Der Mensch ist systemrelevant

Eine Stellungnahme von Michaela Prinzinger

Der Mensch ist systemrelevant. Wir sind aufeinander angewiesen. Es müssen Zeichen gesetzt werden. Der Maler Peter Foeller hat das bereits im Mai 2014 getan, als er seine Nachbarn im kretischen Dorf Plora zu einem kollektiven Mal-Event einlud. Dabei ist das Bild „Elpida“/ „Hoffnung“ entstanden.

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Malworkshop Plora, ©Claudia Zeuke-Foeller

Fast ein Jahr später, im März 2015, war das Kunstwerk dann ausgereift. Bei seiner jüngsten Ausstellung in Heraklion wurde es, zusammen mit dem Entstehungsprozess, gezeigt und auch die Nachbarn waren bei der Eröffnung dabei.

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Malworkshop Plora, ©Claudia Zeuke-Foeller

Wer die letzten Monate und Wochen in Politik und Medien verfolgt hat, kann nicht umhin, nach Alternativen des Umgangstons zu suchen. diablog.eu möchte Vorreiter sein in einem Dialog auf Augenhöhe, von Mensch zu Mensch, von Sprache zu Sprache. Es kann nicht sein, dass Europa auf den Euro reduziert wird.

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Malworkshop Plora, ©Claudia Zeuke-Foeller

Wir müssen gegenhalten – gegen die Übermacht von Metaphern, die unser Denken blockieren. Worte wie Schuld und Schulden, Gläubiger und Glaube rücken die Debatte in einen quasireligiösen Kontext. Der Tanz um das Goldene Kalb hat obszöne Ausmaße angenommen.

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Malworkshop Plora, ©Claudia Zeuke-Foeller

Kunst darf moralisch sein, ja, sie muss es sogar sein. Sie ist ein Musterbeispiel einfühlenden Denkens und Handelns. Sie kann Gemeinschaft herstellen. Sie reduziert das Überflüssige auf das Wesentliche. Davon können wir viel lernen.

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Malworkshop Plora, ©Claudia Zeuke-Foeller

Kunst kann eine verborgene, übertünchte Botschaft wieder sichtbar machen. So ist es dem Künstler mit dem Bild „Elpida“ ergangen. Im Zuge eines Festes im Garten seines Hauses in Plora leistete jeder seinen Beitrag zu diesem Gesamtkunstwerk. Die meisten Nachbarn hielten nach den Kinderjahren zum ersten Mal in ihrem Leben wieder Farbe und Pinsel in der Hand.

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Malworkshop Plora, ©Claudia Zeuke-Foeller

Mit der Unschuld der Unerfahrenheit haben sie Blumen gemalt und die Sonne mit dem Friedenszeichen, irgendeiner hat das Wort „Hoffnung“ geschrieben, ein anderer den kleinen Vogel gezeichnet, der über dem Wort schwebt. Der kleine Vassilis setzte den Abdruck seiner Hand auf die Leinwand.

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Malworkshop Plora, ©Claudia Zeuke-Foeller

Dann kam einer, der das Wort „Hoffnung“ mit dunkler Farbe übermalt und dem ganzen Bild einen düsteren Stempel aufgedrückt hat. Damit endete die Mal-Sitzung fürs erste. Das Düstere verkörperte die Lethargie und Resignation, die sich im Dorf breitgemacht hatten.

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Malworkshop Plora, ©Claudia Zeuke-Foeller

Dann ruhte das Bild ein paar Monate lang. Der Künstler hat es immer wieder betrachtet und versucht, die ursprüngliche Botschaft unter der Tünche zu entziffern. Schicht für Schicht hat er abgetragen und das Wort freigelegt.

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Elpida_1, ©Claudia Zeuke-Foeller

Diese Geschichte ist kein Märchen, obwohl sie so klingt. Wir alle haben es in der Hand, solche Märchen zu schaffen.

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Elpida_2, ©Claudia Zeuke-Foeller

Text: Michaela Prinzinger. Fotos: Claudia Zeuke-Foeller. Das Video zur Entstehung des Bildes finden Sie hier.

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3 Gedanken zu “Der Mensch ist systemrelevant

  1. Danke, Dir lieber Peter und Deiner Familie und weiter so!

    eine Nachbarin aus Vasiliki und Landshut

    Liana

  2. Europa i s t nicht auf den Euro reduziert, noch nicht mal auf die EU. Ein Kurzschluss, der gerne vorgenommen wird, sogar von der Kanzlerin. In aller Regel ist es doch so, dass sich die „Völker der Welt“ bestens verstehen, jedenfalls ihre denkenden Vertreter und vor allem jene aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Die aus der Politik sind es, die ein konfrontatives Eigenleben führen und sich gleichzeitg anmaßen, mit ihren Ideologien, Prinzipien und Interessen ihre jeweilige Bevölkerung zu vertreten. Da wackeln die Schwänze mit den Hunden. Lassen wir uns das nicht bieten! Deshalb sind solche Initiativen wie diese so wichtig, immer und immer wieder und überall.

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