Köstlichkeiten aus Kreta

Interview mit Dietmar Burmeister-Horvath, Importhändler

Es erging ihm so wie vielen Menschen aus den deutschsprachigen Ländern. Vor mehr als zwanzig Jahren kam Dietmar Burmeister-Horvath zum ersten Mal nach Kreta – und blieb. Zuerst nur in den Ferien, doch heute immer wieder auch zwischendurch, um die Olivenernte aus nächster Nähe zu beobachten und am Leben in seinem Dorf teilzunehmen. Mittlerweile sind Kreta und seine kulinarischen Produkte zu seinem beruflichen Lebensinhalt geworden.

Sie feiern in diesem Jahr das zehnjährige Bestehen Ihres Versandhandels „Gutes von Kreta“. Wie kamen Sie überhaupt auf diese Idee?

Nach Kreta bin ich durch meine Frau gekommen, die gut Griechisch spricht und schon oft auf Kreta gewesen war, als wir uns in den 90er-Jahren kennenlernten. So bin ich mit ihren Freunden in Westkreta, in der Gegend von Kolympari in Kontakt gekommen. Und dann hörten wir uns um, ob nicht vielleicht ein Haus zu verkaufen war. Schließlich wurde uns ein Grundstück in Vassilopoulo bei Kolympari angeboten. Wir haben das alte Steinhaus hergerichtet und hatten ein Feriendomizil. Im Dorf wurden wir durch die Sprachkenntnisse meiner Frau schnell aufgenommen.

Was haben Sie damals beruflich gemacht?

Ich war Trainer für Marketing und Kommunikation bei einem großen Berliner Bildungsträger und meine Frau war halbtags Krankenschwester. Um 2000 war ich mit meinem Job aber nicht mehr zufrieden und habe dort aufgehört. Ich komme ja aus der Freiberuflichkeit, ich war früher Musiker, Schlagzeuger. Ende der 70er, Anfang der 80er, das waren für mich die besten Berliner Jahre, war ich Gründungsmitglied der Kollektivkneipe „Morgenrot“. Die lag am Paul-Lincke-Ufer und war richtig Kult, gleich neben dem „Exil“, einer anderen Kultkneipe aus der Zeit. Nina Hagen, Blixa Bargeld, ausländische Bands auf Berlin-Gastspiel gingen dort ein und aus.

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Es war eine tolle Zeit, wir haben viel Geld verdient und es mit beiden Händen gleich wieder ausgegeben. In den 80ern habe ich dann weiter in der Kneipenszene gearbeitet und auch bei Konzertagenturen, als Mädchen für alles. Nach der Wende wurden die Zeiten ruhiger, viele Weggefährten sind am Alkohol oder durch Drogen zugrunde gegangen. Das hat mir zu denken gegeben. Da habe ich eine Fortbildung gemacht, bin Trainer und dann Seminarzentrumsleiter geworden, habe also „die Kurve gekriegt“. Trotzdem war ich um 2000, wie gesagt, davon unbefriedigt.

Und dann kam wohl Kreta ins Spiel…

Ja, ich bin nach Kreta runtergefahren, habe am Haus weitergebaut, endlich ein bisschen Griechisch gelernt. Da sagte meine Nachbarin zu mir: Verkauf doch unser tolles Olivenöl in Berlin! Auch unsere Berliner Freunde haben uns darin bestärkt. Damals durfte man ja im Handgepäck noch große Kanister Olivenöl mitschleppen. Dann wurde bei uns in der Küche in Flaschen abgefüllt und ordentlich rumgekleckert.

Dann nahm die Idee Gestalt an, das Öl hier zu verkaufen. Mit einem Freund zusammen haben wir überlegt: Einen Laden aufzumachen kam nicht infrage, das war zu teuer, und wir waren zu unerfahren. So beschlossen wir, über die Berliner Wochenmärkte zu tingeln, mit Olivenöl, Honig und Olivenseife. Das haben wir dann drei Jahre lang gemacht, bei Wind und Wetter, das war eine harte Zeit.

ELIA-Produkte

Wie war das Feedback der Kunden?

Recht gut, weil damals gab es noch nicht so viele Stände, die solche Sachen angeboten haben. Andererseits war damals der Olivenölverbrauch noch nicht so hoch wie heute. Also war mein Umsatz nicht gerade riesig. Dann kam ein Freund aus früherer Zeit auf mich zu, Thomas Kurt, der das Restaurant E.T.A. Hoffmann in Kreuzberg führt und hat mich auf das kretische Öl angesprochen. Er wollte es für seine Küche haben.

Das war der Start meiner Großhandelstätigkeit. Er war mein allererster Kunde und ist es heute noch. Thomas hat mich weiterempfohlen und plötzlich war ich mit den Restaurants am Gendarmenmarkt – Aigner, Brasserie und Kolja Kleeberg vom VAU – im Geschäft. Dann habe ich richtig Mut gefasst und bin Klinkenputzen gegangen, immer mit einer kleinen Probe dabei, bin in die Küchen rein und habe mein Öl angeboten.

So ist das kretische Olivenöl ein Teil der Berliner Spitzengastronomie geworden?

Es gab schon einige, die damit arbeiteten, aber noch nicht so viele. Ich konnte auch gute Preise machen, weil ich ja das Öl von Giannis Michelakis von der Kolympari SA verkaufe, der im Nachbardorf wohnt und mittlerweile mein bester Freund ist. In seiner Ölmühle gehe ich ein und aus.

Wie transportieren Sie das Öl nach Berlin?

Mit einer Spedition, im letzten Jahr habe ich 40 Tonnen Öl verkauft. Früher bin ich noch selber mit kleinen Lastwagen gefahren, hab das Öl in 70-Liter-Kanister abgefüllt, es war abenteuerlich. Aber die Transportkosten waren viel zu hoch. Darüber hinaus habe ich das Öl selbst in Flaschen abgefüllt und mit selbst gemachten Etiketten beklebt. Ich wusste gar nicht, dass das überhaupt nicht gestattet ist. So haben wir uns umgestellt und führen jetzt das Öl schon fertig in Flaschen abgefüllt ein.

Olivenhain

Schwerpunkt Ihres Versandhandels ist nach wie vor das Olivenöl. Aber Sie haben Ihre Produktpalette nach und nach erweitert und führen auch andere kretische Spezialitäten…

Ja, angefangen hat es mit dem leckeren Thymianhonig, dann kamen verschiedene Essigsorten. Mit Kosmetikprodukten hatte ich im Großhandel nicht so viel Glück. Auch die Idee, in die deutschen Supermärkte reinzukommen, habe ich schnell wieder aufgegeben. Das ist Dumping hoch drei, und die arbeiten mit Methoden, da hab ich nichts mit am Hut. Unsere Philosophie lautet folgendermaßen: Ich kenne die Hersteller aller Produkte persönlich, die ich verkaufe. Ich kenne die Produktionsstätten und weiß, wie sie hergestellt werden. Daher kann ich sie mit gutem Gewissen verkaufen. Da wird nicht rumgepanscht, da gibt es keine Zwischenhändler. Das kommt original hierher, hat aber auch seinen Preis.

Seit 2007 betreiben Sie parallel zum Großhandel auch einen Internet-Shop. Hat sich das zum zweiten Standbein entwickelt?

Anfangs war das Internet nicht meine Welt. Seit 2-3 Jahren stellen wir aber Zuwächse fest, nachdem wir den Shop kundenfreundlicher gestaltet haben. Wenn Sie griechisches Olivenöl bei Google eingeben, bekommen Sie jede Menge Shops angeboten. Unser Bonus ist unsere Kundenfreundlichkeit, viele Kunden rufen mich an und wollen Tipps, wohin Sie nach Kreta auf Urlaub fahren können. So haben wir unsere Stammkunden und seit einem halben Jahr haben wir unseren Facebook-Auftritt optimiert, also kommen von daher auch neue Kunden dazu. Zum Glück hilft mir meine Frau dabei…

Ihre Frau ist, wie ich am Schild draußen gesehen habe, Heilpraktikerin?

Sie ist Gesprächstherapeutin, Heilpraktikerin und Trainerin für sozialmedizinische Berufe. Und sie produziert mit den Frauen des Dorfes Kräuter und Deko-Artikel. Jetzt ist sie gerade auf Kreta beim Kapern-Sammeln, dann gibt es im Herbst immer Kapern im Glas. Das ist dann auf Messen ein Renner, die kommen gar nicht in den Shop, sondern werden in kleinen Mengen produziert. Gerade arbeitet sie mit den Frauen unseres Dorfes an einem kretischen Kochbuch. Anfang November wird das Buch „Mezedakia“, also „Vorspeisenhäppchen“ fertig sein.

Mezedakia sind ja mit das Beste von der griechischen Küche, da werden wir auf diablog.eu bestimmt ein Rezept und einen Buchtipp bringen…

www.gutesvonkreta.de, Fotos: Dietmar Burmeister-Horvath

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