Existenzielle Experimente

Interview mit Theodore, Musiker

Theodore und Leon of Athens am 7. November 2017 in Berlin: Das Team von Mixing Roots Productions lädt das Berliner Publikum auf eine atmosphärisch dichte szenische Reise in den Club Musik & Frieden ein. Der griechische Musiker und Interpret Theodore kombiniert sowohl elektronische als auch klassische Elemente auf der Bühne. Beim Berliner Konzert wird auch der in London lebende Musiker Leon of Athens (Indie-Pop) dabei sein. Die Pianistin und Musikwissenschaftlerin Danae Vritsiou hat sich für diablog.eu mit Theodore unterhalten. Weitere Auftritte folgen am 9. November in Köln (artheater) und am 11. November in Hamburg (Prinzenbar).

Theodore Konzert

Theodore, ©Pinelopi Gerasimou

Sie treten im November in einigen europäischen Städten auf. Immer wieder waren Sie auf Tour und aufgrund von Musikproduktionen in ganz Europa unterwegs. Mehrfach waren Sie in Berlin, einer Stadt, die zu Ihrer experimentellen Herangehensweise passt. Was kann das griechisch- und deutschsprachige Publikum von Ihrem Auftritt erwarten?

Nach unserer Teilnahme an den Festivals Reeperbahn und Live at Heart ist Berlin Teil unserer europäischen Tour, die sich von Spanien über Deutschland, Frankreich und England erstreckt. Ich bin sehr froh, dass ich wieder in Berlin spiele. Wir haben eine Show beziehungsweise eine audiovisuelle Aufführung komponiert, die an den jeweiligen Aufführungsraum angepasst wird. Ton und Licht sind die wichtigsten Bestandteile dieser Inszenierung. Sie beinhaltet Musik von meinen ersten beiden Platten, aber auch von meinem neuen Album, das 2018 erscheinen wird.

Sie haben Ihre Karriere 2011 in London gestartet, wo Sie Komposition studiert haben. 2012 kam Ihr erstes Album mit dem Titel 7 auf den Markt. Wie hat sich Ihre Musik im Laufe der Jahre weiterentwickelt? Was hat sich Ihrer Meinung nach seit den Anfängen verändert?

Ich bin auf jeden Fall musikalisch reifer geworden und ich erkenne meine persönlichen Bedürfnisse viel klarer. Meine Beziehung zum Publikum spielt dabei eine entscheidende Rolle. Mittlerweile beherrsche ich den von mir geschaffenen Klang besser, aber ich glaube, das ist ein work in progress.

Theodore, Konzert

Theodore, ©Pinelopi Gerasimou

In Ihrer Musik erkennt man verschiedene Inspirationsquellen, unterschiedliche Stile und Epochen. Können Sie uns mehr über diese Inspirationen sowie über die Art und Weise erzählen, wie Sie die Einzelelemente für das „Gesamtkunstwerk“ zusammengestellt haben?

Seit meiner Kindheit höre ich den griechischen Klassiker Hatzidakis, griechische Volksmusik und Rembetiko. Aufgewachsen bin ich aber auch mit Pink Floyd und The Doors. Seit meiner Studienzeit liebe ich sowohl klassische als auch zeitgenössische Komponisten wie etwa Steve Reich. Radiohead und Sigur Ros bringen mich immer wieder zum Tagträumen.

Bei Ihren Live-Auftritten wird auf der Bühne regelrecht eine Geschichte erzählt. Wie wählen Sie das jeweilige Ensemble aus, mit dem Sie zusammenarbeiten? Und wie bauen Sie die Dramaturgie Ihrer Auftritte auf? Mit welchen praktischen Schwierigkeiten müssen Sie sich auseinandersetzen?

In den letzten Jahren arbeite ich kontinuierlich mit derselben Gruppe zusammen, auch die Musiker, die Licht- und Tontechniker gehören zum Stab. Wir bereiten uns auf die jeweiligen Konzerte vor und wir versuchen, jede Kleinigkeiten zu berücksichtigen, so dass wir uns auf der Bühne, ohne weiteres Nachdenken, ganz auf unsere Kreativität, die aus dem Unbewussten schöpft, einlassen können. Die Bühnen, auf denen wir auftreten, sind sehr unterschiedlich. Es ist eine große Herausforderung, unsere Performance an die jeweiligen Bedingungen anzupassen. Ich freue mich sehr auf den Berliner Auftritt mit Leon of Athens. Auch er versucht, seine Musik über Grenzen hinweg dem Publikum nahezubringen.

Man könnte Ihren Ansatz als Programmmusik beschreiben. Woher schöpfen Sie Ihre musikalischen Themen? Wie entscheiden Sie, ob Sie ein Musikstück mit Text versehen oder nicht?

Ich entscheide mich gerne für ein bestimmtes Thema, bevor ich mit der Arbeit beginne. Dabei schöpfe ich vor allem aus Ideen, Gedanken und philosophischen Fragestellungen, die mich immer schon beschäftigt haben. Damit will ich aber keine endgültigen Antworten darauf geben, sondern Dinge untersuchen, die immer schon in mir schlummerten. Dabei kommen unausweichlich Teile meiner Persönlichkeit und der Situation, in der ich mich aktuelle befinde, mit ins Spiel.

Die Fragen hat die Pianistin und Musikwissenschaftlerin Danae Vitsiou gestellt, beratend zur Seite stand ihr der Dirigent und Kurator Christos Drouzas. Übersetzung: Michaela Prinzinger. Fotos: Pinelopi Gerasimou.

Mehr Infos und Tickets zum Berliner Konzert finden Sie hier. Website von Theodore: www.theodore-music.com. Website von Leon of Athens: www.leonofathens.com. Club Musik & Frieden: www.musikundfrieden.de.

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