Das Publikum hat an denselben Stellen gelacht!

Interview mit Vangelis Hatziyannidis, Autor

Am 26. März, 21. und 24. April 2017 um jeweils 11.00 Uhr wird Vangelis Hatziyannidis‚ Jugendstück „Am Bildschirm Licht“ erneut am Berliner Schlosspark Theater aufgeführt. Sophie Persigehl hat sich mit dem Autor getroffen und ihm nach der Aufführung ein paar Fragen gestellt. Ihre Mutter Bea hatte auf diablog.eu bereits vom Entstehungsprozess der Inszenierung berichtet.

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Woher stammt die Idee für das Stück?

Als ich „Am Bildschirm Licht“ schrieb, hatte ich mir ein Ziel gesetzt: Ich wollte ein Stück schreiben, das über das Gute spricht, ohne zu moralisieren, und das den (jugendlichen) Zuschauern eine Botschaft von Gerechtigkeit vermittelt, ohne lehrerhaft oder ermüdend zu wirken. Es sollte eine Geschichte sein, welche die Hauptfiguren vor ein moralisches Dilemma stellt. Das war die ursprüngliche Idee. Es sollte eine heutige und alltägliche Geschichte, eine extreme und dennoch glaubhafte metaphysische Erzählung sein.

In der Textvorlage gibt es so gut wie keine Regieanweisungen. Wie hat Ihnen die Umsetzung gefallen?

In meinen Stücken halte ich mich mit Regieanweisungen immer zurück. Es muss auch Raum für kreative Fantasie für den anderen oder die anderen Künstler geben, die sich mit dem konkreten Text auseinandersetzen. Die Gruppe YAS hat sich voller Hingabe mit meinem Werk befasst und seine „subversiven Elemente“ ausgelotet. Dafür bin ich dankbar.

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Vangelis Hatziyannidis mit dem YAS-Ensemble, ©Theaterverlag Hofmann-Paul

In der Aufführung des YAS sind Musik und Videos ein wichtiger Bestandteil des Stücks. Unterscheidet es sich damit grundlegend von der Athener Inszenierung?

Ja, wir reden von zwei ganz unterschiedlichen Aufführungen, wie man im Grunde auch erwarten kann. Bei der Athener Inszenierung im Onassis Kulturzentrum hatten die Videos eine andere Funktion, er handelte sich im Wesentlichen um eine Live-Aufnahme der Schauspieler während des Stücks. Auf den Bildschirmen erschienen Detailaufnahmen ihres jeweiligen Spiels. Die Musik stand im Vergleich zur deutschen Aufführung weniger im Mittelpunkt. Eine Tatsache hat mich jedenfalls beeindruckt: Das Publikum hat im Grunde an denselben Stellen gelacht!

In der Textvorlage gibt es fünf handelnde Personen. Der Regisseur des YAS hat eine Person, die nur im Kontext vorkommt, zum Leben erweckt und ihr noch eine weitere Figur zur Seite gestellt. Es geht um die Person des „Strebers„, dem die entscheidende Rolle zufällt, eine Lehrerin bloßzustellen – oder auch nicht. Wie gefiel Ihnen diese Möglichkeit, eine Figur aus dem Hintergrund ins Licht zu rücken?

Da ich nur sehr wenig Deutsch kann, konnte ich den Sprechpartien der beiden eingefügten Rollen nicht ganz folgen. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass ihre kurzen Auftritte zwischen den Szenen der Inszenierung noch mehr Lebendigkeit verliehen haben. Das Publikum, das ist mir aufgefallen, hat sich bei ihren Sprüchen immer wieder amüsiert. So haben sie, wie ich annehme, das ursprüngliche Schülerpersonal des Stücks bereichert.

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Vangelis Hatziyannidis mit Sophie Persigehl, ©Theaterverlag Hofmann-Paul

Sie haben die Reaktion des Publikums bei der Premiere miterlebt. In Berlin hat das Publikum stark auf die Schülersprache, auf vulgäre Ausdrücke reagiert. Hat sich das in Ihrer Wahrnehmung stark vom Feedback in Athen unterschieden?

Meiner Erinnerung nach hat das jugendliche Schülerpublikum in Athen ganz natürlich auf die Sprache auf der Bühne reagiert, die es ja auch im Alltagsleben verwendet. Ein bisschen unwohl haben sich nur die Klassenlehrer gefühlt, die bei einigen Aufführungen mit dabei waren. Trotzdem hat sie die „freizügige“ Sprache des Textes nicht gehindert, das Stück hinterher anderen Kollegen weiterzuempfehlen. Vielleicht deshalb, weil der Gesamteindruck – das Gefühl, das die jungen Zuschauer mit nach Hause nehmen – absolut „jugendfrei“ ist.

Im Zentrum des Stückes steht Haris, eine Person, die psychologisch sehr interessant und speziell ist. Bei ihm geht es um Machtausübung und um Manipulation der anderen. Er fühlt sich als etwas Besonderes und scheitert gleichzeitig an diesem Überlegenheitsgefühl, da es ihn von der Gemeinschaft der anderen ausschließt. Er zieht die Fäden und beeinflusst die Schüler, eine Lehrerin ins Visier zu nehmen. Um diese Figur und ihr Verhalten so genau beschreiben zu können bedarf es eines tieferen Einblicks in die Psychologie oder Psychiatrie. Haben Sie dazu einen entsprechenden Bezug?

Ich stimme der Beschreibung der Hauptfigur zu. Ich würde noch hinzufügen, dass diese besondere Eigenschaft (nämlich, die Reaktionen und das Verhalten anderer Personen manipulieren zu können) am Ende des Stücks seine ideale Umsetzung findet. Haris beschließt nämlich, Regisseur zu werden! Vielleicht war diese ganze Geschichte, die wir auf der Bühne mit verfolgen, eine Art Generalprobe für einen Film, den er in Zukunft drehen wird. So verwandelt sich diese Eigenheit am Schluss in eine „Gabe“. Und Haris ist bestimmt ein begabter Regisseur. Schade, dass das Stück endet, bevor wir das miterleben können.

Interview: Sophie Persigehl/Vangelis Hatziyannidis. Übersetzung: Michaela Prinzinger. Fotos: Theaterverlag Hofmann-Paul, DERDEHMEL/Urbschat (Teaserfoto).

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