Liegenschaft

Preisgekrönte Fotografie von Birgit Rüberg

Fotografie aus Lesbos von Birgit Rüberg mit dem L. Fritz Gruber-Preis 2017 des Instituts für Kunst und Kunsttheorie der Universität Köln ausgezeichnet. Die Fotografin erläuterte für diablog.eu die Hintergründe der Aufnahme.

Liegenschaft

Liegenschaft, ©Birgit Rüberg

Das Foto „Liegenschaft“ ist am Strand aufgenommen, an der Nordküste der Insel Lesbos. Dort kommen die meisten der Boote mit den Flüchtenden an. Der Strand ist dort an manchen Stellen zur Landseite hin mit dichtem Schilf bewachsen.

Im Schilf erkennt man eine Art Höhle oder schützende Kuhle, einen Unterschlupf, den sich Menschen dort in der Schilfwand geschaffen haben. Auch der Boden ist mit Schilf gepolstert. Am rechten Bildrand ist ein Stück eines Schlauchbootes zu erkennen, links liegt eine leere Plastikwasserflasche. Offenbar haben dort Flüchtende nach ihrer Ankunft die Nacht verbracht, um dann am nächsten Morgen weiter zu ziehen.

Der Titel „Liegenschaft“ spielt auf das „Liegen“ an, das dort stattgefunden hat. Aber eigentlich bezeichnet das Wort ein Stück Grundbesitz – was viele der angekommenen Menschen gerade verloren haben.

Der Preis wurde zum Thema „SPURENSUCHE – Fakt oder Fiktion“ ausgelobt. Deswegen habe ich das Foto eingesendet, es zeigt den Fakt, die Realität anhand von Spuren, die man lesen kann.

Das Foto „Liegenschaft“ habe ich im Jahr 2010 im Rahmen einer längeren Recherchereise über die Insel gemacht. Ich habe einige Strände besucht, von denen ich wusste, dass dort die Flüchtenden landen. Darüber hinaus besuchte ich auch das zu dieser Zeit (in einer alten Fabrik) leerstehende Camp in der Hauptstadt Mytilene sowie ein Heim für alleinreisende Kinder und Jugendliche im Zentrum der Insel, in Agiassos.

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Auf dieser Reise habe ich Material für meine künstlerische Arbeit gesammelt, einige der daraus entstandenen Arbeiten sind auf meiner Homepage zu sehen. Hauptsächlich habe ich gebrauchte, zurückgelassene Kleidung gesammelt, aber auch Stücke von Gummibooten, Rettungswesten, Schuhe, Spielsachen, (Ausweis-)Papiere, Fotos – alles Fundstücke vom Strand. Die Schwimmwesten habe ich mit Sprichwörtern aus drei euroäischen Sprachen bestickt, später daraus eine Installation gemacht: „Reise ins Licht“.

Während der Reise habe ich überall fotografiert, die Fotos haben alle einen dokumentarischen Charakter, sie bilden eine Art Spurensicherung. Einige Aufnahmen habe ich als Diaprojektion in meiner Installation gezeigt, die bereits an einigen Orten zu sehen war, zuletzt in der Kunsthalle Bratislava und in der Galerie NTK in Prag (Gruppenausstellung „Fear of the Unkown“). Das Goethe-Institut Bratislava hat überdies einen Katalog dazu herausgebracht.

Text und Fotos: Birgit Rüberg. Website der Künstlerin: www.birgit-rueberg.de

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