen auf einer Matratze. Meinen Vater habe ich nie kennengelernt, und er hat mir auch nicht besonders gefehlt. Vielleicht habe ich ein-, zweimal nach ihm gefragt, und vielleicht hat meine Mutter etwas darauf geantwortet, aber ich erinnere mich nicht mehr daran. Es gefiel mir jedoch nicht, dass man mich überall Bankert nannte und an den Brunnen und in den Kaffeehäusern über mich tuschelte.<br />
Also, als ich mit dir schwanger war, erfand ich ein Märchen und erzählte es mir so oft vor dem Spiegel, bis ich es schließlich selbst glaubte. Jede Lüge ist anderswo die Wahrheit. Ich kam nach Kalyvia, den Bauch bis zur Brust, öffnete das Haus meiner Tante Marigo, lüftete es aus und erzählte, mein Mann sei Seemann und auf Reisen. In ein paar Monaten würde ich in die Stadt fahren und mir selbst einen Brief zuschicken, der mir seinen Tod mitteilen würde. Lieber Witwe und Waise als Hure und Bankert. Ich hatte mir alles im Kopf zurechtgelegt, bis dein Vater auftauchte und meine Pläne durchkreuzte.<br />
Ich sage „dein Vater“, aber wer weiß, ob er das ist – oder was er wirklich ist. Der Mann, der mich geschwängert hat, ist er jedenfalls nicht. Manchmal, wenn ich dich anschaue und sehe, wie sehr du ihm ähnlich siehst, fällt es mir schwer, mich daran zu erinnern, wie ich ihn kennengelernt habe, nachdem du geboren wurdest. Dann fällt es mir natürlich wieder ein, und mir versagen die Beine, obwohl ich Stratis sehr geliebt habe. Warum eigentlich? Das ist nicht leicht zu erklären, aber ich muss es versuchen. Das Vergessen hat schon eingesetzt, und ich befürchte, wenn ich es dir nicht erzähle, wirst du bald beide Elternteile verlieren, meine kleine Julia.<br />
Als ich ins Dorf kam, war ich eine Fremde. Ich hatte zwar das Haus meiner Tante geerbt, aber niemand hatte mich je gesehen oder von mir gehört. Und über meine Mutter, die mit fünfzehn hochschwanger von zu Hause weggegangen war, hatten sie nichts Gutes zu sagen. Nicht alle glaubten meiner Geschichte und betrachteten mich so mit Argwohn. Doch im Laufe der Monate ließ schwächte jeder Brief, den ich an meinen angeblichen Mann schickte, das Gerede ab. Und als ich gebar und die Hebamme mich fragte, wie ich das Kind denn nennen wollte, sagte ich: Julia, wie meine Schwiegermutter. Schau jetzt nicht so, ich weiß, dass es keine Schwiegermutter gab. Was denn, hätte ich dich Agoritsa nennen sollen, wie deine Großmutter? Julia ist doch ein schöner Name.<br />
Vierzig Tage lang habe ich das Haus nicht verlassen. Ich wollte, wollte so sehr, mich – noch mehr dich – mit den Nachbarn gut stellen. Also blieb ich vierzig Tage drin, und mit jedem Tag, der verging, kamen immer mehr Frauen, um mir Pasteten und frische Milch, Löffeldesserts und Marmeladen zu bringen. Und um dich zu sehen, natürlich.<br />
Eines Abends kam auch Fanouris, der den Gemischtwarenladen auf dem Dorfplatz hatte – erinnerst du dich an ihn? Ich weiß selbst nicht mehr, wie oft ich dir gesagt habe, du sollst dich von ihm fernhalten, als du noch klein warst, ich habe den Überblick verloren. Und du hast dich immer bei mir beklagt, dass die anderen Kinder gefüllte Hörnchen und Zuckerwerk bei ihm kauften und ich es dir nicht erlaubte. Wie auch immer. Ich hatte dich gerade gestillt und meine Bluse war von der Milch durchnässt. Ich erwartete keinen Besuch, aber ich dachte mir, dass vielleicht eine Nachbarin vorbeigekommen sei; ich öffnete die Tür, ohne groß nachzudenken.<br />
„Wie geht’s dir, Paraskevi?“, fragte er mich mit honigsüßer Stimme.<br />
Er hatte einiges intus, seine Nase war rot, seine Augen glänzten, und sein Atem roch nach Tsipouro.<br />
„Mir geht’s gut, Fanouris, aber ich muss das Kind ins Bett bringen, es ist schon spät“, sagte ich höflich, denn es ging einfach nicht, unhöflich zu dem einzigen Mann im Dorf zu sein, der Brot und Milch verkaufte.<br />
„Darf ich kurz reinkommen? Ich möchte dir was sagen“, fuhr er fort, als hätte ich kein Wort gesagt.<br />
Wenn man seine Jahre auf der Straße von Ort zu Ort verbracht hat, lernt man schnell zu erkennen, wann jemand einem nichts Gutes will. Meine Mutter sagte zu mir, dass jeder Mensch auf dieser Erde mit einem Nagel in der Brust oder im Kopf oder im Unterleib wandelt, und dass man, wenn man überleben will, besser so tun sollte, als würde man den Nagel des anderen nicht sehen und auch nicht ahnen, wie er dessen Leben bestimmt. Deine Großmutter war eine weise Frau. Weiser als ich.<br />
„Ich muss das Baby schlafen legen“, sagte ich erneut.<br />
Diesmal gelang es mir nicht, meinen Unmut zu verbergen. Fanouris’ aufgesprungene Lippen verzogen sich zu einem vulgären Grinsen.<br />
„Willst du wirklich, dass ich das, was ich zu sagen habe, hier draußen sage, meine kleine Paraskevi?“ Mein Name in seinem Mund verursachte mir Übelkeit. Ich sagte nichts. „Es könnte jemand mithören …“, legte er nach. Da beschloss ich, dass er, egal welche weiteren Drohungen oder Wahrheiten er auch immer von sich geben wollte, meine Türschwelle nicht kampflos übersteigen würde. Zu meinem Glück fingst du in diesem Moment an, laut zu weinen.<br />
„Gute Nacht, Fanouris“, sagte ich und wollte die Tür schließen.<br />
In dem Moment, als er seine verschwitzte Hand dagegenstemmte und seine Visage in den Spalt drückte, hätte ich beinah mein Herz auf dem Boden erbrochen. Ich erinnerte mich daran, dass mir eine Nachbarin erzählt hatte, Fanouris sei im Krieg gewesen. Das kroch zu meiner Kehle hoch und schnürte sie zu; ich räusperte mich mehrmals, aber es wollte mir nicht gelingen, sie frei zu bekommen. Dein Weinen wurde lauter. Als ob du verstanden hättest.<br />
„Ich habe einen Cousin bei der Post, unten in der Stadt“, sagte er leise. „Weißt du, was er sagt, kleine Paraskevi? Dass die Briefe, die du schickst, immer an eine bestimmte Adresse in Athen gehen. Was für eine Sorte Seemann ist dein Mann, der gar nicht auf See ist, aber weit entfernt von Frau und Kind lebt?“<br />
Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, eine Lüge vorzutragen, die anderswo vielleicht wahr wäre, kam aber nicht dazu.<br />
„Paraskevi…?“<br />
Die Stimme, die hinter Fanouris erklang, kannte ich nicht, aber sie gab mir wieder Mut und ich schob Fanouris beiseite. Der drehte sich verwirrt um, um zu sehen, wer hinter ihm stand.<br />
Den Mann am Tor kannte ich nicht, obwohl ich ihn bis dahin schon tausendmal beschrieben hatte, mit seinem dichten Haar, dem Bart und den zwei Fingern, die an seiner linken Hand fehlten. Auch das hatte mir deine Großmutter geraten: Erfinde keine perfekten Märchen. Wenn du eine Geschichte erfindest, sorge dafür, dass man sie glaubt, weil sie wahrhaftig klingt, und nicht, weil man dir glauben will; denn irgendwann wirst du die Menschen enttäuschen, und sie werden aufhören, dir glauben zu wollen, und dich mit Rechen und Schaufeln in den Händen verjagen.“ Wahr können nur Menschen sein, die Macken haben, Zaubertränke, die nicht immer wirken, Heilmittel, die vielleicht auch mal daneben gehen. Das sagte meine Mutter, und deshalb hatte Stratis nicht alle seine Finger.<br />
Er trug ein verblichenes Bündel über der Schulter und blickte mit dicken, zusammengezogenen Augenbrauen mal Fanouris und mal mich an. Du hast inzwischen laut gebrüllt. Der Mann warf einen besorgten Blick auf unser Haus und wandte sich dann wieder mir zu.<br />
„Paraskevi…?“ wiederholte er, diesmal langsamer, bedächtiger. Sein Tonfall war ruhig, höflich, doch sein Körper wirkte wie eine gespannte Stahlfeder. „Was ist los? Geht es euch gut? Dir? Dem Kind?“<br />
Ich weiß nicht genau, wie ich dir erklären soll, was in diesem Moment in mir vorging. Einerseits war ich erleichtert, dass jemand aufgetaucht war, mich zu retten. Andererseits war ich wütend, dass ich mich nicht selbst retten konnte. Und ein Teil von mir schrie, dass mir dieser Mann doch völlig fremd sei – vielleicht war er noch dreimal schlimmer als Fanouris – und wer würde mich dann retten?<br />
„Und wer bist du?“, fragte Fanouris schroff.<br />
„Ich bin Stratis“, sagte der Unbekannte, „Paraskevis Mann.“<br />
Für einen Moment hörte ich auf zu atmen, ich schwör´s. Mir schoss durch den Kopf, dass auch das ein Teil von Fanouris’ Plan war, der mich dazu bringen sollte, den Schwindel zuzugeben. Wo der Gemischtwarenhändler den Mann her hatte, der genau dem entsprach, den ich beschrieben hatte, war mir schleierhaft – und dazu kam noch, dass er besoffen war. Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte. Unmöglich war es sicher nicht. Viele hatten im Krieg Finger verloren, viele hatten braunes Kopf- und Barthaar und blaue Augen und Wimpern lang wie Grashalme. Aber warum sollte sich der Fremde in Fanouris’ Tricksereien hineinreißen lassen? Mir wurde schwindelig, und ich merkte nicht mal, dass plötzlich jemand neben mir stand und mich stützte, damit ich nicht umkippte. Und zu all dem kam noch dein ausdauerndes Plärren.<br />
Ich warf einen verstohlenen Blick auf den Pseudo-Stratis. Sogar die Größe hatte Fanouris, dieser Wichser, richtig hingekriegt, genau meine Größe, nicht einen Zentimeter drüber oder drunter.<br />
„Soll ich ihn wegschicken?“, flüsterte er mir ins Ohr, mit einer Stimme wie ein Sonnenstrahl, nach dem du dich schon so lange gesehnt hast. Seine Arme, die mich hielten, waren warm und bestimmt. Ich habe in meinem Leben viele Menschen mit unentschlossenen Händen kennengelernt, aber dein Vater war nicht von dieser Sorte.<br />
Ich brachte kein Wort heraus.<br />
„Besser, du gehst“, hörte ich den Mann zu Fanouris sagen. „Es ist spät, und das Kind … du verstehst …“<br />
Er schloss die Haustür, nahm mich sanft bei der Hand und bat mich, auf dem Sofa Platz zu nehmen. Reichte mir auch ein Glas Wasser und verschwand. Heute denke ich, es war nicht klug, einen Fremden ins Haus und mit dir allein zu lassen, wo du doch noch ein Säugling warst, aber so war es nun mal. Teils, weil ich völlig desorientiert war, teils, weil damals andere Zeiten waren, ist es passiert. Als ich merkte, dass du aufgehört hattest zu weinen, sprang ich auf und lief ins Obergeschoss. Du schliefst in den Armen dieses Mannes und hieltst mit deiner kleinen Hand den Zeigefinger seiner verstümmelten Hand fest umklammert. Und er … Er hatte ein ehrfürchtiges Lächeln, so als hätte er noch nie in seinem Leben ein Baby gesehen. Als er mein Kommen bemerkte, hob er den Blick. So unschuldig und warmherzig, wie er mich ansah, konnte ich weder glauben, dass er Theater spielte, noch mir vorstellen, dass er einen Vorteil daraus ziehen könnte.<br />
„Gib mir das Kind“, sagte ich, lauter als beabsichtigt.<br />
„Darf ich es noch ein bisschen halten?“, fragte er leise, und die Sehnsucht in seiner Stimme konnte nicht vorgetäuscht sein. Wer könnte ein so guter Schauspieler sein?<br />
Ich riss dich aus seinen Armen und du fingst wieder an zu weinen. Der Mann sagte nichts, ging aber auch nicht aus dem Zimmer; er ließ mich dich beruhigen, wie ich es für richtig hielt, und für einen Moment war nur dein Winseln zu hören. Als du wieder eingeschlafen warst, warf ich mir einen Schal über die Schultern und bedeutete ihm, mir in die Küche zu folgen. Er stellte sein Bündel neben das Kinderbett und kam mit.<br />
„Und jetzt raus mit der Sprache: Wer bist du eigentlich? Was willst du von mir?“ Er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber ich hörte ihm gar nicht zu. Ich war nicht in der Stimmung für Ausreden. Wollte den Fremden nur aus dem Haus haben und mich schlafen legen. Niemand hatte mich darauf vorbereitet, dass Mutterschaft so anstrengend sein würde – deine Großmutter wirkte immer fröhlich und unbeschwert. Natürlich, weil sie eine viel bessere Lügnerin war als ich. „Wage es ja nicht, Hand an mein Kind zu legen – bei der Heiligen Jungfrau, ich bringe dich um.“<br />
„Paraskevi, was sagst du da?“, fragte der Mann, und seine Frage nahm mir den Wind aus den Segeln. „Ich verstehe dich nicht.“ Er setzte sich auf einen Hocker und rieb sich geistesabwesend den knurrenden Magen. Seine ganze Aufmerksamkeit galt mir; aber nicht auf Fanouris‘ Art und Weise. Er sah mich besorgt an und seine Augen suchten in meinem Gesicht nach einem Anzeichen, das erklären könnte, was in mir vorging. „Geht es dir gut?“<br />
Diese vier kleinen Worte verstärkten noch meine Unruhe. Ich griff nach einem Messer von denen, die neben dem Waschbecken abtropften, und schwang es drohend in seine Richtung. Ich spürte, wie mein Körper hölzern und steif wurde, als hätte er sich, bis auf die bewaffnete Hand, komplett verkrampft. Und auch sie fühlte sich nicht wie meine eigene an. Ich hatte bislang noch nie jemanden bedroht und war mir nicht sicher, ob ich es richtig machte; aber zumindest tat ich mehr, als nur dazustehen und darauf zu warten, von einem Fremden gerettet zu werden. Seine Augen weiteten sich, als er die Klinge sah.<br />
„Sag mir, wer du bist und was du willst. Willst du Geld? Ich habe keins.“ Er holte tief Luft und schloss für ein paar Sekunden die Augen. Er schwieg eine Weile, als würde er in seinem Inneren nach etwas suchen. Ausreden? Lügen? Geduld? Ich hatte keine Ahnung.<br />
„Warum tust du das, Paraskevi?“, sagte er so leise, dass ich nähertreten musste, um ihn besser zu verstehen. Er öffnete die Augenlider; die Augen schwammen in Tränen, und das ließ mich auf den Fersen wanken, denn es war etwas, worüber ich oft nachgedacht hatte, es aber niemandem erzählt hatte, wenn ich mein Märchen aufsagte. Mein Stratis weinte ohne zu zögern, wenn ihm danach war. „Ich weiß, dass ich lange weg war, aber es war zu unserem Besten, das schwöre ich, sei mir nicht böse. Ich habe ordentlich was zur Seite gelegt und muss nun nicht mehr in See stechen. Verzeih mir, Paraskevi, ich wollte nicht so viel verpassen, ich wollte hier sein, gemeinsam mit dir das Haus einrichten, wollte dir bei der Geburt zur Seite stehen, du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr ich das wollte. Aber jetzt bin ich da und habe nicht vor, wieder zu gehen. Ich dachte, das sei so in Ordnung.“<br />
Er senkte den Kopf, und ich sah gerade noch, wie eine Träne auf seine Hand tropfte. Ich stieß einen Seufzer aus, plötzlich erschöpft, und zog einen Stuhl heran, um mich zu setzen. Wie ein leerer Sack fiel ich in mich zusammen.<br />
„Ich frage dich zum letzten Mal: Wer bist du?“ Ich betonte jedes Wort einzeln, in der Hoffnung, er würde endlich begreifen, dass sein schauspielern mich nicht so leicht überzeugen würde.<br />
Der Mann stöhnte verzweifelt.<br />
„Ach, liebe Paraskevi, was soll ich noch sagen?“, fragte er. „Ich bin es, dein Stratis. Hast du mich vergessen?“ Für ein paar Sekunden sagte er nichts weiter, meine Augen fielen vor Erschöpfung fast zu. „Hast du vergessen, dass ich in Chalkida aufgewachsen bin? Dass ich mit vierzehn zum ersten Mal an Bord ging und mit zwanzig in den Großen Krieg zog? Wie ich die zwei Finger verloren habe? Dass du als freiwillige Krankenschwester jeden Abend zu mir kamst und mir vorgelesen hast, damit ich einschlafen konnte? Das Lesen hat mir immer zu schaffen gemacht, aber die Geschichten gefielen mir, auch wenn ich sie von allein nicht verstehen konnte. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war der Krieg vorbei, und ich fing an, dich förmlich zu umwerben. Ich habe um deine Hand angehalten, du hast eingewilligt, und wir haben geheiratet.“ Er zuckte mit den Schultern und lächelte schüchtern. „Dann hast du von deiner Tante das Haus geerbt, und wir haben beschlossen, dass ich für ein paar Monate anheuere, du ins Dorf gehst und wir uns, wenn ich nachkomme, ans Kinderkriegen machen. Aber nach nur anderthalb Monaten auf See hast du mir geschrieben, dass seist schwanger. Ich habe mein Bestes getan, um schnell zu Geld zu kommen, und dann bei euch zu sein. Ich habe …“ Er hielt kurz inne und biss sich auf die Lippen. „Ich habe dort in der Ferne Dinge getan, auf die ich nicht stolz bin, aber nichts, was dich oder unsere Ehe in den Schmutz gezogen hätte, Paraskevi. Habe Sachen getan, die ich bereue, sie waren aber nötig. Nun, der bin ich.“<br />
All das hatte ich den Nachbarn immer und immer wieder erzählt, wenn sie nach meinem Mann, dem Seefahrer, fragten. Nur eine Sache hatte ich nicht preisgegeben, obwohl ich sie mir im Kopf zurechtgelegt hatte: dass mein Stratis Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben hatte. Als ich zwölf oder dreizehn war, lernte meine Mutter einen Mann kennen, in den sie sich für kurze Zeit verliebte. Für kurze Zeit. Er war ein guter Mensch, aber deine Großmutter pflegte nicht, sich mit guten Menschen abzugeben. Er mochte es, wenn ich ihm vorlas, und lobte mich immer dafür, dass ich das konnte. Er war zur Schule gegangen, hatte versucht zu lernen, aber die Buchstaben und Wörter tanzten vor seinen Augen, und er verstand nicht viel davon. Von all den Liebhabern meiner Mutter hat er sich uns gegenüber am anständigsten verhalten. Deshalb formte ich den Stratis aus dem Märchen so, dass er ein guter Mensch ist, sich anständig verhält und mit Wörtern schwertut. Das und seine tränenfeuchten Augen überzeugten mich davon, dass sein Erscheinen vielleicht doch keine List von Fanouris war, sondern ein Geschenk der Heiligen Jungfrau.</p>
<p>Ich bin nicht so recht dahintergekommen, ob Gott und seine Engel aus irgendeinem Grund Mitleid mit mir hatten, oder ob das, was geschah, auf meinem Mist gewachsen war. Ich kann dir nur sagen, dass noch andere Dinge an unserer Tür geschahen, weil ich fest an sie glaubte und von ihnen erzählte. Weißt du noch, wie du als Kind Scharlach hattest? Wir hatten damals große Angst, dich zu verlieren. Aber ich träumte, du seist gesund, und am nächsten Tag warst du tatsächlich wieder auf den Beinen. Ich weiß nicht mal, ob das eine Gabe von mir ist oder ob sie meiner Familie im Blut liegt – ob deine Großmutter sie hatte und auch du sie hast. Ich hoffe, dass du sie hast, denn ich fange an zu vergessen, mein Kind.<br />
Es war nicht immer einfach mit Stratis. Am Anfang ließ ich ihn auf dem Sofa schlafen; ich traute ihm nicht. Jedes Mal, wenn er ansetzte, mir zu helfen, war ich alarmiert. Und immer, wenn ich mitbekam, wie er mit dir spielte oder dich in den Schlaf wiegte, zitterte ich vor Angst. Er war kein Heiliger, aber sehr geduldig. Ich habe lange gebraucht zu begreifen, dass ich einen ganz normalen Menschen erschaffen hatte; besser als die meisten, aber doch ganz normal. Als ich das begriffen hatte, wurde das Leben für uns beide leichter.<br />
Mit meinem Verhalten habe ich ihn oft gekränkt und wir haben uns nicht wenige Male gestritten. Aber ich habe ihn geliebt und liebe ihn immer noch. Er hat mir das Beet für die Rosen angelegt und den kleinen Pfirsichbaum gepflanzt, hat mir Bücher aus der Stadt mitgebracht, um sie gemeinsam mit mir zu lesen. Und ich half ihm bei den Briefen, den Rechnungen und Quittungen, als wir das Farbengeschäft eröffneten. Sechzig Jahre, und wir haben uns immer noch nicht satt. Und sieh nur, was er jetzt macht: Er schleppt mich zu allen Ärzten, auch wenn es keinerlei Rettung für mich gibt.<br />
Einen treueren Ehemann und Vater habe ich in meinem ganzen Leben nicht getroffen. Es wäre schade, wenn auch du ihn verlieren würdest, nur weil mein Kopf Löcher bekommt. Ich möchte, dass du mit allem, was du hast, an ihn glaubst, jetzt und in der Zukunft, bis zum Ende der Zeit, wenn wir dem Allmächtigen gegenüberstehen. Ich werde es auch tun, solange ich noch kann, doch ich fürchte, es wird nicht von Dauer sein. Schon jetzt erinnere ich mich nur noch an den wenigsten Tagen an ihn.<br />
Versprich es mir, Julia. Versprich mir, dass du an meinen Stratis denkst, dass du dich für uns beide an ihn erinnerst, wenn ich ihn vergessen habe. Und wenn du ihn über das Menschenmögliche hinaus am Leben erhalten kannst, wenn sich deine Kinder und die Kinder deiner Kinder an ihn erinnern können, werde ich in dem Wissen gehen, dass ich trotz all meiner Fehler auf dieser Erde auch zwei Dinge gut hinbekommen habe: dich und ihn.</p>
<hr />
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-16614 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-06_Buchcover_qu-150x150.png" alt="" width="150" height="150" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-06_Buchcover_qu-150x150.png 150w, https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-06_Buchcover_qu-300x300.png 300w, https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-06_Buchcover_qu-450x450.png 450w, https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-06_Buchcover_qu-500x500.png 500w, https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-06_Buchcover_qu.png 612w" sizes="auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px" />Das Buch</strong><br />
Atalanti Evripidou, <em>Die, die nicht gegangen sind</em> (bislang nur auf EL)<br />
Verlag Polis, Athen 2024, 175 Seiten, ca. 14 Euro<br />
ISBN: 978-960-435-872-4</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-16617 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-04_AE-mit-Katze-sw-qu-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></strong><strong>Die Autorin</strong><br />
<strong>Atalanti Evripidou</strong> wurde 1987 geboren. Sie ist Sozialpsychologin und schreibt gelegentlich auch Gedichte. Erzählungen von ihr erschienen auf Griechisch in den Anthologien „Verwunschene Stadt“ (Ars Nocturna, 2013), „Töchter der Nacht“ (Ars Nocturna, 2016), „Das Licht in den Spalten“ (Archetypo, 2021), „Vielleicht #1“ (Oxy, 2021), „Countdown“ (AllBooks, 2024) und „Opfergaben“ (Agnostiki Kantath, 2025). Gedichte von ihr sind auf den Online-Portalen „Frear“ und „Vlavi“ zu finden. Auf Englisch wurden Kurzgeschichten von ihr in Zeitschriften wie „Luna Station Quarterly“, „Skull &amp; Laurel“, „34 Orchard“, „Gallery of Curiosities“ und „Speculative North“ veröffentlicht. Auf Deutsch befindet sich ihre, aus dem Englischen übersetzte, Erzählung „Trisévgeni“ unter dem Titel „Kinderly“ im Sammelband „Schatten aus der Welt der Sonne: Fantastische Literatur aus Griechenland“ erschienen, <span id="productTitle" class="a-size-large celwidget" style="color: #0000ff;" data-csa-c-id="yq5kit-34kfz6-2kn0nl-ahpwsi" data-cel-widget="productTitle"><a style="color: #0000ff;" href="https://www.amazon.de/Schatten-aus-Sonnenwelt-Spekulative-Griechenland/dp/3966290448">hier</a></span>. Sie hat mit dem Rollenspielverlag Onyx Path Publishing an den Publikationen „Gods and Monsters“ und „Forgotten and Forbidden Orders“ zusammengearbeitet. <span class="a-size-large celwidget" data-csa-c-id="yq5kit-34kfz6-2kn0nl-ahpwsi" data-cel-widget="productTitle">Die besprochene Sammlung „Die, die nicht gegangen sind“ ist ihr erstes Buch. Es</span> war für den „Menis Koumandareas“-Preis des griechischen Schriftstellerverbandes sowie für den Staatlichen Preis für Erzählungen/Novellen nominiert. <span id="productTitle" class="a-size-large celwidget" data-csa-c-id="yq5kit-34kfz6-2kn0nl-ahpwsi" data-cel-widget="productTitle">2026 wurde das Buch mit dem Debütantenpreis für Prosa der Literaturzeitschrift <em>o anagnostis </em>ausgezeichnet.</span></p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-16621 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2026/05/AE-01_georgia-harda-fractal-sw-hell-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" />Die Interviewerin</strong><br />
<strong>Georgia Harda</strong> wurde in Kavasila der Präfektur Ilia/Peloponnes geboren. Sie ist Journalistin und arbeitet als freie Berichterstatterin bei einem privaten Fernsehsender. Ihre tiefe Liebe gehört Büchern und der Literatur im Allgemeinen; im Rahmen ihrer journalistischen Laufbahn hat sie Interviews mit renommierten griechischen und ausländischen Schriftstellern geführt. Gleichzeitig verfolgt sie aktiv die zeitgenössische Musikszene, tauscht sich mit Künstlern und Kreativen aus und bietet sowohl aufstrebenden Talenten als auch bereits bekannten Namen der Szene eine Plattform. Ihre Artikel über Literatur und Musik erscheinen in der Online-Presse. Sie ist ordentliches Mitglied des Athener Verbandes der Tageszeitungsredakteure. In ihrer Freizeit liest sie viel, läuft, schwimmt und genießt die sonnigen Tage.</p>
<p class="textinfo"><em>Interview: Giorgia Harda (Übers. A.Tsingas). Das Interview erschien zuerst im Onlinemagazin fractal <span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://www.fractalart.gr/atalanti-eyripidoy/">hier</a></span> (auf EL). Mit freundlicher Genehmigung der Interviewerin und des Portals. Erzählung: Atalanti Evripidou (Übers. A.Tsingas). Mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Fotos: fractal. Redaktion: A.Tsingas. </em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://diablog.eu/literatur/prosa/atalanti-evripidou-menschen-sind-komplex-und-unvollkommen-und-das-ist-grossartig/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die griechische Theatergruppe Nefeli aus Stuttgart – am Puls der Gesellschaft</title>
		<link>https://diablog.eu/kuenste/theater/die-griechische-theatergruppe-nefeli-aus-stuttgart-am-puls-der-gesellschaft/</link>
					<comments>https://diablog.eu/kuenste/theater/die-griechische-theatergruppe-nefeli-aus-stuttgart-am-puls-der-gesellschaft/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 06:27:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Theater]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://diablog.eu/?p=16498</guid>

					<description><![CDATA[Die Theaterbühne Nefeli – Theatriki skini Nefeli – führt selbstgeschriebene und klassische Theaterstücke in griechischer Sprache auf. Nefeli wurde im Dezember 2017 von Maria Papadopoulou, Maria Tramountani und Routh Zampakika gegründet – „aus kultureller Not“, ... <p class="read-more-container"><a title="Die griechische Theatergruppe Nefeli aus Stuttgart – am Puls der Gesellschaft" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/theater/die-griechische-theatergruppe-nefeli-aus-stuttgart-am-puls-der-gesellschaft/#more-16498" aria-label="Mehr Informationen über Die griechische Theatergruppe Nefeli aus Stuttgart – am Puls der Gesellschaft">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Die Theaterbühne <em>Nefeli</em> – <em>Theatriki skini</em> <em>Nefeli</em> – führt selbstgeschriebene und klassische Theaterstücke in griechischer Sprache auf.</p>
<p><em>Nefeli</em> wurde im Dezember 2017 von Maria Papadopoulou, Maria Tramountani und Routh Zampakika gegründet – „aus kultureller Not“, wie sie sagen. „Denn Stuttgart bietet Gyrosbuden, griechische Bars, Tavernen und griechische Livemusik. Aber das griechischsprachige Theater war so gut wie gar nicht vertreten.“ <em>Nefeli</em> ist seit 2018 im Kulturkabinett Kkt Stuttgart-Bad Cannstatt beheimatet, <a href="https://kkt-stuttgart.de/">hier</a>. Bei den Aufführungen werden einige Stücke per Beamer deutsch untertitelt, andere gleich in deutscher Sprache aufgeführt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-16502 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-01_Buehne.jpg" alt="" width="1024" height="768" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-01_Buehne.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-01_Buehne-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-01_Buehne-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-01_Buehne-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-01_Buehne-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p><strong>Zahlreiche Spielstätten und eine künstlerische Handschrift</strong><br />
Die Spielstätten von <em>Nefeli</em> sind inzwischen zahlreich. Neben den „Heimspielen“ im Kkt Stuttgart finden auch Aufführungen im Deutsch-Amerikanischen Institut Tübingen, im wunderschönen Dreigroschentheater Stuttgart-Süd, in der Eventlocation Dreamcity Winnenden, im vielbeachteten Theater tri-bühne Stuttgart, im Kommunalen Häussler Bürgerforum Stuttgart-Vaihingen und in den Griechischen Schulen Stuttgart-Vaihingen und Stuttgart-Waiblingen statt.<br />
Die künstlerische Handschrift bewegt sich zwischen klassischem Theater (Einakter, Lesungen und Monologe), musikalisch-poetischen Formaten (Hommagen an den Brand von Izmir, das griechische Kino, den Seemannsdichter Nikos Kavvadias und den Komponisten Mikis Theodorakis), Kindertheater, Seminare und Performances.</p>
<figure id="attachment_16505" aria-describedby="caption-attachment-16505" style="width: 390px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16505" src="https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-03_SchuleWaiblingen.jpg" alt="" width="400" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-03_SchuleWaiblingen.jpg 493w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-03_SchuleWaiblingen-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-03_SchuleWaiblingen-450x338.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /><figcaption id="caption-attachment-16505" class="wp-caption-text">Besuch in der Griechischen Schule Stuttgart-Waiblingen</figcaption></figure>
<p>Das Repertoire reicht von Klassikern bis zu modernen griechischen AutorΙnnen. Unter der Anleitung des Regisseurs Simos Papanastasopoulos sind die Schauspielerinnen bereit zu experimentieren und neue Wege in den unendlichen Weiten des Theaters zu gehen. Zukünftig soll auch eine Frau aus den eigenen Reihen Regie übernehmen. Um sich als stets verändernde Gruppe und individuell weiterzuentwickeln, nehmen sie regelmäßig an Theaterseminaren teil. Besonders am Herzen liegen ihnen die musikalischen Abende, wie zum Beispiel die Produktion mit Aman-Musik aus Smyrni, dem heutigen Izmir. „Hier wird Schauspiel mit dem emotionalen Erbe unserer Kultur und eine ganz besondere Atmosphäre im Publikum geschaffen“, betont das Ensemble.</p>
<p><strong>Die drei Gründerinnen</strong><br />
<strong>Routh Zampakika – die Reise geht weiter</strong><br />
Routh (Foto weiter unten links) wurde 1968 in Thessaloniki geboren und ist dort aufgewachsen. „Schon als Kind trug ich zwei große Leidenschaften in mir: das Theater und das Reisen. 1996 kam ich nach Deutschland – zunächst nur für einige Monate. Hier hat mir das Theater sehr schnell gefehlt. Wie durch Fügung begegnete ich der talentierten Schauspielerin Nike M. Vassily. Unser Austausch über das Theater war inspirierend und voller Leidenschaft. Es dauerte nicht lange, bis ich selbst in dem Aristophanes-Stück <em>Plutos</em> (Der Reichtum) mitspielte. Diese Aufführung wurde für mein Leben zu einem Wendepunkt. Nicht nur künstlerisch – sondern auch persönlich. Denn dort lernte ich meinen späteren Ehemann kennen.“ Evangelos Dimopoulos ist Multiinstrumentalist und bei <em>Nefeli</em> auch für die Technik, also Licht und Sound, verantwortlich. Routh lernte fleißig Deutsch und ließ sich zur Erzieherin ausbilden. Als solche arbeitet sie in einer Kita in Schorndorf bei Stuttgart.<br />
Routh meint: „Fast 30 Jahre nach meinem Kommen verspüre ich tiefe Dankbarkeit dafür, dass ich immer noch Theater spiele. Letztes Jahr habe ich das einjährige Seminar „Analyse von Theaterstücken und Regie“ abgeschlossen. Unter anderem habe ich dort gelernt, dass Theater nicht nur Unterhaltung bedeutet, sondern auch ein dynamisches Medium ist, das gesellschaftliche Veränderungen widerspiegelt und aktiv mitgestalten kann. Deshalb ist es für mich wichtig, dass wir mit <em>Nefeli</em> auch aktuelle Themen wie Diskriminierung oder Nationalismus auf die Bühne bringen. Im Kulturkabinett Theater Kkt in Bad Cannstatt bin ich seit über zehn Jahren künstlerisch zu Hause, und ich freue mich immer noch, dass ich mit den beiden Marias weiterhin mit Leidenschaft und Kreativität auf der Bühne stehe. Die Reise geht weiter!“</p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16504 size-single-hochkant alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-02_die-3-heller-500x375.jpg" alt="" width="500" height="375" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-02_die-3-heller-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-02_die-3-heller-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-02_die-3-heller-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/03/nef-02_die-3-heller.jpg 608w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" />Maria Tramountani – die Rastlose </strong><br />
Maria T. (Foto Mitte) wurde 1990 in Stuttgart geboren, ihre Großeltern waren in den 1960er-Jahren aus Griechenland nach Deutschland gekommen. Maria studierte Ethnologie und Englische Literatur in Heidelberg sowie im Masterstudium Interkulturalität und Integration in Schwäbisch Gmünd. Sie ist selbständig im Bereich Jugend- und Kulturarbeit tätig. Auch ist sie Gründerin und Vorsitzende der arabischen Schreibwerkstatt Literally Peace e.V. Stuttgart, <a href="https://evau-mag.de/literatur-projekt-literally-peace-ehrenamtliches-engagement-austausch-syrien-deutschland/">hier</a><br />
Über Nefeli sagt sie: Da wir ein mehrsprachiges Team sind ist Diversität Teil der DNA unserer Theatergruppe. Wir wollen Brücken schlagen zwischen den Kulturen und zeigen, dass Theater sich einer universellen Sprache bedient. Uns bewegt die Frage, wie wir ein jüngeres Publikum erreichen können. Ein weiteres Ziel ist es, das deutschsprachige Publikum, das wir bei vergangenen Produktionen durch simultane deutsche Untertitelung gewonnen haben, zu halten und stetig zu erweitern, um den kulturellen Austausch zu fördern.“</p>
<p><strong>Maria Papadopoulou – die Verbindung zwischen Recht und Bühne</strong><br />
Maria P. (Foto rechts) wurde in Waiblingen als Enkelin griechischer Einwanderer geboren. „In meinem Leben sind juristische Präzision und künstlerische Leidenschaft vereint. Nach dem Jurastudium an der Demokrit-Universität Thrakien und dem Aufbaustudium Master of Laws in Erlangen arbeitete ich elf Jahre als Rechtsanwältin am Landgericht Thessaloniki. Seit 2011 bin ich in Deutschland im sozialen Bereich des öffentlichen Dienstes tätig, wo ich die Rechte von Kindern und Jugendlichen vertrete. Dazu arbeite ich freiberuflich als beeidigte Übersetzerin für Griechisch.“<br />
Zu Marias Liebe zu Recht und Gerechtigkeit gesellt sich ihre Leidenschaft fürs Theater. So stand sie in Deutschland und Griechenland bei verschiedenen Theaterformationen auf der Bühne. Neben dem namhaften Schauspieler und Regisseur Tasos Pantazis lernte sie am Staatlichen Theater Nordgriechenlands in Thessaloniki die Schauspieltechnik und hinter den Kulissen die Geheimnisse der Spielleitung. Seit 2013 ist sie Mitglied des Kkt-Kulturkabinetts.<br />
„Das Theater reflektiert für mich soziale Fragen, bietet neue Perspektiven und Denkanstöße. Dabei haben Justiz und Theater haben überraschend viele Gemeinsamkeiten. Beide basieren auf Inszenierung, Rollenverteilung und Rhetorik. Daher würde ich gerne ein Theaterstück, das eine Gerichtsverhandlung zum Thema hat, mit der Unterstützung des <em>Nefeli</em>-Regisseurs Simos Papanastasopoulos entwickeln und selbst darin mitspielen. Ich denke z.B. an den Film »Die Zwölf Geschworenen«, das Debüt des US-Regisseurs Sidney Lumet aus dem Jahr 1957.“ Namensgeberin der Theatergruppe ist übrigens ihre Tochter, sie heißt Nefeli.</p>
<hr />
<p><strong><em>Nefeli</em></strong><strong> aktuell – Die Rolle der Frau: „Nur Kinder, Küche, Kirche” (von 1977)</strong><br />
Das neue Theaterstück von <em>Nefeli</em> ist eine theatralisch-musikalische Lesung des legendären italienischen Theaterwerks „Nur Kinder, Küche, Kirche” der Autorin Franca Rame, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Franca_Rame">hier</a>. Sie arbeitete jahrzehntelang künstlerisch eng mit ihrem Mann Dario Fo zusammen. Die Gründerinnen von <em>Nefeli</em> betonen, dass ihnen aktuelle gesellschaftliche Themen besonders am Herzen liegen. Ein zentrales Thema ist für sie – immer wieder – die Rolle der Frau.<br />
Ihr neu eingeübtes Stück thematisiert die Stellung der Frau in der kapitalistischen Gesellschaft, insbesondere ihre sexuelle Versklavung. Im Zentrum stehen bitter komische und provokative Monologe, in denen Frauen aus unterschiedlichen sozialen Milieus ihre Erfahrungen mit patriarchalen Strukturen, Gewalt, Ausbeutung und Rollenzwängen erzählen. Das feministische, politische, oft wütende und zugleich humorvolle Stück rüttelt wach. Es deckt weibliche Lebensrealitäten und Unterdrückung auf und weist auf den Kampf um Selbstbestimmung hin. Gespielt werden eine Fabrikarbeiterin und Mutter, eine Prostituierte, die groteske Figur der „Mama Hexe“ und sogar Medea als mythologische Brechung. Diese Vielfalt zeigt, dass das Stück nicht nur Alltagsrealitäten, sondern auch archetypische und symbolische Frauenbilder nutzt, um patriarchale Muster sichtbar zu machen.</p>
<p><strong>Die Jahre, die da noch kommen sollen</strong><br />
Die drei Gründerinnen haben den Ehrgeiz, <em>Nefeli</em> als festen Bestandteil der Stuttgarter Kulturlandschaft zu etablieren und weiterhin anspruchsvolles griechisches Theater zu präsentieren, das den Geist der Zeit trifft. Auf die Frage, ob es eine besondere Tradition gibt, die sie kultivieren, antworten die drei unisono: „Wenn man es als Tradition bezeichnen kann: Nach jeder Premiere ist es für uns obligatorisch, gemeinsam griechisch essen zu gehen. Das gehört für den Zusammenhalt der Gruppe einfach dazu.“<br />
Da kann man ihnen nur guten Appetit wünschen, viel Erfolg und weiterhin alles Gute!</p>
<hr />
<p class="textinfo"><em>Kulturkabinett e.V., <a href="https://kkt-stuttgart.de/service/#kontakt">hier</a>. Text: Simon Steiner. Fotos: Nefeli. Redaktion: A.Tsingas.</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://diablog.eu/kuenste/theater/die-griechische-theatergruppe-nefeli-aus-stuttgart-am-puls-der-gesellschaft/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Toxische Freundschaft oder Liebe?</title>
		<link>https://diablog.eu/literatur/prosa/toxische-freundschaft-oder-liebe/</link>
					<comments>https://diablog.eu/literatur/prosa/toxische-freundschaft-oder-liebe/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 06:27:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Prosa]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://diablog.eu/?p=16527</guid>

					<description><![CDATA[Zwei Mädchen lernen sich im Athen der 70er Jahre kennen. Die Diktatur in Griechenland ist gerade erst vorbei. Maria wurde in Afrika geboren und kehrt in ihr Heimatland zurück, wo es ihr anfangs überhaupt nicht ... <p class="read-more-container"><a title="Toxische Freundschaft oder Liebe?" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/prosa/toxische-freundschaft-oder-liebe/#more-16527" aria-label="Mehr Informationen über Toxische Freundschaft oder Liebe?">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Zwei Mädchen lernen sich im Athen der 70er Jahre kennen. Die Diktatur in Griechenland ist gerade erst vorbei. Maria wurde in Afrika geboren und kehrt in ihr Heimatland zurück, wo es ihr anfangs überhaupt nicht gefällt. Bis sie Anna kennenlernt, die aus Paris kommt.</p>
<p>lma Rakusa stellt den Roman vor:<br />
Zwischen Juli 2001 und Juli 2002, während eines Stipendienaufenthalts in der Akademie Schloss Solitude bei Stuttgart, hat Amanda Michalopoulou den Roman „Warum ich meine beste Freundin tötete“ geschrieben, der 2022 in der Übersetzung von Michaela Prinzinger auf Deutsch erschienen ist. Anders als der Titel suggeriert, handelt es sich nicht um einen Krimi, doch spannend ist das Buch allemal. Es erzählt von zwei Freundinnen, die sich lieben und hassen zugleich, die nicht voneinander loskommen, obwohl ihre Beziehung oft lebensbedrohliche Züge annimmt. Hinzukommt der Fokus auf turbulente politische Ereignisse in Griechenland. Dramatik ist also vorprogrammiert.</p>
<p>Zum Zeitrahmen: Er erstreckt sich von der zweiten Hälfte der siebziger Jahre bis zum Ende der neunziger Jahre, wobei nicht chronologisch-linear erzählt wird. Als Ich-Erzählerin fungiert Maria, eine der beiden Freundinnen. Sie erzählt die Geschichte ihrer Freundschaft mit Anna Horn, nachdem diese auf tragische Weise umgekommen ist. Ihre Erinnerungen springen vor und zurück. So wird beispielsweise eine der Schlüsselszenen erst spät offengelegt, die Spannung also lange hinausgezögert. Solche Kunstgriffe zeigen, wie intelligent Amanda Michalopoulou ihren Roman komponiert hat. Auch die Psychologie der Figuren zeigt Kunstsinn und Menschenkenntnis.</p>
<p>Maria ist zehn, als sie mit ihren Eltern aus Nigeria, wo ihr Vater im Erdölgeschäft tätig war, nach Athen zurückkehrt. Sie ist unglücklich und sehnt sich nach dem ungebundenen Leben in Afrika. In der Schule – wir haben das Jahr 1977 – lernt sie Anna Horn kennen, ein bildhübsches, stolzes Mädchen, das sie sofort in ihren Bann schlägt. Anna lädt Maria zu sich nach Hause ein, stellt sie ihrer Mutter Antigoni vor, einer zierlichen Ballettänzerin mit politisch radikalen Ideen. Kunst und politischer Aktivismus – diese Verbindung wird auch Maria faszinieren und sie bald schon von ihrem Elternhaus entfremden, vor allem von ihrer konservativ-religiösen Mutter.</p>
<p>Antigoni nimmt Anna und Maria am Jahrestag des Aufstands im Athener Polytechnikum, als Studenten gegen die Militärjunta revoltierten, zu einer Demo mit. Später darf Maria Anna nach Paris begleiten, wo deren Vater, der Philosophieprofessor Stamatis, lebt, wo hitzig über Gott und die Welt debattiert und der Libertinage gefrönt wird. Die Freundinnen sind unzertrenntlich. Wobei Anna, das „Alphatier“, Maria in jeder Beziehung dominiert. Sie gibt den Ton an, sie stiehlt Maria die Show, indem sie überall Aufsehen erregt. Sie ist es, die Maria alle Boyfriends ausspannt. Rivalität betrifft auch den Beruf: Nachdem Maria für ihre Zeichnungen gelobt wurde, will Anna in Paris partout Kunst studieren. Gönnt sie Maria denn keine Eigenständigkeit?</p>
<p>Wie sich mehr und mehr herausstellt, geht es um Machtausübung. Maria soll sich unterwerfen, und sie tut es auch, obwohl sie die Freundin durchschaut. Denn auch Anna zeigt manchmal Schwächen, nach einem Erdbeben ist sie zutiefst verängstigt, sucht Hilfe. Da kommt ihr Maria mit ihrem Einfühlungsvermögen und Mitleid gerade recht. Wann immer Anna in Not ist, ruft sie nach Maria – und diese lässt alles stehen, um zu ihrer Freundin zu eilen.</p>
<p>Ist Maria eine Masochistin? Ist sie, statt von Drogen, abhängig von Anna? Und dies, obwohl sie die Psyche Annas längst ergründet hat? Gegenüber Anna fühlt sie sich „wertlos, unbedeutend und blöd“, sie spielt „die Wasserträgerin, das Dienstmädchen, die kleine Sklavin, deren Herrin böse geworden ist.“ Ja, Anna ist launisch, ja, sie benutzt Maria nach Strich und Faden, ja, sie bringt es fast fertig, Maria ihre künstlerischen Talente madig zu machen. Und Maria fragt sich, warum sie dies zulässt.</p>
<p>Nach heftigen Zerwürfnissen und längeren Trennungen kommt es immer wieder zu herzzerreissenden Versöhnungen. Vor allem eine Episode schweißt die Freundinnen für immer zusammen. Als sie auf einer kleinen griechischen Insel an einer einsamen Felsküste die Zweisamkeit geniessen, nähert sich bedrohlich ein Mann. Im Glauben, es gehe um Leben und Tod, wird Anna den Mann mit einer verzweifelten Geste von sich stossen. Er stürzt in die Tiefe und ertrinkt. Dass er nicht schwimmen kann, wussten sie nicht. Ein Mord ohne Absicht, aus Selbstverteidigung. Er sollte nie aufgeklärt werden. Die Freundinnen behalten ihn als tragisches Geheimnis für sich.</p>
<p>Nicht nur in diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach moralischen Werten. Wozu dienen linke Ideologie und politischer Aktivismus, wozu dienen anarchistische Ideale und endlose Protestaktionen, wenn man im Privaten immer wieder versagt?<br />
Maria bringt es auf den Punkt: „[Anna] bezaubert. Sie tyrannisiert. Sie flucht. Sie tötet. Ja, sie tötet.“ (S. 210) Das ist im übertragenen Sinne gemeint, enthält aber eine bittere Anklage.</p>
<p>Doch Anna ist mit ihrer Strategie erfolgreich. Sie heiratet einen namhaften (älteren) Architekten, bringt Tochter Dafni zur Welt, lebt ein gediegenes Leben. Von ihren anarchistischen Idealen aber mag sie sich nicht verabschieden. Bei einer Protestaktion auf der Attika-Ringstrasse wird sie von der Polizei durch einen Kopfschuss getötet. Sie ist fünfunddreissig Jahre alt.</p>
<p>Maria, die ein enges Verhältnis zu Annas Tochter Dafni entwickelt hat und ihr Zeichenunterricht gibt, wird gewissermassen zur Ersatzmutter. Eigene Kinder hat sie nicht. Dafni ist Annas leibliches Vermächtnis. Ihr politisches Vermächtnis lautet: „Schluss mit der Dogmatik, mit dem Ersetzen der einen Macht durch eine andere, noch schlimmere!“ Im konkreten historischen Moment auf die Barrikaden zu gehen, hat sowohl etwas Theatralisches als auch Pragmatisches. Mit anderen Worten: Man muss zu „romantischen Unruhestiftern“ werden.</p>
<p>In dieser Losung steckt der Versuch, Kunst und Politik zusammenzubringen, ja zu versöhnen. Was nicht ohne Risiken abgeht, wie gerade Annas Schicksal zeigt.<br />
Am Schluss des Romans wird uns noch ein weiterer Blick auf Anna gewährt, nämlich durch Gedichte, die sie in den achtziger Jahren geschrieben und von fremden Augen ferngehalten hat. Gedichte über das Alleinsein zu Hause, „Brot mit Brombeeren essend“, über „Turnschuhe“, „Landbau“ und „Pizza Napolitina“. Berührende Gedichte ohne Prätention, aber von grosser Sensibilität und Verletzlichkeit. Sind sie es, die von der wahren Anna erzählen?  In „Pizza Napolitana“, das Maria gewidmet ist, heisst es:<br />
„An deiner Oberlippe klebt ein Stück Tomate / oder ist es eine alte Wunde, die aufgebrochen ist? / Soll ich mich darum kümmern oder ist es nicht ratsam? / Deine Wangen sagen nein. / Sie sind erfüllt von Härte, / die du fortwährend ersetzt durch etwas anderes, / noch Härteres. / Aber ich will dein Bissen sein / und dein nächster Bissen / und dein nächster auch. / Lass mich dein Stoffwechsel sein / und dein erneuter Hunger. / Schau: Auch meine Lippen sind von einer Tomate befleckt. / Du beisst mich und lässt mich bluten, jetzt.“ (Paris 1989)</p>
<p>Also war es doch Liebe. Und so wundert es nicht, dass Annas Tod eine schmerzliche Lücke in Marias Leben reisst: „Und jetzt, da du nicht mehr bist, treibe ich neben dir im absoluten Nichts. Oder besser gesagt spiele ich die undankbarste Rolle: dein Geist zu sein.“ (S. 282)</p>
<p>Amanda Michalopoulou hat einen aufwühlenden, bis zur letzten Zeile spannenden Roman geschrieben, der auch nach der Lektüre noch lange fortwirkt. Gerade weil er nicht jede Frage beantwortet und zum Weiterdenken anregt.<br />
Meine Empfehlung: Lesen, und wiederlesen!</p>
<hr />
<p><strong>Das Buch</strong><br />
Amanda Michalopoulou: <em>Warum ich meine beste Freundin tötete</em><br />
Aus dem Griechischen von Michaela Prinzinger<br />
bahoe books, Wien 2022<br />
ISBN 978-3-903290-78-5</p>
<figure id="attachment_16536" aria-describedby="caption-attachment-16536" style="width: 667px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16536 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2026/03/wft-3_Doppel.jpg" alt="" width="677" height="538" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/03/wft-3_Doppel.jpg 677w, https://medien.diablog.eu/2026/03/wft-3_Doppel-300x238.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/03/wft-3_Doppel-450x358.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/03/wft-3_Doppel-500x397.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 677px) 100vw, 677px" /><figcaption id="caption-attachment-16536" class="wp-caption-text">Die deutsche und die griechische Ausgabe</figcaption></figure>
<figure id="attachment_16531" aria-describedby="caption-attachment-16531" style="width: 140px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16531 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2026/03/wft-2-©Verlag-Kastaniotis-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/03/wft-2-©Verlag-Kastaniotis-150x150.jpg 150w, https://medien.diablog.eu/2026/03/wft-2-©Verlag-Kastaniotis-300x300.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/03/wft-2-©Verlag-Kastaniotis.jpg 450w" sizes="auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px" /><figcaption id="caption-attachment-16531" class="wp-caption-text">©Verlag Kastaniotis</figcaption></figure>
<p><strong>Die Autorin</strong><br />
<strong>Amanda Michalopulou</strong> (* 1966) gehört zu den bekanntesten griechischen Gegenwartsautorinnen. Mit Romanen, Erzählungen, Essays und Kolumnen hat sie sich weit über Griechenland hinaus einen Namen gemacht und wurde vielfach ausgezeichnet.<br />
Auf diablog.eu <span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://diablog.eu/?s=Amanda+michalopoulou">hier</a></span>. Interview zum Buch auf diablog.eu <a href="https://diablog.eu/literatur/warum-ich-meine-beste-freundin-toetete/"><span style="color: #0000ff;">hier</span></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<figure id="attachment_16530" aria-describedby="caption-attachment-16530" style="width: 140px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16530 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2026/03/wft-1_Rakusa-©Katalin-Deer-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /><figcaption id="caption-attachment-16530" class="wp-caption-text">©Katalin Deer</figcaption></figure>
<p><strong>Die Buchkritikerin</strong><br />
<strong>Ilma Rakusa</strong> (*1946) ist eine Schweizer Autorin und Übersetzerin aus dem Russischen, Serbokroatischen, Ungarischen und Französischen. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Auf Wikipedia <span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://de.wikipedia.org/wiki/Ilma_Rakusa">hier</a></span></p>
<p class="textinfo"><em>Text: Ilma Rakusa. Fotos: Fotos: bahohe books, Verlag Kastaniotis, Amanda Michalopoulou, Katalin Deer. Redaktion: A.Tsingas.</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://diablog.eu/literatur/prosa/toxische-freundschaft-oder-liebe/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Griechische Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück</title>
		<link>https://diablog.eu/literatur/historisches/griechische-frauen-im-konzentrationslager-ravensbrueck/</link>
					<comments>https://diablog.eu/literatur/historisches/griechische-frauen-im-konzentrationslager-ravensbrueck/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 08:24:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Historisches]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://diablog.eu/?p=16296</guid>

					<description><![CDATA[Ravensbrück – keine der dorthin deportierten Griechinnen wird zuvor diesen Ortsnamen gehört, geschweige denn Kenntnis über die geografische Lage dieses kleinen brandenburgischen Ortes gehabt haben. Auch heute noch spielt Ravensbrück auf der Landkarte des kollektiven ... <p class="read-more-container"><a title="Griechische Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/historisches/griechische-frauen-im-konzentrationslager-ravensbrueck/#more-16296" aria-label="Mehr Informationen über Griechische Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Ravensbrück – keine der dorthin deportierten Griechinnen wird zuvor diesen Ortsnamen gehört, geschweige denn Kenntnis über die geografische Lage dieses kleinen brandenburgischen Ortes gehabt haben.</p>
<p>Auch heute noch spielt Ravensbrück auf der Landkarte des kollektiven griechischen Gedächtnisses kaum eine Rolle. Auschwitz, Mauthausen, Dachau, Bergen-Belsen sind die Orte nationalsozialistischer Terrorherrschaft, die die Mehrheit der Griechinnen und Griechen kennt, nicht zuletzt dank der berühmten Theodorakis-Komposition „Asma Asmaton“. [aus der Mauthausen-Kantate, <a href="https://www.mauthausen-memorial.org/de/Aktuell/Mikis-Theodorakis-(19252021)"><span style="color: #0000ff;">hier</span></a>; YouTube <a href="https://www.youtube.com/watch?v=D-Z0_oKzZdg"><span style="color: #0000ff;">hier</span></a>]</p>
<p>Die Überlebenden haben in der Regel geschwiegen, denn niemand interessierte sich wirklich, ihre Erfahrungsberichte zu hören. Sogar störend wurde mancherorts ihre Rückkehr empfunden, wie jüdische Überlebende wiederholt berichteten. Politisch links Stehende waren im repressiven griechischen Staat der Nachkriegszeit erneut mannigfaltigen Verfolgungen ausgesetzt und durchlebten oft ein zweites Mal den entmenschlichten Alltag einer Konzentrationslagerhaft. So überrascht es nicht, dass die wenigsten griechischen Überlebenden jemals an die Stätte ihres Leidens nach Ravensbrück zurückkehrten.</p>
<figure id="attachment_16304" aria-describedby="caption-attachment-16304" style="width: 360px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16304" src="https://medien.diablog.eu/2026/01/02a_Buchcover-knapp.jpg" alt="" width="370" height="632" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/01/02a_Buchcover-knapp.jpg 430w, https://medien.diablog.eu/2026/01/02a_Buchcover-knapp-176x300.jpg 176w" sizes="auto, (max-width: 370px) 100vw, 370px" /><figcaption id="caption-attachment-16304" class="wp-caption-text"><em>Als der Mensch gegen Scham und Tod ankämpfte</em> – Erinnerungen von Maria Tsiskaki-Galiatsatou (vergriffen)</figcaption></figure>
<p><strong>Zeitzeuginnen</strong><br />
Eine wichtige Quelle für die Griechinnen im Konzentrationslager Ravensbrück sind die Erinnerungen von Maria Tsiskaki-Galiatsatou. Bereits 1946 begann sie ihre Erfahrungen in den deutschen Konzentrationslagern aufzuschreiben. Aber es sollten fast 30 Jahre vergehen, bis sie diese kurz vor ihrem Tod 1975 im Selbstverlag veröffentlichte.</p>
<p>Maria Tsiskaki-Galiatsatou hat den Anspruch, das Erlebte so „neutral“ wie möglich wiederzugeben. Nicht jede griechische Zeitzeugin hat die Kraft dazu. Zu schwer lasten die traumatischen Erfahrungen auch heute noch auf den Überlebenden. So fällt es einer anderen Griechin sichtlich schwer, das von den Mitarbeitern des Projektes „Memories of the Occupation in Greece (MOG)“ geführte Interview durchzuhalten. [<a href="https://www.occupation-memories.org/en/index.html"><span style="color: #0000ff;">hier</span></a>] Immer wieder will sie das Interview vorzeitig beenden und unterbricht mehrmals ihre Schilderungen mit hasserfüllten Beschimpfungen auf die Deutschen. Noch 80 Jahre danach sitzen die Wunden tief; die brutalen Erlebnisse der Haft sind allzu gegenwärtig, die Wut über verlorenen Besitz ist groß. Eine Bereitschaft zur Versöhnung ist nicht erkennbar. Sie war 16 Jahre alt, als sie in eine Razzia der Deutschen in ihrer Heimatstadt Volos (Zentralgriechenland) geriet. Politisch habe sie sich nicht betätigt, als junge Vollwaisin ging es um das tägliche Überleben. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich seit ihrem 14. Lebensjahr als Arbeiterin in einer örtlichen Tabakfabrik, wo sie auch nach ihrer Rückkehr aus dem Konzentrationslager bis zu ihrer Berentung tätig war.</p>
<p><strong>Konzentrationslager und Orte der Zwangsarbeit</strong><br />
Nachgewiesen ist bislang die Internierung von 265 Griechinnen, die im Zeitraum zwischen Februar 1944 und Frühjahr 1945 in das Konzentrationslager Ravensbrück gelangten. In 12 Deportationstransporten erreichten sie einzeln oder in kleinen Gruppen gemeinsam mit weiteren Landsfrauen, aber immer im Zusammenhang von größeren Transporten aus allen Himmelsrichtungen Europas, das Lager Ravensbrück.</p>
<figure id="attachment_16305" aria-describedby="caption-attachment-16305" style="width: 490px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16305 size-single-hochkant" src="https://medien.diablog.eu/2026/01/03_Karte-1-500x453.jpg" alt="" width="500" height="453" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/01/03_Karte-1-500x453.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/01/03_Karte-1-300x272.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/01/03_Karte-1-450x408.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/01/03_Karte-1.jpg 565w" sizes="auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px" /><figcaption id="caption-attachment-16305" class="wp-caption-text">Abfahrtsorte von Deportationen griechischer Frauen in das Konzentrationslager Ravensbrück // © F.M.Papoulia</figcaption></figure>
<p>Compiègne, Riga, Chaidari, Warschau, Lodz, Auschwitz sind nur einige Beispiel für Orte, an denen ihre Reise begann – die oftmals auch nicht in Ravensbrück endete: Zu groß und vielfältig war der ausbeuterische Bedarf der deutschen Kriegswirtschaft. Köpenick, Leipzig, Malchow, Magdeburg, Rechlin sind Beispiele für Einsatzorte der mitunter tödlich verlaufenden Zwangsarbeit.</p>
<p>Das in der Regel bürokratisch penibel geführte Aufnahmeprozedere der Nationalsozialisten liefert uns heute Hinweise für die Recherche. Deportationslisten, Eingangslisten, Effektenlisten, Krankenakten und schließlich die Häftlingskarteien selbst bilden die Grundlage für die Spurensuche. Nicht alle Inhaftierten lassen sich auf diese Weise finden, jedoch zahlreiche von ihnen.</p>
<figure id="attachment_16306" aria-describedby="caption-attachment-16306" style="width: 375px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-16306" src="https://medien.diablog.eu/2026/01/04_Karte-2.jpg" alt="" width="385" height="506" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/01/04_Karte-2.jpg 385w, https://medien.diablog.eu/2026/01/04_Karte-2-228x300.jpg 228w" sizes="auto, (max-width: 385px) 100vw, 385px" /><figcaption id="caption-attachment-16306" class="wp-caption-text">Zwangsarbeitseinsatzorte griechischer Frauen // © F.M.Papoulia</figcaption></figure>
<p><strong>Der Griechische Freundeskreis Ravensbrück, Berlin</strong><br />
Eine dieser Listen fiel vor über 25 Jahren einer kleinen Gruppe um Sofia Anastassiadou und Eleni Winckel in die Hände. Damit war der Grundstein für die engagierte Erinnerungsarbeit des „Griechischen Freundeskreises Ravensbrück, Berlin“ gelegt. Mit großem persönlichen Einsatz, minutiöser Recherche, dem Beisteuern privater Finanzmittel und unter Begleitung unglaublicher glücklicher Zufälle wurden Begegnungen mit inzwischen verstorbenen Zeitzeuginnen möglich. Ziel des Projektes ist, ein angemessenes Gedenken an diese griechischen Frauen zu ermöglichen und weitere aus der Anonymität ihrer Häftlingsnummern zu befreien. <span style="color: #0000ff;">[1]</span><strong><br />
</strong></p>
<p>Wer waren sie, diese 265 griechischen Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück, mit ihren 265 unterschiedlichen Lebensgeschichten, ihren auf individuelle Weise 265-mal unterschiedlich erfahrenen Erlebnissen und mit schließlich 265 verschiedenen persönlichen Erinnerungen daran?</p>
<p><strong>Griechische Frauen in der französischen Résistance</strong><br />
Die erste Griechin, die in den Eingangslisten von Ravensbrück zu finden ist, erreicht das Lager nicht aus Griechenland, sondern kommt im Februar 1944 in einem Deportationstransport gemeinsam mit 957 aus politischen Gründen inhaftierten Frauen aus dem französischen Compiègne. Warum die 51-jährige Anastassia sich in Frankreich aufhielt und welche die genauen Gründe ihrer Verhaftung waren, wissen wir nicht. Aus Berichten französischer Ravensbrückerinnen haben wir jedoch Kenntnis darüber, dass Ausländerinnen in den Reihen des französischen Widerstands durchaus üblich waren. Auch über eine weitere in Ravensbrück internierte Griechin ist bekannt, dass sie sich während des Krieges in Paris aufhielt und schließlich wegen ihrer Aktivitäten in der französischen Résistance verhaftet und nach Ravensbrück deportiert wurde. Ihre belgische Lagerfreundin, die Unternehmerin und Widerständlerin Simonne L., berichtet uns darüber:<br />
<em>Wir teilten uns ein einziges Bett, kaum 60 Zentimeter breit: sie am Kopfende, ich am Fußende. Nichts kann Ihnen wirklich vermitteln, was wir damals durchlebt haben; kein Bericht, keine Erzählung kann dieses Grauen wiedergeben, das selbst Dante sich nicht auszumalen gewagt </em><em>hätte</em><em>.</em><br />
<em>Um mir unter diesen Umständen Mut zu machen, trug mir Polymnia Gedichte vor. Sie hatte tatsächlich hunderte davon im Gefängnis geschrieben – alle sorgfältig geordnet und in ihrem Gedächtnis bewahrt. Nach unserer Befreiung wollte sie sie in zwölf Heften begleitet von Skizzen veröffentlichen. Sie versprach, mir das erste Heft zu widmen.</em><br />
<em>Um unserer Realität zu entfliehen, rezitierten wir gemeinsam mit geschlossenen Augen Gedichte. Viele davon waren Lieder, die wir dann alle zusammen sangen, während wir versuchten, Polymnia nachzuahmen. Sie war eine Frau von seltener Geisteskultur. Jedes Mal, wenn ich an sie zurückdenke, muss ich weinen</em>.</p>
<figure id="attachment_16307" aria-describedby="caption-attachment-16307" style="width: 640px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16307" src="https://medien.diablog.eu/2026/01/05_Retzow-Rechlin--500x375.jpg" alt="" width="650" height="488" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/01/05_Retzow-Rechlin--500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/01/05_Retzow-Rechlin--300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/01/05_Retzow-Rechlin--768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/01/05_Retzow-Rechlin--450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/01/05_Retzow-Rechlin-.jpg 1008w" sizes="auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px" /><figcaption id="caption-attachment-16307" class="wp-caption-text">Erinnerungsort Retzow-Rechlin // © Gemeinde Rechlin</figcaption></figure>
<p>Beide Griechinnen überleben ihre Inhaftierung nicht. Polymnia wird nach Angaben von Simonne L. im Jugendlager Uckermark ermordet, während Anastassia an den brutalen Haft- und Arbeitsbedingungen im Außenlager Rechlin zugrunde gehen wird. Auf der hoch in den Himmel ragenden Gedenkstele am Ort der Erinnerung inmitten der mecklenburgischen Seenlandschaft können wir heute ihren Namen lesen.</p>
<figure id="attachment_16309" aria-describedby="caption-attachment-16309" style="width: 640px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16309" src="https://medien.diablog.eu/2026/01/07_Chaidari-500x338.jpg" alt="" width="650" height="439" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/01/07_Chaidari-500x338.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/01/07_Chaidari-300x203.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/01/07_Chaidari-768x519.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/01/07_Chaidari-450x304.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/01/07_Chaidari.jpg 983w" sizes="auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px" /><figcaption id="caption-attachment-16309" class="wp-caption-text">Das Konzentrationslager Chaidari bei Athen // © A.M.Droumbouki</figcaption></figure>
<p><strong>Der „Sondertransport aus Athen“</strong><br />
Nur wenige Monate vor dem Abzug der deutschen Besatzungstruppen aus Griechenland erreicht im Juni 1944 der sogenannte „Sondertransport aus Athen“ das Konzentrationslager Ravensbrück. Es handelt sich um den einzigen (bisher dokumetierten) direkt aus Griechenland erfolgten Deportationstransport in dieses Konzentrationslager. Mit ihm treffen 61 Griechinnen im Lager ein. Sie waren sämtlich aus politischen Gründen im berüchtigten Konzentrationslager Chaidari bei Athen <span style="color: #0000ff;">[<a style="color: #0000ff;" href="https://www.gedenkorte-europa.eu/de_de/kz-chaidari.html">hier</a>]</span> inhaftiert gewesen:<br />
Darunter eine 16-jährige, bei der EPON [<a href="https://www.gedenkorte-europa.eu/de_de/article-epon-vereinigte-panhellenische-jugendorganisation.html"><span style="color: #0000ff;">hier</span></a>] organisierte Schülerin; eine sechsfache Mutter, die als Verwaltungsführerin der Nationalen Befreiungsfront, der EAM [<span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://www.gedenkorte-europa.eu/de_de/article-elas-griechische-volksbefreiungsarmee.html">hier</a></span>], auf Evia identifiziert worden war; mehrere Mitglieder einer Familie aus Theben, die als Angehörige von EAM-ELAS eingestuft wurden; sowie eine Mutter mit ihrer Tochter aus Ioannina, die als politische Geiseln festgehalten wurden. Weitere in den Häftlingskarteien verzeichnete Haftgründe lauteten „disziplinloses Verhalten“, „Bandenunterstützung“, „Judenbegünstigung“ oder schlicht „Kommunistin“.</p>
<p>Die Hälfte dieser Frauen war jünger als 25 Jahre, ein Viertel davon nicht einmal 20; die jüngste war gerade einmal 15 Jahre alt.</p>
<figure id="attachment_16308" aria-describedby="caption-attachment-16308" style="width: 740px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16308" src="https://medien.diablog.eu/2026/01/06_Alter.jpg" alt="" width="750" height="307" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/01/06_Alter.jpg 974w, https://medien.diablog.eu/2026/01/06_Alter-300x123.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/01/06_Alter-768x315.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/01/06_Alter-450x184.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/01/06_Alter-500x205.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 750px) 100vw, 750px" /><figcaption id="caption-attachment-16308" class="wp-caption-text">Altersstruktur inhaftierter griechischer Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück // n = 204 // © F.M.Papoulia</figcaption></figure>
<p>Einige der Frauen aus dieser Gruppe hatten im Konzentrationslager Chaidari bereits auf ihre Hinrichtung gewartet, bevor sich die Pläne der Besatzungsbehörden für sie änderten. Die Zugfahrt der 61 Frauen und 850 Männer in geschlossenen Güterwaggons habe 13 Tage gedauert. <span style="color: #0000ff;">[2]</span> In Thessaloniki waren weitere 250 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Pavlos Melas hinzugekommen. In Weimar schließlich wurden die beiden Waggons mit den Frauen vom restlichen Zug abgekoppelt. Die Stimmung unter den Frauen lasse sich nicht leicht beschreiben, erklärt Maria Tsiskaki-Galiatsatou :<br />
<em>Niedergeschlagenheit. Angst. Unsicherheit. Diejenigen von uns, die klar denken konnten, erkannten die Gefahr. Wir mussten unverzüglich reagieren. Wir mussten mit allen Mitteln das loswerden, was uns belastete. Die meisten unter uns waren junge Mädchen. An sie fiel nun die Aufgabe, eine Atmosphäre der Unbeschwertheit und Zuversicht zu schaffen. Mit intelligenten Witzen, Liedern unseres Heimatlandes, ein paar improvisierten kleinen Sketchen, in denen sie unsere Situation karikierten, gelang es ihnen, unsere depressive Stimmung etwas aufzuhellen</em>.</p>
<p>Die Ankunft in Ravensbrück und die damit verbundene Aufnahmeprozedur wird als eine zutiefst entmenschlichende Zäsur erlebt, sie bedeutete die völlige Entindividualisierung, die schlichte Reduzierung auf eine Häftlingsnummer. Aus den Anfangstagen berichtet Tsiskaki-Galiatsatou , die Gruppe habe rasch begriffen, dass zwei Dinge überlebenswichtig sein würden: ihr Zusammenhalt und der Kontakt zu anderen Mithäftlingen. Und tatsächlich gelang es ihnen – trotz ihrer unterschiedlichen sozialen Hintergründe, es waren Studentinnen, Schneiderinnen, Hausfrauen, Verwaltungsangestellte, Akademikerinnen – über Monate hinweg eine enge Gemeinschaft aufrechtzuerhalten.</p>
<p>Während eine Reihe dieser Frauen nicht in der Lage war, ihre Häftlingskartei zu unterschreiben und anstatt einer Unterschrift drei Kreuze setzten, besaßen andere dagegen gute Fremdsprachenkenntnisse: in einer Lagergemeinschaft aus über dreißig Nationen ein durchaus entscheidendes Wissen. So erfahren wir von Maria Tsiskaki-Galiatsatou:<br />
<em>Vaso sprach gut Französisch. Elenitsa kam mit Russisch zurecht, Betty konnte Deutsch, ebenso wie Matina. Und die Papadopoulou beherrschte alle diese Sprachen sehr gut. Sie versuchten also gleich, erste Kontakte zu knüpfen, und auf diese Weise wurden die kleine Sonja aus der fernen Steppe und die kleine Eleni vom warmen, blauen Meer Freundinnen. Zwischen Vasso und Odette entstand eine enge Bindung. Betty und Madina kamen mit deutschen Widerständlerinnen in Kontakt. Und die Papadopoulou versuchte, sich mit den Polinnen zu verständigen. Nach und nach brach das Eis, und so entstand zwischen uns ein Zusammenhalt, der nur Sklavinnen verbindet</em>.</p>
<p>Wie sich später zeigen sollte, konnte Betty im Arbeitslager ihre Deutschkenntnisse lebensrettend einsetzen und verhinderte auf diese Weise den Abtransport einer erkrankten griechischen Kameradin.</p>
<figure id="attachment_16310" aria-describedby="caption-attachment-16310" style="width: 640px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16310" src="https://medien.diablog.eu/2026/01/08_Hasag-Leipzig-500x280.jpg" alt="" width="650" height="365" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/01/08_Hasag-Leipzig-500x280.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/01/08_Hasag-Leipzig-300x168.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/01/08_Hasag-Leipzig-768x431.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/01/08_Hasag-Leipzig-450x252.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/01/08_Hasag-Leipzig.jpg 804w" sizes="auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px" /><figcaption id="caption-attachment-16310" class="wp-caption-text">Das ehemalige Hauptgebäude des KZ-Außenlagers Hasag-Leipzig (Aufnahme 2021) // © GfZL</figcaption></figure>
<p>Diese 61 Frauen werden schließlich ins Konzentrationslager Buchenwald überstellt und zum Arbeitseinsatz nach Leipzig in die Hasag-Werke gebracht. Zwei Frauen dieser Gruppe werden nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren. Die 22-jährige Maria stirbt kurz nach der Befreiung in einem Leipziger Krankenhaus an den Folgen der schweren Haft- und Arbeitsbedingungen. Und über das tragische Schicksal von Vangelio berichtet uns Maria Tsiskaki-Galiatsatou:<br />
<em>In unserer Gruppe befanden sich auch fünf junge Frauen aus Evia, darunter Vangelio, eine Bäuerin. Gewohnt an ein Leben im Freien, in der Natur, war es der Unglücklichen unmöglich, sich an das Leben in der Fabrik anzupassen, insbesondere unter diesen Umständen. Am Ende verlor sie den Verstand. Eines Morgens wurde sie gemeinsam mit anderen verurteilten Frauen auf einen Lastwagen gepackt und in den Tod geschickt</em>.</p>
<p><strong>Evakuierungstransporte</strong><strong> aus Auschwitz</strong><br />
Von September 1944 bis Mitte Januar ´45 werden weitere Griechinnen nach Ravensbrück gebracht, diesmal hauptsächlich aus Auschwitz. Diese Transporte mit teilweise tausenden von Frauen sind nicht mehr so ausführlich dokumentiert. Auf den Eingangslisten sind meistens nichts Weiteres als Name, Geburtsdatum und Nationalität vermerkt. Oftmals sind es jüngere jüdische Frauen, die bereits mit den ersten Deportationstransporten im Frühjahr 1943 aus Thessaloniki nach Ausschwitz gebracht worden waren.</p>
<p>Hannah Herzog und Adi Efrat <span style="color: #0000ff;">[3]</span> haben gezeigt, dass diese in der Spätphase aus Auschwitz eintreffenden jüdisch-griechischen Frauen bereits ein unter den Lagerbedingungen in Auschwitz gut entwickeltes Solidarnetz mitbrachten. Auch in Ravensbrück sorgte diese aus etwa 50 Frauen bestehende Gruppe weiterhin füreinander und unterstützte sich gegenseitig. Diese unter den extremen Bedingungen des Lageralltags geknüpften Bande hielten auch über das Kriegsende hinaus.</p>
<p>Eine andere Gruppe von 38 Griechinnen wird ins Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt und kommt in das gerade im September 1944 neuerrichtete Außenlager Oberspree. Dort werden sie im Kabelwerk der AEG-Werke zur Zwangsarbeit eingesetzt. Täglich werden sie mit einem Kahn vom Lager zu ihrem Arbeitseinsatz unter der Aufsicht einer brutalen Aufseherin gebracht, die keinerlei Mitleid mit ihnen hatte, so die Berichte.</p>
<figure id="attachment_16311" aria-describedby="caption-attachment-16311" style="width: 640px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16311" src="https://medien.diablog.eu/2026/01/09_Magdeburg-500x314.jpg" alt="" width="650" height="408" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/01/09_Magdeburg-500x314.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/01/09_Magdeburg-300x188.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/01/09_Magdeburg-1024x642.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2026/01/09_Magdeburg-768x482.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/01/09_Magdeburg-450x282.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/01/09_Magdeburg.jpg 1084w" sizes="auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px" /><figcaption id="caption-attachment-16311" class="wp-caption-text">Eingangstor des ehemaligen Zwangsarbeitslagers der Polte-Munitionswerke in Magdeburg (mit Gedenktafel) // © Olaf Meister, Wikimedia Commons</figcaption></figure>
<p>Eine weitere, zahlenmäßig kleinere Gruppe von 11 Griechinnen wird ins Konzentrationslager Buchenwald überstellt und kommt zur Zwangsarbeit in das Magdeburger Polte-Werk. Diese Frauen wurden im Juni 1944 mit einem der letzten Transporte aus Griechenland nach Auschwitz deportiert. Sie waren hauptsächlich aus politischen Gründen festgenommen und hatten teilweise bereits längere Inhaftierungen in griechischen Gefängnissen und Konzentrationslagern durchlebt. So zum Beispiel die junge Vangelio, die bei ihrer Verhaftung auf Kreta im August 1942 gerade einmal 17 Jahre alt war. In dieser Gruppe befand sich auch Vasso Stamatiou, eine später sehr engagierte Zeitzeugin. Eleni Winckel hatte noch die Gelegenheit mit V. Stamatiou kurz vor ihrem Tod 2023 zu sprechen. <span style="color: #0000ff;">[4]</span></p>
<p>Im Polte-Werk arbeiteten die Frauen in 12-Stunden Schichten, wobei sie beim Beizen, Lackieren, Bohren und Pressen oftmals ungeschützt giftigen Chemikalien ausgesetzt waren. Fast täglich kam es zu Betriebsunfällen. Unter katastrophalen Zuständen waren sie zu jeweils 100 in unbeheizten, mit Fensteröffnungen ohne Glas versehenen Holzbaracken untergebracht.</p>
<p>Einer der letzten bisher dokumentierten Transporte mit Griechinnen aus Auschwitz erreichte Ravensbrück im Januar 1945. Übereinstimmend berichten diese Frauen von den chaotischen Zuständen beim Verlassen des Lagers, einem mörderischen dreitägigen Fußmarsch bei eisigen Wintertemperaturen und der anschließenden Zugfahrt in offenen, ungeschützten Güterwaggons nach Ravensbrück. Obwohl diese Frauen bereits fast zwei Jahre in Auschwitz verbracht hatten – einige von ihnen brutalsten medizinischen Versuchen ausgesetzt –, empfanden sie Ravensbrück als Verschlechterung und berichteten mit blankem Entsetzen von ihren ersten Eindrücken.</p>
<p>Im Januar 1945 befanden sich aufgrund der andauernd eintreffenden Evakuierungstransporte aus anderen Lagern über 60.000 Häftlinge in Ravensbrück. In Baracken, die vorher mit 200 Frauen belegt waren, wurden bis zu 2000 Frauen hineingepfercht. Unter diesen Bedingungen brachen die hygienischen Zustände und die Versorgung völlig zusammen. Es herrschte akuter Nahrungsmangel, Krankheiten breiteten sich unkontrolliert aus. Tägliches Sterben gehörte zum Lageralltag. Dennoch wurde das System des Zwangsarbeitseinsatzes weiterhin aufrechterhalten. Die jetzt eintreffenden griechischen Frauen wurden mehrheitlich in die Außenlager nach Malchow und Neustadt-Glewe aufgeteilt und arbeiteten bis zum Kriegsende bei den dortigen Rüstungsbetrieben.</p>
<p><strong>Befreiung und Rückkehr nach Griechenland</strong><br />
Das Kriegsende und der Moment der Befreiung nehmen in den Schilderungen der Ravensbrücker Griechinnen keine so herausragende Rolle ein, wie wir es aus den Schilderungen anderer Konzentrationslagerhäftlinge kennen. Oftmals wurden sie am Ort ihres Arbeitseinsatzes noch zu Evakuierungsmärschen gezwungen, den bekannten „Todesmärschen“. Ihre Schilderungen darüber sind geprägt von Todesangst, Hunger und äußerster physischer Erschöpfung. Manche der Griechinnen irrten nach dem plötzlichen Verschwinden des Wachpersonals wochenlang orientierungslos und hungernd durch das zerstörte Deutschland. Auch liegen diametral unterschiedliche Erfahrungen über die Begegnung mit den sowjetischen Befreiern vor. Während einige nach all den Strapazen endlich Sicherheit verspürten, sich aufgehoben fühlten und fürsorglich behandelt wurden, erfahren wir dagegen von anderen Griechinnen, dass sie leidvollen, angstbesetzten sexualisierten Gewalterfahrungen ausgesetzt waren.</p>
<p>Die früheste Rückkehrerin erreicht Griechenland im Juli 1945, für andere Frauen wird es jedoch noch Monate dauern, bis sie ihre Heimat wiedersehen werden. Von einer organisierten Rückkehr, wie es bei anderen Nationalitäten der Fall war, wird nur vereinzelt berichtet. Der griechische Staat interessierte sich zu diesem Zeitpunkt nur wenig für seine Überlebenden. Aus der Gruppe der 61 Frauen bricht Maria Tsiskaki-Galiatsatou mit 21 von ihnen von München nach Italien auf und erreicht Griechenland auf einem britischen Marineschiff. Manche jüdische Griechinnen berichten, dass sie mit Bussen nach Belgien gebracht und von dort in ihre Heimat ausgeflogen wurden. Andere wiederum brauchten monatelang, um über die Balkanländer schließlich Griechenland zu erreichen.</p>
<p>In der griechischen Nachkriegsgesellschaft war für die traumatischen Erfahrungen der KZ-Überlebenden wenig Raum, posttraumatische Belastungssyndrome in der damaligen Zeit noch ein Fremdwort. Mit der Verarbeitung ihrer Hafterlebnisse waren die Frauen weitgehendst auf sich gestellt, dementsprechend fielen sie auch sehr unterschiedlich aus. Eine überlebende Ravensbrückerin aus Thessaloniki beschreibt, wie ihre Freundinnen und Freunde das wiedergewonnene Leben in Tavernen feierten – und es für sie unmöglich war, sich ihnen anzuschließen. Jeder menschliche Kontakt fiel ihr schwer, jeder einzelne Mensch erschien ihr einer zu viel. In Thessaloniki nahm sich ein Gynäkologe der zwangssterilisierten Frauen an. Manche von ihnen konnten später noch Familien gründen, andere blieben zeitlebens kinderlos. Den Umgang der griechischen Bevölkerung mit jüdischem Besitz thematisiert Giannis Karatzoglou in seinem 2023 erschienen Buch. [<span style="color: #0000ff;"><a style="color: #0000ff;" href="https://www.epikentro.gr/mesengyouchoi-kai-dosilogoi-kai-to-telos-tis-evraikis-epicheirimatikotitas-stin-katochiki-thessaloniki/">hier</a>,</span> auf EL] Ein heikles Thema, auch 80 Jahre danach. So resümiert die in Thessaloniki lebende ehemalige Ravensbrückerin Oro Alfantari:<br />
<em>Wir fanden zwar unsere Immobilien wieder vor, aber leer, besetzt von Flüchtlingen. Erst nach zahlreichen Gerichtsverfahren erhielten wir sie wieder zurück. Ich heiratete erneut, aber da war keine Familie mehr. Heutzutage haben wir niemanden mehr, nicht einmal eine Großmutter &#8230; Das Härteste, was einem Menschen passieren kann, ist, wenn er einsam bleibt. Dieses Unrecht werden wir niemals verzeihen</em>.</p>
<p>Für die aus politischen Gründen von den Nationalsozialisten verfolgten Griechinnen wiederum hörte das Leid mit Kriegsende mitnichten auf. Unsere Chronistin Maria Tsiskaki-Galiatsatou wurde erneut inhaftiert, deportiert, Lagerhaft bestimmte wieder ihren Alltag. Tinos, Trikeri, Makronissos, Jaros sind Stationen ihrer leidvollen Erfahrung, diesmal von Seiten des griechischen Staates. Ein Beispiel von vielen für das Schicksal der von den Nationalsozialisten politisch verfolgten Griechinnen in der Nachkriegszeit.</p>
<figure id="attachment_16313" aria-describedby="caption-attachment-16313" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16313 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2026/01/01_GR.jpg" alt="" width="1024" height="366" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/01/01_GR.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2026/01/01_GR-300x107.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2026/01/01_GR-768x275.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2026/01/01_GR-450x161.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/01/01_GR-500x179.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-16313" class="wp-caption-text">Ravensbrück, Straße der Nationen // © Eleni Winckel</figcaption></figure>
<p>Auf wenigen Seiten einen Eindruck über 265 Frauenschicksale zu geben, ist eine ziemliche Herausforderung. Ich habe mich bemüht, diejenigen Aspekte zumindest anzureißen, die ich für entscheidend halte, um sie in einer zukünftigen kollektivbiographischen Bearbeitung zusammenzuführen. Die Arbeit an diesem Projekt gestaltet sich als ein fortwährendes <em>work-in-progress</em>. Immer wieder lassen sich neue Anknüpfungspunkte finden, tauchen neue Namen mit ganz eigenen biographischen Geschichten auf. <span style="color: #0000ff;">[5]</span></p>
<p>Wenn auch deutsch-griechische Erinnerungsarbeit, insbesondere auf der politischen Ebene, keine einfache Angelegenheit ist, hat das Interesse an der deutsch-griechischen Erinnerungskultur Bestand. Nehmen wir das alle als Chance, um gemeinsam diesen griechischen Opfern der nationalsozialistischen Terrorherrschaft ein dauerhaft verankertes Gedenken zu sichern – vor allem in einer Zeit, in der das Grundgerüst unseres demokratischen Konsenses zunehmend in Frage gestellt wird.</p>
<hr />
<p><span style="color: #0000ff;">[1] </span>Der <em>Griechische Freundeskreis Ravensbrück, Berlin</em> hat sich zur Aufgabe gemacht, eine umfassende Dokumentation der in Ravensbrück inhaftierten Griechinnen und Griechen zu erstellen. Er geht auf eine Initiative des ehemaligen Berliner Vereins <em>Frauen aktiv und kreativ e.V. </em>zurück, der sich seit 2000 auf die Spurensuche nach überlebenden Griechinnen und Griechen des Konzentrationslagers Ravensbrück gemacht hatte. Bisher wurde das Schicksal von 265 Griechinnen und über 130 Griechen dokumentiert. Der Verein konnte noch mit fünf ehemals inhaftierten Griechinnen und/oder ihren Angehörigen persönliche Gespräche führen.<br />
Eleni Winckel wurde für ihr jahrelanges unermüdliches Engagement 2023 als Vertreterin Griechenlands in das <em>Internationale Ravensbrück Komitee (IRK-CIR)</em> [<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Ravensbr%C3%BCck-Komitee">hier</a>] aufgenommen. Zur Zeit unterstützt sie die Arbeiten zu der Filmdokumentation „Parousses“ von Agnes Sklavou und Stelios Tatakis über das Konzentrationslager Ravensbrück.<br />
Im Frühjahr 2016 wurde eine Gedenktafel zu Ehren der griechischen Inhaftierten angebracht. Jedes Jahr wird im Anschluss an die offiziellen Gedenkfeierlichkeiten zur Befreiung des Konzentrationslagers an dieser Stelle mit einer kleinen Zeremonie an sie erinnert. Für die Gedenkfeier 2026 <a href="https://www.ravensbrueck-sbg.de/veranstaltungen/81-jahrestag-der-befreiung-des-frauen-konzentrationslagers-ravensbrueck/"><span style="color: #0000ff;">hier</span></a>.<br />
Kontakt: <em>gfkravensbrueck@gmail.com</em>.<br />
<span style="color: #0000ff;">[2]</span> Vgl. dazu auch den Zeitzeugenbericht von Evgenia Lambrinou. In Eleni Tsakmaki: <em>Letzte Station. Griechische Gefangene in deutschen Konzentrationslagern</em>. Papyrossa Verlag, Köln 2024, S. 85-88.<br />
<span style="color: #0000ff;">[3]</span> Herzog, Hanna / Efrat, Adi: <em>Wir Griechinnen wurden klepsi, klepsi genannt</em>. Jüdisch-griechische Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück. In: Gisela Bock (Hg.): <em>Genozid und Geschlecht: Jüdische Frauen im nationalsozialistischen Lagersystem</em>. Frankfurt a. M. 2005, S. 85–102.<br />
<span style="color: #0000ff;">[4]</span> Vaso Stamatiou: <em>Warum? Eine Griechin in Auschwitz</em> (nur auf EL als: βαρούμ? γιατί; Μια Ελληνίδα στο Άουσβιτς), Athen 1997, <a href="https://sep.gr/product/varoum-giati-mia-ellinida-sto-aousvits/?srsltid=AfmBOoqoube9poy-UgfZhPq47oLdB5tlbkTphx4IFZVVO6kSuK1l9XxK">hier</a>.<br />
Eleni Winckel: <em>Die Zeit drängt… Ein Besuch bei Vasso Stamatiou</em>. In: Exantas, Heft 38, 2023, S. 70-73.<br />
<span style="color: #0000ff;">[5]</span> Zuletzt konnten der Liste, dank der Zusammenarbeit mit dem Widerstandsmuseum der Stadt Lamia, elf neue Namen hinzugefügt werden, also elf weitere griechische Schicksalswege.</p>
<hr />
<figure id="attachment_16408" aria-describedby="caption-attachment-16408" style="width: 140px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16408 size-thumbnail" src="https://medien.diablog.eu/2026/01/11_FMP-von-Kanella-Tragousti-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /><figcaption id="caption-attachment-16408" class="wp-caption-text">© Kanella Tragousti</figcaption></figure>
<p><strong>Die Autorin</strong><br />
<strong>Fanny Marina Papoulia</strong> studierte Neuere Geschichte und Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Seitdem beschäftigt sie sich mit Themen der neugriechischen Geschichte des ausgehenden 19. und 20. Jahrhunderts, wobei ihr besonderes Interesse gesellschaftspolitischen Veränderungsprozessen sowie Fragen der Historiographie und der Biographiearbeit gilt. Seit 2024 unterstützt sie den <em>Griechischen Freundeskreis Ravensbrück, Berlin</em> bei der Aufarbeitung des gesammelten Quellenmaterials.</p>
<p class="textinfo"><em>Überarbeitete Form des Vortrags, den F.M.Papoulia am 28.11.2025 in den Räumen der Botschaft der Hellenischen Republik in Berlin gehalten hat. </em><em>Über die Veranstaltung</em> <a href="https://www.stiftung-bg.de/veranstaltungen/2025-benefizveranstaltung/">hier</a>.<em> Text: Fanny Marina Papoulia mit Zitaten von Maria Tsiskaki-Galiatsatou, Simonne Lehouk-Gerbehaye und Oro Alfantari (in der Übersetzung von F.M.Papoulia). Fotos und Abbildungen: siehe Angaben; Dank an Pauline Schneider und Charlotte Behr für die Unterstützung bei der Erstellung der Graphiken.</em> <em>Redaktion: A. Tsingas.</em><a href="#_ftnref1" name="_ftn1"></a></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://diablog.eu/literatur/historisches/griechische-frauen-im-konzentrationslager-ravensbrueck/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>1</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ach! Nostalgie! Vom Verlust des griechischen Alltags in Stuttgart</title>
		<link>https://diablog.eu/alltagskultur/ach-nostalgie-vom-verlust-des-griechischen-alltags-in-stuttgart/</link>
					<comments>https://diablog.eu/alltagskultur/ach-nostalgie-vom-verlust-des-griechischen-alltags-in-stuttgart/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Feb 2026 09:04:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Alltagskultur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://diablog.eu/?p=16451</guid>

					<description><![CDATA[Ich habe den Eindruck, dass sich ein Teil der Lebenswelt „meiner Griechen“ – und damit der Alltag in meiner Stadt – stark verändert hat. Ich möchte mich einmischen, als einer der sich eng mit Griechenland ... <p class="read-more-container"><a title="Ach! Nostalgie! Vom Verlust des griechischen Alltags in Stuttgart" class="read-more button" href="https://diablog.eu/alltagskultur/ach-nostalgie-vom-verlust-des-griechischen-alltags-in-stuttgart/#more-16451" aria-label="Mehr Informationen über Ach! Nostalgie! Vom Verlust des griechischen Alltags in Stuttgart">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Ich habe den Eindruck, dass sich ein Teil der Lebenswelt „meiner Griechen“ – und damit der Alltag in meiner Stadt – stark verändert hat. Ich möchte mich einmischen, als einer der sich eng mit Griechenland verbunden fühlt. Ich lebe halbjährlich dort und spiele griechische Musik. In mir rumort es. Es liegt mir sehr am Herzen, etwas loszuwerden: Ich bin voller Nostalgie!</p>
<p>„Meine“ griechische Alltagskultur, meine Tavernen, Buchläden, Minimärkte, Reisebüros, Schneidereien aus den 70ern und bis zu den Nullerjahren sind am Verschwinden. So wie ich sie gekannt und geliebt habe, sind sie nicht mehr da, für mich ein herber Verlust. Sie sind weg oder wurden durch ziemlich lieblose Versionen ersetzt. Besser gesagt: Fast alle!</p>
<p>Die meisten griechischen Geschäfte wurden von „Gastarbeiter“-Familien gegründet, die in den 60er bis 80er Jahren nach Deutschland kamen. Die erste griechische Einwanderergeneration ist in Rente gegangen. Sie lebte vorrangig in ihrer eigenen Community, obwohl natürlich auch viele Menschen anderer Nationen daran teilhatten. Heute sind diese Menschen teils über 70, ihre Kinder und Enkel sind und fühlen sich deutsch, sprechen deutsch, sind mit der deutschen Kultur und Gesellschaft tagein, tagaus verbunden. Leiden nicht unter Heimweh, sind und fühlen sich nicht fremd, für sie ist alles selbstverständlich; sind im besten Sinn des Wortes gleich-gültig, heißt, beides ist gleich und gilt gleich: deutsch – griechisch. Dazu kommt noch die sogenannte Amerikanisierung. Die Jüngeren haben andere Laufbahnen eingeschlagen und die Reisebüros, Schneidereien, Minimärkte oder altbacken wirkende Tavernen nicht übernommen, geschweige denn modernisiert. Einer der Gründe: Die explodierenden Mietpreise.</p>
<p>Soziale Nähe, Kuscheliges und Sprüche wie <em>Wir gehen zu Kostas</em> sind Vergangenheit. Flogen früher noch Teller und Rosen, so flattern jetzt Papierservietten. Was womöglich auf uns zukommt (oder bereits existiert): Griechische Weinbars, neue Meze-Konzepte und ausgeflippte Design-Shops. Wenn auch Greek Style!</p>
<p>Ein griechischer Buchladen, hey, da lagen Zeitungen, Zeitschriften, Videokassetten und Bücher, die es jetzt nicht mehr gibt. Einiges davon findet man im großen Buchladen, der aber selbst fast am Aussterben ist. Der griechische Buchhändler sagte mir vor Jahren <em>Wir zeigen auch Filme im Kommunalen Kino, wir haben einen Verein</em>. Es folgten immer intensive Gespräche, da geh ich jetzt noch immer hin. Ein Buchladen, Kultur pur! Griechisches Lebensgefühl, Tradition und Identität. Hier mitten in der Stadt. Das war einmal. Gibt´s noch, würden andere sagen, ja, aber immer weniger, kaum, selten, fast nicht mehr, in Ausnahmefällen vielleicht.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-16464 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-02_Restaurant-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-02_Restaurant-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-02_Restaurant-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-02_Restaurant-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-02_Restaurant.jpg 600w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" />Die typische griechische Taverne war meist rustikal eingerichtet, viel Holz, Fototapete oder Wandmalereien, antike Säulen. Günstig der Gyrosteller. Familiär, ohne Marketing und erfreulicherweise ohne „Konzept“. Manchmal entstanden spontan tolle Musikabende mit Livemusik und es wurde getanzt. Bis vor kurzem gab es doch noch die alte griechische Taverne, wie aus der Zeit gefallen. Heute wollen die Menschen „Mediterrane Fusion-Küche“, stylische Restaurants und Social-Media-Anerkennung. Es gibt nicht wenige Griechen, die inzwischen „zum Türken“ ausweichen, der hat noch Identität und Charme und authentische Küche, die sich oft mit der griechischen deckt.</p>
<p>Inter- oder sogar transkulturelle Integration ist ein Erfolg und hat zu einer gewissen kulturellen Auflösung beigetragen. Es ist schon ein bisschen paradox: Je besser eine migrantische Community integriert ist, desto weniger braucht sie eigene Infrastruktur. Die griechische Community in Deutschland ist gut ausgebildet und wirkt – auch noch in unserer unsicheren Zeit – wirtschaftlich stabil, ist sprachlich integriert und nicht mehr auf eigene Läden angewiesen. Man kann sagen: Diese Community hat sich in der Mehrheitsgesellschaft aufgelöst.</p>
<p>Hier drei Beispiele, auf die ich aufmerksam machen will:<br />
<strong>Im Minimarkt</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-16466 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-04_Verkaufsladen-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-04_Verkaufsladen-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-04_Verkaufsladen-450x599.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-04_Verkaufsladen-500x666.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-04_Verkaufsladen.jpg 515w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" />Ach, welche Köstlichkeiten: Eingelegtes Gemüse, Tzatziki, Feta in goldenem Öl mit Lorbeer und Bachari (sieht aus wie Myrthe; die kleinen Piment-Kügelchen werden auch Nelkenpfeffer genannt). Rigani, also feines Oregano. <em>Selbst gepflückt, von meiner Oma</em>, sagt der Kaufmann in weißem Arbeitskittel. Wie winzige Ameisen, Miniflocken, so zart und es duftet bis zu mir rüber, bilde ich mir ein.<br />
Grüne dicke und schwarze, nein blaue oder rostrot schimmernde Kalamon-Oliven mit dem Zipfelchen, wie kleine Birnen, ja, ich weiß, aus Kalamata. Das höchste der Gefühle: Throumbes von der Insel Thassos, die schrumpeligen Oliven, schmecken wie Fleisch. Mattgrüne Peperoni absolut knackig; wenn du reinbeißt, tröpfelt die Salzlake auf den Teller.<br />
Gebratene kleine Fische oder in Öl schwimmend, sie starren dich aus der großen Vitrine an. Was man sich kaum leisten kann: Oktopus-Salat! Wurst? Türkisch! Sucuk. Passt auch. Kräftig gewürzt, mit viel Knoblauch, rot, vom Rind.<br />
Demestica-Wein weiß, aus Patras und der halbsüße Imiglykos dunkelrot, habe keine Ahnung wer den trinkt. Verschiedene Ouzo, herrliche Etiketten mit griechischer Schrift, da wird einem ganz anders. Kleine Retsina-Fläschchen, welcher schmeckt? Niemals Malamatina trinken, heißt es, wenn schon, dann allerhöchstens den von Kourtaki. Auf dem Boden stehen die Zweiliterbomben für die Gastronomen, riesige Retsina-Flaschen. Guck nur: Da stehen die Olivenölkanister, flüssiges Gold.<br />
Hinten im Regal liegt Fladenbrot. Der Sattmacher für unser Soulfood. Auch ein paar Konserven, Gigantes, die allerfettesten riesengroßen, weißen Bohnen mit Dill in Tomatensauce. Fischkonserven und gegrillte Paprika im Glas. Du siehst die Grillstreifen, schwarz. Da läuft dir das Wasser im Mund zusammen. Häppchen voller Griechenland! Nostalgie, Weinen vor Glück, das Herz pocht, meine Ellada – hier in Stuttgart.<br />
Der Kaufmann hat alles in kleine durchsichtige Plastikschalen schön verpackt, alles glänzt köstlich, da läuft einem das Wasser im Munde zusammen – schon wieder. Als ob du nichts bezahlen müsstest, so kommst es dir vor. Vor lauter Freude! Das alles heimtragen und auf den Besuch warten.<br />
Minimärkte waren meistens preisgünstig, familiär und klein – genau die Art von Läden, die als erstes verschwanden. Supermärkte haben ihre Nischen übernommen. Olivenöl und Wein, Kräuter und Feta, Ouzo und Tsipouro und so viele andere Spezialitäten haben nun die großen Ketten im Angebot. Oft zu günstigeren Preisen als in Griechenland selbst.</p>
<p><strong>Im Reisebüro</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-16468 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-01_Reisebuero-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-01_Reisebuero-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-01_Reisebuero-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-01_Reisebuero-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-01_Reisebuero.jpg 654w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" />Es duftet nach Oktopus Stifado und tatsächlich: Auf Woulas Arbeitstisch, auf dem sich Ordner, Telefone, Kassen, Taschenrechner, Stifte, Quittungen und Reiseprospekte stapeln, tändelt ein Oktopusarm mit mir. Wie er mundet, mit Zwiebel, Lorbeer, Bachari, in rostrotem Sößchen. Ich schmecke auch einen Hauch Zimt. Die Fototapete: Inseln, Wälder, Berge und das Meer. Woula, eine sehr elegante Frau, Gold, Glanz, Glitzer, sehr schicke Frisur, jedes Haar sitzt. Vornehm gekleidet, nicht der Hauch einer Migrantin. Voll angekommen, voll dabei, sehr lebendig, emanzipiert!<br />
Zur Reise: Wohin? Wann wollen wir? Über Ancona? Mit welcher Fährgesellschaft und wie wir an den Hafen kämen, warum nicht Venedig oder mal Bari – und dann? Igou oder Patras, die Vor- und Nachteile werden abgewogen und noch viel mehr wird besprochen, unendlich lang, ja ich habe Zeit und nachher kommt noch Rebekka her. Bari, Süditalien, Apulien, Kalabrien, endlich mal das ganze Land durchqueren, das wäre eine prima Option, Maut und Sprit rechnen sich und wir wollten doch endlich mal den kompletten Stiefel umfahren! Wir haben Zeit und reisen gerne, der Weg ist das Ziel.<br />
Ja, kriegen wir heute noch eine Buchung hin oder warten wir noch auf Rebekka? <em>Und falls sich was ändert, rufe ich euch an</em>, meint Woula. Bezahlen in bar, ok. Aber dann geh ich zuerst auf die Bank, auch gut. Der Drucker rattert und ich bekomme einen ersten Vordruck, ich bin sehr nahe an der Buchung, eventuell.<br />
Jetzt schaut Janni rüber, er ist der Hoffotograf des griechischen Konsulats nebenan, macht im hinteren Bereich des Reisebüros die Passbilder. Er sitzt unter einem riesengroßen Schirm, sieht sehr professionell aus, ein richtiger Fotograf, wenn auch im Reisebüro. Bürosharing in den Nullerjahren, sehr modern. Plötzlich angelt er sich eine Bouzouki. Ob das mit der Buchung heute noch was wird?<br />
<em>Ich kann euch auch noch telefonisch auf der Autobahn erreichen, falls sich was ändert</em>, meint Woula. Ich bin glücklich, befinde mich seelisch schon kurz vor Ancona auf der Autostrada. Links das Meer, ich werde schwach: Mit einem Bein bin ich noch in Stuttgart und mit dem anderen schon in Greece.</p>
<p><strong>In der Änderungsschneiderei</strong><br />
<img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-16465 size-medium" src="https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-03_Schneiderei-225x300.jpg" alt="" width="225" height="300" srcset="https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-03_Schneiderei-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-03_Schneiderei-450x601.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-03_Schneiderei-500x668.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2026/02/nos-03_Schneiderei.jpg 767w" sizes="auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px" />Hier sitzt Dimitri, eingedeckt von Hunderten Nadeln, zwischen Kleiderständern voller Jacken, Sakkos und Hosen. Hemden und Blusen hängen an Drahtkleiderbügel in Plastikfolie. Frisch von Hand gebügelt, ohne Bügelpuppe. Dimi steckt Hosen, Röcke oder Kleider ab, kürzt, verlängert, repariert Reißverschlüsse. Türme von Anzügen, hinten sind die Vorhänge, vorne hängt ein stolzes Ballkleid.<br />
Mich fasziniert Dimis Aussehen, klein, dick, Brille auf der Nasenspitze; hat er nicht ein Toupet? Ich kann mich an seinem Toupet nicht satt sehen, ich hatte immer Angst vor Haarausfall. Und ich kann mich an seiner Aussprache nicht satt hören, der Akzent, mir gefällt, wie das klingt.<br />
<em>Welche Strecke</em>, fragt er? <em>Autoput oder Fähre oder Adriaküste, Albanien? Nicht fliegen, da kommt die Seele nicht nach! An was arbeitest du zurzeit, kannst du meiner Tochter in Deutsch helfen? Sie ist schlecht in der Schule!</em> <em>Ja, weißt du, wir wurden angeworben, ein Plakat auf dem Dorfplatz bei der Kirche an einem Laternen- oder Telefonmasten</em>: „Wir suchen Arbeiter“. <em>Komm, ela, der Zug, nach München, Koffer packen, auf Wiedersehen!</em> Jetzt sitzt er in seiner Schneiderei. Reicht das zum Leben?<br />
Schneidereien verschwinden generell – nicht nur die griechischen. Fast Fashion hat die Preise gedrückt und die alte Handwerkskultur verdrängt. Das Gewöhnliche und Liebliche, das Vertraute und das Gefühl der Zugehörigkeit – alles verschwunden, durch inszeniertes Spektakel ersetzt, durch das man auffallen muss, um zu gelten.</p>
<p>Der Soziologe Andreas Reckwitz spricht vom Verlust von Milieus. Er meint, wie ich anhand von Tavernen, Reisebüros und Minimärkten beschrieben habe: Die Spätmoderne zerstört Milieus durch Ökonomisierung, Digitalisierung, Gentrifizierung und Singularisierung, also das „Besondere“.<br />
Übrig bleibt Nostalgie und ein bisschen Melancholie. Das Leben geht immer weiter, man freundet sich mit Neuem an und bald ist das Nagelneue selbstverständlich. Man geht mit der Zeit, erst schüttelt man noch den Kopf, dann willigt man ein. Ich will ja nicht stehen bleiben. Neues macht lebendig. Wer immer den alten Weg nicht verlässt, bleibt auf der Strecke.</p>
<p>Es bleibt noch eine Frage: Was überlebt letztendlich alles, ist zuckersüß, schmeckt und sieht immer lecker aus? Natürlich die Süßigkeiten im Zacharoplastio, der griechischen Zuckerbäckerei 🙂</p>
<hr />
<p class="textinfo"><em>Text: Simon Steiner. Symbolbilder: Archive S.Steiner und A.Tsingas. Redaktion: A.Tsingas. </em><em>Simon Steiner in diablog.eu</em> <a href="https://diablog.eu/?s=simon+steiner">hier</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://diablog.eu/alltagskultur/ach-nostalgie-vom-verlust-des-griechischen-alltags-in-stuttgart/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>12</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das 2. Rembetiko-Festival auf der Athener Heiligen Straße (2025)</title>
		<link>https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/</link>
					<comments>https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Dec 2025 08:35:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://diablog.eu/?p=15895</guid>

					<description><![CDATA[Mitte Oktober war es endlich wieder soweit, das 2. Rembetiko-Festival fand in Athen-Egaleo statt. Drei Tage voll mit Musik, Tänzen, Seminaren, Kursen, Schattentheater, Ausstellungen und Buchpräsentationen, die die urbane Volksmusik Griechenlands für annähernd 3000 gut ... <p class="read-more-container"><a title="Das 2. Rembetiko-Festival auf der Athener Heiligen Straße (2025)" class="read-more button" href="https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/#more-15895" aria-label="Mehr Informationen über Das 2. Rembetiko-Festival auf der Athener Heiligen Straße (2025)">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Mitte Oktober war es endlich wieder soweit, das 2. Rembetiko-Festival fand in Athen-Egaleo statt. Drei Tage voll mit Musik, Tänzen, Seminaren, Kursen, Schattentheater, Ausstellungen und Buchpräsentationen, die die urbane Volksmusik Griechenlands für annähernd 3000 gut gelaunte Gäste feierten.</p>
<p><strong>Was geschah</strong><br />
Sensationell war die lange Samstagsveranstaltung, denn diese Nacht wurde zur Trance: Das Publikum war schon randvoll mit melancholischen Klängen aus Kleinasien und schläfrig. Da tauchte um Mitternacht der ältere Herr Thimios Stouraitis mit seiner jungen Frau Maria Kapetanidou auf und verblüffte alle durch seine Bouzouki, die er eigenwillig im Stil amerikanischer Bluesmusiker spielte. Alles andere als übliche Akkorde, rasende Triolenpassagen und abrupte Brüche; dazu wurde zweistimmig gesungen – er rau, sie hell, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=MmYpTf8MKCs&amp;list=RDMmYpTf8MKCs&amp;start_radio=1">hier</a>. Das machte den Unterschied zu den vielen Traditionalisten aus. Am Schluss stimmten sie Markos Vamvakaris‘ Karantouzeni aus dem Jahr 1933 an, in dem Markos die rembetische Lebenswelt schildert.</p>

<a href='https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/attachment/s2-06_thimios-und-maria-nah-dran/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="958" height="718" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-06_Thimios-und-Maria-nah-dran.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-06_Thimios-und-Maria-nah-dran.jpg 958w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-06_Thimios-und-Maria-nah-dran-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-06_Thimios-und-Maria-nah-dran-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-06_Thimios-und-Maria-nah-dran-450x337.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-06_Thimios-und-Maria-nah-dran-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 958px) 100vw, 958px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/attachment/s2-07_jorgo-tzortzis-nah-dranjpg/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="879" height="660" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-07_Jorgo-Tzortzis.-nah-dranjpg.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-07_Jorgo-Tzortzis.-nah-dranjpg.jpg 879w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-07_Jorgo-Tzortzis.-nah-dranjpg-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-07_Jorgo-Tzortzis.-nah-dranjpg-768x577.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-07_Jorgo-Tzortzis.-nah-dranjpg-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-07_Jorgo-Tzortzis.-nah-dranjpg-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 879px) 100vw, 879px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/attachment/s2-02_organisationsteam-2/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="622" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-02_Organisationsteam-1.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-02_Organisationsteam-1.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-02_Organisationsteam-1-300x182.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-02_Organisationsteam-1-768x467.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-02_Organisationsteam-1-450x273.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-02_Organisationsteam-1-500x304.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>

<p>Und dann trat auch noch Giorgos Tzortzis auf, der das Publikum bis 2 Uhr morgen mitriss. Gut, dass er seine Begleitmusiker kaum kannte, denn dadurch kamen Improvisationen, Lücken und Dehnungen zustande, die ins Freie und Schwebende führten. Tzortzis konnte sie immer wieder antreiben und zusammenbringen. Seine Baglamas spielte er zart und sang mal hoch, mal tief, immer aber in seinem unverwechselbaren Stil – war ganz bei sich, eine starke Persönlichkeit mit überragender Haltung, Charme und einem breiten Grinsen. Der Saal tobte, vom Publikum kamen Zurufe und Aufmunterungen, es fühlte sich ganz und gar mitgenommen. Höhepunkt war dann, als das halbe Organisationsteam die Bühne stürmte und zu Tzortzis´ Klängen tanzte.</p>
<p>Noch einmal zurück zu den orientalisch klingenden Amanedes, dem gesanglichen Ausdruck unerfüllter Sehnsucht oder unüberwindbarer Leidenschaft, die ihren Ursprung in Smyrna haben. Auf der Bühne spielte die musikalische Formation in klassischer Café-Aman-Besetzung: Santouri (Hackbrett), Kanoun (Kastenzither), Oud (Kurzhalslaute) und statt der Klarinette ein gebogenes Sopraninosaxophon. Gleitende Mikrotöne, unisono mit Gesang und Geige – man fühlte sich auf einer Zeitreise in Kleinasien.</p>
<figure id="attachment_15984" aria-describedby="caption-attachment-15984" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15984 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-04_Konzert-im-Saal-laengs.jpg" alt="" width="1024" height="283" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-04_Konzert-im-Saal-laengs.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-04_Konzert-im-Saal-laengs-300x83.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-04_Konzert-im-Saal-laengs-768x212.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-04_Konzert-im-Saal-laengs-450x124.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-04_Konzert-im-Saal-laengs-500x138.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-15984" class="wp-caption-text">Innenbühne</figcaption></figure>
<p>Aller politischen Bemühungen, dem gesellschaftlichen Wandel, der Modernisierung Griechenlands und der let´s-go-West-Orientierung seit gut 100 Jahren zum Trotz, liegen die musikalischen Wurzeln des Rembetiko im Orient. Das gilt für die Amanades genauso wie für den Athener Piräus-Stil. Die arabisch-persischen Tonleitern und ihre Melancholie machen die Faszination dieser urbanen Volkslieder aus.</p>
<figure id="attachment_15983" aria-describedby="caption-attachment-15983" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15983 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-03_Konzert-im-Aussenbereich-laengs.jpg" alt="" width="1024" height="319" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-03_Konzert-im-Aussenbereich-laengs.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-03_Konzert-im-Aussenbereich-laengs-300x93.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-03_Konzert-im-Aussenbereich-laengs-768x239.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-03_Konzert-im-Aussenbereich-laengs-450x140.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-03_Konzert-im-Aussenbereich-laengs-500x156.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-15983" class="wp-caption-text">Außenbühne</figcaption></figure>
<p>An den drei Festivaltagen gab es dazu einen Tsitsanis-Abend, ein Stelios-Kazantzidis-Konzert und Rembetiko-graphic-novels, um nur einige Veranstaltungen hervorzuheben.<br />
Große Überraschungen waren ein Konzert, das sich ausschließlich mit der „Zigeuner“-Thematik im Rembetiko befasste, und die Band <em>Antifa</em>, die sich politischen Themen wie Krieg, Krisen, NS, Hunger und autoritären Regimen widmet. Ihr Auftritt wurde begleitet von schockierenden Bildern per Beamer.</p>

<a href='https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/attachment/s2-10_chor-athens-reb-festi_34/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-10_chor-athens-reb-festi_34.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-10_chor-athens-reb-festi_34.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-10_chor-athens-reb-festi_34-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-10_chor-athens-reb-festi_34-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-10_chor-athens-reb-festi_34-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-10_chor-athens-reb-festi_34-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/attachment/s2-09_34/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-09_34.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-09_34.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-09_34-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-09_34-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-09_34-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-09_34-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/attachment/s2-05_koumpania-antifa/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-05_Koumpania-ANTIFA.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-05_Koumpania-ANTIFA.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-05_Koumpania-ANTIFA-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-05_Koumpania-ANTIFA-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-05_Koumpania-ANTIFA-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-05_Koumpania-ANTIFA-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>

<p>Ich selbst war eingeladen, um mein Lieblingsthema „Wie der Rembetiko nach Deutschland kam“ vorzutragen. In 12 Thesen gelang es mir – in griechischer Sprache (!) – die Verbindungen und Verflechtungen zwischen dem Rembetiko und Deutschland zu definieren. Befragt wurde ich anschließend zu den Auswanderungswellen von</p>
<figure id="attachment_16020" aria-describedby="caption-attachment-16020" style="width: 370px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-16020" src="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-12_Simon-Steiner-Gerard-Jacques-Istres-Kris-Kaerts-Poli-Roumeliotis-300x91.jpg" alt="" width="380" height="116" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-12_Simon-Steiner-Gerard-Jacques-Istres-Kris-Kaerts-Poli-Roumeliotis-300x91.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-12_Simon-Steiner-Gerard-Jacques-Istres-Kris-Kaerts-Poli-Roumeliotis-768x234.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-12_Simon-Steiner-Gerard-Jacques-Istres-Kris-Kaerts-Poli-Roumeliotis-450x137.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-12_Simon-Steiner-Gerard-Jacques-Istres-Kris-Kaerts-Poli-Roumeliotis-500x152.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/11/s2-12_Simon-Steiner-Gerard-Jacques-Istres-Kris-Kaerts-Poli-Roumeliotis.jpg 928w" sizes="auto, (max-width: 380px) 100vw, 380px" /><figcaption id="caption-attachment-16020" class="wp-caption-text">von links: Simon Steiner, Gérard Jacques Istres, Kris Kaerts und Poli Roumeliotis</figcaption></figure>
<p>Griechen nach Deutschland, die den Rembetiko in ihrem Gepäck hatten. Auf der Grundlage von vier Musikbands habe ich die heutige Stuttgarter Rembetiko-Szene veranschaulicht und selbstverständlich nicht versäumt, auch mein „World“-Rembetikoprojekt <a href="http://www.lefta.eu/">www.lefta.eu</a> vorzustellen. <em>Lefta</em> hat sich weiterentwickelt: Internationale Gäste und noch mehr musikalisch-visuelle Experimente kamen hinzu; es ist, mit einem Wort gesagt, <em>Post Re &#8211; betiko</em>!<br />
Im Rahmen des Panels „Rembetiko in Europa“ repräsentierte das Künstlerpaar Kris Kaerts und Poli Roumeliotis die belgische Rembetiko-Szene und zeigte ihren Dokumentarfilm „In Skipperstreet“, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=R8wpMT7Sd3U">hier</a><br />
Die französische Szene stellte Gerard Durand vor, dessen Hauptthese „Rembetiko ist Schicksal“ sehr überzeugte.<br />
Interessant waren die Rückmeldungen: Viele Leute zeigten sich erstaunt über unser Thema „Rembetiko in Europa“, was wir alles in Deutschland, Frankreich und Belgien bewegen und wie intensiv wir mit Griechenland verbunden sind.</p>
<p><strong>Die Organisation</strong><br />
Die Tageskarte lag in diesem Jahr bei 12 Euro an der Abendkasse. Parkplätze sind vor Ort auf der Iera Odos 154 in Athen-Egaleo vorhanden. Die Menschen sind rücksichtsvoll, die Sanitäranlagen werden nonstop gereinigt. Fürs leibliche Wohl ist immer gesorgt: Im Hof des Festivals werden Souflaki, belegte Brote und Getränke verkauft. Am Büchertisch gibt es eine breite Palette von käuflichen Artikeln wie Tonträger, Bilder, T-Shirts u.v.a.m. Dem Festivalgelände gegenüber befindet sich ein Kiosk mit breitem Angebot und im idyllischen Stadtteil Kato Egaleo in 4 km Entfernung gibt es sehr gute Tavernen, Einkaufsmöglichkeiten und einen Park zum Runterkommen und Ausruhen.<br />
Ein perfektes Festival, das Mitte Oktober 2026 wieder stattfinden soll.</p>
<hr />
<p data-wp-editing="1"><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-15972" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-01_poster-450x627.jpg" alt="" width="300" height="418" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-01_poster-450x627.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-01_poster-215x300.jpg 215w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-01_poster-500x697.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/s2-01_poster.jpg 735w" sizes="auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px" />Anmerkungen<br />
<strong>1</strong>_<strong>Karantouzeni</strong>, Komposition von Markos Vamvakaris, 1933:</p>
<p data-wp-editing="1"><em>Du hättest in unseren Teke kommen sollen, Mangas,</em><br />
<em>um der Baglamas und unsrem Doppelschlag der Saiten zu lauschen.</em><br />
<em>Du hättest dich hinsetzen, amüsieren und eine Weile zuhören sollen,</em><br />
<em>hättest nicht widerstehen können aufzustehen, dich im Zeibekiko zu drehen.</em><br />
<em>Würdest die Arabién- und Karantouzeni-gestimmten Instrumente hören</em><br />
<em>und schon bald sagen können, die Wasserpfeife wird’s schon richten.</em><br />
<em>Deine Sorgen würden verschwinden, all der Drang und das Verlangen,</em><br />
<em>allein schon vom Zuhören der Bouzouki-Klänge.</em></p>
<p data-wp-editing="1">Die alternativen Stimmungen (= Einstellung der Saiten) <em>Arabién- </em>und <em>Karantouzeni </em>sind Ausdruck der engen Verbindung des Rembetiko mit der osmanisch-arabischen Musiktradition.<br />
<strong>2</strong>_Simon Steiner, <strong>12 Thesen</strong> zur Frage, woher das Interesse am Rembetiko in Deutschland rührt. Die Kurzfassung <a href="https://stuttgartpunk.de/2025/08/10/rembetiko-kosmos/">hier</a> // Der Artikel <em>Wie der Rembetiko nach Stuttgart kam</em> in diablog.eu <a href="https://diablog.eu/kuenste/musik/wie-der-rembetiko-nach-stuttgart-kam/">hier</a> // Dank an meine Frau Rebekka, Thanassis Tsingas und Tasos Kaklamanis für die Betreuung des Vortrages.<br />
<strong>3</strong>_Schreibweise: <strong>Rembetiko</strong> (eher im deutschsprachigen Raum) – <strong>Rebetiko</strong> (eher im englischsprachigen Raum)<br />
<strong>4</strong>_Das Festivalprogramm auf EL <a href="https://athensrebetikofestival.gr/programma-2oy-festibal">hier</a><br />
<strong>5</strong>_Ein Teil des Erlöses des Festivals wurde an die S.O.S.-Kinderdörfer und den Solidaritätsfonds der Panhellenischen Musikvereinigung gespendet.</p>
<p class="textinfo"><em>Text: Simon Steiner. Redaktion. A. Tsingas. Fotos: 2. Rembetiko-Festival Athen.</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://diablog.eu/kuenste/musik/das-2-rembetiko-festival-auf-der-athener-heiligen-strasse-2025/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>5</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Hügel Athens: kulturelle Gestaltung und urbanes Leben</title>
		<link>https://diablog.eu/reise/die-huegel-athens-kulturelle-gestaltung-und-urbanes-leben/</link>
					<comments>https://diablog.eu/reise/die-huegel-athens-kulturelle-gestaltung-und-urbanes-leben/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Nov 2025 09:01:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://diablog.eu/?p=15670</guid>

					<description><![CDATA[Das Stadtbild Athens wird stark von seinen Hügeln geprägt. In der Vergangenheit trug ihre Gestaltung maßgeblich zur kulturgeschichtlichen Entwicklung bei, heute machen sie einen bedeutenden Wohlfühlfaktor der Metropole aus. Hügel beherrschen das Stadtbild Athens, unvergänglich ... <p class="read-more-container"><a title="Die Hügel Athens: kulturelle Gestaltung und urbanes Leben" class="read-more button" href="https://diablog.eu/reise/die-huegel-athens-kulturelle-gestaltung-und-urbanes-leben/#more-15670" aria-label="Mehr Informationen über Die Hügel Athens: kulturelle Gestaltung und urbanes Leben">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Das Stadtbild Athens wird stark von seinen Hügeln geprägt. In der Vergangenheit trug ihre Gestaltung maßgeblich zur kulturgeschichtlichen Entwicklung bei, heute machen sie einen bedeutenden Wohlfühlfaktor der Metropole aus.</p>
<p>Hügel beherrschen das Stadtbild Athens, unvergänglich erheben sie sich über das endlose Häusermeer der pulsierenden Millionenmetropole. Seit eh und je haben sie eine wichtige Rolle für die Geschicke der Stadt gespielt. Mal felsig, mal bewachsen oder überbaut – die markanten Erhebungen sind nicht nur beliebte Rückzugsorte für Großstädter, sondern auch Magnete für Reiselustige aus allen Ecken der Welt.</p>
<figure id="attachment_15679" aria-describedby="caption-attachment-15679" style="width: 950px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15679 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-01_Areopag_from_the_Acropolis.jpg" alt="" width="960" height="686" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-01_Areopag_from_the_Acropolis.jpg 960w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-01_Areopag_from_the_Acropolis-300x214.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-01_Areopag_from_the_Acropolis-768x549.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-01_Areopag_from_the_Acropolis-450x322.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-01_Areopag_from_the_Acropolis-500x357.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px" /><figcaption id="caption-attachment-15679" class="wp-caption-text">1_Der Fels des Areopag. Links oben im Hintergrund die Sternwarte auf dem Nymphenhügel</figcaption></figure>
<p>Auf dem <strong>Areopag</strong>-Hügel, im Volksmund liebevoll <em>Vrachakia</em> genannt, was so viel wie „kleine Felsen“ bedeutet, kommen vor allem die jungen Athener an lauen Sommerabenden zusammen, um den Klängen einer Gitarre zu lauschen und die untergehende Sonne zu bestaunen. Laut der Apostelgeschichte soll auf dem kahlen Felsen kein Geringerer als der Apostel Paulus den Athenern die Lehre des Christentums nähergebracht haben. Fest steht, dass die Lage des Steinhügels, auf dem einst der Oberste Rat des antiken Stadtstaates Athen tagte, herrliche Ausblicke auf die umliegenden Hügel erlaubt.</p>

<a href='https://diablog.eu/reise/die-huegel-athens-kulturelle-gestaltung-und-urbanes-leben/attachment/hu-02_national_observatory_of_athens2/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-02_National_Observatory_of_Athens2.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-02_National_Observatory_of_Athens2.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-02_National_Observatory_of_Athens2-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-02_National_Observatory_of_Athens2-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-02_National_Observatory_of_Athens2-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-02_National_Observatory_of_Athens2-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/reise/die-huegel-athens-kulturelle-gestaltung-und-urbanes-leben/attachment/hu-03_philopappos-musen/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="389" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-03_Philopappos-Musen.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-03_Philopappos-Musen.jpg 800w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-03_Philopappos-Musen-300x146.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-03_Philopappos-Musen-768x373.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-03_Philopappos-Musen-450x219.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-03_Philopappos-Musen-500x243.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></a>

<p>Solche Ausblicke bieten etwa der <strong>Nymphenhügel</strong> mit dem darauf thronenden Nationalen Observatorium (Sternwarte), das inmitten einer grünen Oase fast schon wie ein orthodoxes Gotteshaus anmutet, oder der piniengesäumte <strong>Musenhügel</strong>, dessen steingepflasterte Pfade rund um das Philopappos-Denkmal wunderbar geeignet sind für entspannte Spaziergänge und kleine Fahrradtouren.</p>
<figure id="attachment_15682" aria-describedby="caption-attachment-15682" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15682 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-04.Papageorgiou.jpg" alt="" width="1024" height="693" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-04.Papageorgiou.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-04.Papageorgiou-300x203.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-04.Papageorgiou-768x520.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-04.Papageorgiou-450x305.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-04.Papageorgiou-500x338.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-15682" class="wp-caption-text">4_Blick von der Akropolis: links das Erechteion, rechts der Kegel des Lykabettus-Hügels, in der Ferne dazwischen das Penteli-Gebirge. © C.P.</figcaption></figure>
<p>Kaum zu übersehen ist auch der 277 Meter hohe <strong>Lykabettus</strong>-Hügel (Hügel des Morgengrauens, von λυκαυγές) im Zentrum der Stadt. Ob zu Fuß oder mit der kleinen Standseilbahn, der Weg zur weißgetünchten Kapelle von Agios Georgios lohnt sich allemal, denn von dort oben hat man den wahrscheinlich schönsten Blick auf das leuchtende Häusermeer Athens, den Hafen von Piräus und allen voran auf den heiligen Felsen der Akropolis.</p>
<figure id="attachment_15683" aria-describedby="caption-attachment-15683" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15683 size-full" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-05_Bonfils_Felix_1831-1885_-_Athens_-_Acropolis_about_1868-1875.jpg" alt="" width="1024" height="833" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-05_Bonfils_Felix_1831-1885_-_Athens_-_Acropolis_about_1868-1875.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-05_Bonfils_Felix_1831-1885_-_Athens_-_Acropolis_about_1868-1875-300x244.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-05_Bonfils_Felix_1831-1885_-_Athens_-_Acropolis_about_1868-1875-768x625.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-05_Bonfils_Felix_1831-1885_-_Athens_-_Acropolis_about_1868-1875-450x366.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-05_Bonfils_Felix_1831-1885_-_Athens_-_Acropolis_about_1868-1875-500x407.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-15683" class="wp-caption-text">5_Foto von Félix Bonfils, ca. 1868-1875: der kahle Akropοlis-Hügel, rechts die Säulen des Olympieion</figcaption></figure>
<p>Einst verglich der renommierte schweizerisch-französische Architekt Le Corbusier die <strong>Akropolis</strong> in ihrer Umgebung mit einer Perle in der Muschel und bezeichnete sie als ästhetische Ikone. Der Parthenon, ein architektonisches Schmuckstück in dorischer Säulenordnung, gebaut aus feinporigem, pentelischem Marmor, ist der ganze Stolz der Griechen und in der Stadt von vielen Standorten sichtbar. Mit seiner rhetorischen Eloquenz überzeugte der einflussreiche Staatsmann Perikles im 5. Jahrhundert v. Chr. seine Zeitgenossen, der Schutzgöttin Athena einen neuen Tempel zu errichten – an Stelle des Vorgängerbaus, der 480 v. Chr. von den Persern zerstört wurde. Dieser Neubau sollte seitdem nicht nur ein Wahrzeichen der Demokratie werden, sondern auch Inbegriff von baulicher Ästhetik, Eleganz und Harmonie.</p>
<figure id="attachment_15871" aria-describedby="caption-attachment-15871" style="width: 640px" class="wp-caption alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15871" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-06aa_Anafiotika-500x667.jpg" alt="" width="650" height="867" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-06aa_Anafiotika-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-06aa_Anafiotika-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-06aa_Anafiotika-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-06aa_Anafiotika.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px" /><figcaption id="caption-attachment-15871" class="wp-caption-text">6_Gasse in Anafiotika © Evelina Bakoula</figcaption></figure>
<p>Am Nordosthang des Akropolis-Felsen trifft man auf ein Wohnviertel, das man in der Art hier in Athen nicht erwarten würde. Anafiotika liegt zwar am Rande des berühmten Altstadtviertels Plaka, doch die wenigsten verirren sich dorthin. Auf Anhieb fühlt man sich in ein pittoreskes Inseldorf der Kykladen hineinversetzt. Kein Wunder, wurde es doch Mitte des 19. Jahrhunderts von Bauhandwerkern der Insel Anafi errichtet. Labyrinthische Gässchen schlängeln sich durch weißgetünchte, ineinander verschachtelte Häuser, überall stehen Blumentöpfe, die Wäsche hängt zum Trocknen, hier und da streifen Katzen durch die engen Gassen, ältere Herrschaften begrüßen die Spaziergänger, Gezwitscher dringt aus den winzigen Privatgärten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>In den Niederungen<br />
</strong></p>
<figure id="attachment_15869" aria-describedby="caption-attachment-15869" style="width: 1014px" class="wp-caption alignnone"><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15869" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-07a_Museum.jpg" alt="" width="1024" height="653" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-07a_Museum.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-07a_Museum-300x191.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-07a_Museum-768x490.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-07a_Museum-450x287.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-07a_Museum-500x319.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /><figcaption id="caption-attachment-15869" class="wp-caption-text">7_Museum der Stadt Athen, erste Residenz des Königspaars Otto und Amalie von Griechenland © C.P.</figcaption></figure>
<p>Doch die griechische Kapitale hat noch mehr Gärten in petto, die nicht nur für jedermann zugänglich sind, sondern auch lauschige Kaffeehäuser beherbergen. Oftmals liegen sie versteckt in den verträumten Hinterhöfen weniger bekannter Museen. So ist beispielsweise das malerische Bistro „Black Duck Garden“ des Museums der Stadt Athen die perfekte Adresse, um sich bei einem Erfrischungsgetränk oder Snack von einem ereignisreichen Sightseeing-Tag zu erholen. Das Gebäude war 1836-1843 die erste Athener Unterkunft des Königspaares Otto und Amalie von Griechenland.<br />
Auch ein Abstecher in die beiden Museumsgebäude ist sehr zu empfehlen. Ich hatte schon mal das Vergnügen, als einziger Besucher durch die Gemächer der ersten Residenz von König Otto und des benachbarten Herrschaftshauses zu schreiten und mich dabei in die Salons der Athener Aristokratie des 19. Jahrhunderts hineinzuträumen. Es gibt viel zu entdecken: filigrane Möbel, Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs, seltene Ölgemälde sowie einen mit Porzellan gedeckten Tisch, der den Eindruck erweckt, als würden gleich Gäste zum Sonntagsessen eintreffen.</p>

<a href='https://diablog.eu/reise/die-huegel-athens-kulturelle-gestaltung-und-urbanes-leben/attachment/hu-08_nationalbibliothek/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="710" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-08_Nationalbibliothek.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-08_Nationalbibliothek.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-08_Nationalbibliothek-300x208.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-08_Nationalbibliothek-768x533.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-08_Nationalbibliothek-450x312.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-08_Nationalbibliothek-500x347.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/reise/die-huegel-athens-kulturelle-gestaltung-und-urbanes-leben/attachment/hu-09_akademie/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="690" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-09_Akademie.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-09_Akademie.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-09_Akademie-300x202.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-09_Akademie-768x518.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-09_Akademie-450x303.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-09_Akademie-500x337.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/reise/die-huegel-athens-kulturelle-gestaltung-und-urbanes-leben/attachment/hu-10_universitaet/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-10_Universitaet.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-10_Universitaet.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-10_Universitaet-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-10_Universitaet-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-10_Universitaet-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-10_Universitaet-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>

<p>Liebhaber neoklassizistischer Baukunst sollten nicht versäumen, über den nahegelegenen Panepistimiou-Boulevard zu flanieren. Zugegeben, auf der symbolträchtigen Straße scheint die halbe Stadt unterwegs zu sein, der Verkehr tobt unaufhörlich. Hier wird eine Filmszene gedreht, dort gibt sich ein Gitarrist alle Mühe, die vorbeieilenden Passanten für sich zu gewinnen, an einer anderen Stelle zieht eine kleine Demo vorbei. Doch trotz des Getümmels bleiben die zahlreichen neoklassizistischen Gebäude des Boulevards nicht unbemerkt. Allesamt beeindrucken sie durch ihre klare und geradlinige Formensprache. Die Nationalbibliothek, die Universität und die Akademie fallen besonders ins Auge. Giebel voller Skulpturen, schmückende Statuen, ausdrucksvolle Fresken sowie elegante Säulenhallen gehören zum Repertoire. Für das einstige geistige Zentrum der Metropole haben sich die dänisch-österreichischen Architekten (Hans) Christian und Theophil von Hansen im 19. Jahrhundert mächtig ins Zeug gelegt.</p>

<a href='https://diablog.eu/reise/die-huegel-athens-kulturelle-gestaltung-und-urbanes-leben/attachment/hu-11_monastiraki/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="724" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-11_Monastiraki.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-11_Monastiraki.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-11_Monastiraki-300x212.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-11_Monastiraki-768x543.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-11_Monastiraki-450x318.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-11_Monastiraki-500x354.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/reise/die-huegel-athens-kulturelle-gestaltung-und-urbanes-leben/attachment/hu-13_atticus/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="1024" height="768" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-13_Atticus.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-13_Atticus.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-13_Atticus-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-13_Atticus-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-13_Atticus-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-13_Atticus-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></a>

<p>Auch für Nachtschwärmer ist Athen ein aufregendes Pflaster. Die einen zieht es in die unzähligen Tavernen und Bars der lebhaften Ausgehviertel Plaka, Monastiraki und Psiri. Andere bevorzugen die schicken Dachterrassen rund um den Syntagma- und den Monastiraki-Platz, allein schon wegen der Aussicht auf den beleuchteten Parthenon. Und sobald volkstümliche Klänge über dem Musenhügel ertönen, ist es an der Zeit, dem Dora-Stratou-Tanztheater einen Besuch abzustatten. Fast allabendlich füllt sich die Freilichtbühne mit Tänzerinnen und Tänzern, die in prachtvollen Trachten temperamentvolle Folkloretänze aus unterschiedlichen Regionen Griechenlands vorführen. Alternativ kann man auch das monumentale Theater Odeon des Herodes Atticus am Fuße der Akropolis aufsuchen, um unter dem Sternenhimmel ein antikes Theaterstück oder ein klassisches Konzert zu genießen. Wie auch immer man sich entscheidet, es wird ein gelungener Abend!</p>
<hr />
<p><strong>Links</strong><br />
Aufzählung der Athener Hügel <a href="https://el.wikipedia.org/wiki/%CE%9A%CE%B1%CF%84%CE%B7%CE%B3%CE%BF%CF%81%CE%AF%CE%B1:%CE%9B%CF%8C%CF%86%CE%BF%CE%B9_%CF%84%CE%B7%CF%82_%CE%91%CE%B8%CE%AE%CE%BD%CE%B1%CF%82">hier</a> und <a href="https://el.wikipedia.org/wiki/%CE%A0%CF%81%CF%8C%CF%84%CF%85%CF%80%CE%BF:%CE%9B%CF%8C%CF%86%CE%BF%CE%B9_%CF%84%CE%B7%CF%82_%CE%91%CE%B8%CE%AE%CE%BD%CE%B1%CF%82">hier</a> (auf EL)<br />
<strong>Die hier beschriebenen Athener Hügel</strong><br />
Der Areopag <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Areopag">hier</a>, auch Quelle Foto_1 // Das Nationale Observatorium Athen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Nationales_Observatorium_Athen">hier</a>, auch Quelle Foto_2 // Der Philopappos-Hügel <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Philopapposh%C3%BCgel">hier</a>, auch Quelle Foto_3 // Der Lykabettus-Hügel <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lykabettus">hier</a> // Der Parthenon <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Parthenon">hier</a>, auch Quelle Foto_5 // Le Corbusier und die Akropolis <a href="https://dokumen.pub/die-inszenierung-eines-mythos-le-corbusier-und-die-akropolis-9783035609134-9783035611182.html">hier</a><br />
<strong>weitere Links</strong><br />
Das Wohnviertel Anafiotika <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anafiotika">hier</a> // Das Athener Stadtmuseum <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Athener_Stadtmuseum">hier</a> // Königin Amalie von Griechenland in diablog.eu <a href="https://diablog.eu/literatur/historisches/amalie-von-griechenland-und-christiane-lueth-gattin-des-hofpastors/">hier</a> // Der Panepistimiou-Boulevard <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Panepistimiou">hier</a> // Dora Stratou, die Gründerin des gleichnamigen Tanztheaters <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dora_Stratou">hier</a> // Das Odeon des Herodes Atticus <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Odeon_des_Herodes_Atticus">hier</a>; <em>in den nächsten drei Sommersaisons soll es als Veranstaltungsort wegen grundlegender Renovierungsarbeiten geschlossen bleiben</em>.</p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="size-full wp-image-15709 alignleft" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/HU-14_CP.jpg" alt="" width="150" height="150" /></p>
<p><strong>Christian-Ioannis Papageorgiou</strong> wuchs zweisprachig in einer deutsch-griechischen Familie auf. Er studierte in Deutschland und Spanien Germanistik, Spanien- und Lateinamerikastudien sowie Pädagogik. Seit 2016 ist er freier Autor und verfasst Artikel und Kurzgeschichten für diverse Printzeitungen und Online-Magazine auf Deutsch und Griechisch.<br />
<em>auf diablog.eu</em> <a href="https://diablog.eu/reise/die-streetart-goettinen-von-athen/">hier</a></p>
<p class="textinfo"><em>Text: Christian Papageorgiou, zuerst erschienen in der Neuen Westfälischen, hier in überarbeiteter und illustrierter Form. </em><em>Redaktion A. Tsingas. </em><em>Fotos: Christian Papageorgiou (wo angegeben) und Evelina Bakoula (wo angegeben), sonst Wikipedia gemeinfrei; die Wiki-Fotodateien unterliegen der Creative Commons-Lizenz <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons">hier.</a> </em><em>Quellenangaben zu den Fotos finden sich bei den Links. Teaserfoto: Akropolis 1910, fotografiert von F. Boissonnas.<br />
</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://diablog.eu/reise/die-huegel-athens-kulturelle-gestaltung-und-urbanes-leben/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Griechische Lyrik im Selbstporträt_2</title>
		<link>https://diablog.eu/literatur/lyrik/griechische-lyrik-im-selbstportraet_2/</link>
					<comments>https://diablog.eu/literatur/lyrik/griechische-lyrik-im-selbstportraet_2/#respond</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2025 07:09:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Lyrik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://diablog.eu/?p=15665</guid>

					<description><![CDATA[Poesie ist mehr als Worte – sie ist ein Blick auf die Welt, ein Rhythmus, ein Echo des Inneren, ein Motiv, das nicht loslässt. In dieser neuen Reihe auf diablog stellen sich zeitgenössische griechische Lyriker:innen ... <p class="read-more-container"><a title="Griechische Lyrik im Selbstporträt_2" class="read-more button" href="https://diablog.eu/literatur/lyrik/griechische-lyrik-im-selbstportraet_2/#more-15665" aria-label="Mehr Informationen über Griechische Lyrik im Selbstporträt_2">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Poesie ist mehr als Worte – sie ist ein Blick auf die Welt, ein Rhythmus, ein Echo des Inneren, ein Motiv, das nicht loslässt. In dieser neuen Reihe auf <em>diablog</em> stellen sich zeitgenössische griechische Lyriker:innen selbst vor: mit ihren Gedanken zur eigenen Dichtung, mit Bildern, die ihren Alltag prägen und sie inspirieren, und natürlich mit ihren Gedichten, die in deutscher Übersetzung eine zweite Stimme finden.</p>
<p class="einleitung">Unser Redaktionsmitglied Elena Pallantza wählt die Texte aus und überträgt sie gemeinsam mit anderen Übersetzerkolleg:innen ins Deutsche. So öffnet sich ein anderer Zugang zu Griechenland – durch die Worte und Augen seiner Dichter:innen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-15722 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch-450x599.jpg" alt="" width="450" height="599" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch-450x599.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch-770x1024.jpg 770w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch-768x1022.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch-500x665.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-10-2_Nadi-Chatzigeorgiou-2-hoch.jpg 989w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<h5><strong>Nadi Chatzigeorgiou</strong></h5>
<p>Nadi Chatzigeorgiou wuchs in Ermoupoli (Syros) auf. Sie studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Athen und setzt sich neben ihrem dichterischen Werk mit Anthropologie, Musik und Tanz auseinander. Ihr erster Gedichtband <em>bereits vom Aussterben bedroht</em> (Thines Verlag, Athen 2022), sowie ihr Märchen <em>Ich baue einen Turm</em> (Verlag der Kolleg:innen, Athen 2024), das sie auch selbst illustrierte, wurden mit dem Preis der Zeitschrift <em>o anagnostis</em> ausgezeichnet. Texte und Zeichnungen von ihr sind in Print- wie auch Online-Magazinen erschienen.<br />
Die sieben Gedichte, die hier vorgestellt werden, sind teils bereits veröffentlicht, teils noch nicht. Sie bilden eine Einheit mit dem Titel <em>Als ich suchte</em>. Wir danken Nadi Chatzigeorgiou für die folgenden Einblicke in ihre poetische Arbeit:</p>
<p>„Ein Gedicht ist etwas, zu dem man zurückkehrt. Eine tausendfach erzählte Geschichte, neu gefasst in die Einzigartigkeit des Verses. Man verspürt das Bedürfnis, aufs Papier oder ins Gedächtnis zurückzukehren, um das Wesen dessen zu finden, was von Mund zu Mund weitergetragen wird, wie ein Lied oder ein Filmzitat. So sehr uns Inhalte auch berühren: Gedichte sind aus Worten gemacht, und die ganze poetische Arbeit besteht in der Auswahl und der Anordnung der Wörter – jenes alle Menschen so verbindenden Werkzeugs –, Wort zu Wort gefügt, in einer Weise, die offenbart, wie und warum die Dinge in uns brennen. So verfahre ich mit Gedichten und hoffe, dass auch meine eigene poetische Sprache, zumindest bei manchen Menschen, eine ebensolche Wirkung erzielt.“</p>
<hr />
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15724 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-02_ergaleia-450x769.jpg" alt="" width="450" height="769" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-02_ergaleia-450x769.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-02_ergaleia-175x300.jpg 175w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-02_ergaleia-500x855.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-02_ergaleia.jpg 599w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>AM ANDEREN ENDE DER WELT</strong></p>
<p>In Japan gibt es jetzt<br />
ein Hotel mit Robotern<br />
Am Empfang<br />
will ich Genaueres wissen<br />
man gibt mir Punkte<br />
Ein Vögelchen<br />
bringt meine Münze zurück</p>
<p>Der ganze Weg umsonst<br />
Unbesungen falle ich<br />
auf die spacige Matratze<br />
In meiner Kapsel<br />
mit schwerem Zwitschern<br />
im Herzen</p>
<p>flackere ich</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15718 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-07_sailor-moon34-450x600.jpg" alt="" width="450" height="600" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-07_sailor-moon34-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-07_sailor-moon34-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-07_sailor-moon34-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-07_sailor-moon34.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>ICH WERDE ES ZUM LAUFEN BRINGEN</strong></p>
<p>Ich wollte es ganz aus der Nähe sehen<br />
auch wenn ich Angst hatte<br />
Etwas an seinem Galopp<br />
ließ das Tier<br />
sonderbar wirken<br />
Vom vielen Aufziehen<br />
dachte ich, ist es durchgedreht<br />
und trat noch näher</p>
<p>Sein Schaukeln riss mich mit<br />
wie eine Seerose im Teich<br />
Ein reinrassiger Irrtum<br />
und ich auf seinem Rücken<br />
war bereit, es zu bändigen<br />
Die Welt ist voll von solchen<br />
die sagen, es geht nicht<br />
Aber ich wusste<br />
das Pferd ist zu schaffen</p>
<p>Mit all meinem Rüstzeug<br />
glitt ich in eine andere Dimension<br />
weit weg von der Vulgarität<br />
des Sattels und der Hufeisen</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15725 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-03_erotideas34-450x600.jpg" alt="" width="450" height="600" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-03_erotideas34-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-03_erotideas34-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-03_erotideas34-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-03_erotideas34.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>DER IMKER</strong></p>
<p>Der Imker hat keine<br />
klar umrissene Aufgabe<br />
so nah am Stich<br />
so fern der Angst</p>
<p>Über das offene Maul<br />
der Blumen gebeugt<br />
tut er so, als sähe er<br />
die Honigdiebe nicht</p>
<p>Wenn alles satt schläft<br />
Geister Tiere Pflanzen<br />
dient er mit Hellsicht<br />
dem Beruf der Waffen</p>
<p>Der restliche Honig<br />
mündet als Problem<br />
ins Meer; niemand soll ihn spielen<br />
auf der Rennbahn, beim Karteln</p>
<p>Er weiß die fürchterlichen<br />
Zwiespalte vorherzusagen<br />
solange die Sterne ihr Öl verbrennen<br />
wird Honig vergeudet</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15717 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-06_nekrotafeio34-450x600.jpg" alt="" width="450" height="600" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-06_nekrotafeio34-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-06_nekrotafeio34-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-06_nekrotafeio34-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-06_nekrotafeio34.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>HAUTZEICHNUNG</strong></p>
<p>Wenn ich stillhalte<br />
glaube ich, tot zu sein<br />
Die Angst sitzt mir im Nacken<br />
Meine Künste werden zunichte<br />
Ich sehe mich<br />
zu jedem Unglück fähig</p>
<p>Gesichter von Geldscheinen<br />
erscheinen auf meiner Haut<br />
wie boshafte Verwandte<br />
die ich niemals vergesse<br />
Sie strömen herbei<br />
die einen wie die anderen<br />
Und alle murmeln im Chor<br />
ich sei am Ende</p>
<p>Anstatt sie<br />
zum Teufel zu jagen<br />
kriege ich die Krätze<br />
Den Kavalieren<br />
die sie vorsichtig betasten<br />
lüge ich vor: hab ich selber gemalt<br />
Das war alles</p>
<p>Eine alte Geschichte</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15726 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-04_koukla-me-psalidi34-450x600.jpg" alt="" width="450" height="600" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-04_koukla-me-psalidi34-450x600.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-04_koukla-me-psalidi34-225x300.jpg 225w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-04_koukla-me-psalidi34-500x667.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-04_koukla-me-psalidi34.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>ZUDEM</strong></p>
<p>An schlechten Tagen<br />
scheint ein verdrehter Wille<br />
die leblosen Dinge<br />
zu durchdringen<br />
und eine Parallelwelt<br />
jenseits der gewohnten<br />
gräbt sich in mich ein</p>
<p>Der hartnäckige Knopf<br />
der widerspenstige Stoff<br />
das Geheimnis, das der Saum verbirgt<br />
lehnen sich an diesem Tag<br />
gegen mich auf<br />
Und ich tadle sie alle<br />
beschimpfe sie<br />
klage sie an<br />
bis sie bekehrt sind</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15716 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-05_koukla-me-kathreftes34-450x338.jpg" alt="" width="450" height="338" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-05_koukla-me-kathreftes34-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-05_koukla-me-kathreftes34-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-05_koukla-me-kathreftes34-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-05_koukla-me-kathreftes34-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-05_koukla-me-kathreftes34.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>MAGISCHER KREIS</strong></p>
<p>Wie die Würfel fallen<br />
ist Werk der Götter</p>
<p>Auf dem nächsten Level<br />
erscheint der Bösewicht<br />
ein automatischer Mechanismus<br />
der grausamste von allen<br />
die Fäden sind sichtbar<br />
die Hand ist meine</p>
<p>Hier wird aufs Spiel gesetzt:<br />
der geordnete Lauf der Jahreszeiten<br />
das Reifen der Früchte<br />
das Aufblühen des Jahres<br />
der Triumph des Guten<br />
über das Böse</p>
<p>Ich denke an all das<br />
und wie vom bösen Blick getroffen<br />
renne ich los</p>
<p>und rette die Prinzessin</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone wp-image-15723 size-singlepost-thumb" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-01_goves34-450x338.jpg" alt="" width="450" height="338" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-01_goves34-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-01_goves34-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-01_goves34-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-01_goves34-500x375.jpg 500w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-01_goves34.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px" /></p>
<p><strong>JEDER NIMMT ETWAS MIT</strong></p>
<p>Manche fragen<br />
was in Waterloo geschah<br />
Wenn ihr wollt, sage ich<br />
zeige ich es euch auf der Karte</p>
<p>Zwei Fronten halte ich<br />
stets offen<br />
Die eine vor mir<br />
glänzt wie Zukunft<br />
Die andere hinter mir<br />
klafft auf ewig<br />
das Unwiderrufliche</p>
<p>Anstelle von Taktiken<br />
kenne ich Tricks<br />
nicht solche<br />
die hundertprozentig retten<br />
Nur solche, die mein Glück herausfordern<br />
in einem Wettlauf gegen die Zeit<br />
bei dem fraglich ist<br />
ob ich ankomme</p>
<p>So taumelnd durch die Schlacht<br />
bin ich entzweit<br />
wie ein Brautkleid mit Schleppe</p>
<p>wie ein Stern mit Schweif</p>
<hr />
<p><strong>Das Übersetzer:innen-Team</strong></p>
<p><strong><img loading="lazy" decoding="async" class="alignleft wp-image-15719" src="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-08_IMG_7590-ElenaPeter2.jpg" alt="" width="280" height="210" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-08_IMG_7590-ElenaPeter2.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-08_IMG_7590-ElenaPeter2-300x225.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-08_IMG_7590-ElenaPeter2-768x576.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-08_IMG_7590-ElenaPeter2-450x338.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/10/nc-08_IMG_7590-ElenaPeter2-500x375.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 280px) 100vw, 280px" />Elena Pallantza </strong>und<strong> Peter Holland</strong> sind ein Übersetzer:innen-Duo aus dem Neugriechischen ins Deutsche. Sie übersetzten unter anderem Andreas Embirikos (<em>Signaturen</em>-Magazin) und Jenny Mastoraki (<em>metamorphosen</em>, Heft 63), den Gedichtband <em>Mögliche Landschaften</em> von Danae Sioziou (parasitenpresse, Köln 2024) sowie ausgewählte Gedichte griechischer Lyriker:innen für das Poesiefestival Berlin und das Goethe-Institut Athen. Weitere gemeinsame Übersetzungen moderner Klassiker und zeitgenössischer Autor:innen sind in Vorbereitung, darunter Werke von Nikos Gatsos und Phoebe Giannisi.</p>
<p><em>Auswahl und Präsentation</em><em>: Elena Pallantza. </em><em>Poesie und Gedanken dazu</em><em>: Nadi Chatzigeorgiou in der Übersetzung von Elena Pallantza und Peter Holland</em><em>. Redaktion: A. Tsingas. Fotos: Nadi Chatzigeorgiou. Foto Übersetzer:innen: privat.</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://diablog.eu/literatur/lyrik/griechische-lyrik-im-selbstportraet_2/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>0</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bei den Pomaken in Thrakien</title>
		<link>https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/</link>
					<comments>https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Oct 2025 07:46:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Reise]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://diablog.eu/?p=15584</guid>

					<description><![CDATA[Die Region Thrakien im Nordosten Griechenlands liegt etwas abseits der geläufigen Touristenpfade. Makedonien bietet noch bekannte Reiseziele, aber je weiter man nach Osten kommt, desto unbekannter wird die Gegend. Auf meiner Thrakienreise führte mich der ... <p class="read-more-container"><a title="Bei den Pomaken in Thrakien" class="read-more button" href="https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/#more-15584" aria-label="Mehr Informationen über Bei den Pomaken in Thrakien">Weiterlesen ...</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="einleitung">Die Region Thrakien im Nordosten Griechenlands liegt etwas abseits der geläufigen Touristenpfade. Makedonien bietet noch bekannte Reiseziele, aber je weiter man nach Osten kommt, desto unbekannter wird die Gegend.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15590" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-01.jpg" alt="" width="1024" height="575" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-01.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-01-300x168.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-01-768x431.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-01-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-01-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />Auf meiner Thrakienreise führte mich der Weg nach Xanthi. Eine pittoreske Stadt, die mir bisher nur bekannt war für ihre ausgelassenen Sommerfeste. Obwohl Xanthi nicht so nah an der griechisch-türkischen Grenze liegt, gibt es hier viele muslimische Einflüsse. Das liegt auch an der Nähe zu den Pomakendörfern, die ich von hier aus besuchen will.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15592" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-02.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-02.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-02-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-02-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-02-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-02-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />Die Pomaken sind eine muslimische Minderheit, deren Dörfer verstreut in den südlichen Rhodopen liegen, nahe der bulgarischen Grenze. Es ist eine Ethnie mit umstrittener Herkunft. Sie leben sowohl in Griechenland als auch in Bulgarien und in der Türkei. Das Siedlungsgebiet der griechischen Pomaken ist auf Thrakien beschränkt. Dass es sie in Griechenland überhaupt gibt ist ein Ergebnis des Kleinasiatischen Krieges. Der darauf folgende Bevölkerungsaustausch (in 1923) hat diese muslimische Minderheit nämlich ausgenommen. Sie durften bleiben. Im Gegenzug durfte eine ungefähr gleiche Anzahl Griechen in der Türkei verbleiben, damit auch der Patriarch der Griechisch-Orthodoxen-Kirche eine gewisse griechische Volksbasis behielt (der Patriarch hat immer noch seinen Sitz in Istanbul).</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15594" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-03.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-03.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-03-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-03-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-03-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-03-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />Fährt man von Xanthi aus nach Norden erreicht man schon nach 30 Minuten Fahrzeit das Dorf Sminthi. Es ist eines der wohlhabenderen Dörfer, man spürt die Nähe zu Xanthi. Danach wird die Landschaft bergiger, die Kurven enger und die Dörfer deutlich kleiner. Die Pomaken leben in ziemlich abgeschlossenen und verschlossenen Gemeinschaften. Das liegt natürlich auch an der isolierten Lage der Bergdörfer. Ihre Sprache ist ein eigenartiger Dialekt mit starken Einflüssen aus Bulgarien. Eine pomakische Schriftsprache gibt es nicht. Der Islam spielt eine zentrale Rolle im dörflichen Alltagsleben, wodurch die Isolation noch verstärkt wird. Das Bild in den Dörfern wird bestimmt durch hohe Minarette. Unüberhörbar schallt der Gebetruf des Muezzins aus den Lautsprechern.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15596" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-04.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-04.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-04-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-04-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-04-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-04-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />Die familiären Bindungen unter den Pomaken sind eng. Hochzeiten und andere Feste ziehen sich oft mehrere Tage hin und unterscheiden sich von den griechisch-orthodoxen Traditionen. Nach griechischem Recht genießen sie Religionsfreiheit und haben das Recht auf Schulbildung, die wurde aber lange ausschließlich auf Türkisch angeboten. Daraus ergab sich eine stetige Annäherung an die türkische Kultur, was von der Politik nicht gerne gesehen wurde. Mittlerweile wird in den Schulen Türkisch und Griechisch gelehrt. Aber im Dorf und vor allem in den Familien spricht man untereinander Pomakisch. Und die Satelliten-Schüsseln auf den Dächern sind nach Istanbul ausgerichtet.</p>

<a href='https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/attachment/pom-05/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="663" height="372" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-05.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-05.jpg 663w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-05-300x168.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-05-450x252.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-05-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 663px) 100vw, 663px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/attachment/pom-06/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="662" height="373" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-06.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-06.jpg 662w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-06-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-06-450x254.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-06-500x282.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 662px) 100vw, 662px" /></a>

<p>Es ist schwierig Kontakt aufzunehmen und ein Gespräch zu führen, da ältere Menschen oft kein griechisch können. In die Moschee im Dorf Meloivia darf ich aber gerne rein. Freundlichkeit verlangt keine Sprachkenntnisse! Besonders die Moschee in Sminthi fand ich sehr schön. Sminthi ist ein großes Dorf und die Moschee ist sehr beeindruckend. Es hatte etwas gedauert bis ich im Dorf den Imam gefunden hatte. Freundlich aber erstaunt fragte er mich wo ich denn herkomme und was ich hier mache. Die Moschee hat er mir aber gerne gezeigt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15602" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-07.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-07.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-07-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-07-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-07-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-07-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />Im Dorf Echinos gibt es 3 Moscheen und eine christliche Kirche. Das gibt es selten. Dort habe ich natürlich nach dem Papás gefragt. Der wohne aber in Xanthi sagte man mir, und die Kirche sei sowieso nur 2-mal im Jahr geöffnet: An Ostern und an Weihnachten. Ich gehe in ein Café und bestelle einen Elliniko, der hier Turkiko heißt. Ahmet sitzt 2 Tische weiter und wir kommen ins Gespräch. Ich erfahre etwas über die Menschen, die hier leben, und er klagt darüber, dass die Region wirtschaftlich sehr schwach entwickelt ist. Viele sind ins Ausland gegangen, sagt er. Wie ist denn das Zusammenleben mit den Christen frage ich. „Hier gibt es keine Christen. Nur bei der Polizei und bei den Soldaten. Für die ist auch die Kirche“ sagte er mir. Wir plaudern noch etwas und dann verabschiede ich mich. Es freut mich, dass ich mal ein längeres Gespräch führen konnte. Meinen Elliniko darf ich nicht bezahlen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15604" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-08.jpg" alt="" width="1024" height="577" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-08.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-08-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-08-768x433.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-08-450x254.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-08-500x282.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />In dem abgelegenen Dorf Glavki trinke ich mal wieder einen Elliniko und treffe Hassan. Er bemerkt sofort, dass ich Deutscher bin und spricht mich an. Er arbeitet in Frankfurt am Flughafen und besucht gerade seine Familie im Heimatdorf. Später kommt seine Tochter mit Kind dazu. Sie ist in Deutschland aufgewachsen, hat aber vor 8 Jahren in Glavki geheiratet. Sie arbeitet von zu Hause aus in einem Call-Center. Mit dem Einkommen ist sie zufrieden. „Natürlich, es ist von allem etwas weniger, aber auch ruhiger“, sagt sie. Auch ihr Vater Hassan wird in 3 Jahren wieder in seinem Heimatdorf sein.  Meinen Elliniko darf ich auch hier nicht bezahlen. Nein, ein Foto darf ich nicht machen!</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15606" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-09.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-09.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-09-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-09-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-09-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-09-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />Die Landschaft hier oben in den Rhodopen ist fantastisch. Die Dörfer schmiegen sich an die Berghänge und alles sieht friedlich aus. Aber die Dörfer werden immer leerer. Sie leiden sehr unter der Abwanderung. Vor allem junge Leute wollen weg. So auch in dem schönen Dorf Médousa, mit der malerischen Steinbrücke. Es liegt nah an der bulgarischen Grenze und es ist auffallend ruhig. Es gibt kein Café und keine Taverne. An der Moschee hängt ein großes Schild mit dem Gruß: &#8222;Willkommen im Dorf des Ramadans&#8220;.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15608" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-10.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-10.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-10-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-10-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-10-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-10-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />Medousa wurde lautmalerisch von dem pomakischen Namen Memkova oder Memkovo abgeleitet. Im Zuge der Fusionen von Gemeinden und Kommunen in den Jahren 1996/1997 wurden zahlreichen Ortschaften künstliche Namen vergeben. Die osmanische Bogenbrücke hat jedoch ihren traditionellen Namen Memkovo-Brücke beibehalten.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15610" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-11.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-11.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-11-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-11-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-11-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-11-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />Zwei Männer, die mich beim Fotografieren beobachten sprechen mich an. Obwohl ich nicht danach frage erzählen sie gestenreich von dem harten Leben im Dorf. Als ich fragte wie die Straße weitergeht antworteten sie mir: „Hier ist die Straße zu Ende. Nach Kottani geht nur noch ein Feldweg. Aber was willst du da? Da gibt es mehr Hunde als Menschen“.</p>

<a href='https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/attachment/pom-12/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="662" height="372" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-12.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-12.jpg 662w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-12-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-12-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-12-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 662px) 100vw, 662px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/attachment/pom-13/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="663" height="372" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-13.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-13.jpg 663w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-13-300x168.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-13-450x252.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-13-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 663px) 100vw, 663px" /></a>

<p>Beim Fahren von Dorf zu Dorf sehe ich ab und zu Leute, die Tabak anpflanzen. Kleine Felder direkt am Straßenrand. Seitdem die EU den Tabak nicht mehr subventioniert wird nur noch wenig industriell angebaut. Ismail sagte mir, er mache es immer noch, obwohl es nicht viel bringt. Seinen Ertrag verkauft er an kleine Betriebe, die noch Orienttabak exportieren. Wenn es ausreichend regnet kann er in 2 Monaten ernten, freut er sich. Ich darf seine Frau auf dem Feld fotografieren.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15616" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-14.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-14.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-14-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-14-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-14-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-14-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />Das Einkommensgefälle zwischen den Pomakendörfern und den Städten ist groß. Das Siedlungsgebiet in den Rhodopen gehört zu den am geringsten entwickelten Regionen Griechenlands.  Es zwingt die Jugendlichen geradezu in die Fremde zu gehen. Aber die muslimische Minderheit und die lokalen Griechen verstehen sich besser als manche Politiker es sehen wollten. Die Politik ließ die Pomaken nämlich spüren, dass die in der Türkei verbliebenen Griechen nicht gut behandelt wurden. Dass man gut miteiander auskommt spürt man auch auf dem bunten Basar, der jeden Samstag in Xanthi stattfindet.</p>

<a href='https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/attachment/pom-15/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="663" height="372" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-15.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-15.jpg 663w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-15-300x168.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-15-450x252.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-15-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 663px) 100vw, 663px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/attachment/pom-16/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="662" height="372" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-16.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-16.jpg 662w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-16-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-16-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-16-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 662px) 100vw, 662px" /></a>

<p>Hier trifft sich ein buntes Völkergemisch aus Griechen, Türken, Pomaken und Bulgaren. Aber auch die Touristen haben den großen Markt schon entdeckt. Gemüse aus den Pomakendörfern, Obst aus Bulgarien und Billig-Textilien aus der Türkei. Alles wird lautstark angepriesen, Feilschen gehört unbedingt dazu. Manche Händler haben ein Auge dafür, wer von wo herkommt, und wollen ihre Sprachkenntnisse unbedingt anbringen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15622" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-17.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-17.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-17-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-17-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-17-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-17-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />Es ist eine multikulturelle Szene, die man auch in der Stadt wiederfindet. Da stehen Kirchen und Moscheen friedlich beieinander, wie die christlichen und muslimischen Händler auf dem Basar. Und das Publikum in den Cafés ist auch gemischt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-full wp-image-15624" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-18.jpg" alt="" width="1024" height="576" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-18.jpg 1024w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-18-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-18-768x432.jpg 768w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-18-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-18-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" />In der Altstadt gibt es einen Stilmix aus gut restaurierten Herrenhäusern, ehemaligen Tabakspeichern und neueren Gebäuden. Im letzten Jahrhundert brachte der Tabakhandel der Stadt Reichtum und Wohlstand. Tabak wurde im Nordosten Griechenlands schon vor Jahrhunderten angebaut. Und besonders in der Gegend rund um Xanthi. Was den Bauern ein bescheidenes Einkommen brachte, machte die Tabakbarone in Xanthi und Kavala reich. Prächtige Herrenhäuser früherer Tabakhändler lassen den damaligen Wohlstand erahnen.</p>

<a href='https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/attachment/pom-19/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="669" height="376" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-19.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-19.jpg 669w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-19-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-19-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-19-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 669px) 100vw, 669px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/attachment/pom-20/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="662" height="372" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-20.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-20.jpg 662w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-20-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-20-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-20-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 662px) 100vw, 662px" /></a>

<p>Ein imposantes Haus baute sich auch der jüdische Tabakhändler Isaak Daniel. Ein dreistöckiges Gebäude mit viel Wohn- und Lagerfläche. Er hatte mit dem Tabak ein Vermögen gemacht, und irgendwann überließ er das Haus der Stadt. Es wurde verpachtet und vermietet. Auch die Eltern des berühmten Komponisten Manos Chatzidakis mieteten sich hier ein. Und am 23. Oktober 1925, kam Manos hier zur Welt. Einige seiner Melodien kennt man ja auch in Deutschland. Zu Ehren des berühmten Komponisten wurde das Haus im Jahre 2000 aufwändig restauriert. Es dient seitdem als öffentliches Kulturzentrum und Museum.</p>

<a href='https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/attachment/pom-21/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="662" height="372" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-21.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-21.jpg 662w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-21-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-21-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-21-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 662px) 100vw, 662px" /></a>
<a href='https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/attachment/pom-22/#main'><img loading="lazy" decoding="async" width="662" height="372" src="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-22.jpg" class="attachment-full size-full" alt="" srcset="https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-22.jpg 662w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-22-300x169.jpg 300w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-22-450x253.jpg 450w, https://medien.diablog.eu/2025/09/pom-22-500x281.jpg 500w" sizes="auto, (max-width: 662px) 100vw, 662px" /></a>

<p>Heute lebt die Universitätsstadt Xanthi vorwiegend vom Tourismus. Über die Geschichte des  Tabakanbaus will ich mehr erfahren, wenn ich mich in Kavala umsehe.</p>
<hr />
<p>Lothar A. Hoppen und seine Homepage <a href="https://foto-spuren.de/?page_id=2288">hier</a><br />
Lothar A. Hoppen auf diablog.eu <a href="https://diablog.eu/reise/die-verbannungsinsel-gyaros/">hier</a><br />
Kavala und die Austro-Hellénique auf diablog.eu <a href="https://diablog.eu/reise/kavala-und-die-austro-hellenique/">hier</a> und <a href="https://diablog.eu/reise/kavala-und-die-austro-hellenique-teil-2/">hier</a><br />
Zu der Umbenennung von Ortsnamen in Griechenland <a href="https://diablog.eu/alltagskultur/operation-umbenennung-antike-hui-neuzeit-pfui/">hier</a></p>
<p class="textinfo"><em>Text und Fotos: Lothar A. Hoppen. Redaktion: A. Tsingas.</em></p>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://diablog.eu/reise/bei-den-pomaken-in-thrakien/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
