Athos – Die Farben des Glaubens

Interview mit Stratos Kalafatis, Fotograf

Ausstellungseröffnung am 11.12. in der Griechischen Kulturstiftung Berlin: Der Fotograf Stratos Kalafatis reiste 25 Mal in die Mönchsrepublik, um nach dem Phänomen zu suchen, das wir Glauben nennen. Und er hat ihn in den Gesichtern der betagten, viel geprüften Mönche, aber auch in den frischen Mienen der jungen Zöglinge gefunden. Unser Redaktionsmitglied Paschalis Tounas sprach mit dem Fotografen Stratos Kalafatis über sein Athos-Projekt, an dem er fünf Jahre lang gearbeitet hat.

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Wie sind Sie zum Fotografieren gekommen? Seit wann beschäftigen Sie sich mit den Geheimnissen, die die Dunkelkammer birgt?

Ich war noch Schüler, als ich meine ersten fotografischen Versuche begann. Und ich blieb dabei, weil es ein leicht zugängliches Ausdrucksmittel war und weil mich seine Schnelligkeit faszinierte. Fast gleichzeitig wurde ich in den Zauber der Dunkelkammer eingeweiht – eine gemeinsame Erfahrung und ein praktisches Werkzeug für die Fotografen damals.

Worauf konzentriert sich Ihr fotografische Interesse? Haben Sie sich einem besonderen Genre verschrieben? Wie würden Sie Ihre persönliche künstlerische Handschrift beschreiben?

Ich würde mich unter die „Autoren“ unter den Fotografen einordnen, da die fotografische Erzählung für meine Arbeitsweise sehr wichtig ist. In den meisten meiner Projekte gibt es einen klaren Bezug zu geschlossenen, besonderen Gemeinschaften, die ganz bestimmten Verhaltensmustern unterliegen. Ein typisches Beispiel ist mein Werk „Saga“, das sich auf eine japanische Landschaft bezieht, weiters eine narrative Einheit, die in der Gemeinschaft des Body Buildings spielt und gewiss auch die Serie der Athos-Bilder.

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„Athos- Die Farben des Glaubens“ ist der Titel eines fotografischen Projekts, das nach dem Erfolg in Griechenland nun auch ins Ausland reist, unter anderem auch nach Berlin. Welche Farben hat denn nun der Glaube?

Seine Farben sind so unendlich viele, wie es Menschen gibt, die sich auf den Weg gemacht haben, die Bedeutung des Göttlichen über den Glauben zu suchen und wahrzunehmen.

Warum haben Sie sich gerade in der Mönchsrepublik Athos dieser Frage gestellt?

Weil man sich dort am längsten schon dem Klosterleben weiht. Und weil dieser faszinierende Ort jeden Fotografen magisch anzieht.

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Sie arbeiten in all Ihren Projekten gern mit Farben und mit Licht. Ist die Farbigkeit typisch für unsere Zeit? Oder verbirgt sich etwas anderes dahinter?

Die Farbe ist ein mächtiges Forminstrument, das man einfach nicht übergehen kann. Gleichzeitig ist die Art, wie ich Farbe in meinen Bildern einsetze, grundlegend für mein gesamtes Werk. Als ich meine Reise auf den Berg Athos begann, hatte ich fest vor, meinen optischen Vorlieben treu zu bleiben. So hat die Farbe ihre wichtige Rolle in meinen Arbeiten einfach beibehalten.

Kernthema Ihres Athos-Projekts sind die Porträts von Mönchen, die in ihrem Lebensumfeld aufgenommen wurden. Auch in anderen Werkeinheiten, wie z. B. in „Journal“, haben Sie immer wieder Porträtaufnahmen eingesetzt. Hat dieses Genre für Sie eine besondere Bedeutung?

In all den Jahren habe ich eine besondere Zugangsweise zu Menschen entwickelt, denen ich mich auf diese Art und Weise annähere und deren Gesichter ich abbilde. Das alles ist eine notwendige Voraussetzung für die Geschichten, die ich erzählen möchte. Im Mittelpunkt steht immer der Mensch, das heißt im Grunde das Leben selbst.

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Bemerkenswert sind die Kreuze, die Sie fotografiert haben. Dazu bemerken Sie, das seien „historische Zeugnisse“. Sehen Sie also die Fotografie auch als Form einer historischen Dokumentation?

Die Serie mit den Kreuzen bildet eine typologische Einheit in meinem Athos-Projekt. Die Fotografie dient des Öfteren verschiedenen Bedürfnissen, je nachdem, wofür man sie verwendet. Meine Absicht ist eigentlich immer, meinen eigenen Blick auf die Dinge zu manifestieren. Also könnte man höchstens von einem persönlichen (und nicht von einem objektiven) historischen Dokument sprechen.

Ihr Athos-Projekt ist im Athener Agra-Verlag als Buch herausgekommen, mit einem Vorwort Ihrerseits und einem Text des Kunstkritikers Xydakis. Glauben Sie, dass die Fotografie, kombiniert mit Text, noch narrativer wirkt und damit ein größeres Publikum erreichen kann?

Im Grunde, nein. In der Ausstellung habe ich mich ganz bewusst gegen Bildunterschriften entschieden. Befreit vom Wort erfüllt die Fotografie ihren Zweck besser und ermöglicht eine ganz persönliche Kommunikation mit jedem einzelnen Betrachter. Dennoch kann ein guter, grundlegender Text in einer Buchpublikation unterstützend wirken.

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Bis jetzt sind zu vier Ihrer Projekte Bildbände herausgekommen. Wie sieht es mit der Resonanz auf Fotobände aus?

Wir sprechen von einem sehr speziellen Publikum. Und besonders, was Griechenland betrifft, von einem entsprechend geringen Prozentsatz der Bevölkerung. Trotzdem bildet so eine Publikation eine geglückte und geeignete Präsentationsform für jede Art von fotografischen Arbeiten. Gerade heutzutage ist es wichtig, dass ein Verlag wie Agra solche Unternehmungen unterstützt. Ich bin dem Verleger Stavros Petsopoulos und auch dem Sponsor „Dromos tou Tsagiou“ dankbar, die beide diese Edition ermöglicht haben.

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Bereiten Sie gerade etwas Neues vor? Entwickelt sich ein nächstes Projekt?

Es handelt sich um eine große fotografische Arbeit, die sich parallel zu allem anderen entwickelt, was ich in den letzten Jahren gemacht habe. Seit 2004 arbeite ich an einem Porträt des zeitgenössischen Griechenland, das von der Illusion der Olympiade ausgehend bis heute reicht. Ich hoffe, das ich diese neue Einheit von Bildern bald präsentieren kann. Gleichzeitig bereite ich eine weitere fotografische Reise in die winterliche Ägäis vor. Mit dem Agra-Verlag planen wir eine Edition, in die auch ältere Bilder einfließen können, die bei der Architekturbiennale in Venedig gezeigt wurden.

Fotos: Stratos Kalafatis

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