Das schwarze Gold von Zypern und Kreta

Ein Beitrag über den Karobenbaum von E. Katja Jaeckel

Wenn ich als Reiseleiterin auf Zypern unterwegs bin, stehe ich gewöhnlich früher auf als in Griechenland. Denn obwohl ich mich in Hellas eher unter die Frühstücksmuffel mische und mir ein gut zubereiteter „Kafedaki“ zum Start in den Tag genügt, lasse ich mich nur allzu gern vom reichhaltigen Angebot der zyprischen Hotellerie, einem Erbe der britischen Kolonialzeit, am frühen Morgen verführen. Porridge und… Crêpes mit Johannisbrotbaumsirup, Charoupomelo, stehen dabei ganz oben auf meiner Favoritenliste. Der Sirup erinnert geschmacklich ein wenig an Melasse, er ist ebenso schwarz glänzend, aber dünnflüssiger in der Konsistenz.

Johannisbrotbaum-1

Dem immergrünen Johannisbrotbaum, oder auch Karobenbaum, österreichisch wohlklingend Bockshörndlbaum genannt, begegnet man überall auf der Insel der Aphrodite. Ursprünglich im arabischen Raum beheimatet, hat er seinen Siegeszug rund um das Mittelmeer angetreten und ist von Emigranten und Kolonisten in Amerika und Australien kultiviert worden. Als biblische Pflanze wird ihm besondere Verehrung zuteil, schon seinem Namensgeber Johannes dem Täufer schmeckte die Frucht. Im Schatten eines Johannisbrotbaums wurde der zyprische Begleiter des Apostels Paulus, der Hl. Barnabas, bestattet. Sein noch immer von Johannisbrotbäumen umgebenes Grab bei Salamis begründete die Eigenständigkeit – die Autokephalie – der zyprisch-orthodoxen Kirche.

Johannisbrotmehl

Charakteristisch für den Schatten spendenden Baum sind die langen, zunächst grünen, fast bohnenähnlichen Schoten, die sich nach etwa einem Jahr in reife, dunkelbraune, ledrige Hülsenfrüchte verwandeln. Ein einziger Baum liefert im Durchschnitt stolze 75 Kilogramm Früchte. Sie sind roh essbar und waren der Schokoriegel der Kreter zur Zeit der Besatzung durch die deutsche Wehrmacht. Als Zwischenmahlzeit spenden sie müden Wanderern Energie. Lange bevor die Zyprioten auf Zitrusfrüchte setzten, exportierten sie Johannisbrot, was als Süßungsmittel in Europa heiß begehrt war. Schade, dass es heute weltweit fast nur zur Herstellung von Kleintierfutter verwendet wird. In der Tat hat unser Athener Kaninchen gerne daran gemümmelt. Wenn die Früchte lange am Baum hängen bleiben, ziehen sie Baumratten an, das sind echte Gourmets.

Carob-Sirup-1

Beim Backen von Muffins, Kuchen und Keksen füge ich dem Teig ein paar Löffel Johannisbrotmehl zu und schätze das aromatische, karamellartige Aroma. Mit Milch vermischt, ist es die gesündere Alternative zu Ķakaogetränken.

Im Inneren der Früchte verbergen sich die kleinen, runden, harten Kerne mit einem Durchschnittsgewicht von 0,2 Gramm. Seit der Antike dienten sie als Maßeinheit zum Wiegen edler Gesteine. Als „Karat„ zum Messen des Feingehalts von Gold haben die winzigen Kerne der ceratonia siliqua, wie der wissenschaftliche Name des Johannisbrotbaums lautet, Weltkarriere gemacht.

Seit einiger Zeit entdecken auch die Kreter die diätetischen Eigenschaften des Johannisbrotbaumsirups. Noch bereitet die Suche in den kretischen Auslagen ein wenig Mühe, während die Spezialität auf Zypern überall feilgeboten wird. Ein tolles Mitbringsel ist es allemal und passt übrigens nicht nur hervorragend zu Crêpes, sondern ebenso gut zu deutschen Waffeln. Eine köstliche deutsch-griechische Verbindung!

Foto: E. Katja Jaeckel. Siehe auch: E. Katja Jaeckel, Peter Peter: Ziegen, Götter, Bergschönheiten. Rätselhaftes Kreta. Picus Verlag Wien 2007. E. Katja Jaeckel: Der Sandalenpoet tanzt niemals in der Metro – Athener Weisheiten. Picus Verlag Wien 2009.

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2 Gedanken zu “Das schwarze Gold von Zypern und Kreta

  1. Ich liebe Carob ueberall, als Snack, als Schokopulver, als Kaffeersatz und natuerlich als schattenspendender Baum, unter dem man gut meditieren kann. !!!

  2. 360° Geo Reportage
    Kreta – Die süßen Früchte des Johannisbrotbaums

    Auf Kreta ist der Olivenbaum allgegenwärtig. Doch es gibt einen anderen, uralten Baum auf der Insel, der zeitgleich Früchte und Blüten trägt und dessen Früchte – die Karuben, einzigartige Eigenschaften besitzen: der Johannisbrotbaum. Seine rauen, braunen Schoten sind voller Geheimnisse und voller Hoffnung für diejenigen, die um seine Kräfte wissen.

    Wer an Kreta denkt, denkt meist an Olivenbäume. Doch es gibt einen anderen, fast vergessenen Baum, der gleichzeitig Blüten und Früchte trägt: Der Johannisbrotbaum. Seine Früchte sind lange, braune Schoten, die von den Ästen herunterhängen, man nennt sie – je nach Region -Karuben, „Saubohne von Pythagoras“ oder „Feigenbaum aus Ägypten“. Seinen Namen verdankt der Baum Johannes dem Täufer, der in der Wüste Dank der proteinvollen und zuckerreichen Früchte überleben konnte.
    Denn Johannisbrotschoten haben es in sich: Das Fruchtfleisch wird, zu Pulver vermahlen, als Kakaoersatz benutzt, da der Zuckergehalt und das karamellige Aroma des Mehls an Kakao erinnern. Im Unterschied zu diesem ist das Karuben-Pulver jedoch extrem fettarm und frei von Koffein. Es ist ballaststoffreich, reich an Vitamin A, B, Calcium und Eisen – was es zu einem wertvollen diätetischen Lebensmittel macht. Jahrzehntelang haben die Früchte des Johannisbrotbaums ein unbeachtetes Dasein als Tierfutter gefristet. Doch nun setzt ein Umdenken ein: Elias Manousakas‘ Unternehmen „Kreta Carob“ schreibt rote Zahlen und die Produkte aus Karubenpulver werden immer beliebter: Kekse, Marmeladen, Sirup, Pudding und sogar Pasta lassen sich daraus herstellen. Auch für die 28-jährige Natalia Louraki bedeuten die Karuben Hoffnung. Wie viele junge Griechen ist sie aus der Perspektivlosigkeit der Großstadt Athen zurück zu den Eltern ins Dorf Douliana gekehrt, um das kleine Familienhotel zu übernehmen. Sanfter Biotourismus ist ihr Traum und was liegt da näher, als sich auf den fruchtigen Schatz der Insel zu berufen: den Johannesbrotbaum.

    https://www.arte.tv/de/videos/072418-014-F/360-geo-reportage/

    vg, kv

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