Griechenland – Krisenfieber am Sehnsuchtsort

Heinrich-Böll-Stiftung bietet Bildungsurlaub an

Das Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung veranstaltet im Mai (16.-22.5.) eine Bildungsreise nach Griechenland. Die Tour ist in Berlin als Bildungsurlaub anerkannt und thematisiert das deutsch-griechische Verhältnis im historischen und aktuellen Kontext. Engagierte Menschen sind gesucht, die Interesse haben, mitzukommen oder das Angebot weiterleiten. Momentan ist die Mindest-Teilnehmerzahl nicht erreicht, wir finden es aber besonders jetzt wichtig, solche Reisen zu machen. Mehr Infos und Kontaktdaten finden Sie hier.

Die Reise findet nach der Parlamentswahl in Griechenland statt, die mit dem Wahlsieg der Syriza eine politische Wende brachte. Thema ist das deutsch-griechische Verhältnis im historischen und aktuellen Kontext,  berührt werden dabei Archäologie, Geschichte und Geschichtspolitik, aber auch die sozialökonomische Krise und den Bereich Migration.

BesucherInnen treffen heute auf ein Griechenland, in dem sich aus einer weltweiten Bankenkrise eine Staatskrise entwickelte, deren Ausbreitung als Bedrohung für den Bestand der Europäischen Union interpretiert wird. Die Proklamation von politischer Alternativlosigkeit, ob in der Flüchtlingspolitik oder der Finanz- und Wirtschaftspolitik der EU, wird in der Wahrnehmung maßgeblich durch deutsche Politik betrieben, deren Konsequenzen die Zerstörungen von Millionen konkreter Biographien und eine sich allgemein ausbreitende gesellschaftliche Hoffnungslosigkeit sind.

BU - Griechenland 2015

Das Projekt Europa droht zu scheitern, weil die Schaffung von Binnenmarkt, Europäischer Zentralbank und Euro, Grenzregime, Parlament und Gerichtshöfen eben nicht die Frage beantwortet, wie der Schutz der sozialen Rechte und die demokratische Mit- und Selbstbestimmung der europäischen BürgerInnen in einem europäischen Projekt organisiert sein sollen.

Die Reisenden werden Menschen treffen, die als GewerkschafterInnen, AnwältInnen, AktivistInnen und WissenschaftlerInnen zu leben versuchen, was Europa ausmachen sollte: Empathie, Gleichheit, Freiheit.

Sie kommen als ErbInnen der Deutschen, die als Bewunderer, Erforscher oder Träumer Griechenland betraten, aber auch als Ausbeuter und Besatzer kamen. Auch heute werden in unserem Namen in Griechenland politische Tatsachen geschaffen, in denen wir uns zu spiegeln haben. Vielleicht werden wir dabei auch eine Ahnung von einer Zukunft bekommen, die ein anderes Europa werden kann.

Diese Reise ist nach dem Berliner Bildungsurlaubsgesetz auch als Bildungsurlaub anerkannt.

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Programm

Folgende Themen stehen auf unserem Programm:

Athen als Ort sozialer und politischer Proteste
Die Geographie der Proteste (Stadtbegehung)
Soziales Engagement

Archäologie und Nationalismus
Ausgrabungsstätte Delphi
Deutsche Archäologie in der Besatzungszeit 1941-44

Distomo
Deutsche Verbrechen und Partisanen während der
Besatzungszeit
Geschichtspolitik und Entschädigungsfrage
Griechische Gedenkpolitik und lokaler Antifaschismus

Krise in Griechenland
Die sozialökonomische Krise Griechenlands seit 2008
Griechenland nach der Wahl

Migration
Griechenland als Ankunftsort
Situation der Flüchtlinge in Griechenland

Begleitet wird die Reise von
Simon Cames und Raik Stolzenberg

Die An- und Abreise nach Athen erfolgt individuell auf eigene Kosten und ist nicht im Teilnahme-Beitrag inbegriffen.

Die Übernachtungen in Mittelklasse-Hotels inkl. Frühstück (Zwei-Bett-Zimmer), die Teilnahme an den Veranstaltungen und der Transfer zu den Veranstaltungsorten ist durch die Teilnahmebeiträge bzw. die Zuschüsse des Veranstalters abgedeckt.

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3 Gedanken zu “Griechenland – Krisenfieber am Sehnsuchtsort

  1. Sehr zu begrüßen, selbst wenn man persönlich nicht Gebrauch machen kann.

  2. „Sie kommen als ErbInnen der Deutschen, die als Bewunderer, Erforscher oder Träumer Griechenland betraten, aber auch als Ausbeuter und Besatzer kamen.

    Bewunderer Bewunderin
    Erforscher Erforscherin
    Träumer Träumerin
    Ausbeuter Ausbeuterin
    Besatzer Besatzerin

    ich hab nix dagegen, daß Ihr etwas – aus meiner bescheidenen Sicht –
    feministisch orientiert seid. Aber die Sprache liegt Euch doch auch am
    Herzen?
    Gruß Veit

    • Lieber Veit, das Maskulinum wird traditionell als Generikum verwendet, also als bei Geschlechter umfassender Begriff. Es geht uns schon, wie du richtig bemerkst, um die Sichtbarmachung von Frauen in diesem „Generikum“. In dem konkreten Satz wär aber schon ein Monstrum draus geworden, da haben wir dann die Ideologie der Ästhetik geopfert (Smiley) und euch das Weibliche immer mitdenken lassen. Lieben Gruß, Michaela

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