Street Art in Athen

Beiträge aus dem Band „Künstler in Athen - Stadt der Krise“

Straßenkunst ist eine lebendige Ausdrucksform, die schnell auf soziale Veränderungen reagiert. Lesen Sie Nik Karlssons Essay zum Thema und Porträts der beiden Athener Street Artists WD (Wild Drawing) und Lotek auf diablog.eu. 2017 erschien der dreisprachige Band „Künstler in Athen – Stadt der Krise“ parallel zur documenta im Universitätsverlag der TU Berlin, herausgegeben von Heiner Legewie und Georg Eichinger. Neben anderer Gegenwartskunst wird darin besonderes Augenmerk auf die öffentlichen Ausdrucksmöglichkeiten von Künstlern gelegt, die dadurch politische und gesellschaftliche Entwicklungen kommentieren.

Street Art und urbane Stadträume in Athen
von Nik Karlsson

Die urbane Realität Athens bildet einen einzigartigen Stadtraum, der sich von anderen europäischen Hauptstädten in verschiedener Hinsicht stark unterscheidet. Das moderne Athen ist trotz seines antiken Ursprungs eine relativ junge Stadt. Erstaunlicherweise gab es schon bei ihrer Entstehung als Hauptstadt des modernen Griechenlands Ansätze von Stadtplanung. Die Stadt wurde jedoch während des Zustroms der christlichen Flüchtlinge aus dem Osmanischen Reich im Zuge des Bevölkerungsaustauschs von 1923 umgestaltet, was fast zu einer Verdoppelung der Einwohnerzahl führte. Chaotische, spontan entstandene Hausbauten und Wohnviertel haben zu dem geführt, was heute das unübersehbare Labyrinth dieser modernen Hauptstadt darstellt. Fortgesetzte Einschnitte wie Diktatur, Besatzung, archäologische Grabungen und eine Serie von politischen Krisen haben rein zufällig einen Stadtraum geschaffen, dem die Kontrolle und Ordnung fehlt, wie man sie in vielen entwickelten Hauptstädten der Welt vorfindet.

Lotek, Street Art Künstler in Athen, ©Georg Eichinger

In Athen findet sich eine Fülle von verfallenen Häusern und verlassenen Straßenzügen. Die Verwahrlosung großer Teile der Innenstadt führt dazu, dass Street Art sich nicht in den Vordergrund drängt, sondern gut zum visuellen Chaos passt. Als die internationalen Medien während der aktuellen ökonomischen Krise ihr Augenmerk auf Athen richteten, geriet auch die Geschichte der Athener Street Art immer mehr in den Fokus der Aufmerksamkeit. Kontext ist wichtiger als Inhalt, wenn man auf Street Art in Athen schaut, weil der physische und politische Raum, in dem sie sich manifestiert, einen essentiellen Teil ihrer Existenz ausmacht. Die Straßen bieten sich an für künstlerische Interventionen, nachdem sie sich zu riesigen spontanen Outdoor-Galerien entwickelt haben. Sie ermöglichen der Kreativität, in den öffentlichen Raum überzuschwappen, nachdem die öffentlichen Gelder für Kunst wegen des finanziellen Kollapses zusammengestrichen wurden. Die in den Werken angesprochenen Inhalte spiegeln gewöhnlich die Sorgen der turbulenten Gegenwart mit Themen wie Elend, Leiden, Protest, Anti-Rassismus, Anti-Autoritarismus, Anti-Kapitalismus und Freiheit, doch man findet auch eine gewisse Verspieltheit, die auf Widersprüche hinweist und sich über die Mächtigen lustig macht.

In der großen Kunstwelt wird Street Art oft als etwas Unwichtiges abgetan oder als etwas im falschen Sinne Trendies wie chart-orientierte Pop Musik. Bei genauerem Hinsehen jedoch erweist sich Street Art als einzigartig in ihrer Haltung, die sie zur kompromisslosesten Kunstform macht. Auf den vorgefundenen Materialien der Stadt visuelle Zeichen zu schaffen, stellt einen unmittelbaren Zugriff von Aktionskunst dar, geprägt von einer Ethik des Do It Yourself. Sie ist ein Abkömmling der Punkkultur und huldigt anarchistischen Idealen. Diese Kunstform kümmert sich nicht in erster Linie um Qualität, Anerkennung oder kommerziellen Erfolg, sondern sie entsteht als Selbstzweck, ohne um Erlaubnis zu fragen, ohne Kompromisse einzugehen – und unter der Gefahr von Sanktionen. Die etablierte Kunstwelt ist beschränkt auf Galerien und Museen, ständig auf der Suche nach Bedeutung und Selbstvermaktung, während Street Art jenseits dieses Rahmens lebt, sie kommuniziert mit jedem, der die Straßen langgeht und wird produziert von jedem, der es möchte.

WD (Wild Drawing), Street Art Künstler in Athen, ©Georg Eichinger

Das Phänomen der Street Art in Athen steht in Kontrast zu anderen Metropolen, wo diese Kunstform von ganz anderen Ausgangsbedingungen definiert wird. Sobald Staat und Polizei aktiv gegen Street Art und mehr noch gegen Graffiti vorgehen, wird diese Kunstform zu einer Art von kreativem Protest, der die Kontrolle über die öffentlichen Bilder in Frage stellt. In Athen ist nicht so sehr die Kunstform als solche subversiv, sondern vielmehr ihre Inhalte sowie die Subkulturen und politischen Bewegungen, die mit ihr verbunden sein mögen, denn Street Art wird – mit minimalen strafrechtlichen Folgen – weitgehend toleriert.

In vieler Hinsicht bietet Athen eine Art nostalgischer Zeitreise zurück zu den Tagen, als große Städte Kreativität in einer freien Form beherbergten, weil es Viertel gab, die noch nicht Opfer von Gentrifizierung und Verwandlung in Monokulturen waren. In vielen urbanen Metropolen werden immer noch die Geschichten von Fabriketagen, Hausbesetzungen, alternativen Lebensformen und billigen Wohnvierteln lebendig gehalten, wo Künstler, Musiker, Punks und andere Gruppen in einem gewissen kreativen Freiraum lebten – bedingt durch niedrige Mieten, leerstehende Gebäude und eine relative Freiheit von staatlicher Kontrolle mit ihrer kapitalistischen Logik. Man hört diese Geschichten von Orten wie Amsterdam, London, Paris, Barcelona, Kopenhagen und Berlin – Städte, die heute Kapital schlagen aus dem Mythos dieser inzwischen toten Vergangenheit, die sie selber zerstört haben, aber immer noch verkaufen möchten. So kommt es dazu, dass manchmal gesagt wird, Athen sei das neue Berlin, ein Satz, der vielleicht positiv gemeint ist, der aber auch einen Prozess möglicher Selbstzerstörung suggeriert. Man nimmt an, dass die Situation in Athen einen kreativen Zustrom erzeugt, der dann seinerseits zu städtischen Transformationen führt, mit steigenden Mieten, Vertreibung der angestammten Bewohner aus bestimmten Vierteln und einer Kultur der Kontrolle, wobei die Ausgangsbedingungen zerstört werden, die den Entwicklungsprozess anfangs in Gang gesetzt haben.

Lotek, Street Art Künstler in Athen, ©Georg Eichinger

Street Art und Gentrifizierung werden oft als zwei Phänomene gesehen, die Hand in Hand gehen, aber der Vergleich Athens mit anderen europäischen Hauptstädten ist falsch und allzu bequem. Andere europäische Städte haben wirtschaftlich bedingte städtische Entwicklungen erlebt, die kreative Gruppen in Viertel verbannt haben, wo sie überleben konnten, bis keine bezahlbaren Viertel mehr übrig waren. Griechenland hat demgegenüber seit 2008 eine ökonomische Krise durchlitten, die die Lebensbedingungen der Menschen radikal verändert hat, die aber auch massive Auswirkungen auf das Eigentum hatte, wobei Griechenland die höchste Zahl an Wohneigentum hat (87 % in 2014). Es gibt keine urbane Entwicklung, die die Mieten steigen lässt, sondern das Gegenteil ist der Fall. Schon vor der Krise gab es im Stadtzentrum viel Leerstand, weil die Menschen in die Vorstädte zogen, jetzt sind diese Viertel heruntergekommen – mit nur wenigen Anzeichen einer Wiederbelebung. Street Art existiert in diesem urbanen Chaos und passt dazu. Obwohl es ein gewisses Bewußtsein für Gentrifizierungsprozesse gibt, kann man sich nur schwer vorstellen, woher das Geld kommen soll, um diese Prozesse anzuheizen.

Im Innenstadtviertel Psirri ist eine Art Epizentrum der Street Art entstanden, wobei die Galeri Sarri 12 verschiedene Street Art Künstler unterstützt und Ausstellungs- sowie Arbeitsräume zur Verfügung gestellt hat. Gleichzeitig begrüßen lokale Gewerbetreibende und Einwohner Street Art als eine Möglichkeit, durch die frischer Wind in eine Gegend mit Junkies, Dealern und allgemeiner Verwahrlosung kommt. Hier herrscht eine Situation, in der Street Art der Ausgangspunkt für einen Gentrifizierungsprozess werden könnte, indem ein Transformationsprozess angestoßen wird, der möglicherweise zu ihrem Niedergang führt. Allerdings ist man sensibilisiert für diese Gefahr, wenn auch ohne unmittelbaren Abwehrplan gegen diese vorerst theoretische Möglichkeit. Der lokale Geschäftsmann, dem die Galerie in Psirri gehört, äußert sich dazu folgendermaßen: Auch wenn solche theoretische Entwicklungen bestünden, würde er sich nicht wünschen, dass eine Situation eintritt, die die Kreativität einschränkt, die er gegenwärtig unterstützt.

WD (Wild Drawing), Street Art Künstler in Athen, ©Georg Eichinger

Tatsächlich eröffnet diese kreative Szene große Möglichkeiten für aufstrebende Künstler. Zudem trägt sie dazu bei, Anwohner wie die überwiegend aus Einwandererfamilien stammenden Kinder des Viertels einzubeziehen, denen kostenlose Kunst- und Theaterkurse angeboten werden.

Eine stadtweite Kampagne des Athener Bürgermeisters Giorgos Kaminis, Street Art und Grafitti durch Säuberungsaktionen unter Kontrolle zu bringen, birgt eine größere Gefahr, da sie möglicherweise zwischen guter und schlechter Street Art unterscheidet, wobei Graffiti-Tagging als schlecht eingestuft wird. Doch all diese Prozesse, die wir uns als lineare Entwicklungen vorstellen könnten, sind angesichts der besonderen Athener Bedingungen unwahrscheinlich. Mit größerer Wahrscheinlichkeit wird sich Street Art in Athen weiterentwickeln und als kreativer, von unserer Zeit diktierter Ausdruck anerkannt werden.

Nik Karlsson studierte Kunst und Design, Media, Cultural Studies und Digitale Medien in England. Von Schweden aus ist er innerhalb Europas viel auf Reisen, gegenwärtig arbeitet er hauptsächlich in den Bereichen Grafikdesign, Illustration, Street Art, Musikreiseorganisation und Kunstproduktion in Athen und Schweden. Er ist Gründungsmitglied der internationalen Kunst- und Kulturinitiative Holobiont-Projekt (www.holobiont.net).

WD (Wild Drawing),
geboren in Bali.
Studierte an der Academy of Fine Arts in Indonesien. Arbeitet in Athen seit 2006.

Diese beschissene Krise ist nicht das Ende der Welt!

Kunst ist Teil meines Lebens

In meiner Erinnerung habe ich immer gemalt, schon seit der Zeit, als ich ein kleines Kind war. Ich komme aus Bali, und Kunst ist sehr wichtig in unserer Kultur und hat viel mit dem Alltag zu tun. Nach der Highschool setzte ich mein Studium in der Kunsthochschule fort. Später, als ich nach Athen kam, erhielt ich ein dreijähriges Stipendium und schloss mein Studium in Angewandter Kunst ab. Seit 2000 male ich auf den Straßen.

Malen ist meine Passion und zugleich mein Job, ich drücke mich aus und versuche mit anderen Leuten zu kommunizieren. Ich zeichne auch Comics und befasse mich gerade mit der Herausforderung, die die Technik des Strichzeichnens auf Mauern darstellt. Zum Beispiel, wie ich Emotionen durch diese Technik sichtbar machen kann.

WD (Wild Drawing), Street Art Künstler in Athen, ©Georg Eichinger

Kein Land für die Armen

Das Wandbild „Kein Land für die Armen“ wurde ausgerechnet ein paar Tage vor dem Referendum in Griechenland gemalt, damals im Juli 2015. Ich war inspiriert durch die Krise der Eurozone und ihre Auswirkung auf die griechische Bevölkerung. Es gab eine Welle von neuen Obdachlosen in all den Jahren der Entbehrungen in Griechenland. Aber wie die Unterschrift besagt: Dieses Wandbild ist „den Armen und Obdachlosen in Griechenland und rund um den Erdball“ gewidmet, denn wie wir alle wissen: Diese Krise ist weitaus mehr als nur eine griechische Krise.

Ich möchte euch gern etwas erzählen, das passiert ist, als ich mit diesem Wandbild beschäftigt war. Ich war gerade mit dem Malen fertig und begann die Widmung zu schreiben, da fühlte ich, wie mir jemand auf die Schulter klopfte. Ich drehte mich um und ich sah einen Typen, der zu mir sagte: „Danke, mein Freund, für dein Geschenk“. Ich fragte „Wieso?“ und er antwortete: „Weil ich obdachlos bin“… Das war so ein Augenblick… Ich meine, seine Worte gaben mir echt Kraft, weiterzumachen mit meiner Sache im öffentlichen Raum.

WD (Wild Drawing), Street Art Künstler in Athen, ©Georg Eichinger

Mit Freunden malen

Ich male allein, aber manchmal male ich auch zusammen mit Freunden, mit anderen Künstlern. Das macht mehr Spaß und die Herausforderung ist anders, als allein zu malen. Zusammenarbeit ist für mich wie Tanzen; jeder kann solange frei tanzen, solange er/sie nicht einem anderen auf die Füße tritt. Was neue Organisationsformen von Zusammenarbeit angeht, tja, ich hab’ von einigen Ansätzen in anderen Kunstbereichen gehört, aber nicht in der Street Art.

Street Art ist ja illegal, weil sie als Vandalismus gilt. Und wenn du etwas Politisches malst, kann es noch schlimmer werden. Ich erinnere mich, es war ein paar Wochen vor den griechischen Wahlen, als ein Freund und ich etwas malten, das eine eindeutig politische Botschaft hatte. Bullen kamen und haben uns verhaftet und am nächsten Tag wurden wir dem Richter vorgeführt usw. Das Verfahren wurde nie zu Ende geführt… Tja, wenn du auf der Straße malst, musst du dich auf alles gefasst machen, vom Besten bis zum Schlimmsten.

WD (Wild Drawing), Street Art Künstler in Athen, ©Georg Eichinger

Leben mit der Krise

Die Krise betrifft hier jeden und alles. Unser Alltagsleben, unsere Stimmung, unsere Gegenwart und unsere Zukunft. Du siehst, wie Leute ihren Job verlieren und Familien hart ums Überleben kämpfen. Du gehst durch die Straßen und siehst jede Menge Läden geschlossen und leer, du kannst bei den Leuten die Depression fühlen. Künstler sind ja Schwierigkeiten gewohnt, da kann man sich vorstellen, wie ihre Lage jetzt ist, nach so vielen Jahren Krise! So oder so, wir kämpfen weiter! Ich glaube, die meisten Künstler sind immer noch produktiv, denn diese beschissene Krise ist nicht das Ende der Welt! Okay, es ist nicht leicht von Kunst zu leben, aber unser Hirn ist umso kreativer … Was dich nicht umbringt, macht dich am Ende nur stärker.

Lotek
Stencil Artist
Kein Name, Alter, Geschlecht, Nationalität, Gesicht, Stimme

Ich bringe Sabotage ins Stadtbild

Meine Identität

Mein Name Lotek stammt aus einer Kurzgeschichte von William Gibson. In seiner futuristischen Welt ist die parlamentarische Demokratie abgelöst von der Macht der Großkonzerne, aber es gibt noch ein paar freie Städte und Räume. Eine Bande von Umstürzlern nennt sich die Lo Teks. Sie sind mit Spitzentechnologie ausgestattet und bekämpfen die Unternehmermacht. Darüber hinaus: kein Name, Alter, Geschlecht, Nationalität, Gesicht, Stimme!

Warum Athen?

Ganz Europa wird teuer, gentrifiziert, es wird zu einer Monokultur. Ich lebe nicht von der Kunst. Ich habe eine Menge Jobs, ich arbeite international und bin viel auf Reisen. Aber ich lebe nun schon über fünf Jahre in Athen. Hier ist das totale Chaos und ich mag das. Ohne strenge staatliche Kontrolle, die Leute können machen, was sie wollen, sie gehen nicht davon aus, dass Staat und Gesellschaft ein und dasselbe sind.

Ich denke, was wir in Griechenland sehen, wird in ganz Europa kommen. Die demokratische Macht verschwindet, die Leute werden keine Macht mehr haben über ihr eigenes Leben, Faschismus wird zunehmen, es wird mehr Unternehmermacht geben und auch mehr Antagonismus zwischen den Ländern. Wenn du es verstehst, mobil zu sein wie ich, dein Geld verdienst, wo du kannst, und nicht an das glaubst, was der Staat dir anbietet, dann bist du in einer besseren Lage, zu überleben.

Lotek, Street Art Künstler in Athen, ©Georg Eichinger

Arbeiten mit Stencils (Schablonen)

Ich schaffe gern Kunst, aber ich habe mich nie wohl damit gefühlt. Ich mag die Kunstindustrie nicht, Galerien und all das Zeug. Am besten ist es deshalb, Kunst heraus auf die Straße zu bringen. Von einem Freund lernte ich, wie man mit Stencils sprayt und ich fing an, damit zu spielen. Du gehst hinaus und hinterlässt das gleiche politische Spraybild an vielen Orten. Stencils kann man aus Karton machen, aber ich benutze die Röntgenbilder, die ich von einem Tierarzt bekomme. Ich entwickle die Zeichnung meist am Computer, dann klebe ich die Papierzeichnung auf den Röntgenfilm und schneide die Konturen mit einem Cutter aus.

Ein Stencil einer schönen Frau, die mit dem Kapitalismus bricht, wurde richtig berühmt. Auf der Zeichnung geht es um einen klassischen Dialog beim Schlussmachen einer Beziehung. Ich entwarf eine kleine Schablone daraus und sprayte das Bild überall in Athen an die Wände. Ein Jahr später gewann Syriza die Wahl, viele Medien fotografierten mein Bild und es hieß: „So tönt es selbst von den Wänden“.

Lotek, Street Art Künstler in Athen, ©Georg Eichinger

Meine Absichten

In Athen bedeuten Stencils nichts Besonderes, es gibt so vieles an den Wänden. Manchmal mache ich Stencils, die die Leute zum Nachdenken bringen und sie befremden sollen. Aber ich bilde auch Dinge ab, die eigentlich gar nicht existieren. So versuche ich, ein wenig Sabotage in das Stadtbild zu bringen. Aber es geht nicht um superwichtige Botschaften, meistens spiele ich bloß damit. Nichtsdestotrotz engagiere ich mich für Antikapitalismus, Antifaschismus und Antisexismus und bin gegen Homophobie.

Kreativität und die Krise

Ich denke, es passieren zwei Dinge: Die Leute werden depressiv, sie bekommen kein Geld mehr, hören mit der Kunst auf. Aber gleichzeitig äußert sich Kreativität auf andere Weise. Leute malen auf den Straßen, bringen Theaterproduktionen heraus und machen Musik. Auf diese Weise entsteht Kreativität auf nicht-kapitalistischer Basis. Das kann gut sein, ist es aber nicht, wenn die Leute für drei Euro die Stunde arbeiten müssen und keine Zeit mehr haben für Kreativität.

 

Die Texte wurden mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber entnommen aus: Heiner Legewie und Georg Eichinger (Hrg.): Artists in Athens – City of Crisis.
Universitätsverlag der TU Berlin (2017). Sie können das Buch hier zum Preis von EUR 10,- bestellen oder kostenlos herunterladen: https://depositonce.tu-berlin.de/handle/11303/6250. Übersetzung aus dem Englischen: Heiner Legewie und Georg Eichinger. Redaktion: Michaela Prinzinger. Fotos: Georg Eichinger.

Die neuesten Werke von WD und Lotek finden sie auf: www.lotekstreetart.com und wdstreetart.com.

 

 

 

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