Koronisia: Fischerinnen und Fischer im Ambrakischen Golf

Reiseartikel von Torsten Haselbauer

Torsten Haselbauer macht sich für diablog.eu auf Spurensuche auf der Insel Koronisia im Ambrakischen Golf. Ein Insidertip für Griechenlandfans!

Es gibt viele gute Gründe nach Koronisia zu fahren, um dort ein paar schöne Tage zu verbringen. Der wichtigste sei gleich zu Anfang benannt: Die kleine Insel im Ambrakischen Golf kennt kaum jemand. Selbst reiseerfahrene Griechen schütteln oft ratlos den Kopf, wenn die Sprache auf Koronisia kommt. Dann beginnt man zu erklären. Es ist, zugegeben, etwas mühselig.

Provinz Epirus, Preveza ist rund eine Autostunde entfernt, Ioannina auch und in die Kreishauptstadt Arta schafft man es mit dem Auto in dreißig Minuten. In dieser Gegend also schmiegt sich ein großer Golf aus dem Ionischen Meer tief ins Land hinein. Das ist der Ambrakische Golf. Und mittendrin, quasi in seiner geografischen Mitte, liegt die kleine Insel Koronisia. Rund sieben Kilometer fährt man zunächst auf einer schmalen, malerischen Dammstraße über das Wasser, um sein Ziel zu erreichen.

Fischerboot und Fischer

Eine kleine Taverne steht dort zu Anfang, gleich links den Hügel rauf geht es zu einer kleinen Kirche. Hier wird im Sommer oft geheiratet. Der Blick hinunter von dieser Kirche fällt auf den Hafen. Koronisia ist ein Fischerdorf mit 250 Einwohnern und noch immer leben rund dreißig Frauen (!) wie Männer vom Fischfang. Am Abend schmeißen sie ihre Zweitakt-Motoren an und fahren gleich einer Armada vom Hafen hinaus in den Golf zur Arbeit. In alten Holzbooten, die oft weit über 25 Jahre auf dem Buckel haben. „Es wird immer schwieriger vom Fischfang zu leben, aber wir halten durch“, sagt der stolze Fischer Stephanos. Wenn man die Fischer fragt, ob sie ihren Kindern raten würden, ihren Beruf fortzuführen, werden sie still und zucken mit den Schultern. Es gab sogar mal einen Fernsehfilm über die Fischer im Ambrakischen Golf, schwarz-weiß und vor über dreißig Jahren gedreht und auf ERT gezeigt. Da war die Welt der Fischer noch in Ordnung.

Vor zwei Jahren wurde der Hafen ausgebaggert. 2,20 m ist er nun tief, 1,9 Millionen Euro hat das und ein neuer Steg dazu gekostet. Die Sterne der Europäischen Union auf einer Tafel am Hafen verraten, wer den größten Batzen davon bezahlt hat. Der Wunsch und die Hoffnung, nun würden wegen des größeren Tiefgangs die schweren Segelyachten mit dem zahlungskräftigen Publikum an Bord den Anker werfen, hat sich nicht erfüllt. Obwohl es nichts kostet, selbst der Strom und das Wasser für die Schiffe sind frei.

eine Frau mit Fischernetzen

Fischerin Ifigeneia, ©Torsten Haselbauer

Was soll man unternehmen in Koronisia? Die Insel ist, ohne dass man oft stehenbleibt, in zwanzig Minuten umwandert. Es gibt hier ausgezeichnete Fischtavernen, ein Kafenion, eine Kneipe und einen Strand, der es allerdings in kein Urlaubsprospekt schaffen würde. Davor parken manchmal ein paar Caravans. Einen Fußballplatz haben die Menschen auf Koronisia und früher gab sogar mal eine gute Mannschaft. Das berichten die alten Männer. Die Grundschule hat dichtgemacht und jetzt fahren die Eltern die wenigen Kinder in das nächste große Dorf Aneza auf dem Festland. Koronisia hat eine vielfältige Vogelwelt und ab und zu lassen sich hier mal Ornithologen mit ihren großen Ferngläsern sehen. Sie reiben dann nicht selten verwundert die Augen, was sie hier alles am Himmel beobachten können.

Koronisia ist ein von der EU ausgewiesenes Umweltschutzgebiet mit tollen, gastfreundlichen Menschen. „Griechenland wie vor dreißig Jahren“, sagen die Athener und die Leute aus Thessaloniki, die es selten mal hier hin verschlägt. Koronisia hat keinen Arzt, der kommt einmal die Woche aus Arta angefahren und behandelt die Leute in einem schmalen Raum. In der darauffolgenden Woche bringt er dann die benötigten Medikamente für die Patienten mit. Er schreibt sich alles gewissenhaft auf. Der Gemüsewagen steuert Koronisia zweimal die Woche an, hupt laut und hält am Hafen. Der mobile Bäcker parkt jeden Tag sein Auto unterhalb der Kirche und verkauft das frische Brot aus seinem Pritschenwagen heraus. Es gibt keine Bar, keinen Krach und Lärm, wenig Tourismus und viel Natur.

Boote am Meer

Im Ambrakischen Golf hüpfen die Delfine. Und wenn man Glück hat, kann man sie von der Taverne aus beim Spielen beobachten. Aktuell tummeln sich eine große und eine kleine Meeresschildkröte im Hafen und sorgen bei den paar Seglern für viel Furore. Der einzige Kiosk gegenüber hat diesen Sommer dichtgemacht. Der „periptero“ war gleichzeitig die Poststation und ein Treffpunkt der Fischer. Noch eine rauchen, ein wenig quatschen, bevor sie in den Golf zur Arbeit rausfuhren. Am Kiosk wurden zudem die Briefe und Pakete für das Dorf gesammelt. Koronisia hat ja keine Straßennamen und Hausnummern. Auch keine Postkarten mit malerischen Motiven drauf. Die Kioskbesitzerin ist jetzt wieder Fischerin geworden. Das war sie früher schon. Ein Nachfolger für ihren „periptero” wird verzweifelt gesucht.

Koronisia ist ein Paradies für Kitesurfer. Immer dann, wenn ab Nachmittag Wind aufkommt und vom Ionischen Meer kräftig herüberbläst. Das sind tolle Bilder, wenn die Kiter mit ihren bunten Segeln spektakulär über die Wellen springen und im Hintergrund die verschachtelten Berge leuchten. Man kann ihnen dabei zusehen, ganz nah vom Steinstrand aus. Und wie sie sich freuen, hoch droben in der Luft, über so viel Schönheit und Anmut, die die kleine Insel Koronisia da unten zu bieten hat.

Text und Fotos: Torsten Haselbauer.

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