Prinzinger, Michaela

Lebenslauf

Michaela Prinzinger, geb. in Wien, reiste 1979 zum ersten Mal nach Griechenland. Der Klang der Sprache, die Gestik und der Mutterwitz der Sprecher, die Landschaft und das Meer faszinierten sie so sehr, dass sie beschloss, Neugriechisch zu lernen. Statt einen „sicheren“ Job anzustreben, studierte sie an der Universität Wien Byzantinistik und Neogräzistik und Turkologie/Islamwissenschaft.

Ausgerüstet mit diesem soliden Grundwissen zog sie 1990 aus, um an der FU Berlin eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin anzutreten. Knapp nach dem Mauerfall hatte sie das Glück, die wechselvolle Geschichte dieser Stadt aus nächster Nähe mitzuerleben. Dort bot sich ihr die Gelegenheit, ihre Kenntnisse durch eigene Lehrtätigkeit zu erweitern, sich mit vergleichender Literaturwissenschaft und feministischer Literaturtheorie zu beschäftigen und eine Doktorarbeit über griechische „Frauenliteratur“ zu verfassen.

Nach einem Jahr als Stipendiatin an der Universität Princeton bewarb sie sich erfolgreich um Habilitationsstipendien. Die Jahrtausendwende wurde auch für Michaela Prinzinger zu einem Moment der Entscheidungen. Sie sah im universitären Bereich, angesichts mangelnder Mittelbaustellen, keine berufliche Perspektive und begann, sich in die Übersetzung von Literatur und Fachtexten sowie in das Gerichtsdolmetschen einzuarbeiten. 2001 wurde ihre Tochter Anna geboren, die sie „erdet“ und ihr Leben reicher und schöner macht.

Der Einstieg ins Literaturübersetzen erfolgte im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse 2001, als Griechenland Gastland war. Seit damals überträgt sie die Bücher des Erfolgsautors Petros Markaris ins Deutsche. Darüber hinaus hat sie zahlreiche griechische Autorinnen und Autoren für Kultur- und Literaturzeitschriften übersetzt. Sie arbeitet regelmäßig mit großen Publikumsverlagen wie Suhrkamp/Insel und Diogenes zusammen. Es ist ihr ein Anliegen, die Wahrnehmung der Übersetzerinnen und Übersetzer als kulturelle Brückenbauer und geistige Urheber zu stärken. Als Moderatorin von Lesungen und als Festivalkuratorin hat sie zudem Erfahrung in der Kulturvermittlung gesammelt.

Im Herbst 2013 kam ihr die Idee, eine zweisprachige Kulturplattform ins Leben zu rufen. Nach neunmonatiger geistiger Schwangerschaft wurde das Kind im August 2014 aus der Taufe gehoben, wird seitdem gut genährt, wächst und gedeiht prächtig. Durch dieses Projekt hat sie in eine Vision investiert und ist dabei, eine große Menge an symbolischem Kapital anzuhäufen, das tausend Mal mehr wert ist als das Kapital, hinter dem die Menschheit üblicherweise hinterherjagt. Sie möchte ein Netzwerk schaffen, das innovative und kreative Menschen verbindet. Und sie möchte durch die Artikel und Informationen dieses Portals bleibende, nachhaltige Werte schaffen. Statt ihr Erspartes in eine unbewegliche und auch nur vermeintlich sichere Immobilie zu stecken, investiert sie lieber in ein Gemeinschaftsprojekt, das viele Menschen anspricht.

Porträt Prinzinger, ©Lia Goudousaki

Porträt Prinzinger, ©Lia Goudousaki

Daten

Autorin und Übersetzerin
geb. 1963 in Wien
lebt in Berlin

Website: michaela-prinzinger.eu

Werk (Auswahl)

1997   Mythen, Metaphern und Metamorphosen. Weibliche Parodie in der zeitgenössischen griechischen Literatur. Ergebnisse der Frauenforschung, 45. Weimar und Stuttgart, Metzler.
2006   „Kreta. Ein Reisebegleiter“, Frankfurt/Main, Insel Verlag.

Übersetzungen (Auswahl)

2015    Petros Markaris: „Zurück auf Start„, Zürich, Diogenes.
2015    Emilios Solomou: „Im Sternbild der Kykladen„, Athen, Verlag der Griechenland Zeitung.
2013    Petros Markaris: „Abrechnung“. Zürich, Diogenes.
2012    Petros Markaris: „Zahltag“. Zürich, Diogenes.
2011    Petros Markaris: „Faule Kredite“. Zürich, Diogenes.
2011    Mara Meimaridi: „Die Hexen von Smyrna“. Berlin, Insel-Verlag.
2010    Petros Markaris: „Quer durch Athen. Eine Reise von Piräus nach Kifisia. München, Hanser.
2009    Herausgeberin des Literatur-Supplemento der Zypern-Ausgabe der Jungle World, 15. Okt. 2009.
2009    Petros Markaris: „Die Kinderfrau“. Roman. Zürich, Diogenes.
2009    Ioanna Karystiani: „Die Augen des Meeres“. Roman. Frankfurt am Main, Suhrkamp.
2008    Petros Markaris: „Wiederholungstäter“. Ein Leben zwischen Istanbul, Athen und Wien. Zürich, Diogenes.
2006    Petros Markaris: „Der Großaktionär“. Roman. Zürich, Diogenes.
2005    Petros Markaris: „Balkan Blues“, Erzählungen. Zürich, Diogenes.
2005    Petros Markaris: „Live!„ Roman. Zürich, Diogenes.
2004    Ioanna Karystiani:  „Schattenhochzeit„. Roman. Frankfurt am Main, Suhrkamp.
2004    Loula Anagnostaki: „Der Sieg„, Theaterstück, Union des Théâtres de l’Europe .
2001    Rhea Galanaki: „Das Leben des Ismail Ferik Pascha“. Roman. Frankfurt/Main, Insel.
2001    Andreas Staikos: „Kulinarische Liebschaften“. Roman. Frankfurt/Main, Eichborn.
2001    Petros Markaris: „Nachtfalter. Ein Fall für Kostas Charitos“. Roman. Zürich, Diogenes.
2001    Herausgeberin des Schwerpunktheftes „Griechenland“ der Zeitschrift „Wespennest“.
2000    Petros Markaris: „Hellas Channel. Ein Fall für Kostas Charitos„. Roman. Zürich, Diogenes.

Auszeichnungen

Michaela Prinzinger wurde durch zahlreiche wissenschaftliche Stipendien sowie die Übersetzerwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin, den Deutschen Übersetzerfonds, die Österreichische Übersetzergemeinschaft und die Literaturabteilung des österreichischen Bundeskanzleramtes gefördert.

1995 erhielt ihre Doktorarbeit den Berliner Joachim-Tiburtius-Anerkennungspreis, 
ihre literarische Tätigkeit wurde durch den Literaturförderpreis beim Kulturpreis Neukölln, Berlin 1995, anerkannt und 2003 wurde sie mit dem Griechisch-Deutschen Übersetzerpreis des Nationalen Buchzentrums Athen und des Goethe Instituts ausgezeichnet. Wiederholt stand sie auf der Shortlist des Griechischen Staatlichen Übersetzerpreises. 2015 wurde sie für ihre Gesamtleistung als literarischer Übersetzerin mit dem Österreichischen Staatpreis für literarische Übersetzung ausgezeichnet.

Beiträge auf diablog.eu (Auswahl): Die Sehnsucht ist es, die unsere Seele nährt, und nicht die Erfüllung, Chronik einer Stadt, Südkreta Teil I: Susis „Café Relax“, Der Mensch ist systemrelevant

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