Ein alternatives Kloster

Artikel von Thanassis Tsingas

Ein griechisch-orthodoxes Kloster in der thessalischen Ebene wird zum ökologischen Vorzeigemodell. Äbtissin Diodora leitet eine Gemeinschaft aus Nonnen und internationalen Gästen, die ein nachhaltig wirtschaftendes soziales Modell entwickeln will. Unser Redaktionsmitglied Thanassis Tsingas berichtet über dieses Pilotprojekt.

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Kloster Agios Georgios „Karaiskakis„, ©www.paradiesgarten-ev.com

Das Kloster des Hl. Georg „Karaiskakis“ liegt oberhalb des Dorfes Mouzaki – im NW der Stadt Karditsa – am Westrand der thessalischen Ebene. Inmitten dichter Bergwälder lag eine historische Klosteranlage. Von ihr existiert nur noch die innen vollständig ausgemalte Kirche aus dem 16. Jahrhundert. Alle anderen Gebäude wurden Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre abgerissen – das Los von altem Baubestand in diesen Jahrzehnten überall in Europa.

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Kloster Agios Georgios „Karaiskakis„, ©www.paradiesgarten-ev.com

Zu Beginn der 1970er Jahre wurde ein Priesterseminar hochgezogen, das dann aber viele Jahre leer stand, bis 2003 Nonnen aus Theben kamen, gesandt vom Metropoliten Theoklitos, um das Kloster des Hl. Georg wieder mit Leben zu füllen. Heute leben hier etwa 30 Nonnen, die zwischen 20 und 80 Jahre alt sind. Die jüngste der drei Wunschnovizinnen ist erst dreizehn und geht noch zur Schule.

Die Nonnen kommen aus aller Welt: Aus den USA, Russland, Lettland, Georgien, Israel, Norwegen, aus Großbritannien und Frankreich, aus Bangladesch, der Ukraine und der Schweiz, natürlich aus Griechenland und auch aus Deutschland – wie die Äbtissin Diodora, die die Geschicke des Klosters leitet.

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Kloster Agios Georgios „Karaiskakis„, ©www.paradiesgarten-ev.com

Das Kloster nimmt Jugendliche und junge Erwachsene auf, die von März bis November im Rahmen des Freiwilligendienstes oder als Zeit der Orientierung am Aufbau des Klosters mithelfen wollen. Aber auch Erwachsene, die am Leben in einem Kloster interessiert sind und ihre Talente einbringen möchten, sind herzlich willkommen.

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Ikonenwerkstatt, Kloster Agios Georgios „Karaiskakis„, ©www.paradiesgarten-ev.com

Kommunikationssprachen sind vor allem griechisch, aber auch englisch, deutsch, französisch und russisch. Alle Gäste können Verantwortung übernehmen, in einem gemeinnützigen Projekt ohne Gewinnorientierung aktiv mitarbeiten und dabei die eigenen Fähigkeiten und Grenzen ausloten. Die Einsatzbereiche sind weit gefächert: Hilfe bei Alltagsarbeiten in Haus und Küche, im Schaf- und Ziegenstall, in der Käserei, beim Sammeln und Hacken von Holz für die Heizung, in der Holzwerkstatt, beim Beete anlegen, Bäume pflanzen und Holzzäune bauen, beim Versorgen von alten und pflegebedürftigen Menschen, die im Kloster leben – und dabei erhält man Einblick in das Alltagsleben eines orthodoxen Klosters.

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Heizung, Kloster Agios Georgios „Karaiskakis„, ©www.paradiesgarten-ev.com

Zudem können sie das griechisch-orthodoxe Christentum und Mönchtum und dessen Spiritualität kennenlernen, u.a. durch die Teilnahme am Gottesdienst einer jungen, internationalen Schwesternschaft. Im Kloster des Hl. Georg herrscht eine Atmosphäre heiterer Gelassenheit.

Geistlicher Vater und Gründer der Gemeinschaft ist Archimandrit Dionysios, Abt des Klosters Petra in Katafigi in Karditsa, der viele Jahre als Asket in den Meteoraklöstern und auf dem Hl. Berg Athos verbrachte und Abt des Heiligen-Kreuz-Klosters in Jerusalem war. Geistliche Mutter ist Äbtissin Diodora.

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Gemüsegarten, Kloster Agios Georgios „Karaiskakis„, ©www.paradiesgarten-ev.com

Zu Fest- und Feiertagen und an allen Sonntagen werden die – meist griechischen – Besucher bewirtet; eine gute Gelegenheit, neue Menschen kennenzulernen und den eigenen Horizont zu erweitern. Diese Zeit im Kloster kann eine wertvolle Erfahrung werden!

Das Kloster hat das Bestreben, möglichst autark zu werden. 2011/12 wurde eine neue Heizungsanlage installiert. Grundgedanke war, vom teuren Heizöl unabhängig zu werden. Da das Kloster über Waldgebiete verfügt, war eine Stückholzheizung eine kostensparende Lösung, die ausgesprochen gut und effizient funktioniert. Die Solarzellen auf dem Hauptgebäude könnten ausgebaut werden, so dass sie ganzjährig Warmwasser bereiten könnten. Die Gemüse-, Obst-, Beeren- und Kräutergärten werden ökologisch bewirtschaftet. Viele Kräuter werden zu Salben und Tinkturen verarbeitet.

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Auferstehungsfeier im Kloster Agios Georgios „Karaiskakis„, ©www.paradiesgarten-ev.com

In der modern ausgerüsteten Käserei werden Milchprodukte, vornehmlich Feta-Käse, Joghurt und Kefir hergestellt. Die Milch stammt von den klostereigenen Ziegen und Schafen, die von den Nonnen auf die Weiden getrieben und von fähigen (und verspielten) Wachhunden gehütet werden. Dazu gibt es noch freilaufende Hühner, Enten, Gänse und einige Schweine.

In der kleinen Schneiderei werden Kirchentextilien und liturgische Gewänder geschneidert und bestickt, in der Ikonenwerkstatt wird das Handwerk der Ikonenmalerei lebendig gehalten. In der Holzwerkstatt wird repariert und instandgesetzt, außerdem werden neue Möbel für den klösterlichen Bedarf hergestellt.

All diese Bereiche sind jedoch ausbaufähig, jede helfende Hand ist willkommen.

Zimmer 360

©www.paradiesgarten-ev.com

Die Gäste sind in einfachen Mehrbettzimmern untergebracht, die Mahlzeiten werden gemeinsam im Speisesaal eingenommen. Nonnen, Novizinnen und Gäste verbringen auch einen Teil ihrer Freizeit miteinander: Es werden z.B. gemeinsame Ausflüge zu den berühmten Meteoraklöstern und dem großen Plastira-Stausee gemacht. Das Kloster plant, Wanderungen in der faszinierenden Natur der umliegenden Berge anzubieten.

Adresse:
Kloster des Heiligen Georg „Karaiskakis“
GR 43060 Mavrommati, Karditsa /Griechenland

Informationen sind über die deutschsprachige Webseite des Fördervereins zu beziehen www.paradiesgarten-ev.com oder über die Leiterin des Klosters Äbtissin Diodora (deutscher Herkunft): abbess.diodora@fhc.org in deutscher oder englischer Sprache

Literatur: 2010 erschien das Buch der Redakteurin des ZEIT-Magazins llka Piepgras „Meine Freundin, die Nonne“. Sie war Kinder- und Schulfreundin der Äbtissin Diodora. Zwanzig Jahre nach ihrer letzten Begegnung besucht Ilka ihre Freundin. Es wird eine Reise in die Vergangenheit und zugleich eine Suche nach Spiritualität in der heutigen Zeit.

Ein Vorabdruck des Buchs im ZEIT-Magazin bekam 2008 den katholischen Medienpreis.

Text: Thanassis Tsingas. Fotos: www.paradiesgarten-ev.com

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