Der Vater auf dem Wehrmachtsfoto

Ein essayistischer Bericht von Ulrich Kleemann

Griechenland und Deutschland im 2. Weltkrieg: Ein Thema, das Wissenschaftler, Autoren und bildende Künstler gleichermaßen interessiert. Zwischen 27.10. und 8.12. organisiert das Centrum Modernes Griechenland eine Vortragsreihe zum Thema „Griechenland unter deutscher Besatzung (1941-44)„. Zwischen 9. und 13.11. erzählen junge griechische Künstler in Thessaloniki in der Ausstellung „Deine Geschichte„ die Geschichten ihrer Großeltern neu. Aber was passiert, wenn jemand seinen Vater in Wehrmachtsuniform auf einer alten Fotografie zu erkennen glaubt, die in Griechenland aufgenommen wurde? Der Journalist Ulrich Kleemann hat sich der Frage gestellt und ist auf unerwartete Antworten gestoßen. Die Illustrationen stammen aus Sascha Windolphs Naxos-Serie.

Diki sou istoria

Ich sehe die historische Aufnahme  eines Massakers der Wehrmacht auf Kreta in einer Fernsehsendung und erkenne meinen Vater. Intuitiv bin ich mir sicher, dass er es ist.
Ich weiß: mein Vater war auf Kreta und er hat Zeit seines Lebens etwas mit sich herumgetragen, über das er nicht sprechen konnte. Nur ein Datum hat er genannt. An diesem Tag sei „etwas ganz Schlimmes“ passiert.

Auf dieses Datum stoße ich, als ich im Internet nach Informationen über das Wehrmachtsfoto aus dem Fernsehen suche. Mir ist sofort klar: Ich will nicht schweigen. Der persönliche Bezug zu dem alten Foto öffnet mich emotional für den Schrecken, den das Bild transportiert. Und dabei spüre ich auch die besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber den Griechen. Das schreibe ich auf.  Kurz nachdem mein Artikel bei n-tv.de online geht, klingelt  das Telefon. Der Anrufer sagt mir: Der Schütze sei sein Opa. Er sei ganz sicher. Ich bin baff, rufe den Artikel zurück.

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

Wenn der Schütze nicht mein Vater ist, wie glaubwürdig kann ich dann noch sein? Kann ich Falsches sagen und doch aussprechen, was wahr ist? Ein Dilemma. Ich mache mir bewusst:  Die tiefe Betroffenheit, die mich zum Schreiben bringt, ist über jeden Zweifel erhaben. Sie ist authentisch. Und diese Betroffenheit teile ich mit dem Anrufer. Aber er darf nicht reden. Denn die Familie will die Ehre des längst Verstorbenen wahren.

Bei der Fernsehsendung handelt es sich um die denkwürdige Günther-Jauch-Sendung mit Griechenlands Finanzminister Varoufakis im März. Ich war zutiefst erschüttert und wusste sofort,  ich muss mir diese Geschichte von der Seele schreiben. Denn das Schweigen der im Krieg traumatisierten Väter und Mütter war und ist für deren Nachkommen alles andere als heilsam.

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

Also beginne ich zu schreiben:
Was, wenn ich mich im Gesicht des Schützen erkenne? Was, wenn ich erkenne: Der Schütze ist mein Vater? Mein Vater, als junger Mann. Keine 21 Jahre ist er alt, damals auf Kreta, im Sommer 1941. Sie haben ihm und seinen Kameraden befohlen, zu töten. Unschuldige Zivilisten zu töten. Ich habe mir die Günther-Jauch-Sendung erst zwei Tage nach Ausstrahlung in der Videothek angeschaut. Normalerweise erspare ich mir Talk-Shows. Aber wegen Varoufakis wollte ich die Sendung sehen. Der Mann bringt vieles auf den Punkt, was bei uns gerne schon mal unausgesprochen bleibt. Daher hat er meine Sympathien.

Auf dem Tablet kann ich jedes Video stoppen und zurückfahren, um mir Inhalte noch einmal zu vergegenwärtigen. Dass ich diese Funktion einmal nutzen würde, um meinen 2008 verstorbenen Vater auf einem Foto bei Günther Jauch zu identifizieren, hätte ich mir nicht träumen lassen. Er bestimmt auch nicht. Aber genau so war es. Der Einspielfilm zur Frage der griechischen Reparationsforderungen ist nur kurz, doch als eine erklärende Grafik zu den Gräueltaten der Deutschen in Griechenland eingeblendet wird, taucht dieses Themenbild auf: Der Wehrmachtssoldat mit angelegtem Gewehr.

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

Dieses Gesicht unter dem Stahlhelm – es kommt mir sofort vertraut vor. Ich stoppe, fahre zurück, mache schnell ein Bildschirmfoto. Es ist mehr als eine Ahnung. Doch im Moment will oder kann ich nicht anders: Bevor ich dieses Fass aufmache, will ich die Sendung noch zu Ende schauen.

Erst danach schaue ich genau hin. Kein Zweifel, es ist Vater. Bis ins hohe Alter hat er etwas  Jungenhaftes in seinen Zügen bewahrt. Außerdem kenne ich die alten Fotos: Er und seine Kameraden – an der Westfront, auf dem Balkan, in Griechenland, auf Kreta. Auch diese Hände kenne ich, die linke Hand am Gewehrlauf, die rechte mit dem Zeigefinger am Abzug. Vater hatte große Hände. Er konnte zupacken, und er musste das schon früh. Er war der älteste Sohn einer Bauernfamilie aus dem Hunsrück. Die Hunsrück-Bauern gehörten nie zu den Begünstigten, wie zum Beispiel die Bauern im Münsterland. Mein Opa kam bei einem Grubenunglück ums Leben. Er wurde keine vierzig Jahre alt.

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

Zurück blieb die Witwe mit vier Kindern, zwei Jungen, zwei Mädchen. Ein paar Kühe und Kleinvieh, ein paar Wiesen und Felder. Alle mussten anpacken, hart arbeiten. Es musste ja irgendwie weitergehen. Mit den Nazis wollte die Familie nichts zu tun haben. Als einer der Dorf-Nazis kam, um meinen Vater in die Hitlerjugend zu holen, hat ihn meine Oma hochkant rausgeworfen. Selbst die Drohung,  der Junge  werde keinen Ausbildungsplatz bekommen, konnte diesen Rausschmiss nicht verhindern. Immer, wenn ich diese alte Familienanekdote erzähle, spüre ich eine gewisse Genugtuung.

Mein Vater bekam einen Ausbildungsplatz und er hat sich im Laufe seines langen Lebens dann noch ganz schön hochgearbeitet.  Aber mit 19 Jahren gab es auch für ihn kein Entrinnen. Er musste zur Wehrmacht. Und nur ein Jahr später, im Juni 1941, ist er auf Kreta und muss auf Befehl unschuldige Menschen ermorden. Hatte er eine Wahl? Ein zwanzigjähriger Bauernjunge, hätte er Widerstand leisten können?

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

Ich bin voller Mitgefühl – für ihn, für die unschuldigen Opfer. Schlagartig ist für mich alles anders. Ich gebe zu, auch ich habe zuletzt öfters gedacht: Es muss doch endlich mal gut sein, so viele Jahre danach. Nein! Ich spüre: Es kann nicht gut sein, nicht für mich! Die Vergangenheit hat mich eingeholt. Ich bin der Sohn eines Kriegsverbrechers. Ich kann nichts dafür. Ich hatte keine Wahl. Und Vater? Er und seine Kameraden, sie wussten, was sie taten. Aber hatten sie eine Wahl? Was hätten sie tun können? Hätte Vater den Befehl verweigert, würde ich dann hier sitzen und schreiben?

Die Untaten, die mein Vater als junger Wehrmachtssoldat beging, hat er, wie viele andere seiner Generation, Zeit seines Lebens mit sich herumgetragen. Er konnte nicht sprechen. Nicht darüber.

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

All die anderen Geschichten vom Krieg, die unterhaltsamen meist unblutigen Abenteuergeschichten, die hat er immer wieder erzählt. Auch als die Familie sie längst nicht mehr hören wollte. Vater war MG-Schütze. Uns allen war  mehr oder weniger klar, was das zu bedeuten hatte. Nur manchmal wagte er sich bei seinen Erzählungen aus der Deckung, berichtete davon, wie er angeschossen und der Kamerad, der ihn am MG ablöste, kurz darauf erschossen wurde. Gräueltaten? Fehlanzeige! Die waren kein Thema. Nur einmal. Vater war schon längst über 80, als er mir ein Datum nannte. An dem Tag sei „etwas ganz Schlimmes“ passiert, sagte er mir. Was? Ich wollte die  Wahrheit erfahren. Er war kurz davor, es auszusprechen. Doch er brachte es einfach nicht über seine Lippen.

Ich bin nun auf dieses Datum gestoßen. Bei Wikipedia. Dort finde ich auch das Ausgangsbild für den TV-Einspieler. Das Foto hat  der  Wehrmachtsfotograph Peter Weixler am 2. Juni 1941 während des Massakers von Kondomari  auf Kreta gemacht. Das Bild befindet sich im Bundesarchiv.

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

2. Juni 1941 – Vater hatte  ein anderes Datum genannt. Den 14. September 1943. Was an diesem Tag geschah, auch darüber kann ich im Internet nachlesen. Am 14. September 1943 hat die Wehrmacht auf Kreta mehrere Dörfer ausgelöscht und mehr als vierhundert Zivilisten umgebracht. Das Massaker von Viannos. Ich bin erschüttert. Ich informiere meine Brüder. Jeder reagiert anders. Aber das gehört jetzt nicht hierher. Mir ist sofort klar, wie ich reagieren möchte: Schreiben. Sprechen. Auch Vater hat dann doch noch gesprochen, kurz vor seinem Tod, mit dem Krankenhauspfarrer, der ihm die Beichte abnahm. Der katholische Priester hat dem sterbenden alten Mann ganz sicher alle Sünden vergeben. Mir war damals schon klar, dass Vater die Geschichte hinter dem Datum nicht mit ins Grab genommen hat. Der Gedanke war tröstlich – auch ohne Details zu kennen.

Jetzt weiß  ich, worum es geht. Und auch mehr als siebzig Jahre danach fühle ich, der Nachgeborene, mich irgendwie mit verantwortlich, nicht schuldig, aber mit verantwortlich. Und ich denke an die Reparations-Forderung der Griechen. Die Massaker der Deutschen hätten sich tief eingebrannt in das kollektive Bewusstsein der Griechen, haben sie  mir sinngemäß in der Jauch-Sendung erzählt. Ich glaube zu spüren, was diese Worte bedeuten. Ganz sicher ist: Ich spüre dieses Mitgefühl nicht nur für den Mann, der mein Vater war, sondern auch für die griechischen Opfer und deren Nachkommen. Und dann denke ich daran, dass die Bundesregierungen herumgetrickst haben, um bloß  keine Reparationen an Griechenland zu zahlen.

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

Wie kann das sein? Wie kann es sein, dass zwar Banken gerettet, aber gleichzeitig weite Teile der griechischen Bevölkerung per Euro-Zonen-Spardiktat in die Armut getrieben werden? Ich beginne zu erahnen, warum Merkel und Schäuble in der griechischen Öffentlichkeit als Nazis verunglimpft werden. Nein, das ist nicht schön, und ich will das überhaupt nicht gutheißen, aber es wird für mich verständlicher. Ausgerechnet die Deutschen beharren so unbeirrbar auf dem Spardiktat. Ich möchte hier nichts schönreden. Die Griechen müssen tatsächlich auch vor der eigenen Tür kräftig kehren. Aber die Forderung Athens nach Reparationen sehe ich plötzlich mit anderen Augen. Ein dreistelliger Milliardenbetrag. Wenn das Geld Griechenland tatsächlich noch zusteht, warum sollte es dann jetzt, da das Land so tief in der Krise steckt, kein Mittel sein, um die Not zu lindern, um diese elende Schuldenfrage zum Wohle der Menschen zu klären? Das kann doch nicht so schwer sein. „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“, hat Merkel gerade erst verkündet. Wir sind den Griechen sehr viel schuldig. Mehr als wir mit Geld wieder gut machen könnten.

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

Es gibt wohl gute ökonomische Gründe dafür, die Reparationsfrage nicht wieder auf die Tagesordnung zu setzen. „Wer Geld für die Vergangenheit verlangt, ruiniert die Wirtschaftsleistung der Zukunft“, schreibt Ulrike Herrmann in der „taz“. Aus denselben Gründen ist  es aber auch sinnlos, Griechenland weiter auszubluten. Die von der Troika verordnete Medizin hilft dem Land nicht auf die Beine, sondern zwingt Griechenland nur immer tiefer in die Knie. Das ist keine abstruse These der Tsipras-Regierung. Das ist die traurige Wahrheit. Deutschland wäre nach dem Krieg nie auf die Beine gekommen, wenn es für den Schaden, den die Nazis über die Welt brachten, hätte aufkommen müssen. „Die Verwüstungen waren so groß, dass sie ohnehin niemals hätten bezahlt werden können – selbst wenn Deutschland fortan seine komplette Wirtschaftsleistung dafür abgeliefert hätte“, lese ich in der FAZ vom 14. April. Deshalb kam Deutschland nach dem Krieg weitgehend ungeschoren davon, was Reparationen betrifft. Auch meine Wirtschaftswunder-Kindheit dürfte diesem Umstand weitgehend geschuldet sein.

Von denen, die Deutschland regieren, wünsche ihr mir: Seid solidarisch und verhandelt nicht so beinhart mit den Griechen! Jetzt haben wir die Chance, etwas von dem Leid wieder gut zu machen, das Nazi-Deutschland den Griechen zugefügt hat. Schulden hin oder her – denkt an die Menschen, die Not leiden, die dringend unsere Solidarität brauchen! Und wenn das nicht reicht, denkt an Eure Väter, denkt an Eure Großväter! Was mir passiert ist, könnte auch Euch passieren!  Was, wenn Ihr Euch im Gesicht des Schützen erkennt? Was, wenn Ihr erkennt: Der Todesschütze ist Euer Vater oder Euer Großvater?

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

Dieser Text ist am Samstag, dem 20. Juni 2015, gegen Mittag bei n-tv.de erschienen. Der Text wird im Verlauf der ersten Stunden sehr gut gelesen und vielfach in den sozialen Netzwerken geteilt. Doch am Nachmittag erhalte ich einen überraschenden Anruf, der mich veranlasst, den Artikel zurückzurufen. Der freundliche Herr am anderen Ende der Leitung stellt sich mir als der Enkel  des Schützen auf dem Foto vor. Ihm sei es genauso  ergangen wie mir, als er seinen Opa  erkannt habe. Er wisse anhand seiner Recherchen, dass der Schütze sein Großvater sei. Details dazu sollten aber bitte nicht in die Öffentlichkeit gelangen. Die Familie wolle das nicht.  Da ist wieder das Schweigen!

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

Der Anrufer sagt mir, sein Opa sei Dachdecker gewesen, daher die großen Hände. Ich bin verblüfft. Mein Vater hat Zimmermann  gelernt. Der Großvater des Anrufers ist 1961 verstorben, er selbst sei 44 Jahre alt. Der Mann kennt seinen Großvater also nur von Fotos. Eines dieser Fotos schickt er mir per Mail. Das Porträt eines jungen Mannes in Uniform. Die Hände sind nicht im Bild. Dieses Gesicht erkenne ich nicht wieder unter dem Stahlhelm auf der historischen Aufnahme. Für mich ist und bleibt das mein Vater. Kann ich meinen Augen nicht trauen? Wohl möglich. Könnte jemand ein Interesse daran haben, dass mein Text nicht allzu viele Leser erreicht? Ich verwerfe diesen spontanen Gedanken. Die Mails, die ich noch erhalte, zeugen von dem aufrichtigen Bemühen des Anrufers, die ganze Wahrheit über seinen Großvater zu erfahren. Der Anrufer hat mir auch einen Tipp gegeben: Ich solle doch die Wehrmachtspersonalakte meines Vaters einsehen.

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

Das könne bis zu fünfzehn Monate dauern, erfahre ich bei der Deutschen Dienststelle (WASt) in Berlin. Viele Akten seien auch verloren gegangen. Es sei sehr schwierig, bis ganz hinunter an die Basis zu recherchieren, also bis zu den niedrigen Dienstgraden.
Er habe nie ganz hinunter recherchiert, sagt mir Prof. Heinz A. Richter am Telefon. Der inzwischen emeritierte Historiker der Universität Mannheim hat sich nur mit denen beschäftigt, die bei der Wehrmacht Befehle gaben – nicht mit den Empfängern. Richter ist Experte in Sachen Wehrmacht und Griechenland. Über die Operation Merkur hat er ein ganzes Buch geschrieben. Die Luftlandeschlacht um Kreta war für die Wehrmacht verlustreich. Das Massaker von Kondomari war eine spontane Racheaktion an der Zivilbevölkerung.

Deutsche Fallschirmjäger übten Vergeltung, weil viele ihrer Kameraden nach missglückter Landung von Zivilisten erschlagen, ihre Leichen zum Teil grausam verstümmelt wurden. Ein klarer Verstoß gegen die Genfer Konvention von 1929, die  den Umgang mit Kriegsgefangenen regeln sollte.

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Naxos-Serie, ©Sascha Windolph

Die Fallschirmjäger seien nach der Luftlandeschlacht abgezogen worden und nie wieder nach Griechenland zurückgekehrt, versichert mir Prof. Richter. Nach allem, was ich ihm berichte, kommt der Historiker zu dem Schluss, mein Vater sei kein Fallschirmjäger gewesen. Habe ich mich geirrt? Hat der Anrufer Recht? Tatsächlich hat mein Vater nie erwähnt, dass er Fallschirmspringer war. Aber er hat auch über andere Dinge nicht gesprochen. Zum Beispiel über die Ereignisse vom 14. September 1943.

Mache ich mich als Journalist unglaubwürdig, indem ich weiter schreibe, um den Artikel wieder zu veröffentlichen? Nein! Der Anrufer bestätigt zutiefst mein zentrales Anliegen, hervorgegangen aus der persönlichen Betroffenheit, die mich zum Schreiben gebracht hat. Es sind deutsche Väter und Großväter, die wir auf diesen historischen Aufnahmen sehen. Das ist das Entscheidende. Und daraus erwächst meines Erachtens Deutschlands besondere Verantwortung gegenüber den Griechen. Die Familie des Anrufers hat entschieden, ihr Wissen für sich zu behalten. Ich möchte dieses Schweigen brechen. Denn eines ist sicher: Das Wesentliche darf nicht verschwiegen werden.

Ulrich Kleemann arbeitet als Journalist und lebt in Berlin. Der gebürtige Düsseldorfer verließ das Rheinland Anfang der 90er-Jahre, um in der Hauptstadt beim damals frisch gegründeten Nachrichtensender n-tv anzuheuern. Kleemann hat zwei Söhne, ist passionierter Musiker und liebt das Mediterrane – auch Rotwein.

Sascha Windolph betreibt den Blog Kiosk der Demokratie, auf dem viele griechische Künstler vertreten sind: https://www.kioskderdemokratie.blogspot.com/?view=magazine.

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Ein Gedanke zu “Der Vater auf dem Wehrmachtsfoto

  1. danke !!
    eine sehr berührende geschichte !!
    ich kann nur ahnen , was fuer ein chaos entsteht bei dem anblick eines solchen fotos !!
    danke dass du es mit uns teilst !!

    alles liebe
    paula

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