documenta 14: „Von Athen lernen“

Artikel von Ingo Starz, Autor

Am 8. April 2017 eröffnet die Mega-Kunstschau documenta 14 in Athen. Ingo Starz hat für diablog.eu die Pläne der Ausstellungsmacher zusammengefasst und schürt die Spannung, mit der die Kunstwelt der Eröffnung entgegenfiebert.

Wenn man in den vergangenen Wochen und Monaten mit Künstlern und Galeristen in Athen sprach, kam das Gespräch meist rasch auf die documenta 14 und die Frage, was die Megaschau, die vom 8. April bis 16. Juli in Athen stattfinden wird, wohl von der griechischen Metropole lernen könne. In Kassel wird die Kunstschau am 10. Juni eröffnet und lauft bis 17. September 2017.

Immerhin hatte das Team um Adam Szymczyk den Titel „Von Athen lernen“ für die griechische Ausgabe der internationalen Ausstellung gewählt. Das klingt recht vielversprechend für ein traditionsreiches Unternehmen, welches 2017 erstmals zwei Orte bespielen wird: Athen und Kassel. Nach der Pressekonferenz vom 21. März, zu welcher der Athener Bürgermeister Yiorgos Kaminis ins Rathaus geladen hatte, lässt sich eines schon mal festhalten: Die documenta wird mehr als zwanzig Schauplätze in Athen bespielen und dabei mit zahlreichen Partnern zusammenarbeiten.

Den Kulturinstitutionen und dem öffentlichen Raum gilt das besondere Interesse der Ausstellungmacher. Aufgrund der nun zu Tage tretenden dezentralen Disposition sollten ausländische Besucher genügend Zeit mitbringen, wenn sie sich auf die Vielfalt an Werken, Installationen und Interventionen von rund 160 Künstlern einlassen wollen. Die institutionelle Seite der traditionsreichen Kulturstadt hat das documenta-Team offenkundig bestens studiert und kennengelernt. Nun wird sich dem Publikum die Chance bieten, beim Gang durch Häuser und über Plätze nicht nur Kunstwerke und Museen, sondern auch das gegenwärtige, aktuelle Athen kennenzulernen. Das Motto „Von Athen lernen“ ist, so möchte man folgern, auf die Künstler, die vor Ort gearbeitet haben, und die Besucher, die zur Stadterkundung eingeladen sind, gemünzt.

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Die Zusammenarbeit der documenta mit dem Nationalen Museum für zeitgenössische Kunst (EMST) ist schon länger bekannt. Erst kürzlich wurde auf einer Pressekonferenz in Kassel die Ausstellung mit Werken des griechischen Hauses im dortigen Fridericianum angekündigt. In Athen wird das EMST neben dem Benaki Museum und dem Konservatorium die größeren Teile der Ausstellung beherbergen. Dazu kommen Einrichtungen wie die Gennadius-Bibliothek, welche vornehmlich eine Forschungsstätte ist, der Kulturraum Romantso, das Numismatische Museum, die Landwirtschaftliche Hochschule oder das Museum für Islamische Kunst des Benaki Museums.

Die documenta bekommt von ihren Partnern nicht nur Räume zur Verfügung gestellt, sondern hat mit diesen jeweils spezifische Projekte entwickelt. So konnte beispielsweise zusammen mit dem Griechischen Filmarchiv ein bedeutender Film der 30er-Jahre restauriert und somit dem Publikum wieder zugänglich gemacht werden. In Kollaboration mit dem Kulturzentrum Megaro Mousikis/Athener Konzerthaus wird beispielsweise eine Veranstaltungsschiene mit Neuer Musik programmiert. Im Athener Konzerthaus wird am 8. April auch die documenta 14 mit einer Aufführung von Henryk Góreckis „Symphony of Sorrowful Songs“ eröffnet.

Das institutionelle Netzwerk, das die documenta geschaffen hat, und die ausgewählten öffentlichen Räume – Orte der Stadt wie Syntagma-, Viktoria- oder Avdi-Platz sowie Parkanlagen wie „Pediou tou Areos“/Ares-Park – fügen sich zu einem reizvollen kulturellen Mapping Athens zusammen. Nun darf man gespannt sein, mit welchen Inhalten die griechische Ausgabe der documenta 14 aufwarten wird. In zwei Wochen werden wir es wissen.

Text: Ingo Starz. Fotos: Freddie F., Mathias Voelzke.

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